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riUKINGISCIlE GESCHICHTE 



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Ar/n^RTl'MSKliMDE 



NKPE mM. SKriISTEli BAMi 

Haft • wrf-^r 



*'•<- 



JENA. 



ZEITSCHRIFT DES VEREINS 

FÜR 

THÜRINGISCHE GESCHICHTE 

XJND 

ALTERTUMSKUNDE. 



KEBE FOLGE. SECHSIEE BAND. 

DES QAKZEN rOLQE VIEKZEHNTER BAND. 



Hit 8 Tafeln und 8 AbbildniiKen im Text«. 



-i^-*-^ 



JENA, 

VESLAG VON GUSTAV PI8CHBB. 
1889. 



«TANrono UNIVCRBITY 



MAR 2 4 1971 






Inhalt. 



Sät» 
AbtuuldlmwAn. 

I. Erste BQndDiibeatrebangeii evaDgeliicher StKnde. Von Dr. 
8toph»ii Btoy., ., , ., .. .^■...- ., , , ,., 1 

II. Dia uuüfalder Altuwetk^tt. -Eif, QaduikbUtt cur tänl- 
busder^Kbrigsn TeroiDlgmig Saalfalds mit dem Huue HdTBeii. 

Von Prot. Dr. P. Lehtaldt. (Mit Tirfel I und n) . . . 897 

III. Friedrich tod Thtm, Karfürat Friedriclu dea Waisen Bat 
und Hnaptmaon an Weinur, Torirag, gabaltan auf der 
HauptrersamnilnDg des Vareins für thQringische Qeicbichte 
und Allartnmsbinda zu Jana am 83. Seplembar 18B8 von 

Dr. Frhro. tod ThDna. (Mit 1 Abbildung im Tait) . 3S3 

IV. Arnstadt in den Zeiten des dirifsigjlbrigen Krieges. Von 

Prof. E. Einart 11 87tt 

V. Der Braetaatenfond an Sulsa. Von BadolfTon HSfken. 

(Hit Tafel ni nnd 1 Abblldnng im Text) 483 

1. Dia Plfindernng and Eriegenot in Sndolstadt batr. im J. 

1640. Ton Dr. B. Anemüller, Archivrat 873 

8. Die Utestfl FrfBkenUosar Saliordnang, [14]94 No7. 30, 

und du Hamoriale I. Von Dr. O. Dobanackar. . . 608 

Idttantnr. 

1. Ban- nnd Ennstdankmller Tbaringens. Im Auftrage der Ba- 
glernngan tob SaohBan-Wdmar-Eisenach, Sacbsen-Heiningan- 
HUdbacghansen, Sacluan -Altanbnrg, SKbseD-Kobai^ nnd 
Qotba, Schirarzbnrg-Rndolstftdt, BanlJl Eltara Linie nud Beuh 
jOngereLiniabaarbaitatTon Prof. Dr. P. Lehf« Idt. HaftI: 
Oio&heriogtum Sacbsen-Weimar-Eisenacb. Amtagariohtab«. 



IV lolwlL 

inl Jmm. H«A ü: Hanogtmn HThnnn flltmihiin .Amta- 
g«ieItttb«>M< Rod«. Jana, Varteg ron Qutar FSachcr. 

18S8. B«apfx>elMn Ton E. Kriiieba HT 

e. HkgtiUr Priadrlch Friaic Bütoriaelia NaeliTiehc Ton 
d«a MMTkwIrdigea Zaraaoiiian dar aHanbufUchen Bwsn. 
ITOt. Ncadnek, mit VMMtaag nnd Anmarkniigea rer- 
iaban ate. ScIibSIId lUT. Basprodian tdu Dr. O. Do- 
baeaekar 387 

S. Dbaniefat dar Danardiiigi anebianaDcn Schriftan und AaC- 
■lUa mr ÜiGrhigladMn Gaacbiehte aad Attertmiukand«. Von 
Dr. O. Dobaneekar 388 

4. Bbd- Dod KoMtdaDkmllar ThBrfaifaiu. Im Anftnge etc. 
bawbaitat tod Prof Dt, P. Lghraldt. Haft ni: Benog- 
tnm SachaaD-lltanborg. AmUgarichtabedtk Sah]». Haft IT: 
RaraogtiuD Baahaea 'Altanbinx. Amtagaricbtabaiirk Eiien- 
barg. JaD», Tarlag TOn OnaUv nachar. 1888. Baeproeben 
von E. Kriaaeba 583 

(, BamarknogaD nnd Boichli^iuigen ni dem Haft I (Jana) der 
KaaUi4iDkBlXlM-£ot%»lcbnaiig ^ArfDgaiis. Von Prof Dr. 
P, Labfaldt 5S8 

B, Barfefalipugaa mm ürknndaDbiiob dar Stadt Jana , Bd. I. 
(ThartDRlfcfa« OaachlcliUqnallen H. F. Bd.m, I.] Jana 18B8. 
Ton I>r. Hartln 635 

I. übaralcbt dw nenardingt araeblanenan Scbriften und Aiif- 
■Itla mr thSrloglicban Gaaoblcbta and Altartnmgknnda. Tod 
Dr. 0, Dobanackar SS6 

0MDUUtUah* XitUUangni. 

1. Barieht Rb«i di« TbitiKkait dai Vareina ftlr th&ringiwbe Oe- 
■chlchta nnd Altartunukoode in der Zai( von der Baupt- 
Taraammlnng In Elienacb am S6. Juni IBBT bia aar Hanpt- 
Tataammlnng in Jana am S2. September 1B8S von B. A. 

Llpsln» 5*7 

t. KaHa-AbicblnA tut. Daiambar 1B87 n. nlt. Dezember 1888 564 
S. FortBatiaag da> VandcbnUges dar Tareine and Institute, 
mit denen dai Teraln ffir Ihüringiacbe Oescblebt« nnd Alter- 
tamskiiode in 8cbrifi«naiutaaich ataht 568 



Abhaudiangen. 



I. 



Erste Bündnisbestrebungen 
evangelischer Stände. 



Von 



Dr. Stephan Stoy. 



Jjis war da* Verh&ngDis DeuUcliluids , doT* wltLrend 
der gröfaten Kri»ii seiiK^r Gecohiohlo ein AuBlSndor auf dem 
Throne Karls de« Orol'sen f&h. Dia Keformaticin war her- 
Torgegaagen aus der Eigentümlichkeit der VerCiuBung nnd d«r 
Geitteseotvicklung der deutsctten Nation, sie Tenlelieu und 
ihr gerecht werden konnte nur. wer selbst Tora Wehen die- 
■ea Geistes berührt vor. Karl V. aber ww ein Fnmdort 
getrennt duruh Sprache und Erziehung. Wie er deutaoh 
nur mit soinen Pferden sprach, >o war auch seine guua 
Leben SR nsobanung eine andere. Es kam hinzu, dafs in fei- 
ner UniTor»almoiiiirchie , deren Grundlage die Niederlaoil» 
und fipaaion, Ileutsohlands Interessen nicht einen Augeobtidc 
den Mittelpunkt »einer Bestrebungen bildeten. So »hr er 
xnr ErfiUlung seiner universalbis ton scheu Aufgabe des Kai- 
sertums bo>]i)rfle, die deutsche Nation war ihm doch nur 
«in Kaktor unter vielen. Populäre Enlwioklung durfte or 
datier nicht dulden, hier so wenig als in Spanien, um no 
gefUhrlioher aber muMe ihm eine eolche ericheinen, Wdnu 
sie eich mit einer religiösen Neugeetaltung verband, deren 
Wesen ihm fremd und unveretSndlioh , deren Tendenz ihm 
feindlich und rerhafet war. 

So konnte KarU V. Stellung Kur Reformation Luthen 
«on Toraherein nicht anders sein, als vie sie siuh eu Worms 
offenbarte. Etosig poUtiache Erwägungen , vor allem die 
BUcküohtDahme auf dio deutaohen Vertiältnisse waren Ursache, 
difs sie nicht Mher in ihrer wahren Gestalt sioh seigte. 
Tardanunt war Luther, ehe er den Widerruf verweigerte. 



g Erst« BundiilsbestrsbiitigeD erangeliscbei' Stände. 

Man weifa^), wie jenea Wormser Editt zuatandekam, 
ohne BeTatuDg und Beachlufs, durch tj benumpelung der 
deutBchen Fürsten ward es als ReiohBgesetz vertündigt. 
Auf Grund der päpstlichen Bannbulle ■wird darin Luther als 
der böse Feind in Menschengestalt, der einen Haufen alter 
Ketzereien in eine stinkende Pfütze rersammelt und neue 
Gottlosigkeiten liinzu versammelt, der zu Au&uhr, Mord und 
Brand rufe, alle Gesetze umatürze, ein Tdehisoli Leben lehre, 
in des Beinhea Acht erklärt. Niemand darf ihm Unterhalt 
oder Nahrung bieten, wer seiner habhaft wird, mufs ihn 
greifen und dcia Eaiaer auBliefem. Seine Bücher müssen 
vernichtet werden. Überhaupt aber darf im heiligen Reich 
kein Buch mehr ohne Einwilligung der geistlichen Obri^eit 
gedruckt oder verkauft werden. 

Im engsten Bunde mit Born war Karl Y. gegen Luther 
vorgegangen. Biese Thateache wird noch bedeutungsToller, 
wenn man den Bündnisvertrag ') Karls V. mit Lee X. , der 
dasselbe Datum des 8. Mü trägt, zur Vergleichung heran- 
sieht. Da es Pflicht sei für die höchsten Gewalten, Friede 
und Bähe in der Christenheit au erhalten, heifst es hier, 
so reiche der Papst dem Kaiser zur Herstellung des Prie- 
deus, Eur Bekämpfung der Irrtümer und zum allgemeinen 
Krieg gegen die Türken die Hand zu ewiger Freundschaft 
und unverletzlichem Bündnis. 

DaTs nun gleiotawohl das Wormser Edikt nor teilweise 
zur Austühmng kam , lag nicht an Karl Y. , der selbst im 
erdrückenden Übennafs der Geschäfte Deutschland nicht aus 
den Augen verlor. Aber fem in Spanien vermoohte er 
seinen Weisungen keine Geltung zu verschaffen. Wohl war 
zu seiner Stellvertretung in Worms das Beichsregiment be- 
schlossen worden. Allein, so ernst es seine Aufgabe erfafate 
und Ton den besten Absichten erfüllt war, zu dorohgreifen- 



I) Vergl. Butke, Deatache Qeschlchte im ZeiUller der SafornutioD, 
I 3. 340 fF, Baomgu-ten, Gucbicbte Karl» V. I 8. 481 tL 
i) Vwgl. Buks, B. 338. Banrngarten, S. BIG. 



Ertla BflndalabwtrBbancni »TKnnaliMbar Stioils. 7 

der TliStigkeit gelangte es nie, d& ihm jede wirkliche ese- 
kutiTa G«w>1t fohlto. 

Wie KurTüiBt Friedriuli Ton 8aoh*«n den Kotier tuther 
nicht Mugeiiefert, so war auch sonst das Woniuer Edikt 
irenig znr Geltung gekommen. Einige geiiÜiche Ftinteu 
und der allezeit ei&ige Oegner Luther«, Uenog Georg von 
Sachsen, hatten es xwar in ihren Gobioton verkündigt, bei 
anderen war es kaum bekannt gemachL Es htdf aueh nicht«, 
dals Hersog Georg mahrfacb') deewe^ii beim B«glnieDt 
klagend yorgegaugeu war. — Die allgemeine Lage Deutsob- 
lands, flpfeioll die Yerhältnü*« der Iteichsstodt Nürnberg, 
wo Regiment und später Eeichstag tagten, vrarflu derart, 
dafa sie ein euargtGuhus Vorgehen gegoa die Neuerungen 
Luthers unmöglich mac.htea. Nichts ist beseichnender hier- 
fUr, als der Reichstag vom Jahre 1523. Die Geistlichen 
hatten daa entsuhied engte Übergewicht, Ferdinand and der 
alle an katholisebem Eifer übarbieteDde Kurfürst Joaohim 
von Brandenburg waren persönliuh nuwesend; gleiobwoU 
kam im kloinen Aassohur« ein Entwarf ko stände, den die 
katholische Majoiitüt du« Rtdchstags iwar in einigen Ponk* 
leu undZueStsen uoob äudum konule^), der aber, im wesent- 
lichen doch dann angenommen, einen ungeheuren Fortsohiitt 
gegenüber dem Wormser Edikt bekundete, Wohl ward in 
diätem Abschied Luther das Schreiben verboten , fhr die 
Pr<ediger eine Norm festgesetzt, die Luthers Lehre durchaus 
nicht entsprach. Ua& erklärt sich auch Kum Gehorsam gegen 
den Tapst verpAichtct , aber man nieclit das Einschreiten 
abhängig von der Abstellung der Uifsbrünohe. Das Bedcu- 
tungSTollito jedoch war, dafe man ein Eonnl verlangt« und 
xwar ein freie», welches, um diese Freiheit sicher xu stellen, 
nach ^tralsburg, Mainz, Eäln, Metz oder einer anderen be- 
quemen Stadt deutscher Nation berufen werden sollte. 



1) TtTgl. BBamgulen, ti. tSl IT. 

S] Vcrgl. Buikc U. ä, ST B. llaumetrten, 8. 9B1 ff. 
tmohw, QeNbkhC« der katholl»«h<iii Bofunnatioc, S. ISO. 



MkUreU' 



8 



Ertle llllni1n»})fi»lr<^UDeen «TiiigtUichar Stund«. 



So TMÜg man io religiöMr Hiniiobt sich aiif Luthan 
Blaudpunkt atellte, dt;r Druck der Lage, die allgomeine Aati« 
pslliie gegen Born waren so stark, daTs man einen grofaen 
Soliritt ihm entgegenkam. Ähnlich lagen die Verhältnisso 
auf dem folgenden Nürnberger Beiotiatage '). Di« klerikale 
Majorität war wieder yorhandeu , vom Kuieer durch den 
Spezi algea and ten Hannart , vom Papst durch den Legaten 
Campeggi angefeuert und unterstützt, und trotsdera kam nur 
der BeBchlufs zustande, man wolle da« Wormser Edikt ans- 
(lihreii, soviel den Ständen möglich. 

Aber zugleich fordert man abermals , dafs bo bald als 
m<{glich ein gemeines freies CniversalkonEil der ChriEtenheit 
SD einer gelegenen Walstatt in deutsolior Nation durah den 
Fapst mit kaiserlicher Zustimmung ausgeachriebon werde. 
Kiohlsdesto weniger soll auf nächsten Martini in Speier eine 
„gemeine Versammlung Deuteoher Nation" Eugammen treten, 
auf der allo Stände ku beraten haben, „wie es bis zu Aq- 
stellung dea gemeinen Conoilii gehalten werdm aoll". Stände, 
bcEondere diejenigen, welche hohe Schulen haben, aollen 
duroh ihre gelehrten Bitte einen Auszug aller neuen Lehren 
und Sucher machen lassen und ihn auf dieser Versammlung 
Tortragen, um detito fruchtbarer darüber auf zukünftigem 
Conoilio handeln tu können. 

IKe Heftigkeit, mit der Kaiser und Papst diese Be- 
echlfisae bekämpften , begreift sich ; denn »ie sahen dabei 
nur auf das, was dem Wormser Edikt zuwider lief. Diea 
ist uns aber zugleich ein Beweis der Bedeutung dieaea 
B«ich£t«gsBbschiedea. Der Reichstag hatte damit sieh aber 
den Befehl und WiUen dea Kaisers hinweggesetzt, und zwar 
doch nur mit Bücksioht auf die Oesamtheit des deutschen 
Volkes. Daa eben ist das Entscheidende an diesen beiden 
NOmbergtT Beiohstagsab schieden , daTs man die allgemeine 
StrömuDg EU guusten der antirömtschen Neuerungen trota 
aller andern Abüohten anerkennen und ihr Ronzessionen 



1) Sank* U, S. Bl ff. Baurogvteo II, 8. 3IS B. 



Krtu BUndnistiMlrtbaDReD ev>ng«U»cb*r Kllad*. ff 

muih«D muf*. Die AURemcinküt vw voth du Ifafa- 
^bend«. Aui diea«m Qed&ukcD Ueraun nimmt man die 
Speierer VersammluDg in Auaucltt '). Uag dieser Bescblufi 
noch so sehr aus Yerlegenhrit , aus dem Bestrob«a, «ioer 
bestjramlen Entscheidung ausEuweiohen, hervor gegangen sein, 
gerade diese UnentBchieilcnheit ixt dns BcsciohnenHo der i^i- 
tuatiOD. Trotx Kaiser und Papxt. und der olTenkundigen 
Majoritüt wagt man keine bestimmle Erklärung mit BUok- 
»icht auf die allgemeine StimmuDg. Kann eii einen stärke- 
ren Beweis geben fUr die Uberwültigende , alles mit sich 
foTtreifsende Macht der rcformateriBrhen UeTegung in Deutsch- 
land? Die Nation sollte dort in 8pei«r entscheiden, wie sie 
es io ihren kirohliühen Oobriiuohon nad Eiorichtungen hal- 
ten iroUe. Jede Partei konnte dort hofftsn, ihre Annohniiun- 
^D zur Geltung Ku bringen , wie ja Ferdinand so gut wie 
die fränkischen Fürsten eto. aufe emstliohste sich dazu Tor- 
bereitett'n und rüsteten*). 

Eine einheitliche Lotung war aber damit noch nicht 
ausgeschlossen. Tndem jedoch Kaiser und Papst diese Speierer 
TnrMmmlung, der Kniter duroh sein strenges Yerbot vom 
15. Joli , dpr Papst durch den Regonsliurger Convenl *) 
Terhinderten, ward diese Auesioht Tomtchtet. Ein KodkU war 
XuaSchst unmöglich. Untersagte man unter solchen Umstän- 
den die nationale Regelung, legte mau anderseits sofort 
Uasd an eine einseitige Neuordnung, so war der Zusammeo- 
hang unterbrochen. Denn auch die Reformation konnte 
nicht mehr still stehen, wenn sie sich nicht selbst aufgeben 
wollt«. 

Wie der SIutk dos Beichsregiments eine Niederlage des 
Zentrali satioosgedonkeni, so waren der ßegeosbuiger Koaveut 
und da« Verbot der fipeierei Versammlung weitere Etappen 



1) VsTgl. Roiiks. BkuuiKSTt«D U , S*I < iluisa Auffkuung ich aa 
dan Im Text «{^rtoMo ErwSKungaa nicht so tellon vsnnsg, 
S) T41KI, Rsnka U. S. 10t. 
S) VsTRl. äsungutta U, S. SIS ff 



I BrtlS Il<ln4iiis>is?t»hUDerii vvKngaliinhar AULnda, 

«af dem territorialen EntinoklungRzug nnBrer Gescliicht«. 
Kuser und Reich versagten Rieh bei Neiiordming d«r 
deutsohen Dinge. Fortan mufslen steh die einxelnon Torri- 
torien selber helfen. 



Bündnisbeetrebungea bis xum AbsoUaCS des 
Gotha-Torgauep Tertrsgs. 

Dm Jahr 1524 iat ein Wendepunkt in der Entwicklung 
der deutschen ReformatioQ. Zum ersteu Male wieder trat 
die katholiiche Reaktion eatschloBseu und einheitlioh gegen 
Luther und seiu Werk auf. Den g ein eins amen Bemühungen 
TOD Xaiaer und Fapst gelang es endlich, eine katholische 
Gegenpartei um sich zu scharen , die , aoterBtützt Ton einer 
Scher tüchtiger and u&erroüdlioher Utterarieoher Widereaiiher 
Luthers, dem AüBturm der Reformation den erateu virk- 
aamen Damm entgegenzustellen Termochte. 

Ihr erster Erfolg war das Yi-rbot der zu Nürnberg b&- 
scbloBEBueD Speierer Vereammluiig '). 

In den schärfsten Ausdrücken *) hatte der Küaer da 
untersagt. Das sei eine unerhörte Anmafgung , dafs die 
deutsche Nation lur «ich allein unternehmen wolle, was doch 
alle christlichen Fürsten samt dem Papst aich nicht unter-J 
fangen dürften, die uralten christlictien Ordnungen abiiuthuD.1 
Der „unuieiiGohliche und unohristliche Luther meine zwafl 
mit HHinem unseligen bösen Gift" und seiner „«rglistigon 
Bofheit" „sieh wie ein Mahomet" vor den Uousohen grols zu 
naohen. „Deshalb befehleu wir Euch", heifst es weiter, „bei dea 
Pflichten , mit denen Ihr uns und dem heiligen Reich \ct- 
iraudt loid , und bei Vermeidung Criminis laeaae Majestatii^ 



1) Buk« VI, ita. 

S) BuumgiirtciD IJ> 844> 



KmU BUiiJnUbeilr«biiiig«u rvnngaliiteher SIKad«. 



11 



unacr und do« Beiotui Acht und ObOTuht ood Verlust &ller 
Onndon und FroiheiteD'* von dem Wormaer Edikt in keiner 
Weise abzuweichen , HOndern ntritukH durohzuitihron , am 
wenigsten licli mit den vorgenommenen KvosiloD und andern 
DisputatioDOn zu befas^on. 

Wie ernst es dem Koitnr damit war, zeigen die weiteren 
Befehle an Ferdinasd, Kanuart und den tohwäbischen Bund. 
Wie dteseiti ') nochmali au»<lriluklinh bvfohlon wurde, dan 
Worm«ei Edikt in seinen Gebieten durßhzu(uhr«n , «o er- 
hielt Hannart die Weisung, beim Begiment durvhzuiietzeu, 
d&fs an Nürnberg ein Exempel statuiert werde Suroli £nt- 
EJehung aller Gnaden, Freiheilea und Pririte^eo. Iiuoweit 
kam Karl den Wünscben iler Kurie getreulich nach. Scheute 
«r zieh zunächst*) auch noch, gegen dan Kurförstea von 
Sachten *} mit allen Mitteln TorKuguheu und ihn der Kur zu 
ont«etzeD, wie es Klumeos VII Terlangt hatte, so war doch 
ait der wahren Oesinnuug des KalBeis gegen den Kurfürsten 
niilit mehr su zweifeln. Denn eben in jenen Tagen lä«te 
Karl da» bisherigt gute Verhältnis, wir bh geil den Tagen 
Reiner Wahl mit Friedridi dem Weisen bestanden hatte, auf. 
Seraolbe Uutiuail, von dem wir tolion gehört, hatte die 
Uitteilung tiberbriiigeu müssen, dafa der Kaiaer fortan*) 
■nf eine Verbindung eeiner Schweater Katharina mit dem 
Keflen des Kurfütatcn verBiolite, 

Nicht weniger besorgniserregend waren jene Begeas- 
bnrger BettcblUase'). Denn hier hatten sieh unter Leitung 
dec ^[Mtliolies Legaten Campeggi Erzherzog Ferdinand, die 



1) Verglticbo H«uingKrl«a U, 8, 34S. 

I) Dtr I^a» !ni MmiiUl il*i Kniaor* v. IS. Juli „bai Vermeidung 
tftailids UesM M*Jo)Uiiii Dto." vu (m Sthrdlioo an Kiurninteii Piidrivb 
wtHelatMn •rordvti. 

3) Rkuko II. III. AaoidkuDit 1. 

4) Rank, n, 115. 

A) Uftitkn II, 108. Mauretilitoelior , QAidiielitc der kitboIItclioQ Bi- 
(onaatloe. ä. W B. 



IS 



Erat« BIIndDisli«slrebnngvii •vnnKcliaKliar SlänJa. 



Herzog« von Bayern, der Brebiechof Ton SaUburg, di« 
Biadliöfe TOD Speier, Strafsburg, KonEtnnz, Basel, Frciting, 
Passau und Brizea 2u UiiterdTäckong der LutberisaheB 
KeueruDgeo und bu gegenseitigär Cnteretützung verpäiobtet. 
Eb folgten die verscbiedencD Yersucbe, die liier bescIiloBaeaen 
FeBtaetzungen zur Geltung 2U bringen; allerorten begannen 
die Verfolgungen. Auob die litterbriaohen Wiilera aober 
Luthers traten energisoheT und Kabireicber aur, selbst Eras- 
muB warf jetzt öffentUub Luther den Fehdehaudaobuh hin. 
Auf allen Punkten der Linie ging die katholische Partei 
Kum Angriff TOI. 

NaturgemäfB moTgte abar dieBem altgemeinen Yordringen 
gegenüber auch die andere Seite ihre Uegenmotsregeln er- 
greifen. Allein es ist cbarakteriatiaoh, dafs man dabei niobt 
etwa der Gewalt mit der Gewalt begegnete , BOitdem data 
man einfach auf Grund der beiden Nürnberger ßeichsab- 
Bohiede Bestimmungen in der religiöspn Frage trat So er- 
liefs am 18. Juli Landgraf PbJÜp|i ') ein Mandat, dos Evan- 
geliura lauter und rein zu predigen, das Gleiche verordnete 
der Laadtagsabaohied Kasimirs vom 1. Oktober 1624. £ben- 
flo lautete der BesobluTs des Städtetags zu Speier 1. Juli 162-i. 
Konig Friedrich von Dänemark, zugleich Herr von ächleswig 
und Holstein , verbot strengstens, jemandem der Beligion 
wegen ein Leid zuzufügen. Aber waren diese Mafsuahmen 
der evangeliacb gesinnten Stünde genÜRend, dem Vordringen 
der katholischen Partei Widerstand zu leisten ^ Konnte man 
Toreinzelt. wie man vorging, hoffen, der immer einheitlicher 
unit kübner nuftrotenden Gegenströmung Meister zu werden? 
Luthers Meinung war das wobl, der oUea allein von dem 
einfachen Worte erwartete. Das war Luthers «inzige Orüfse, 
politiaob aber auch aciae Schwache *). Es bedurfte ganz 
anderer Sohicksalssohläge , ehe die Oben;eugung von der 



* 



X) Vorgl. B*Dk« II, U», 

1} TwEl. Kattlin, Marttn Lnthtr, I, sag. 



Ente BündniBbcatrobuDgui avuig«Usoher Stltnd«. 



18 



Notwendigkeit «inea eageren ZugtunmenscUusseB durchdrang. 
Die Zaknnft des deutschen Frotest&ntismua hing dkTon ab, 
ob et, über diese Bedenken und den WideMtreit dur Inta- 
reeaen hinweg, möglich war bu einer engen YereiiUKUu); aller 
erangelieoh Oesiniiten sa einem gemetusamen Bunde SU ge- 
langen. 

Zunächst kam olloe darauf an , wie sich die Ding« ia 
Sachsen als dem Uittelpunkte der gaoEeD reformatoriiolien 
Bewegung weiter eutwi ekelten. 

Uan weifs, wie Kurfiirsl friedrich seinen „gewaltigen 
und gewalttbütigeD" Dnterthanen ') ruhig hatte gewühren 
lassen, trotz aller Gefahren, die mau damit gegeu ävh her* 
aafbes<^hwor. Was für Stürme hatte deshalb der Eurnit«t') 
und sein BeToUmäohtJgter am Regiment Planitz nicht schon 
aushallen müsseu ! Der heftigste Widersaclier war da at«M 
sein Nachbar und Vetter Herzog Oecrg gewesen. Allein 
die allgemeine Lage, die Turcht vor dem Ausbruch der 
Vollnl«ideiiscliatt h»tt« oocli immer eoerjt'ieohe Mafaregolu 
Tarhindert. Jetzt aber erhob die katholische Keaküou kühner 
denn Je saror ihr Haupt. Wir sahen bereits mit welchem 
Erfolge. 

Und wahrlich I Bedrohlich genug hatte sieh die Lage 
gestaltet. Aber so sohmersernUlt Friedrich der Weise diese 
henui&teigenden Gewitterwolken sah, jenes unerauhütterliohe 
Oottrertrauea , das ihn bisher allein gehalteu und getröstet, 
Terliels ihn nicht. Kr hatte direkt in die Sache Luthers ") 
nie eingreifea wollen, also konnte er auch jetjit nicht direkt 
fiir seine Sache Partei uehmea. Anders bei seinem der- 
einstigen Nachfolger und Bruder Johann. Neben grorsertir 
Jugend und EDtsohlossenheit kam bei diesem liioEu, dafs ei 
bereits entschieden auf dem Boden des neuen Evangeliums 
stand, unmöglich konnte er sich den Oefahren TerechliefacD, 



1) DannigBrioD II, S2I. 

I) Vcrgl. Baamgarten Q. 8. ISO O. 

t) VsTgl. swh KAitUo I, S. 6ST. 



14 



Ente BündniabBstrabuaftea evMimliaolia SUad«. 



die fdr ihn uud aeiu Land im Ansuge varen. Die Über- 
macht der Gegner war zu grol'fl. Aber sUnd man denn 
DOCh olleia ? Waren donn oiclit boreits auch andere FliTfltoD 
und Släade dem Evangelium zugefnilen r Mauliti; sie der ge- 
meinaame Glaube, „ihr höohater Schatz ttuf Erden", nivhl zu 
BuudeBgenoBaen ; Zwangeo die Gegner otoht daxii, auob ilirer- 
eeiU ihre Erüfte au vereiaigen, um gemeiusam ihr Gottes- 
wott vor dem Untergang zu schützen ? 

In der Tbat eind am aüchaisohiin Hofe bereits in diesem 
Jahre M>lclie Gedanken aufgotauu)it luid besprnahea worden. 
Niemand eiMger all Graf Albrecht tob Manafuld lenkte 
die AufmerkEaiuki-'it auf diei«e bedrohliche Lage *). Kr, uin 
eifriger frühzeitiger Bekenner der Beformatien , war eben 
deshalb von Herzog Georg tod Sachsen *) in eoinem Lehan 
aioht leMäligt worden. Mehr als ein andrer hatte er au 
sich erlahren können , vrae auf dem Spiele stand. Daher 
sein fortgceetzies Drängen und Bemühen, dem Herzog Johann 
und durch ihn dem KurfütBUn die Augen über die „ge- 
BOhwinden leuffte und practica, wy be^orgUch wider sein 
churAlltt, und fürstliche gnaden gosucht" Eu Säneo '). 

In piner personlicheu Zusummenkuaft am 13. Noremb. 
IS24 hatte Albrecht.'') abermals darauf liingowiesen und den 
Heritog Johann orinnert> mit »einem Bruder Uückspnofafl zu 
nehmen. 

Jobann hatte die Gefahren nicht geleugnet, aber war 
doch auch nicht aofort auf Manefeld'B Haue eingegangen: 



1] Tffgl. KfotUn I, 8. 644. 

S) Bucholi, OmcIi. FBrclInmd» I. ä. 387. 

3] Ein Oniujhtiia d« Grafan flir Honog Jolinna v. 17. Mov. 1G24 
dafUr buondsrs lobrrsich, Aiirfdius «. (. gn. oatoilheiilgk crynocto durob 
uldi gWob««n, ob dyaullirii iiii^tl rtvni durchlcucbl, hochgebonien furstaii 
4. t. gn. bradu d«ni kurfardou au» b*tr*ibt dvr usBohiiynd« leuTIe — 
dam vanakoEBmon UDUnnlhs hnllon woldoo ctc 

4) Aui IT. Nov. ichrsibt Muiefcld un Dersog Jolium: aoff du» — 
— aai DtguUn toDlagk ntch Martin« — «ryiui«ra ete, 



MuiBfeld aoU« noh in dioser Sache b«mlibea und dann 
Anseige thun'). Anf solche Weise konnte natürlich die An- 
{{elegenliett nicht in Tlul'a kommon , denn lu gering war 
Albreohts Macht, und bo erbot ar aioh , aohiiftlich darüber 
noohmais »eine Äauohtea auBSuspioohan >]. Oewifs war dl« 
Lag« echvierig, die Folgen unber«uhenbar. Zudom war 
Johann nicht Kurfürst; Qriinde genug, um nidil ronobuell 
Tomgehen. 

Bereits am 17. November schickt Manefeld sein 
QuUGht«D ein. Er fordert, dafa Sachsen mit etlichen 
Fnrat«i) , die dem ETaugelium anhängen , handeln laise und 
mit ihnen einen „veretandt" macUe, um, Calla man «uchon 
würde, mit Oewidt das göttliche Wort Jiu unterdrüdceu, 
Mlohem gottlosen Vornehmen Widerstand eu leisten. Dann 
würden auch riele dem Evangelium zufallen '■') und dieses slao 
erhalten werden. Es mangelt allein an einem HatipC und 
nfänger, fitbrt er fort *). Denn die Sympatliien bei Stunden, 
Adel und gemeinem Mann seien so grora, dafs es unmSgtiuh 
•ie ananneigen. Alle die jet^t, weil sie keinen Kückhalt 
haben, TOm Evangettam üch drängen lassen oder nicht frei 
XU bekennen wagen, wUrden sofort Eufallen. Denn leider 
Mleo der Schwachen die meifiten '•). Aber sei denn Johann 
niobt auoh daau verpäichtet als Fürst, der seine Cnterthanen 
in ihrem Glauben zu schützen und vor Krieg zu behüten 
habeM) Wohl stehe dies in Gottes Hand, aber der Mensch 

1) Ib doiiMlbon Schreiben t. IT, Ner.: — wy ml dar va mala 

& f. ga. myr >&mpt «ynnerungk Toripes fttisclieydt «og«x»yli«lt wart, 
. ich mich ia der sbcIuo bmaubon und KlEdin ew. f. ga. berioht nad 
Mft*nt ÜiuB lOlL 

1) Ebenda. D!s Folge vnr jcou OauchtsD Albrechta v. 17. Nov., 
aOMTB Qnolla fUr die&e guiien enlen Verhandlungan. 

8) So 0. f. gti. und ander farsten efa vorstandt lietteo, wotibe meng- 
litb so d«m BTanKtliain gern snhDiiygk Iieatligk luriiUaii etc, 

4) £* mangtll allej'n itn eyuocn hiupt oiid aufeagitr. 

6) — und uiab doi» »chwach glewbigen wyllon, der lojder »tn mojiWn 
s«7«, w«!« g«lGh( nit v«d nanDtheu. 

t) — d«u (vangeliani walohs daa «. F. gn. und «fn jilor vorittblr 
tu lutaiU)»li«n scliiildigk. 



IQ Ergtu BOmlnisbasIriiliuii^a BVKDgeliiiclisr SModc, 

lei ttän Werkzeug, dadtiroli Gott Imadelt '). Bchliefslicli er- 
bietet sieb Ätbrticht als UaterhäoiUer. Und trügen Kurfüret 
Friedriob und Johanu Bedenken in ihrem Namen mit deu 
aadern FiirBlen die Verbandlungen anzuknüpfen, so sollten 
sie es durcb Mittelspersonen, naobdem man sieb entschlossen, 
vorauf zu handeln sei, gesubehen lassen. Cm Ootteswillen 
sollten sie sioh das Werk , das „nunmals erst sum buiten 
teioben mag", befohlen sein lassen'). 

Gedanken, wie sie Luther «ohon in seiner Schrift kh 
den deutschen Adel, später lä23 in der Yon der weltlif^heo 
Obrigkeit ausgesprochen, werden herangezogen. Die weit* 
liehe Obrigkeit ^) ist verpflichtet, die ünterthanen za sobüleeu. 
Und eben deshalb mufsten sie ihres Eindruckt anf Hersog 
Johann sicher sein. Aber t'roÜich andres sprach dagegen, 
die „Scheu Tor mensohlioben Ansohliigen , die ohne Gelt zu 
Sobanden würden". So anlworld er auch jetzt wied^-r aua- 
weichend : er habe bin und wieder „denselben nBi;hgedaDbt", 
könne aber ftue versohiedenen Orundeii noch nicht ennessen, 
dafs siohs wolle Ihun lassen *). Auch wisse er bis zu dieser 
Stunde nicht, bei welchen Fürsten und wie mit „bequemlich- 
keit ananchung zu thun" sein möchte; „denn ihr sehet", fahrt 



I) Dan ob geiogetl gott wartha ta wol liandbtlien , ist anllloh dus 
solelis yn teym gotlieh wjtJtn stshett , wyll «ber iloa mentcbBH ■)■ d«D 
wantktugk, dardutuli gutt buidelt, haben. 

S) ItyU undorlbvuigk e- f, gn- smaj/t lueyno» gnüJigjloti horrii woLdcn 
badaoktu . wiu dy fruchtbulich und erspreyslich xiiiu besten in dlaiBr 
»oben voriTiiDdeu können, yanoa umb goU wyllen — bofollen («in tuiiaii. 

8) Vergl. KCatliii 1, S 617 ff. 

i) Ohno Dnlnm, in Weimur. Gen. Arah. R«e, H., pag, 1 A,. NKab< 
dun 1r negiil aull die undcrreduug, lo wir der iltigen lunlHe balbeo mit- 
«Inacder gehabt, geächriobeo , dnuolblge b&ben wir inbiilts geUien — 
Wir wIbmii euch nber gaediger mcinung nicht Iceborgca , das wir aof 
b>curt «uer icbroibeii — nachgadiubt und könen doch ans ursaabon — 
bei uns noch nicht wol «nneasen, du Bicba w<iil* ihan tuaseu, dlMw 
SMhsD halben veriUodDit liemaebeo. 



BnU BUndiiiri>Mtr*t)ua^a ennsdliehtr SÜndlu 



17 



er fort, .^lleDthalben wie mtai dea dingm geneigt ict". Ab«r 
«r weilt docli »uc)i nicht allsB ron sich, gondern bitt«t den 
Grafen, er Kalls Auf die«« Kinveodungon «eioe UcinuDg 
zu «-kennen geben. 

El ipiegeU eioli dentliuh hier wieder, wie wenig ge- 
kUit noch die YerhSltniBse waren. Man erkennt die drohende 
Qe&hr, ober man findet deh noch lo alleinstehend, dkTa 
Biftn «raitUch lolche Gedanken eines BUndniise* nicht dur«h- 
Eudenken wngt. Nicht einroät auf jenen Künteo hofft man, 
der dann der treuoste Buadeigenoiio worden nollte, auf 
Philipp von Hessen. Und dodi hatte di«Mr lOfaon Tor 
flinigen Uonatea Kur neue» T.ehrci »ob Lekaunt *); aucli die 
Lttneburger Herzügd konnten tat evougelisch gelten^). Aber 
M deutlich war diese Purteinahme doch nicht hBrTorgetrct«n 
und hatte «ich nirgends noch in einer Weise erprobt, daTi 
alle Bedenken hätten nurnoktreten können. 

Das tieftihl der drohenden Gefahr halte um die««IbeZeitdie 
SUdte KU analogen MaTsuaLmtn getrieben. Niemand hatte auf- 
richtigerals sie g' geu da.i WormaeT Edikt sieh geilrKuht ^). Den 
Rei eh gab schied tod 1524 hatten sie eben deshalb aneunehnen 
lieh gowcigtrU Mit gröfstem Mifslrauen sahen lie duher auf die 
BcgöQsburger VersammliiDg, hatten ihre betondereu Botschafter 
dort, uiD die Verhandlungen auizukundadiafteo '), Auf Grund 
der dort gefofaten BosdilUsae schrieben sie dann im Juni 
einon nlJgemeinen StOdtetag nach Speier aus ^). Neben 
endom ipoziell itädlischen Angelegenheiten, wie Seision uad 
beharrlicho Kilfe. berieten sie vornemlich auch ihre Stellung 
zur neuen Lehre '^). Die Strafsburger beantragten daielbit, 
direkt im Gegonsatc xum Nürnberger Absohied und den 



Tcrgl. obcD 8. IS. 

t) Vuxl. kank«. 

■) Vritdintbnrs, Reil^hat«j; von Spvisr, 8. 10. 

4} TItck, Polit. KDrret(ioiid«ix ilir KUdI ätrurtlnirg I, Nr. 10». 

6) Bänke U. 8. 119 ff. 

6> V'irok. Pol. Korr. I, Nr, 171. 

xrv. S 




18 



imügm Scfaia |ii^g— 1h>b mB^ Wii4M an B»- 
Hhv«rd«a cafM* Aaafihrvnc Aw TTfif «rr S£kte aicfat a^ 
•rioMBt u>d dMhalb gtgtm m» Mit Ada 

gM««i, wi« HM «A gacoa m m iIm v< 

v«lcb« 8Udl* naa öcfa T«rtMM« ktaa«. A>f Aar Wt«*- 

MhmdMi 8p«wr*r Vw—lMg mU« ^nk« tfiifcl 

««■d*D. Und db Bwchlfi«« vtna dÜMr iMto^Etioa g»- 
nüL£* *X HiehU >!■ dia heilig Scfanft will« gelehrt vcnlea. 
Sartbar loUte «a tnMniawh**'''*— • BaUchlag ia Spti«r 
lb«rB«fc«a werdni. SoA gewaltig g^viaat di«««r Tag mit 
Mian Ba««hifiiMn aa Bedaatvag dadord , daü Üa Gnt^a 
Tom Rbaio hiar «racfaianan tmd nH daa Städten aaknäpftaB. 
Asah iia iiattea Mrincr Z«it segen dan SänÜMTgec Ahaehii 
TOD I&24 piotutjert. JeUt var dio GaiWrwiahait de« 
UgiJiaaa IntareMoa m atazk gewotden, dab all« biibarigaa 
trasaaBdan HotBant« sur&cktntaa- Dar Trsam UlridH ras 
Etnltaa *) war in Erfnllnng gegxafta. An* ^beTagaBdaD 
Unacbeo ') nnd daCi diwar aatng den «tatteo ia tu wag 
diaaitliah", gaben die SUidta darauf «n aud atSKien ihre 
BedaBken. Ein ftintlioher Bericht öbar dJataa lag kaiaa 
nicht ganng dio uaartufrte Diasip-in der Stndta herrorbabatt. 
All nl>ar daaii die Speierer Yersaainilniig Tom Kaiaar 
TcrboUn viuida, ttatan die Stidt« in Ulm Dasaotber 1S34 
XBauiman *), Uaa Tereiaigte dch, eioander gegen alle Vac> 
»luha, da* Wonnwr Edikt auunßihran, lu Hilfe lu kam- 
meo. Dor KaiMr «oll dnrch eine Schrift mit „cin&ninf 
•talllioher Cnaahen, vanunb sie aoleb mandat ohne C&ohr, 
ZeiTlittunK und BlntYergiaHing nit ausiurichten wiislea", ua 
Uildenuig ersucht weiden. Spasiell den drei Stii<it«ii Wei< 
fjWDbarg, Landen , Kanibeuem, die der Intherücben Lehre 



'^ 



t) r«b. Knitvr IMIn«; «n in BittkaMffi«w«UcIiM. 
1) Blnufi, Ulr. •. nucxa U, S. I«». 

■) roll, s:<r«i(M B«iin«, s. im 

4) V*kt, üirtiwr B«llrag. H, tW 



&. »3 n, 10*. 



Hnl» BBndDiiibe»t'cbunK«ii oruiceHicbeT Sllaic 



19 



w^«D ABfochtuDgcn berdU erlitten, wird K-it und BeiaUtid 
init|;et«ilL Di« BDgvkDÜpften ]texi«faunge& mit deo Oraftn 
lUfaren hier bereits Eutn ä<r«Ghlurf , „»ob is dioMo leuften 
nicht TOneiiiBiider tu »onilora ')". 

Kooti über ginf^on dieao BnAlrcbiioitut — hier der f^tfldt« 
und Orsfen, dort der FUnti-n — getrennt nttbenoinuider her. 
Noch war keine 8pur etaer gegi'niieiti^eu Annäherung, wohl 
eh«r mifstrauiBcIi b«ohaoht«te man ^genteitig die» Vt-r- 
floehe, (ich zu gemeintumeoi Sobutxe kc^vd etwmigc Tor- 
gowiltiguug KU verbinden. 

Die alten Stondesge^oouitxe und TnvchiodaDeii Xnt*ct-a> 
eon varen noeh zu inüelilij: , um eiiio «olohe VertländigUDg 
cwiftohen Fttnteii, Gmfen und Stiidteo 2iiiuhs*en. Kocli 
vermochte da» BvnDgelium nicht, die«e weit« Kluft su lehlM- 
f»D. Klie aber dns Eyeogilium die»e allein bestimmendv 
Macht wurde, mureto ts zuvor die alten hisherigeD 2uiündo, 
Vexbiodungi Q, wie *io Tnulitioa, Iatero»ODgemoin*ohafl und 
Torwandtaaheft geasliaffeti, löten. Oleieh im Beginne dar 
B«form«lion hatte «ich das g-'xeigt Der Kurf^t to» 8aoh- 
em hatte keinen heftigem Widortnoher, al* »einen Vetter 
Heraog Georg. Jotst droht« bereit« die Spaltung unter deu 
neiohMtadten. 

In der reiigiÜMn Frag« ttandi.'n dieie ja duruheuR nicht 
auf gteichrm Htandpiinktv, neben bereite gaiix evun gell soll eu 
finden eioli neulralo und fbr«ng lutholisolio. Abt« ihre gute 
DiuiiiUn, diu iie in Fragin der StSdlepolitik etet« gernoin- 
BBm anftreten Itel'fl, hielt auch jetut noch atuid. Denn in 
der That vorband «ie in dieser Angelegenheit noch ein i^- 
tneioumeB Interesse, diceei nämlich, eine gewaltaame Erhe* 
bans dee gemeinen Mannes 2u verhindern, die hier nur a!>er 
um «0 gefithrliüher war, al» der bL-nachbarte Fürst gewift 
die Gelegenheit xur Finmitchuug aiohl vorüber gehen lusson 




I) Fd», ZwaiUr Dtltras. S. !0Ö. 



2« 



20 



Erste fitiadDiab*slrobuni;eii eving«l!«chBj; StftndB. 



irUide. Die Stüdte 'waren daher auoh im Juli 1524 xu 
Spuier in aelteaer Einmütigkeit aufgetroUiu. 

Gleiobwohl trat dodi bereit« jetxt dai Ireaneuilu Momeafc 
hervor. Doon im September ') begaanea Verbaudlungea 
xwischcu Basel und Strtirsburg über ein Bäiidois, „einen nach- 
barlichen Yorstand" *), zu dem noch Zürich, Bero, Solothani' 
und Schaffhausen gehören sollten. Die Motive für StruJii- 
bürg, gerade in diesem Äugi-nb!ick <lie alte Verbindung mit 
den Städten zu losen, laasun Moh tiicht gans sicher erkennen. 
ZweiiekoUne wm ee vorzugaweife ein Gefühl der Vorlassen' 
heit — der veitere Verlauf vird aooh mehrfach fieweisS' 
daßr bringen — , das Strafaburg bowog, in dieseu gefahr- 
drohenden Zeiten ') einen sicheren Büokhnlt nn den Schwei- 
zer 8tildt«n, mit denen seit lange ßreundschaftliche Bezieh 
hungen bestanden , eu suchen. Die Yerhundlungeu nahmen 
trote mancherlei Bedenken günstigen Fortgang , aelbal der 
Bauernkrieg unterbrach sie zunächst nicht']. Am 27. Aprui 
1525 legte Strafsburg einen Entwurf einer „mitburgeraohaft'* 
dem Basler Rat Tor. Diirnach versprechen die C l^tädtt^: 
täaea „naohbartichen tröstlichen verstund zu machen". Mit 
12 000 Mann soll man sich zu Hilfe kommen, auf eigne Ko> 
sten. Strafsburg, dessen Truppen der Gnlfi-ruuug wogea 
laicht Schwierigkeiten is den Weg gelegt werden kannten, 
darf seine Hilfe auch in Geld entrichten. Diese Uilfe soll 
gebraucht werden gegen jedermann, auagenommen das ganzgr 
Tümisohe Reich , nicht aber einselne Fürsten , Serreu odex 
Städte desselben. D«r Vertrag soll auf 8 Jahre geltem 
VTesn sonst noch jemand aioh ihrem Bunde ausobllefHeai 
will, >o haben die einJtelnon SUtdte das Recht, sie aufau-^; 
iwhnt«s '). 



4 



1) Virok, Polil. Kenr, I, nr. 17S n. 111. 

t) V«rgl. terma Docb Vlick, Pollt. Korr. I, nr. 181. 183. tBt. 
t) Man lUrohUlo tofAt cinsn [tutditrelch Jurch FtrtllnRDii, Vergl,] 
PoUL Korr. d«r tluidl »infgliurK 1, S. 93. 
4) Virok, Pollt Korr. I, ur. 18S. 
6) Pulil Kurr. I, nr. IBft. 






I 

I 



Eit(( Büiidaiabtatrnliunittn nvuiRdUebtr Stttida. 21 

Führleo die Verhandlungen xutiitcli»t ftuoh zu keinem 
RmuIIaI, — ant mehrere Jahre «{lüter »ind «io wiedor kuf- 
genommea worden, — bü neigen sie douli beri-iU die uni;«- 
heur« Gerahr, die für Deuteohland durch die religiöiie Spal- 
tung heraufbeschvoten vai. Wa« »päter , freilich in «ehr 
viel «nUcliiodeDeTciD und bedeiikli oberem Mafse eich zeigte, 
die UinDeigung Oberdeutachland» sum ÄnscfaluTs an die 
Sohweix , gleich hier tritt aie horror. Oegen jedermann 
■oll die Hilfe gebraucht werden, „usgeitomen du gnnx roe- 
mieoh rieh uud nit gundere fursteu, lierrca oder ttott in da* 
lieh ft^S'iK"- I^ie Klausel, d&Ts da« ganze rämi*cha lUiDh 
am^nommen «ein sollte, will wenig beea^eu. Auch d«r 
Wntphälieche Friede, der den einzelnen Gliedern dee Keicha 
die SouverfijtitSt gab, machte dioae Einschränkung. Nicht 
nur gegen Fürsten und Herren, auch gegen die Stadt« sollte 
das Burgrecht seine Geltung habeu. Hui sieht, die Spal- 
tung der Städte war nur noch eine Frage der Zeil. 

Das Tastende , DnBiohere, du» alle diese Veraucho einer 
neuen Gruppierung xeigen. hing romehmlich mit dem allge- 
meinen Zuatande der Dinge io Deutschland zusammen. Dabei 
war die Sympathie der Ma^se des Volks für die religiöie Keu- 
erdnung *o unü weifelhart, dal's Freund wie Feind mit ihr reohnen 
marit«n. Noch war die Häglichlieit, allen Bestrebungen der 
katholischen Mächte und Sttode zum Trotz, dass der Druck 
der osteren Schichten dos Volks die Ilefonnaldon durch- 
tetaen vürdo. 

Dn, Eßde I&24 brach der Bauernkrieg aus. Alle Ob- 
rigfcntcn witreu durch diete elementare Bruption in ihrer 
Bxiatcns bedrohU Speziell die Stadt« hatten nur schwer 
ihre SelbitSndi^eit behaupten kSonen. Ihnen lauerte neben 
der Erhebung der Bauern und des niederen Stadtrolka anoh 
nooh der mtchtigo Nachbarflirst auf. Schliefslioh gelang es 
ihnen aber, wenn auch mit Tersohiedeuen KinbuTseu, ihre 
Cnabbttngigkeit xu erhalten. Auch die Fürsten blieben Sie- 
ger; gemeinsam hatten Fretiod und Feind der neuen Lehre 
di« furchtbare Gefahr bezwungen. Aber sofort naoh Nieder- 



23 



Ent» 




wntamf H»» AnittncU* tremitoD n« «eh. l>i» kati 
GeaiBDUs, Tons d«r »ehwIbiMh« Band. b«ii«tit«a <Imi Bi< 
20 nck>ictrt«!of«r V«ni)fhtuk]^ nad Vaifol^og der Asd 
g:Uubi^ii. Jotit wkr d«T gvnetn« Uftaa, ftuf den naa 
Iwr «t«ta RSckiiclit ra Dehaca g«i wütigen war, iiit4e 
vorfea i eadUcfa durfte icn hcffen, die rerhKfsl« „Intli« 
SeJtt«*' noKturoU«». 

lTi«m&nd war dkdDicb nebr in Mincr S«lbft 
gatthrdet, kU dio Btadts^ Dkhar wud schon im Juli I! 
rät fttidt«t«g nach Dln tatfOMbncbeD *). Im Aowcbr«!: 
fa«ifft M , er «ei angutetit, um gegen die Asachuldiguoge 
bU bütten die BUdt« diw B&uernkrieg Terarueht, so pr 
tetlieren; fern« »ollt« beraten verd«!). «ie mftn dnn Blnt^ 
T«r^ef*en KinhAlt tban könne. Und die« fSbit« nktnrgemöGl 
dann auf äata Tage*) zu BeTJtnngeti üher ein getneieBametf 
BOndni» aller Städte. Wegen mangelnder Gewalt wud d«A 
BMeblnti auf deu niohaten SUdteteg Terachebea. A11«h 
axusb hin km kein Betob'-tifa tufUnd« icogm lu geringo^ 
AoKabI der ertchioBaoen Stadt« *) und atlea wurde auf de^ 
aagetetxten Beich'^tag nacb Augsburg Tertebobeo. • 

Bei dieien VcrbAtidlangen murtten rioh aber Bedenken 
geltend maclien, «b man damit den Fürsten aiobt Mibtnn«B 
and Gelegenheit erwecken würde, gegeu tio Tomigebai» 
Und Docb ein» ondera KiwSgung drängte uch aul Watad 
die olnzelacn Sttfdl« niebt z» weit ron dnander enffeniljl 
nicht uuch an Maobt m vertchiedeo, um sich von eineoi 
* allgemeinen Bund Vorteil su rerspreoben? Wie aber, wen4 
die gröfureii 8t£dle getrennt Torgingen? In der Tb et aehen 
wir Rcbon im August tu Heidenheim *) und im Oktober vi 
OieD|r«D darttboT Augsbu^ mit Kttraberg und Ulm rerhan-J 
dolo. Aber auch hier geliuigte man sn keinem AbBohJufi. — ^ 



1] Tlrok, Pollt. Korr, 1, nr. 187- 

1) F«la, Zw«ilar ßtiUmg, B. SOS. 

S] Ve\», a. ■. 0. S. 206 n. >DT. 

4) I^«d«aibarg, KolehiUg von Sfoler, 8. ItS. 



Eni« BiiadsUbMlrcbiingen «nngeJUcIiM SUada. 



23 



Slr&faburg ') aUnd di«een Bestrebuugeii {«». Wohl aucht« 
KUrnberg e» hereiDZusieheu ; nbei Augsburg , du in l«tzttir 
Linie den g«ii««a i'lnu vereitvUo, proUatiort« »ofort dagegen ; 
Stisfiburg Ml XU vuit g«MioD. 

Die Aiialogi) Enoheinnng xeigtn tioli in Korddcntcohlund 
naoh TfiedervL'erfung des Kuueni&ufiiUuiiuii *). Während dio 
kaUtoIiachen f ilrsteu ibu benutüftu wollten xur giinzlivhun 
Tertil^Qg det neuen Lehn, denn ihneu erechien diese ali 
dio TTraaohe der ganzen Empörung, muTgton die evangeU- 
scben Fnreten sicli diesem Annturm negunuUer l'oator aaoin- 
ander anxuMbÜersen cuchen. 

l>i««0 Bettrebungen gebeu alle reu den Mülilliüuaur 
Yenbredungen auH. welche die värbuudetea riirutea Kurfürst 
^Johann, EerKog Qeorg und Landgraf Philipp im Lager daeelbat 
getroffen. Man hatte eioti da bei etwaiger Erneuerung von 
Aufatinden zu gegenseitiger Hilfe ioia tu ng TerpiÜchtet. Ka 
kam Dur auf die laterpTetienuig an. 

Die Anregung; su diesem BiiudniE ging von Herzog Qeurg 
tua *). Nun aber war schon früher und jetzt wieder Ton 
ihm aufgeeprochen worden, dafe Luthera Lehre die Ureaohe 
dieser Bauern aufstände sei. 

Wie, wenn man jetzt einen Füratrabund zusammen- 
bnloht«, ähnlich dem Schwäbischen Bunde, der ja soeben seine 
TortrefUiehkoit gegen die Lutheraner bewieien ? Daran fehlte 
ea in Korddeutsehlimd , unrl etellte man die neue Lehre 
BuaSehat uicht in den Vordergrutid, so war wohl zu hoffen, 
duxeh die Macht der Verhältnisse auch Sachaen und Hesaen 
mit fortxureisseu, 

Di» Mühlh£u4er Abrede aollte auch anderem Fürsten 
[lutgeteilt werden. Jeder wollte die ihm befreundeten be* 
■Bohriobtigoa und zu gewinnen sucheu. Philipp brachte die 



l) FrisdeDtburR, I. o. B. ITO Anm. I. 

i) Buik« II, ft. 160 fr, 

9) FrladuubotB, Zof V'ofBMobichle d«a Ootha-TurgaiiUobiiD Ullnd- 



24 



T.nt» BtDd*Ubuli*bung«* «vangi&Mter Stlnd«. 



Kannlnii ihre« Bundes nn fleinricli Ton Braunschwejg ; 3o^ 
bann an die bmtdenburgiBohun Mbrlcj^Tafeii, die beide obn»^ 
bin KU den betreffendeD in nSher^r Vurbiudung gesUnden; 
Allsu eisfltluft koUDteD aber beide sich nicM bemühend' 
Bena den einen riefen ecine Torp flieh tun gen gegen des 
schwöbiichen Band; der andere war durch Übernahme dad 
Kurruret«atuiiu in Anspruch genommen. Dm so energitche^ 
vKi' Oeorg Ton Saolu«B. £s gelang ihm am 19. Juli 1585 ')! 
ia D«B«iu Beben Joachim tou Biaadeoburg, den Ersbischof 
Albrecht TOD Hains und die Heraöge Srich und Heinrich' 
von Braunechweig xu Tergammeln. I>9d TonraDd gaben dia; 
UBhlhiioaer Verabredi.uigen zum Sohntse gegen die Dnter» 
thanen ab. Abei warum varen Johunn und Philipp nickt' 
geUden? 1 

Philipp erfuhr ent August 1S3A durch Johann rnC 
diesem Tage. Im Zusammenhang mit den dort g«ftJ'(t«a 
BeccbJüiBan wird man rennuten dürfen, üeoi^ suchte xu^ 
Dächst ohne nie, dio leidit hiBdeilicli werden konnten, dl« 
anderen Fürsten in sein katholisohes Interesse bineinzuzie^' 
hen. Waren erst eie alle gewonnen, ao konnten die beides 
anderen kuum noch mt opponieren wage». Ihr BeechluTs dasei ba^ 
zu Dessau lautet*^*), weil die rerdammte lutUerischo Sokte die 
Vuixel dieses Aufruhrs sei, dieeeauBeurottea, wenn anders mnit 
ja wieder zu Buho und Sicherheit gelangen wolle. Über Uife^ 
tel und "Wege wolle man eich später beraten. Auf diesen^ 
Standpunkt sollte man auch mit Saohgen und HeEsen -rer-' 
huidoln, sonst freilich litttten weitere Besprechungen kein»' 
Aussicht. 

So defensiv in der Form die Beschlüsse, die schriftlich dt^ 
mala nicht fiadert worden, gelautet haben mitgen, offensiv gfri 
d&oht traifln sie sicher. Wie wollte man sonst die lutherisoh^ 
Lehre und Sekte ausrotten ! Was halfen alle Ifafsregeln in 
«igDcn Lande, wenn die Naohbarlande von diesem Oift U' 



1) FrisdansbuTg, Zar VorgMcblchto, S. 11 IT. 
1) Pri<ilci»l)tir|[, Zar VorgsanfaichEa, S. IS ff. 



KrUa BGTi<Iiii»h«iitr>buiig*n ■viinii:«li>ctMtr SlluJe. 



25 



KMtookt blteboo ? Vaä deiiUieJioT, al» a]lo WorU>, beweist di«« 
dio Sendtui); Heinrich« von BnunKihwoiK nach Spnnioo. 

0»Dug, joner BaUcUsk über die DoKUftuor Vonbreduogen 
«iird nun audi u> Johann und Plülipp mtt2el«ilt '). Um ihnen 
grörneren Xavbdruck zu Terleihen, that dies Georg |i«rsfin lieh bei 
einer BegegnuDg mit seioem Vetter im Auguit Ib'iSin Naumburi;. 
In seiner Buhe uad Wohlwollen venchob Johann die c-nt- 
■eheidendo H&ckHiurteruQg , bis er davon auch ^e branden- 
burgiiohen Miirkgrafen in Ecniitni« gesetzt. Aber so vis! gab 
er dooh sofort xa erkennen, dafs der Anliaug, betreffend dio 
luthorisohe Sekte, &ber die Mählhiiu«er BeK4^hlü«so hinaus- 
gehe. Ihm wären dieselben zugleich in dem Sinne gemeint 
gewesen, dafa man sieh gegenseitig gegen alle Gefahres 
iratontfltzen violU, 

Thatsächlioh war also bei so gänzlich verschiedener 
Auffassung das MUhlhSuser Bündnis ges[ireDgt. Es er- 
übrigte nur noch, dofinitiT gegen tieorgs Interpretierung 
Verwahrung einKulegen, Zu dem Zwecke setzten liuh Johann 
Und Philipp in Verbindung. Am 15. September kamtn die 
beiderseitigen Büte zusammen. Die von ihnen aufgesetzte 
Antwort') protestiert, als wäre es ihre Absieht gewesen, das 
gSttJiche Wort txi vertilgon, das sei unmiigUoh. Mit Luthers 
IfCbr« identiäiieren sie aich nicht, wohl aber geben sie zu 
«rkennen, daTs siu Ton dem nicht lusseo könnten, was mit 
der Schrift in Einklang. Darüber au entscheiden, schlagen 
sie eine Beratung der Gelehrten von beiden Seiten vor. 

Aber war überhaupt die Sache nooh in einem Stadium, 
wo «ine solche Kntsch«idung beide Teile be&iedigen konnte? 
Natürlich Torwarf eben doshalb Georg diese Voraohläge. 

So «toodon sich die beiden Anaiohtea fest und feindlich 
gegenüber. Dar Versuch der Dassaucr Verbündeten, Johann 



1) FriedSDsbnjK. Zur VorgMcbicbl«. 8. tt tt. 

» V«rgl. rrisdosabarR, Vonrwohiotita, B«U. II, B. 116. 



26 



Ergte BüudiiisbestiBbiiiigrii tvKUB<ttboliar äUud«, 



und Philipp «mauichüolitorii uncl damit Baum fiir Bo- 
kBinpfuiig des Luthertums su gewinnea , vmt geBoheitoTt. 
Aber es hief» aXlea Gefahren die Augen verichli eisen, wenn 
dieses Torgebeu niobt auoh auf evaiigelisdier Seite Oegea- 
KiaTsregelu Eum Schutze des Evaageliums lierrorgerufen hätte. 

Die gTofGe Erisis dea BauerDkriega igt euch de»h&lb von 
maTBgebeuder Bedeutung für den Fortgang der Beformation, 
daüi eie ent aber die definitive Stellung der eioEelneo 
Stände entiohied. Wie fe»t bei einem jeden seine Über- 
Zeugung wurzelte, jetzt mufete es «ich xeigen. Je begie- 
riger die altgläubige Purtoi die Empörung benutite, um am 
rerhafeteti XiUthertum Rache eu oebmen, um ao mehr wurden 
di« KTaogflliechen eich ihrer Überxeugung bewuTat. 

Daher hatte bereits im Frülijahr 1535 Philipp eine 
A n näher uDg an Saohaen geBUoht'). Im Mära I5'2.i erbot er 
sich eine Zusammenkunft mit Johanu Friedrich und wo- 
möglich auch mit dessen Yater Johann. 

JßoreitwiUig gingen die Sacbseo darauf oiü. Am 
20. März traf man in Ereuzburg nusammen, Luther 
hoffte sofort viel für die ornngeliBohe Saohe-). Und der 
Erfolg gab ihm RechL Eher Land und Leute eto. wollte 
Philipp Torlaseen, als vom Evangelium weichen ^). Diegemein- 
iiame KriL'gafabrl nach MiihlhauBen halte sie einander noch 
nShc'r gebracht. Jettst hatten ihnen die Dessauer VerUand' 
lungen die ganze Gefahr ihrer Lage vor Augen geführt, Ea 
bedurfte nur einei letzten Anstosses, um die gleichsam prä- 
destinierten Vorkämpfer dee Protestant! smuc dauernd zu- 
sam m enz u fuhren. 

Man kann sieh bat wundem, dafs nicht früher dieabe- 
zugliohe Verbandlungen , die gleichaam in der Luft lagen, 



t) Bommal , Philipp dar aronim(ltis«. !■ S. ISI. FmdMubnif, 
Zur VorKBioli. S. 10. Anui. S. 
t) d* Wnttc U Vt. BB7. 
i) Scckendarfr, Cooin. du Latherkniuno Q, S6> 



Eni« Bfi*dnub«elrghungan «t-inftliKhsr SUoda. 



27 



BUiUaDdeD. Ad Mirtlrnuon JoliaDn« g«>gon Philipp, der luüii-n 
VorwftntlUcliBft doaacltwn mit Oeorg ron Sacbsan w«goo, 
bnuobt mui nicht tu douki-n. Vielmohr Mbo ich den Grund, 
vcBhalli Snohücu so lange üaudert, mit HeMi-u eio luÜiei«* 
BünduisTeih^lois einiugehen, in den UHMliüater Venb- 
redÜDgett. Zum Bchutse gftgen Empörungen. Uberhnupt aber 
XU g«g«ns9iligOT Uilfaleistiiog aolll« vs goachloMon sein , so 
fareto es Johuna und gowifs aa<-h Philipp auf. 

In loldter VorauatoUiuag batt« Johann , wie io SlilU- 
bausen rorabrodet, die Markgraftüi von lirniidenbuig ') in 
S«Bir.-]d ange)piogen, Philipp deu Heins von Braun «eli wei g "]. 
Eb«n dathalb battd boide Mal« diu Antvott g«laut«t, ewitohv» 
ihn«n b«dUrfe es nidit «nt weiterer Verabredungen xu 
SobuU und Ti-utz. In demselben Sinue hatte daher Jobtum, 
elvi Juni Ifi25, durch Grifend^rf auch bei den Uentigan 
Otto und £rnst von Lüneburg an&agen ^) laeuin, „^roMon «r 
«ich niit nilfo und Biüitaud «u verltnsten bÜtU, lo künftig 
GoUm Worts uad der eTangeliMthen Wahrliuit halben Wider- 
wXrtJgluit und Empärung sich iutrüg«Q". 

Zu gleicher Zeit dankt Jobann freilich auoh biTÜta an 
«ia wcitor goheadcs, tpotioU cvangelinhes Biindni«, denn er 
suebt sieb boi den LSnebui^or Herzogen zu Tergewi»*em, ob 
•iu mit ihm «in Kolohes Bündnis abzuscbliersen bereit sind, 
fallt ar nnd andere etwu ein solch <« au(noht«a wurden. 
Knllp/t Johann damit viedei an die frübeni Uesprediungon 
TOn Ohtobar 1524 an, so t«t es doch nur zu nutürlicU, daiii 
BttOhMO xanttchst »eiae Verwandten heransusieboo buobt, 
obc OS au andote füretoii denkt. 

Kndu Angust kam den BtSnden daa kniterlicbe Auk- 
•«hrftibMi einos neuen Beiehstaga naoh Aug*burg in die 



I) Bank« II, H. les. Kfi«d«n>burs. Znr VcrgMStilahl« S. 11. 
S) rrlwUaibarK 1. c. S. 10. 

t) tritdvuiban. BeitluU« <r«n Spöar, S. et Aam. S. DU Aotwott 
4*t Rera^K« ist tdii S8. Jnli datlort. 




SB 



Ente BUcdiiisheMiitliung*!! «vingcJiMber St&nde- 



HXnd« '). So Tiel ynx aüt Siohtrheit durniis zu cntDohroea, 
tii ein» Aufliebuug des Woimser Edikt« d&cbto d«r Kaiser 
nicht. In den religiiSieo Dingen «ollte keine Neuerung vor- 
genommeu weiden. 

Was aoUte dann aber «in Beioliatug? Also auoli die 
«obreckliahen Erfahrungen von 1536 halten nicht« gelruohtet! 
unendlich viel k&m auf diesen ersten BeichBtug a&ah der 
furchtbaren Zerrüttung des Bauernkriegs &u. Gebieterisch 
wai die Notwendigkeit für die Erangelieohen, hier nicht ge- 
trennt au&utTeten. Um so notwendiger, da Karl als Sieger 
über Frankreich sprach *). 

Die Stiidto hatten die grorse Gefahr sofort erkannt und 
deshalb September 1525 ciinen Stäiltelng nach Spt.'ier ausgC' 
Eobrieben '). Sie sohiedeii mit dem BdacblafB, an Ferdinand 
eine Botschaft abzusenden mit der Bitte, beim Kaiser fördern 
au helfen, difs bis zum nächsten Reichstag einhellige Ord- 
nung der Zeremonien bewerkstelligt würde. 

Zu gleichen ErwHgungen muTete Philipp Ton Hessen 
kommen, um eo mehr, als zugleich mit jenem kaiserlichen Aus- 
schreiben Ende August ibm die Destauer BeeuhlUsie *] suka- 
mea. Statt gegenseitigen BchutzeB, wie die MOhlhäuser Be-' 
«ohlüsae besagten, sollton sie zu einer Zusammenfassung der 
katholitohen Tendenzen führen. 

An Inteiesse und Verständnis fSr die evangelische 
Sache hatte es, wie wirsahen, Johann von Sachsen keinenAogen- 
bliok fehlen lassen. Aber die kühne Iniiialive war nicht bei ihm. 
Buhiges Abwägen , dann aber auch festes Beharren an der 
einmal als richtig erkannten Wahrbait: so war Johann. 

Von an ermefs lieber Bedeutung war es darum, dafs sich 
ihm jenei «weite Qenosse beigesellte, dcesea eigentlichem Weaeu 



aeu j 



1) Frtedeaslnuf , Zar Vorgescblohie 8. ST. 
1) SasOi« &, 8. 161. 

a) F«U. Zwettor Beitrsg, S. SOS. 
I) 16. äaptomliar gcaieiu»ni«a Sohcailxa tdü Pbllipp und Johsnn 
ui Benng <1«arg. Vergl nlieu )t 14. IS. 



Erila BGadiiialittlitliui'Kan «vai 



29 



Energie imd TtuttkrAft, kühne KotBchloaienheit, aelbtt Ver- 
vegf-nheit «nr. Die SUirke und Hedauluof ihres Hundes 
liegt gerade in der Weise, io der sie sieh gegenseitig ergjinxeii. 
Die BedachUamkeit des einen wiirdo korrigiert durch die 
Ungeatümheit das ttndaTD, deesaa KEihnbeit durch jenes 
Bettiindigkeit. 

Am Ö. Oktober I&3& eohickt« Philipp seinen Knl Waib- 
lingen Ka Johann >). Dftmit treten die tnäher mehr Iftstenden 
Venuohe der Evengelischen nach einem BUndnis in mu 
neues ßlndium. Äu8 den Aufti^goo Philipp«*) ersieht man, 
dafa dfts Auuchreibco des Kaiser« die letzte Veranlassung 
ist. Von der lutheri^ohen Sekte eoUtu in Augsburg gehandelt 
worden. War da bei d«« Kaisers deutiiuh aufgesprochenen 
Ansiohttrn und den Mdt dem Bauernkrieg lierTorgetretenen 
AbeicfateD der Gegner nicht eu befllrehten. daTs, wie dort, 
jetxt wieder „das Oute mit dem Bösen, die Wahrheit mit der 
Unwahrheit ausgerottet" würde ? Wenn die luthorieobe Sekt«, 
der sie doch nur „so viel aBhiogen, ats Luthers Lehre mit 
dorn klaren Qetteswort sich rergleiobl", remiohtet wurde? 
MuTiLe nidit neue Weiterung und Beachwerung erfolgen, 
wenn dort etwas boscbloasen würde wider das göttliche 
Wort, iiiiohdem der gemeine Uann von der Wahrheit und 
den geistlichen MifabrXuchon Dnterrieht empfangen ? 

Darum solle Johtkiin persönlich in Augsburg erscheinen, 
auch einen der Lüueburger Herzöge. Pommern, Mecklenburg 
und „wen sonst er dem Wort gottos anhengig zu sein an- 
sehe", mitbringen. Ernst von Baden, Kasimir und üeorg von 
Brandenburg wetde mnn dort treffen ; er selbst werde auch 
nicht fehlen. Hau solle dort sich bocprechen uud dann diu 
Stttdt« and Grafen hinzuxiehen. Gegen Besohlüsse za 
gUBston der HifsbrHuohe mässe man protestderen und allein 
Gettos Wort xur Biohtsobnm nehmen. Gewifs würden rielo 



1) Bsand, Philipp d. Orormn. I S. 138. Rsnke It, S. ITl. Prladiei* 
Warf, Znr Tor|t«*cbi«lita 8. 41 ft 
S) Hoeaii»), l. i'. ill Mr. «. 



80 



Bnlc EMlndaUtiMUebiingvn e*aneelMckei Stlodt. 



V&ntan and Qntm xMttMeo; «r s«lbet irolle mvor iiMh( 
mit LoidiriK von der l'falz inuainuiealEommen. Auf dea 
H«rt«g TOB VeUeos «örde man gleichfalls sicher recfanea' 

Man Tergleiebe die eislcti Iksprecbungen Johiinnc mif, 
Miinsf^Id Oktober 1521 mit diesen Au>(ahrui)geii und man 
wird d«n grofaen t'urUchritt erkenooti. Dam»!» wufsle 
Johum nocli niiAt, au welche Färsteo er sich weuden solle» 
jetzt waren es deren echoa eine grofse AoEahl, auf die lUMk 
teils BJchei suhlen, teils hoffen koonle. 

Aber noch bedeatssiaer ist diese Instruktion deshalby 
Wotl hier Kum ertten Uole mit Eutschiedenheit die Gnind- 
lioiou entworten wurden, auf denen sohlisTsIich der Schmalz 
kaldisohe Bund sich Kufbaule, die Verbindung dor FUrrteai 
mit den Städten. Gleichberechtigt erscheinen sie noch nicht 
aber doch schon als sehr bestimmendeT Faktor. Es ist klai 
was Philipp dnsu fennochte- Es war das Evangelium, fllj 
welcbei auf den letzten Beichatagen, den Stüidtelngen , deQ 
aoliwäbisuben Bundeslugen, gerade ne die energisohateu Vof 
kümpEei gewesuu waren. Die alte Gewohnheit und Ve^ 
schieden hei t der Standeainteresaen ver schwand ver 
einigenden Uacht des ETaDgeliume. 

Vermutlich suliwebte Philipp auch der Sobwilbische hmti 
all Uuster vor, der ja gleichfalls Fürsten und SULdt« ut 
fa&te. l'm so eher aber konnte Philipp diesen enlxctieidondc 
Üedankeii fassen, ala er, wie Sachsen, dem c-iseutlic 
HerrsobAfUgebict der Städte lu entfernt aaTs, um mit 
Intoressen ernstlich xu kollidieren. 

Nach allem, was bisher gesoheheo , ist nicht lu vei 
wundem, dafa Johann sofort diesen VorsuhlMgen austämi 
Mit „ayner bösonderu freyde und merklicher ergetxIi<ihkoit 
liabe er es vernommen, schreibt er'), und aei bereit, 
„wege HU trachten", den Anschlagen der Geistlichen su ht 



1] il. ü. Targsu &. So DIanjsii IGIS. 



Er«M BHndalabMttcbuDBan •vangeKtchor SUncto. 



31 



Et vill U«okIenburg und „wen ar «ontt mehr für f;ut 
and dem goltlieheo wort anheti^ig" bnlte, su gewinnen «uchon. 
Alsdann niKge man die Sttidte und daraiif dta Grafeo b«ran> 
siehen, um gemeinsam allon Plänen der Geietliehen gegen 
du göttlicho Wort eDtgegentrelen au k<lnnen. 

Kr «chläjtt Tor, anf Onind einei A ntbachiaclien Out- 
aclitena »ich Euurst über die «trittigcin Punkto xu bnaprovlien 
und XU Teraiuigen. Daduruh war in der Thst eine Orund- 
l«ge fiir all© weitem Vurhaudlungen gewoniien. Sehr ein- 
Tcntanden war Johsuu auch, dafs Philipp Ludwig von der 
PMz sondieren wollte. 

Dieie Zu&Bmmcnikuiift >) Philipp? und Ludwig« von der 
Pf^U fand unmittelbar darauf, Dooh im Oktober, in Alzei 
■talt. Auob der Erxbisuliof toq Trier war xugegen. Die 
alten ßundetgenoseen aus der Sic.kiugor Fehde tlnigleu siub 
über gemeintames Auftreten in den Bei c)j sau gelegen heilen. 
Der Reichstag sei nach Worms oder eonstbin xu verlegen. 
f «rnw «wd «in gvmwnsDiDes !)ohut«bÜndnis mit dem Haute 
WiUsUb«ah Tenbredet. Endlidt mur« auch die rrligiüae 
Pnge beeprooben worden sein, denn Johann trat dieeen Be- 
schlüssen bei und Trier M'tirde seitdem als zugewinneod von 
Philipp betraebtet. Termutlioh hatten sich Pfals und Trier 
mit HasMD dabin geeinigt, dars die religiöse Frage Torgo- 
nommcn werden müsie. 

Diese Beeobiriue teilte Philipp dum Johann mit, xugleioh 
wohl um persöntlohe Begegnung bittend *). Auf November 
wurde deshalb Johann Friedrieb uaoh Pridewald abgeacliickt. 

Di« Auftrüge, die er von »einem Vater erhielt , waren 
mehr informatorisoh ; wie Pfela und andere siuli lum Evan- 
gelium *teUt«n } Was für eine Instruktion Philipp für di>n Augs- 
burgor Boichstag aufzusetzen gedacht^!? Ob man mit der 
8ULdt«botflch&fl an Ferdinand zusammengehen solle? Kr 



1) Fri*«l«iMbaiy, Zat VorgMohiEihl«, S. 411 IL 
S) 90, Oktobsr ictic«Il>E diu Johann in. 



32 Enta BBndDiibeittBbnngBn evuigalUelier Sllad*. 

rechne auTBerdem neben Easimir nooh auf Henneberg, Philipp 
Ton Giubenhagen , Anhalt, Hanefeld , die Städte Hagdeborg 
und Söraberg. SohlieTBlich erbietet eich Johann sa einer 
persönlichen ZuBammenkunft. 

Nach den Yonohlägen, die Philipp nun in Fridevald ') 
unterbreitete, tollten ihre beideraeitigen Oeiandten in Augs- 
burg sich bereden und Tereinigen, darauf die Gesandten 
Ton Pfalz, Kasimir und Oeorg tos Brandenburg, Lünebui^ 
und Baden zu gevinnen suchen, dafs sie alle in „saohen dea 
erangeliums für einen mann" stehen. Erst dann solle man 
auch Trier ins Tertraurn ziehen. Von Städten rechnete man 
auf Kiimberg, Augsburg, Ulm und StralJburg. 

Folgeriohdg drängt die Lage mehr und mehr auf ein 
eigenüicbes Bündnis hin*). Uon wollt« in Sachen des Etbu- 
gelitims für einen Hann stehen, wenn auch zunächst nur der 
katholischen Partei des Beichstags gegenüber. GewisBermafsen 
konzentrierte sich noch alles in der gemeinsamen Yorstellung 
bei Ferdinand um Änderung der Ifalstatt und der Propo- 
sitionen. Alles Weitere sollte auf der Zusammenkunft naoh 
Weihnachten yon den Fürsten in Person entschieden werden. 
Die 8tädte Nürnberg, Augsburg, Ulm und Strafsburg sollen 
in die Yereinigung mit aufgenommen werden. Die anders Städte 
aber nicht, diese sollen blois mitwirken bei der VorBtellung bei 
Ferdinand. Jeder verspricht so viel als möglich Bundea- 
genosaen zu werben. Besonders betont wird dabei die Heran- 
ziehung der Grafen. 

Nicht umsonst hatte Philipp gerade seinen Altersgenostso 
Johann Friedrich fUr diese erste entscheidende Beratung 
ausorsoben. Seine Jugend und sein Mut mufsten ihn ge- 
eigneter erscheinen lassen, auf Philipps Pläne einzugehen, als die 



1) Vergl. Fiigdflnsbarg, Zar Vorgescblcbte, S. 49. Rank« II, S. 171. 

S) Im sllgemeiaen verweise ich auf Friedensbnrg, Zar Vorgeschicht« 
3. 60 ff. Die Fülle , wo ich seiaen Aaamhranggn nicht in folgen Ter- 
mag, ergeben sich aus dem Text. 



Bt>M Baiidui*UaU«bluig«Q cT<JiK«IIaDL«r Stund«. 



33 



^hinai 






ruhige JUvsonuenheit Jobaona. So tutn io d«r 'iliat ein B»- 
■«hluu xtutniKlo, der über diese aB^nglichea VorMhlüge veit 
binBUHgiuj! , indem dio Vereinigung nicht bloii in t>«cboii 
des EvangeÜunu Geltung linben, sondcru üub auub auf Fälle 
erttrec^eo sollte, „do einet ver dem amderu reoht leiden 

d". 

Zoglaoh wurdo duelbiit suub die Inttruktioo der Vor- 
stellung bei Ferdinund '), uiid zwar im NaineD der Kurfiir- 
iteu , FuTsteu , Grafen uud Studie entworfen , die gegebenen 
yaUs io Augtburg geändert werden durfte, Vom kaiterlioheB 
Edikt Tom '24. Uni nusgehend, daX« alle Stünde stnhck» bei 
im Wormier Kdikt bloibin soUton, da« aboi „bnnchwertieh 
.el, euch Lästerung Oollee und «einea keiligen Wort«" 
Tcrursaoht, wodurch aoadei Zweifel der Bauernau&tend ent- 
sprungen, erkliireu sie, diese eingewuizelten Irrs&le seien 
durch streng« Mundate nicht zu stillen, auch da« Wort Got- 
te« niolit BUK ile» Herxeu der Mensnhen ku rei/een, veno 
man niclil neuen Aufruhr und Kmpiiiung erweoken trolle. 
Damm Mten ue unterthänigst, dafs diese Irrungen , welche 
sie „für das hnupt«lüok aller reiohshiuidlungen hielten, darun 
frld, rauht und uUef das tou nötheu ist hanget", auf 
dieeein Beich«tag, den leisten Kümberger Absohied und 
dem „goUlieben wort" gemüfe, gehandelt wnrdea. Nor 
M sei eine Üigere WiedeFbolung dieser Unruhen abzuwenden. 
Weil dann ferner sie noch auf die Bauernschaft Achtung 
habon mnfsten , könnleo sie Augsburg , zumal da dort der 
Uauptherd der Empörung, unmogUoh besuchen und bäten 
deihalb um Änderung der Ualstait nach Nürnberg , Frank- 
furt, Mainz oder Worms. Solltea dieee Erinnerungen aber 
nioht Bugenemmen werden, so sollten sie erklären, daCe ide 
das Worniser Kdikt, da es „irer und irer undertbaueu seeleu- 
hAj'l und die gewissen belangen tatt" — nicht auiführen 
kBtmten. Darum müTsten de dem Kaiser Bericht erstatten, 
in alleu andern, so „vil leyb und gut belangen thut 



t) Abgedruckt b«i Krludeoiborg, 1. e. BolUs« Mr. 4. 

XIV. i 



84 



Etitt BiindiiI*bcstrcbong«a «vuigalliohw StiDdc. 



und dem lieiligen ruiuli eu nutzen und gedeyu ieich«n Bold, 
sich in allwege als getreue glider halten und emcigen wol- 
dea", in der Zuversicht , er werde eich als ohriatlluher Kü* 
»er mit christlicher und gDÜdigftr Antvort erseigen. 

Wenn m.in bei diesen Schritten auf die Städte rechnete, 
so log dazu die Vemnlasautig oicht etwa bloCs in dem frü- 
hem Auftreten der Slädt«, sondeia euch in noch spSUreo 
unzweideutigen Beweisen ihrer Haltung. Wie sie am 3. Ok- 
tober lö2S ') durch Albreoht von Manafeld Nachricht Ten 
dem Beschlüsse des Städtütngs an Johaaii hatten gelangen 
lassen und dabei gebeten, daTs dieser mit allem Naühdruek 
auf eine Beratung der GUubenssache uls Frluzipuistüek be- 
stehe, hatten sie nochmals am 21. Oktober direkt auf die 
Sahaden hingewiesen, die das ungleiche Predigen sur Folge 
habe. 

Auch mit Philipp war damals Nürnberg in Beziehung 
getreten^), der seinc'rs«its die Stadt eu ihrer Hultung be- 
glückwünscht und Anfang November direkt d«s Begebren 
gestellt hatte, sie sollten ihre Gesandten sum Iteiobslag d*- 
hin instriiieren, mit seinen Vertretern und anderen Liebhabern 
dea Ootles-Worts sich ku benehmen und lu beraten, wio 
aau dieser und anderer Sschcii halber ein chrisüiches Ver- 
alttndnis und Einigkeit aufrichten könne. 

Auf StTBisbarg glaubte man rechnen zu können, da *s in 
kirchlicbi-D Reformen gerade damals entscbeideod Torgegaogen 
war und zudem mit benaohbartea F&rst«a, wie Philipp too 
Baden, durob den Bauerokrieg io nühere Boziehungen ge- 
kommen war. Kben diesen hotte auch Landgrnf Philipp 
ermahnt, treu am fÜTangelium festsuhailen. 

Bedeutungsvoller noch war, wie sich Pblz stellen würde. 
Philipp berichtete sofort *) von den FridewalUer Bespro- 
ohuDgea. Und so weit ging Ludwig auf ihre Pläue ein, d&Ts 



1) V«rgl. Frlodontbarg. UolclistRg vou Üpolar, S. las. 
S) Frieilsnaljarg, Zur Vorräte hieb li, S. S<1. 
S) friidtniburK. Zur VarKwobichte, S, SS. 



knit BllDdDitb«btiBtiuu|[*u «*(ugelLah<r StSode. 



35 



auch er die Qlanbenxtiache vorzanehioeii Tenptttdi, Ab«r 
nn «in gemeinMtnoK Aurtr«t«D oder g«r RündDiB dacht« er 
nicht und tnttmitrrt« demgemüT« seine OetundtoD nach Augs- 
burg. 

Allein so Bchnell gab Philipp seine Hofiaungen nicht 
auf. Dahor sucht er I. Dezember Ibib nochmals Ludwig 
für sein UiiDdnis ku gewinnen; eben dnhin ziolo das Bündnis, 
den Pübel TOtn AuAruhr abxulialten nnd sie selbst wegen 
ihres Glaubens ku schützen. 

Die ÜrandMiburger hatte Johs^n äberoommen '}; da 
Kasimir haiserlicher Kommissar, Terschob man die weiteren 
Verbandliuigeii bis nach Augsburg. Dafür gelang es, Heinrich 
Ton Meklenburg und den Fürsten von Anhalt zu gewinnen, 
die beide ihre Vollmacht auf den ritcbiischen Oesuidt«n 
Minkwitz ausstellten. 

Es mufste sich eeigen , wie weit diese HofFnungen sich 
auf dem Iteidistag in Augsburg erfüllen würden. Aber 
Verhandlungen ') fanden eigentlich gar nicht statt, teils 
vegeu Hchwachea Itesucbes, es waren zudem blofs Ueoandt« 
anwesend, teils wegen der ftllgemoineD Lage, der Span- 
nung KwiMhen Habibiirg und Witlelsbach. Konnte mui 
somit einhellig gar nicht anflrelen , so war erst recht ein 
Bündnis nicht su erreichen. Unter dem Oruotc feindlicher 
VeihiÜtDisse h&lte sich dieses vielleicht herausbilden klhmen. 
60 blieb alles in Bceerve. 

Philipp von Baden war überhaupt nicht erschienen. 
Kasimir aber l(>hnte nach mehrfachen Terhandlungen ein 
evangelische» Bändnis ab. Hil den Grafen und Städten 
wolle er nicht« au thun haben; im übrigen sei er au einer 
Suammenkunft der weltlichen Fürsten zur Bes[>reohung der 
feligiSHD DitferenEcn bereit Doch könne er ohne Kück- 
sprftoho mit soiDem Bruder Georg nichts bescbliefeeo. 

Landgraf Philipp dachte deshalb, diesen durch ein oin- 



1) yetgl. PrlediDshurg, Kar Vorgeichiehu, 8. SS. 

i) Vfr^I, Kaokfl U, 8. IIS B. Ptiedtatlain, Xnr Vor^sioli,, S. G4, 



9^ 



Grila BUndiilibcitrsbuDg;«!! cvnnBa1i»iibor Slitnd«. 



eebendes Sohxeibea fUr ihre Pläne sn gewiDnen ■). Kt iit 
gewiBsermarsen dae Prograinm des damaligeD TrotufitadtiiiniuK. 

Ausgehend von dem BiiuerDBufstaiiil , der unler dem 
„falBoLen Schein des Kvaiigelii" entetBiideii , führt Philip}) 
aus. doTs zur Erhaltung von Friede, Einigkeit und Gehor- 
eaiD der ünterthanen oichta bo «ehr heli'en werde, als veDD 
die Obrigkeiten das heilige ETangelium dem Volhe „lauter, 
rein und klar" predigen ta«eea und Iüt ,,&oiaiii«, gottes- 
fiirohtige und gelehrte Prediger" sorgen. 

Da auf dem Augsburger Beir.bstsg au besorgen gewesea 
sei. dar« von den christlichen Saahon, Lehren und Zeremonien 
geschwiegen oder die alten Mirsbräuolie „in Schwung" er- 
halten wurden, woraus bei dem gemeinen Munn eolilintmerer 
AbMl und Empüruug ale das erste Mal entstehen könnten, 
so hätten Johann von Sachsen und er ihre Gesandten dahin ' 
abgefertigt mit dem Befehl, „raten und beauhliefsen au helfen, 
was dem ewigen reinen Soliutz des güttliuhcn Worts gemiil's" 
sei, auch andere gleich gesinate Kurfüraten , Fümteu und 
Stande lieTanzuziehen und eich mit ibneo zu vereinigen. 

Diese Gedanken entsprechen, wie wir bereits wissen, 
dem ersten Teil der t'ridewalder Abmaehungen. Sie sollten 
xum Hauptpunkt, dem Bündnis fuhren. Baruuf legt Philipp 
da« Hauptgewicht, um so mehr, als der bisherige Verlauf des 
Beiohetages die andern Fmgen, da ja über sie eigentlich 
gar keine Verhandlungen stattgefunden, erledigt hatte. 

Da« Bnndnis definiert er dahin, dafa man aioli gegen- 
seitig sohUtzen wolle; lowohl für den Fall, daf« mau des 
göttlichen Worts wegen angegriffen, als auch für den uiidtirn, 
„daTe man wider Becht, des Boicha Ordnung und Billigkeit" 
beschwert werden sollte. Doch sei diese Binune oiemaudem 
zum Nachteil, sondern allein „gar guter chrisüiobor Meinung, 
ihre Land« und Leute vor uoreohter Gewalt und bei Hecht 
tu beschirmen" gemacht. Philipp beriotitat dann weiter tos 



)) Vergl, BeJliig« I Uui t'rIod«nalii»y, äpvlaror BalcbiUg. 



Kate BtndiiUmInbanitan «vui^lU«hn StUnda, '-fj 

den TOr^blichen TeTiuchcn bei Uarkgrmf Keümir, di* wir 
bereits koDacn. Uod doch hätte dieter eher eis aoleh« 
BUndoiH «udion mü»H>n >ur »Untcrdrackuni; vieler mufiiUue- 
riacher MiTubriuchti , xur Aufrii^hlung ohrigttichcn Wetcai 
ui>d ErbaHung von Frieden und K«cht". ün lo mehr, all di« 
üeiatlichen selber ein „VeTAtändnit" gemacht und „mit vielen 
spitzifeD i'raktikeD und Lielon, Duvtrcckting von Geld and 
Gut umgehen" und lioh riolloiaht „mit andrer Lout« Hilfe 
nnt«Tttehen", eine „Ordnung tu machen, wax ein jeder gUnben, 
predigen, Ihun und loaBeu soll"; und wer ^olohcä niobt be- 
willigen wolle, würde „dea Bacb^echlaga gewiLrtig'* teio. 
Deabalb milMe einem Jeden Chritten diese Ssche za Uerien 
gehet). Darum solle er die £hre Qotte« und »ein Wort b*- 
donlcen, in Aneebung dee Bilndniates und der Praktiken der 
Oeiiüiobon erwägen, was fUr sie alle »uf dem Spiele stebe, 
auch in Raohnung sieben , dafs viele Färal«n , Olafen und 
KeicbBatXdt« den Evangelium lui'allen und aiob „die Saohe 
damit schicklich" ftnläTst. Aus allen dienfiD Orundon aolle or 
ibr BTuigotiacbM B&ndni* fStdem. „Denn", und damit faliit 
Philipp am SobluTa noebmals die politische Situation su- 
ummen, „naohdem »ich die geistlichen Füraten Torbunden 
baben, deucbt uns auch furdoTBam, geraten und gut, dalk 
wir weltliche Kurföraton , Füraten, Grafen und Städte un* 
■amtlich auch is «ine Einung begeben". 



m 



I 



£• iat bereita daa vollständige Gothaer Bündnis, welohea 
Mer Philipp entwickelt'). Interesgant ict besondera, daTa 
Philipp keinen Augenblick, trotz der wenig erfraulioben 
Besultat« dos Angaburger ReichatageB, au seinem Programm irr« 
gewordc^n ial. I>ie Hoffnung, die evangeliacheu StSnde doch noch 
in einem Bflndnia su veieiu'.n, beseelt ihn ganz, wie er naraent- 
lieli an der Verbindung mit den Städten unentwegt featbält. 
Mau wt der Hinwela auf «in katholitobea Bündnis, l^r 



1) Maeh lohalt wia Torw. 




88 



Brei* Blind fiUbAKrabantMi rr^Rgsliichpr StKnH«. 



lielt flnmit «uf deo togenumteii „Mainzer Riit«chltg" hin, dar 
in jeson Tagen lu ■«iner Kcnotniit geluigto'). 

■fohanu freilich faud «a bedenlüicli '), liinter K&iimir iß 
solcher Weieo bei Oenrg voj'Btellig ku werden, weil «i 
dnduroh SaBimir zu beleidigen fiircbtete. Bedenklicher aber 
war, dal'E die Auaführungen Kasimiri ihres Eiodruek» auf 
JoliHnn aiobt verfehlt halten. 

Und doch hatten gerade die Grafen und StAdte nodi 
am meisten sieh den Yerbttodeten genühert ^). So hatteJ 
Nürnberg sich bereit erklürt, in jeiler Weise fSr du* 
ETongelium am Reiohsbtg mit einKutrotsn. Die direklm 
BüDdiiie an trage freilich hatte man nicht annehmen wollen, 
weil man zunochit die Ite«ohlüase des Keiubstage erwarten 
•oUe. Auf Trier dagegen var nicht eu reohnen nnd selbst 
Ludwig Ton der Ffalx war trotz aller Bitten Philippe m 
einer bettimmtcn Erklürung nicht ext bewegen gewesen. 

um 80 mehr mufste aber Philipp bei Johann darauf 
drio^eii, die 8tädte, besoDders Nürnberg, oicht fallen sn 
loMcn. Aber ao weit gab er deest-'o Bedenkon schon nach, 
d«f* er meinte, falb Kesiinir kein eigeotliches Bündnis mit 
d«D Städten «ii]Eu;-«heii gedenke, so solle er dooh so weit mit 
ihnen sioh Eusammeothun, dafi man sich gegenseitig bei dem 
Wort Gottes schatsen wolle*). 

Zum Gluok fnr Philippe Bestrebungen offenbarten «oh 
gerade in diesem Augenblick die Absichten der Oeguer deut-j 
lieber denn je. Wie in dieser Beziehung die Dinge lagen, be 
wies klar ein Schreiben der Dpssauer Verbündeten ^), dos Mitte 
Dombn in die llüode von Snohsen und Hessen kam'). 



i) Tergl. onlen B B9. 
S) Friidtnibnrg S. ST. 

5) Vrr|:L Frltd^nnhur«, Kur VargatcMcbt«, ft. 81 S 
4) — klidtn doch dl« (tllBin ■Dm wnigileu dei gotUIcbon wart 

hslb, ob iDBn dRwldot wolt lialesti^l und zu dtlngcn undetsuiiitin wardaa 
tu b*wIlliK«n und iitiitunKhineD. Philipii nn Jaliniiii, Ig. Jhd. l&SS. 
b) Honog Gcorü von Suhien w»r dibui noch kiiigenominea. 

6) Vntfl. Frisdcntburg, Zar Vorgeschichte, 8. OS |f 



Eritc SUBdiilibrilraliiioitan a»nK*IUoliM Stlaüo. 



39 



WihiMid M« iiu Bfiruhigung im UnUrUnon nicLtfl für 
viebliger ansahen, aU Ordnung der kirohliehva DifforenztMi 
und Freigabe d«s göttlichen Worte«, erklärten jene einfach 
auf dem Wonnser Edikt zu stohoo ; »od wer lelbständig 
Neuordnungen Tomehme, der «toLlo uoh ttuf doD«*lb»n Sliind- 
pDDtt, wie die eu&ühreriecheo Bauern. Warnungen vor Dm- 
triebeu QeorK» und des V-tih^nagt Ferdinand waren eben 
in j«n«D Tagen ihnen gleichfalte s« Ohren gekommen. 

Cnd Georg selbst' ), durch ein gemein »obaftli che« Schreiben 
/ohanns und Fliilippa vom 7. Januar 1A3G gedrüngt, hutt« 
deutlidi zu erkennen gegeben, dafs die Verlilj^ng der neuen 
Lehre die erste Vorbedingung »Her Ituhe und Sicherung lei. 
Erfuhr man dooli duoIi , dali verschiodone Fürsten heimlich 
mit Georg iiu Leipzig zusammengekommen waren '), tqd 
deren Beschlüssen man sunÄchst niuhU wufate. deren Tendenx 
ab«r nach allem VorherKeheoden klar sein muTate, Brachte 
man doch Truppen Versammlungen dnmit in Verbindnng! 

Und noch nicht genug damit! Anfnng Uezember 1625 
wann su Mainn *) die Kapitel aller Suffragane versammelt go- 
veaeu un<l hatten den Kaiser durch eine beaondere (jesandt- 
sohaft g^göi dag Luthertum an bu rufen be Schlüssen. Da» 
muftto (Ion protestantischen Böndnisbeatrebungen einen neuen 
ndUihtigen Impola geben. Und so suhen wir denn, dafa roa 
,jatxt an — schon im Brief an Georg von Bramienburg — 
Philipp atets als ein beaondrsB Moment, selbst in Bündnis 
n treten, diese Tereiniguog der Geistlichen anführt und 
immer von neuem betont. 

AI* dahet Philipp, gem&Ts der früher beaproohsaen Äb- 
redfi einer Zusammenkunft nach Weihnachten, eine aoloh* 
fUr den 37. Februar 1336 in Gotha in Yorsolilag brachte, 
ging Johann darauf ein. Auch weiter darauf, dofs von allen 
Btiodtn «onst allein Nürnberg eingeladen werden sollte. 



1) L c. 8. 9T 

«) i. » O. fi- 98. 

S) Prledcnsborg S. 101. 



40 



KnM BUnduiibestrehunircn »vftnK»lxi>«her Stinde. 



Ihr ßeroeinsames ' ) Schreiben nn Nürnberg spricht ■) nach 
Betonung äer he^ieneiÜ^tTi freundschaftlichen BeKiehuogeu 
Ton der Gnade QoUes, der jetist sein heiliges Wort, da* m 
viele Jahre verdunkelt, wieder ofionbarl. Gern wollten nie al)ee 
thun, was ohriiiüiohen Fürsten und Obrigkeiten gebühTo. Sie 
crishlen dann von den Frnktikon und dem Bündnis der Gfist- 
liuheu. Sie seien gewillt, bei Gottes Wort und der Wahrheit 
zu bleiben, und hätten deshalb ein Bündnis in Aussicht ge- 
nommen. Trüge Nürnberg Giüfullen daran, so sollten sie einen 
Abgosandteu nach Gotha sohiuken, wo man dann mith be- 
reden könne, wen man sonst noch heianEuziehen habe *). 

Allein gegen ihre Erwartung lehnte Nürnberg ab, wagte 
aog&r nicht, den Tag «u beschicken. Aber auch darauf war 
man geMst. 

An 17, Februar hatte Uansfeld an Johann gesobriebea, 
allein auf die ZuEammenkunt't von Johann und l'hilipp komme 
ea an. Und Johann versagte Elch niuht. Am 37. Februar 
traf mau in (>otha Kusammoti. Soviel auoh damit gewonnen, 
Dooh waren der Schwierigkeiten genug zu aberwinden. Sehe 
ermutigood war schon nii;ht, dafs Nürnberg abgeachrieben 
hatte. Dies barg GeEohr in siuh. Denn wenn auch Nürnberg 



1} Hau nnbtB «ehr irren , wena dleinr Bdof nicht an* Phlllppi Oe- 
dinkan li«rTorgeRiinge>i. Er «rianort ■Doh »shr &n lelDBii Sriof in Qeorg 
von Bniidenbutg. 

S) ToTgU Friaiteualiure, Vorurmchlnhl«, Ball. T- 

S) Dat BHaf kii NQrnliorg:. aus iler glsidiaii Zeit, vie jener *ti (tvorit 
von BrjtDdniibiir^ , entaprlcht infol^orloEiBcn jeiioin in itllflm We^ontJEclien. 
Nur hnt ri, ich mGcht« Mgen , elnan IheologUphvn Anütrlch. Er war 
ftiiH«n«cheii]1icii üuf HJe HüriiblirKftr, wa Uie Tbenla^en BtTbojc orthodox — 
und die Tbeologan »ptelou liei ollcu Verbau dl Diigtu damaliger Zall iId« 
entscheidoDdo Roll« — bsreihnel. So wird, um nur di«s «ine hier hol- 
voriiiheben , nia Zweck itea Rund« nur drr hingealellt, die Glifidflr dea- 
t«lben vor Vergewaltigung lu icliUtien. (all* sie wegen dei Ootteaworli 
libenogea warden. Dali or lagldch aath eintroien sollte, „wo einer wldet 
i*«fat ele." aDgegrldeii wttrd«, fehlt. 



Eni« BUiiiIiiiibMlrtbung«a cfanüaliichBT Slknd*. 



41 



ftlle VoransMtsungea ä»T beiden FUrst«n ftcnkaont hntle, di« 
Pflicht der Obrigkeit, dio UntertaacD zu schütMo, di« Anfchlüf« 
der OegDOT, dio Notvondigkait, di« GlaubvnMaolio alt du 
Prinxipalitilck xu behandeln , m> hkttii v» duolt ({leichwohl 
■ein« B«t«iIiguiiK ftn eitutta Bijndnia abgelehnt, einmal ftu> 
rfligiSeeo uod dann >ua politieoheu UotiveD — Ueweggründen, 
wie «e MJtdem immci and immer wieder bei den protwitAn- 
tJHhea VerbuDdluDfren Anfgetreten siiid. 

„80 achten wir doch", hiefe es, „betohwerlioh, die Hand- 
habung des göttlichen Worta auf sieiüiclie odcT thiiÜiohc Hilfe 
SU stellen". Das „Wort GoUes aeidoi Oäwattigxk- und Kräfügiite 
im Bimme! und auf Erden" und darum „rosobtig genug, üoh 
Bolbst ohne alten mensohliobeii Schutz und Hilfe ZU erhalten". 
Sodann mUfsten sie auf den Kaiser aU ibreo „rechten 
«inig«n weltlichen Kerrn und Obern in allen leitUcben 
ningen ihr atruck Aiifaeken haben". Audi ihrer Meherigen 
GeL^iier wegen dürften sie nicht eingehen, um ihnen niuht 
melir Grund sur Elage eu geben. Endlich verbiete ihnen 
di« Sihe de» Speierer Beichslegs . wo doch gewifs vom 
ETaageliam geredet werden würde , bereite jetxt sich in ein 
Btisdnis Mniulasaen. Drum flollten es die Fttiston nicht 
.fib«lnehmen, „dafs sie nooh auf Kaiser und den angekündigten 
Seichatag ihr Aufsehen hätten und daneben ihren einigen 
Trost, Tertrauen und Hoffiaung in den stellen, der das wunder- 
Ikhs Licht seineB bailigen Wortes gnSdigUch hat berufen". 

Diese Erwägungen waren nur eu sehr geeignet, bei 

KurfUnt Johann Gindruak na maohen, denn sie entsprachen 

seinen und seiner Theolofftn Aneiobteo'). Bekannt ist die 

onwandolbar« Anhänglichkeit und rührende Treue, die die 

^BWbTDiatoraa allezeit ihrem Kaiser bewahrten , trotz aller 

tUJtiu«hui)geu und bittereu Erfalirungen : dieselben Ge- 

(MaonngeD beseelten auch den Kurfürsten. Uan weits femer, 



1) Vergl. Savkandorf, da Luthnsniami) U, SO. 



42 Ents BlindniibRttrelmnp'a ■ritngnlitebnr SUiiila, 

wie tief bei Lotber die Srheu vor loenschlioben ADeohIngnn, 
die oline Oott su Solinnden «rürd»ii, wurEolte '). Aber auch 
in dieeer Frage war JobannB gläubige« Qem3.t durutiauH Sho' 
Hob geitimmt W«a Wunder, daf* Philipps Feuereifer auch 
jetst nur schwer JohsLons Bedenklicbkeiten überwand! Wobl 
verfiprach ') jeUt Kurfürst Johum mandliob, in den Snohen 
des EvHtigeliumfl Land und Leut« bei ibm zuEUaetiseii, atltän 
das BUndnie, wie es sieb Philipp vorgeeetEt, war damit noch 
durohnus nicht erreicht. Eiu Qutachteii der beidersdtigea 
Räte, die daruuf auBammenlraten, lüfst uns die Sohwierig- 
keiteo, die noch zu beseitigen waren, erkennen. 

Der arate Punkt betraf das Al'sagi'BOh reiben Narnberg». 
Es nullte auf jeden Fall beantwortet wurdon, sei ee nun von 
Johaon oder von Philipp, und zwar „in alwegen" mit Bat der 
Scbriftge lehrten '). Einen bestimmten EntHchluTB in dieaer 
Sache wollte man jedoch für jetzt nicht bi-i Nürnberg er- 
zwingen. 

Oelaog m somit Philipp, Ha GrÜDCle Nürnbergs ah 
nicht Btichhaltjg darEustelleD *), so war er gleichwohl aooh 
nicht am Ziele. Wir erinnern uns, dafe Uarkgraf Kasimir 
auf dem Augeburger Keiohetag eine Yerbiodusg mit dfo 
Städten abgelehnt hatte. Er hatte vielmehr eine Versamm- 



I) So lehrieb nr, tit er vom AHst^hliirj dos Torgnucr BUndaliiu 
TttmfaD: don band wid^r dvm kaisAr hÜre ich ull guroe, denn meOAcheti- 
RDsclillge, aatg* Ich, werden r«bleii. Vergl. KösIlJn, Luther II, H. 9. 

1) Vcrgl. du GuiKchtea der Rite, ■bgsdr. Iiai FViedenibuig. Zur 
Vorgwehlchle 8. läS. — „eiiiM cbH^II loben vtir«(«nlnuii ■Kr»ini|{ft hetten 
•Iw, via sieh ibr« «hiitlVrsIlicli. gn. u. f. gu. barult mautliuh und elgntt 
penon g«gen elDuider er)ialten. 

S) leh denko, tcboa dnrnu» erbollt, wie (rofBen Eindruck die Nlkm^J 
bancer Krwilgungen gemacht butlea. 

1) Abur Kiilhst iui Gutba-Torgausr BUnduii talgun *iuli »orb dia 
ßparen. Denn tniilirere Snrlion lind >iiB dem Ablehiiungs^chrAlboii in 
duselbe KufKeuomnifn wnrilpn. Ho ■. R, der Pnitsui, dnh du Vor- 
nehmen der (IsiiitlicJlBii mriii iudi MbIkp ifreiclil etc.; der PUratan alt 
Indrnmeni a, t. f. 



Eni* RllndnUbMlrebiinma nvxnKvIJischn Stiad«, 43 

luDg (Jler weltlichen Kurfirsten und Ftlratan in Torscfilng 
gebracht, die sTentuell auoh auf diejnnigeo, „eo dem f^Hlichen 
Wort gewogen", beschrKnltt sein ■oUta. 

Johann hatte diesen Gedanken uufgegriffen, wShrond 
Philipp TOD der Auascbliefaung ilor SÜLdto nichU wiiHen 
wollte. Oleiohwohl mule jetet der «ächibehe Kurßirit davauf 
XuräckgekomDieu «ein , denn eu zweiter Stelle des beaagtiin 
GalachUns entwickeln die ßitte dts Breiteren die Orüsdo, 
aus denen diese geplante Versammlung iler vrltUohen Füratvo 
besier xu unterbleiben habe. Sie l'ürubteo die Ergebni»' 
loeigkeit e'witi golcheo Tages, weil einmal der ausgeiicIiriebenB 
Reichateg vor der Thür stehe, weil ferner auch Tiele FUrtten 
des Kaieere wegen ihn ku beacJiicken Hnteriatseu wiinlon. 
Ein solelier Mirserfolg mürste allein den Gegnern zu gaiit 
kommen. 

Dann blieb aber nur ein Bundni* der beidtm anwesenden 
Fürsten übrig. Die Folgen konnten nur glinstig« »ein, indem 
dwio andere Stände, naohdem einmal der ,, Anfang" gomaobt 
„veaig Scheu noch Beschwerung" haben würden, selbst bei- 
zutreten. Damit war aber auch der Charakter des Bundes, 
wie man ihn friiber ins Ange gefafsl, bewahrt. Der Bund 
muTste ein allgemeiner aetn, in dem neben den Kurfürsten 
und Fürsten auch tirafen und Städte Plate hatten. Die 
Tendern blieb dieselbe, streng defensiv, allein zu Schutx von 
L«nd und Leuten, bei Anfechtungen wegen des ülaubens. Da 
Nürnberg abgelehnt, konnte der Vertrag zunächst nur iswiscben 
Saehsen und Hessen rechtskräftig abgescItloBtien werden, doch 
mit dem „Anhang, ob eich jemand von KurfUrstt^n, Ftirsten, 
Orafon oder St&dten in dergleichen Verständnis eu ihren 
kurTüTitliehen und fdr^tlichen Oniulen auch tbun wolt, dafa 
ihre kurfürttlichun und fürstlichen Gnaden den oder die- 
selbigen za gleicher Vereinigung auüiehmen wollten". Also 
wird flir „das Bequemst« angeselien" , dafs tioh Kurfürst 
Joliann und Landgraf Philipp hier in üotha des göttlichen 
Wert«! halber eines „ohriitliohen verstenlnus Tereinigten". 



44 



Uritc BUndiiitbcslr(ihiing*n «TKngMlIsithur KUtniU. 



Alles Übrige erledigte «uh dnnn leiolit '\ Da dioRor 
aSohHigob' hessische Bund nur der AuEaug aeiu •ollte, Icnm 
es darauf bd , die übrigen vod den Ständen , die man dem 
Wort Gottes gewogen hielt, zu gewin oen. 

Jeder sollte einen Teil dertelben auf sioh Debmen, der 
Saohse Torwiogend die tod Niederdeulsuhlocd, der Heaae die 
Tou Oberdeutsohland. In einem K-tzteu Funkte werilon die 
ainzelnen Stände, auf die man reohnen im können meiut, 
nambaft gemaobt. 

Natärlich wurde in Gotha auch der „Haiozer Ratinhlag" 
und die etwa bu trefrenden Gegen m&Taregela bespro<iheu. In 
dieser Beziehung wurde einmeil beschlossen, ihn Luther mit- 
Euteilen, damit dieser „der Eapitel unohristlicb und eigen- 
n&tzig Yoroebmen beraui streiche". Auch Eoust will mut 
für möglichste Verbreitung desHelbeo sorgen, um allen Fürsten 
die Äugen ;;u öfFnen und um so erfolgreiober auf dem bevor* 
Steheaden Speierer Beichstage für das Wort Gottes ku wirken. 
Zunächst solle man sich gegen die An schuld) guogen desselben 
beim Kaiser Dicht verantworteo, sondern zuvor den Beiohstag 
Sud seine Beschlüsse abwarten. 

Auf Grund dieser Beratungen ist dann das Bündnis 
wirklich abgeschlossen worden*). Die Urkunde spricht eU' 
ent TOD der Gnade und Barmherzigkeit Gottes, der sein 
eviges reines Wort wieder erscheinen lasse und bisher alle 
AnsohlUge dagegen xu Schanden gemacht habe. Sie betont 
ferner die Notwendigkeit, die religiöse Frage als das Ilanpt- 
stüok alter Beichshandluog vorminebmen, sowie die Geneigt- 
heit An BiindesgenosBeit, dabei mitzuwirken, wie sie es be- 
reits in Augsburg gewollt, so jetzt auf dem kommenden 
Reichstag zu Speier. Dabei „holften sie sonder Ruhm, sich 



* 



1) VtrgJ. du ßuUtcliUn dar lUtB. 

S) O^draekl bei nortlsdor, Hindluniicn und Aniscbnibaa I, TIII| , 
1 Vi t. 



Enrt« BUiidnUb«9trabuDgcii ««augalUcher &Uliide. 



4fi 



<d« gehorsame Ftlnteo gegen Kaiaerliclie UaJeatSt Bu er- 
ZMgeo", Mien &acb bereit in allen SacheD, darionSD aie au« 
„«chuldigem Oeborsam xa folgen rerpäichtet, Erkonntais 
und Weisung xix erdaldeo". Doch die l'rakLikcn der tioiit- 
lifibeo und ibres Aabaogs, deren Biinilnis und Ab*tobt, die 
Wahrheit Gottes und aein Wort nu uaterdrüeken , eie telbat 
abar KU uberziehoD und la Terdarben, nötigten lie, kratl 
ihrer Pllidtt, die Unterlhanen su lohiitzen, dahin zu trachten, 
,^uf dafa die DirigcD vor uobilligem, uav«zur»a<slibMi Krieg, 
IhäUicheD ued uugättlichen Bescliweruugea geacbützt, bei 
dam Wort uubeleidigt und deito friedlicher bleiben mögeu". 
Daahalb hüttan sie aioh „im Namen Uottee aus ohriatliuhem 
Qemiit, Herten und rechter Treue, nuch Diemnndem zu Ver* 
dnt» noch auwider, soniiern allein ku Sr,faatx und Kettung 
dar Ihrigen und Anderer, di« sich tou viel bewuTater Sachen 
vegeo au ihueu tbun wollten, die tia auch aufzunehmen ge- 
neigt seien, vereinigt und in VerstindniB mit einander ge- 
geben". Sie versprechen „Leib und Gut, Land und Leute 
und aLied Term&gän hei einander ku «eUen", audi gegenaeilig 
aufi „stJiilule auf eigne Kosten und Sitbed«n" su Hilfe zu 
kommen, in dem Fall, daTa die Widernaoher und ihr Anhang 
„von wegen de« güttltohon Worts und der Oinge, RO demaelben 
naob wider die Mifibrüuohe in ihren Ländern Torgeaommen 
and gehalten werden", «ie angreil'en wurden. Die gleicho 
Terpfliohtuug tritt ein , falls andere Sachen „xum Schein 
woUlea furgewandt werden, da es doch berurla göttliches 
Worts halben im Orund gemeint wurde, und ein jeder vob 
ihnen um solcher vorgeechutEter Scheinsaohen Eikcnntnia 
und Weisung dulden konnten". Doch wollen sie in allem 
ihr Vertrauen nicht auf sioli und ihr Land und Leute aetzeu, 
eondera auf (Jotl deu Allmächtigen, deaaen „Werkzeug und 
Instrument" sie sind, „dem auch wenig ist, mit vielen oder 
wenigen, wider die Feinde zu siegen". 

Das ist der Inhalt des filüidnisses ron Ootha-Torgau'). 



1> In Torgaa al[cIis!ich«rMiU ntiflitsrC, dahu ma1>t du „TorgRUsr 
Daadnb" genaaul. 



46 



EriU BQiidnlibeiitraliungnii nvuigalUcbor Stiodii. 



£]iie feste Organiiatioa wüT damit keiuMveg» ge^vonnen. 
W«r die Bedenkeo und di« Hindeniisse, di« zu überwinden 
wueu, erwägt, wiid eine Bolohe aucli nicht erwarten. Ge- 
nau betrnchlet , war der lü«r ab^Bctüoasene Vertrag nur 
ein Torliiufigea Abkommen. Noch reobnet man auf ein» 
Änderung der U&ltuni; des Kaisers, auf eine einheitliuhe 
Kegeluag der Glauben Bfrag«, die mau seboo in Speier zu er- 
reichen hoffte. Daher sollte noch der ursprü unlieben Fassung 
da« Verstäadois auch nur bis zum Speierer Heiohstag Geltung 
haben'). Die Vertragsbesünmungen lauten auuh nur gnns 
allgemein. Land und Leute will man Eusetien. Immerhiu 
war doch endlich eiu Anfang gemacht, auf dem sich weiter 
bauen lief». 

Äuadrünklioh war die Betdnunung aufgenommen worden, 
dal« die Verbündeten andere gleioligesinntu Stünde in ihre 
Vuieiuigung aufnehmen dürften. Dafs dabei auch tiuf die 
Städte gerechnet war, beweisen uns die Verbandlungeu der 
Bäte. Insoweit war man vom ursprünglichen Programm 
nicht ab^owiclien. In einem Punkte hatte i'hilipp aber 
äugen Eebeinlioh niiobgeben müssen. Denn wenn en frUtwr 
geheifsen h&tte , man wolle sich gegenseitig unterstützen 
„auch sonst in anderen Sachen, dn einer vor dem andern ri»)bt 
Lüden könnte", so ist die Verptliohtung zur Uilfoloisttuig 
im Liotliaer Bündnia allein auf die Fälle besehrünkt, die „im 
Grund mit dem göttlidien Wort zusammenhängen". Flir den 
f'ortgang ihrer «vangelischea Ein unge versuche war dies» 
KinschrSnkung gewir« nur günstig. Denn weder die StJtdte 
noch Luther würden »onat fiir sie lu gewinnen gewesen 
aain »). 



1) LtrsprOnglioti tlandhel „*(ilgcn<]«Tnlau verDjnigl" derZnsata: Kä 
■0 liuig du eiu vliristliche glaiiibmsuigkeil nuff neclistknnftigon reiuhiUg 
aiiSBi><in<>i> ■'irdet. Di«{ wurde d&na wieder gutrSchen. Wiim. Gci,-Areh> 

S) Vargl. S*ck*nilorr, d« Latlinrniismu, 11, SO, KSstlli), l.alhlr, tl, 
H. 9. 



BtMo BUodiilibcilrobuiig«» avaDgelijehar Stlud«. 



47 



IL 

Weiter« VertaaDdlongen auf Onind des QoUia- 

Toigauer Vertrag». 

Die stolzen HoffnuDgeo und knhnea Plttne, mit denen 
Kich Philipp Ton Hessen am Ende dea Jahres 1 535 getragtn, 
vrnren nur in sehr besohoidenem UoTse in Erfüllung ge> 
gaDgen. Aber to riel war doüb jedenfalls erreicht worden, 
dab man siah genähert und Verbindungen sngpknüpft hatte, 
die «ine godoihliche Weiterentwicklung hoffen liessen. Vor 
allem auch hatte sich gezeigt, eine vi« grotie Kaoht dtis 
„Wort Gottes" bereits geworden war. Gelang es, dioio 
Kräfte »u Tereinigen, so war der Sieg des Evaiigoliums un- 
swflifelh&fl. Und darin liegt die Bedeutung des Gotha -Torgauer 
Bttndnisses, dal^ jetzt ein Mittelpunkt geschaffen war, an 
dem »ob alle verwandttn Eiem«Dte aDBchliefien konnten. 

Man war durch die bisherigen Mifserfolge so wenig ab- 
geeehreckt, dafs man nioht nur tlarAn festhielt, die schon 
firtther angegangenen Fnrstrn tind Blädte abermals ansu- 
sprachen , doTe man sogar noch andere neu zn gewinnen 
■uohen wellte. Dabei biefa es die Augen offen haben. Denn 
auch die Katholischen setzten alle Hebel in Bewegung, um 
ihrem Bunde neue Mitglieder zuziifiJbrtD. So halten die 
DeMauer Verbündeten ' ) auf Anfang März einen Tag nach 
Halle aageitetzt, wo Meoklenburg und Pommern autgenommen 
werden sollten. Ple Einladung erging auf Qrund der Mühl- 
hünier Verabredung, aber daTe dies nur der Schein, bewies 
die ThatBMbe, daTs Johann und Philipp niolit eingeladen 
wurden. Heinrich von Heoklenburg lehnte sofort ab, auuh 
die Pommern kamen nicht, obgleich sie anfaiigs Miene diizu 
gomaeht. um so bedenklicher aber ersohien das, als Philipp 



1) Vergl. Medoiubarg, ßeiDliiUg v. SpsUr, S, 61- 



^ Kral« BilndniBbutrcbiingsn «fkogntiichet Stund«. 

und JohanD eben auf diege FUraten ihr AugeDmeik gorioht«! 
h Alten. 

ütierwarlet bot aiob BodreneiU eine QeU'genlieil , die 
fieetrebungea der Gegner lu durobk reuten. Aus welchen 
OrÜDden ist aiolit ersiolitlich , vieUeiobt eiufaoli aue dem 
Seetrebeo nach beiden 8öit«Q hin sieb zu docken, auuhte 
Anfang 1526 Albreoht von Hains durob einen gi^wisstin 
Bubi') in Kisleben biä Albreuht von Maarfeld «ine An- 
näherung «a Johann von Sucbsen herbei zufahren. 

Johann war überrascht- Ke sei ein „leltBamet Hnndel'') 
schrieb er. Auch kannte er zu gut die ÜnbcHtJindigkeit 
Kardinal Albrecbts. Oleichwohl crachien es ihm wi» eint) 
Fügung OolLes , dafs einer der „Widersacher des göttlichen 
WotIb" wankend wurde. So stellte er es denn dem getreoen 
Albrecht von Uansfeld anheim, su sehen, wie es „mit dem 
freundlichen Willen gemeint sei" *). 

Die wetteren Verhandlungen ^) funden Anfang Februar 
durch die beieicbneten Zwischeupersonen in Halle statt, und 
hier stellte sich heraus, daTs Mainz dem Eurfür*lon tob^ 
Raohsen eine Einung*) antrug in der Weise, doTa Albrochl 
neutral zu bleiben Tersprechen wollte, Mls Johann ango^ 
griffen würde. Mansfeld fügte bisKu, er sähe die Sache au 



1) Voigt. Fri eilen abuig, KeicIiälAg v. Spi.>if>r. 8. 09. 
>) Johlknn an Albrochl van Mitii»rald , IS. Jan. lEIfl. Koni In, 
Waiin. Qm.-AtDli, 

3) In «einem Brisf v. S. Febrniir Hus Uitll« i-ii)iri^ibt MknaMit ; air. 
kttrr gn gegeben ■bschyd nacli , belingent <len rruiilirehen vorstondt 
ci«o»Fn eir k. gn. und sein kurf. Kn., -^ nnd insa ich iiu.IT meyv 
Uuilmlhtnigk unUrynKfu von ew. karF, ^ii, ilfsscr riilgendnn moyuucnKlt 
aniw«rl bdtomnien, du ev. karf. gn. aoob nicht uiigsleybt woren, ayc 
mit suin Viirf. gn. in eiD«a Irantl. venttandt lu bogobsn etc. 

4) I. c. — ao beiagett es düi:h nulT dem wegc und bIjki <ipr kurf. 
von Moini wyll (Iah mftt «». kaif ^n. in tjn ejmuiig begeben, dm 
a. karr ga. «yd^r »w, kurf. go. derwlbigtn nadectlian nicht haadela 
•d«r beiregtii noilsn [ivien , im Tal dss cw. kurf. gn. ubenag*ii nnd . 
asdsm leuten nicht uberiogan. äo aber ew. kuif. gn. ander leot aha 
Sog«u, wolUn taia karf. gn. d«a» (alg — Inj it«h«a etci 



Ent« bUndniibMtnbuue«)! «vuigcliMlier SUtal«. 



49 



KD, aU faXIM Gott mehr TerhSugen wolleu: mui liüU« tich 
zur AuaroUung d*g gSttlloheo Wort« Terbundeo; d* m 
diesem Zweck aber äer KurlÜrtt toq Muinz nicht ge^^a 
Johann Ktehen wolle, habe er dieaei> Utiniinis mit BMhoen 
TOTgetoblug«). Mttins sei erbötig eine Tugeroiao gegen Xaum» 
buTg SU JohauQ entgegenzukommen. Munsfeld rät ent- 
sehiedc-D lu ; man ktJnno nicht wisseti , was Gott „durch 
dieeen Uaiin noch nusriobten volle" '). Und besonders tolle 
er. fiUI» PS irgind nngingo, ilin vor dorn mif Mitfuitoii*) nach 
Halle nusgescJiri ebenen Tag su (ich b««ulieidi>n, aus Unaohen, 
die er jetzt nicht tiubreiben könne. 

Uan sieht, was lllr Hoffnungen Manifeld an diese Zu- 
tunTDOukunft knüpft. Einmal dachte er daduioh jenen Bun- 
destag der Dessniier ku stören , andrerseits geradezu xu 
sprengen, wenn anders cb gelang, ÄJbrecht in nüliero Yer- 
l^ndung mit Johann xu briiigoii. Und gowifs war Eohon an 
und fiir sich diese Annttherung von Mainz Hin Soblaj; gegen 
den Dessauer Bund. Man wird Eur Erklärung dieges Schritt«« 
wohl den Leipxigor Tag lieron ziehen dürfen, wo Georg von 
Sachsen Truppen gegen Baohsen verlangt hatte"). Wie 
Heinrieh ron Bravmschweig die» abgeschlagen, — ea würde 
ihm denn von ifordinand befohlen, — so kann Uainz aller- 
ding* aucb bedenklich geworden sein und sich, xumal sein 
Bistum Halbt^rntadt ollen Gegenmarsregela Sachsens aitsgeaetEt, 
in seiner Furohtsamkeit zu decken gesucht haben. 



1} Ebands — AU ikt mn aw. karf. ((n. ribIh uodartlioni^lc byttea, ew. 
karf. IB. wol<l«n «* tiniih nyiimalu, wer weysi wbs der almechtigk durch 
dsM Dan noch nurlclitco ntoIi, vnrauuh«» etc. 

I) II. Hin 1(16. — Vm den Kwcch dl«««» von den Grgnern liogt- 
HUMi Tizes SU veieltoln. bittet MnnaCelil nnclimala, Jolinun mSge (loch 
dn „b«d«n (unl*ii von ll(imiiit.>n nwl Msckslnbuig selireiban, du ir f. fjn. 
Mlebnn Ugk nicht briucht linden ; den» inaini nchtens Atsa k"""!"«» 
mnBB halbao Teyl dar uDjccIettan lOjn wyll, d>*" etr. 8- Felirnar IBIS. 

Wttn. Qei..ATeh. 

8) Kaob ^noDi Briaro von Qnf Wafgang von Gleicbiu «» Kurf. 
Jobano. ^10. Aprit) Orii. Weim. Qei.-Areh, Vergl. obau S. 39. 
XIV. i 



gQ Ente BandnlKbuttibuneen evuigaKictiar SUiad*, 

Johann hatte aber äelbst auf dienim Bericht') hJD noub 
BcdeokcD. Uediiilb kommt Manafeld aiu 17. Februar abei' 
inals darauf zurück '). Zum miodssten werde doch Johanii da- 
durch den Bund, weil dann Joachim und G«org sich nicht auf 
Uains TerlasBon köiint«n, trennen. So gab achlieaaliob Johann 
nach, aber waa dann dort in Naumburg >) Tsrhandelt wiirda, 
bleibt dunkel. Eine Annäherung fand jedenfatla niuhl atutt. — 

Auch auf Philipp von Orubenhagen, sowie BUohof Erich 
TOD Osnabrück *) hatte man Bioh in (iotha Hofinuiig ^emuuht. 
Wie BO auf di«se: VermuUioh duruli d«u unermüdlichen 
Uanefald. Denn dieser gehörte schon früher einini nord- 
deutachen Fürstenbimde, dem sogenannten Lippeechcn an. 
Dieser Bund ^), jedenfalls durch die Hilde sh ei mcr Fehde eiit* 
standeD, sicherte jeden vor Vergewaltigung, abgesehen gagea 
den Kaiser. 1519 gegründet war er rasch emporgeblübt; 
1Ö24 waren Heinrich von Braunschweig und Erich von 
Calenberg aufgenommen worden i durch erstern wurden daaQ 
wieder die Mecklenburger und Pommeru hereinf^nzogun. 
Ihre Aufnahme erfolgte 15. Dezember IÖ25 zu Uuiuover. 

Es »t beseichnend, dafs mit diesem Schritte der 
Mecklenburger und Pommerschen ilereöge eich Johann voD 
Suchaen eiurerstanden erklärt halte, zu einer Zeit, wo or 
aieh bereits eifrig mit eTasgelisohen Bündnisgedauken trug. 



1] Vorgi. iea Htief ütuiralijn a» JohaDii vum 13. Februar. OlI| 
Waim» Gei.-Ar?h. 1^"-. kurf. gii. uiitwuit auf meyp schrsybsn an 
Halle — aUd ist in Aeat wol Iti^düückeii ku IiaIioh- 

V) I. c. kan iob ow. kurf. i;il noliar uinti u Tait gut xaln %alt nieltt 
aociDihvo, nhrt ilniB pi an noil. ^j-wol ich iiiworn dar wjrdcr gewe 
wurtiiDu durli *w kurf. ga. tiinx butiill, aau d«nj sioli der bradvr 
dorgloldioD herMgk Jargo ntcbt anif den man vor1aM*P 
dicnnaii ato. 

8) An II. Min, iiocli aai Naamburg, bacioblot Kurf, Jcbaoa Ubw 
diu« Ziuammeakuan >n Utit. Iluttiricli vaa MDcklanliurg. Vargl. Fria- 
daniliuiu. Spaivrcr KcirliJilag. H. 71 Anin. 1. 

4) Vcrgl, das Gutnohitn ilur Bltv, abgedr. bai FriadansburR, Vo^.j 
faaoUcbla. 

0) Vargl. hierüber Prlodeoiliurg, KiilchtU^ v. R|)oier. 



BfindnUliesIrcbuiigsa «vtufftlinbor 8«Iod«. 



51 



Ml 



Nicht fem tüto liegt dio Annahme, daC« Johann dnr«h Auf* 
oahme die»«r t>ef!rouiidetei] und evKo^i^liveh ge«inut«n FUr«t«a 
Bjnituf« in jeueiu Bunde zu g«wiDn«ii eucht«. Di«4« Ab- 
sicht erhellt noch deutlicher daraue, daTi er jetit «ellut, 
durch Uansfeld und Orubenhagen gedrängt, Buff(enommen sa 
werden wüuachle. Allein auf dem Tage in Ualbentadt int 
idItTX I6ä6 proteitierteu HMiiricIi und Krioh ron Braun- 
aobweig und ao muTita seine Autnahme unterbleiben. Da 
nuD aber dort eine weitere Tagnatxutig auf dun 13. Uai 
IbiH nach Magdeburg, zu welcher Oie FKrstcn penSatieh 
oTBcheinen Mllt«n, anbernumt worden war, eo ermahnt jetxt 
Johann alle erangeliRch Gcäinntea sicher eu eracheioen ; ja 
•ugar Philipp von Hetsan iollte seinen Oeiaudten dortliin 
Mhicken '). 

Der Tag solbat scheint euhliefelich nicht zustande g»- 
mmeo zu sein. Diu so bemerken »werter ist ev aber, dafi 
dann kurze Zeit darauf jene Uagdeburger Versammlung, vo 
eben dieae Filrstaii anweseud, BlaUfuni), die Eiim Ma^ebur^r 
Bttndois fhhrtc. 

Am 9. Mai 1526 fertigte Johann Kupar von Minkwitz 
an Georg run Üntndenburg ub, um ibn zum projektierteo 
Tage uai-h Magdeburg einzuladen. Was war die Ursnohe 
dieatr Xagutzung? Johaou spricht sieh darüber dahin au«, 
dȣi man jetzt nun doub, naohdetu der Augsburger Reichs- 
tag keine Losung gebracht, auch der Speierer Reicbstag noch 
in wedUr Ferne zu liegen scheine, sieh über Mafanahiueu, 
du gdtÜiehe Wort betntTeDd, schlüssig macheu uiiisM, um, 
bUe er doch noch zustande komme, „doslo staUicber" handeln 
m können. „Ueno die rfuffheit werde nicht ruhen mit 
aU«rl«i Praktiken zur Dümpfung des göttlichen Wortt". 

Johann spielt hier auf die Sendung der Geistliubva 
DMh Spanien und den I'apst an , deren Abfertigung ihm 
Philipp am 38. iiüce gemeldet hatte. 

1) All« KUnteO. „die dB bsi dsm worin Gotli^« ttclioii wutlKD," 
Mlltcn penonlich «TMheluen. Dbtj Krirbtslilnl iikb diu „MUIilliBuMT 
btudDlt" «b. 

4» 



SS 



Brate BttuilDUlioilrcbaiigBQ tv*D),'BllBcber SUlaile. 



We!t«r wuXste mui jetzt '), dafa Heiarich von Braua- 
»chwdg wieder aus Spuuien EurUckgokohrt und gemiiro Hoinor 
lastruktiou überall bei den äUodeo für Aufreuhtnrlialtung 
det slteD Ulaubens thiilig trar. Siei wmrtrn bedenk!! clia 
Zeicben der „Praktiken der Geistlii:liea" und die Gefälir lag 
nahe, nuf dem luigüsetzten BeioliBtuge ins Uintortreffen zu 
koanufn. Da tliat £ile und EinigUeil Not, WoJit» man be- 
atehea. 

So besclilofa mut denn trotz der früher buliebtoo Ab- 
aetzong ") eine» gemeinsamen Tagens vur dem Beichitng, — 
denn Dank Ferdinand'» Zaudern war aein ZuaatnmontrJtt noch 
immer unentaoliieden, — in Magdeburg aut den Sonntag 
naoh Bonifaz ''] zueamiaenzü treffe u. Heben Jobaon war 
wieder Uaoafeld besonders eifrig, der auch einige Grafen 
mitzubringon hoffte. Tod FUraten wurden nooli beschrieben 
Mecklenburg, Pommern, die Lüneburger, Philipp von Gruben* 
hagen , Bischof von Paderborn , Anliult. Ein aüuh^isohei 
Gutachten fnlirt 4 Punkte auf, die dort beraten worden 
sollten. Einmal daohte man die Anwesenden zu Tiroiügen, 
daTa »e mit Johunn auf dem ßeiohstag in den Olaubena- 
saohen für „einen man" standen, 2. wollte mun die Instruktion 
der OeistUcheu naoh Spaoieu vorlegeu, sowie die fiir Huin- 
nah. Toa Biaunacbweig vom Kaisei nusgeferdgtu, 3. aina 
gem^inaamo Genandtschait an den Kaiser durcheetzen, 4. end- 
lich aollto das Gothaer Bünduis vorgelegt wurden. 

Du Programm*) eotsprioht im groraen und ganzen des 
Oothner Verabredungen. Neu iat nur, doTs man wieder auf 
di» tietandtachaft naoh Spanien zurückkommt, die mau dort 
bis zum Speierer Ueiulutag Terscbieben wollte. Aber frei- 



1) Vb(kI. Frieden »bürg, Rakihilng v. Speier, S. Sl S. 

I) Nkch dem Ouluhlen der BKU in Ootba. 

)} 10. Juni. 

I] Da in Friedenabnrg's Spcierar Bokhttag dia gautnoras Ha«li> 
waUang«u ti»ruiu geguben, bvtobrlliik* loh mieh bDiUgUeb dar Hagde* 
barger VvrMinmluiig aut die uDeilKTilichitea Ilvlfg«, 



EniM BUndnlibeilrehangaa «TknuaMilebu tltliiil*. 



63 



lioh hill« eich Reiläeni ^e IiSge riolfftoh geändert. Nooti 
immer vuCste man nicht, ob dor ReichatitK irirkliah itaU- 
finden würde. Um so moKr konnte man duher wieder an tine 
Botschaft an den Kaiser (leDkeD, a1» man deutliche Beweise 
in den Händen hdtt«, vie erfolgreich die Gegner am Kuier- 
lichen Uof« i!ie ETangelisuhen Ti'rleumiiet hatten. Jene 
ßondnng Heinrichs ron Braun schweig, der Anfang Februar 
1!>S6 im Auftrüge der Dessauer Verbünileten naoh Spanien ge- 
eilt w«r '), hatte den erirUnechten Erfolg gehabt. Alle Stande 
des Reichs . soweit sie dem alten Glauben treu gebliebeo, 
worden dafdr belobt nnd «rmnbnt, «uch femer fest 2u bleiben. 
Kr, der Kaiser, »ei WilUns, die us christliche, böse, &ppige 
I.ohre und Irmal Luther'n auszurotten und xu rer tilgen. 
Italdigtt verde er daiu selbst im Reiche emcheinen. Bim 
dubiu sollten sie sich geginseitig gegen die Versuche der 
Lutlieri sehen, sie zu ihrem Unglauben zu zwingen, unter- 
stützen. Per Ksiser werde sie dabei mit Hilfe und Bei- 
ftand Dicht Terlimscn. Dtoiin kaherliche Willonserkiarung 
nberall sur Kenntnis zu bringen, w^r Heiuriob von Braun- 
eobweig (ilr Niederdeutaclilaud, Bischof Wilhelm von Strafs- 
burg ftir Oberdentachland bestimmt worden. Die Grafen sollten 
durch Graf Wilholm von Nassau und Eberhard Ton Känig- 
steiD bearbeitet werden. Hernog Heinrich von Braunsohweig 
reiste seit April von Hof Ku Hof. 

ITüter solchen Umatfindon schien eine evangelische Oe- 
eandUchikft nach Spanien, um den EinÜiisterungen der Gegner 
•Otogen KUB [bei t«D, gewifs geboten. Je enger di« katholische 
Partei sich Kugummenacblofs, je zwingender wurde auch für 
die BTnngclischeQ gemeinsames Vorgehen in dieser Frage, 
wie in allen andern, die mit dem „Wort Gottes" zusamoien- 
hingun. Der An^ohliifs an das Gothaer Bündnis wsr Not- 
wendigkeit geworden. 



1) VctkI o''pn S. S5. Di<* IiwtrucUon godriickt bei Bommol, Philipp 
Str Qroftmatlgfl, III. S. 13 Vargl. auch FrioilonBbDrjt, SpelaiDr Kciehi- 
■■e. &. 84, A&m. 9. 



54 



Erat« I)iiadiiiKtie»lr«liQng*n ertng*llBcb*r SUiida. 



In Begleitung von Johnon Friedrich imd Fmns TOD 
LSjirburg traf Joliann am 9. Juni in Magdnburg ein '). Es 
fehlten zwar einige, auf die in«ii gerechnet; Georg tou Branden* 
bürg war nicht xu erreiiihen gewBBen '■*), Brich von OsDabTüok 
blieb aua, «beseo die Pommem, Aber ilie (mdetn wen sBrat- 
lich erschienrn oder hatten, wie Oiio von T.ün&burg und 
G«bhiird van Uianafeld, ihre Vollmaoliten auf ihre Brüder 
aiiBgoatellt. Dm so eünaütiger und sisbiieller ginge« die Ver- 
handlungen von Blatten. Freilich that Eile uot. denn ioE wischen 
war die Nachricht der bevorstehenden Eröffnung dc4 Iteicha- 
tagee eiogetroäea. Die Oeaandtsohaft an den Kaiser b»tt« 
so für den Augeobliek keinen Sinn, erst mufste wohl der 
Atisg^ing des Reichstags abgewnrtet werden. Wie weit man 
sisb über den ersten Puokt, die getoeinsame Stellung lur 
Glaub ensrrage einigte, erhellt auch nicht deutlich. Aber 
im weaeotliolien wurde doch aUes «rreioht, indem sämüiohe 
Anwesende dne Ootbat-r Bündnis annahmen. Denn das sogB- 
nannte Magdeburger Bündois, am 13. Juni abgeichloMen, 
enlspricht wörtlich dem Gothn -Torgau er. Von einer genaueren' 
feeUetsting der eu leistenden Uilie und dergleichen ist Doob 
keine Bede. Zum Schutz vor Vergewaltigung vempricht 
mau finfach, mit allen Kitteln sieb grgenseitig zu helfen. 
DriisnaiT und nur defensiv ist es gedacht, Aber wie in Torgau, 
«0 wird auch jetst wieder auf die Aiifbahme von weiteren Uit- 
gliedaru gerechnet Mecklenburg übernahm die Pommern, der 
uoenaUdliche Mansfeld die andern Fürsten, Grafen und Herren. 

An StAdto'*) war hier nie gedacht worden. Da bot noh 
eise selber an, eben die Stadt, in der man tagte. Hit am 

1) Vargl durObar den Il«r<o1il Jnhknnii un Philipp Tom IS. JaiA. 
Woim. Oa» -Ar<rh. — Yerfcl. auch Frlediniburg, Spolcrar ReicluUg, R, 90 (T. 

S) Uilichvita'a Beriaht vom 1. Juni im Wcim. Ooi-Arcb. 

S) Dnd doch liane Jahann bcraitt ti«i d«a Fridawaldar BgBpreohatigtD 
auf Hijld «bürg hln^ewlaH». mil dam «r much, wlo KoDiDplo Im Weim. 
Goa.-Arch, iieweisen, a»il l^^ercr Zeit in ItrxioliUDi: iljiacl. Bei dnr Wahl 
gDiuda von Magdeburg ab ^'ersamiuluugiinTL wird dii<) iiidil ohna KlnSnl] 
tawaaan baln. Oder ging Johann anih jtttl irlcdsr niu auf aLuoa Kürsti 
band »Ott 



t 



&Mb Blainlrti mwbBBpn «vuistliMbtr SUuda. 



55 



Mahnungen und KinMihuobterungen von tiaiUm Ajbr«dita tob 
Hüna, Georgs von f^achseD. den BegimenU, TOm Oottesvort 
nieht geloMVn. Kuhn und entsctilosita «rgriff e» jetzt dio 
Selegenhoil und bat um Aufnahmo in den eben geaohloiMnon 
Bund. Und, ehrend genug, die Kiiraten zauderten nicht, 
dem Vuniohe su willfahren. Aber da die Zeit so kurz 
VKT *), um die Vertrüge auiKufertigan, *o verapnch man 
•ich in gegenteitigen Teraohreibungeu, in Sachen da* gOtt^ 
Jidien wort« treu zu einander 2ix stehen. In 4 Wocben 
•ollten die Urlcunden in MngdebuTg eingehändigt werden. 

Bei alledem wur l'hilipp ron Hosien nicht anweMmd, 
aach k«dn Oceandter zugegen. Aber was d>T eine that, war 
di^m andern recht. So wird Philipp auch utets als Mtt- 
ua(«T3i ei ebner aofgeftthrt. Am 18. Juni echickie ihm Johaon 
den Vortrag mit Uagdeburg zu *) , die Sache eolle nicht 
hiantugeBcboben werden. Das Magdeburger BüudaiB welle vt 
ihm perKinlioh rorlegeii ^). Denn seinem Bunde igen OKeen 
naoh Speier an den Keiohstag ;^u folgen, wurden jeut tUe 
Ajiitalten getroffen. 

Inswiaohen hatte ».ach Philipp gemäfs dem Gothaer 
Abaohiod« Bundetgenossen zu werben gesucht. Bei einer 
Zutammenkunft mit Ludwig von der Pfalz gelnng es ihm, 
dcBielben dies«* Mal bu dar Erklärang zu bringen, er welle 



1) an* kUrts« h*l1i*r il*r sail und «ui andsr nncaliBD 
t) Abar pcicb ■m Endt äe» Oklobcri^ w von seilen Pliilipp* der 
Veftn|[ nifbl mliflxUrl worden. Am 90. Oktober ^biä bittet Jahiwn 
ihn, •* ladilcli XII Iliuri, weil ilia Migpdebur^r jetsl dBrum AoatichniiK 
;;(thu>. Kons, iui Welm. Ooi.-Arch. 

S) Der Vertrag, ^odruckl bei Ilarllcdor, int loin 13. Juni duliert. 
Da £t*l]t luiii Htnoif Heinrich Ton Meckloibnrg aaeh dam I.ftndgr'- PliiKpj», 
wie auch lu den KoiiKopteii PhlUpp TOrMUtabl. Duüber hatio sich Dein. 
(lob von Hoeklviitiarg buohwcit und dfuhalb die ^ieKcInng rerwvigfrt. 
(Wwm. Ges -Arvli. Kuij*.). Bni der Zutaaimunkann Jubiniu mit Plilti|s|>, 
Dtaimb«* ItkM. U KlusDaeh, »riprub dannPhlUpp, du bcroriVBrsisntniu 
Mioanoll« «ridurnmb lU Tcrilgeln. Win die Urk. im W«iia. Uea.-Areh. 
nigl, IM i\t ttexbetieo. 



u 



KnU tluni)n!sh«9lr*buDt«n «Tiinittili«cti«r Slünd«, 



Land und Leute lu ihm seUea '). Das Bändnis selbst an- 
KUDchmen trug or Itedenkeo, erst mÜBse er mit Pfakgraf 
friednoh Biioksprache nehmen'^). Aber niioh sonst Terapraoh 
er mit Philipp zu gehen. Der Pfaffen Yorhuben vnr ihm 
niofat veniger unangeniahiD ; auf dem Heichatag wollte man 
gemeiDschaftlieh vorgeben. 

Noch näher kam man «ich mit Ludwig von Veldenz'). 
Ein Vertrauter desselben wurde in olles eingeweiht und 
versprach, das weitere mit Philipp Ton Baden und Btrals- 
burg*) zu verhandeln. 

Unter den Städten, auf die man in (lotha reulinen tu 
können meinte, stand Erfurt oben an. Hatte es doch «ehr 
früh entschieden für das Evangelium Partei genommen und 
eben deshalb die veraohiedenaten Anfeohtungun ") erfahren. 
Da der Bat aber gerade damals in versnhie'lonen Kirchen 
den katholischen üottiadienst wiederhers teilte, so beichlosnen 
die Gothaer Verbündeten durch eine Qesandtachaft die Stadt 
beim Evangelium feslEuhalten. Sie versprachen daher 
Bat und Beistnnd, falls die Stadt wegen ihrer evangoliiohvn 
Haltung vom Erzbisohof von Mainz oder andern budrängl 
würd«. Als Gegenleietung verlangte man freilioh das Offnen 
der Stadt, „falls es von nöten oder gut sein sollte". Vsr* 
mutlioh hat dies Verlangen Torzugsneise den Bnt bestimmt, 
nicht so bereitwillig auf die Anträge der Forsten eissu- 



1) In der Antwort tat Philipps Miiteilangea von dieirr KonbraD* 
tagt JohaHD «m B. April, ao «chKii wir diich dorfur, dintsil nich unser 
Totter otbeut, tein tebsa ruI u. vermogm ziiiuistioa. d» E. L, dJHUitlit 
genug «rUngt bftben Weim, Oeü.-Arcb. 

3) Vnrgl. uach Frieden^biiTg. ßpeierer BfiichpitaKi S. 117 ff. 

3) Philipp ui Jolinnu, IS. Mira. 

4) Bolnffond der Beiiehungtn Strnhburgs mit Philipp von BiAao 
«•rgloicha Virck, Pollt. Korrstp. Nr. 426. Dcnach richlolo Strnfkbqrft 
bei Gelegcnhail du >aigiiicliriAb'0iiHU Augulxir^er KsivIidUget iliii BitU 
BO Philipp. d»u lu tliun, dafl die Zwirn |i<lligl>eil im Giiulrsii ii1jgi»l«lit 
und üut Orund dai Oollwwortea eine ainh«lllge Ordnung im Oluibon 
g4tD»cht *r«rde. 

5) V«rgl. Fr!« den* bürg, Spelorer Rslehatag, 8. 169 B. 



Krit« BündnisliMlrcbunKFii enni|ta1i*cfctr Stilada. 



57 



w 



gehea, >]* diese gehofft. Man fürchtete suR«o«oheinlioh fltr 
seine Selbatändigkeit, so dafa man nur erkUrte, am Rron* 
geliam und den Verträgen mit Saohion feBthAlten xa vollun. 

Auch auf Frankfurt'), dcRüen tievSlkerung gleicbfalla 
dem Efangelioni zugefallen war, hntto man in Ootha ge- 
rechoet. Hier war et Philipp *e]bi>t, der die VerbandJungen 
in dici Hand nahm. Persönlich begab er «ich in die Nihe 
nnil sandte Botschaft an den Bat, dafa er mit Johann auf 
Orund des Gottesvortes ein Dnndnig abgeiohlosien ; t\» 
hofften, Frankfurt verde sich anschliefsen. Da» aber war 
darobaus nicht des Rnta» Meinung. Wohl «ohiokte er, nie 
Philipp gew'inscht, einen Bateberm eu Philipp nach KÜMels- 
hoim, ab«r nur, um direkt die Antrüge abautehnen '). Be* 
prSndet wurde die Absa^ mit der schwierigen Luge, die 
die Stadt auf die benacbbarten Kurfürateii und Fanten Rück- 
sieht KU nehmoD zwinge. Seien sie doch trotz der Bu- 
nftbungen de> Knitera and Ferdinands d^m aohwübischen 
Bund nii-ht beigetreten; eben deshalb dürften sie a>>er auch 
dieie« angetragene Bdndnii nicht aonebmon. Die Burger- 
leJiBft wSre wohl geneigter geweten ^), wenigstem wurde 
Philipp ren einem ein flur«rpi eben Mitgliede derselben ver- 
•tchart, die demeinde w&rde den Bat Eum Ansehlufs an das 
QotliaoT Bünitni« iwingen. Aber Termuilich wollt« Philipp 
u dieeem iiiirtersl«n Mittel nitfat greifen. Er «nbied mit 
der Bitte, der Bat möge die Sache nochmals bedenken und 
io Spaier auf dem Keiohst&ge weiteren Desobeid geben. 

Alle», waa die Yerbündetipn toq Qotha doh Torgenommen, 
[BT ihnen allerdingi nicht geglückt. Wie hier die Städte 



1) Dte diasboiügl. Nnchrlvhtiu Andaii ilcb Im inahrfMh orwKhnl«n 
BiW PhUippa aa Johann vom 18. Min. Varjrl. »udh Frlndeiisbnrg, 
Rpt!«rer BakliiLliig, H. IBS. 

S) Vorgl dBiUbsr ■uth die Varhuidinngan d«( Fnnhfnrllr Ta^^m 
nia 1091. tJatan Kup. V. 

R) Wi« Joliaiiii Bin 9 Aiirit antirortol. hltto er siiih Hiraeii Ab- 
■ehlagaoi oktit *eri(JicD. Uifi dlo Geotelndo tcogebaota fall» sich nicht 
T«nagt haben wirät, i>l aaoh laiae Melnani;. 



S8 



Sim BundiiUl>e*ilT«bDiig«ii tvKDgelischnr SUndn. 



Beä«nken trugen, sieh mtl Philipp «inzulassen, «n Kpruogen < 
dort melirere Fürsten nb. Aber em^iolit hatten si« trotx- 
dem sehr viel. Welch ein ünteTHohied seit Augsburg! 80 
seratreut imd riel&ch unbedeutend der MacbtEuwachs war, 
wichtiger war der moraltuche (jevino. Streng defenaiv, 
«>T man aber doch gewillt, sioti iillen feindlichen Anpriffon 
gegenüber su behanpteii, Einigkeit macht atark. Dan «oUte 
■ioh tofort in Speler iseigen. 

Ehe wir aber dort die Haltung der BTangelischeo Ter* 
feigen, müasen vir die aDdera Versuche Johanns, Bund»« 
g«nossen za werben, betraohteo. Denn diese, wie aie Mlf 
(irund des Oothaer Abaohiedi begonnen siod, hnng«n aufs 
Bngate mit den daaelbst fixierten Ideen Kuiammen. 

Höchst Charakter istisoh i»t die Liatp, die in Gotha qb«r 
die fiir das Bündnis au gewinnenden Fürsleu, Herren und 
StSdte auigestellt wurde. Die weit aussehenden Pläne und 
siegesgewisse Hofinungafreudigkeit der ETangeliaohen zeigt aieJl 
deutlich darin. Uan meinte aber gowira nichts sofort all« 
hier namhaft ^machten Stände ansugehen , denn mohrore 
darunter, wie Lübeok oder d«r Bitobof tob Oanabrttclc oder 
der Kurfürst von Tner, konnten durchaua noch nioht als 
erangeliach gesinnt gelten. Genug, dafs man Tereobiedene 
toila enger«, teil) leaere Beiiehungen zu den Betreffendsn 
hatte , die lu pflegen und gegebenen Falls xu Terwertea 
mau sieh anbeiscbig machte. 

So hatte Saotuea, wegen seiner nachbarliohen Berflhmng«- 
punkte mit den Böhmen, äbernommen, mit den böhmiiicbeD 
Herren'), die „der saohen geneigt" wären, eu verhandeln. 
Wirklich ward auch Nickels von Minckwitz abgesandt '). 
Anfang Juni kehrte er Euniok. Wie er melden konnte, hatte 
er „die Sache, Gott eei Dank! auf guten Wegen gefunden". 



t) Verg). da* Outarlitan d«r KMb, aligvdr. t^lcdeniburit, Vorpoichlchta. 

3) Vom 3. .luiil l&Ve diu Itrier N v. MlnckHlti. Er lei aua DilbiulD 
■BrSakB*k<lirt uiiil „du irli d>« mvIib, darani ii'.li kiuttngairaic, galt bab 
leb, aaf fatsn w«i*a liei dem van Warlout»rgk botoadan". Wun 
OM.-Areh. Orlg. 



< Bl« lalifcti IfbimBta «raa(aliteb«r StMo. 



59 



rt 



^«B' 



^' 



UDgloicb bedeutnn^ToUer war, daf* JobMin Ton Sachten 
i( Uwsog Albrscht tob Pr«ur«6n Tnrhniidluiig«B begKDD, 
je 0« in Oolba iMeüroint worden war. 

AU R^iebsförtt war Albreoht lum lotsten Haie 1&S4 
in Ntirnberg Bufg«tre(«n ')> wo «r ala Vornls«-ader im Begi- 
ineitt nf«. Dort war or auch f9r die neue eTangaliiehe Lehn 
;ew<innen «oiden, beeonder« durch Oflino'ler'* Frodi^n '). 

Bbcit damolB hatte «r auch den Eächsiicben Earfitr»t«ii 
vor (laf^iron gewarnt, die ihm, natürlich tob der katbo* 
liüchen Part«i, drohten. Auf der BückreiRo war er ia 
Wittenberg mit Luther bekannt geworden. KaturgemKCt 
wendete sieh ihr Getpritch auch auf «eine Lnge in Prevlaea, 
und Luther in »einer Entsrhlossenheit und Kühnheit hatte 
ihm direkt den Bat g«geben, sein geistlicheR Oewond abiu- 
I«g9D und sein Ordensland in Bin weltliche« Füratnntum nm- 
iwandeln. 

Ah Minen bisherigen r«ligiöaen Meinungen irre, muTaten 
Bolch« Wort« auf iba den ^äftteu Eindruuk machen, weil 
lie sudem die oinsige Bettung aus seiner gefahrvoll unhoJt- 
bacett Lag» su verheifsen ichionen. Vom Adel Deutschland* 
ia soinem Kampfe gegeo Polen konnte er nach Sidciogea'e 
nterfrang keine Unteretütiung u«hr «rwarteo. Aber auch 

Beich versagte sie ihm, das hatte er auf seiner lleise 
nur lu deutlich erkannt. Jettt lief der rierjahrige Wtitfen- 
■tillstand mit Polen ab. Reine Poeition war rettUDK*lo* 
▼•rloret). Vi griff er Luther'i Plan auf, Tcrwandclto da« 
Ordensland in ein erblich» Hereogtum, in dem or anoh 
TOS Polen, unter Anerkennung der polnischen Hoheit, be- 
»tStigt wurde*). An 10. April 1525 gesohafa die feierliche 
Belehnung auf dem Ringe zu Krakau. 

Natürlich wnrdi.- Herxog Albreoht deshalb vom Papste 
— hier war selbetredead der Kaiser sein Bundee- 



1) Vergl. RMk« U. S8t K Voitt, Oueh. fttattmt IX, S. TOI ff. 
t) K6iUiu. Unüa Lsthw, I, 8. BGi ff. 
3^ Bank« U, B. SS7. 



«0 



Brate BQDiJniahnjtnbanftM evane^llschar SUbide. 



genOBse ') — auoh von diesem «ngefoinclet. Dm katholisobo 
Polen war auf diese Weise gozwaagea , den erangeli Blähen 
Heraog zu halten ■). 

Dies war di» Lage, ala sicli Eurfürat Johanu an Albreoht 
vandte. Den Zeitpunkt können wit aDDäherod geaau ba- 
aitiinmen. Rs war ÄDfang Mai. als ■lobann von der abge- 
gangenen Botachaft der Oeigtlichen nnoh Spanien und der 
RUdckebr fleinriohs von Braunsohwtig Kenntnis erbalteo, 
als dadurch die BundnisbeetTebungen der BTangetitohon einen 
neuen Änstofs erhielten*). 

Die aSoliBisclien Anträge, die Hana von Grefendorf 
üherbrachte. fehlen, aber aus Albrechts Antwort '} lanBen «ie 
«ich im weientlichen erkennen, Danach hntte Johann, lu- 
gleioh im Namen Philipps Ton Hessen, von der Notwendig- 
keit. einer evangelischen Gesandtschaft an Karl gesprochen, 
um den verleumderi sahen Anklagen enlgegenstutretori, und 
Bu diesem Schritte Albreobta Teilnahme getrunsoht. Weiter 
hatte Johann von der Notweudigkeit eines BQodittssei mr 
Verteidigung gegen Unterdrückung dee gSttlichen Worls, fiir 
du er noch andere Släude gewinnen wollte, berichtet und 
Albreoht aufgefordert, in den Sachen, „das göttliche Wort 
belangend", fär „einen man" zu stehen und deshalb mit 
ihm ein BU.ndnis zu sohliefaen ^). 

Albrecht nabm diese Vorschlüge, die Grefendorf des 
weitem mündlich ausgeföhrt und beleuohtet> ,,g&ntx christ- 
lioh, freundlich und dankbarlich" auf und rerspraoh „in dem ' 
und andern alles tbun und eu raten , was Johann und 



I) Du pHpitl. Brav« laSG. Vorgl, Bnobol», QHcfa. Pordliiuiil I., 
S. S35. 

t) V«rgL ebsndB S. 384 ff 

S) a. Mni Biier an QeorR von BnncteTiliarg Vargl. ob«D R. Sl. 

t) Virgl. Balluge I. TianVa II, 341 

5) Bn kflnnt« aarTiillen, d^Ta Johnan ilcn RDndaiiHiiitrni; allsiii in 
iBiuam KtlDon, wlo u n&cti Bsila^e I gniiit \iuiwB[r<illiitft, mai'lit. tn il«r 
Thal ist JH dir doÖnitlv« Vsrtrmg glsichfiili gatrenni volbogeri worden. 
Ri4r wird itbor wiihl liloi die Vorsicht. Allirvtihl nicbl in rlel Vttbisd- 
Itthktitee anf «Inmal aulknbOrdMi, aitscbeldend icsweoan *«la. 



BnU BUadnisliwUclJuuKau «T»Dg*liMber Scüod«. 



61 



PbUJpp al> seisBa blutgeniiiten Herreo und Freunden, die er 
vor «ndero dem Wort Oottea geneigt und berübmeD höte, 
— zu Nutz n&d Gut«m diooeo ktione". Die Botschaft an 
d«n EaÖMr hiilt er „tat eUlioli notz und gut" ; erkonnt auch 
für üeh lelbst die Wichtigkeit ainu« solchun Sohritlo» ko, 
da er gewib nicht 'weuigeT mit Unwührheit dort verun- 
glimpft werde. Ja, er bafurcbte, selbüt bei Johann und 
aeinoD Goaotsen sich wegen seiner Neuordnung reohtfertigan 
»a müssen. Aber anderseits sprächen triftige Grunde gegen 
■eine Beteiligung un dieser Oesuniltschaft. Einmal habe er 
nocli keinen Buweis, dafa er beim Kuifisr verklagt worden 
>«i. Wolle er «cih ernatlich, fährt er fort, rechtiertigen, »o 
mii*se er lauter anneigeo, was alles ihu Kit leinum Schritt 
in Trtulseu gerührt, wie er seit Kaiser Maxiiuiliao« Zeit an 
persönlich und durch Oeeandten bd Kaieer und Beich, Kur- 
ffirsten, f ürsten nnd andern Ständen, daneben bei Grufeu, 
Herren und Bittersciiaft deutscher Nation geboten und ge- 
flöht, daCt DI „oliDB stattlichen Trost und wtrkliohe Hilfe" 
ft-ruer nicht im stände sei, den ,4) erga brachten Stuod, Orden 
und We^ea in FreuTeen" su erhalten; wie «r endlich, da er 
die verde rbli oll eu Kriege nicht länger mehr hiitte aushalten 
käanes, auf „erantliehe^ Ansuchen und liegehren der Land- 
schaft" SU solober YerHnderuog und Vertrug mit Polen ge- 
kommen sei- Aber du sei lu befürcliten, dafs dei' Kaiser 
dirin nur einen Versuch werde seilen, ihn und seine Vor- 
fahren der Versäumnis zu beschuldigen. Eine Begründung 
»eines Uandela mit „grwid gotlicher offenbar eohriften" werde 
erst recht nicht anerkannt werden. 

Auf diese Weise würde also der Orfolg ihrer Gesandt- 
schaft nur geeohädigt werdeu. Auch dürfe er ohne Zustim- 
mung des Königs von Polen einen solchen Schritt nicht Ihun. 
Doch erklürt or sich, falls Johann es trotidem wünsche und 
Polen einverstanden sei, bereit mitsutbun'). 



1) V«rg). UoiUg« 1. 



63 



Bnt« Ba*ioi*b«Mi«baDgsii «ran^Ineber aiiate. 



Wu das atig6tr»g«u« Biaidnis b«tnfit, so i«t Alb 
diüir Mhr dankbar. Wohl Mä Gottaa Wort, um doMMt willm 
jedcrChriBtYerfoIgQD^QO SU ertragen bereit »ein roÜM«, unSbai^j 
windlich; doch aei et dio l'flioht der Obrigksit, ihr« Unt 
lhui«a vor unbilliger BMchÄdigung su boMhütsen. Beehalb 
iai Albredit bereit einKutT*tet> ao'l bestimait gleich T»g 
Ukd Ualstatt zur n&heceo BeepTeobung '). Dn-i Woch«D 
Torhar lolle ihm «Tentuetl abgMchiieben «erden; erfolge 
kaine A&twort, so nehme er Johanni Zustiinmuiig aa und 
werd« eeinen Ue sandten sohickeD. Zu dieiier Kunferens 
Mlln daua auch all« die fflitkommm, die Johaun für Mia 
Bündnie gewonuea, wie aDderaeits Albreoht „alle diejeDigen, 
die er dem wort Gottes geneigt sich y ertrotztet'', mitbringen 
volle. Aber mochten diese fiemuhungen Erfolg haben odor 
nicht, jedenialls sollte ihre Zutammeoktiiift statländun. 

Um aber ihre Verhaadlucgen daaelbat einfacher 3U ge- 
Btalleu, madit Albreoht bureita hier darauf aufiaeifeMin, 
d&T» doidi die vielen Kriege FreuTsen „in solctk abneiaen 
and unTwmogen kommen ist", diU's Albreoht eine alliu grobe 
Hilfe aufser Land zu Bohioken nieht vermöge. Seine Hilfk- 
iMatung fixiert er deshalb gleioh „auf 100 gerüstete rei»ige", 
die er auf ««inen Schaden und Kosten sn «cbitikeo ver- 
pflichtet «ei 1 Dur die Verpflegung, sobnld sie in Saohxfn 
nn gekommen, hat Sachsen eu tragen. £r erbietet «iub ftuob, 
iiuf J^nohMut Konten noch weitere Truppen eu wtrbeu. Zu 
d<-r«elbeu Hilfeleiatuug soUl- sich Johann yerpfltoht«n. Sie 
habe einKutieten . wenn einer toq ihneo vun wegen „des 
wort* guttes und aller daraus herflietseDdeu VeründeruDgon *) 
Ton jemand , wer der were ^nymuid nusgenomuien)" äuge* 
griflou würde. 

Wie solche Hilfe ungehindert durch die &amdtin Für- 
stentümer gelangen köuue, sollte der Gesandte mUndlich be- 



1) Deo MifhueliatHg unil Breilan. 

S) von "'*g«ii itsr vercnilai'uiiit iniiiM nlnuiia huss äeai gnilirli«» »ort 
gevotKot oder we* Duchnuli nau demiBlbcD «mucllae, tagt Albrsoht ia 



Bnte BOnAaUbMUtliuaKaa «'MicaliMbat SUadc 



63 



riobten. Ftdla Jobuin 6« wUuscbe, sei Albiecbt bereit, in 
«gaw Ferson «i Hilf« zu liehen. Bei den uul«ni lu 
gewinn aDdem Füriton und Ilemn, „vre» sUndo« die woren", 
tni er su dergleiolien Loixtiin^ bereit, die dioMi ibm b«willigou 
värden. Bei ellAD dieeeo YerbaiidluDgeu aber, »0 wblisllit 
Albrechi seine Aatwait, vertiSste er sieb, dafs mehr als uk 
BuobstSibon einer lolclicn Ver>'inigua^ gelsgas sei „en guton 
cbriatlJeben (pttrewoo gcmnten". 

ItcsMin kennt« jLlbreobt bei Jobanu gewil* Min. Aber 
gloiebwehl entbleite» diese Voraohli^e maucb« badenkUche 
Funkte, diren Läsuog Scbwieiigkeitt^o geniig bereiten mufste. 

.Im weseoticheD hatte ja Albruoht Johann'« Vorschlüge 
aeoeptiert, senit b«tte Johuin einen fiul unT«rhefft«a V.ttolg 
erreicht. Die Aiuruhmag ihres projiktierten UtiiidniaM« 
mufste aber sofort uuf div KröfMltn Schwierigktilen stefMin. 
Die Erwigungen Albreihts in b«eug auf die Uesaudt<whaft 
ut den Kaiser waren gewU* treffend. Ohne l'elen durfte 
ei Dicht b&ndela und sicherlich vAre «eine Teilnnhme dvn 
Yoritel Lungen der ETit»f;uli»chea nur hinderliuh gewoson. 
Uufste Karl V,, so beteobtigt Albreohl« Klagen übet Vvf- 

I Besbl^kssigung und rreisgaUs töu sviten des Beioh« in seinem 
Eempte gegen Polen auch waren, darin nur Angriffe gegen 
aioh sehen, so waren erst recht die Beweis! ühruDgen auf 

I Ciund de* Evanguliums nicht geeignet, Karl bei seiner gäni- 
lieb ahlohnoudeu und feindlichen Haltung gegeu Luther** 
Keuerungtm geneigter su maclu-a, die unendlich folgenreiche 
Veränderung hier in Preufsen ansuerkenneii, auob nur lu 
begreifen. Uoch war dies nicht eigentlich die Sehwierigki-it, 
weil inswisoben die evungeltache Ocaandtsebaft durch den 
Speierer lUiioh*lag hinfällig geworden wur. 

So ehrenwert es dann weiter war, dafs Älbreoht sofort 
gestand, nicht mehr als 100 Beitcr versprochen za können, 
•0 wu deoh andersüt« diese Leistung herzlich unbedeutend. 
Und biezu knoi die grofse Entfernung and Schwierigkeit, ja 
fast Gmnoglichkeit, die«« Truppen dem angegrifTenen Bundes- 
gaoeaaea suaufubns. Endlich tjegen wen sollte ihr Bund 



64 



KnU BUDdoisbosirebaDgao avuigsUichei SUtnd*. 



Geltung bab«ii? In Ooth& und Magdeburg hiffi ea einfacli, 
nan wdle sich gegen diejenigen, die sie „wogen des gottea 
WorlB und der diug. so demselben uach Torgeuomuea 
und geh&It«D weidea" angroifeD würden , njit Leib uod 
Out verteidigen. Wenn man die unmittelbar« UrMobo 
der jeweiligen BüodnisTerhandlungen iu Betracht eiebt, 
so war divH nur bo zu TOraUben, dafa man die Gefahr 
von Seiten der OeiBtlicben und der andern mit ihnen ver- 
bÜndeleD Fürsten berdrcbteto. Die weitere Frage, wie 
eiuh stallen wolle, wenn der Kaiser gegen fio auftTAt«, war 
noub gar nicbt iu Recbuung gelangen worden, wie sie Kuuflehst 
jix auob nuob niobt akut war. Albreoht mxits ab«r dieMi 
Möglicbkeit sofort ins Auge giifufst baben, wie ]a in der 
That seine Stellung ganz anders die Feimlsobaft des Kaisers 
EU erwecken geeignet war. Deshalb betont er auch gleif'h 
bei Beginn dor Ti:rbandIuog, dai's dir Sund gegen jeden, 
niemand ausgenommen, gellen solle. Dieser Niemand konnte 
nur der Kaiser eein. Weun man bedenkt, wie guGUirlioti 
dieser Fuukt im späletn Vtrlauf der (ir o le e tan tia eben BUnd- 
Disbeslrebungen auftral, kann man annähernd ecmesMO, wu 
Mioe <i«ItondmBchung hier bedfutoii wollte, 

Dars Jobunn aul' diese Bedingung eingehen vriird«, 
war nicht anzunehmeii. Wenn Älbrecbt anf dieser Klaus«! 
bestand, konnte das ganxt; Einigungswerk scheitern. Aber 
Johann konnte in diesem Tunkte wohl auf ein Nacbgebaii 
prflufiischerseite rechnen, weil im Übrigen die AnsohaannS 
wie sie Albrecbt dokumentiert, gut oTangelisoh war. 

Gans im Geiste des Gothaer Bündnisses war dann noch 
die tiewinnung andrer Geeinnungsgenoseen in Aufsiobt ge- 
uommen. Auch hier stelite aich Albreoht sofort auf den 
Standpunkt <IeT süobsischen Propoaitionen. 

Einen Furslenbiind verlangt er keinen Augenbliok, tinn- 
dflrn ist eiaverstanden, dafs in ihre Vereinigung aufgeuummen 
Wflldsn „andre Fürsten und berren, aber wes stände» die 
veTOB". An wen Jobann dabei dachte, wissen wir. Auf wea 
Albnoht reohnetc, werden wir nachher sehen. 



« 



Bat» BfindiitibulrabaiiKea evftuggtUclier Stlnde. g5 

Von diesem Stand der Singe konnte Jobann seinen 
BnndeBgenoBsen Philipp noch in Speier auf dem Beichstag 
in KennbÜB seteen >). Wie sieh Philipp dazu stellte, iat 
nicht dentlioh ersiehtlloh. Allzo&eudig wird er aus oben an- 
gafiihiten Gründen nicht eingestimmt haben ^). Aber bo weit 
mnls er sich doch bereit erklärt haben , da£s Johann die 
Tco-h&ndlung mit Albiecht auch in seinem Namen weiter- 
fähre. 

Der Verabreduag gemäfs sandte Johann einen Gesandten 
— es war Hans Ton Kiookwitz — zum Uiobaelistag ^) nach 
Breslau. Am folgenden Tage traf auch Albrechts Abge- 
Bondtei, der Bischof von Biesenburg *), ein. Uinokwitz legte 
die säcbsisoherseits „vollzogene Yerscbreibung" Tor, die sich, 
soweit es die veränderte Sachlage erlaubte, streng an den 
Wortlaut des Ootha-Torgauer Vertrags ^) hielt. Aufgenommen 
waren die Wünsche Albrechta ia betreff der Hilfeleistung, 



1) wir wisien nit anders, dvi wir haben e. I, in Spei«r angezeigt, 
das wir mit uns. obeym dem herz. v. Prenfieu heten handeln lasian — 
nnd das wir sein lieb dam ganeigt befondsn. Johann an Philipp, 10. Okt. 
I6S4. Koni. Weim. Qes.-Areh. 

9) Dies erhellt achoQ um den Sehwierigkeiteo, die er noch im spKteren 
Btadinm der Verhaadlnngea erhebt. Vergl. nnten S. 68 ff. 

S) 89. September. 

4) eTD BTangelisehet nnd wal gelahrter man, wje Johann schreibt. 
15. Oktober. 

0) Wenn der definitive Vertrag diese Übeieinsticamang leigt, so 
hat gewifa aoch hier die Qotbaer Bündnisiukiuide za Qmnde gelegen. 
Beetitigt wird dies auch dnrch eine Abschrift im Weim. Gee.-Arcb., 
dsien Schlnbbemerknng anftngiich lautete: Geben Bresala am ta^e 
tnichaalii. Spkter wnrde sie dorchgea trieben nnd an ihre Stelle gesetzt: 
Weimar Sonnabent nach martini. 1516. Weggelassen ist natürlich die 
ganie Stelle, die lieh auf die Bei^atage von Äugabnrg nnd Speier be- 
tfshL Bemerkeniwert ist noeh, dafa bei der Stelle „wo die Widersacher 
nnd ir anhang von wegen des gStiicfaen worts etc." am Bande hinin- 
genigt worden ist: „oder aber der verenderung folgende aus» dem got- 
liefaen Worte". Schon in der Instmktion vom 6. Jnli betont diesen Punkt 
Albreobt; In d«n definitiven Vertrag ist er dann aucb anfgenommen 
WMdM. 

xrv. & 



66 



Krite BUmtnishBiirnbungDii «vaDg«ll>eher Stlncle, 



wonnoh also jeder sich sur SultuiiK von 101) Reitern ver- 
pfliclitete. Je<]och in einem andorD l'unkto hatto Tnim 
Albrechte AiifTassung nicht «DgenommeD. Wie Minckwitz 
schreibt, vermifste der preufetBoh« OesaDilt.« etliolie Worte *), 
auf diu Herzog Albrecht beeoudeni Wert ßotegt hatte. Der 
Zettel, auf dem diese verzeichuet, fehlt, doch wird man un- 
schwer sohli^fBea dürfen, dafs es sich um jeue Worte hnodcH, 
mit denen Älbreoht tob Preufgen sich auch gugun oinen 
A.ngTilf von acitcii des Kniicra zu sichern snohte "), DuTa 
man hierauf aber in Sachseo, eben weil diese Formel gegeo 
d«n Kaiser gerichtet sein konnte, nicht bereit war eiaerngohen, 
«■ird Minokwitz gewifs bemerkt habiio. Gleichwohl bat der 
Bischof nochiuala um die A-ufnahme dieser Worte. 

Da dann aach wegen Abwesenheit Albreohts dio por- 
söntiohe OotLn-solirift au seiner Verechreibung fehlte, kounto 
hier das Bündnis nicht vollzogen werdeo 'j. 

Uan einigte sich deshalb dahin, dofs Albrecht acht Tage 
nach Uartini einen andern Vertrag und zwar nllein in s<i!ncin 
Nameo an Johann iibereeni^e '). Eine i;!eiube Urkunde nullte 
«r gesondert ftir Philipp ausstellea. Dann wollte aueh Jolunn 
die aeiuige anfertigen und ihm einhändigen. Die hcssisohe 
Verscbreibung sollte der Oeeandte bei Jobann in Kmpfong 
nehmeD. 

XuuKohst nahm man also allein ein Bündnis zwisi^hen 
Sachsen und Freofseu in eichero Aussicht, wenn man &eilioh 
auch aurersichttic}) auf den AbschluTs eines Vertrages mit 



I) Mincltwiti Hn Kurt JnhaDD, T, Oktober 11116 niu Lutpilg. OrSg. 
Wclm. Ota. •Archiv. ti'ivhliRtti imo absr alilkli wart Kcm&ngalt — 
snob von wsRcn uini pt, herrn dariun gabstm, diui lUtMlban •ritdw 
B««hl(<n darciii bnohl wordmi stc. Vergl, llallag« II. 

S) lao abor dar h«rii>K (roap. dar ChaHUmt) von ymandl war 4« 
war*. Drmandl ausgenomman, augegriffea waids. Vorgl. Bail. 1. Vbt^ 
aach «bni & t4. 

3) Varitl. BtUtfo tl. 

t) Vergl. auch •Tahann's Brier ■» Philipp vom 16. Oktobsr ISI8. | 
Wrin. a««.-ATEh. 3. Aom. S folg. Salt«. 



i Ea 

R 

I VI 



Ente BUnduIiboInbuiigcii «vkiigtliiolisr Sünde Q"] 

lilipp von HeMen »oh Hoffoung niBchtv. OroficB Gewicht 
Igt« fieruer Albreuht auf die Oewionung „uDdrer Fiirstoa, 
'Grafen iisd St&dW; er Mst daber durch aeioen QeiiaiKltan 
den KurTiirEtcn biUen, die Verhandluagen mit demselbea eu 
einem glücklichen Ende xii jähren. Albre«ht verp&jcht« eich &U 
derselben Leistung, die die andern ilim t\iaichcrn würden. Auo]> 
prenfeiBcherseite Terepraoli man, dahin xielendc VerhiuiiUnngon 
aufiunohmeo , imnüdiet mit dem Fiireteo von Liegnitz, dem 
Markgrafen Ueorg vou Brandenburg und der Sladl Bretdau ^). 
Kbea dieser Bisohot* von Biesenburg war auserboben, t>ie jetstal« 
Bundesgenossen kii werben. Man schmeichelte *J sich, leiobt da- 
mit xum Ziele ku gelangen. Was dann die Geiiiuidt*chaft an dea 
Kaiser betraf, worüber man seinerzeit rerliandolt, so konutu 
JDckwits Ton den iiutwiechen geiatateu Beschlüsoen su Speier 
richten. Da eic dadurch ütinäohet ja hinfällig geworden 
war, liefe mau ee dabei bewenden. 

Am 15. Oktober «etEte Johann den Philipp von Hesun 
Von diMcm Abschied in Keanlnia*), iadein er iho zugleich 
bat, dio ,^otel der verschrei buiig" zu überaohioken, „Dieweil 
dkon diase Boeb das gotlich wort belungen'i foat dienstlich", 
MS aüine Bitte, er wolle „der £a«beu xa gut" keine Bedenken 
n und die VerscIireibuBg volliieheu. 
80 aohoäll ging aber die Bache dooh nicht. Philipp 



1) VorKl DeileKC U. 

S> HliKikwiti an Juhiulu; trott, ■• loU« keyn mangcl balian. Bci- 
Kuik* II, H41. 

fe) Joboaa aa FMlIpp, 1fr. Oklabar IM6. Koniept im Walm. 0«i.. 
Xlth. Albrecht hab« ^mi BUrhaf toii Rivsenburi — in Presslau EB'iapt 
an4 wer von in«n liiiidan <l«r ahacklcd gomacht, das s. 1. nngeforKcli 
KCht tkgk Bacb Martini iweon vonljralta voritr-iitnnabricn' mit aygnet 
hftnd lutUrxGlchDot uns zusrbit^ken wol^, ta d^Ten Kjrucr aich H^ln lieb 
n^>i uf», in dflm hricli^rn g^gcn e- 1. -*- varBeliroibcn ood varpSioblen 
»oU — i>t aii K, L, UU5CT ttoutidllth bll, dia wolle sifh laut* irr ubw- 
lehiokUB noioln gag«n den befloK ^"■i l'r*uJ>eii der MicUtia lu gut au 
TCffdlehtea unbciebwert Min, aaudorQ dia voraoliraibung volnnibi'ca. — 



68 



ErtU BUndiiisbtuIrcbuiigsa eving«Us«b«r Stluds. 



machte SohwierigkeiteD, die bu beseitigen Johann sich auf 
einer peieüntichen ZuaammeDkunft Anfang Dezember 1526 in 
EiBcnach') »ngelegen spin liofs. Er errtiohte aber nur, tlur« 
Philipp verspimob, unter der Bedingung dns Büudnin einzu- 
gehen, dafs die HilfoleietuDg, zu der sich jeder rerpUichte, 
io Geld fest geselKt werde. 

Kurz darauf erschien bei Johann auch wirklich d«r 
preufeieche Gesandte; er überbrachte Aibrechta Venobreibuug 
fiir Johann und Philipp und hoffte «uf dem Rüi:kwcg, da er 
noch weiter zu reiten hatte, anoh die Philipps mit uauh 
KSnigsberg mitnehmea eu können *). 

Es war der Kämmerer Eck von Eeppichau '), den Älbreeht 
am 13. November lö'26 nooh DeutschUud abgeechickt hatte, 
allerdings später, als sn Breslau vernbredet. Doch »ei der 
Grund, liefg Atbrecht eagea, kein andriT als Aer gewesen, 
dofs der Bischof von Riesenburg wegen seiner andern Ge- 
aohäfte iu Schlesien — wir erinnern aas, dafa er Befehl 
hatte, bei Breslau, dem Herzog von Liej;uitz und Georg von 
Brandenburg xu handeln — lange daselbst aufgehalten worden 
und erst TOr kursean nach Königsberg zurückgekehrt war. 
Eben von diesen Werbungen seines Herrn für ihr Biindnta 
hatte dann Reppichau zu beriehten. Bas Ergebnis froiüoh 



1) Diese Zasammenknnn tuti Uonog Ulrkhi v. WUnumbotg ««fan 
itatt, den Litndgraf Philipp mitbrachto. Wir wordoa splltor kuri davon 
noeh UOteu. AurHCid^ia kam Hb(>r Knch du nUndnis mit Hi>noi; Albrodit 
*iir Sprtfib«. Am IS. Uciember ISIS JoIisiiti *u Philipp; TU(ihi)«i>i wir 
ItsC, ilIi d. I. bey UJ15 tii Eiienach gewoAl, von wiegen des vcmtciidau 
twüoboD «, I., Preiirsea cind aim mit dermtbün e. 1, goredt elc. Walm. 
Oci.-Arab. — Am 33. Deiaiabur nDtwoctut Philipp; — Onbon s, ]. 
duKUf noohmals lu veraohmen, dns wir lolivh vcraleutuuii aniarin bo- 
dCBOkMi und gälegenheit nnob, hailenl nit, dm vrir ohiul mit a. 1. en 
EliuUDh roddn fahitht, «uiiouidn muiton und so d«T bllS' ün«iii Jeden thcnl 
d*Di andorn in Uiua al galt gesellt m»gk «recdoa, ilod wir nicht ung«- 
uaiitt, aolcha Tcrstflndnut — iniunehmon. Woln. G««,-Atcb. 

S) Di»» ba^ll^bUtt Johann Mn IG. DoBembor. 

9) Vantl Hdlm« IV. 



Knt* BiiadnitbcsUtbnngaa •vaegcliachu BUDda. 



69 



hatt« d«D ErwarlungeD, wie mun we in Breslftu gehegt, oiabt 
enUprocheo : dran Georg, a»f äeo eii voniehmlioh aotcKia, war 
uicht üQ urreIoh«D geweeeu und ohne dieeen mufsten aueb 
A'w. Vurhftixiluiigeii mit dem Herzog von Liegnilx nnd d«T 
Stadt Breslau, so wenig vir dies auch im «iazelueo verfotfcen 
Itöunen, reoultatlos bleiben. 

!Dafbr aber boten eioh svei BuadeegeuOBseD an '), auf 
die zu boffen man tchwerlioh ■obon gewagt hatt«, Dänemark 
und Schweden, 

Bei setner Verwandtschaft mit dem Könige vnu OKoetoark 
mufsle es das Bestreben Albreohta sein, diesen in sin Bünd- 
nis mit ihm hereiniuziehfiu. Beide hattcu ja voraehmlioh den- 
Mlben Feind, den Kaiser, zu fijrobten. Dnmittelbar *) nach 
d«D Antrikgen Johann» doruh Orerctidorf hatte Albrecbt seinen 
Schwager von ihrem beabitohtigten Bündnis xum Sohutse des 
Bnogeliums unlerrichtet. Duaeca Antwort war to günstig 
vi« möglich auagefellen. Bereit« am 19. Juni lielii «r ai^en, 
or bStte sehr gera in dieser Sache Yerhaudluugeii durch 
aeiue B^te anknüpren lassen WQÜeu, nur möuhte er zuvor 
wisMD '} , wer diese Fürsten and Herren eeten und auf 
welche Artikel „ungeverliah" das BUudnie gestellt sei, und 
ob Albrocjit auch ihn, den König, iu dasHelbe bringen konnte. 
Über olles dies wünsche er Albreohts Hat. 

Daraufhin (riig jetzt Albrooht bei Johann an*), ob er 
"^geneigt sei, mit dem König in ein Biindnis zu treten, falls 



1) Vmgl Boltkge tV. 

t) Dtan berrils am 19, Juni antwortal« <l«r dSninchc Riotlet im 
NamoD «»inot K5iii|f> (uf AllirnchU Mitloiluogan : naohdom e. L g, 
bylivvorti Ml mich gcichHoboii, wy dns ctxlich ahriitUdi Cfanrf,, rurEton, 
(fftvcn, herm D. sied K<i"<iillt. sieb In ein crlich criatliuh furliuiilrinM 
wollen ]iiuMncnsBcii*ti u. i)i>rliiillinn «, f, ga. gaue, wea ir Kgl. M^. 
|«nsi|tl| viM«a liAlirn wolt etc. El|[sab. Orle. des Kunilon Wolf 
ClMiliott ui Albroeht. Uat. Kopaohagoii, 19. Juni lASe. Im K(>ul(«- 
Wcw Kgl. Stulikrchiv. 

S) Ebenda. 

4) S. n«IU|n tV. 



# 



EntG Bliai1nishptlr«bnn|:«n gvar>ee liiebsr Kllnd«. 



Albtecht mit dtosem sich TorbiDdo, aui „niif v« w«go" &m 
geBobehen aoUe. 

Und ftle eollten slle die külmeu HofTnungen, die man 
Beiner Zeit> alfi man zu Gotha »uRammeutmt, gehegt, uocli 
übertrofCpu verden, bo trug j«tet auch der KSoig von 
Schweden eioh ale BuDdosgeuoescn an *). Er hott« eich, wie 
Beppichau berichtete, deshalb «n Albreoht gewflndt. Auch 
darüber wünschte Albreoht, intlera er sich zugleich tis Unter- 
häcdler zu deu Verhandlungen mit Schweden erbot, Johaons 
Ueinucig tu vernehmen. 

Auf die VerbiuduDg mit Bchwoden aoheint JobaDn 
nicht eingegangen zu sein, wenigetens findet sich iu seiner 
Antwort , die Beppicbau überbringen sollte , deiron kein« 
l^ur*). Vermutlich war man in Sacliaen en wenig übtir di« 
VerhSltnieae in Schweden . gpeziell über OustäT Wbm, 
orientiert, um sofort zuEUgreifen. Dafs man aber aiieh 
nicht einfhch die Sache abwies, möchte ich allerdings annehmen. 

Pio däniBoheu Verhältnisee tagen dem Geeiohtekreis un- 
gleich nüher, und da weiter hinzukam, dafs Albreoht mit 
DBnemark selbst in fiondnis m treten beabsichtigte, -war 
Johann bereit, Terhandlangon onzubntipfen *). Nur hiett er 
iür besser, dafs diese zunächst durch Albrecht geführt wiJrdeo. 
Denn werde Johann auch, soviel „das götliuh wort belange", 
es an nichts fehlen lassen. 

Asf Albreohtfl Antnge nach dem Erfolg der Bemühungen 



I) S. BoilsKn IV. 

S) Itn KöoiKtberevr Su&ti-Arch. uli „»baobiadt von Chnrf. gn. *w 
8>cb8«D <l*in Reppiahaw gflg«baa aw Tboigair, baluigrnt ilas b'fmliDh 
Tontlantaui" cto- 

S) EbendiL Kgl. wirden haJbBD in Dvantmargk. w<r mein gnadlgitar 
hm wul geDeigt iftvmt «iniaoeigon, worauf ioiner Chnrfünl £"< ba- 
dsDckoa lii mir lier iriiden lu bandolii, E)i luUitaa »bcr s. ohnrC gn. 
daluT, du tax tont, mein ^nsd. horr, daisslbig auf diu beijuiinibale •rBga 
wirdal lu bddenKkan und darsaft lu biindvlii wlaten uiid ao damirh 
»Id charf. gti. der lumdlung voratsudigl ward«», to aal ■aliivr ahnrf, (d. 
balbac darao, sovU die »obeD dao gotUah wort belnogand, nlt msogal 
baftmden wardao. 



Knta fittnitatabMli'«buiit[*H cvKtigollich« 8Wüd«. 



71 



uooh andora BuDil«sgonosB«o in ihr Bünduw herein* 
xnsiohOD, konnte Johaua mikcd lassen, dafs mit ihn«u ferner 
gvredet wct<]«d eollto '): au ihnen werde e« jodoofallB oiclit 
üalileu. Jolunii bericJitetc such, daSe mau otit ctlioheii n»m- 
haftca äliidtva über ihren Eintritt in Vcrhuiillung nteho*). 

rr »olle er von den Bedingungt'u uoterriobtet wurden. 
Aber lielb fit bei Landgraf Philipp hatten die Bemühungen 
jonanna noch su keinem Resultat geführt. Reppiobau «oÜte 
die ToUzogene Vcrechreibung, wio es der Hersog Albreoht 
beetimmt crwutct^), beim Kurfürsten in llmpf'ang nehmen. 
Wir Rahon aber bereits, dafs Philip)» Bednnken trug, nntor dw 
nngelrageoeu Form daa Bünduie einzugehen. Auoh jetit, als 
Johann ibu abermaU ' ) dazu nufl'ordertc, entgegnete ex, duT» nr 
wohl bereit sei <Ub Bänduis anzunehmou, aber nur aut«r der 
■^orauasctzuDg, dafs „die hilf iif gelt gesetzt mag werden". 
^B Sachsen aber ruti&derte den Vertrug ''). Der poütiiiohe 
^Birteil, den es dadurch für die evangelisohe Kncbc erhofft«, 
^nborwog Kolehe au eich gerechtfertigte Beiienkon , wie sie 
^Philipp geltend maohte. Wie es jetzt vollzogen wurde, war 

' 1) IC( hkt nu'h dies«m Wortlaut don An5«hGiD, >li> h>bc Joluiiii da- 

uuüi mit d«o aadem Oenoiscn ilai Magdoliurgpr BUnJalueä Qli^i ein»a 
AruchJaTs nzi ^m» Königabergor ßllndiiU ^al^h fiiolit vcrlinnilfllt. loh tiHba 
Mioh kniu« Spuiiii daToa gefonden. VermaUlch wollte nt»a enl mit 
I.iodgr*/ Philipp fni RsiDfl kommen. 

I) Dim bdichl stich, wia wir ^Isicli aelien wsrdca, tat die Teihuid. 
lug«a mil den SUIdlen NUrnbicg, MltarsUiug, Clm. Augsburg iiad Krank- 
fart. 8. Kapll. III, Spoiciei Kaichstag Vcrgl. iiucli Kap. V, 

S) dan es Imt der ljor«og in Prausseii nicht cwejrl«) , sie sei schon 
vorhandon Vvrgl. Rellags IV. 

4) le. I>«ienibu 1636. Philipps Antwort <r. SS. Dbe. Vergl. S. 68. 

ft) Dar «ogoniiaiite KÖnl^betger Vertritg ist datiart vom Tui; Miohacli* 

^^^39. 6»pl«iDb«r. Vcrgl Hartlsdar, Haudlungeii und Auuchraiban 149« 

^^b. i. An diwem Taee lollte nach der unpiüng liehen Bestimmung 

^aW Vnttim auch w)iktL?b abKCichlooen »Griten Wir inhin abur, am 

WtUlun Qr&ndon daiiial* in lliatlau die A uawechalung dur ItrkundflD 

nkbt stattfand. Alan war aber Iniaweii berechtigt, diei Uaium fUr d»n 

d«S&itiT«n V«fttag au ai^ccptleran , weil dort die entacheideudoii t'ut- 

•Moagan alattfuideo. 



7» 



Ersta BünddiBlwBlrgbuDg«!! erinüsliscber Sttlnde. 



^BB BflndBiB ein Kompromiß. Die Wöoeohe Albrechb in 
bezug auf die HilfeleiBtntig waren aufgenommon, dagegen hatte 
Albreoht auf die auEdrilckliohe BezugDahine auf den Knisor, wie 
fie jene Worte „nyiuand saugen ommeu" uuHpraohen, rcrzichteo 
mfigflen. Die OrundUge i&t das Torgftuer Bündnis, üas nur 
an den Stelleo, welche für die Zeit und Penou niobt parstctii 
geändert worden iet'). 

Deshalb ist auch eeino Teudens die gleiche, eioe rein 
defensive. Die besondere Iiage der kontrahieren den FlirateD 
bedingte aber einige cbaralLterigtisohe Abänderungen. So ver- 
pfliobtet sich Jobann nicht cur zur HilfeloiBtung , wenn 
Albrecht „des gottee worts wegen" angegriffen würde, soadem 
auch in dorn Fall, wenn jemand ihn überziehen würde „der 
Veränderung halber, bo «üb dem wort Gottes gefolget oder 
noch erfolgen wUrde". Die eigentümliche Lage Albreohts, der 
Bein Ordensland in ein Herzoglnm verwandelt, machte dioaea 
Zuiatz notwendig, und Johann erkannta ihn ftn. Auch dt« 
Axt dOT Eilfeleiatuag uuterscheidet sieb, iodem man Eidh liier 
gegeoseitig die Stellung von 100 Reitern verspricht. Voa 
der allgemeinen Yerpßtcbtung dfs Oolhaer BündniaBBB, alt 
ifleib and gut" Hilfe zu leisten , iet man zur genti 
Formulierung dieser Leistung fortgeeohritten. Diener Snt-' 
wi&klong des Bundesgedanken a folgt auch der folgende Ab* 
satz, der von Werbung und Aufnahm« neuer Mitglieder 
handelt. Man verpäichtet siob hier zu der gleichen Höhe 
der Hilfeleistung, die der andere verspricht, wobei eben 
naturgemäfs an eine jeweils verschiedene, aber bestimmt ans- 
geepro ebene Leistung gedacht ist. Neu ist endlich eine 
Klausel, wonach man, falls man etwa zu gloiober Zeit von 
mehreren Yerböndeten um Hilfe angerufen wird, den spätfirn 
Bittgesuchen nur so viel zu enteprechea verpflichtet ist, ala 
die vertrag smafuge Höhe durch frähere Uuterstütxungen noch 
nicht erreicht iit. Die ganze VerpÖiohtung tritt sofort in Kraft, 
Bowie eine andre gleichzeitige Lianspnichnabme erloschen. 



ait 



1) Va^l. di« Orkimde, b«i Hortlsdtr I. c, gedraekt. Vergl. 8. I( 



KMt BBndoübfilnbaiiRBii «TUGeliioIivr Sitnile. 



73 



I 



Dto ßiiHcutuDg dieses BüDdoiaseB liegt nidit aoirohl in 
dMB BUt«rie1lon Gewinn, den dio VvtbändeUa tod tiotha 
dadurch erhii-llon. denn in d iceer Hinsicht waren Philipps 
Gedanken gewif» berechtigt. Die Unterstützung, dio Albreoht 
b«i einem AogrilF auf Sachsen eii etellen versprach, war 
b«i ihrer geringen Höh« und der Grofae der Entfernung nur 
XU leicht zu vereiteln. Unendlich bedeutungsvoller war der 
Vertrag, weiiD man eeine politiacho Tragweite ine Auge 
fofMe. Wir werden dies gleich noch im Einzelnen verfolgen. 
Aber ganz abgesehen davon war die StürkuDg, die Albrceht« 
Ktellung dailurrh unzweifelhalt erfuhr, in rvltgiÖBor wie 
nationaler Beziehung gleich rerheiarnngi^ot). 

Die Wirkung liefe sich doch sofort erwarten, dal» uiin 
die Werbungen t. B. bei EohleaiBohen Fürsten ') und Städten, 
wie sie schon in Gotha besprechen, einen ganz andern Bin- 
druck machen mufätou, wenn sie auch von preufsischer Seit« 
unteretüt2t wurden. Anderseits muTsten jetzt auf eben diem 
»chleBiBchcn Ohrigkeitec die Verbündeten ihr beeondroB Aagen- 
laork riobten, denn durch sie war die Brücke geschlageo 
xwiach«n den sSohsieclien und preufaischen Gebieten. Ja 
international — nnd das trat hii?r somit zum eralen Male in 
die Erscheinnag — konnte und mufste eich dieser Einfloüi 
erwriieo. Auf Fotens Keutralilüt oder aognr tJnterstnteuog 
war im Palle eines Angriffa des Kaisers xu rechnen. Weitet 
eohireift«n die bedanken und zeigten eine nähere V«rbindiing 
Bit den nordiHohen Mächten, lunäohat Dänemark. Dadurch 
war dann wieder eine Einwirkung auf die Haosestädte, 
vdobe bereits in Gotha im Oeaichtekreia der Verbündeten 
hg60, zu erhoffen. Die Zeit sollte nicht fern sein, wo steh 
diese GrwSgungen als begründet erwiesen 1 

Diese expansiven, propagaudietischen Tendenzen hatten 
daher auch in der Urkunde ihren deutlichen Ausdruuk ge< 



t) Ult Qooig von Oruidoubarg »urdso bald du>iir die Terliond- 
laagaa wieder Aurgvtiammfln. Somom Bruder Kasimir IriLute man aber 
nidli anoh Albr*«hc wuUm uicbi, itCt er in du GebeinmUi geiogea 
«ItTd«. K3nig>b. 8t -Arcblr. 



74 



Ento BiluduialiMlirbuDKou «vu^eUsohcr Blüad«. 



funken. Hit der Oeviunung ron w«itero BundesgaooBeen, 
80 Tereprnch man eich gegenseitig , war Dann von rornhoroia 
einTeratauden. Allein alles war doch nur zum Zwuck« dor 
Verteidigung gegeu Angriä' und Vergewalliguag , um äw 
Glaubens willen gedacht. Hierin giug mau koiaea Sohritl 
weitet, al» iu Gotha oder Magdeburg. Aber insoweit war 
man allerdings mit dorn Königsbcrger fiÜadnis aus dem ur- 
sprÜQgliühen Ralimen herauegelreten, als man jetjst auch Neu- 
ordnungen zu verteidigen sich verpflichtete, die der bisherigen 
Keioheordnung zuwiderliufßn >). 'Wenn das in ProuTaen ge- 
gebeue Beispiel im Reiche uauhgeahmt wurde, wenn die 
Bischöfe ihre fiistUmer eäkulariaierleD ? Die ganze ReiohH- 
ordouDg war dann vemichteti 

Diese Lag« fand deshalb ihren Ausdruck in den Be- 
stimmungen der Hilfeleistung. Man faTste dooh schoa 
wirklich die Möglichkeit eines Konflikle'') ins Auge und 
Betete für diesen Fall fest, wiu heuh die Leistung sein »ollt», 
wie die Kosten zu tragen , wie weit man bei gleitihieitiger 
mehrfacher Inaospruch nähme TerpSichtet etc. 

Eben deshalb legt« mau auch ein ganz besondsreg Ge- 
wicht auf die Gewinnung andenr BuudeegenoBsen. Sai 
Wiobtigate und Nach stlit-g ende war der Abschlufs des 
BilndDisees mit Hessen, dem ersten treuen Verbündeten 
Sachsens. Die Schwierigkeit lag, wie wir sahoo, in Philipps 
YerUngen, die Hilfe in Gestalt von Geld bestimmt eu Beben. 
Ein prinEipieller Widerstand lieCs stob am £nde hier niobt 
erwarten und so kam endlioh am 10. März 1527 der Vor- 
trag zwischen Albrecbt und Philipp zu stände^). Die A,ttde< 
ruDg bezieht sich lediglich auf die Uilfeleiatuog; im übrigen 
ist der Vertrag gaus übereinstimmend. Der betretfcnde 
PoMUB besagt, daTs Philipp, wenn er und sein Land Uber- 

1] Du deutache Ordsn i>rptul!«rte t.af dDin Spelernr Rfl!«lul«c«. 
Vv£l. Bactibotli. Ferdlniud I, tt. 33S. 

>) M&n beachte RUflfa. dah der Papst bereits 1GS6 ein Breve arliefii, 
VOrin « Allireoht ior ApasUsi« schnldig eiklirle iiud itun Ktiiier inr 
ÜMttiiloBg dieies TrsvcU aulTorderte. Rncliliülli, FerdtDuid I, Ü. 33G, 

S) V«rgt. BeÜBge UL 



t^n\^ Iljlodnl»bnttr*1>un)[*n •vanfccliubm' RUIada. 



75 



xogen wjrd, 100 Roitar in Albraoht« Boioldiinn onvotbon 
soll, dift u> Ungfl unter Waffen bleiben, alt dieser AiigrtlT 
dauert. Auf Auxeige Philipp» wird Albreclit eincu Ce«audl«a 
innerhalb sweier Honat« an eine begtimmle Ualatatt schicken, 
der die Besoldung eussahlcR soll, und tirar für «inon B«ilor 
den Honnt 10 fl. rhoinitoh. Die solion bf^ahlUin Autlnxen 
aollfrn xuritokerstattet werden. Ist Albreobt vorher Kvlion 
TOn Jobann oder einem andern der noch au werbenden Bundeic 
gvaota^a um Hilfe angegangen und diese geaobickt worden, lo 
aoll Albrecht Freiheit haben, «io von stinen Leistungen an 
Philipp abziehen zu dürfen, so lange erstere Untersttttzuug 
dauert. Ebenso ist Albreoht von jeder liiliele istung entbiin<len, 
solange er etwa selbst im eignen Lande acgegntlen mrd. 

Auch dieee letzte emBahrSukende Bodiu^ng ist iiatürlieh 
Ton Albrecbt ausgegangen '). Johann erkanute sie, sJb er sie 
durch SchwnTKcnberg , der Anfang 1527 noch t^aohsen ge- 
Mbiakt wurde*), erfuhr, auch als bereohtigt an *). Aber zweifel- 
haft war doch, wie sie Philipp aufnehmen würde. Daher hatto 
Sohwanenbei:^ den Befehl erhallea, die Drkuude *) in Johannti. 



1) Wciia diu uicht setion xa» dtr gitnsco Stlusllon hurrorgingn, 
ta biyirltson «t iiriil Fingmenia im Könighbeiger Slu&irchiv. 

S> Aid S. Mai 1637 berkhlgt «r an Utriag Albrocfat Bbtr stlne 
MiwieD. Rio1i[tbgF{;er SIiHtotrcbiT. 

S) Ebenda: und «res k'h aeiueu goadeu Tur uraach muuttich tugezeifCt, 
daramti lolclier r gn. Ttrlrsgsljrleffa denuMsen g«»tfllt, giiediglich gc- 
horl und seinclbnlli itorn» keinen tnnuKfl gehabt hsl- Wurde aber der 
lasIgfsIT — dcrhalli Dinngol anEei|;eii qLl-. 

4} I. c. — hsba leb e, {, g. beT«lh Dniih dem kurr. v. Sachsen dermaunn 
libentnlirarl , ho 1114111 gn, hnrr der Inntgrntf euer gn. den gleiehea ver. 
mg«liriSa mit uiuei •igelung autih fertigt und Beinen cliurE. ^ii. lu 
band«!) i(*lt, du alsdan und ni( oe a. gn, vertragabriff dam lautgialen 
Isgtf tu btbeudiKl — werden aolla etc., da* auch — der kurf, v. Sirtiifiii 
alM n bandein und tu Ibiin sti genommen -- 

Ist nun gJelchvnlil PblüpiJ von Hesitan nicht vd bewegen gowenDn, 
den VertnK BUMuferüiren 7 AniÜLUoDd i»t , dals diu von AltirBclii unter- 
teialiData liikiind* im ■tabaiiohen. dem Weiui, Oes.-Aicli. liegt. Hut sie 
Kurf. Jobaan ntobt auilln(«ru dür(*n , wall Philipp iginuEsitt dea V»r- 
traf ntdit ratifialartt 



76 



•ot Sinßff A* 



Bind» n RBbcB, m^Aa 

B«eht varoi iit Philipp vwi Hasia W Ceiitt Te 
ioagn lagniAanlMb nicfat gwuniiB Wir fta & 
hJMBMg s« gcn*S ■"<) Danehcr oiet UalS «r aa Br mfel 
srigf, fo CecBliegnids TarfaiadaaeB« aankaöpiM, ah« mU m 
DeatKUni aäbet Jer Band feaMr beptete ww — 
duMla var Mine Seele gaaa mOOk vaa <n Vttmm 
IWiliMiiii II Bit «es Bmatmt >) «4 «er Tirtiliiiim Ha 
Uhidu*) — er Tonagte Mfa dvak mA wieder udt bei 
«•• «eitam Schrittaa aaiaaa 

"**"*** t ■!■ esal^ Wi 
soeertr Koontnia, m «ebra «ir faik, «i& e a d h wa ila re Tei^ 

8a bttMC n Ml Un 1517 ■) Beppiehaa 
Kanter B>«A «■ fia AaarteBaa( 4ei OaleJto- 
bmfea Ar de« hallt ■■iiifcw WmOtt gWiAif, vie m ihn,, 

Jraek Mher*) la i i ptMu hm. flfiur kwa vir dua 
einar V«rbeadlaaf mit Diaemaik, die aad Si a— b im asf den 
lu. D^xesiber 1537 gelegt «er, «acn anib Pbilipp MBce-j 
laden wunie. Am 30. Nereaber*} bueaftaa^t daber TbÜtpp 
M*ae BXle, eiaeo tanglieheB GeaeaÜM wt Beatr Besprtcbaog 
abinacnden, der alle 8aAi^ die dHa&tt Tetg ab r a cbl vördeo, 



1) r«^ Kil^ m od r. 

q !■ Wtte. 0«k-A>cb. 

1>«J^C« te'htSHi'': Um.»)!«««! 

ft) PUEpp M Mä* BUa : «<r kc ■ 



^««tte^fa^* 




«.JotLT. 

TtrttMtaa nOa' 

DuMTbl «H« caelk «MB. k «wUn *w*AUta 
dai iBkbw t»r dank rfan «mm- n«% »<i*i r mA dam fiwOck !«• 
dnAt, bMKU «wd«! iiMimp» *wt Mtf. te* v •!■• dtnf«, m* 
■f wMm tic» hr b wi c», c«te»Mi a. tefMi^nM «I nfdn. das 
«aftTMOab b gatota kh nd a^ia<ii* tihafc!. ^ diTva «ten 
baiWMaK. Du U^tmihttf. «n »c« A»<n«. Itwbwt- StuU-Ar^ 



Brat* BUaduiBbwInbBactii •rHi|i«rnicber SUudo. 77 

genftu merken und ihm Bericht erstatWn Bolls'). Man 
eieht, noch waren iliese Bcrutungon mehr ioforniatoriscfa, 
«bor mao erkenat auch, dnfs eioti die Parteien »hr geanhert 
batten. 

Ea war nötig, zunächst den Verlauf dieser VoTliaadlungrü 
fm Zunromeahung ^u verfolgen, weil sie, siimtlich auf iltim 
den des Gottin-Torgauer BüailnisKea erwachsen, nur hu 
in ITmohen und Wirkungen ku erkeuueD und klarinlegen 
waren. Sic kouDlea ohne eine dugehende Berücksictiligung 
der Reichaangelegeu heilen, wie aie namentlich der Speioror 
ßcicbetag statuiert, betrachtet werden, weil diese keinen 
['irgendwie entacheirl enden Rinfiurs gemde auf dinsu «iehBinoh- 
bcesiaoh-pteufsiE eil -dUni scheu Beziehungen geübt haben. Jetzt 
über mössen wir unsere Seh ritte wieder rückwärts lenkeu 
und Kavorderst den Speierer Beichatag in seinem Verlauf aud 
Resultat an uns vorüberziehen iaasen. 



ra. 

Der Speierer Beicbstae. 

Der Äugsburgei Heichstag war tim 9. Januar 1526 ,,eT- 
streckt" und nach Speior verlegt worden, wo die Stünde am 
1. Uai persönlich eintr«Sea sollten, „um die gerne in nUtzigea 
reiobflhitndel atatlioh zu berathaehlagen und zu wirklicher 
BxeoatioD, Handhabung und VolUiehung bringen zu helfen". 
Am 1. Februar hatte dus Regiment dtis AuBEchreiben erlasaen. 
Aber gleichwohl war es dann wieder fraglich geworden , ob 
der Reichstag zur angekündigten Xeit stattfinden würde. 
Denn als £nde Januar 1626 der Friede von Madrid endlich 
ftbgesohlossen , sohieu Hoffnung vorhanden, dale Karl T im 



1} Wann Philipp boondtn aof Oeb ei Inhal tiuig dringt, lo wir dannf 
Aalug >D du K'Sriite Ocwiiht gelegt HordiiD Nor die voitimu- 
Rll« hslUn Kiuotnii ron (lea Verhandluag«a. Eöaigsh«rgw 
Itcktv. 



78 



EnU BUndnlibHtrobDDgeii eviuigellicluir SKud«. 



Laufe den Sommen «alhsi nach Doutachlaud koremon würde' 
la eiaem Briefe vom ä. Februar, der End« Uürz de 
StändeD zakani, halte Kai'l seine Ankunft in be»timinte An 
nicht geitellt. Was sollte jetKt ein Keichstag, wo lie» Kaisers 
Ankiintt so nahe bevorstand? Dolinitiv war doch olion ihn 
nichts zu entaoheiden , wie ja oben mit KüukBiiulit auf neiue 
Gegenwart der Augahurger Reichstag uaoh Speier verle(tt 
worden war. So falsten es die Stände auf, so aber auch 
Karl und Ferdinand. Doch schwankten je nach dem Fort- 
gange der VerUandliuigen mit Frankreich ihre AnsiditdD und 
Diapositionen. Hatte Karl früher auf Drüngen Ferdinands 
am 23. und 2S. UÜrz') Instruktion und Yoliniaohfon für die 
Konimissaric^n ausgestellt, so war er am 7. April auf Ferdinands 
Witusch *) sofort bereit, den Beiohstag wieder absubeetellAn. 
Suliliefelich aher hielt es Ferdinand doch für geiatoner, den 
angesetitten Reiehstag etattfi-nden zu lassen. Dazu bestimmten 
ihn neben der drohenden Türken gefahr, dem Äblnaf der Be- 
willigung für Regiment uud Eammergericht und der immer 
deutlicher hervortretenden Schwierigkeit für Karl V, wegen 
der Weiterungen mit Fraus rechtzeilig SpaDien veriBMeD su 
können — auch die deutschen inneren Verhältnisse. Der 
Itriidcr eifrigstes Borotihoa war die „lutherische Sokle" luin 
wenigsten nicht weiter um eioh greifen zu lassen. Ilir einen 
Damm iiatgegen zustellen, dazu schien jetzt uur nocli ein Reichs- 
tag die Möglichkeit zu bieten. So beschlofs Ferdinand am 
18. Hai in Speier einzutreffen. Sollten jedoch die poli- 
tischen Konstellationen sieh günstiger gestalten und dadurch 
etue frühere Ankunft dos Kuitcrs in Aussicht stellen , 




I) Vcrgl. Friedauiborg, Spciaru BoUluUg. g. 19G. 

t) Prlsdentliarg, I. o. 8. 4T IT. 

8) Pritdcnibuig, 1. c S. DI, IVB. 

leb «rar in dar ([lUcUichtiu L*gB, die jOngitv, eingelttiid* Puliltl 
ftbor dm SpelorBr TiDiihila^ beieit« in den Apshitogebogen konnia *U 
larn*ii K> ist mir oinc Üibe Pllichl , >UDh >ii dieaar StDilo molnain 
Dutke gegin U. U(. Kriadeotliuig Aiudruisk g*beti in kÜiiiiMi M«ttt>- 
lich btbc lob vermisdga, die Macliwclio, dis er bcraits hat, ta wl«d»rholi 



RtM* BlladnlilM»1tiilHu<MB •Tuignlliifh*r fltlliA*. 



79 



waren, wie Ferlinuiid »o!n«n Bnultir T«r*icl)Drt, »Ufta Mittel 
und Wege su fliid«ii, den Keiebstftn abzubrechen. 

Dteee Ervriiguiigen wareo den ilbrißen Sliloden verborgen, 
nbcr die allgemnnc Luge und Karls schon erwähntes Schreiben, 
da« ihnen Knde Uiirx seine Abwiche, boidiget nscli Deutaob- 
laad zu kommen, meldete, hntlon bewirkt, diifs nipmnnd An 
die Br^fTnuiig doe Boicbstug* gedunhl. Ferdinand funil, ul« er 
un 18. Hu *] eiusog, odt wenige Üeaandle vor. AU Kaainiir 
von Brandenburg, die EnsbischSf« von Mainz uud Trier und 
der Kuriiint von der Pfalx neben einigen weiteren Gesandten 
einKetroffcn waren, eröll'neto Ferdinand den Beiohsta^. E« 
war am Sä. Juni '). Nach der ProjinHition , wie sie die 
uweaeaden kaieerliobeu Komniie«arL- Frrdiiiand, Bi:mhnrtt 
vwn Trient und Kasimir vorlegten'), boIUö beraten und be- 
Mbloisca werden, auf welchem '^^'ege der ehrislliobe Glaub« 
und die wobJhergebiTtohten lirjlucho und Eirtrichtungc» der 
Kirche bis zu einem freien Eonzil von olleo Itoichsgliedem 
'einmütig gehnnilhabt , die Wideisetilioli'^n iibor bestraft 
uud zum Gehorsam gebracht vrürden, damit derRentalt das 
Wormwr Edikt und die Besoblüseo des Iteiobstags zur Alter- 
kenouag und AuaTührung gebraclit würden. 

Von anderen Vortagen wurden gceannt Vorkehmagen 

hfegen Erneuerung der Anfatiinde, Türkenhilfe, Erhaltung des 
Itegimenta und Kam mer^er iahte. Am Schlufs spricht der 
Kaiser seine Abeioht aus, sobald als möglich persönlich nuoh 
DcutMlilaod jia kommeo. Eben unter diesem OeuobtBpuukt, 

pSumal da man kaiierlioherseits diesen Roiohetog am liebtiten 
vertohoben hätte , werden Punkte wie die Houopolien und 
andere, aebr viel kurier erwähnt, als in der Augsbnrger 
Instruktion*). Noch bezeichnender ist aber das Schweigen 
über difl Abstellung der geistlichen Mifsbränoho und der 



1> PrUdaniliuig 8. ISS. 

S) ). «. S. SOI, Sie. 

t) Rftoko U, S. U». — I. e. 3IT, tl8. 

4} Vgrgl. Frkdfliisliuri;, Spei«r«r Kaioli*l>K. 8 SIS, Sit. 



80 



Erste BUuduiiibestiebangon avingeliichir SUnile. 



deuUohen Beschwerden wider Roui , von denen in jonvr ge- 
sprochen worden war. Des Kaisers HoA'nimg, in nicht all- 
zu ferner Zeit die Dinge in DeutEohland nelbst in die Hand 
KU nehmen, eein VerhSItuis mit Rom, das der driugvndsleo 
Schonung bedurfte, vor allem aber aoiu Widerwille und die ge- 
rade in ietster Zeit bestärkte Befürohtuug vor weiteren Fort- 
schritten des Lutherischen Qetstes, muTsteu es ihm geraten 
eTBOheiaen lassen, diese heiklen Fragen einfach zu vermeiden. 
In der Unmöglichkeit, in nücbsler Zeit mit Buiner starken 
Hand in die Bewegung einzugreiien , war ihm dnninla darum 
SU thuD, am jeden Preis wenigstens ein weiteres Anwachsen 
der Beform bewegung su hindern. 

Aber so stark — und das ist charakterieÜBch — ereohiettf 
doch auch ihm und seinem Brudei die nationale Keformtenden;^ 
daie sie fürchteten, der Reichstag konnte sich trotz aller Tor- 
kehniDgen auf diese Materie werfen. Für diesen Fall 
wurde deshalb eine Nebeninstniktion ausgestellt '), die Ter* 
laugte, die Stände sollten bis zu des Kaisers Ankunft oder 
bis zum Zusammentritt eines KonEÜe eichte voruehmen , «aa 
dem christlichen Olauben «der der Kirche ia ihrem Her- 
kommen und allen ihren Einrichtungen irgendwie zuwider- 
laufe oder Abbruch thue, vielmehr dem Wormser Bdikt nach- 
kommen. 

Nur im äursersten Notfälle sollte Ferdinand von dieser 
Klaasel Gebrauch maoheu , daher sie auch zunikhst geheim 
gohallen wurde. Aber nichts beweist deutlicher als eben sie, 
in wi-lcliem Oeiste die Brüdnr die deutschen Angelegenheiten 
betrachteten und behandelten. Nutionale Oesichtspunkte hat 
ihre Politik nie gekannt. Niemand freilich wurde dadurch 
in seinem innersten Lebensnerv mehr geschädigt, als 
JDeutechland. 

Die Verhandlungen Über die kaiserlichen Fropositionen ') 



1 



1] Hunkfl 11, 5. SSI. FriedoiisbntK, S. Sl*. 
i) CritdeDtbarg, S. 2M. 



Enta BüodDisbMtrtbuiiBNi «raiip^foher Btlod«. 



81 



begsDnon nm 36. Juni. Man besohloCa in beiden Kurien, die 
Artikel )ii der Keihcnfolge der PropoeitioncD vorztiDehiBei), 
ifuerst also die Olaubentaitotie. Wiu wolitc miui ober dem 
Befehl des EoiaerB, „die wohl hergebrachten guten Ürdnungen 
uud Bräuche der christlichen Kirche und Beligiuu uufreobt 

• XU eilulten", uaohkommCD, ebne zugleich die MibbrSuuhe ku 
beMitigen ? 

Die Opposition der Fiirstenkurie hiegegcD wer jedoeh 
■o fttark, daTs die Kurfüreten erklärteu, zum üvoiteu Artikel 
Bbergehen zu wollen. 

Im zweiten Artikel verlangte iiud der Kaiitur «in« Ordnung 
Jta machen, um künftigen Aufatünden »ofort begt^gncin zu 
käanon '). Wenn er die ClaubeusiiTuug ah Ursauhe an- 
führte, ao war diese doch ohne Beseitigung der Veranlaaeung 
derselben, aleo ohne die Abalelliitig der Mirsbräuche, nicht 
beizulegen. Das Gutachten der Kurfürsten vorspricht daher, 
so viel davoa billig wäre , abmatellun i dünn würde auch 
die Ursache eu Em^yöruugen beuommen fuiii. Gegon et- 

, wnig4 unruhige mutwillige Oeieter wolle mau sieh vorab- 

Bei der Beratung hatte sieh Pfnla") noch eutiioliiedeuer, 
bJb dieae letzte Faesung besagte, auagceprocheu. Vom Wormaer 
Edikt will Kurfttiat Ludwig mohts wissen. MifsbrUnche sieht 
er besonder» in der Stellung der OeisÜiohen , die Ton allem 
frei sein wollou. Deshalb dringt er vorzugsweise auf Ab- 
■tftllung der MifibTttuehe. Von Verabredung za gegenseitiger 
lilfeleistuug verspricht er aieh nichts, weil er vornueiioht, 

sonst unterstanden werde , Diuge zu handhabea , aifi 
aien recht oder uiobt". 

Freilich die Für^tenkurie legte gerade auf diesen Punkt 
beeonderon Wert. Da erfolgte, venigo Tage darnach, auch 
hier der Umsohwuog. Er zeigt sich zum ersten Male in der 
Antwort, die man auf ein von den Städten eingereiehtea Gut- 



1) 1. «. S. 9SS (T. 
XIV. 



82 



EriM BÜDdniBbnlriil'UDK*" e*kD|caliBuhar Stund*. 



acliton Über die Olnubeneeitchc vom 4. Juli pil>. Darin hatUu 
di<iBO ihr« Ansicht dahin niiBf;(^«prochen ■), liuT» es keinem 
HeoHctieD xukomme, im waliroa bciliguii Glauben, der siofa 
auf Christum und sein lieiligea, ewige» UDwaniJeibarea Wort 
gründe, ÄuderuuKon vorzuuohiuea. Ebenso muleten die guten 
ohrietlichen Übungen in Kraft bleiben. Aliein boIcIh JJrüuohe, 
duich welche die Chrialeu an ihrem Seelenhi'il gcftUirdet 
würden, könnten unmögUoh auch nnr bis su oiriem RuDüil 
bestehen bleibeD. Nun sei es auch bekiinnt, wie tief 
diese Mifsbräuohe eingewuieelt seien, deren Abstellung cwhr 
beibam sein würde. An dno Darohführung de« Wornier 
Edikts sei, wie dies schon die Nürnberger Iteichgtagc aner- 
kannt, nicht eu denken. Daher auch riet Kaiser Ton einer 
Bestrafung der Obertreter deiwelbon absehen weide. 

Nach der biBberigeu Haltung der Färstenkurie hätte 
man auf eine energische ZuriJck Weisung gefaTst sein mÜMwit. 
Statt dessen lautete ihr Beschlulji*), „die Städte hätteo «ioe 
gute Antwort gegeben" und billig «oUe man „scheiden, was 
guter Gebräudie und t'bunguu und was Uifsbräuchu und Be- 
BcbwernisBe" wüien. 

Augen Bcheinlich ist der Hauptgrund dieses Wechsels in 
der Teriiudcrteu allgemeieen politischeii Situation eu sucheu, 
wie aie ia jenen Tagen eich immer deutlicher oA'enbftrte. 
Der Madrider Friede halte so wenig den Kaiser zum Herrn 
der Lage gemaolit, dafs eolurt darnaoh allu Kräfte des Wider- 
stwoda nur um ao energischer sich itusa mmeii schlössen , dofs 
Mlbet der Tapst, nuf dessen Zusammenwirken mit Karl das 
neiate für die deutachcn Dinge onkami, offen mit den Feinden 
des Kaisers sich verband. Eben damals trafen die entaa 
sicheren Nachrichten darüber in Kpeier ein']. Allein die eng 
Verbindung awisoheu Kaiser und Papst hatte die KeformatioD^ 



Frlndsiubarg, S SfiS ff. Ranko 11, 8. 890. 
1} 1. c 3. »T. Itanko II, S. SSO. 
S] L e. 8. 168. 



Krtta BandnUbattrabiiiig«» cvangitliiiRhflr Sltnd*. 



88 



riellciohl «iozudümmen vermocht. Ihre Trennang, di« jetst 
offeDK Feiodschaft gewordeu, entsog der kstholiiictien Puitci so- 
fort die ntitige Unt«rgttitzung. Eine größte Anzahl von Furateii, 
die weeentlich äxtnh dio Kückucht auf den Kaiser obgehslt«» 
wurde, mit der Roformpartei genioinsaine Bache zu mflafa«D, 
muTste dann von der aUgemeinen lüttrdiDniig «ich fortreifoen 
lauen. Und nach welcher Hiohtung dieae ilningte, diis halt* 
iet bisherige Verlauf der Verbandluugen unr xu deutlich 
gemacht. 

Hinzu kam die immer drehender auftretende Tiirken^-e- 
fahr. An eine ernstliche BekümpfuDg derselben war uioht 
zu denke», eo lange nicht im Inneru Friede hergestellt war. 
Immer allgeraeiner braoli sich diese Erkenntois Bahn '). 
„Wona", irie sich Ludwig von der Pfalü ausdrückte, „der Türke 
bei und unter uns im lleicbe vertrieben und die Einigkeit 
hergestellt sein wird , dann Jiefsen sieh sobon des andern 
Türken halber Mittel und Wege finden". 

Unter ilem Druck alter dieser Umatilnile erfolgte , wie 
erwBhot, der Umschwung in der Flirsteukurie zu Quneten 
der Beform. Sofort wurde aneh «in Achter-AuHschlufs be- 
schlossen '), bei dessen ZuMmmensetKung abermals die Beform- 
freuodc Sieger blieben. Seine ThHtigkeit, mit der er augea- 
blicklioh bef^nnn, eotlte räch auf die MifnbrSuche in allen 
Ständen uml auf VoMühlKge ku ihrer Betieilignng erstreoken. 
In eutsp rechender Weise beriet man in der Eurfüratenkurie, 
wie es gleichfalle die Städte thateo. 

Da traten diese, auch sonst, so besonders durch dio 
konsequente Verweigerung der Anerkennung als dritter 
Stand gereixt, aberm&ls mit einer Eingabe hervor. Mit allem 
Hoehdrttdc fordern sie die Stimme ; Binden ihre Vorstellungen 
kein Qehtfr, so seien sie entechloseen, an den Kaiser zu gehen. 



]) I. e. 8. tu. 
aj L o. S. 113. 
•) 8. ISS £ 



84 



Ente BUndaUboitTobuQgan avuigsH^chac 9Uado. 



Des Weiteren weisen sie Dochmals auf die TJumüglichkeit, 
das Wormser E(]ikt auszuführen, hin. welches nur äie Ver- 
wirrung und Spultung Tcrmeliren würde. Deshalb crapfehlea 
sie, den Ksiger uochmals um Ändunuig sdnur Weisungen au 
orsuciieu. Dann wtiide dioäor eiu);ebend aiiterri<ihtet und 
ihm dargelegt, „welche Beeohwerungeri des Wonoser Edikts 
halber gewifs au gewärtigen ständen, so werde er gona ge- 
neigt und nicht dawider sein, in solcbeu seiner Maji^stät 
Artikeln billig Änderung imtl Uilderiing varzuuehmen". 

Das war der Weg, den der Iteichstag auoh wirklich 
spater einsotilug. 

Es ist überhaupt merkwürdig, mit wobht^r Bedeutung 
die Städte von Anfaug an auf dem Iteicbetage aul'treten. 
Bechtlich ist ihre Stellung fast noch mehr bescliriiiikt, als o» 
schon früher der Fall war. Uire cntsoliiedece rarlttinuhme 
für das Evangelium wurde ihueu in diesem Punkt cliur 
hindurlloh. Aber in Wahrheit haben sie gleichwohl be- 
stimmenden EinflufB ausgeübt durch die geistige J'olcnE. 
Nirgends iet von vornhereia die Bedeutung und der ü&ng 
dieser Rei chstag» verbau dl uugeu klaci-r erkannt worden , als 
Ten ihnen. Die allgemeine euroiiüieche, die beeondero Lag« 
Deut!<chlands , ihie Souderinteresseu , ihre rürdcruDg und 
Hemmnisse, alles hatten sie fest und bestimmt erwogen und 
dnmaoh ihr Handeln eingerichtet. £iaher waren sie auch 
iD alter Einmütigkeit aufgutrelen. Die ISefurchtungen , wie 
sie Nürnberg und Stral'sburg i. B. vorher gehegt'), «wea 
glücklicherweise nicht in Erfüllung gegangen ' 1, dank d«r 
energischen und Überlegenen Führung von Nürnberg, Sirafs- 
burg und Glm, dank aber auoh dem bisherigen Verlauf 
der Dinge am Beichstage, denn noch war die Standhaftigkeit 
der ätadte eiastlichen Proben nichl ausgesetzt gewesen. So 



1) Vargl. Frledanibnrg, S. 180. 
«> T«rgl. ductbut 8. SSO. 



BnM BUndaiiboilnbun^n »VMiftlbeh» StlBd*. 



86 



M, d&Cs wedei die IcathoUsohen GemeinwMen, noch diu 
irwar evangelische, ftber allezeit uuzuTerlXaiig« Augvtmrt; 
die Einmätigkoit ernstlich bedrohten. 

Natürlich war es die religiöse Frage , welche die Spal- 
tung der Städte herbeiführen konnte und früher oder später 
herbeiführen raTüste, Zunäohal. aber huttoD doch selbst die 
hntholiachea Städte mit den erangeliaehen ein gemeinsames 
IntereKe an der Bekämpfung der Vorrechte und Mirsbrituche 
des Klerus, ganz abgesehen von der Solidarität ihrer Handels* 
Interessen. Dabei hatte Strafaburg Ende Hürz, ab der 
Beichstag berorstand, einen allgemeinen Städtetag auf den 
1. Mai nach Speier nusgesuhrieben '), der dann freilich am 
Widerstände Nürobergs, Augsburgs und ülme Gcheiterte und 
wieder abbestellt werden muTste. Man fiirohtete durch ein 
Tagen unmittelbar vor dem Reichstag in Kollision mit diesem 
zu geraten. Aber noch ein andrer Beweggrund war dabn 
wirksam, dieser, daTs man sehr richtig fühlte, bei den FUnten 
damit unzustorseu. Es sei \ne\ besicr, sugen die Nüm- 
bnrger ') ihre ablehnende Kaltuug begründend. daCi die Fürsten 
und ihre Botschaften der Städte „Handlung nicht erkuniligten, 
denn daCs solohes an sie gelangte", DeuBelbcu Färeten 
DÜherte man »ich aber sofort wieder, sobald das Evangelium 
in Frage kam. 

Em war nicht anders : geechloBseu standen die Städte den 
Piiraten gegenüber, solnngo rein stiidtinuhe Fragen vorlagen ; 
»Oiriediereligiöse Angelegenheit in den Vordergrund trat, trennte 
man sich und »uchto AoBchlufs an diese. Nicht auf einmal und 
sofort vollxog sich der Umschwung, aber eiclier und unuufljaltsnm. 
Bohr charakteristieoh ist in dieser Beziehung die Striifaburger 
Iu«tr<iktion für den Keiohstug *), Die wichtiget« Handlung 
deiselbeu muTiita die Begelung der OlaubeneGroge sein. Die 



t) FirUd«nibaTS &. ITO ff. 

S) Tircb, PoLlt. Korr. Strabburic* Kr. 448. 

i) PoUi. K«tr. L Kl. 460. 



86 



GnU Bflndmibetlrelinngdi «viogtlfiMiber SUcdB. 



Oesandteu erhalteu deshalb den Befehl, die Stildte su gemeio- 
Bch&ftli ehern Handeln in dieser Angelegenheit zxi veTm^a; 
man enlle ein allgemeiuee Kouail oder wenigsletit) ein Pro- 
Tinitiulkonzil beaittragea, um die ZwieapüHigkeit in Oluubon 
beizulegei). Zum niiodeBteD müese oian „mit häelutem FleiCt 
dahin arbeiten, dafe bie zu einem sglcliou Konzil alle ibit' 
liehe oder gewaltige Haltung" uoterbleibti, uut' doj« niernftod 
seines Glaubens wegen, so „uu das von im »elLn fri itt asd 
^u eol", einen Überzug zu befürchten habe. In dienen 
Funkten mochte man siofa iu StraXeburg der Hoffnung hin- 
geben, dafs alle Städte dafür gemeinsam cintroton würden. 
Uan nahm nun aber ferner eine Ilotsehart nn dun Kuieor in 
Aussiolit, die ihm, ehe er Scutsohland butrÜtR, von ihrar 
wahren Oeeiiinung Kenntnis bntjgou und utu AoHetzuiig einoi 
Kousila bitten eotlte, „damit üii Bsekution des WormittMiheD 
UaadaU und gewifetich deutscher Nation höchstes Terderbes 
abgewendet und der Böswilligen und Eigenniitj^igen Gcis&t 
geschmälert und derselben Aueuhlti^e gebrochen werdon" '). 

Wie man sieht, ist dia Gesandtschaft uu den Kaicer, 
welche die Städte in ihrer Eingabe vom H.Juli Toncfalugeu, 
bereits vor dem Reichstag in StraTeburg in Erwägung gezogen 
worden. Die Beteiligung aller Stüdte war zu erhuü'eo, 
woil BOhon früher die Qegammlbeit gegen dns Wormear Udikt 
protestiert hatte. Aber bemerkenswert i«t, dof» Suafsburg 
hierbei &aoh auf Fürsten "), wie Johann vuu Siuihaeu, Hark- 
graf Philipp von Baden, Landgraf Philipp vou Hesoen, Pfali- 
graf Ludwig von Zwei brUckeu, sowie Grafen und Herren (teiD 
Augenmerk richtet. Augenscheinlich mifetraute man in dieMm 
Punkt der Kamütigkeit der Städte; dann war mui ont- 
Bohloesen, eine 6eparatbotsch«ft absufertigen, unter Soiidurung 
TOB den Städten und in Gemeinschaft mit den Fürstan. 

Aoe demeelben Zweifel an der dauernden Eintracht der 
StKdte wird sich aooh ein weiterer Befehl Strofeburgs aa s«inG 



1} VIrok, Pol». Kon. S. S94. 
S] B1iend> 8. »6. 



Bnt> fiOadokbulMbaiiga) «««uftUidiM' Slüod«, 



87 



0«nndteB «rklSreo. Darnach «Dlltoo diese, folln tod mD«ni 
Bändai« der Stüdt« geredet uad dsflLr gewirkt >viird«, Holehei 
wohl anhjjreu, boBprechco und „unvergiitfliob" ratschlagen >), 
ab«r Diohts be^oblicfton, soDdem hinter stoh bringen; d«»- 
gleiohen dieeeu Funlct „niclit auf di«) Itahn bringen", sondero 
warten, bis anilore ihn «ufti ahmen- Dan Mir« trauen dur 
F&Tslen wire durch «inen Städteboud im hüubst«n Qrado «r- 
rogt worden. Dürft« man es daraol ankommen huaen, wo 
eis Botoher „ventoud", der gogonaeitigen Eifersucht und tot 
allem d«r verschiedeuen Stellung der Mitglieder sum Evan- 
getian) wegen, den TodeBkeim in sieh trug? 

Bedürfte es noch eiues weiteren Beweise« , dafs dos 
Krangelium in der Thut die Eintracht der Städte schlieralioh uci^ 
atoreu murale, so könnte mau auf jene BerBtuai;eu und Gutachten 
hinweitgeD, die in diesen Julilageu ja Nflruberg den Rat be- 
KhKftigten. Wohl wird da etcits von den Städteu gani all- 
gemeio geeprocheu ^). Allein wcun diese «ach wirklich an 
den enei^isohen Proteisten liegen drt» Wormser Edikt toiliu- 
nehnen sich euteohlieXeen Bellten, die Eonsequenzon, die Nürn- 
berg zog, hStten sie nie trnd nimmer mitgemacht. Denn 
Nürnberg sprach da ganz offen aas '), dafs, im Falle man mit 
Gewalt wegen Nichtbeachtung des Wormser Edikts vorgehen 
würde, Nürnberg aioh bis aum Auraersten verteidigen und 
nicht eher ruhen wurde, als bie es auch andere Stände in 
seinen Fall hineingezogen hätte. DaTs von sämtlichen Städten 
höchatens drei oder vier dieeen Mut der Überzeugung und 
Glaube HEstärke haben würden, wiifste Nürnberg selbst nur 
zu gut 

Jrumerhin bewirkte diese kühne und eutschloesene Hal- 
tung der führenden St£dt«, d&Ttt die UajoriCKt der Studie alle- 
ceit «Tiuigvlisch war. 



1) ViTok, 1. c, S. ISS 

S> V*rgl. Friadeutbunci Spuliror Rsiphatiig S. 1(0 fl. 

S) Am ang. OrU S. 360. 



88 



ErslB BliQitdisbeitrebuQgoii «vangiliachitr i^ttndn. 



Eb ist begreiflich, wenn unter dienen Urottüiiäen die 
eT&ngeliBohen Slädle ä'w Ankuaft der beiden Vorkämpfer äa 
evangelisobea Sache sehnüchRL erwarteten ^). Hau dieee uidit 
früher erecliieneii, war nicht ihre Sohuld; denn Tom ereteo 
Augenblick an hatton sie sich auf den Besuch des Üeicbs- 
tags Torbereitet *). Allein liefiirciitungeu vor Gewultthnten 
der katholischen Partei ^), Lnn deeauge legen heiteo, die Magde- 
burger VerBammluQg *) hatten sie wider ihre Abeicht fern- 
gehalten. Jetzt endlich trafen sie ein, Philipp reu Uesaen 
am 18. Juli"), Johann von Sachsen, begleitet vom Kur- 
prinzen Johann Friedrich und eoinem Neffen £raet und 
Franz yon Lüneburg, am 20. Jiüi^). Mit stattliuhcm Gefolge, 
in gleicher Kleidung, wie um Hohon äufserlteh zu zeigen, wie 
eng verbunden sie waren, zogen eie ein. 

Sie kamen za reohter Zeit. Noch war nicht» Wichtig«» 
vaTBäumt. Noch war auch dio Eintracht der Städte nicht 
soEetort. Aber der Augenblick war gekonunen, wo die ermn* 
getische Sache eines neuen kräftigen Austofses bedurfla. Oe- 
trageo von stol/.em Selbstgefühl, wie e» eine grofse vorwäita 
drängende Sache gibt, gebebeo durch ihn letzten Erfolge, 
erfüllt von ihrem Glauben traten sie auf, entechloeaeii, dem 
Evangelium xum Sieg zu verhelfen, Auch in den äulaeren 
Formen bekannten sie eich als eTangeliaohe Fürsten'). Sio 
hatten ihre Geistlichen rail, die iu den Höfen ihrer Her- 
bergen unter ungeheurem Zulauf predigten, trot»: aller Verbuche 
Ferdinande, es bu hindern. Die Faetengebote wurden nicbt 
gehAltwi. 



1} Ich hab diesen morgen airean Tcn stttten boy mir c^ipt — und 
luben ein gross T^rUngen nkch e. f. fn, und d«m Chnrf. von Sitoh(eii> 
SolirftUtt«abach üü Philipp. B. Juli ISSG. Marbur|{. ttt.Arcb. 

l) TargL «ucb Fii«d«asbiir|i, Speierer Reicbstiig, S, 387 IT. 

a) Torgl. ■. *. O. ». 2Se. 

t) s. oboc s. ii ff. 

6) Friedoniburit 5 S90. 

6) 1. c. S. :93. 3U0. 

T) Vnicl R^Dku II., ». ISl C PTiad«i»burii, I. c. K. WO ff. 



EnU Bündnisbtslnbungcii oviaeBlIachtr StKad«. 



8fl 



Bichts wsf natuilioher, als d«b man «»fort nSt d«D 
Oloioh^sinntcn Fühlnng sucht«. Man «-ar jt von dem bis- 
herig«)] Gang der Dinge altti^eit unterrichtet worden und 
liatta mit Frcudeu von d«m evangulisulicii Mnt der Stadt« 
£eantnis g«nomineD. Sehr echaell bilcloten »oh rertmut« 
BeEiehuDgeii awischeu den fürstliehen Bitten und Üen Städte- 
getoaätea'). Konnte dn. Philijip uicht hofi'eQ, j«tzt endlich 
mit seinen Plänen einer Verbindung mit den Stuten zum 
Kiele KU gelangen ? 

Wie eine gliicktioho VorbodeutuoK mnoht« e* ihm er> 
««heiueo, ala da ebea die Stadt, auf die man seine» evaii* 
l^lischeo Kifers wegen vor allem gerechnet hatte, selber «eiuen 
Absichten entgegenknm. Nürnberg nämlich hatte seine Ue- 
Bundten beauttrugt"), dafsaie diejenigen Fürsten, die ala Anhänger 
des Evangeliunis gelten kounten, st«!« V9n den etSiitisolicn 
Beschwerden ucterrithten BolUeu, weil mau huätn, sie würden 
wat dieae Weise um eo eotsohiedenei die Absichten der 
0tfO9t bekümpfoii. Der Niirnbeijjier Krefs ") lieü daher, sowie 
Philipp eiugetroä'en war, sulche Absichten den heninuheD 
Uttten ge^niiber durohblioken. 

Kaum hatte Philipp davon gehört, bo berief pt Krefs in 
sich. Schwibiache Bundeaangelegon heilen *) gaben Leicht den 
änfNoren Vorwand xa ihrer Besprechung, die am 16. •Tuli, 
alao nur 4 Tage nach Philipps Ankunft in Speicr, stntttand, 
Sehr bald v«rtiers aber Philipp diesen Punkt und, ankniipCend 
an sein und des KurfUreteo Johann gemeinsames Sdireiben 
vom Anfang dos Jahres belreffb einen evangeli sehen Bünd- 
niaees, gab er die Versioher\ing. dafa er wie sein Verbündeter 
noch derselben Mcinuog wie damals wäret). Sie erwarteten, 
daia auch die Städte das Int Messe des Evangeliums allem 



1) V«rgl, Pri«d«nBlnitg S. 808. 

2) rrl«d*[uburg, ^polsrer B«icbst*g, & SSO. 

S) L c 8. soe. 

4) PUIipp beubiichtigte dumiüs, tut dfta SebwKb. Boada Dasintret«ii, 
Ei bMlilr*.ltl* '" *"*r [''orni teino EatliManug. NitUrlfcb ward« sie ihm 
Twwvtgan. Di« Akltii dsrübei im Miirburjt, St.-Arab, 



90 



Eni« BUudniibestrcliuug*!! evtngaKaehsr SUnda. 



andern TontDgehen und darin flieh durch nichts iiro msohen 
IrteseD wiinlea. Wir wiesen, wiu uütachioden geradn dumaU 
Nürnberg fiir die erangelisutie Sauht? eiiigetreteu war. Eref« 
koDDte ahu iu diesem Punkte die beruh! gen dsteu Erklüruugen 
abgeben. Er trug darauf die Sitte vor, Philipp möge doofa 
bei den Vorhnudluugen doB Reichstages auch sugloioh die 
Intereesea der Städte wabroehinen. Bereitwillig ging Philipp 
darauf ein uüil bat zu dem Zwecke um e1«te Uitteilungon 
über alle Terhftndluugen und Absichten der Stadt«'). In 
gleicher Weise wollte Ki'efs dann noch den Kurfürsten 
von Hachsen angehen. So war die Verbindung zwiBchen den 
Füllten und Städten be^entelll. Und Philipp war der Mann 
daKu, alle Vorteile, die sie ihm für seine PlSne bot, m 
benutzen. 

Dieses Rntgegenkommon Nürnbergs erschien ihm m 
bedeutungsvoll, daTs er bereits am folgenden Nnchmittag die 
Städteboten von Strafeburg, Köroberg, Ulm, Augsburg und 
Frankfurt zu sich beschied. Er liefa daselbst durch swei 
seiner KÄte erklären»), dafs er sowohl wie der Eurfürit von 
Sachsen bei dem ETangelium, soviel Oett ihnen Goftde Ter* 
leihe und soweit Ihr Vermögen sich erttreche, lu bleiboa 
gedtiohten. Die Städte ermahnte er ein Gleiche» su tbun. 
Kannte er dann den Städten Dienste erweisen, ao wolle er 
sich dazu erboten haben. Die Städte nahmen die Anträge 
mit Dank auf und verspraohen daheim und bei den übrigen 
StAdtea von ihnen Meldung au thun. 

Mehr durfte Philipp sunäohst, wollte er seine letzten 
Absiebten nicht selbst vereiteln, nicht thun. Dagegeo konnte 
er OS lohon wagen, Krefe gegenüber deutlicher seine Pläne ") 
za enthüllen. An demselben 17. Juli entdeckte er diesem 
dann, dsifs er und Eurfürst Johann auch jetet noch an einem 
allgemeioen Bunde der e van gelis oben Stände f enthielten. 



ß 



• 



I) In dtr TluU haboe dl* SU<tt« in dlM«r Wolaa e*l>*i>(lDli. 
PrieddSBlrarg, S. 915 A&ia. l. 

a) Fallt Kon. SmTibiini« Xr. 46T. 
3) FrlodaiuburB, B. ail. SIS. 



V.tgl. 



EnU BUndai»b«alr«buD||aii «vauplitcbar StKnd«. 



91 



Kiti» eoUchuldigte seine Stadt wogon ihror ürühermi »bUk- 
ueodeD Bkltung; sie h»bo aaf don K«sor und dm »cbwÜ* 
bissen Bund BUokncht nehmen miisieti, Aber Philipp U«lj 
sich dnmit — denn diese Gründe beatuudcin ja &ut)h JetKl noch — 
aiobt abweisen. Erefs möge nur noobmaU über diese An- 
gslegenheit an den Rat beriehteu. Die üuust der UmBtilnde, 
daTa man hier rergammelt, muTete benutzt werden. 

ia der That machte Erefs mit Minem Uonosson Baum- 
gOrtoer gemcinsctiat'tligh von diesen Antrügen Philipps UoU 
duog *)• Aber ao sehr mau auirh iti Nüruberg die Turbindung 
BÜt deo Füieteo vünHohte, weiUalb die Welaung lautete, 
alte Sachen mit ihnen, douh unvorgreifliuh, zu beepreohen, 
ein Büudnia eiusugeheo scheute man gleichwohl. 

Dem Nürobwger. Bat war aus Tieleo Urtnohen ein« 
•olche Vereinigung zur Zeit ungelogen. Zum mindeiton 
woUt« man erst dots Ende des äpoierer Keichstages abwarten. 
Doch sollten die üeGandten auch wieder nicht einfach ab- 
lebnen, sondern „auf die We^ wenden, dafs mau freie Hand 
behielt" und jederzeit die Verhau dl un gen wieder auf- 
sehmen kennt«. Denn man sah wohl ein, dafs das ein£aohsta 
8ebot der B[lagheit forderte, äie Verbindung mit den Fursttn 
niohl ganslich abzuweisen in einem Augenblicke, wo die 
Eintracht der Städte bereits bedenMich :eu wankt-n begann. 

AberatsU waren die Hoffnungen der BuDdesgeuoasen 
TOB Gotha getSusoht worden. Aber gleichwohl hatte sich 
oia nühnies Vezhiiltnis zwischen den eTangolischen Fiiraieu 
and Städten ungebahnt, das ttlr die Zukunft gtinstigaro Aus- 
alohten erweolcte. Gemeinsame Arbeit und gomoinsanior 
Kampf gegen die katholisuhe Partei mufsten nach und uuoli 
die Vereinigung berbeiMhren. Die grofse Bedeutung einer 
wichen Vorbindung wurde von deo Gegnern sol'ort erkannt. 
An» 20. Juli forderte *) Perdinaud sämtliche Stüdteboteu zu 



1) PHedcnibnrg, L c. S. 31!, 913 

I) FriedonabuTK, L c S. DU. Anm. Bosholu, Geiih. F«nL I, U. 
S. IIB 



9B Btita BUndiilsbaitrgbun^eti «rnngvliiohar SUiid«, 

aioh und emuhnt« üo dodringlich, dar» die Studie gegeu 
Enigerliohe MniestSt und das Haua Österreich sicti gehoreatD- 
licb hnlten und «ich ron niemandem <r(TfUhr£<n lassen sollten. 
Wenn sie gegen den Kaiser irgemi Klogen hätten, so Bellten 
aie es ihm anzeigen. Er woUu ihnen ein guter Uiltler aeio. 

Aus allem erkennt man, waa die Sliidle für eine Be- 
deutung hatten, l'iir diese selbst war es angleJoh ernichtliuh, 
VBs fuT einer großen Qefahr sie sieh ausgetzen, falle aie aaf 
die Anträge der evaugelisolien Fürsten eingingen, was sie 
anderseits im Interesse des Evangeliums thun mufsten. 
Zunächst freilioh waren die ersteren Erwägungen noch 
die mafegebendeu. 

Nutiirlioh griffen die evangelisohen Fürsten au(di •ofort 
in die Verhandlungen des Beiohstages energisch ein. Ihr 
Kinflufs zeigt sich sofort und wird von Stunde zu stunde 
mBÜgebender. Die nächetä wichtige Angelegenheit, die zur 
Beratung stund, war die Frage, ob ein grorsi-r AusBohuTa 8u 
erueuüon ') und ob zu diesem audi die ^lädti; sugelaeaen 
werden sollten. Der Widerstand gegen dessen Konstituierung 
ging von den Kurfiirilen aus ^), welche duroh ihn fQr ihr« 
Prärogative fllrohteten, während die Stsodekurie ihn wün«ohtfl 
und die Städte ihn lebhaft verlangten. Charakteristitob ist, 
dal'? Kurfürst Johann ^) Ton Anfang an datür eintrat; Ludwig 
von der Pfulz stand ihm am nacbati'n. Endüeh naoh laugen 
Verhandlungoo willigten die Kurfürsten ein. Wie der Aua- 
sohuTa darauf gewählt wurde, hatten die Be form freunde das 
«ntachiedene Obergewicht. 

Seine «rste Aufgabe hatte es sein müssen , die Ter- 
BOhiedenen Gutachten der drei Kurien über die MiTsbriiuclie 
Torzunehmon. Dasjenige der Kurfürsten ') war, wie e« aohoo 
die Zua«mmensutzung des EurfÜrstenkollegiumB eckl&dtcb 



l> fritdtniibnrg, S. 81(X 
9] 1. c. S. MI. 
S) B. >U 
*) S. DSS- 



Knt« BStidalibDitivbungeii avangaUubM litinda. 



!)3 



Mm 



macht, «m «eiuKaten einschneidend. Zudem fHhlt« dor 
eSchAUohe Gesandt« wegen Stnjtigkeitea tn Setroff der 
;e; als Kurtnrgt Johann eintraf, war dor Entwurf 
'Mte vollendet. Zu Grundi: gelingt, waren dit^ bekannten 
gravainina. Beachtenswert ist Diamentlioh der 27. Actibe], 
wo die Kurfüraten rt-rlaiigen, dem Eniser null« oin Termin 
gesetzt werden, bis zu wduhem die Abatelluns dur Mirs- 
blüuche beim Papst bewirkt eein mllBSf, widrigenfalls den 
Ständen zugelassen wrräe, selber Hand anzulegen. 

Sehr viel energischer gehen die 6tttdti> vor'), Sie 
grellen nur eine Reihe von Punkten ouf, die für ihre 
städtischen InUresaen von besonderer Wichtigkeit. So 
woUfn sie die Klöster eingehen lassen. Diu l'farrer 
mOTsten besser besoldet werden. Auch sei ihnan die Ehe gsii 
ifttalten. Namentlich aber fordt>rn sie die UnterwerfuDg 
'.der Geistlii'hon unter die b'irgerliohen Laatuu und Oeriohte. 
In Ketreff der ZcTOinonian Mafsregeln zu ergreifen, solle jeder 
Obrigkeit zuttohon, bis oin freies Konzil SetermiaatiDn und 
Ordnung gSbe. 

Am merkwUrdigsten ist aber der Entwurf des Aus- 
tohuBie« der Stände kurie''). Denn hier trid't mim Anonl- 
Qungen, die ron der Ides ausgingen, den beiden Slimdpunktun, 
drm kntholischiin wie dem eTangelisohen. gleiohmäTaig gerecht 
XU werden. .Mau hoS't>-, wie es gleich der Eingang aus- 
spriolit, duduruh bis zu einem Konzile unter den Gliedern 
des Keichs Gleichheit, Friedt- und Einigkeit zu bewuhren. 
Von den Sahramonten werden zwar dio beiden der Taufe und 
dm Abendmahls besonders betont, aber auch die übrigen 
iSugelaasen. Im Gottesdienst will man neben dem üubrauob 
der lateinischen Sprache auch die deutaube mehrfach zulassen. 
In Betreff des Lhicukelchs will man Kaiser und Papst bitten, 
daa Abeudmahl unter beiderlei Gestalt bis zu einem RonzÜ 



t) Prt«d«s>bat);, 8. SU ff. B*iik« IL 9. li)>. 
a) BaukB n, 8. SS3. Friadtotborg, 8. Sie IT. 



94 



Ente Biliidii1ab<i*tr«!iunK*B evitncttiuher SUnifa. 



XU ^rtatteo. Desgleichen «oll dem Kaiser TOTgesteUt werden, 
dab ea besser sei, den PrieHlem die Ehe freizagoben, FUr 
die Prediger wird die Norm wiederholt, daf« sie dag Oötte«- 
wort nach rechtem, wahrem Verutand und Auslegung der 
Lehrer, die von gemeiaer christlicher Kirohe aDgenommea, 
predigen *Boll«n. Hinaugofiigt wird aber beKcioltneDderweifte 
im evangelischen Sinne nooh: „Solirift mit Schrift uuslegend". 
Die Anoaten werden TenroTfea, die geistliche und weltliche 
GeriohlBbarkeit genau abgegrenzt in der Weise, dafs weltliobe 
Saehen ror den weltlichen, geiatliube vor den geistlichen 
Kchter gebären. ' 

Es läTst sich nicht besweifeln, daTs auch der grefie 
AuHHchurs '), wie er am 1- August sich konstituiert, Shnlicha 
vermittelnde Beschläese geformt haben wKrde. Duin wsreo 
defloitive. fiJr das ganae Hpich verbindliche Festsetzungen 
KU erwarten und damit die Einheit der Nation gerettet. Bb 
war ein Moment von unermefslicher Bedeutung. Nooh wXre 
«i möglich gewesen, den antoutimea BilrluDguu, die sSoh seit 
vorigem Jahre festgesetzt, Halt eu gebieten, allen BändniueD 
und Gegenbündnisaen den Boden zu entziehen. Ging diessr 
Augenblick unbeautst rorüher, so war nach Mensohon- 
ermessen die Spaltung der Nation für immer entscUieden. 

Dag furchtbare Verhängnis Deutschlands wollte, daf* «e 
abermals um seine schönsten Hofhiungen betrogen irurds — 
durch seinen Kaiier. 

Denn jetzt trat') Ferdinand mit der H ebenin strokti od, 
von der vir obfo gehört, vor die Stände. Darin sprach d«r 
Kaiser von seiner Absieht, nach Italien zu gehen und mit 
dem Papste ein allgemeines Konzil ku bereden, uro alle 
Ketzereien auszurotteii. Dann werde er auch ins Reiob 
kommen. Uittlerweile aber sollten die Stande nichts vor- 
nehmen, handeln oder he schlief sen, was dem ebri st liehen 
Glauben oder den GeeeUsen oder dem Herkommen der Kirche, 



1) Bank« II, S, 3GS IT. Friedantburg, 8, 366 tt. 
I) Baaka II, ft- Ui. Frlodombarg, I. c. 8. 369 ff. 



L 



>nM BMDilalibMtNba^ai «yansRliiehar »liail. 95 



ihrer Lahn, Ordnung, Zorvmonien nnd Qnbriluchon Abbrach 
thae. Bäi inm ConoQium unfaellig«', uhriaUiohe, huitindigti 
Jtnfoimutiou vorgeuommen, mUTste jeder Stand du Wornuur 
Edikt AusfUhreD. 

Uint«rli«tig wie Av- g*nze Verfahren mr, errege die»e 
Inatruktion d>«; gtöhtr AuiRolicn und Unwillen *). Vi«l« 
dacht«D Dofort den AetohBUg xu TorUitcn. 

Da traten am 4. August dia Stadt« abi'nnaU mit «ioor 
Eingabe hervor'), ausgeEeiehoet durch Klarheit und SnliifTfe 
der Uedaokän, yoUüberzeugungETolieii Mutes und eniTgiadier 
ZielbewuJJttheit- Du Anbriogen d«r Kommii.Mre bedeut« 
nicht» anderes, nl» dnfs dem Beiohatn^e verboten wird, so 
wenig TOD den Zeremonien der KiroliL' al« vom OUabon ab>a- 
weiolMn. Dos Wormser Edikt solle dem «otcprecbend in 
voDor Oültk-keit bestehen bleiben, bi« Eaiiiur und Popat oüt 
KonxU berufen werden. Oleiohvohl kann man dieimn B»- 
febles nicht noolikommen. Denn, wie aoboa za ITOrnberg 
«us^spTOchcn , das Womsor Edikt ist unauafülirbar. Da 
Budom Ratner und faptt in heftiger Fehde miteiDandor, ui 
ouob nicht abxuiohen, wann ein soluhes uJIgemeinoE KonsU 
suiiatameD treten kSone. Darum aei di» Initruktion aucb 
Dicht mehr Karla wahre Meinung, ku einer Zeit ausge- 
itellt *). wo or mit dem I'apat einig. Würde diT Kaiser 
Tom wahren 8tand der deut«ch«n Dingo unterrichet, ao würde 
die Bitte , unverKugliob ein PiDviiizielkonzil ein unberufen, 
gewifa otebt abgeHchUgeo werden. Zum mindeiteo mücne 
man durcli eine Qeaandtachaft Anaudiung thun, das Wonnser 
Kdikt bis zu einem Konzile ruhen hu lassen. Denn ohne 
die« wörde die Kühe in Dentscblaud nioht herzustellen sein. 

Dom atrikten kai»orlichon Befehl gegenüber, konnte die 
B«foimpart«i nicht mehr auf Beschliitne nach ihrem Sinne 
hoffen I die Gesandtaehaft an den Kaiser »cbiea das einxige 



t) PricdeiiiburK, .S. ST4. lUnk«, 3. HS, 

>) 1. o, ti. 804. VtTKliloliD >uoU Sank« H, 8. SS«. 

^ An 93. »«(*. 



96 



Ente BandaiabotlrobiiDtna OTUiselbchar Stlnda. 



Auekunftsmittel. Die Ousandtiicbaft war aber auch der kittho- 
lisohen I'artei recht, wail auf diese Weise allen BesohliitHtin 
zu guusten der Ueform vorgebeugt wurde. So einigte ntan 
sich echiiell. Der Ausschul's aooeptieitt den Vorschlag der 
Städto '] und stellte die Orutidsätze der Insliuktion auf. Die 
Kurien stimmten bei. 

Wio aber goIUü es im Reiche gehalten werden bis sum 
Zuaammes tritt des Eouzile, sei es nun eines ProvinziaUconäLe 
oder (^ines aUgemeineu ? Eeiae Partei konnte mehr hoffen, Ihr» 
Meinung durchzusetieeQ. So gfilf man zu jener Formel, welcbo 
die EurfUrsten bürzüoli angewendet. Mau beauhlof«, in den 
Dingen, welche deu Glauben und die tdrchlicheu Einrieb- 
tungen betTäfen, solle sich ein jeder Stand so verhaltea, 
wie er es vor Gott und dem Kaiser 3u verantworten dch 
getraue ^ ). 

Ks kam nun darauf an, den Wortlaut der lostruktioD 
festzuetellea. Der Entwurf wie er dem AiiaBohuTs vorgelegt 
Vuide ^), hat kurz folgenden Inhalt : Der Zwiespalt im 
Glauben und althergebrachten tlbungen sei durah dae Wormser 
Kdikt nicht su beseitigeD geweaen. Attf die durch den 
Kuser verbotene Speierer ') Versammlung sei die Empörung 
der Bauern gefolgt. Trotz der Niederwerfimg derselben sei 
auch jetst noch Zwiespalt, und nicht blofs unter den Uat«r- 
thanen, sondern auch unter den Obrigkeiten. Hier in Speier 
hüttoD dio Stände, obgleich der gemeine Mann mit solotwn 
Erwartungen auf diesen Beiohstiig geblickt , gleichwohl in 
Gehoreum gingen des EBisere Befehle von Beschlüsaen in 
Fragen des Glaubens und der Zeremonien abgesehen. Allein 
dieser Zustand sei ohne schwere Suhitdigung nicht aufrecht 
KU erhalten. Deshalb möge der Eaiaer in eigener Person 
nach Deutichland kommen, auch mit dem Papste innerhalb 
eines oder höchstens zweier Jahre ein gemeines treiee Koneü 



I) Kankn, a. *. O. PrSsdembarg, S. S8T IT. 

S] rrladoDiburg, S 3St. Bank«, 1. c 
3) F(>«deaibar)[, 8 SSt ff 

i) V«T«I. oben 8. 8 IF. 



Knie BUniliaibaitrsliaugoa avuigclUcb4r ÜHJlnd«. 



97 



in duaUchen Landen bowiiketi. Bntr«ffii An Wornunr Kdikts 
nfig« d«r Kai»ör Kiltle wallen laiten iler|;*t(t(J(, ä^* «r mit 
der Exskutiou uud VoUsireckus); der Strafen dos Ediltt< bii« 
Kof d«n B«eoblula des Konzil« gegea Niernftod h&ndsle, 
Boodero dtoee Kxekution Ton seinetvegen gnJtdif to Kühe 
■toUc. Die Stiind« liiitton verabradvt, «ioli bia dAhla >o xa 
Iwlten, wi« tia e« Kagen Gott und kuierlidia H&JMtät su tot» 
Butwortcu liofft«a. Ehe der Fried« im Innern nicht wirklich 
hergestellt, sei auf keine thAtkrftftiKe tJoteretUtsung gegen 
die Türken so denken. >' 

Wie TorJusxiKehen , w«r die Stelle das Wormier Kdikt 
botreffeod diejenige, wo die beiden Parteien uoohmals ihre 
Krüft« roaTsen ' ). Während die Keformpartei eine Fastunt;, 
velche direkt die Aufliebung des Edikt» forderte, dnrohzu- 
cetsen suchte, konctea die Oeiitlichen unmöglich eine solche 
sugcben, am liebsten hätten sie gesehen, wenn der gsnte 
hetreÖ'onde Pa&tue wegblieb. Zum Gluuk möliiigton aber die 
KTongcIisohL-u ihre Furderungun, ao dab suhliefutioli die vrste 
l'aasiiug von allen Ständen angenomroon wurde. 

Wegen dar Hdhe der Kosten ") beeclilors man nur einen 
Prälaten und (irafcin an die Spitze der Getan dtsubaft su 
etetlen; thnan waren r.wet Bäte beigegeben. So wurden 
beetinuBt der Doroprobit Uarquard von Stein, Graf Albreoht 
Tim Xanafeld, der Vikar Johann Fabii und Jakob Sturm. 
IiAtsterer lehnte nwar ab, allein die Städte hofften ^), seine 
Einwilligung doch noch zu erhalten. ImmOThin tnfen sie 
aber bereits in Spoior Vcrnbredungen, um eventuell einen 
Knatx für Sturm ku sahafTen *). 

Die Dauer der Gesandtschaft berechnete man auf sieben 



1] Ttrfl. Pti«d»nibarg, S. 8S9 It 

t) Prt*d*a*burg, S. 410 ff. 

8} V«rgl. I c 8. OB. Ann. VargL anofa udMd KspiMl IV. 

4) AnfhllaD niurig dMlialb, daCi dar Kanilv, obglaloh die StNdte am 
IS, luKukl dl* lillüidi) TDD äluima Wol)[craii|! nnlerrielitslen, f lolehwoht 
■m 17, Angiul bei Fruikrikb um «icliarat OaUIt auch (ür titonn bat. 
Wir wanlcQ iiilior labgii, wiia ilunut fOr WeltocUDgcn (otgMa, 

XIV. 7 



w 



Gut« Bllodii!sbB»tr«biiag<«n av«nB«Q>«lior StKods. 



Monate. Du gab, so sehr mui auoli die Konten eiiiKU- 
■cbrütilceD bemälit wu, durch Zehrungs-, Bolen-, V«ielimnf;i- 
gelder u. s. w. ein« Ausgabe von 10 600 Gul^eu. Sie 
soUteD duToh einen ,^iem1iotien gemeinen AnschUg" »ufge- 
bracht werden; bis Bum 1. Norembcr hatte ein jeder 8Uad 
seinen „gebührenden Anteil" in Speier „gawif»lich" xu er- 
legen'). War bii eud EintrefTen des fraazösisohen Gsleält 
nicht genug eingegangen, so lolllen <be Stüdte Niirob«rg und 
Augaburg das Fehlende TOtaticcken. Vom Eintrafft-o de» 
Geleitsbriefe« sollten die Mitglieder der Gesund teuhnlt sofort 
benachrichtigt und nach Speiet berufen irerden, um dort 
ihre Abfertigung zu erhalten '). 

Weiter wurde jetKt auch die T&rlieniraKe geregAlt*). 
WeeenÜiol) mit zu diesem Zwecke waren die Stände vom 
Kaiser nach Speier berufen worden. Aber lange Zeit war 
daiiir keine gtimraung am Beiohstnge, nicht bbfs wegen der 
bekannten grenzeniosen Zerfahrenheit der deiitHohen Dinge, 
sondern namentlich auch dethalb, weil die Stande tuer*t die 
religiöse Frage geregelt wissen wollten. Als aber die Nach- 
richten aus Ungarn immer trostioBer Inuteteo, erreicht« Fer- 
dinand endlich eine eilende Hilfe von Rwei Vierteln der 
Bomhilt'e =^ 10 000 Jfann. SohlierBlich ging man mit grofaem 
Eifer auf die Sache eiu^), aber zuleioh mit einer Dmstusdlidi- 
keit, die jede schleunige Unterstützung unmöglich machteu 

Von grfiistär Wichtigkeit war, wa» der Reichstag zur 
Herstellung und Sicherung des Friedena im Innera fMl- 
setisen würde. Eingehende Bestimm ua gen werden oinht 
getroffen — daEu fehlte es jetzt an der Zeit — es heifst 
nur, jeder aoUe „den andern mit Ehren und guten Treues j 
meinen ^), auch den zu Worms aufgerichteten Landirieden 
CBsti^Jich halten, also dnTi keiner den andern bekriege, 

1} N«a* Sunmlnng der RdiobMiliRuhiada, II, S. 374. 

I) Fried BDsb arg, Rsichttig von Spsler, S. 419, VsrfL Kap. IT. 

>) V«rg], Fri«d«n»butg, B. 410 ff 

4) Vatgl. L G. S. 4SS IT 

6) M<tM Saoiujliuis der BclcliiUgwbi.cb1«d«. T«U It, ti, Sit. 



Ent* BiUidnübutnljupg«!! c*«DgtlUcb*r £Uod«. 



99 



boiMib«, bhe, Ubetst»k0, b^lagar« oocli txiMihüdiKo odor 
■poliflTO, durch aioh «elbst od«r jum&ud ander«; duu «oU 
keiner dee andern J^'eind und B^BchadigeT <nth«lt«D noch 
Hili^ KaI oder Beistand erzeigen". Den UnterthuieD gegeu- 
über wird mäf^liolisle Uüde empfelileD, ,^Riit «io mobr QaaA 
und Gütig:keil, dauu die Scltüife und Diigoado ipttran". 
Wiederholten sich gleichwohl die KmpüruDgeD, lO soUeu tue 
Xachbam der bedrohten Obrigkeit 2a UiUe eilen. DiesoD 
leUten Piaeus nehToea die Städte nnr »uf „Hintenich- 
bring«]!" an '). 

B«io}i*regiffli'iil und KemmerKerioht wurden bit Miehaoli 
1627 neu bewilligt*), aber die Malttatt «olle ron jetxl an 
Speier sein. Kino Reihe der daraa «ich etuohlieCiendea 
Fragen konnte nicht mehr erledigt werden. Wtu gab 9« 
nicht euch sonst noch für unEuhlige Frngen und Fülie, Sos- 
stonstreitigkeit«a, Petitionen u. *. w. . . ! 

Keine derselbeu kann sich au BedeutBamkeit messen mit 
der Iteschwerdeschrift Ueriog Ulrichs Ton Württemberg. 
Bekanntlioh wer dieter durch den Suhwabi teilen Bund Tur- 
trieben '), sein Land aber auf dem Wormser Reichstag durob 
den Baiser auf Ferdinand übertragen worden. .Seine bis- 
herigen Yeriucbe, lein Stammland zurückzuerobern, waren 
trot« seiner Verbindung mit der Schweiz und Frankrtieh 
aÜfslungeD, ohne äai'^ er dariini solche PlAoe auch nur einen 
Aojsnbliok aufgegeben hätte. Verdacht waren ihm nnmeutltob 
worden*) die Beiiehungen sa den aufständischen Bauern. 
Da auf diesL-m Wege ohnehin nach Beendigung de« Bauern- 
krieges sunitchal nicht« eu erreichen war, ho ergriä' Ulrich jetxt 
die Gelegenheit, mit Hilfe der Fürsten zun Ziele su ge- 
langen. Der Sympathien des gemeinen Uannes blieb er ja 
ImmsT wegOD aeiner evangeliacben OesinDiingea Temichert. 



1) FriodaDiburg, S. 166. 
I) Ebondn S. (4«. 

S) V»T[l, Smiler, Gesclilchta doi lIor»o|{tuuiB WilrltoiiilurK untw 
den HenSgcii. Teil II. Heyd, tllrieh, Renuii xu WUrltambarg. Dil. X. 
i) Be>oed«ts von PhUipii *ou It«>Mu. 



100 



Erst« BüDduiübeKlnifauugau Bvftiigaliscliar SUEadn. 



Dabei hatte Ulriuh seine VeibiDdungen mit Frankreich 
keinen Augenblidk vemaoliläBaigt *). Wohl hatte FrDti;t I. mich 
den iJestimmungen des Madrider Friedens die BeKiahiingen 
zu ihm abbrechen und gegebenen Fallü sogar dem Kaiser 
gegen den Herzog Hilfe ieisten miisBen , allein Franz hielt 
weder diese nuuh die anderen Verspreobuogeu. Gleich uaoh 
seiner Freilassung steht or mit Dlrioh wieder in Verhand- 
lungen *). Er knüpft damit an Bespreobungen an, die Ulrich 
während des Königs GefaogeDsohoft mit der Begentin- Mutter 
gehabt halte und die dahin eielteu, duruh den Wiirttem berger 
Herzog und seine Freunde Ferdinand in die Uum^gliobkeit 
EU Tercetüen, «einen Bruder in Itaiieu von Deuttchinnd aua zu 
unteratiitKen. Diesem Zwecke diente auch jetzt das Aufrollen 
der „Württenibergisohi;n Frage". 

Der Zeitpunkt war gut gewählt. Frankreich hatte seineQ 
besonderen Gesandten in Speier ^), und dofs dieser, ea wenig 
wir bis jetst es im einzelneu konElatieren können, die alten 
BeziehuDgen mit den deutsoliGii StficdeD ^ptlegt, neue uieu- 
knüpfen gesucht, liegt in der Natur der Bache, Kur 2u 
günstig lagen die VerbältniBBe. Denn noch immer beschäf- 
tigte die römische Eönigawahl die Gemäter. Allerdings war 
die Frage wieder etwaK entfernter gerückt worden, woil es 
sieh schnell gezeigt hatte, dafs Karl V. sobald Spanien nicht 
Terlaseen und sich in Italien die Kaiserkrone w^de holen 
können. Auch hatte Karl seinen Bruder aufs dringendste 
ermahnt *), sunäohst die Baohe ruhen zu lassen , um dum 
Hause Ostorreioh nicht neue Unannehmlichkeiten zu erwecken. 
Und so war es in der That gelaogen, die Gegner in etwas su 
beruhigen und einzuschläfern. So meint« Kur^rst Ludwig 



■ 



1) Vergleiche Sattler, Geschiobte von Würtlemlierg. TaU U, 5. lit. 
1) nattUr, I. c 8. )B4. VergL sueli dort BoiUge Ho. Itt (»l)|«dr. 
in Teil Ul]. 

S) Tergl. Prlodeaibnrg, Speierer Beiohitig, B. HO, 
t) V<r|l. rriedeasburK, ä. Hl. 



Enk BUndnlabtsIrcbimicn a*«nf«liarhar SUnd« 



10) 



Ton der P&li im Mürz 1.S26 >), dsrkrtige B«fiirohtuQg«ii 
mit deT BegTündung abreisen tu kcinnen, der Kkit«r wärde 
Ferdinands Erhebung eelbst nicht wuntoficn, weil dnduroh 
eeine eigene Uaoht und Ansehen gesclimälerl würden. Auch 
Johann Ton SaohBen teilt« di«ee Anaioht. Andere flreilioh, 
■wie Philipp von HesBea ^), wollten daran nicht glauben. 
Am wenigsten aber hätten deihftlb die Bayern ihre Aaaprtkche 
nnd Pliine aufgegeben. 

Natttrlioh wurden sie darin bcatärlct und ant«ratätxt von 
«llen Feinden üaterreicbs, die ihren gansen Einfluf« in 
gunsten der bafriBchen Rivalen aufboten, ao der Spitse dar 
Faptt UDd der Eijoig von Frankreich. Da war denn Kooh 
die wärttambergiscbe Suche ein treffliohei Mittel, den Oegner 
und Nebenbuhler emp£ndlioh zu treffen. 

Sehr üu statten kam deoB, Herzog Ulrich feiner der 
Tmitaiid, dafe die Einigkeit im Soliwabiiohen Bund, welcher ja 
vorzugsweiee bei dieser Frage beteiligt war*), »ait einiger 
Zeit bedenkliche Bisse zeigte, ^enn achoo im Jahre l&3fl 
Philipp von Hessen nur mit Widerstreben *) seine BundoR'- 
pflichten bei HerEOg Ulrichs Einftül in Württemberg erfüllt 
hatte, wie vie) weniger konnte er jetat geneigt sein, WUrt- 
tenberg dem Hause OaterrEiich zu erhalten -''). Nicht blofs 
Verrat an seiner Blutsverwandtschaft wäre es ihm gewesen, 
»inh Abfall von seinem Glauben. Denn nicht nur die Uasse 
itt württembergi sehen Yolkes neigte gnm Bvaagelium "J, 



1} Am SS. UHra IftSQ Bolireibt Philipp tn Jahftau: Ludwig itclit dar 
irftil hklb, du kais. Msj, ganli auirider laiu iruTdo, wo Kg, Perdlbiad 
Bob. Kaaig «olt verileit. Dkh faels. Ht^. wurde on Zweifel bsdeiikaD, 
dM M irar Uaj. oIobd merglkben mbf&n in leutscber nadoa gepürcn moobt, 

S) Philipp t,bet]il> : Dorh tsl niclila rlHmuf tu liaucn 

3) Wail nr lur AufFochterhullung ilea aCatus quo veriiflicblel wir. 

t) Uarltbci niiletrlchloii vortchiedoBC AktenslUcka du Harburg. 
KUulurrhir], Abteilung WQitteinberg. 

t) Diwa ganie Pritga aoll elng«liuid in ■insm «pHtwan Kautel 
batiuidaJt werdaa. 

e) Uixfi, mricb, U, 8. IIS tt. 



im 



BnM BUDdnlibutroVnn^fi) mn^lJKlier SUoda. 



Kuoh HeriDg ülrioh ma mn eifrigor Bekennei geworden. 
D«r üegenRatz Philipp« gegen <lie kKtholiechen Tendonze^^ 
des Bundes war bereits so grof« '), d&ft Philipp oben in 
Speier «Ueo ErnsteB uns dem Bunde Duslteten wollte. Aber 
Üt ähnlichem Widersb^tl befanden siob »aah andere Glieder, 
wie namenfliob die Städte. ^B 

Endlich war die Sache Hersog ülriohe auch deshalb daff 
allgemeine Interesse zu erwecken geeignet, weil ein jeder SUnd 
darin sein „Ebenbild" sehen konnte ^). Der Kniser hatte seinei 
Zeit die Übertragung; WürttembergB auf FerdioaDd durchgeaetxt, 
aber ak kränkende Sohmalerung ihrer Rechte hatten et nofort 
die Fürsten empfunden. Biea Gefühl war nur immer inlen- 
sirer geworden, je mehr die Absichten der Brüder in poli- 
tiaoher wie religiöser Beziehung hervortraten. Will man 
wiuen , wie damals Füraten — und wahrlich nicht die 
«chleohtetton — die Lage auffiiriten , «o lese man jonoi 
Uemorandum ^), das Landgraf Philipp für den Eurfurtien 
TOS der Pfalü aufsetzte^). Es sollte diesen Hir aeine evu- 
gelischen Bunduispläne gewinnen. Da nber das religtÖM 
Moment bei Pfalzgraf Ludwig aUein nicht entsoheidend war, 
so ßbrte Philipp pclitisohe Erwägungen ins Feld, die, via 
er «nnehinen mofste, ihres Eindruckes nietit verfehlen 
würden. Die geistlichen KurfursteD, sagt er, würden, weil 
ihr Stand durch die religiöse Bewegung so nannigfoeli 
geföhrdet, leicht zu Yerletaungen ihrer kurftirsUicheii Prtro- 
gative in verleiten sein, wi^na sie dafür die Hilfe Stt- 
dinaiids als rSmiiohen KSnigs erlangten. Wegen besserenl 
Sohutscs von Hände! und Gewerbe würdou auch die SUdt«* 
■ich einem Erbköaig niobt ernstlich widersetien. D{ 




1) OU bdtreffoiidea AkcmatUcka Im Harburg. Q«b. StsaUanUn 
Duclbst IiuHuktion an s«iD«D CobbuiIMii Vu l)und(»t«g; du olSiicUa 
Bittgesuch an die älltnde, um dom Bund« eatlMaon lu irardoD «tu. 

i) Wis Honog [Ilridi In seiaar Scbrift uct. 

t) Am dtm Utri 15S6. 

4) Tei^eleh« Fried ansburR, Spalrsr Rakhaug, S. IM. 1>I. 



EnU DUadiii*bMtrnbDii|{iii «viumfilifoligr StüDcI«. 



103 



komme «■ den ireltli&heu Füraton xu, dio PrüroguÜT« des 
Eurf&nteii«mt«a und die Keoht« de* Furiit«nlumi uberb»upt 
zu TtxUädigen. Was damals, im Ms» 1626, gtüt, war kueh 
im Aogoat noch stichhaltig, 

Hit gTöfitem Naohdruck weist deshalb Miob die Klage- 
Bohrift') Herxog Ulrichs gerade aui dieien Punkt hin. Der 
Kftiser habe bei aeiner Krönung: geichworen, du£» ei eis«m 
jeden, wes St&odes er aei, zu dem verhelfen wolle, wks ihm 
ohne Becht mit Gewalt genommen wordeu. Femer hkbe der 
Kaiser Tersprocben, da« Reich eu mehrea. Statt dosien sei 
Wnrttemlierg, welches ein Lehen des Beichi, dem Ferdinand 
gegeben worden, am darauB ein Erbland ku roaehen. Damit 
würden also auch die Bei ohteinn ahmen geichmülurt. Wenn 
Bolebes unerhörtes Unrecht und Gewalt, ao man bei ihm 
gebraucht, nicht abgealelU ward«, so könnte jeder ermeRsen, 
wa^ mit der Zeit auch andern begegoea möchte. Denn wer 
wollte soletat Tor eotoben geBohviDden, ungetreuen Praktiken 
nchor soia, daTs mui ihn aioht «uob um Lftcd, Leute, Ebro, 
Iruib uud Gut bringen könnte ? „So dann ein Fiiratengeachlecht 
nach dem audern ausgetilgt und vertrieben und solche Lünder 
in «ine Hand kommen seilten, ist gut zu achten, dafs aus 
solobor flacht nichts andereit erfolgen möchte, denn dofs die 
Wahl einui rämiscben Kaieera, auoh die Freiheit der deutiohen 
Hatioa luil&te in eine erbliohc Begierung und ungewohnte 
fremde Dien stbarkeit gesogen werden." Höher als die Pflichten 
gegen den Sohwübi«ohen Bund und den Kai bot atehe die 
B«iob«pflioht. 

Mögm diese Vorstellungea Clrictis nnn auf franiösiBobe 
KinflÜsse mrUebzuftihren sein oder nicht, jedenfalls entsprechen 
sie Junen EinflUsterungen, die vorher und nachher die fm- 
tSsisohen Könige so oft den Deutschen zu Gemilte fährten. 
Uit gröfaerem Rechte fi'eilich selten. Denn die Art, wie 
Kftri V. über Württemberg verfugt hatte, wat ein Eingriff 



t) AbseAnukt bei Sattler, Qesati. waittjWb«v». 
St. 1». 



T«ll 3. ßaiUge 



104 



Erste BJiii(1nt>hlt<itre)iL)iig«ii «v^iigiilitchar SlKnil«. 



in die BeiohsverfMsung. Treffand wiei nuch Ulrich auf die 
Nachteile hin, die diesor „Unhrer de« deutichen RsiohB" 
doduTüh dem Reiche nugefiigl. Denn die ogterröichiRuhen 
Länder wareu eiiiaii?rt von allaa ReichsgeBctKen, also jel8t 
auch Württemberg. Dieses hatte deihalb auch — Clrioh 
kannte seine Deutschen, wenn er bo sonders diesen Punkt 
heryorhob — fortan m allen Reichsahgaben nicht mehr boi- 
xusteuem; demgemSfB ') blieben die Reichs ein nahmen 
entweder um so viel zurück, als Wlirttembergg Auteil betrug, 
Oller die audem Stande mufsten mit dafür aufkommen. Und 
zur Aufreohterhnitung dieses Zustandes soUten die Mitglieder 
des Sohwäbisohen Bundes Terpfliobtet iein ! 

Auf niemand mufaten solche Erwägungen gröfseren 
Eindruck machen als auf Landgraf Philipp. Verwand tsohaft, 
Statt desgefuhl, Glaube^), Politik"): Alles wies iiin darauf 
hin, die vUrttembergiaohe Frage fortan zxi der seinigen zu 
inaohen. Seine Bemühungen für die Bentitution Herzog 
UlriohB datiereii vom Speierer Boictiatog. Wir werden bald 
sahen, welche hervorragende Bolle sie in seinen evangelischen 
Bündnisbestrebungen spielte. 

Allein anderseits war der Augen bliek für Herzog 
Ulrichs Elagesofarift nicht günstig. Denn xa der Zeit, als 
flie in Speier eintraf*), war die TfaSdgheit des Heichstages 
durch die kaiserliche Klftusel jäh unterbrochen und ab- 
gesclinitten worden. Alles drängte zum Schlufs. Nur not- 
dürftig konnten die anabweisbaren Bedürfnisse noch geregelt 



i) Vergl. die Sl^Mchrift Ulridu. 

)) Ich vage iai Aagenblkk nicht lU «aticholdaD, ob dl« Änniorauf 
Philipps >U den ülmer Ga«*ndten : ..I.Uber, könnton mir m Wegs bringen, 
düfa er cmkHme; «r ial gut Aat üeni b^vangelj^* \a Atm Jithr 1586 (wie 
ilejd, Ulrich, II, S. 361 inniitiml, obsuso Will«, iMaägttf Ph!Ii|i|> und 
<)!• B«st<lati<>n etc.) oder nach 1S9S (wie es Kolm, Sohwlb. RaCoriiutlonii- 
Suchiehl« thal) Eabjirt. Icli inöcbta lio lieber nicb 1539 aetien. 

S'i tibi» din BadatitUDg der Wll[l(enihar|[, Such« vergl. Kiieli Bnuin- 
Sorten, Carl V Dd. !., S. »05 IT. 

4) Am lt. AoBod kam ■!• aur Verlunng, VarEl. FriedBiitbarg 
S, 46S. Anm. 3. 



EnU BSndn)s(iMtr*liuiiEni «rfinK«1iM.Iier SUn^e. 



im 



werden- Kb«D wnreii die Geister vegen Fegtatellung dett 
Vortlaal« der Instruktion für die tie«andt«ohBft ao den Kaiser 
aufmonndoT giplaUt: oienintid könnt« in dieaem Uoment 
ZtA% und Stimmung fät die wnTtU:mbi.''rgi>ebe Fnge hoben. 

D« ward Ulrich ungeduldig lud warf no«hmB)ii ein 
Schreibc-n nach Speier '), Es klin^noch sehr riet ungedUmsr 
all das erste. Nachdem er noehmiils über die Verge«alü];ung 
^der Recht und Billigkeit, die »r bisher erEahren. geklagt, 
droht er den Stünden geradezu , er wrde , venn man ihn 
abermals recht- und hilflos liefsc, »onst etwas thun, <mt er 
„kaiderlioher Msjoetät und dem h«iligeu Reich, auch sieh 
■elbel EU Ehren und Gutem lieber umgehen und remutden" 
niSchi«. Am 27. A-Ugust ward ihm von den StJtnden geant- 
wortet, man habe seine Schrift dem Erzherzog übergeben. 
Zwischen hier und Weihnaohten solle vr vom Regiment 
Bescheid erhallen. 

So TJel war klar, Ferdinand würde freiwillig Wiirttem- 
b(Tf nicht herausgeben. Das bezeugte auuh »eine Antwort 
niif eine Vorstellung der Eurftirsten') TOn Trier, Köln, Pfalz 
und des Landgrafen cu guntten Ulrichs, dafs er diesem eine 
„üiemlioho" Pension geben wolle, wenn er auf sein Herzogtum 
veniehte. Da also nur im Zwange der Not von Ferdinand 
elwas zu erreichen war, so setzte Ulrich seine Verbindungen 
mit Frankreich fort '). Die Naohriohten, welche er Über die am 
Reichstage herrsohenden Stimmungen und Strömungen erhalten 
hatte, müssen derartig gewichtig gewesen sein, dafs er sieh 
einO pereSnliche Begegnung mit Franz I. erbat*). Augen- 



1) Von lt. Augiut. Abgedr. bsj Bnttlei. ft. a. O. No. 130. 

S) SatlUr, Teil II, S. tns. mjä, I ... II, S. SSI. 

5) VcrgL Battler, ßeiU^ No. IIB aum «waiton T«tl, angahKiigl an 
T.U lU. 

4} Wi« anii dar Antwort von Piaoi t. mm 15. Sept. birvorgoht. IHtt 
kueh äit rfimitcli« KBiiigswahl Im S|>iAl4 »nr, tnji:i1il4 ich m» d«r 
^epluiUii V*ibJn<]ang mit dem Kurflrslan von SdcIudii falgern. (AsKlar, 
1. t,. O.). Auf 'liii*en itbar richtete Ulrich »In Anganmsrk wegoQ den 
rDU(in*sii Oogcnnklses %a Fardinaad. 



106 



Ente UaadnUbearrbangeii o*anc*IlK&tT fl1l«io. 



Mheinlio)) hoift« Clridt kuob dio romisofa« Küaigswnhl fUr 
Miine ZvMke bmatJiea su kÖDaeo. Zi^erU dud auch xunüclui 
Fruia I' noch, ant Cliichs Plane «injcugelien, die •pSter« KnU 
viok«luDg der württ«mbergi>cbeo Fnga war Torgei«iohn«t. — 

Watia naa sieht, vi« Landgnf Fhilipp mit »olteBsr 
Seveglicbkeit und Eoergie dei Geistes jede Oelo^nheit 
erspäht und benutzt, wo er der katholischen Reaktion «nt- 
gegeotreteu uud dem KTuigelJuiii Crei« Bahn machen kann, 
110 wild man «ich nicht wundem, daf» er norh auf dem 
tage abermals auf seine VerbinduDg mit den Stödtoo vÜtZ 
EntEohiedenheit eurüokksra. Seine ^öhereo Liebes Werbungen 
um Nornberg waren zwar ciuht no genommen worden^ 
aber soweit war dieses ihm doeh entgegengekommen , daft^ 
es aolohe Antr&ge nicht mehr einfooh surnckwiee. Hatte 
man dann doch auch in dem gemeinsamen Kampfo gegen i 
kathoUscbc Partei sich immerniehr geoShert '). Ein günstiger' 
Ifement konnte ihr Böndnie ad hoc an einem dnnerndeD 
mulion. 

Für jeden, der aufmerksftm dem Verlauf de« Bdebt- 
ta^ea gefolgt ist, kann e» keinem Zweifel unterliegen, 
dafs diese enteoheidende Stunde in den ersten August- 
tagen gesohlagen hatte, als Ferdinand durch die berühmt« 
Klausel alle Wünsche und HoäiiungeD, alle Arbeit und Be- : 
ttxebuogeu dee Beichstages mit einem Schlage au yereiteln 
Bobien. In der ersten Bosturaung und Cnwillen argumen- 
tierte man, nur die Geistlicheo könnten daran schuld ssiaji 
man furchtet« wohl gar Anwendung ron Gewalt. Pioser 
Augenblick muTste benützt werden. Es galt, das Eisen ku 
schmieden, so lange es heifs war. 

Auf den Bund mit den Städten legle Philipp von Hessen 
auch deshalb *o grofses Oowioht, weil, wie er in jenem Gut- 
achten (Ur Pfalsgraf Ludwig vom HÜri es ausspricht'), nur 
auf diese Weise den absolutistischen Absichten der habi- 



t) Vwsl. ob« S. SO. 
a) s. obsn 8. 101. 



Bnl* BUiuhiUtiMtnbangrn aTiinfanKbar Altnita. 



lOT 



burgifohcn Brndor wirlaftm xu begu^^on «ai. Dnt Fall d«fl 
Horxog* ülridi roa Württemberg, detHco Beaohwerdesclirift 
ebvn damal*') in ßpeier eintraf, hatte ja allen Ständen des 
Raich» diese letsten Ziele enth&lli. Richtig erkannte Philipp, 
daTa nur du ETangelium im »IadiI« tia, FUrsten und Stiidte 
in »iD«ni gemein «amdn Buude eu rereimgen *). Und hatton 
niobt die Stadt« durcJi ihr gunzes bisheriges Verlmlten, 
boMnders auch durch ilire kühne Eingabe vom 4. August 
bewiesen, dafs sie alleiett fest uad treu die Fahne des Uvan- 
geliums hochhalten wiirden? 

So beriefen denn am Abend des 13. Angnst') die Ver- 
bündeun von Ootba die Gesandton der Bttfdte KtraTsbarg, 
Augsburg und Nömberg au sich in tbra Herborge. Per- 
>!>nUcli, in Gegenwert ihrer Kamcier, trugen sie ihnen mn 

LBUndnis an, in der Weise, dafs man sich mm Rchutie de* 

'l^vangeliumi gegtfnseilJg gegen jeden , der sie angreifen 
würde, ausgenommen kaiserliohe Majestät, En Hilfe kommen 
WoUö *). 

K( kann keinem Zweifel unterliegen, dal^ der „Verstand", 
wie man ihn hier Torsoblug "), identisch ist mit dem Oothaec 

tSflndnis. Einen Portsohritt zeigt er aber darin, dafs man jetzt 
die Gegner fester und bestimmter in« Auge faCat; ausgenommen 
ist allein nooh der Kaiser. Gegen diesen sollte der Bund nicht 
leQten, weit man ja noch immer von der Miktion beherrscht war, 

^der Kaiser werde, da ei noch nie wahrhaftigen Berieht über die 



I] Mjid boichle, dih si« mi 11. Aagiut sDr Varloiung ksm; dil^ 
\An dcfVifstban IS, Atignst die Pbratoo dia StJMlc zu aicli eulholeii. 

1) Ualä auch jelil widdar Phillpii dia Anregung gib, mit deu Stadt»» 
als« enger« VerblDdung unnknilpren, btHoiasu salno «igenbEodigsD XoU 
■akhnniigcn iui Wilm. ßes.-Atchiv ; Ilcin zam dritten wäre gal, dm «Ir 
in *JB T«nitiuit Olli den Metten kaman, das' wir wniien, wu wir uns su 
varaabao hetco, «aiin e» lu «luom unfrled kerne. 

$> Baako U, 8. 165. Friede utbutic. S. IGT. 

t) VJrok. Pohl Korr, t, 8tn.ftburg, No. 4», 

S) leb IB-^I« dia» auch kU* der Kewung der Oadenkea, «I« sla BDI 
der fiarlelit des Sttafsburgor OesuidlcD übwUorart, folgem. 



loe 



Grat! BIlndDiaijftlfebnnEon «TUTigclltvhar Sliindc. 



d«atBPbeD Dinge erbalt«!), di« Bsstrobungen dor „Oeistliohen und 
ihres Anhaiiges" nioht billigen. Eben deabolb «nllie jotit die 
Oetandtsohaft an ihn naob Spanien abgeben. Obne dieM Klausel j 
vären die Städte such nie und uinimer zu geviDiiun geweaeof 

Die Fürsten hatten noch gebeten, auch Ulm und Fnuik' 
fürt io das Geheinmis zu ziehen. Auf Grund ihrer gemein' 
eamen BeTatuDgen ') aotworteten dann die Gesandten, sie 
Tollten den Antrag nach Heuee berichten; deno su Ver- 
handlungen mit den Fürsten hiltten sie, da tie allein auf das 
Anescbreiben zum Beichstag instruiert, keinen BefehL Da- 
mit waren Jobann und Philipp einverstanden, lilnn versprach, 
sich noch, die ganze Angelegenheit absolut geheim eu halten. 

Die Gesandten berichteten darauf nnoh Hause, anschei* 
BMtd — wie es die eTaDgeliaohen Fürsten nicht anders 
erwartet — in gleichem Sinne, indem sie ihre Meinung dahia 
ausBpruchen , es verde nach der Lage der Dinge nicht 
geraten sein , die Sache einfach abzulehnen. Wenn man 
auch nicht gleich einen „Verstand" mit ihnen mache •), so 
konnte man sich doch eine weiter« Verhandlung gefallen 
iMBen, bis man sähe, wie sieb die Dinge nach Schlnb des 
Beichstages anlietsen. So argumentieren die StraTsbarger, 
und selbst die allezeit ängstlichen Frankfurter ^) meinen, 
der Vorsofalag der Fürsten könne m 6 glich erweise der Stadt 
zu grofsem Nutsen gereiehen. 



1] Vfigi. den Bericht der StriTsburger bsi Vlrok Nr. «IS. In gleleber 
WeisD Lericbten die Frankfarter duUbar nach Hsui. SI. Anglist. Im 
Prankt. St.-ArchlT. 

i) Virck, 1. c. 

3) Im baugtea Schteibon vom 21. Angast! Bernff, ^nxttgan linrra, 
roofen E. W. du bcdoDckon u, biiraUclil«|[«ii, wiillnn do bcy nllt lisrEeo. 
du wir fanbou b^i gDin«It«n n*r ■lutliin >,ttn vy\ abornamon, das btlllg 
dl« an multung in «in bedacht gaiiommen werde und dun aasEang dlnsiu 
Teicbstagt und wie er sirb «ndan woiK prwurltiMi. Dan lu wiJ Hieb iIqi^ 
IDiuBt^n AU dr4(fctt, dh» w^r beiurgflU wot ix^Hclinii mag der prächtig 
(^pmklik] n'irh Aa niyll: d<e t;aliillieh(tn ycliundor uinbicebsn u. steh be- 
flaiuen. Uorhalb ttnod ei drolf, du sollch n^llnl^h«n imd ntlgaiig E. f. 
W> and g«in«itier slatl an pDwem nali reichsa mocht«. 



Erete BSuiIuiubMlnbuiigeii «vuif^tincbcr SUnda, (Q9 

Die AotwoTteD der stJtd tischen Uagiatrate hat Philipp wohl 
nicht mehr abgewartet. Kb« de sümmtliub oiiig»troff«D «aiii 
konnten'), war er uDerwortet und heimlich bei Nacht abga- 
reiat'). Seine personliche Anwesenheit war ja auch nieht mehr 
«rforderlieh. Die ReioltstagsTorlagen waren (;lUuUich unter 
Dftoli und Fach gebraobt. die Instruktion für die GeBaodtaohaft 
JtetgeMtit; was sonst etwa zu erUdigea war, trat vor andsro 
Pflichten zurück >). Und wna apeziell die VerhandluDgan 
mit den Städten betraf, et> kannte er ihre Gesinnung und 
Q«e&bäft8gaiig genug, um %a wiisen, duTs in 8pcier die An- 
gelegenheit nicht zum AbaDhlufa gebracht werden konnte. 
Auch für die Wahrung de» OeheimnisseB *) wiur es zweck- 
dicsUcber, wenn die weiteren Besprechungen durch die KAte 
»tattfaodett. Am 26. August rerlieb auch Kurfürst Joh&nu 
S|>eier. 

Die Uagistrate Terkonnteo nun keineswegs di* Bedeutung 
der ftiratltchen Antrüge. Uereita um 26. August ') Ingen ihre 
Itrfehle den Oeafindlen wieder vor. Nur Frankfurt hatte 
noch XU keiner ErldUruug sich entsohliersen können, soJafs ihre 
Boten abermale um Antwort bitten mufsten*^). Im Wesent- 



1) Di« SO'a&li. Geiuidten berichuti an 16. Aun Dia Antwort da* 
Hata »t osdatioil Die EDlmhaiiliing iea. Nilrnliorg. KhU int vom :!C Aug. 
Fnuikrart baltg Kich Hm 2^ nocli okht ei'kUil, Zudem vtordnii die 
Sudtibotcn DUt tut nnch gemeinsamer Bflsprechniig Ihre IsitrulitlDnon 
den POrstaii iiill|t«teill huben. Vergl. S. 110. 

9> Am Sl. Aagutt, Vergl. Frte'leniibiu-g, S, HO. 

3) Kaljen niidsra Angclogetilieileii. die KtiodeuibQrg (S. 400 Aom, 1) 
nniiTl, war Ol. »le icb anaehineii niiithlc, auoli illa HUrttomliErgiaulia 
mc", <!>• ilm fartlrieb. Woia Bonat äiv« nbaolule Oebeimhulten seiuar 
Abr^a? Woaa dioe bniinliche Entreriiuiig bei Kachl, von weuigen 
DiMSem bagltdteC. wena nicht ein besDCdcra wichtiges uoJ gaflUirlicboa 
OeaeUUt T«Ha|rt Cnd Ai-h Philipp danudii mit ganicc äaela der Sache 
Piricba aleh hingab, wurde uheu ^-sieigt. 

«) DI« POnun hallr^ii diaa gUicb aofingA b«tant. Au«b die Strafh. 
borge« nn4 Ptinkfurter legton du gräCslo Gewivlit dacaur. 

&) Am IS. AuRUsl boilchlflti die FrimkCuTliir Oe«atidt«ii von d«u ola- 
g^troflenaa Anlwurten der andern riui Sittdta. FrauliC. Ül.-Arcb. 

«) An M, AnguK. 



110 



Ente BllndaUbutr«buii|C«a CTkOKeUsclkeT SttmU. 



2 



liehen atimnit«!! dio erhftlteneD Weisungen überein ■); man 
vollto die ADgelegenlioit arhÜDpig lisaen. bb mau siüie, 
weloben Verlauf die Dinge, aIm zunächst die GettuidUohftft 
lueh Spauien «n den Kaiser, nehmen iriirdeo. Die Verhand- 
luugea durften also foitgef&hrt weiden; mun konnte sie }• 
Jeden Augmblick abbrechen, wenn die Lage sich wieder 
günstiger gestiiltete. j^unächat freilich erachien diese so 
vnist, dofs auch die bodai^hteniiiereti KtMte Scheu trugen, 
dii: Annäherung der Fürateu einfacli surtiokzu weisen. 

Kühner war StraftburKs Stellung'). Die angetrageni 
Verbindung zu gegenseitigim Schutz und Hilfeleiatang h&ttA| 
fUr sie so wenig Schreckhaftea , dafs sie ihre Gosiiodt 
beauftragten, die Fürsten um näheTe Uitteilung su bittoQr] 
„wie und welcher Oeilalt" sie ihr liundnis au/aurichleal 
gedächten. Bindende BeHohlüsse durften sie natürlich sieht 
fassen, eondern muTeten erst allea wieder nach Hause boriohteD. 

Im richtigen Oeliihl aber, diife man damit leicht weiter 
ging als die anderen Stadt«'''), sollten ibre OeMndtdo sich 
Euvor mit denuu yon Nürnberg, Augsburg, Ulm und Frank- 
furt berc^d«n. Stimmtan die emp£tngenen Instruktionen Ub«C- 
ein, so durften üe entsprechend vorgi-tten. Im aDdvm FrUj 
aber sollten sie sich gemeiosum besprechen und ihren EdU' 
mUuTs nach BtroTeburg melden. Vor Eintreffen eines abai^ 
maligen Befehls ihrerseits müfaten dano die ITnterfasiDdlungen 
mit den Fürsten unterbkiben. 

Auch Nürnberg nuhm entschiedener Stellung, indem es 
•i^ort eine Zusammeakunft'*), um du das Weitere KU be- 
nproohen, in Aussicht nahm. Das war der Punkt, we ein* 
Einigung su ersieleo war. Verzichtete StraTsburg auf sofor- 



1) Wla dl« PTukrnrUr am IS.Augut h»riclit»n: Also Dsmlidt, itm 
nlt sbgcichUftDH wirds, luadcr da« kngch«Dckl plelb aUa bjr» das* die 
bolaeksft, di« in li«i«. Mi^. Ton ralcbatcndcn in Hüpanian vemdaes, 
widdw siilisjm* khom und <rau do uibsodlfttt wardl ss «nrarthea. 

S) Ver^t. Vltok, Pol, Korr. Ne.ATS. 

aj Stisnda. 

«) ysigL rrUdBosburg, a. 4S9. Aom. 1. 



Ent* BBod nlUiottrobmgtn •rane«tiicb«r SUnd*. ]X1 

lige eingelieode VerhaiidlaiigeD, iio konnte mun lieh auf diMor 
Baus Terstäadigen, da auch die Woi«uii};6ti der andern SUidto 
dem nicht wideTapraclieD. Sa kam man übereio '), kommande 
fasten n MM zu veiterer Baspreohung mit den FUr&iea aiull 
in Frnnlcfart eiaxuäDdeo. Ris Weihnachten «ollta jede Stadt 
itiTO definitive Erkliirutig, ob mo nii dieser Konferoiut t«il- 
nelimea wollte oder nicht, bei dem Frankfurter ]IürgvraBi>tt>r 
Holsbauseu abgegeben huben. 

Kin aonSlierod «icherea Beaultat war also auch jotst 
nodb nicht erreicht. Aber durfte mau denn fUr den Attgen- 
blioi mehr erwarten ? Ein direktes Zeugoia, «ie Philipp 
▼on HoMon, die Soelo ilioio« BündnltMü mit den Städten, 
deren Antwort aufgenommen, haben wir nicht. Wolil aber 
bezeigen indirekte, dab er darum keinesweg» am >chUef«- 
liühen Gelingen seiner Pläne verzweifelte']. Mit der ganten 
Kocrgio seine« Wesens bat er in folgendem Jahre , nie wir 
noch sehen werden, die Verhandlungen wieder aufgonommon 
uod naoH «einem betten Vermögen cu einem glücklichen 
Ende tu föhren geeuuht. Der Schwierigkeiten, Fursien uod 
SUdte in einem Bunde sii Temnigen, war er tioh tob tori- 
bertio bewußt. Und dafs die alten, in der Natur der Sache 
liegenden Qegeiiaütze auch jetxt noch Torhanden waren, hatten 
4ie Beratungeii am Beiohstage ^) mehr, als dem allgomeinon 



1) Sa beriahtSD lUa EVaukrarisr liereiii «m SS. Auguit: Aaob dw 
tUk fantll* tUU undac »dan uod in twulT kuinnn, <Ur von au lat- 
adiUgwi, <ru loDaU b«r In lu than icig. habsn diu mslilat iu di« 
biteo mui Kcs Pntikfiirt Ei'lai'lil, diitelUal iDin bequem licliilon badaolit 
dar TOD aa r^dan. — Vargl. »tm«iitUcIi llnüaito XU, tovU Kitp. V, 

S) iMtt doch aach KOinborg dii llcil* hoffao, ^ ichrleb Krer* 
■n 8. Oktober IBM: no will ich nuiih c«rn fuiitam. ilw 'Iimii Iviileo 
g(*omen abtcluad dai vantiaudi liall> xu S|)«lr, dar «u slun yadcu ga- 
I*g«D]i«iC ptult lit, «0 «9 dlo leit erreichen ward , mit Bei» nach- 
gagaagaa warda. Ori^. im Marburg, 8t.-Arch, Verul Kap. V. 

I) Ter|[l. Meoe SammluiiK d«i Reiclisabsrbiedc II. 3. 178. Kachdom 
die HMIoaoliaD uad groate ÖcoalUcbaJ'leii eiiiB oigflanUtaJ|{e and unloid. 
lieh» haaidhinc — ao loll der kajn. Fiaiwl Eegan dauaolbi|[cn — aruaüleli 
procadlraa. Vargl. auah FnadaDaburt, B. ISO. 



112 



Etite BündoltbaiilTebuiigiiii avuigollicliat Sttodc. 



evangeliBctieQ QUudois ISrderliuk loin kannte, gnxMgl. Du war 
es in der That ein Gennnu, wenn die Städte doch nicht 
mehr alle ADDäherungaversucbe der t'ünten .abwieMU uud 
üoli in Verhandlungen aber einen „Vei^tand" einsulauen 
bereit finden liel'een. 

Zu dieaem Bunde, wie ihn eich der Lmiidgmf yontoUl«, 
gehörten voriiehmlioh aber nuuh Filralen. riiiÜpp veraüurote 
deshdlb niitht, die Uelegenliuit de« Reiokitages zu beniitxeD, 
um aueh unter ihnen UitgÜedt^r für sein Bilndnia ku gewinnen. 
Auf den Kiii;füi'0t«u von Intt halte er früher wohl geTe<ohn*t> 
Jet^t gab er diese Hoffnung auf. Denn nicht nor die kirch- 
liche Stellung Kichards von tJretfieuklau , auch seino poli- 
tieehe Haltung, die ihn frieden mit dem KaiAtr, von dein 
er sogar eine PenHion annahm, machen UerM '), hielten jhu 
auf Seiten der Gegner fest. 

Drb konnte aber Dicht ohne Rückwirkung auf dio 
Stellung LurIvrigB Ton der FfuJz bleiben. Ee war äugen- 
HoheinliDh, dafs die Pfulz seit Anfang äat Jsbrea ihre bia- 
berige oppOBitioseUe Stellung mehr uud mehr aufgab uud 
sich dem Kaiser wieder eu nähern suohte. Eine gewisse 
Uaent^ohiedenheit, dio alle Konflikte nm liebsten Tormied, 
kam hinEu. Gleichwohl hatte Philipp nicht geruht, bald «t&r- 
misoher, bald Torsichiiger und ruhiger dem Kurfürsten sugtsetxt. 
IVotz aller üblen Erfahrungen dachte er auch jetzt noch den 
einllur*reichen Eurfürstea für seine Plane zu gewinnen. Die 
Bedeutung Beines Übertritts wnr ja uoTerkeoubai. FmtÖn- 
liuh bestanden die iniinisten Beziehungen nwtBr^hoii beiden 
Fürvteu. Auch lieft Ludwigs Verhalten auf dem R«ioh«ta^ 
den Oeistlichen ') gegenüber, wo er stets auf Seite der Hefoim 



1) Vvrgl. Bucliallt. FordiDiind L, DL No. 3. S. G. Der Vtrtni« 
Ulli«!» vvu Sjwinr, I. Juli. Aiuij[aoan>niBn alnd roui TrJartr nur PbU- 
graf Ludwig und Londgrkt Phillii)). Vargl. Frlad«uitliuril B. 14t. 

i) Uai Text lial dkfUr lieielu ßaDUgDudo llowtJiB gelKKclil. B*- 
laioliiiviid ist [srDflr, da(> Philipp in oiKenbUndiKflii AufiaichDUageo uu 
den etiUu Augusltagau (iiuvL Biikiuiat|;iila der NaliBiiiiiittrukti«ii) In «la«m 



Bnle Baiidtibb«s(t«buiigcD evangotitcbu' Suiiita. ]|3 

(rrcchieD, daa B«»te hoffen *). Aber abm-mikl« tüuRubl« er 

Philipp« Erwartungen, 

UmHOWoniger mochte Lndwig einen derartigen enteohei* 

dendun Schritt tragen, als lein Üruder Friedrich, ohne den 

er uiohta tbat, TOn seioeT Bcisa naoli Spanien nur noch 
kftJMTlicher gesinnt, ale er oa schon früher war, xuriiok- 
luhrto*). Genag, als Landgraf Philipp ihm perRSnlicli *) 
du Buodni* antrug, antwortete er, «s sei ihm aus manoher- 
lei Uraacheji beschwer lieh, zur Zeit in solche Dingo nah ma- 
Bulassen. Lieben« würdig, wie er war, suhlug er Philipp die Vor- 
Itindung nicht rundveg ab, nur xur Zeit am ai« ibm onrnSgUoti. 
und Pliilipp, saBguinisoh wie immer, gab auch in der 
I'oIgMoil seine HofEauugoii nicht uuf. Znit und tielegenheit 

konnten ja den KuifUnteo UKiHtiiamen. In welcher Weise 

»ie sich Philipp nutzbar*} zu maeheu suchte, tollen din 

xpiäteiBn Untfir&ucbungen dnrthiin. 



«rilAii Panht ichrcibt; Item int iii licmtBi^hlaAiMi, ob ei gu[ tcf du 
du pfaffcu aiiltUic d«ii sie an Menti gemactil hubon wider «lln wdIIÜcIiii 
ulsrkolt dun Mond«ii tr*ltti(ih«n t^nlcu und Ijvttoliartcn nnd >totti)ii an- 
luutgcn sei, vrit äea die« oüicb boUehaftnu fUr gel UDebnii, <l«r mUB, 
«D uch di« Hch im nusäi^hnrä ttoläcu wird. df. man ci d«i macEojrgo. 

t) Am 14- Augiiht berifl&n Jnhnitn und Philip^j d^nhiklli «itfc Koti- 
Tfrcni, »a der uoch KurWrsl Lndwlg v«ti lUir Pfui» iiod <1«m«ii Bruder, di* 
Markgrafen Philipp und Ktaet von Biid«ii iiiid M&rkgrnf KMimir galadea 
wuod; Gvgaiisland iiirer Semloiig waren ili* Raschwerdcu |(»^n die 
OeUtUchkcil. — Vargl. nucli Friedenirburg, S. *07. Auiu. — Äuth dienn 
SusannDCDkuiift g*ecli*li anf InitiAIivl^ Philip[ja, wie seino eigenhiindig«!! 
Aabaioliiinngaa banolisii. S. variga Anin, 

f) TtaJ erit kurz rot Ende des Keicbjilagi in Spakr da. Siiba 
Frisdaosbarc 8. 4 SB. 

3) Aut ainam Briaf* Ludwigs aii Fliitipp lu ersalieu. vom 16. August 
l&ST- Orlg. Uu-bnig«r SUaisnrchiv. äeucn io khoiiieD ivreival. E. I., 
IriitQa oocb in ftiachsr gedcchtnua woHiiher nissscn uff o. 1. d«r|[lniciivM 
IQ Joiig*! Btbaltaneai reicli^Uga lu Spelar ans aucb vou a. t beseboeu 
SMnDtua Wir nas gtgta K. t.. peooullcliaii uad maadcliehfn variicmen 
inian, das aiu anu loancbec bsndt unaohDii bMcliworlirbun, doid i]<irb 
iw Ȇt in dioM diug tu bogubnii. 

A> Museaülch die wUrctvmbtrgUcbo Fr«g« andila Philipp ia dioHT 
W«iM tu banfilasn. 

XIV. 8 



m 



libastrebnng«a avaogeliaolitr SÜDde. ],X3 

hoffen *). Aber abermals täaaohte er 
Igen. 

mochte Ludwig einen derartigen entechei- 

i iragen, bIb Bein Bmder Friedrich, ohne den 

von leiner Beise naob Spanien nur noch 

iant, als er es sohon früher -war, zurüok- 

lug, als Landgraf Philipp ihm periönlioh ^) 

itrog, antwoTtete er, es sei ihm auB manoher- 

obwerlioh, zur Zeit in solche Dinge sich eia- 

iBwürdig, wie er war, aohlug er Philipp die Yer- 

idveg ab, nur zur Zeit sei sie ihm uamöglich. 

Ipp, Banguinisoh wie immer, gab auoh in der 

HoffDungen nicht auf. Zeit und Qelegenheit 

Kurfürsten umstimmen. In welcher Weise 

pp nutzbar *) zu machen suchte, aoUen die 

ichungen darthnn. 

'eibt: It«m ist ed beratschlagen, ob ea gut süj das 
den sie zu Hentz gemacht haben wider alle weltliche 
iden weltlichen Fürsten uad botschsften uad atetteo ac- 
den dies etljch botschaften tur gut Ansehen, der mass^ 
im ausschafs stolsen wird, cU^ man e» dan anczejge. 
ngast beriefen JohauD und Philipp deshalb eine Kon- 
:b KorfÜrat Ladwig von der Pfalz und dessen Brnder, die 
Ipp und Ernst von Baden und U arkgraf Kasimir geladen 
d ihrer BeratBog waren die Beschwerden gegen die 
Vergl. auch Friedenaburg, S. lOT. Anm. — Auch diese 
J geschah auf Iniliatlve Philipps, wie seine ägeah£ndigen 

beweisen, S. vorige Anm- 
ut karz vor Ende des Reichstags in Speier ein. Siehe 
* . iSB. 

' lem Briefe Ludwigs an Philipp £□ ersehen, vom 16. August 

t illaiharger Staatsarchiv. Setzen in kheinen iwcivel, B. L. 

it frischer gedechtnua wcUicher massen uff e, 1. dergleichen 

lAuiUnem reichstage zu Speiet nns auch von e. 1. heschoen 

kl lUiS gegen E. L. personlichen und mundtlicben vornemen 

^hni aus mancher handt Ursachen beschwerlichen, udds noch 

■a ding zu hegeben. 

lieh die wUrttembergische Frage suchte Philipp In dieser 



8 



l\2 Ente BUiidiii*bcsli«buiig«n ov«>K«liwhei Stiud«, 

eraiigeli sehen Bfiodois förderlicli sein konnte, fexeigl. Da vrsr 
BB in der Tlint ein Gewinn, venn die StÜdtc doch nieht 
metir olle ATitiiiherungaTeriuiihe lior PUnten nbwioMin uud 
■ioti in Terliandlungen über einun „Verstand" eiuRuljuifteii 
bereit finden liefäen. 

Zu diesem Bunde, wie ihn siob der Landgraf vorstellle, 
gehlirt«n vomehmlioh aber auuh Für«leii. Philipp TOraKamto 
deshulb nicht, die Uelegenheit des BeiohslogeE zu benutzen, 
um auch unt«r ihnen Uilglieder t&r sein Bündnii hu gewinnen. 
Auf den KurfdrEteu Ton Trier hatte er früher wohl gereuhnftt. 
•Tt:Uit gab er diese Hoffnung auf. IVenn nicht nur die kirch- 
liche Stellung Riufaards von (Jreiffeuklau, auch seine poli- 
tische Haltung, die ihn Frieden mit dem Kaiser, von dem 
er eoger eine Pension annahm, miLohen liefii <), hielton ihn 
auf Seiten der Uegner fest. 

Dns konnte aber nicht ohne Rückwirkung auf die 
Stellung LuilwigB von der Ffule bleiben. Es war augen- 
scheinlich, dafs die Pfnlz seit Anfang des Jahiea ihre bis- 
herige oppositionelle Stellung mehr und mehr aufgab und 
lieh dem Kaiser wieder zu nSheni suchte. Kine kotiru 
Unentaohiedenheit, die alle Konflikte uto liebsten vermied, 
kam liiuzu. Ok-iohwoM hatte Philipp nicht gerulit, bald stUf- 
mischer, bald Torsichtiger und ruhiger dem Kurfürsten sugcsetzt. 
lYotz oller üblen Erfahrungen dachte er nui:h jetzt noch den 
ei eBuf «reichen Kurfürsten für seine PtSae lu gewinnen. Die 
Bedeutung seines Übertritts war ja unverkennbai. Pertöu- 
lioh bestanden die iniimsten Beitiehungen iwisohen beides 
Fürttou. Auch lieTs Ludwigs VerhaUeu auf dem Reiohata(e 
den GeictlichoD *) gegenUber, wo er etete auf Seite der Ueforv 



I) Vprgl. Bucholt«, FenJblLnil I.. IX. Nn. 3. S. 6. D«t Vtrlnf 
lnulcle von Spekr. 1, Juli. Au>gauoiiiui«ii tliid voui Trl«r«r iiiu Pbli- 
graf Ludwig und liniidgiiif Philipp. Vorffl. Priodsniburg H. 14S. 

1) Der Toil hu (IsfUr bcreiti SBeUgcnds Uowaiio gebracht. Ba- 
■«lebiMad iit r«ni*r, Ault Philipii in (dgsahtodiyta Anr«ti<bBU(ig«ii an« 
il«n erBtci] Augiullag«n {iiaoti UelunnlgRbe ilei HaboulnslnikUoii} In einen 



RmU Ililnila!iib*>lrolnin)[oii a*u)g«l[]Mb*r &ltofc. U3 

cr^cliieii, du Bo*I« hoffen '). Aber Bbormali t&u^te er 
Pliilipps Enff-BrluiiKOD 

Umaoweoiser mocht« Ludwig einen derartigen entechcä- 

denden Schritt wag«u, ol» Hin Itrudcr J-'riedrich, ohoo den 

er niohte Uuiti TOn uincr ftci«e naoli Spanion nur nouh 

kaiserlicher gMindt, ■!■ ar oa »cbon früher war, luriick- 

kehit«'). Genug, &U Landgnf Philipp ihm penSnlicb '') 

das BiiadDÜ antnif, aiitwort»te er, es sei ihm «na mancher- 

lei Uraachf« benchwerlich, zur Zeit in totohe Dinge *ich ein- 

siilassen. Liebcas würdig, wie er war, luhlug er Philipp die Ver- 

liindung nicht rundweg ab, nur zur Zeit »ei sie ihm unmifgUcJi. 

und Philipp, sanguinisch wiv immer, gab auch in der 

Folgezeit «oine Hofl'nungon nieht auf. Zeit und Geiegvnheit 

konnten ja den Kurfürtton umstimmon. In welcher Weine 

■ie sich Philipp nutzbar*) zu nacheu snshte, loUeD die 

«{i&teren Unteisuclmogeu darthun. 



mtCD Punkt schreibt t ll*m ist tu bL'rnttchlkKiii, ob « eal nr-y ■)>■ 
itt {i&ir*ii uiMlag don »Sc ta Uonti gcinncht batieu wldcr >Ue wollUcbii 
bsrktlt d«a alcaden «dtliihon FUislan lind UiibinlisrtiMi niid «UIliMi sn- 
dK«a •*•> vi« d«n difs ttlicih baurl>a(1«ii dir ^ul uiiahati. dor oiua, 
DO Hieb dt« KUh im >u»vliar> iMlteu irirdi div ntn at dui kaoejrR*. 
1) Am 14. AuKQit bcritfen Johann und Pbilip|i dMdislb dn« Kon- 
n>, *u Aer liosh Kaiflrtt liadifiK von dar I'fiilt und dauon Rrudnr, dU 
kgrafse Philipp und Uniit von Bkd«a und Uirkirraf Kaümlr goladm 
vareu) Oegtniund ihrer Borelung «ar*u <1i« HMehw«rdM K«csn die 
^MtlUehkaii. — V«tsl- lucb Vrladetuburf, S. iOI. Auin. — Auch dtese 
•mm«skaiiit gMcbali t.of tnliintivc Pliilipps. wie sBinc riKMihÄndig«» 
ng«n bsircRMu. S, rnril» Aain- 
t) Traf *r*[ kun vor End« doa Kolthiiap in Sptler de. Siehe 
r|ad«albiire S. IbB. 

a) Aui elnam Wnh Ludwiics nn Pliillpli lu ctusheii. vam lt. ADgiuC 
t6SI. OriK. Hurburpr HlUbtHnhiv. Seilen In kbcincn iweival. T. X.. 
U»g«A noch la frixhcr pdctbtnua wcUicbor mutüKn uff «, I. darglclcbcn 
•a langst jnknllauD rtichsU«« «u S)i(>i«r um siicb von •- I bsielieca 
■aSiBIMa Wir Uli) gas«» K l.. pctHOiitlchan und muadtlicbm runianiMi 
ImMM, 4ai niu ans* miincher buidt uiMcbsn bascIiwnrlirhFn, iiiiiii noch 
nr mIi In dUsa disg lu bafaban. 

4) NuMOtKclt dl* wllntambwf Ucho Frag« lanbta Pbttipp in ditsar 
Wais« lu benlltieu- 

XIV. 8 



114 ^1^" BUDdi>'iiil>«lxBbuiie<ii avangollDchar Stund«. 

1 'Was aber dinict nicht 211 erreiolien yrmi, das kun 
vielleicht auf Umwegen h'rbeigeführt werdeu. Deshslb 
schlug Philipp ') dem Kurfaraten Johann vor, dos Büitilnis 
mit der Tfalz, von welchem früher die Rodi- geweaeo war, 
wieder auF'^UDehinen und zum Abiuhluri sa briagon. £e w»r 
diks ein Biindnis Kum Sohiitze des Landfriedens, wie es Ki 
viele ähnliche ]|;ab, wie ob früher auch «chon zwiach«u dar 
P&lz und Friedrich dem Weisen beaUuden hatte. Di» Vor- 
haudluDgen begannen ganz am Knde *) des R^ichttiigaa^ 1 
wickelten aich aber viel langAamer ab, als maa ursprttD^iflh 
gedaolkt. Lange noch uaQb Schluf« dva Beichstags korre- 
spondierte man, bis endlich am 12. November 1A3fi>) der 
Vertrag untersteiahnet werden konnte. Die lelzlo Abüoht, 
die Philipp und mit ihm Johann duruh dies Bizndxiii orzieUo 
wollten, war allerdinga nicht erreicht worden. Denn «s 
kann keinem Zweifel *} unterliegen, dal's diese dui«b dem 



l) In J«n«n oigschKiiillgop AuficichniuiiicD Pblllppi , dU aloh In 
WtItD. 0*a, - Aichiv flndun , Uiitet Aer Ulatu Pkssun i ilem >a berat' 
schlBiion ■!"* (UI wart, du der kuifumt *u l^m^tiaKii mit PhUk <lio ayonnc 
•11* >i« TsrEcliubt hkben. uA^lDbU 

Ül Ani b. 8fptnDb(r Iftttt sohtolbl Johuin aa PbUippl wir hnban 
jangM e. I. uigeiutgt. wl« wir uoi mit uii>. vattarii pfiilxKriif t.iiJwi|t«ii 
Cliarf. <i. uuch pfKltttrslen FrlcdcHcbca utiwrred dos vontDDiuo* hulb«), 
»a uiitar brud«r feiiger g«b*lit und tlu ir« llebdea lotjch vorttentBui sil 
aaa lu Toroewsn Ki»>'<%t. M«>b. St.-Arch'iv. Orlg. 

3) Du Orieiuil im WoIpl ODL-ArchW B«g. V. hi. 81. B. Kti V. «■ 
Dms BUtidoi» toll 10 Jübrii Knlton. Prilii!>9i^br>rBoits litiä aui^iitficiinnuli 
der hciligs VtUr 4ei Pn|»l, dor Kaiimr, dur äubwSbiicbc Huud nie. 

4) In litio^elb'n Briof« vom 6. Saptombfr : wir bab«ii «liM darK«K«a 
in kliiaii Hiligkel GlKlidie irnrt, wi4 e. 1. hlameben tu beflodtn. («CD 
Uiaen. — Phltipfi mäga diai praluii uud nuina Ausicbl luitleiltn, „nb dar 
Uiind*) dai gollicb wort biUvITenl. etwa dargmtnlt fi%-lith uiic darain fDoebl 
g«briLcbb und (teiogeii werden*'. Kia lisiliegdiidBr ZetMl hat an* diaM 
fracllvbon Wonu erbsllcat >>■ laaMa (vorhergeht: bafogte tioh aneb, da* 
UM« vsttrrn von if «Ibit — oder uagitulKl tecbleiu) ..odei unvnhon tr«t 
uitwordt die tvlu linb vor rnlniB(^hvr kfis. Mi^j- Chartaratan fontoD oad 
»Uud« dvs reiuiis oder irer JV^. rngimanl im («ich in tban |[nai|{l oad 
«rbutig «alii «rurd«". 



Ente BflnduUbcalrtbcLngaii «TDiB^UMtar tltHiflil 



115 



.. 



Graglichen Vertrag den Ptälxcr auch in Sachen du Ernn- 
geliums ^«rpHicfatQn wollten, iraingleich ia mdglichst hum- 
loter und unschuldiger Form. KnrfiirBt Ludwig und Pftli- 
graf Friftdricb wu-eii ab«T auf ihrer Hut '), und Johann 
BuTat« auf alle sein« TerscMage verliebten. Oleichwolil 
v&r dies BUndniB kein Uirsorfolg. Eine oühere Verbindang 
Kwisohcn Bacillen nnd Pfats — - die umsomohr i^u bedeuten 
llatte, all bereits früher auch Hennen mit Prabi eine selche 
gMObloeeen — war damit bekräftigt und besiegelt. 

In Speier erhielten die Uothaor VerbÜutieten auch noch 
die ersten') günstigen ffachrielitnn iiboT die Aufoahme ihrer 
Antrüge bei Hersog Allirecht von l'reufeen. Alle« in allem 
genomoieii ') var der Speierer Reichstag für sie uuuli in 
ihMn BUndnisbettrebuDgeD von Terhcdr^ungsToUem Erfolg. 
Ni«ht alle Hoffnungen waren in Erfüllung gegangen. Allein 



I) Wie Jobann In bcia^m Kchrtiban uintii*!, MLttsii „d«rliitlbi>ii ilire 
Li«bdea Tl«r imihfn li«it«i|[k i-niK'iniiii \ bo können wir Aarli nicht visaoD, 
ob if* I-Ubdou diinlii nlllieen wnrdaii". Nodi woiiticir K""'iK( Würnii dis 
PSUsor die Woru „vis sichan m urami''. die Johano „gern dabej eoLiabt 
IjNIU", lUlufeHalMo. Auf alle disM WOnirlia lnlll'^tg Jaliun nr- 
licIiMa. üttseiltlian muTite ar fcrati . dab dl« Pfilur den giuueii 
Scbw&biKbta Bund aUDnuhmOD. Ebcndu. 
S) Vflig;!. obeu S. 66. 

>) Wie weit Philipp Ia Üpeiar auch mii indorn hf(t^undet«n und ilim 
Erangaliam xaoelteDdni rätttaa VerhaDdlongen Dbar Kiiiiri» in ein «vati- 
(tlisclMS BUndui» iC4ptl<iiiCii, vntiioht t-»ih miicr'^r KcniilDli. Zo elnom 
ilufi kun itiiLu Jdduuffüli nicbt. KH->lEUir tdu tirit»d«ntjur|[ st) wniiit;, 
Harkgiif rhlUtip von Itaden gingen lo ciitadilcdenei' Puioliialimc 
, SO uhr li« iai illirinon rüfonofrumiillicli wutm. (VoieI oben S. 113. 
an. t}, Fflr ertUrftii In avin Krlif* buU. Ptudigt «Ic, dao ar nach 
'frekihaning mit «einem LuidUii* as-ch doni Spelonr ReiehBUc etlleb, 
iiand. Ve>Kl> voa dor Lilh. EilKnteranK der Bvrnniiatitiiii>hi>iutle 
176 B. — DaTi auch Plillip)) vun Uadeu auf keia Bandiiii eingiog 
igt ela GnUchten »luor Kilo, in dom nk Ihm riilen. noch einp Zeil das 
ÜialUramt au bclinll«n (reriil. d«n R«iciiDi)iuriier KpitiUnlai; Kaji. VI), 
wall e> dadnicli bniin Kaimr Uiiifliib tiaban warilK „iiacli dem e. f pi- 
lUut Ia kslnem bund, Tsrsland oder eynung begfiTan". !I. Oklobei 1517. 
Karlsraher OanaralloadeS'Arcbtr. 



tl(i Erste BUndii!il>e*tteliangen cvBugcllMh«r SU»dct 

was üah hi«r niehl erreiolicii lieb — die Uagilftbiirser 
VcrBmuiulung hatte ja. geviisoTia&tt-eji die Hauptsache vorweg 
gcaommea — das acUieu eine uioht zu ferne Zukunft zu 
Terheir»eii. Worauf «a Tor «llcm ankam, die VerbioduDg 
mit drD Städteu ersohieu ihn-r Vi-rwirklibliuos um ein «rliob- 
lichenStiiuk Daher gcbraulit. Uud waa für Aussichteo erireckt« 
BonBt der ganse VerUaf der Beiohiiagshftndlung ! So fr«i, 
»0 unerBcbrocken und keok wnr noch nuf Wiitim ReichriAgn 
gegen die Geidliclikeit, *ntat Piipil und Biavliüfen, gerodet 
worden '). Die Beformpartei hatte allseit das übergewiohl 
betinuptot. Das Evangelium war eine Haoht geworden, mit 
der Freund und Feind mi rechnen hatte. 

Sie ksiEerliche Klausel uoterbrauh diesen hoffiiungaToUen 
Verlauf. A.bemiiJa griff der Kniier ruuk la die Eotwitklnog 
der deutauhen Singe ein. Xur mit Mübe uod Dnludt wurden 
noch die uuerlär^lichsteu Uaferegelu fästgesetxt. MskD eilt« 
fort VOD einom Beiobstage, der nbernials die Sehnsucht der 
Deu(«chen nicht erfüllt, Am 27. Äugu«t war der Ab*obi«d 
angenommea '). 

St^it einer endgültigen Euischeidung in der brannendatftD 
Tiftg« der Nation, in der Ulaubenssache, hatte der Beiohstag 
difl Boitimmung getroften . jeder solle m so halten , wie er 
ee gegen Gott und kaiserliche MajestSt su Terantworteo 
gedenke. OewiMermafaeu aus Verlegenheit entstanden and 
Ugonommen, war diese Formel gleiohwohl nur dahiu lu *er- 
etelun, dafs man einfach den atatua quo anerkenoeo , in 
keiner Weite aber der Hntscheidung des Kociilt Toigreifen 
wollte. Zugleich freilich gab die TJnbestimmÜieit der FuMong 
HU jener Auslegung, welche sie bald auf eTangeliacher Seite 
empfing, dio Handliabon. Man hatte die Unmöglichkeit 
gefühlt, sich auf einem fester umgrenzten Standpunkt tu 
aiaigen. In dieser Unklarheit wat man genötigt, su ver- 



1) aaoka H, B. IBl. 

t) VtrgL Ksaa Sammlung d*r RDioliubwhied« D, S. ISO. 



KnU Bfin dnihbrilisbuiiEnn ■raucalitcbar Sünde. lyj 

hamn , voil oine stiirfcere U«tonunf[ d«r einen oder der 
andani Auffiuaung, der katboüsuben oder d«r evan- 
gelieoheD, eofort zu den grüfsten Eotiflikleu liSlte Ttiliroii 
Bl&SMt). SitTor (cheute mmn mrüok aiid rerziobtete auf 
«ine bestimmte, einlieitUufae Itegelung der QUabouafinige. 
]>ea einzelneD TenitorialgewaUeD blieb <^s ÜborUsson. die 
Xntsoheidung zu treffen. Yoti der knlholiitclien Majorität 
var die Klausel geviJÄ nicht eo gemoint, wie sie später 
von den ETan^liechen ausgelegt wurde ; diese baben sie sicher 
unpriiDglicb nicht so aufgefafat, wie sie es bald that^n')! 
aber die Berechtigung ru solcher Aunlogung gab ihnen eben 
der TOD den Ständen ausgesproohene Verzicht auf bessere 
Interpretation. Moralisoh hielten die F. van gelischen sieh erst 
llt lu ihrer Anwendung berechtigt, als sie von Anfang 
an diese ganze Frage als Oewiasensfrage, wn allein Gott und 
sein Evaageliiiui /a unteitheideu, aufgel'aTnt und betont lintten. 
Bechtlioh endlich waren sie dazu befugt, als die Gegenpartei 
tdic VorBassetsuDg: des gnozeii Reichsta^eubsobiodo« nicht 
erfüllte, icdem sie die einheitlich boschlosiene GeüKDdtBObaft 
an den Kaiaer hintertrieb und kr Fall bracht«. 



IV. 

Sohloksale der Ocsandtacbaft an den Kaiser. Der 
Elblinger Fürstentag. 

Das ontacheidende Ergebnis des Spcierer Reidistage war 
die Oesnadtaebaft. des Beichs an doii Etuser. 

Wir iahen , aus welchen Ursachen die Oosandtsobaft 
aash SpaDien vorgeschlagen und besohloKsen wurde. In der 



• J) Doch Terfildche man Jene« slihsiBcho OulacliteDi belr. die Reichs- 
fiauidlicbaft an <<«» Ridter iFtiflduisbui'g, S. 108). Hier wird in*ii dar 
WiolitiKkxit j«ii«t Klnu9d Tollkummen gerecht. -Auch MBrkjrraf Kuimlr 
erktniil* lU (). v. & 4Üt. Amn 9). KudElrli kimi u« wulil koinaa 
Aoftecbllck tweifaihuß »ein , dab fhiliii]! ven Ucnea Ibro Ttagwita 
(Iure hB»h «Uta. 



US 



Enta Bttii<Iui>IicBl rebusgcoi gvKUg«IÜG}iiT Stund«. 



she n ] 



Unmögliohkoit zwiBchen den Beformbeatrebungvn doi Reich»* 
t&gM und der NebenklauBcl Carla V. eine Einigung her* 
Kustelleo, erschien oU einnger AuRweg eine GeBaadlaobaft 
au deti Kaiser. Maa hoffle durch Darlegung der Verhält- 
nitse im Bei oh dem Kniier die Angea su öffnen und 
«0 Kiir Aufgabe seiner biBherJgen Haltung xu T4rmOg«n. 
Der Oeilaoke war weaecitliuli auf Seite dar BTangitlineben 
gefoTst UDd befüi'wertet wordea, weil aie noch immftt 
nahmen, der Kaiser sei duroh Beine Umgebung and w 
heitsvidrige Berichte der OeiBllichcn und ihre« Anhang! 
über Deutschland falsch berichtet. Kiner wählen Darlegung 
dei t^aolilage würde er eich unmöglich TeTauhlierac-u könuim. 
Zunächst war dii/sem Gedankengang der Evan gel i scheu eine 
gL'WiBBe Berechtigung nicht abzusprcohcD. Daher denn auch 
seit Friedewald ' ) der Gedanke dieser Gesandtschaft nicht 
ihren Bt^ ratungen Terseli windet. 

Alles kam nun darauf an, daTs die Gesandtschaft auch 
wirklich ihren Zweck erreichte, dnfB der Kniser in Wahrheit 
Ton der Lage der deutsohea Dinge genau unlerrichtot wurdi 
Auf erangeliiaher Seite fürobtete mac eofort pfSf&nulta Vi 
triebe. Nürnberg^) wird nicht müde seinen Gesandten atn 
Keiohstag einzuschärfen , was dabei auf Passung dor 
struktion, Wahl der Mitglieder, Verhinderung aller Qegi 
Wirkungen der Geiatliuben ankomme. Die ichliefslich 
genommeae Fassung der lostruktioa ist ihm nicht ei 



UCII 

1^ 






1) Vsrgl, a. 83. 

t) Schun uu 14. August Hlirollil et, m- anl varBuMUSehori govciln 
d>fi bei d«r Ab^isung dor IriitraklloD dar eine Toll B»in«n aondrrn 
Vorteil »Dclisn wUrile Vargl. CriediiiaLurKr KoirlKliiK vuu fipotor, H. 
Aam. t. Anob am 10. August mahnt ta, nuf der llgt ta saio, dk 
nicht *ri»m kNnne, ob diu Aussiobt nof dis Oflaaiidliohftft nicbl blors 
KGdor ttai. JnÜoufHUH iiiür^tnji );<jnit(nflti3 Mftiiiitfr nuiarj^nhiia wurdim- 
Vergl. »iidonaliurg, ü 39tt. Auiu. 3, — Am 14. Aauual: und will 
nochin«!« im dem, wnt iiernODfu gBardnel «erdeu mUsd. iiit WDuig 
legca etc. MQrnb. Kreli-Arcliiv. 



drrn 
1 «i^^ 



Eni* BiuuluüljwUtbungaD •T>Dg«liwibcr Ständo. 



119 



schieden genug '). Zufriodencr konnte es mit dem ürgebuia 
der Wahl der Gwuidtea »uln: Sturm um:) Mnniifold w»reD 
nicht nut tUcbtige, sondern &tidi treu evau£<tlisutiii Uiuiucr, 
aebAD denen Uarquaid von Steia und t'abii an Bedeutuug 
nicbt aufknmtDcii koonteii. Zum gröl'sten Leidtreseu nllcr 
Kviingelisclieii lebnte aber Jakob Sturm üb, beruiti in Spcior'). 
80 Buhi nun aocli die StMtti wünsubteu und boüteu, Sturm'« 
Widerstand nu besiegen, sie zogen doch »ohou in Speier*) 
die andere UCiglicbkeit in AeuhDung. Ihr Kandidat vw 
dann Arnold von Siegen aus Köln. 

LuwiBobeu trafen ilie Beiobsbeliürdon die uäti)((iu Uafii> 
iregelu, um dem Abschied entBin-eclieud die OuatiudtituluLft ab- 
Euiigen zu können. Da diese bei der Orofse der lleive und da- 
durch, dafa ihr Weg durch dm faiudliohe Frankreich ging und 
im Winter nngttreten werden mulste, liesondurn kostspielig zu 
Verden drahl«, ächiieb dae Begiuieot eine Beiobssteuer aus, <Üu 
bäs zum All erh eilige utag in Speier hioterlogt werden sollte^). 



I) Und mir matn Biihtant «ol ran nStsn, dia Instniktlon xd koli. 
11, DÜI rinacii innrnru niiai'lKiu uud dArlhiin la aMIUu {[iiTiaat, — KinUicIi 
Hi «nriliul, dtfi NUroboig ftucb lofott ad Minen GuanillBn un apftiilitliou 
Hof. Mich. KAden. BChriib Udd ihm nuflrnj;, „SaUBiit aulinerkeu lU habsn, 
«b oH, 4iFttfin Aij^yiiueo (dvt G^nndt^olmf^) ^MH'iUl>r, hvy kvy^^ MhJ. wm 
piaclioirt imrdc". Küinberg ui Kiulna . IS. Sc|>iiiinl>ei. Mliitber;^! 
Xr«U-Ar«lur. 

S) t^rboii am SS. Auf^il wnr dui ätiinltii von titurmi W<ii|[triiU|! 
KoauluL) gogeboD wordiUi irenngJoiflb oitt dein ZusBli, tje boflUn iliii nguli 
UnutiauDM lu kJjnoen, 

t) Am 38. Jtugusi nwlirere Bdefe dar StldM I) an HlraTabursi >ia 
üoIIUd Stann tac AdorIiui« beiragen. Anlvinrt h\s tnsn Msttlieuiug imcli 
Clin. S) nn KÜIii, us diök» Sie|{sii dia Baiao erliubeu, lullt Sturm 
dtfisiliv ablehne, i) Ui Nürubetg. — Sc^liriobcii diosc drsi riindla uli, ho 
•oJl* Olm dia SUdle Aug^bntt;. Nilrnbetg und Nflrd linken ■"»'b NArd- 
Eogca luiHinDXiiiiwIitaiban, um sich Qbar dne geelgiieta l*anJiniicbI(ait ta 
«antlndtKon. NUrnb. Kralt-Aruhir. 

4) Vergi. obca S, tS. OÜ, Ansiut Kaiaarliabai AaMahr(il>an 1} be- 
InSlind TUrkan>t*u*r, I) liiitrlR*ii<) Oaa BiiUtucliift i>*cli äpHuion, 3) ba- 
Mffand KanunorgorlchL — Nu'idam lau. Fuolit :l e»tbU, «-«»buib iliu 
GcaaudUcbaft bMcUvwan, haust «■: and dlwöl anff «olah bottebaft In 



120 



Ercte BKncliiitbe»trthiiiiitaii ttanialitchar ifrtilnd«. 



Der Kftnzler *) Albreobt von Mninn «uohto bei Fronkroit 
lim »iolicres Oeleit nauli, ollerdiug? für Sturm, Albrc«ht vd 
Munsfeld, Muquard von Augsburg ucd Job. F&bri. 

Allee echion so gündtigen Fortgang zu nehmon, Stnrm 
blieb zwar fest'] und ielinte definitiv th, dafür wor *ber 
Arnold V. Siegen ^) bereit tiDKutreton. MitTisfeld bkt'4 noch 
einen der Uteinisubeii Sprache kundigi'n Be(;Ieiter genruQBcht. 
Durch MelancUthon'» Bemühungen*) gelang es endlich, Ca- 
merariug in Nürnberg frei zu mnchoD. Auch daa transö- 
sischo Geleit^), vom 1. Oktober auf -1 Monate ausgeiteUt, 
traf Ende des Uonats ") in der Mainzer Kanzlei «)u. Da, 
alij mau annehmeQ konnte, daT» die Oesandtschaft abgehen 
wurde'), erhielt diese piötzUcb Torlndung nach Er>liiigea ^), 
um dort abgefertigt zu werden. Was war geeobeheit? Was 



betracbtung ferne iIcs wega g«1e|;etilieit dar Undsclutt aach HofBi 
winterlivhec tei\ ui( eiii gering darlegen und ci»t gi.hiit und auvh altO rin 
gemeiner nnacliUg >uf ermelte ChuTf. tbril, nnd ilende fui gut aogBiahcn 
und gotDucbt, alaa diiss ata yeder »in gubureiidi aiitliel) deshalb iwUfihan 
yeci und »llerheiligenue liinder burgerm. uud tat dor ststl epeler gewUU(ih 
wiegen )oll tlc. Aus Kfiiliii|;eii Fraiikf. Sinilt-Arcliiv. 

1) Aid ZT. Auguit. Aus Spei«r. Verg] Friodsnbliurg, 8.410. jtEiti«rkiui|[. 

S] Am 19. Septoinber ISS6 bedauert NUrntiorg Stinl'iibDrg gegcnDber 
BivmJB AbJelmuiig Nflrnli Kr.-Arebiv, 

S) KOtu an Clm : Bliebe -Sluria b«i selnet Wslgaruag, tu «Dnl« 
Kitin im IntereGio der Boche und lur F6rd«rniig der WlodnhorMollBag 
d«T Oliubeoseinbeil Arnold von tüegeu liew*g*n , ijglt jn in LtgWiitu 
nnnllime 1636 Sept. !9. Ant Kölner Budt-ArcblT. 

1) Am 30, Seijlembet leiU lÜFS Meluiiclithon dum Curnararlaa mU. 
BreUiOinelder t, 8S3, Nr. 408. Oi< weiteren BemQliun^n UflluicLUiaUI 
liehe bei Brettchnoidei I. So. 408. U3. 4U. 

tt) Auigeitellt in Bogencinoe. Str. St.-Archlv. 

G) Am I. Sorembsr Kanzler Allirecbl von Hi)ui an Jak, Starm : 
Getloiu spKt sei du baniUtUche Qetoit eingetragen. Am Atchafleoli' 
Kölner 9udt-ArcbiT. 

1) Vüt H Taitan wHrd« Hanireld nicht anfbrecboo, teil rinbc Hol 
tboD an Camerarli» am Sl. Okt. BretAcliuelder 1, So. 414. 

8) Am 1. Novooiber Kardinal AlbrM'lit vnii Maini •□ Slurm: 
OeMndtxcliaft ■olln in KblinKea abgerciilgt >fgidnii, nu »iob Slurm 
1. Doenber «dnandcn n£ge. /^nllgend lur BeUa Tarticretlet. 



4 



rlaa mÜ. 
acbüiou» J 




Krito BflnilnIi>bii>tr«bnBg*ii avkDgallanlKr SUnil*. ^21 

sollt« dtcte Verzö;;Bniiig, du doch r.a Spainr kll*« fostgesotel, 
die iDstruktion beaahlosteii und böMegelt word«n war? Evui- 
getucherseiU ^) Bah man darin wieder niubts kIh pfiffflKiho 
Umtricbo. Hatte nrnii gleich anfang« befüiohtet. die Geist- 
lichen vürden durch Nebeniofitrnktionen oder soDitige Liateti 
den Erfolg durchkreuzen, so regt« sich jetst der Argwohn, 
daTs mab wototigHcIi die Inetruktloo Teriindcm odtr die 
OeaandUchaft gar hintartreiben woUe. Yertriiuen erweckend 
WftT wnbrlicb die Sache oicht^). 

Nach Erslingen and auf dea 1. Dosember forderte mnn 

die Gesandte ohaft, veil dort um dieio Zeit ein Fürsteotng 

Ubgshalten wenden sollte. lu diio neb«n den sechs EiirnirBtcn, 

gemSfa der UegimeatBordaung, 2wÖlf geiBtliche und tveltlicho 

l*"«»!«!! berufen wurdeo. „Die merhlicheti, das heilige reich 

höchlich betrefTeudeD Soclien", welche lur Änsotzung dieoea 

Togee führten, waren die bedrohlicheu Nnohrichten aU! üngara. 

Wohl hatte man in Speier Bchlieriiliob beHoliloBsen , dem 

Unig TOn Ungarn mit 10 000 Mann zu Hilfe zu kommen, 

ler«D HaujiUeute uuoh Kofort ernaoot wurden ; xogloioh war 

eine Gesandtschaft behufa genauerer Yerabredung mit dam 

^ingarischeD König abg^ardnet worden^}. Aber foeiüeh, die Er- 

«igaiaee hattoa nicht gewartet, bis diese eaunuelige Art ier 



1} Mfimberg tu StraTabDre : Del Dsfelil des KuiiltirR ■■! «ufoit an 
SIegtn in uhicken. Dh» wir sind eodsC sorgfeltig. dia b» den erb. lUtton 
i^ijs nLlprUy li&t vrtdarvr«rtigHii (»ractii^H £u Iiolieiu uuibtlioil rnichnu machl. 
»arnb. Kicii-Atubiv. 

8) iat ID. Novcmbtr Klelelifalla sin. Bclirstben KUrnbarem an Uuisfald. 
T^t ibm dis Vorladuuit iiiuli Krallngca luit. KGiiDiin ^leifhirohl nit 
b«d*ackaa, n* dosb imieie gaci, livrrn die Churf. fnrsun, so itxo nuf 
dta 1. Deo. In EUlioifon oiakoinun eglteu. verurtacbt — von iivu«oi xu 
EbliDKen lu f«rli|[«ii, diwail dauli die lartiguiig aar dem rtjuhatng lu 
Spaiitr mror boipIlToii, gefertigt und gcsigetc ist. — NUmberger KraU- 
Arebiv. ~ Ende Norembur (Spiiintiii in ChrDDJv. bei Hennken 11. OCS) 
vcrUbt HuisTcid Weimar, gebl Etinral iiitcli NiirnlKiru. Dort wcilil ihn 
irt B«t in Keliiu B«nir>Jiluugen ein. (Ve(|[]. von äodeu, Uoltiflge tat 
OMthEehte doi Beiormnlian), CnmeratiaB wird vom Rat endlidi beurlaubt. 

a) Vtrgl. S. M. »■ auch Friodenabnrg, g. 4S9. 480- 



ht 



122 Bnta Stada 

Hilf«leiMung perfskt gevoniea w«r. Ende Avgaat wr auf 
dam SchlachtisJde tob Uoba£X di« Bfttuhwiliii^ t*fttl<M 

Am T. S«pUiBb«r SMildet FarditiaMd Niadariags aad Tod 
König i.iulwi(a ui Maioz. Man kaan ndt tfeo iiMd«x- 
MhiaalUTBii«) Eindnuk von teilen. Sofort baMchochüft 
AUfiMht die Abiigeo Kurfunien >' und bittet nm tUi. ob 
di«M« G«taiUMt g«g»Dib«r eta KuTfür»t«iit^ =>> od«r einer 
der KaxfartUoi und zwölf Fär*t«a kaanuchraibm seL Die 
On»£i« der Gefahr tUhrt« lue Anaetuag de« Uttt«ren Teg«a, 
der am 1. DMenber n B&Üagao iDMniBetitrct«n «oltte '). 

Die Lage war in dar That m bedrohlicli, da£i keiner 
»c rcrkaante. 'V^'er nicht porsdnlicli onchoinon konnU^ Ter- 
•pracb Min« tieaindton dahin abzu/crtigen ■). Manchna 
mubte aber der Termin lu ipSt an^eMlxt ar«chein«n. Doe- 
halb «ohlnf Ladwig tod der PfaU dem Kaozier vor, svrQt 
nocii einao EBtfllnt«nta^ iiniU8»tx«n ^). Kaint gin^ aoeb, 
„damit alle sacheo dert«T ober jcafurdort vnzdoa", darauf ein 
uad erraohtc nSmtlichu Eurfürtten, Dienstag nach Ifartini 
in QalnhauMn einzutreffen. Man daoht« von dort aus 
gemeioMb&fÜicb nach ETtliDgen*) zu niMi. 

I) Kaeli «fainn Bri*r AlbracMt tod Malnt lu ÜburkSIn t. tT. 8«pT 
tm Dttnid. 8UA>A(«U*. 

S) Bb«ada. 

3) Am :S. Üuptitaihu dia v*r»cU<4«D*ii AuBordtnofneliMllMa itt 
tUUhtngiinaDU. d«n EO>llng«r Tag der lUrkcngglUir ««(«a SB beraebta. 
Am EblioKaii. Wdmartr 0«B.-ArebiT. DDsialdorfar 8udI-Arv)iiT, In 
It1«!ch«r Wain P«rdiMnd an di« KnifüniMn. Ho am tt . Oktob. >b Koc-Ktlla 

4] So der Ktlnei Enbl*cb«( auf «[n Schrclbtn AlbtMbu von Mai*« 
*on 9. Oktobw lAlS, — Sa<)is«ii am 8. Okloboi In tnUpraohtadw 
Wmh an das R«|[imral W«ii]i. Qcs.-AkIi!*. 

S) Albrarht ran Haina aa KnrfBnl Lodwlt; Rali« Min SChnfban ai^ 
haltan. Auch Dt halt* dUienTic .^hru faalipete.*» Laus iteh daebalb «ahn 
H«ili(ing gahllen — und buttmine ftlr dia troh» Knrfflnuo UI«Dita|t naob 
Hartiai lu Oslnhantcn «ininknamieii. Mab* an <liv amli-rn Knr(1lriit«n 
eMdhriabiiii. ISSR Mitlvocli nach Dlonyif. KDochnir Staat*- Archiv, 

S) (Tod mo|{Bii lieh die Sachen dadorrh (daOr er dtn Oe1iihlii)i«r Tas 
«Iwa* tpBI anctsctit) detniaatan »chtliaa, dax wir all* 6 Chnrf, vun dvm 
Tag xn Qeluhaua«!! <I*ii a«!ii>t«D ^In KK<!IugBn njtam. — B*fl. Zstul 
1. hrt. V. 10. 0kl. 



^ 




Snto BÜBdaUbcstrebangcii «TangeUBohar Stüadfe. \2S 

Bnudsnbnig nitd SadtBen ') sohrieben eu, folla aaoh 
die anderen Eurfnisten enoheinen würden. Diese Zusage 
gelftngte ftber bo ipät in Älbreohts Hände, da& Tor dem £fs- 
lingei Tag ihre KurfurBtenTeisammlung nuc Bobwer aioh 
hätte ermöglichen laaseD, ao daTE Albreoht den Gelnhäuaer 
Tag — es war ja abermalige Einladung zuTor notwendig — 
vieder auficiindigte*). 

Was aber beabsichtigten die KurfSreten mit ihrer Zu- 
Bammenkunft in Oelubaueen? War es wirklich eioidg die 
Sorge fiir schaellern und besaern Schatz bei der drohenden 
Türken gefabr ? Wenn mau ihr VerhaUen auf dem Speierer 
Beiohstag, später die Efslinger BeBchliisse yergleioht, will 
eieera das wenig wahreoheinlicb erscheinen. Die Gefahr 
Terkannte ja gewifs keiner, am wenigsten Eurfürst Ludwig *), 
aber dieser Eifer erweckt doch Verdacbt. Nun erinnere man 
nch, wie eifereüchtig die Kurfürsten in Speier an ihrer Frä- 
rogative festgehalten, ihre Sonderinteresaen stets in den 
Vordergrund geschoben. Ich denke, dies könnte der Schlüssel 
auch für ihr jetziges Veifaalten sein. Nach Eintreffen der 
Schreckensbotschaft war ihr erster Gedanke gewesen, einen 
Surfnretentag anzuBetzen *). Dae Beichsregiment entschied 
sich aber für einen Fürstentag: war ihre Sonderstelluag 
nicht dadurch beeinträchtigt? Zum mindesten kouuten sie 
ganz anders entscheidend in Efelingen auftreten, weno sie 
Torher sich geeinigt. 

Weiter erinnere man aioh, dafs gerade in jenen Tagen 
die Enteoheidung in Böhmen fiel ^). Dort aber waren die 

1) Baiiehtet m mm IS. Oktober >n Philipp. Waim, Qas.-ArchiT. — 
Am 80. Oktober »cbcaibt Albrecbt an LudHig, dtCi auch Brandenbur); in 
diaaar Weit« gaantworCct. — UKncb. St.-Arcbiv. 

I) Am SO. Oktobar kibidigt Albrecbt von Haim den OelubHoser Tag 
■1». — KOndi. Gab. St.-ArcbiT- 

S) TOn dem dia Anrsgong lum KurfUrstantl^ ansgiag. 

A) Targl. obaa S. HS. £r habe, sagt Albrecbt r. Maioz, „die andara 
KurfBriteD für sich selbs daizu geneigt gespurt". 

B) Am SS. Oktober 1536 wurde Ferdinand anm böhmiBoben KSnig 
■mrihU. Bkbk* U, 8. B»6. 



124 Znt« Biuidniifiiitr^baii^ii cnaf;«1iHbn Sliod«~ 

Neben bublcr Fcrdinaads di« Baior&henogc Ludwig und Wi 
hcltn. Uud wie sie hier dem Erxhersog entgogenarboit^ttcn, 
so Baobteti *io eben dAmula aituli iu der rSmUchiMi Köni|^> 
fr»geFerJiBftuJ dcu Baog abzulaufen'). Wir werden gpäter bei 
(ielegeuheit des Etslinger Tags kurz difii« Frage berübren. 
Aber begreift ee sich nim nicht eehr leiobt, warum die Kur- 
fürsten zusammen kommtin wollten, weihslb gerade der 
Wittelabacher Pfalzgraf Ludwig die erste Aare^uog gab')? 

Im Utiucheoer Gebeimon StnatsarchiT bcäodet üoh «in 
Blatt mit der Überschrift ; utf dem tag zu Gelnhausen et«.*). 
Ol tick lieh erweise bestütigt es noBre ebigcn Erw^ungen. I^H 
BoU beratechlttgt werden, heifst es hier, was für eine Antwo^^ 
dem Erzherzog, der einen TUrkenzug au sge seh rieben, xu geben 
Bei; item daTs die Kurfürsten des heiligen Beichs Herkemmeo, 
der Kurllirsten Ehre und Nutzen bedenken nach jetzigen 
„leuifen", damit sie das heilige Reich, auch ihren eignen Stand, 
wie et hergebracht, behalten : man sieht, ihre Ehre und Nu: 
waren das Hftfagebecde und Treibende. 

Neben einigen aaderu Fragen der inneren Lage*), die 
Beratung standen, ist noch bemerkenswert, dafs auch hier wici 
der BundBohuh") der Bauera Gegenstand ihrer Beepreohungeo 




Hl 



t) Olrar lUePltnB darbsTr. B«»Cg*Toryl. Barüiall, S93 ff. Jui 
(Ictoli. <l. d«iiU«li. Volkt III. 8. 11 IT. V«rtl. niMli S. ISt. 

t) Wia eifrig Korntrat Ludirig war, kauD mui mufh mvit der Ritihtn! 
folg« iciner Briele ersehtn. Du lliin Albreohl vi>n Miini nuf sein anUt 
Schrvllifln ijiclit soliiiall gourig Hnlworletc, «aii^lto sr oJn iwaiIm. dus am 
II. Oktober in AlbrerliU Ililit<le kiini. Am H Oklalier «rkundlp *t «liili 
Ijoreiii nach d«ii eicgetrolTefitji Antworten der ilbiig«D, Eba uocb AI- 
bmihu RUcknutworl eiTigelroRBn (hri 30 Oktober kUniÜRt Albrtt^ht dao 
Tag ah), icbicki Ludwig ab«rin«li eine diubetUgl. Aufrage an Albrcnhl, 
die dl«Mr am 6. Nnvember baaiitworl^t. HUnehner Oebeim. Stnau-AtcMi 

5) HIT dem tag la Oeilnbaueua aolliin dl»« nacbgeschrilian sli 
gahaudelt wotd«u. HUnchiiar Gahclm. älaais- Archiv. K. Iil. In *< 
ataht Ton anderer Qatid |C<scbrieb«u : teirhagacbea, was apr dam Uf sn 
Gailuhatiiion vünulirinKi» 13. 

t) a. H, der monta lialbsn. 

6) ItHD d«n Bontiohob barnm antQl>riti|[eD wia geialschlai^ Ist 



DUM«, 



Em« B6ii4iil*!jgslr«buii|;Mi «ruigdlMlitr SUndo. 



1S5 



wiD »oltt«. K'ooh immer zitterte die Bewe^ag vtuib. Gnd 
konnte Avon auch Kuh« und ZnfriciJcnhoit zurück kehren a&ch 
jenen furohtlMruu KxekutioneD ud<] BtMiriickungvii, wolcho dio 
neu Bauern hatten erdulden miiiwen i Sah man denn eivn 
des emsUiche D«Btr«beD, ihren Beschwerden, besonders auch 
roligiöacr ilinsicht, gorocht eu werden? Htatl ernstUober 
Itafonncn wnr man nur duniuf hcdnoht, »ich in iltini crUngton 
SesitK 2U sobütüeri. Dicees Gelulil vcntaDdcii all«. Richtig 

'loUi« daher ein weiterer Fuukl ihrer Beratun); „eine ge> 
heyme ejrnung der churfurst«n" eoin '). Alito wieder und 
vHflder ihre ätandesprärogativo , die ihre gtmxe Politik b«- 
iitimmL 

D«n Bauern ge.genübur war mau gegebenen Falles soli- 
darisch verbundeu. Wie aber dem Evangoliiim gegenüber? 
])ia Ahnung, da& dieses die alteu bieherigeu Kumbiuatiouen 
über den Hauten werfen und neue (iruppierungeu herbei- 
führen könne, empfindet man gleichBOm instinkliy. Daher 
uoeh etomal ein solcher Vereuch, die alten KtandeHgunotmen 
fest susammensuhalten. Data ein solcher Bund aber bereits 
ein UiBg der UnmÖglifihk«it| ist klar. Viel xa entscheidend 
TBT bereite das Evangelium geworden. Uit welchen Schwierlg- 
kaiton tiatte allein schon die Einigung*) zwiscbea Sachsen 
und Pfals zu kSupfen gehabt! 

Der OelnhSusor Tag kam nun freiliob, wie erwShnt, gar 
nicht XU Stande. Aber er mufste hier seinen Platz linden, 
WmI er uns sehr charakteristische Einblicke in Gedanken 

Fliod Bestrebungen der mächtigsten und wichtigsten Glieder 

Moe Keichaköfpers gestattet. Ein günstiges PrognoBlikon für 
die ETslinger Boratungen stellten sie wahrlich nicht. 

Am 1. DeKombor sollten die Fürsten in Efsliugen ein* 

Cbeffen. So pünktlich waren sie oun freilich nicht, immerhin 



1} lUn von dar Churfaiittn tioymUohor ejnung na rnden and an 
bsadtln wu icul i*y. 

>} VcnL atwD 8 1 14 II. 



^'2ß Knt* BUDiIiilibetlrebuncFn •viOKtlUehrr SISndo. 

aber Ubertrnfen si« eiclt s«lb«t. Kntgogcn ihrer aon>itig«n 
Otwohnhett waren eie iichon am 9. Itrzfltnher Tereammelt. 
Penoalioh waren von den Kiirrüraleti zugi-gcn: Hains, Trier, 
Pfaii, K6in; Saehseii*) und Brandenburg hi\tten Abgosandto 
geschickt Von d^n geistlichen Fürsten fehlte niemand, Salz- 
burg. Bamberg, WtirEbiirg, Speter, Strnlaburg, Augsburg, sie 
ollo waren ersahieuen *). Ton den weltlicben Fürsten finden 
wir persünlich daselbst die b^den Witlelebacber , Pfulsgrat 
Friedrich und Herzog Wilbelm von Bayern. I>ie andern, 
Snchfcn , Brandenburg unil Meoklcobui^ wuren durch Bot- 
Bohaft vertreten *). 

Man kann nicht daran zweifeln, daf» man hier in KTa- 
lingen loit den beeten Abraohleu zaBamnienkam, DaDir 
Epricht der Besuch der Yevsammlnng sohon : d'w meisten 
waren persönlich zugegen, die oiideru hatten ihm hervor- 
ragendeten Diplomaten gesandt. Wenn nur aber nicht die 
Zufitünde Deutschlands anfeinem Piiukle angekommen f;«we»aA 
würen, wo eine erBprii-faüobe geiucinaaroe Thättgieit nach 
irgend einer Seite einfach nnnioglioh war ! Was ligoismufi und 
Bivalittlt anf der einen Seite nicht rerdarb, richtete gewil^ 
Olciohgültigkdt und religiöser ZwieKpaH zu Grunde. 

Der eigenlliohe Beratungsgegengland war die Tllfken- 
frage. Aber, wie schon oben erwUhnt, war dio projektierte 



■ 



« 



1) Am IS. KoToniber scbrnlbt KorJUrst Johuin an Cbrbt. Orot*, er 
Jin^jjlin neben S. vou Hinckwila >a dem Bhlrnücn Tuk Mndeo. Ur 
k|ff|tr4ah*r liauta Uli»r ii''ln Ta^Q „in nnanr hoffuct — nllhig lU Wtinar 
tfakomiiloa". ÜlnsUg n. MarCtni. 

S) Bitchof von Wünbutg triflt ani 1. Dax. «in. amiifatJKan vom 
Bilnliot *>Mi Bainbarn an<l Hiirk^rar Phnipji von Bilden. Etiig ätuuds 
iplUi Ungl dir Biiebof *0D StrartburE «a. Am 3. Dnisnibi-i Kurtrisr, am 
T. Wilhelm *on Bitjcni. Am B. Titten Hanau t'ritidarich iiiid iliir BUchaf 
von Anitibiicit mUcliiandeT «in, gleiuh iiuh ihii«a dar Bl.ichof vou Spetar. 
Am SunnUiK den 9. Daxambor XtiSi. KarpUlr, da, iwsl Slunilon »tiKlar dir 
KBnlinnl von !4tiUlinr|i — WUrxburi;«r Krala. Archiv. RniiliKMif'xl'ta')' 

ii Vaigl. daii Kfiliugar Ab*cliiod, gcdiuakt In der Kauen Sunmlnng 
dw KalelittagnbschiadB II, 8.861. 



: 



SniB BäiidiiisliCTlr«l)UDKan <n-iin|{qli«diBr SWn^. ]27 

G«eftndtMhaft naoh (Spanien DochmaU ror dio Ffiret«)! bcnifeD 
worden. Kvnngpli«chcr*eit8') waren sofort nllofrüliuren Bfrfürch- 
tungen vor Umtrieb«n der GtioUictitm wieder wadi f^irordon, 
«Icoen man diesen unerwarteten Beschliir« direkt in di« Schuhe 
■ohob. Was sollten die Oeeandten aaoh DoehtaaU hier, v/o 
iu Speier alle« besahlossrn und fost^eetzt war? Uon b«groift 
daher Tollkommen <lais XifstrauRti, vcklici die Kvangeltttchcn 
dieser T«r*amrolung entgegen brachten *). Direkt bat dioaer 
Argwohn (reiiieti die BeHohifisse in der Türkenfrafre nioht 
beeinllufst; d«r KnrfUret von Sncheoa ^) gab in »einer In- 
Btmktion*) seinen Geaandlen den strikten Jlofchl bcechlielton za 
helfen, was Billigkeit und Notdurft erhoinohoTi wlirdnn. Aber er 
fU^ doch sofort hinEii. in keinem Falle siuh darauf einxulaixien, 
wenn etwa von anderen Sacbon gehandelt werden aoltte. Eventuell 
mVsten aie sofort Bericht rrstntt«n. Man sieht, wie aelbat dicBer 



1) — nud GS rät «ioe mondän ptaclifk invor ilsr i:B[süicli«ii nchlui 
DiOiSBD, irageo auch nil kleine funorg, es movht underiUnclen wei'dsii, 
uit klleln in dar iniCrucüoD oder rirligmii; oiidiirung furauniuiou, oiet luin 
»?Dipten ueliea ilertelbi^a «in meroi! Jhii die liiKructiun viirm*|C- 
ni boTcllieD, sondet »noh doro »on Colin g;ps»nt*r . A. tod Siagnn, — 
uistnicblierten elc, NUrnlinrt; an Jnh, H^pile]» , SB. Nnrembor ISIS. 
NOrnbtrBM Rnutu-ierbuish d. NUiub, Kr. 'Archiv*. 

S) NUrnborf: fsndle unter dum Vorwtade andorer GesohUtc den Lio. 
H«patriii nwh Bfalingm. Am 11. Novimber berirhMI » disi an Weisieu- 
1. — noinb. Kr.-Ar<hlT. 

y$) Bcbon >m 18. Oktobar hatta ■lohnnii mi Philipp geBcbriabün : 
rii aiirh untere l^il« nllfR das iii tbun Eciieigl und ecwillt aeln, 
von Cliorf, *. 1. und Tuttileii uixl ttiiiidnn vor enl and nnldurl\i|^ 
angMabeo «Irdal. 

4) Wm Jobaim am 8. Oktobar loinnn 41«>andten am Kaj^ment ga- 
Klviebeii, «T «olls bctcblinAiin hel(<<n, „das an uns ilGr pili1|[lc«il und nnt- 
tnrft kala mangil gupun teil werdeo," to erbietet er aicb auch in der 
Initr. vom ]. Oeacmber in d« THrkenfrae« in [«der Leislang. ,.8o abar 
«oM asi!*>e>Kt ircrdm. ala thet ilu anssnbteibnn niilbringSD, du auch in 
Midlra ucheu lOtd gcblndalt worden DiranlT tu sae<n, du ans. gnod. 
beiT von deDMlb«n tadien nioht iriitRnn i^ehnpl, 'Iirntn tinn ^«d. herr 
aaoh dartno« ni( b^ltia baralau mögen, dorlialbeii «er nni den geEaiiitloii 
bxcbirrrlicl», aa«h Dit thuDlieb ilanm au reden*'. — Wein, Ott -Atthiv, 



128 EnU SUndalibcitrcbniij;«!! ov&ngaliMhcr tttCndd. 

ruhig und billig denkende Fünt die L&ge beorteilt«. Di 
MifstrHoen uod die SpBnuuug hatt« einen Orad errsidit, dab 
mui nlles erwartete. 

und man wird geetehcn roüsiieD, dufs die Befjjrehuingtn ') 
der Evuugeliecheu nicht ohne Grutid wftreu, Die Zuiiamm«n- 
pelBUüg dieses Fürstentogee, wo ein cnlwhiedeuer Anhänger 
dea ETangeliuniB und wenige Neutrale zwülf und muhr streng 
Xatholiechen gegenüber stunden, war Besorgnis erregend g«- 
nug. DaTa aber die religiöse Frage hier zur Sprache karo, 
dafür Eorgte ihr un versöhn lieh ster Widersacher, Hereog Georg 
von Saehseo. 

In aeinor Inetruktion ') geht er daron aue, dsfe 
Türke seit Menschengedenken ohne Unterschied des Bekennt- 
niafies und der Kation alle Weit unlvr seitie Gewall, bringen 
möuhte. Jetxt sei er bereits Deutinhland so nahe gekommen, 
da/s man ernstlich auf Mittel uud Wege eiunen miisae, wenn 
anders man nicht Ehre, Leib und Out verlieren wolle. Zu- 
dem sei dann z« beflirohtcn, dafs viele von ihrem Qlaubcn 
nbtrürmig werden wiitdeu. Ohne die Gnade OotUm 9i:i kein 
Widerst&nd möglich. Denn die TUrkennot iat die Strafe 
Gottce für uneere Bünden , die sich noch lüglich bei uns 



defl 



1) „Mrrine httm ainil >in ««rtmiimi wHhr^Hfticlil>ll tinriulit, (Im wider 
dia (sichtJitBad, die bithei dum uvuiigollü «ugsbangon, vou «lUdicu tuDdam 
parion«i>i iie aum Igil das kcjrs. Rsgim. bBiltiso . iiJlsrlB)> hsymllebn 
»cliwyiiiidBr pTHClicH gsniBcUt watdan, widtr »y tuilivh llitndlUDK fnnu- 
ii«n(i[i." — M>D mOu* Galt varlraDSD, „d<ii«lKD alicr uich WMhaa und 
lOvll mcnsirbliib and iDDKl'<^b !>(■ dorn bcvollien ftcnpl gennic thnn «tc." 
D\*t Siillli) KtrCit d«m >>üi;litiacb«u Bsisiitcr Rillcr t FeiliUch »iaiii);cu. 
Ua ti Um nivbl truf, mrlilet ei o» scbriftUcli, ITepätalD wird davoa in 
KeDDtiils gwelit. in der HoifnuBgi diih beide lusuameo dagegen wirlMn 
wardiD, ,,ob dodurcb dvtn leuTvl in i. ^iscbwindsn anBohUgen riaaoliantt 
liebrocbtH u. •■iiia regliter «Ulcligr mn»«» vertuen wardwi noclilUL" Ifilfi 
Mov. 90. Kr««! BD Qaptleia, NScub. Kreis-Arcbiv, 

S) Im AasxuK iiadruclil bsi IliiSsr, DenkwürdiKkeiten der Cbu^lM 
Pirkbdmar, S, CVII Di* annUce HUfla aU BeilH«« V. l«b brlno* iln 
im Teit HO auifilbTlIicb Tor. einmal wagen Ihror Bodoutang an ileb. dum 
aber auch aamantliob uregon der bodBatamnen Seile, dia lie in dau 
l^kavben HUndvIn gMpSelb Iiat 



Bnla B(iDdDUbHlnbuug4u avMgallacIiar ÜUad*. 



129 



nebren '}. Werä« ille Unaohc d«r Strafci niulit wegK^'äi""tt 
80 »ei allee uusonaL Uud die UrMtuhti dieiiee Zoroee Uotiee? 
Blicke maD, fUhrt er fort, lückwärts, so «rkenoe nftu, dtiTB 
Gott et«tSi wo di« MeaBchco vom üesoU (}ott«B uud der 
Frälaleo Oehortam abüeleu, hq für sololio Kcticrvicii geotraft 
hat. Um vom alten Testament au KJt»'eif;ct>, wolle er nur 
ilie Ket2«reieii tou Arius, Wiklef, Hui« uud Mabooaet er- 
wiUuieo, dio i^iewege ein merklicboa Blutvorgiefseo «rMUgi". 
UoD flieht, wo hiuaue der Herr Hvrzog wül. 

„Nun ist ee leider JHtKt in Duutsobkad", heifvt un weiter, 
„(larmaTMa gestellt, daSa nicht allein eine EelKerei outaiauden 
durch erslliclie Kiuführuug Luther« uud «eiuer Sekteu Prediger, 
londern idle alteu in einander verwickelt eoiat, uud haben 
abbald ein merkliches BlutTergiorfleo mit ai«ti bracht". Aber 
dennoch waohse die KeUerei derart, daTs die armun bct)iürt«ii 
Mousuheo dio Ankunft der Türketi, wie die Juden den Mtwiiuii, 
bc^hieo, in der Hoffnung, dadurch frei au werden, Uarau 
aeioD die HSupter und Leiter der Bewegung mit schuld, wuuu 
»ic engen, mau solle dem Türken, als der Blrafe Ootte», keinen 
Widerataod thun, als mit dem Wort Oottca. „Sie wollen 
tber dieiwlbigun nicht sein, die «oluhes ioeu verkündcD, aus 
nmch, dafiH &y wisBon, dan er das wert nicht hörvt noch 
leidet, eondem von stund an mit der hand dawider tetliob 
int." Thtraiis folge aber, dnT» man gleichfalls thätliohen Wider- 
stand thuo. 

Wie aber »ei der xu leisten? Denn nichts aei dum 
mehr eotgegeii, als die neue Keteerei uud Zwiespalt im cliriat- 
licben Glauben, Denn dadurch seien „zwei Stuck, durch die 
man früher leichtHcli Volk wider die Ungläubigeo hat auf- 
bringen können, aufgehoben". Kretliuh die Liebe, die der 



t) Sa fiflit Kurf. Jahnun die TUrkounol aacti auf. Aach er mcUt, 
4aM „gott mit dieser keiosr gulueln nimtlch mit dem iiimkaii bcmliworlloh 
Imirsl sod laiaan f{oltlkb»n tan lumlgr nwaif«! uiiinr* uitgUubei» und 
(und« balbeii ■DHiil*' ifo Bvhr«ib[ «r uii IS, Uliiolici ui l'blltpii), kllaiu 
«•Icber tlntartcbled twiavhaa dietcD beiden Aoilcblen 1 

ÄIV. u 



130 



EnU RDnctiiltbt*t(e1iiing«B cTantKlMliar Stioda. 



^«iiieina Mann xusa KrCuB Ciirisli SnreOTlIoh gehabt, vixlitroh 
«r ber«it ^weeeii, umsonat sein tilut nin ChriKli WüImi xa 
Tertibfsco. Wollte man jetzt etwns Derarligee Toruulimen, 
Bo wörde m- r«raditet w<^eit imd ketiieii Natzen bringek. 
Ferner hnbe frülter jeiltr gern Leib on'l Out hfrgegebea, 
(Ins jetzt such tiiehl Resohehmi werde. Denn man irie*«, von 
weldtw Oe»inuün^ die ünterthancn danib der Kefxn- Sclinld 
gegen ihre Obrigkeit erfiillt Kien, dar« »ie lieber vou den Tiirkao 
rerdurbt, getöiltet imi) xn nichte gemacht werden wolleu. Habe 
man auch Ihren Aiifetand godijii!{)ft, so „gliaime docli der 
Oroll eiupf^ngeiien Gitlts nocl) in ihnou und wilrdo durch 
dereelbeii KAtzt^r Antiait«)' und nnterechtibc im Wefon nrhnl- 
Mo". Sicht dabin «ei dieeer Ketxer (Jemlit gerichtet, die otwa 
eingeriBScnen Miltbrüiiehe ubznvrenden, aoui!«rn uUe vrohl 
bvrgebrachl«» Übiiiigon der chriatl teilen Kirche bu zenUSren 
und ihre Denen nn«hrititll«heo Hir>ibruuche an die Stelle 
ietWD. mit Beraiibnng der OottMhKnser , Yei-treibung 
Qeietlichen , SohnAhiiDg der jungfVäulioben Beinhcit, Ti 
ändcTung «beliehen SlsmltiB, Änderung der ZeremoDieu, Lunte- 
ruQg de» heiligen SakramenteB ued der Matter Gottes 
„Hierumb unter beechlu»s und moyiiung dtis vor all«n din); 
von netten »ein will, dieee cewe ketzerey zu tilgen dcr- 
gealalt, da« wir alle olDen sjn and gemüt haben der mnttcr 
d«r ohriatlichen kirchen gehorsam tv sein" und die Abetellang 
Tou Mirsbrüuohoa deu Eouxilieii, die ete zu ricltten und £U 
bueodigcD haben, flberlDasen. 

So weit dicB merkwürdige Akteusttluk. Man wird dem 
grolW-n Gegner Luthers die Anerkennung nicht versagen, daCi 
er von seinODi Standpunkt Recht hatte. Altes wäre nodon, 
and sehr viel leichter die TBrkengefahr zu beseitigen KCw<>«eD, 
wenn noch die alte Be^eielemng der KreuazUge die Menseh- 
hoit erfüllt hütte. Aber die Lago der Welt war eben nicht 
mehr ilie alte, und wer war ediuld daran ? Luther und die 
Reformation gegen Oeorgii Vorwürfe xu Terteidigen, wird nicht 
Dtitig sein. Nicht zutreffend ist natürlioli auch Geerga Vor- 



Urea 

ieto-y 

r- 
K 

:4 



Bnta HawbibbwtnbiiiiBw «vaatliMilHr Cdlnda. 



ISl 



m Ltithor, int* er ilcn Türken b!o& mit <)«» Wort 

Im euriicksuMhIageD gem«iat hültB'). ■' ' 

Nftcli Georg >oUte En«rat die Kelseret vtaülgt werdan ■). 
Duicli volch« Milt«l? Kr engt, docch (i«horMLm g^gtu di« 
Ifuttcr Kirclig und UBtarwerfuDX iuit«r dtn KoDziliAD- Wenn 
abtir diu MonKiien an 4ie«e niclit mehr )(laubt«i) ? Do«li 
jedenfalla dorch Gewalt, vi« muu w« dacI) iIhcii ll<to«rnkni»ict; 
(dlerortcn getliftn. Uud die» veTlAn^ er in einem Augeiibiiek, 
wo uach dem üitoil ") dm IteiohKrotdmenlfl die Hälfte, oder 
nach einer Denkschrift*) joii«r Tage xvm l>rittei der Nation 
dem Deueu KTanjtolitim Kagerallm vor. AU« bln(if[« Koaktion 
im AngoMchte dei uii äca OraniMin nfchfnden feitiilux! Wie 
ea tu Deutsuhlaud etand, »a^t Ueorg ja selbst. Die Yerbilt«ruug 
war »o gtvü, dofa anao lieber der VerDtchtang autieim fallen 
woUle, als nutcr einem totchen Uv'jnnMiit weiter leb^o. Statt 
aber dnrDh JCefurmeo die Gemüter zu beruhigen und Frieden 
und Vertrauen hcrEusteüen, will er dit^ alten Zustünde erhallun 
und bc-fesligän. Kr diebt den Brand, scheut eich aber nicht, 
^jod» öl ins Fener in j;'''!''«"- 

^^H I) Ve(||l. >eiua Sr>tinft; Vom KiltM widar die Tlirkvn rom JUira 
Hh88. KöitUn 11, t>. M». 

1} Ahaliob« Vondiliiu« iclialiil >roli*iiD viiu Sucltteri ^alllnlitM kii 
linliau, <r«aii ar im SB. Uaioioliar Mo lolaaa OuBiulUn nchnilbt: „uuil 
(Im va» la dem [TUrkcmhill«) von aliiirf. aud fanUn i;ewilli|^ wird. 
dn^ 0* aiiifTtothaibfin Aiirh nil iirwincliiij tLoll, ■^>ui (IajiüuU hUo uiiE«r ^omut 
and inayaunK i«t. Wiil abai tu beHtxnii, <tM iinf olcbtin Iny joi srlieLii 
der Ulli «idai den nuvkan ullsrloy modil lUrcpwm dt weiden, sd wullMt 
I aa ben Oreraen in daHulbic nit williiinn- . Uaraul lei et nichi ohgerattlgl. 

^H a) VaiKl. Friadcoiborg, Ü. 1«. 

^^K 4) In Wabn. Qoi.-Anhir B*k- K, In voriwi; Brlnntnint; an die 
^^TS Cbmt. nnd furMan auf dam tag lu EmUd^cb. irel«lu> ao i.*"' i>>ol>t* 
Caitiriil. data clj« «nirdoiito b&Utbaft tti k«y>. Maj, «ar iil|{«»«h»Jft. u 
poaa iat kiiitubu der gelsttluhcn und iraa uihung:) practic. — Win (ial 
rfcMigw nad taidanMliaftloaar iat m, wann iilor nnioinanderitniivtat nird, 
da{| Jador, wsichac Knlia oud l'riodtin vor don TUrkui hahuii volla. fUr 
dia OeMadt4d>aft an den Kniiirr «ein nulw* ! Für dlaaa rnUIcb hat Uaar)t 

kala Won dar UrlnDnuiiB- 

9* 



132 



Btoirfit Wiertf 



Veaa ia HUtagsn arastlieh« BMtnbangwn g^gvo im 
BTaBg«liBiB Dicht tMrrortntai , ist m wvhrUcii nicht dw 
Sftkntd dem kathaliMban Heibsponu *). Andi nicht Einucfat 
dnd (tBt«r Wille der nbrigca TeTfaindeTt«a »olefae. Dia ■]}• 
{•mein« lege, tiMziell dia Macht d«r dsulMh«* TMkÜtniHft 
(«mag dftn. D&T* «her ü iw Th«t AMehten s*9Ui Jt« 
BrugatiMhtit Tortagva, nkMiat mvi Biia ciD<rm U«inor«iidiiiii. 
dw Tom ksiscilicheii RegimcDt Bberfeben vnrde: niebla m«lit 
and nichts weniger wird d«ria rerlangt ab ein« EiUüran; 
aber die St«Uuiig, w«l«he maa d«r BDlsiehuDg von GvrMht' 
aainen und Gütern, wie lie di« Gajaüiebeo vielfaeb erlitm 
hatten *), gegenüber einzuDehmen habe. 

0»gw die Türken mufite etvu geachehen. Du sah 
j«d«r «in. Aber bei der bekannten damaligen ÜmatltBdlicli- 
keit dor Behamllang nnd der Zerfahrenbeit aller VerhUtniaae 



41 



I) Vflt er duul* auf jaJ« Whm Stlmnna« K«K*> die Emig 
an n»«bfB wMkM, s«i(( «ia Brltf Atbr«CbU von lUiai as 
Si, Daaonbar lUS. Er k&bc tehrcibt Allircchi, uU Sthrelbu nltawnl 
Laiben, anrh d«e KnrfflnivB iron 8mIu*b Auhrert mmfimg^m — p »liiil 
rieh j«d«nUlt »uf <l«ii „Mkiniat tUuehlig") oBi „aa *ill nieb n»i H» 
|*tii>lc)iMi bclucead vil ich kn du Ott, dk Salsha bnagrtett aad dt* m 
M iroll »ll mieb balriSl, K*tkncMi Ik»«», Tcradn mieb, maa vw^ m 
lüebt Biliar die liuick ■Uch«ii'< — Wwto Sanrg mit ibn Mtüaidaa bab«^ 
dab die LathariichoD .iKag gsainntti", Ihn „in Ire «eoten m atebao*', m 
varbalM liob di« 9aalie doeb andar» , ult ihm ca Ofarea |tDb«nDiMi. 
X>U. KMitifB (oecapt. Hwia. Kigaab. Org. io Drodaii. H. 8(, Arehlr. 

1) Za badanchem von dam BejlinaDt übergaben — ■noi «maa, Ala 
vor and naih dfm bawriieheo ofriu und «mpcinng dorab aüleba iMada 
daii ([«liilUohcTi iniD teil Ire freybailan und gerotlitigknlm, ao die *on 
kayuarn sod konlgan nud gemeinen reclilen haben aud Lang bargabrarhl, 
ganamaa and ahgotrafrea «ein lolloti, ab dem fii«al auf amucba« dar- 
adbaa «tafaDdaa gaitlliphaa «dar tos amptairaKeB rachUieb wldar dla- 
•elben tMnde au pfocedlrao i[«sl>tt werden loll. 

Znni anderoi Naohdem mach otUeh cloatsr atlUhwi atendaa «ia- 
gaDoiiian und deraelbigea gullim n iTiin banditn it^iogao — vu nad vie 
wldet dieialbea aaf dag dar buchadlgton gchaudell werdan lulle V«« 
£(>liDj{«t Tage Ana Mdaehnar (lab. Slaau-Atebir. 






Eni* BOndalibMtrabancM avuiEalisoliar Stfalh 133 

WK die Aufgabe nicht leJobt, cinaa cotaoheidendeu BcnohluTi 
durcliEuaeUen. Dia Frage war da^nrvb noch venriokeller 
gewordeu, dab ESaig Luöwig tod Ungarn in d«r Schlacht 
bei Hohacz geblieben war, ohne Erben za hinUirlaMeu. Kraft 
Beines Erbrechts erhob PerdinaDii Antprnohe auf den er- 
ledigten ThtOD')- Aber ein eingeborener Magnat, der Woiwoda 
Zapolj'a maohtfi aioh auf dieselbe Krone Hoffnung, wie «r deuo 
auch am LI. NoTember 1536 zum König gewühlt ward«. 
Indem man also Ferdinanii in eeiuon Bomühungen , Ungarn 
den Türken wieder zu eotreisseu , uuterUütxto , half man 
ihm auch gegen seinen Neben ballier''}. Die Gefahr vm 
demuBoh, dafs man oebea einem Törkenkrieg sieh auch 
noch einen Kampf gegen die Ungarn lasog. Ilefsog Ouorg 
tte daher in aeiner Instruktion den Vorschlag gemacht, 
lan solle FerdiuBud bitten ') , lich „in keinen aouderu 
zank umbs königreich mit gewallt einzuladen", Tielmebr 
■olle er durch Terhaudluugen eu erreichen aoehen, dafa der 
Woiwod« von Ferdinand das „gubernatoramt" sich Übertrafen 
.se. Natärüch bounle Ferdinand darauf nicht eingehen, ea 
ob also bei der Vorauseotxuug, dafa mau lugleiob doo 
rken uad den Woiwoden*) su bekSmpfen halte. 




1) yergi EUiika II, B. sea ff. 

3) F«rdlD>Dd> Werbung so ili« Ksaliager Veriammlung verlangt 
rli«b «neb ibc« DninriiUtBUDK HOgoD lielde. KacbdMu ar io «aluetn 

a" vuu den Eifolgen dar TQrkea eriKhll. WAlnbo *wu jgUt 
d«r lulten Zeit balbon ihren Abiug geDoramsD, that die 

«MT and PRua bciclal bellen. h«^iriit et, ei «ei de4 Christen PflJobI 
,,dij n mer iimli crliuUnn^ kristlichen gtjiabcnj und nAmena dKa bfl-> 
KsUrmnnic anit vcrEidieruii); des lelUioben ^t> nl aoin muelielie bilf 
dantrackdi ■dI-'. Zugleich müsis kUiid d«ot■l^h«n Stünden ilarnii i;(<t<igen 
wId. Dunnf IoIkI di« EniKhIanfj «an ilio Absichleii des Woiwodeu. 
Abcfbrilt im ä«h. MBnchn. St. 'Archiv. Uaruntet steht: Anf solchs ist 
muntlich gebutan «otd«», diu die ttend li'or kgl. Alaj. gegen soloben 
du Tnfcken und Wejrdn handlunK bHf wollan mittei]«n. 

S) Vergl ftniUie V. 

4) DiMQ T)iil*aebe tuchic Zapolye iBinnrieiti an stUlaen, indein w 
tu die dealschoD Vllntiiii »ebrieb und b«ti Feidin. abiiiihalten, du K3ni;- 

Dofara «a „turbiree. Dan u* iii lua anter gemot K*weieD, iriddar 



J94 Ente Bb. 



.1 1 .ii.. < 



Seti«a hMTSDi eiheUt. wekbsn Br*— fcw A* Ta 
{»geil di« Ttitfcea b^efnelea. Ab« gmwtaxu m ah wnw^m 
muM» 4«r VidsnURd cein . d«a am bei «in« Put« . te> 
jcnifba 4«r B«r»fC« von Bajcrn, £umI«ti. Seil Jshnn wvwi 
die«« J« b«i«reM, dem Hiui« U oiMlrarit OpfM>*itMa > > n imnlf 
Wi« lia V«rilin«Ddi Il«muhitiig«n am di« Töonach« KSaig«- 
«Urie rirtKogBBge»rt>eil«* . m nnm ri«, socli hMii« vn 
Fnakrctoh and dem Papai aaUniAUX, n BAb«i ab Mit* 
b«ircTb«r am dia Krönt aafjgeU^Ua. WaU war hier Fcrdi' 
nand maiicfaU ola KU^ger herrargegaiiicaa, ab«r daruai [.ihm 
die Itejarn noch Issge DWht ihr Sptal nrl«»«. Bat Niedn- 
lagaii daa Kaiaer* in Italien adiieii ea ibnan «ehr wohl mtf, 
lieh, Fardinaad wimlai der böhmiaehao Ktoa» xa baranbea'V 
XatSrüoh (iichUit ti« aoeh bald mit trisMi 6«g&er tu VnfKwm 
TarbtadniigeD «tixalcnupfen ' ). Anf jed« Waita muTtt« Zapo^ca 
ia '■«■»om WiderntaDdi: gtigt» Vcrdinaad baaUcrfct, jada Ualw 
MIxang d«i Rnh«rzog» durrh da» Uateb rcrcitalt woideii*). 
Um lo »hi<r konnten sie danu boffon , in der rnnuMhea 
K<)itig«frage ihm doli Hang abxalaufod. 

IM« SttHagvr VonammlnaK hatU nlio Rr die Willala- 
bacher die icrt>[ate Bedeutnag. Safort nach Auaaizong dal 
Tugtti *«b«c wir sin deuu ihn Mafauuhmea trdfao. Eifrig 
koncapondiert *} und verhaBdelt man : da* Ersebnii iit, daft 



dit OhdiUa M U i tr i y lttn, vialoMlir «• xu baohlnDsn". Pthr« Fatdis. 
Inf, Ibn mil 0«««1I unagrtAl'u, lO Imcuit* fr'* vor Oott, da& «r ilt««s 
Kri<ff eidtl iMfpionoii. llblfon kl« •lagr^*» tsliidn Könignicb, «o BÜiam 
■i« iwi"*!"'"" »ün fanrlich d*^t ed. ■«di liakammui, wardi« )i« allaa 
nulikuniHMD iv ImUixIihi-'. Kufiolja an Karf, Lud«. IS. Uu. 1^34. 

t) VctHk. <>>rUiwi lUnk« U S. IS> d. Jum«, Q«acb. d. deaWb 

VaikM ui. ». II rr. 

1) JaDuoD, lU. S. 11. 
B) L • S. IS. 

4) Dio lUnÜiiv von Biijani riilimro «ioli ipUer diisbt b*} iCa^Ij», 
dU Kik'lulinrc (Ur l'ardiuaud mbiiidarl lu bab«4i. Voritl «itb Cip, VL 
..A) Via). BeUtt» VL 




Bn(« lli]iidiüib*]U«tuinGBii ev»ag»lhAn Stüode. 



13& 



sie «amtlich penüulioti in Efiliiigou cracJi einen, t^io muuhlon 
bwuahe deu vtertcu Teil dur Versa mmlung aus. 

Ajd empfindllclMteii koualeu nio Ferdinuid in der 
römischen Köiiigsfrago troffen, Ihr E&ndid&t war 11 «reo g 
WUbelm von llaj^Drn, Tinobdom Ludwig von der Vüix auf 
^ese Würde keiutiD Aniipruub orhobun. DiecOD Msingel aji 
Rhrgeis und Entocliieduiilitiil luiUeu dio fiuyorn xohon &tihei 
am EurfuvHtea getadelt '). Da sie nun uucli jeLxt wieder 
aeiuer Ualtung nicht icrolit versichert wuceo, wurden sie 
nicht müde, ihm suzusetxen *} ; kUo diejeoigeu, steUten sie 
ihm vor, dio ihn dazu bewegen tBÖahten , dem Erzherzog 
suiuu Stimme xu Koben, tuobtuu nur ihr ci^es Interesse, 
uiout aber das «einige. Sah man sieb aber daun natsh finctn 
Bundesgeuosseo um, auf wen ander« als deu Euifiimtau tod 
Sachsen konnte ihr Äugenmerk tiiUeo ^ In der 'iltat sind da- 
mals dem Kurfürsleu io dieser Bexiehuug Anträge") gemacht 
worden, die freilich bei .rutaanns religiötum OegenHatz n 
den ßsj-ern und bei seinem gauxen Charakter keinen Brfelg 
kbei) konnten. 

Doritun nun aber die Witteisbacher eifrig und energisdi 

lir eine sltttttivhe IteiuhahiÜ'c eintteteu, WO dadurch ihr ver- 

Wster Nebenbuhler neu geslürkt werden und bei BohIi«r>i- 

tioben Gelingen eine MaohUtellung eningeD muTste, die eia 

geradezu erdrückte ? 

Aber auch die Stimmung der Bevölkerung verbot, 
groftartige UafaregelH] w^ üe der Augenblick verlangt 
bitte, XU beBchliDfsen. Die Qähruug uud unzufrieden- 
bdt des gomuiueu Maouea war noch nicht geschwunden. 
Jedem FSrsten erschien der Boden noch heifs unter dea 
n/seo. Miishandelt und gokaeahtet sah dar Bauer in dumpfer 



1) lUiik«. rt s. so«. 

i) V«T|tl. UniInge VIL Sic, lowlo BcIUga VI bcweliao sb«r laglsleb, 
«Dl Mlhit Innerhalb de* WiUeliliMli'suIica üsium äondarheitreliuugen 

S) lt. Bftnk« II 8. »B4 uud tItlUgo Vll. 



196 



Bnt« Bllni1ni«b«a1ra>>iin|i:*n •TknjreÜKhat ?tXni1«. 



BMigHAtioD in lii« Zukunft. Wm* konnte iie ihm Siihrtiok- 
lichoro« bringen: Wir erinneru an«, wie Hcnog Ü6()rg dia 
Stimmung der ünterthanen beurteilte. Mftn wlioBchte fürmlioh 
die Türkon herbei '). 

Das war eine Befärohtung, die nach ttllgemoineT geteilt 
wurde. Hatte dooh am 30. September der püpatlio 
Kämmerer ßorarius eine Denkiohrift^) dem BrEherKog P«rd 
naad übergeben, in der er ihn vor den Sympathien d 
Türken in Deutschland, itiabesondere in den lathensohe 
Beicheetüdleu warnt. Sobald das Gerücht von der Freihei' 
welche die Türken in Aueeicht Btellien, herumkomme, vUrd 
sieh die Eanern erheben, nm den Türken Bahn üu breobeo' 
und zur Vertilgung der weltlichen nnd geistJiohou Herren 
behülFlioh sein. Und die Seiehastädte würden dieae Auaioht 
nicht von doli weisen, am der Verantwortung über ihr Be- 
tragen gegen den Kaieer xa entgehen und um von d«o 
Türken Macht zu erlangen, iu der religiösen Frage und 
den KircheDgütero nach Belieben zu verfahren. 80 «bei 
trieben diese Befurchtangen waren, to verläamdenaoh gegi 
die Stiidte — and dieae ftnEnschwärien wird weaentlfch 
Zweck gewesen aeiu — aie beweisen dooh, wie man in kalho- 
lieohen Kreisen die Stimmang der Bevölkerang taxierte, wie 
beispiellos lerrüttet die Terhältntsse logen — wesentlich 
aber dooh daroh Sohnld eben dieser katholischen Partei. 

So stark war die Foicht vor diesen Sympathien , di 
das Reiohsregiment »m 9. Oktober 153G einen F.rlafe *) i 
Reich hatte ausgehen lassen, in welchem es vor solcher „v< 
sWAifelteo uumensoMicihea mefnuDg" warat und alle Obti, 




1) 80 heirit M aavti im Bo^BDleerUrB T«n 9, Ohtoh. (vergl, aab 
dafi „i<tllch Taiiilcn •rcrdnn, diu >alc1i«r KrymoiHir «uetutiE des Turkau 
in dl(i Clirlalnuhail iilt ill*ia koiQ niir>ril1<iii uii'l «rUirniunit, gundtr 
frohlock«» dirob haben und du Kern bbron gehen" eW. Schon WD An. 
fuiK dct JihrhaniltsrU hiilTte inmi nuf «in« OrixrlUxuDii, die vom Orient 
her IU vrfulKKu hal>e. Vgrgl, daiUhnr äothviii, Polit. aniJ rrlig. Volks- 
bgiregungeii vor dar Keforni. S. 9S- 

S) Erwähnt J((>K, S fiSO. 

S) AiM Rrtlinitan. Im Prankf St. -Archiv. 



EnU DUndni>bi;itribungi<[i evangcliuber Sünde. 



1S7 



][«it, beiondcr« auch dio Prediger, eimalml, derartige Bedeu 
tnicht in dald«i. Um dioson ErmahuuDgeu gTBAcreu Hacb- 

äruck EU geben, war am ScMuTb die Tyrnnnoi und Wildheit 

der Türken iu iSen grellsteu Farben goaotiildort. 

Bei Boloher Stimmang war eii wohl uiobl genien, daroh 

HtArke Auäageu den gemfrioen Maan Dooh mehr zu reinen. 

Sine weitere Erwägung kam hinzu. Im Volke hatte man 
berechtigte Zweifel *}, ob wirklich alles Geld nur tär den 
TQrkenkrieg verwendet würde. Ein lolcher Argwohn war hier 
noeh berechtigter als sonst, weil Ferdinand zugleich den Kampf 
gegen seiaeo Nebenbuhler fiihreu rooTiite^ 

Uan wird nach aUadem auf grofnarlige Vera uataltun gen 
der Fürston gegen die Türken oioht mehr gefaTet eeiu. In 
der Thnt aiod denn auch die endlichen Beechlasee klägüoh 
Biugefiillea *). Kaa unterBchied, wie herkämmÜDh, zwisuhun 
„eylender and beharrliuher hülfe". BeLreETend letzterer glaubtu 
Dan keinen EnlBuhlufs faeiiea so. därfen, denn ,,die GröfKC 
der Sacha fordere eine Versammln ug aller UeicUHstäude. Demi 
lolehee belange nicht allein ei nFürslentnm nder Landschaft dos 
Betohs, sondern ganz teutsohe Nation, auch den uhrittlichen 
Olanben, eines Jeden 8eel, Leib und Gut". Deshalb wird 
eiuA aUgemeiue BeiohsTersamnituiig auf den I. April nach 
Begensburg augewtst, „daedbat too dieser beharrlichea 



1) Du b«WBis«n die gsfar^teu BeacblBBae. Schon diiii GiiM(htan 
„dsr *}iUii'Un biir IikHioii" verlnugl« , dKla „in toluhen •iiineliineu iinri 
4iugcbou üewlbllvb und eiguTjIlicli oidnung ({ogobon werilo , dunit «llsr 
ugwon lind mirstmui?" autgpnclitonBen — nlio '1iif> gnlJis hilf iii ksincin 
andtm Wfg* dsii %a der TSfurdnstau hilf K«briiuehl gigjauhl werdo," 
MOachn Sl Ar — Kdrnborg Iinito sich boroila Im Sopt 1536 S^K*" 
Ulm ia di«et Weite i;«liirs«rt, MDrril). Kr Ar — Dte TermulQng freiltcli 
llfit ai<h iiiolit BbvxÜBou, i»la die Famtnii dtuteii Argwohn iu grellorsa 
FwImu 4u>(oIII«n, tis er (halfürhllch vorliaTidcn war, um ibren eigenen 
BUngel nn Opferfrendigkeit «u verde<rken 

1} VeiKleicbe dvn Abtshied, gedruckt in der Neuen Sstnmlnng der 
E«i«bttaKMbacliUda II 



J3S Eni« Bündnlibcsttabung«!) arangtllieker SlXnd«. 



T 

dort- 1 



TürlcMikulf *) lind d«o audera Sftubun, di» tod EfBlingcD dort- 
hin gHHcbub^u »e'niü , EU raten aud tu beeohlieJ'Mii". Item 
K«>eer soll von dieeeot Uoecblu^ Uitteiluo; gemsdit verdea, 
mit dem „anhangt', dofs dio KurfiirsUHit Fürrteit eto. aiobU 
Lieberes tiegobrUui, dnmi dafs er pcnäolich dort iD B«ge«>- 
buig oraohoine. Da ubor dio Zuit xu kim «ein vtido, go 
möge er gleiohwoli! „zuui fürderliubiUu dunlHhor Hbüod tn 
Trost uud Hilf sich heraus vörfUgeu ■) , damit diu deutiaho 
Nttliou duroll soinoD Kat und ISioeeheu in friedüub uiiiig 
Wesen gestellt würde". 

Der „oilandou Hilf bnlbor" wird orstlich bwchlosseu 
die ansiofseudeD FärstuD , wo der Türke xuoitt einfallen 
könnte, Kur BesetsuDg ibrer Paus «u ermahiieii, mit den 
Tersprecbeti einer Gegeuhiire. Die auatofseuden Landtchaftcn 
Sacbseu, Bajeru. österreicb and Braudeoburg Bolleu „sich in 
Gegenwehr gchickon", am sich gegenseitig unterstützen su 
können. InEwiactien wolle das Kelch dafür sorgen, daf* dio 
KU Sppier beschlossene „eilende Hilf nuch wirklich erlegt 
werde. Doab dürfe sie nur gegen den Türken vorwoadet 
werden ^). Dm grörsere Sicherheit zu ernielon, »ollcn xu d«a 
4 Personoa*) des Beichsregiment« noch Ferdioaud, die boideu 
Kurfürsten Ton Sachsen und Brandenburg, die beiden HersSge 
Ton bayeni und der Biscliof von Augsburg beordert worden, 
ohne deren Befehl das hiezu gesammeltci Geld nicht an- 
gegriffen werden darf''). „Wo ee die liöuhate Not urfordprio, 



1} la dlMsr Wisse icfaraibt nmn Knch in Uolarleh VHI. tod Kiig- 
Und- Woim. GM.-Ai«biv. 

1) I>mii( drinmn di« Pdrstea auch in Ibnm Schrribu m Cttl T, 
ruiu 19. Dnicsiiior li>Se Wtlui Üw -Aruliiv. 

3) Ui«M UrtlluiuiDaii uitlitilt «in« gtofte iiltä»tl*itt K«rdinaa4«, 
DooD nacli dem Spcicioi Absehiod dniftca die Tmppin uicb In OiM^ 
reich aaä ■lutofitcmden FtlnlciiUtBiani eabnuchl oatdon. 

<) ■•iclie ä*r apninrvc Absuhicd bMliminl liattn. 

6) Von UltHBin Umulilurt ikolllnu •lle i ^liill«, b«i doiiHU dM TUrk«a> 
g«Id olnEDXalill werdoD niufito, In KuiDtnis gDicUt wtidiiii. Am !(■ Dsa. 
d«r «nUi'tucLsDdu lülaf» «u Friuikditl (Fttokf. St.-Aruli.J, Kbonto reo 
Nnmberg. 



EfaU BtiulsisbBitiobuiiecii craaiRliMJiai Stiod«. 



fSO 



dürCt«n dJoM <li* nitmdo Hilfo d«r aeoh* Mooalo auf dnü 
n«fa«ii und wi»o ä\>: Zuhl do« Fubvolki iluplicreo". Iaz>vischvB 
lolUiW die EuriiircLuTi und aiistofMuden i<'änt«a „das Wc«eo 
doT TUrkau, der Gtciuieu ttA. stadigivii, aioh lUraiif im ratii- 
Mhlag uad fiiroeiu«u äet eyleiidoii auch bgliarrltulicu biif 
deater bas habou zu richtea''. 

Mit Mlchön kUgIlohAn UoTertgoIn dacht« oian ilon Turicoa 
m bfigti^neD. Zum Giitk vmtea di«*e fmilidi iiit!wi*olioD 
ir'od«r nmgeh^hrt ondcibnuZw«ife<l hat dieaegfiijHltse Wendung 
mit daeu beigetrngefi, dnl^ die VotohlftBse »o gar iraarig aua- 
fieieu. 

Auf dem Papier gab mau «ich ja allerdings noch vreJt«rä 
MBho, allü Geister gegen die Feinda dos chmtücheu Nameu» 
au De ti rufen. lu eintim Üiilauhteti ') war dar Vorschlag ge- 
niaoht worden, fiberall versohlierabard Ritten zav Aufaahma 
von UeitrftgPD, zu denen Ton den Kauzeln finuefuucrt wt^rdoo 
solle , aufzuKtelleo. Doch werde os auch «ehr fruchtbar *^ 
IBID , 4>ii<i Rohrift antgetien la lasseu, „damit der gemein 
mau deeter mer geiiotgt wäre aein hilf und stener mitzu- 
teilen" *). Oabei aei auch die tiefttbrltohkett der Türken 
„wai tein gniusam wüten annuteigen". Als „anzeigung*) 
dos türlccu jrmerliclien eroberten elaoht xa Haogani und das 
dio olirittaiiuieiiiuhtiu aoUten za widoretaud einlegu" ging 
dann diese Schrift in die W«U. Darin werden die Deutschen 



I) Der «Tlendvn hilf hRltivn, im Manohnsr Oth. Btute-ArGhl*. 

1) Ks mSctit auch nit Unlruclilbu' «cm, dwt jeUu allhic dao ruslichg 
hnr(iKli<l>« «ohrift tiiigrIir*o. — 

3) „UlwoU übet," heibt <s veitur, ..dorgomelo mnnli bUber Alltreg in 
aigkwon Qn'l lobctniwflii gestundoD, d» ir dargalotl |£iilt -- nit xu 
«iiUnUo<ll i!» Tnti^kqii, loudec ya lu ivitou iii HuUarc gobrtueb 
Btwandt ircrdo" 

4] In den tnUxot Akten ist MGuuhDcr GcboiiDeD Stsals- Archiv«, 
mit d«r Cboochriri „aottel sie <]>von ■□ artiukBlii d. niUuudrii hilf uuilduni; 
l>«HbI«hi.'< 



\^ Eni« BündirittiBsIrelinntten (Tiingeli>cb*r 8(Iud*. 

tat Einigkeit '} ermahnt; ea folgon die Festsetinngen über 
die Ea fülleoden Eisten; dabei wird aosh die Venicliüntng 
nicht vergeisen, dafa das Geld „in gar kein ander gobraueh 
denn za solcher gedmiig-aer ootver gtigen den veiud der 
ehristenheit gewendt werden soll". Es aei PSioht zn geben, 
da es der Seelen Seligkeit betreffe. 

AU OrundUge ftir die VerhandlungMi in BcgensbuTg 
wurde dann „ein nottel oder verzeichnuBs einer beharrlich«!! 
hilf wider den Tiirkeii" aofgeselzl'), die doD cdnselnen Standen 
zugeacliiokt werduo sollte. Interessant ist besonders darin der 
PaaauB, daTs auch die Geistlioben und Klöster heraaBuäeh«n 
aeieo, dala man ferner direkt das Verlaogea atollt, d»r Paptt 
■olle die Annaten in Deateohland laGaen"), damit «ie ge^pen die 
Türken gebraucht werden könnten. 

Ob dies letztere Verlangen je erfüllt werden wEirda, 
war gewifs sehr zweifelhaft, in diesem AageabHok jedenfalls 
nicht xa erreichen, wo Kaiser und Papst in der heftigsten 
Weise sich befehdeten *). Daa aah man auch in ETalingen 



1) Et kllngl gu barrlicb, wi» da gnsgt wird. KUo soUo Baffarti 
Ukfi, Noid etc. ■■«en, die gowifiLllDli die Ur^aclio dea gfittlldion Zoru. 
Vor ftlleiii ml es durum nolwoDdlg, die urMcbeu abKuwerren. Und be- 
souderi aueh. $a wir die grosse noyite und blllerhoit, duriu wir j^tan 
KagBD pinander tleerii und sich fnrneiDlich drr Bwayunff und onalnlgkeft 
dea Elatibem und dsr GeremQaieii IiilIIj an tra|[en, ftbvt«]ten uad fjallen 
lauoa, uns crtilealiob und rreuntlich eegea eluundar eri<iigaii uud ysdvr 
piil dem andern geduld and iDitloidea Iniee, dlweil doch fiDtlich au vnt- 
maten^ tiaa yder1«iE Bein inaiiiung aiau aein arbtet» dddurcb er acliK ■** 
werdoii verfaotTe. BetBglieb <tac „eilenden hiU" hairit es , dafi si« „nlt 
gawlMOT dan lum tail dnrcb milte and furderliche handtrelcbuag dar 
chriitglAuliigen leutu — beicbeben aing." 

i) Im MDnehnei Geh. St.-Arebiv. 

3) Ja man icb«ut sieb nicht tu verl&ngcn „aaeb bei ksyi, HaJ. aa 
bitten, ob bi^botl. Heiligkeit daran iiTcbl bewilligen wollte, du ir Haf. 
die aleniln df» rnichi bey dem, du loleh« annaleii bnrcauMan lit«ibgii, 
— hiiudhiibeii, scbulien und icb<nnon"i udor iuiq wcmgiteii toll* aoioe 
Helligkeit eine Uprsrt ansebnliDlie „bUf auf Ire ooiten wMor den Tarekoo" 
achiolien. 

4) Vargl. Ranke 11, S. 16«. 



ÜnU DaDdoiibo*tr«bung«a tvang«li«clier StIu>J*. 141 

ein. Ohne TorhergeguigeDe VersSliauug switotieu Kart und 
FmnkKich war «in emBÜicher Kampf eegeu die Türken 
unmöglidi. Schon Georg hatte daher in Beioer InitruktioD ') 
darauf gedrungen, ein aoderes Gutachten*) jenor Tage forderte 
üK gleichfalls. In der That war ei bo oinleuchtond, daf« der 
Yorachlag sum BeschluT« erhobeo wurde. Id ihrem SeHreiben*), 
in dem sie den Eai«ei bitten nach Deutschland zu komcneu, 
damit Dffutsohland durch ihn „in I^'ried und Einigkeit geBtellt" 
werde, erbieten sie «ich gerculeiu lu Vermittlern zwiBoheu 
ihm und seinen Feinden. 

Bas also waren die Ergebnisse des El^üoger*) Fürsten- 
tages in der Türken frage. Die Armseligkeit clor deutschen Ver- 
hältnisse hatt« sich wieder aufs glüuseudste geueigt. Was konnte 
man ron FUr^ten oivariea, die im Angesicht der drohendsten 
Gefahr nichts als Redensarten hatten, in jener anderen Frage, 
die dort noch verhandelt werden sollt«, der Abordnung der 
Gesandten nach Spanien. Entgegen allen Erwartungen und 



l) 8. Bgllsf^ V. In oinem Scliteilnin roiri SP. Niivpmlint I1»»« 
Carl V. d«» rmniSt. KSniE direkt dir ili« Katwtrniihc in tlngirn var- 
snlwortKcb ganiAchL Vergl. Sockeadori^ II. 46. Blnidan I, S8S. 

9) Im Anhung au den ■rllokln dsr bcburrlidiBO hilf. MSnobnar 
(Uli. St.-Archiv. Ancli Eleintich V)U, vun Engluiiil liitllo kIüU am 
Sl. Oktobor in glalober Wcibb dui deuticbsn PÜrstea gagaoGbei geKulaerl. 
Welm. ä«j.-Arcbiv. 

i) ^ naibdam xMb«ii und Handel im boiligen reich aioh dieur «eit 
tut lohireilich and rnrlicb xottimeD and vou tag su tag — cnreillari) — 
da« kajri. Uaj, tich lioraiui lua — damit iro oids totiche boharlioha hillT 
|t«K*D den Turckon leinan fiir^CBDK haben so), da* luvur toutuvlifl nittlau 
in aiiüKkcit aail frlüt durdi K. Jrf^. gmlelt ward«, wie vir — - taU 
bsohal bltlan. Wo dan E. U»j itchlcn und leidoii aioolitgn. diia wir dla 
Churr. nnd furiian mit Kutllchar uaterhtndlaug auliube «idurvsrligkeitcn 
*ril«bau Bsd hinlcKon nmcblaii, «l weieti wir diuiietbe und alias das j,a 
IM and ainlgknt der Cbriataiibelt dioncD mag, su tbaa willig und 
baglarlg. lt. Dnooicb^r 15SS. Weim, Oci.-ArchiT. 

4) Eh HI kork <]nntiif fiiiigQwiaditii, dafn nHCh diu ZviaUüida am 
itaklitkaiatuergaricbt Juri aberuiala aar Baiatuag ttAudao. Vorgl. nu[M 
rwbl IV pag. Ut ff. 



142 



ICr»l* ßiinitiiiibMtnbuiis«! otmgvRiiohM I^tlfidi. 



ohne eif«nttiohan Onind '), «o irnt man «Jeht, Iiattn der 
ErikeDüIer Albredtt Ton Hains die delegierten floa«u5ten 
Dkch KrAÜBgicii berufen. Bie erHchieneu. wie m« in S]|>eieT 
j^wühlt vftren, nur d«ft Arnolcl von .Siegen fUr Jftkob Stnrm, 
der bfti seiner Weigfniag rerharrte , «U Abgesnndtor der 
Stü'ile eingetrotiM) viat. Nun Inittete aber das frantösinche 
(teleit auf Jakob Sturm. Mit Beeilt wtinderte Bieh Nfim- 
berg*} über diesen Irrtam, d«an schon in f^peier habe BtxiTto 
aligrtchnt. 

Sofort wurde du« von den Gegnern') beontEt, ioilcm innn 
Sieg6o mit, den Gefahren sti wlireckm suchte, cJie ilin desiiitlb 
bei seiner Rejsö bodTOhtsn, w«il er im GflBitsbrief nicht auf- 
geführt v/'isc. Da dicee Kinltijflteningea ibies Eindrucke nicht 
vcrfeJilton , liefB ihn Ni^riiberg sofort durch wincn Ocsnodtcn 
in GCstingi^n bitten*), SniAi jii nm Arrr StSdto willen mcirt 
zurück HU weichen. Denn in Wirklluhkeit nei Mvt nur iltirAitt 
bwtehnei, überhaupt keinen toh den Städten miiimehifiCTi. 
t^Qllt« aber Siegen zri angütüch sein, so »dl au^enblicklicll 
lim Änderung des GcleiUbriefce auf Siegen in Frankreich ein* 
Kukominen, was ohne Zweifel leicht zu erreichen nein werde. 



1) Vergl. Ohm A. ISO tl, 

i) IS. Ifoveinbei'. NUiiibcrg mi nolneii OsMadton In B&IJagoii, Job. 
nepeMin. — DarbaJbsn irir djuaa iler (araWa fnmiliUc* iiivhl woniit 
lin^mdMi iritgon, iragnn nuoh Dil lüoliu fiinorg. oi inOcbt oodenttaim 
vroidcii ■— A. von äisKoiii der ui tilBmit lUt >an dun >ti)IMa rmntivA 
boDetit and xueBltn«n int, nanuMhlwAra, diwaiJ hu» kUUrlKr pnatiM 
in 'liM trantat. ulivncbloki glalt gcdaeblBr Sliuii]. dir doch dlois lagiefaMi 
■u 8)icl*r jkbgBiehUg'^n , and oll der von 8i*gon itentn iii. BftUbriaf- 
baoh Im NUmb. Xr-Arthi*. 

' 'tJ-^-irel bMontt ril*Min Arnold moBblon dureb praeUea «UMiw 
HMtn Stett and uidcre Inaffel vorifiifflftohl «erdan, sieb an oiilnna Mn' 
•larajnen in besorgen, — KUrnber^ «n ttvptinin, 19. D«C«lntirr. NBmb. 
Kr.-Arohi». 

4) nnrnberg« AntirciTt auf «hicn aiubaaUtt »«riebt nepstcfna, vatn 
le. Doneinber ICIfe. NUrnb. Kr -Arcliir. BaUbriafli, 



IIa 1i«rrichtet auf eiiimul Miuliwitx >) nacJi Hatuc'), äio 
Butichaft werde nicht abgelicn , Hondcni ihre Abfvrtigun); 
Kui auf den proJeVlU-rton Ruichstat; ufloU Eegenshurs ") vvt- 
Buhobeu. Ah Grünilä wurden tlim gcnniml, dafs dag (.ioleit 
nur auf vier Ttronatc gelautet hob« , von denen bcrwiU xwvi 
THfloMen, also die 7dl xn )turx nci xur Ro'ino nach Spitiiiiin. 
Audi seien nur !20l) Ouldeu für dii: KokIou der Gt^itaiitlt- 
«ohaft eingegangeo'). 

Cüwifs, da dae Geleit von Franz L am I. Oktober aua- 
geetellt, waten zwei Monate vertiosseo. Aber am 1. Nov. 
TOT CS bereits in den Ilfinden dM Erikaiixlors goivoscn. 
Wozu hatte man dnnn noch einen Monat vei-ntreiohen Inaion, 
um dio Botaehaft nach Jüslingon zu eitwrcu, woku gar kuin 
Gnmd vorlag ? TTnd was die GclOfVage betrifft, hö war dies 
Ergebnis das gewöbnlicho im heiligen dcuteehen IWch. Da 
konnteu »ber die Städte wie solion oft voretiecken ^) — und 
liier würden sie ee mit Freuden gotban haben — uder der 



I) 10 DctcidIkt. n. von Mirn'liwili! nr KurflJptt Johann. W«lm, 
Goa.-Arcbiv. .rnhuiin in Philip|i , 6. MSn tGIT. Slcldiii, il« iiliita de. 
HO ff. 

S) Nuvh im SS. Dtficmher bntt« Johnon lici seiiion GmixItiMi 
Taililarli und OrotA Rrionenme: galhnn, dathr xa natgra. i)*» dln idlIckunK 
„nll wMidljc wcril". Welni. Gos-Arthtv. Auch NUrnbnri^ hdCIii iiocli 
imintr in d>a Abr«rH!;nii{;: 'Irr n?iiiin<l Ist! halt (r^glkulil. Am II. Dccnnl), 
llbcn>ndlen »'m Bn (^[n«r*riu3 vlntii Briet für M. Snileil, d«a vT iltcBein 
In Spuilen UberRBlieii sätLU. Nämb. Kr.-Archlv. 

8( Zur BwhSnigunE (lilirt KiirfHi5t Ludwig »oii ilor Pfuli. xn den 
rirh Phi!!p(> »ofarl itentndtt, iioüh »n, .,»■ lol itasili ein mnrsni tar Kut 
Mlifieuheii »ardon, die Abrerllgantr In Itcfcinühnii; stitttfindcn zu lusen*'. 
DsDii do d4Tl der Rmcbico,); ..in kuitiiMii itiitrqetii und «ich dunlbsi la- 
trtccn macht, du unden mar k«yt. Ma,!- nu wImoti nott van danuon 
Undn BD lebiclian". Dann kannte „sini mll dam andorn, marorm ki«l«n 
«n TMhutin. »prfcrtigl'- wardan. — I.udwia «'i Pliillpp ». ^»brnw I5JT. 
Utnchfl^t i4t..ArrhiT. 

A) das galt tu knili nahlmnli uiRaiktst. und sn dam iteldc m daa- 
btlhan hAt iirIvKt ir«r<I>.'n tnllvn, mar atchl ilrni ItOO H . wl« dia Ton 
Spaitr (uchrtgban, cinkonon tiL 18. Dcc. 

A) DIm WH j> Haeli \b Spoicr ouBKoiniiGhl wordn. Vergl. obDU S, 98. 



]44 Ente BQndnisbesIreliUng«!! ovangollicher Sttoilt. 

Finkal') mufvte Bngewieeen werden, gtigen die «Üuinigi.m Zahler 
voi'^ugehet]. Es iet klar, man wollte die OeEandUn niclil. 
abguhoQ laaaeu. Biu eininütiger Beacblufs des Beiulistage» *) 
war ohne tnftige TeraDlaeeuDg unigeBtofeen wordeD. 

Mun kann eich ilenken, wna fUr eiceo Eindruck diesv 
Naobrioht machte. Mit ili^oht sah mao darin eine Praktik 
der Qäistlichen. Darf maa eioli dann wundern, wenn nnii 
auch die Evangelisoheo aioh au die Reichsbesohlüsae oioht 
mehr gebundeu eraohtetea ? Ah die Nation hofFnungBvoll an 
eineo Auftrag der religiösen Frage io Speier heraogetreten 
und alles im beeten Fortgang begriifen wnr, hatte der Kuisor 
raub eingegriffen. Als einzige HoüTuung war der eiittäuBuhten 
Nation die GeBaudteohaft gebbebeu, die dem Kaiser die Augen 
SfTnen sollte Über den Zustand ") der Dinge in Deutechland. 
A^uch diese letzte Kettiing versank wegen Zwietracht, UaXs 



t) Dafs dioaer ütrr, teHTrcjite In diflaer WuShii vorifinjc, or^iwM niikii 
au* etnum Schrolbea NQmberp >ii Woiiaenbar^. Duln lotirailit M , sie 
bAllan fBi W«ii!i«nbiirg boiilill ; wallten ti dem Fi»k*l ■nis1|[«D, „mit blt 
|{«geii c. I. «eit«r nit lu piacediron". S9. Mui lOST- MÜrubarger KmU- 
Archiv. 

S) Will mftn Butheotiioh* liitsriiretalioii liflren, <nu aiicenttiub dia 
GftftiidUübiin inoli Spanien für Badoutuiig hatta ^ weul^tHni nach dar 
Anilcht der btacbUeriendcn StÜDdi — so loia maii du luJ*o>l. Aul- 
■chraib«ii, wslohoi daa Ri^giment belrefTeiid TUrknnitnaw . Kabraag; dac 
(laa&uilticbaft uud Knmiiiergarlclil, am SO. Augiut 1516 aiugaben lle£i. 
Ancb bkr wird, wie im Abächivd vdd Spolor etkllirC, dals, „wu nlt mit 
iBilliKam dapfcm ral» iluüin Keaehen. «in RrÜHore aarrur und viiipäraii| 
iiritGhoii hohsn und iiidarn ttarideu »a liatorgnn loi". Wenn man nun 
Uotidom die GeMndUt>ba(t nlcbl ebgobon ll«r«. >o d«! atUr Uofllsdan 
iiii<1 KrifiCi dir iImiii) anttUnd, aal' die tJrbvber disi« Boaeblasnaa. 

S) Naban dar Halchngoiandurliafl dar.tatn abai Philipp auch nach 
(Ur isin« l'orsan aof dso Kbuot olniuwlikca. In alaam Hrlar an Um 
(dar walinohaiiilioh dan Datandten mitffsgoben •rorileii lolllaj verwahrt 
ar alch gagen Vtirleumdungani ar wolla lich ioiTtiar jtu bajtrtj), wia ar #■ 
gegen Gatt uuil kaiierl. MaJ. veiantwoitan kCune. Wenn bulm Kaiaar 
ellipliH Sllnde verleumdet wUrdon, an nolle Karl auch die Verla um ilDivn 
•uvoi bnisu, — Oftonaui« unlaseilicb, SI, N'uv. 151fl (milw. ti, KaLlia- 

liae). Uarb. 8t.-AicUv. 



lfr*U Uilndiikbealrcbuugui evnrrKBliao)i«r SUhida. 



146 



und Verleumdung. Vit heuchlerinülier Miono bitten') di« zu 
E&Uogen Tenammelten Fürsten Karl V. nm Rntaohuldigimg 
wegen dieser Verzögerung. Aber ea sei be»aor so geweseo, 
als doTs die tieBoodten „iu solcher ferliohkcit reisen, damnder 
niderligea und Ew. Majeet, und allen etenden de« reich» 
davon spott und Uoue entsteheu und erwaoh&un sollt." Miltler- 
Keit werde es sieh viälleicht eohiukeu, data die Botschaft 
doher an seiner Majestät golangen oder aber seine MajeatSt 
durch andere Wege „solcher Werbung verständigt werden möge." 

Letsteres h()chst,etiB war itiTc Abinoht, wobei schon daftir 
gesorgt werden konnte, dafs der Erfolg, den die Enngelisolien 
erhofften, ausblieb. Oewifs aber war dies auch im Interesse und 
DRch dem Wnusohe Karls V. Die Uesandteohafl mufste ihm zu 
einer Zeit» wo seine Heere in Ittlien kämpften und die 
dpunuuDg mit der Kurie den höchsten Onid erreichte, nur 
Unannebmliobkeiten bereiten*) und dum Argwohn von Kle- 
neiiB neue Nahrung geben. Hau wird daher nicht irres, 
wenn man annimmt, dafR auch Ferdinand, soweit ihra eeino 
bösen uugarJttclKn Händel Zeit lieüieu, seinen KinfliiTs gegen 
Absendung der Uosandteii geltend gemacht hat. Seit Jehnrn 
war ja sein und seines Bruders EinÜub auf die deutschen 
Dinge nur oiu nugulivur. 

Damit aber für alle Folge Karl von solchen kompromit- 
tierenden Itesohliissen der KeiohsTersikmnilDDg verschont bliebe, 
wklärte er au 2U. Mai löüT >) in seiner Antwort auf das 



1} T«tkI. Rsilsge VIU. DamsQb wKra Pritdcnsliurit, S. *1» Intn. S 
SU bBrishUtan. 

t) Altoln schon du Aasucliea des GeloiU bei Frans I. hslla sur 
T<i\g* ^habt, dmTi Pisni an dli ddatBchin FUrBtsn gcbriali, Indtm or 
dUisi die Kri«|[Muc1it und dvn Ehrgtla das K]iiH(irb aiiLliigl i bDijor ui 
«*, di« guiio Chfist«iihall 9l£ndo gee«n diu TUtkon foBt tuoiuuiiu, 
8. OlMbm im. Vgl. Sleidan I. SS8. Seukondarf. d« LuIhrmnixBia II, Ifi. 
S) Verjtl. BeiUgB IX. I>i» Ko|iio <ll«««s kaiinrlkliBii Briefo» übw- 
^t*nd4C KurlGrti Albrocht von MuJui ud SA. KovcDilipr lAST , iiscIiaciD 
du Original vom Uegimeul lugesuhkkt bckomman. Albrvilit au Kur* 
(fint Ladwig, äl. Rslbu-inaaUg. UilndLu. ()*h, SL-Archlv. 
XIV. 10 



146 



Erita BSndnitliettrcliDiigM «vtngaliichw Süinte 



Schreiben der EurTdrKten und Fiunlen vom 19. Dezember 
I S26, betreffend die Teracbobene Gesandtdchaft nsch Sjwni«!!, 
sie sollten künftig, „so deygkicticD andere, de» heiligen Reichs 
schwere wichtige Sachen vorfielen", ihm die jed«T«cil, wi« jotst, 
„nach der Länge und Notilarfl aohriftlich und nicht durch 
Boleohefter anzeigen. Deu» dureb Scbnften würde ihm aUet 
viel fuidetlicher und mit weuiger Eottea und geferüchkeil 
denn durch Botschaftea, die ohne ftosehnlicho Ansah], schvcire 
gTolsa Rosten und Gerdhrlichlieit nicht rdscn künnten, sa- 
kommeu". Er wolle jedeamal die Sache so zu Herzen faMen, 
gleioh als wären sie durch Betaohafteu vorgetragen, und ihnen 
jederzeit auf das fürdorlichate seine Antwort wisseo btSBen. 

Wenn ee noch dee Beweises bedürfte, wie Karl aUaiQ 
VOD •oineDn uniTeraal^monarchischea Standpunkte aus die 
dcuUohen Veihältuiese ansah und behandelte, hier w5ro d«r 
Nachweie gebracht. Was kümmerten ihn die Leiden udi 
B«dürfnisee des deutsahen Tolkei! 

Das Ergebnie aber solcher Potiltk konnte nur mo, dal^ 
die Zeraetxung des deulsehea Staatskörpors reibendo Fort- 
schritte machte. Bas Uifstraneo, das schon bither all« 6«hritt6 
gehemmt hatte, wurde jetzt immer allgemeiner üud lähmte 
alle und jede That. Die Territorialgewalten wnrden die 
immer entscheiden dem Faktoren auserea Staatttebona. Ein- 
heitliche Oesichts punkte sind nicht mehr vorhanden. Bin 
QlUok, dab wetiigitens in einer Keibe von Staattgewalten 
eine grofse Aufgabe xu löaea war, die Darchrdbrang d«t 
Deformation. 

Dafi aber die erangeüsch Gesinnten jetet immer en' 
sohiedcer vorgingen, erklart sich von selbst. Es waren nicht 
blofs die neuen Ideen, die unausgesetzt vorwürts diängteo 
nod dazu zwangen, in dauernden Gebilden üoh nur Br- 
leheinuDg xa briogeu; jetxt kam auch nooh eine gleieh- 
sam rechtliche Bofugnii dazu. Wenn die Gegner ohne Schea 
allgemeine Iteichsbesohliiasc mifsacbteteD, konnten sie eben- 
falls uamöglioh sich femet gebunden erachten. Jene Klauael 
des Speiorei Reiclialags, jatst erst mufate de jene Aualeguug 






"" I 



BrtU BUndntibMIrcbuDg«!! tvangellicbtr SlU*. 14? 

gtiOZ Mgtnaeia erfahren, dafa jede Obrigkeit bereolittgt «ei, 
tmch ihrem Ermossen die reIig:iJiBe Frage eu lösen. 

Und kucti in den nodorn Dingeu hatten di« Evangelischen 
wieder freie Hand. Die Tuikenfrage z, lt. ytar buschlonfien worden 
tngleioh') mit jener OesBodtscliaft an dvn Raisor. VorletKlen 
die Gegner diesen allgemeineu Beichsbesdüuri , so waren 
auoh aie nicht mehr verpflichtet. Philipp Ton Uesaeu log 
•afort in ganxer SobSrfe diese Konsequenz '). Und politisch 
war er gewifs im ßeclit, vie es politisch ein Fehler war» 
venn andre *> niuht aaf diesen Standputikt sich itelltao. 
Und doch wird mau moraliscb den leleteren AeerkeDDQug nicht 
vereageu dürfen. 

Anf erangeliecher Seite dorchschaate man augeablick- 



1) 3ü borichUn x, B. atn 18, Aagiut äie Frxnkfurlsr Gdiandlan, 
di« StKdte sulna litt enlichlosaen, iu koinn Hiltdaiiilung ksk«ii di« Tilrkiiii 
*ii willigen, „es werd dann die StUdtc zuvor des helllgiiD Olkubsns halben 
in Prlvileti üCitelll und di« Buscliiraruiig d«r Qalitllchiin von ilinta >b- 
gaTAudt*'. Ebeoau sclitslbt Joliann von S>efa>en kn FciUtsch „weil Torhin 
ID Spsler far gut nngaBshcn vnrdDD, dan di« ipbickuug i» Qit^iuiiuj mit 
nni) ii«)>ea Um buI9 und alto eii» »iJt dem andarn furguig errakhoa 
wU." la. Juuu' IG>7. Weim. Ges.-Archlv. 

t) Am 11. F«brBtr ISSI lehreibt Phlli])i> «n Joluuin : Ab«r wir 
bilMn, *. 1. wollt inlich gell mit prolustntinii farbebalten, es sei äenn, dai die 
lioticlitft !b IllipikaIeD furgune habe und bdcIi HOlich gelt aadera nil dftnn 
»Iddcr dflO THfkBii gspniueht n-erdo. In gleicher Woisa hatte er an 
Pral* |[«tcliriiibi<n: „30 bedeiicken wir. dos mao die TurokeDhilf an 
wllligan Bucb nlt ichnldig lel , sonderlich ao aelleb hilf njt gegen dia 
Tsfcken , sondern in Ungarn gewtndl wirdsl," Tercia, Ffibrnar 1B»T. 
Orig. Hflnchn. Geh, St.-Arcbiv. VergiaUlie anih dte spitleren Kapitel, 

ft) Johann von Sachsen tcboute einen darartigon oppoaitlonollea 
8«Mtt, {Tergl. iein4n Brief an Philipp vom i». Febnutr t&IT, Beil. X.,) 
m Mhr er den Elilieger Beachlub beklagt«. So lahreibt or am 16. Janaar 
litl : 90 ist auE der lehlckang yn Vsapaniha gar niebtit worden. Ob* 
aboT dem abichldt so Speinr gemou kan ich beye myr nicht fiiidin, 
a» nyt ial iin|{*i*ig<t, da> d!a froman g«i>ttiehon vetler nnllenn ge^rat 
babea, »U wall tcnvorniuthaD fst, wie woll es myr hnrltUchen IlMl jst 
dea gotikhea wortn halbsn. Wej^ar, mitw. n. feile, mann propri*. Ortg. 
Haiti Si-Archiv. Vargl. auch Cap. VL 

10" 



148 Knie BtedobbatMba^M cvufdMbw «tod«. 

Uoh die Motiv« der Gegaw '). Den Ocöstüchen war M ge- 
gllLckt, di« QcMndluluft su bintertreilMD. Der Erfolg wu 
deshalb lo grari, weil gwade domali Kaiser und Pspst 
mit einer Heftigkeit sich befehdatea, dofs tnao aogar xn 
Öffentlichen Klageschriften gegriffen hatte '). Man sab nnii 
Toraus, daTs die Gegner nicht „feiern" and die eTaageUBcltec 
Ftirstea und Stüdte von neoeni aaUageu und Terietundeai 
würden. Um dieaeo HachiuatJoaeo entgege am treten, dachte 
man daher jetzt eine besondere Botschaft der Evangclitehen ') 
nach Spanien za senden und xwar gcmeinBcbaftlioh die für- 
aten mit den Städten. Philipp und Joh«iia *) wareu aofoit 
darüber einig. Aneh muTcte oben jene politische EonstelUtion, 
durch die den Geistlichen die Geaandtschaft lo gafithrlieh 
erechieneu «ar, für sie eio Grand mehr sein, na so schsdl 
als möglich '') abzusendeti. Die Städte sondierte Albreeltt 
r. Mausfeld'') uod swar wieder durch Varmittlnng TonI{iirDb<Irs^' 



I 



- 1) Vlrck, Pollt. Korr. Ko. 484. „Dk PfftlTbelt hat solchei an irem 
Tortetlgetrcalicb cehirdart", gcbreibl Philipp im g, Jan. IStTan NOrnhtrf. 

S) R>nka II, S Ui ff. 

B) Naebdnm dla Unterlusang ücr Bauehaft luln VoruU dar Pdallen 
gMohehao. lo b«d«u«ht ans nochmaJi gni, daa wii dl« dsm warl i[otta» 
aiib«Dgig miUaoil den itcdMn fnr ui» sclbsl aiu liobrhiR tu k«^. H^, 
■cblckoi. Pbltipp na Juhauu , 11. Februar KIT. Uuboiycr Sudt' 
AiobiT." 

,,. 4) Jubuiii In Fliillpp: nm lo noiwendigar Mi, «daM •■ !• Wir nnd 
andere, so dam goUlclxn «urt unbeiigig, uiiUamt d*D tlcdlan Tor aas 
Mlbat in keyi. U^. eine ichldtang Ibao". «. Hl/a ItilT. Wdm- O»- 
AnhW. 

5).dltteil dei BabsUa ucb mit kays. H^]. dU wohl •label. damit 
biwin Divbl la lang vcno^u und otwu uidan elnfalla. das d(a dla|^ 
vorblndarllch sdii laooliL l'hilipji an Juhauu, Sl Fabtuar ISSi. 

•) An II. Januar 1&17 KBrabug ui Maii*fel(I: K. g. tefartibaa, 
balang. dl« tLohicliuiiE Rsin. «Und boticbalt, roll e. gn. »nielBtn nad 
bcK«ni — Tsinuniaa ilc. UabbrisrUuob NDrnb. Ki.-Arclilir. Kt *rh(ui)t,| 
dalii AllifMiht V, Mamrotd hat elgutr Itilliatlva bni KUrabarg luifrug, 
l'bUlpp erfüllt davou atat ilatch Krofi , Eod« Januar lflS7 , bIs er dou 
gl«i«b«ii V«iKbla|E am 8. Januar icoiuacbl. Wtim. Qca.-irobiv Sopi*. 



Bnw BUDdalibMlrubangao «vanKnli!ich*r SUnde. 



149 



Dj«»u wiltroiiete nofort zuttimmenil *) and übemabm 
di« n)[ohat«D Yerhanälangeii mit jeueo StUdtsn, auf die mui 
TOtSOgaveiae rBohnen au kSnnen hoffeu durfte »). Nur fin 
„•tliche" StiUte wendete man lich, weil die Bkchn mogheihnt 
gAaia ^hallen weriien sollte, dninit die Gc^er nicht Wind 
b«1üiiDoit. Umgehend Hohrieb dnnn Nüroberg an AugsbQlg^), in 
(leioh«r Weise an Nördliagen, Ulm, KoDstunE, Lindau, SchwS- 
Mach Hall und ViankfQrt*). Auch ui StrsToburg'»). Nach- 
dem aie das Scheitern der Hcichsgesandtsohaft und ilie Ab- 
sichten der Gegner in ichnrfer Rrfassung der polilisoheu Silualion 
dcrgalogt, erktüren sie e< fUr ihr« Pflicht ata Obrigkeit, getreu- 
lich fUr ihre üuterthanen eu »orgcn, besiindcrn dem Kaiser 
gvgenilber, ihrem natUrliobeii Herrn, auf den ihnen auch ein 
„pillioh geboream aufsehen, soril nit wider goU iat, 211 haben 
gebühre." Han solle deshalb dem Kaiser darlegen, „auf wa« griind 

K glauben gestellt wäre und zu wa» schuldigen gehoream aio 
•en dem heil, reich und ihrer K. M. naigueg trägen", dofs 
sich BQDh auf Qmnä der göttlichen Schrift und durch 
ohrintliehe« RodeÜ weisen ku lassen erbälig, Diua 
werde viel Gutes, Gnade gegen die ünterthanen, Handhabung 
und Forderung des Evangelinrns bewirken. 

Um neeh gräfseren Kindmck zn roaohon, erzählen rie*), 
ihnen dies auch von ellicheo der „Vordersten am kaiser- 
Kofe" im Interesae der Städte geraten worden wäre. Zu- 
sei ihnen die Versicherung geworden, daJa aurh mehrere 
Kurfürsten and Fürsten , dazu etliche tapfere Stfinde von 
Stidtsn und Grafen sich beteiligen würden. 




1) Bban Am 11. JiDDur. Achicn d4fiir, du diM*f ■■ gn. raneh1(|; 
gaata chrietli^h bodjiqht und Aiu rocht tnHtal 6ni oCfl, 

I) bagcTD d« (Hambsrgt >iidre reichuletl und lUnd, lovit imui der 
gthkbon mecht, >u i^lichsm gloIchcnteiBsc in bfnrt(;gn Duruiiib tj «urh 
eDta«hlaii'«n '"in, ruidtrUrb «ii ptlicba danelbse Teicliitlmtl — ini ge- 
daibd — xiuchriibsn. 

t) OriR. im AnKib. St.-lTih. 

4) NmIi NUtnbBcK* It*ltbri*fb. VotgL »011 Beilage XI. 

5) Vargl. VInk, No. 4U. 
B)l. e 



150 



Ents Büiidiii>lie!lr«l>iiiignu sviiug*ll>Kli«r SUo4«i 



Wer mit den Eurftirsten und Fünt«o in enter Linie 
gemeint, wissen wir. Philipp von Uesnen war Feoer und 
Flamme, um Nüraberg*) za treibeD, halte er an KrePa gO' 
schrieben ; anermüdücb drängt« er aber auch bei Johann *) 
TOD Sachsen. Denn wenn gleich dieBer alle Yorauseetzungcn 
Philipps anerkannte und infolgedeasen die Gesaadtschnft auch 
bei auineu Nachbarn fördern vollte'), so war douh wieder 
olles in Frage gestellt, weil er noch immer uiuht die Oesandt- 
Bohoft endgültig beseitigt glaubte und vom Regenaborj 
Reichstag günstigere Beschlüsse erwartete'*). 

Aber auch Nürnberg stiefe auf Schwierigkeiten. BotviU 
am 34. Januar hatte Augsburg geantwortet ^). Da orklärle» nun 
die Augsburger, auch nauh ihrer Aueiobt wäre es besser geweaen, 
wenn die Terordnete Botschaft abgegangen wäre. Darauf be- 
richteten sie, dafs vor d«m ETslinger Tage die Bisohöfc der 
Mainaer Provinz eine Versammlung gehabt, so doT» auvb sie 
keinen Zweifel hegten, „man habe dun Frei- und Beiuhsstüdten 
zu süliaden nicht gefeiert". So viel Gott ih neu Gnade rerleihe, 
seien sie bereit, sein göttlich Wort und Lob zu ftirdoru, da- 
neben dem Kaiser „als ihrem rechten Herrn allen GohonMun 
XU howeisen, auch zu helfen, raten und bedenken, waa dem 
Wort Qottee dieolioh und den Heichsstadtea ku gute kommen 



m 




1) An S. Januar 1537. S. S. 146. 

I) Vergl. DeilHgfl X, tl. Fübruw suhrelbt Pbilipp: bsdsaehi' 
no climals gut etc. 

S] Am e. Utrs. 

i) Vergl. Beilage X. UdiI duih mulk «r in ilsnudbsD Brinf g«- 
iitubeu, duta der RokliitUK vontumiiclitlidi gar iiirhl >UtUlad«n w«nl* I 
CbanktcHäcli Ut auch folgsudc Bemerkung Im Briefs vom S. Mlr>, er 
«oll* bei Bolneii Nacbbani „buicltlo, iron willao lacnl» aulall dea koaleiu 
(larao lugcben. Dsa wiwal wir ii«ulich mit alaetn davon thollau lasico, 
der «al geirlltigot. da* er in der wecbuug mltgeDacnl und cingeiogeo 
irurd , aller dai er kigelo oder la der unaoatong pflog«» lolt, wiusi . 
am •Ullclieii umaehoii eil au tliaii." 

() K«Daopl von Peotlogen Uaod Im Augib. Üladl-Arehlv. 



Im» Bili)ibil»b«»lr«)H]ne*ii •▼■ng«iimh«r Süloda. 



151 



Die Antwort Aug«bur^i war sehr bweifthaeod: stet« 
Dftoli hattä eti mtihr Rijckatubtea genommeii, ala eiQe Andre 
Sladt, äagaüioli befiUsen dem Kaiser j& kiiin UirafalleQ ku 
erregen. Id diesem ITalle scheint ee noch besoDdoren Aa- 
stoXs geDommen zu haben'), dah KurfürsLeo uad Fürsten mit 
ihnen gemeinsum beim EaiDet Torstellig weriien woUteu. Niira- 
berg hatle Tolllcommen Kecht, wenn es in «eitter Aatvort sagt*]^ 
sie könnteo eine „einiohe gewisae anlworl auf ihr anaucheo 
■liebt erheleu". Sie veraioberu, dalJt aio Aagiburg nie zu 
etvBB verleiteD wollten, daa ihm irgendwie besuhwerüch 
wecd«ti keuDo. Aber sie taur«tcn wiesen, ob ÄugaburK mit- 
thnn wolle. J^ioe aodre Werbung, uU die den St«dteu nuta- 
li«b und vor Oolt, Kaiser und allan Gliriatctn sn Torantwart«B, 
würden nie uie bewilligen. Man mÜBw daher mit „wiaaen nnd 
KuUssen" aller derer, wetcbe die Sohiukuug bewilligten, über 
«ine loatruktiQii sieh «ohlüseig macbeo, ehe di« Boteobaft 
abgehe. Daraufhin erklärte Augsburg seine Zustimmung'). Sie 
wollten aeiuer Zeit ihre üesandten sehiclien , wollten aieha 
aaoh gefalleu Isasen , wenn neben den Reichsstädten auch 
andre Stande roa KurfUraten, Fötsten etc, sieh beteiligten. 

Di« Antwort der übrigen Städte kennen vir nicht; sie 
n&Mon aber grärstenteiU KitstimmuRd ausgefalleti sein*); 
nur wünsohtea sie, wie Nürnberg an Uanafeld schreibt, n- 
Tor die Xamen aller der Beicb^stäude xn wiesen, die sich an 
dar Geaandtsuhoft beteiligen wurden, ferner Ernennung einer 
Ualstett IUI Aufaetsung der Instruktion, Wohl der Bot- 
ntiaftei n. s. f. Naturlich aber hütten auch die daselbst 

sten BesohlÜBse nur „unvorg reiflich" sein dürfen. 



1) WenigiWns betont D« um H. Vehrau 1517 leln ElDVanlinlliiia 
■tl dar Tcllnahine uiderer FUnlan giu» beionden. 

9) Vom 30- Juiuu 11127. Original Im Augsliurgor Stndl-Arohiv. 

S) Am C. Fcliraar. Konispt iva Peulingcra Hand im Augtlinijftr 
Sladt-AroMT. 

*) VoTgl. B«iUK< XI 



RMa Biln4iiiib«tlre)iaii£ca ettngalifrhw flltnde. 

laswischeD m11(« MftoifeM ') noch vdt«re Funtoa und 
QrafoQ XU gewinoen rauhen. Die Inttroktion wollton 8«oh*ni 
und HcflKen ftnfsetzen, die dann Albr«chl von Uanafrid an 
Nürnberg lu nbermittelo bstt«*). Nürnberg Mllte sie darauf 
nn die Städte, die sich einverBtADden erklüil, weiter be- 
n^rdern; ihre BfickäurseTung dann wieder an AlbrecJit Ton 
MaoBfeld gelangen lassen. Und in dieeor Weise wSra ^^H 
wohl fortgegaoget). Uan hätte nodi ntigc£äh1le Briefe hin^^ 
fibor- und heräberijeBob rieben und taa Ende wäre do«h uicht^ 
SQBtAude gekoDiDieD. 

Abenuals hatte die geinchto Verbindnng zwiiohen Fnr- 
tt«n und Stiidten nicht slandgv halten. 1>ie Gesandtschaft 
war bn dieser Bedächtigkeit und Furchtsamkoit, dieger Klein- 
lichktit und gegenawtigem Mifetrauen von TOmherein ein 
verfehltes unternehmen. Sie spielt zwar TerfcbiedeolUcli 
in den folgenden Verhandlungen noch ihre Rolle *), aber la | 
Wahrheit hnt de schon j^txt ihr Bnde erreicht. Nicht 
sum wenigsten duroh das Scheitern der andern parallel df^^ 
ait herlaufenclen Unterfa an jungen Johanns und Philipp^^ 
mit den grö&era »TaDgelischen Htodten Nürnberg, Strafa-^ 
bürg, Augeburg, ülro und Frankfurt über ein Bändois, von 
denen gleich nachher die Bede sein wird. Wie konnte man 



ht^ 



I) Ver|;1 Beilig« XI. Wi* lii«r NQmberK trUaiehtB, ichickto UuM- 
fflld dib Nunen ier Stind«, Auf diu «r rsrhiKtto, Abpr in;t nulclivr Vor^ 
sieht irQrde die ganse Angvlngeiihcll boliandeli, dab Nllriib«rg di» 
„Damen , in e. g. elngslogtnn itallol va^Xl•il^hnDt", bei sieli ,|liooh 
Zsil iinemffDel" behielL NQrnbArg an Mitntfeld, B, April. 

!) K. ga. 11(0 gel. (chreibtD — vernumea and tataen un* nnniir' 
gefalleo, dai die itulrucliun — in tehriften vciTar^l and unn ubortchlekt 
worde. Als^lanii >*o]I«d wir die anmirii freunden -^ ubernenileii und 
darauf Ir (eiaer gemut und mcfnang votnemen uiid e. g. aUdnii loliiiht 
nlt veihaltDn. B. April tSSI. Numbarg an MaatfeJd, NSmberg. 
AtcliiT. 

a) Vorgl. dai foJg. Kap. Im Sommer doi Jahres 1&3I «uchl Pbitlpp 
aucb KnrnnI LudwiK lu gewinnen. Die Verhandlungen ncrdoD datin 
forlcerabil, ohne Jedoeh irgendwie vorwlria la iifiminsn, bis di* Pack- 
sehen DKndel aneh sie anlerhrvcben. 






uaat 




Ertto B9ndnisbm[r<itinn)[«n «ir*n|[tliMiher Stlod«. 



163 



V. 



Hossiflch-flAchsische Bündnisverhandlangon mit dem 
Smdten. 



auch mit reohtom Brnet flir dies« eTkogflliscIie SoaderlMl- 
Bohaft lieh b«inlihrn , v«nn mkii noch immer die [loffoung 
»iclit aufgegeben halte, auf dsmdenmiiuhit leuiunmentretendno 
Beir.hsUg eu Regenebiirg einen gdnttigen ßetehluTa Jn beireff 
der Reicbegeeaadteuhoft zu errieten. 

Dafa ]etz(«re Hoö'uuug eich als eitel erwi«i, TU" mgent- 
Uoh Dach den Erfahrungen des BfBlinger Tag«» «eJbBlTei- 
EläDdlioh. Zuvor milsson wir je<lc>ch eine andre Angelegen- 
heit in Betracht lieheti, die ebenfalls in Ke^otburg xu Grabe 
getragen wurde, 

■ Hfl 

^H Frankfurter Tag. 

^^V Wir erinnern uns joner Antrfige, die JohKnn von Sacluon 

Vnd Philipp von Heiien in den kntisobea Tagen de« 
August 2U Speier den ärei Städten Augsburg, Nürnberg und 
Ktr&Tiburg Übor ein evangetiaohe« Bündnis gemacht hatten'). 
Auoh Clm und Frankfurt waren dann noch in das Geheim- 
nis gezogen worden. So bedenklich die Lage damals war, 
die Städte hatten doch nur mit grofser Reserre die Än- 
erbietuDgoQ aufgeDommeo. Am geneigtesten , sich den 
Fürsten ru nShem, halten sich Strafsburg und Nürnberg 
gezeigt, während die übrigen sich sehr viel EurüokhalteDder 
tt«llteD. Schlielälioli aber war man doch insoweit den 
Wünschen jener Für<ten entgegengeliommen , dafs man ßir 
künftige Faatenraesee zu Frankfurt eine Zusammenkunft vnr- 
abredete, wo man weiter verhandeln wollte '), Das boBBgte 



l) Versl. oben S. lOS ff. 

1) iDiwiichaii orachi«D ■)■« Progninm doR Weimar. Ojinnuiuiiu, 
dutui iriunDivliKltlicIifl fidll&g«. iinUr dem Titel r DI« SUdt« und du 
DUodBi* dei cvnDiEDliicIieo FlinMo 15SC Dnd ISS7 vi>n Hftn» VIrck, mLl 
' dmMlbeii OeiccniUnd «kh buohliftiitt. 



]&4 KnU mahiikmirmhmBK*« inKirwA» Sttote. 

niia &cilieh wenig genng, dena alW *) fotH« aar n*u>Ti>r- 
gnffanliefa oad auf lüater uch briDKea" daaelbM bantoa 
vardeo. ImneThüi irar nun einen Schritt wüteicakaiiuBVB, 
4i« StfdU liutoD doch ihren frühereB Sundpwikl de« eüt 
fachen Attlehneiu TerIa«a«D. Balf die Gimit d«r Dmttlnd«, 
M konntaa die FünUm wohl bofFen, ihr Zi«I su etreichsa 

Abar lo iweifelhaft war doch ■chüefilteh allae gabliebaa, 
data di« Stadt« bii Weihnsehten in Frankfurt bei Bni^ar- 
aaiateT Eollsbaus«n nur erst überhaupt nob erUSren »oUten, 
ob na oder welche von ihneoi an der Beratung zur Faftaa- 
nwM teilnehmeo wollten *). 

All Weihaachten hornDrächt, ist Nnroberg abermals am 
eifrigst«»*). Die Sache aoUte m^lichst geheim gehalten werden, 
daher war ipeziell Hamaa von Heltxbausen in Frankfurt al« 
derjenige beetjmmt worden, an den die Schreiben der g»> 
□anntoD StJldte eu gelangen hätten. Da Holtzhausen dwit«N 
aber gerade Beisitxer am Kaicerlichen Begiment war, vergab 
Hllniberg nSoht, am 1. Dexember vorher bei ihm anzufragen, 
ob er zu Weihnachten wieder nach Frunkfurt zurüokgekelut 
odor wen sonst dt x<a Hinem Vertreter ernannt hütto. 

Gera bUtte NUroberg bei dieter Gelegenheit anoh oT' 
fahren*), waa der Bat von Franlcfurt beachlossen, ob er ab- 



1) Vargl. den Brief MUntborg* an OalHbanaea vom t. Daiember 
IS». 8. folg. Anm. 

)) Nuhdem — aa Sp«ier — %m loucan d«T aluchiiil nuomwi 
isl, dai dieielliea stell tvlschrin und Waihiiaclileu «otwotl gabu und 
•uch g*iii IfViuikriirt iu>chrolli«n lollcD. ob lie oder wal^bc boi Inea 
shiM vamUsdi odsr v«rcinlg^nK tiilb, doch unroritrilflich lu r*dvin und 
SS fauidala, iiw bottchiß — <liu«lbat >u frankfari hali*ii vollan odar 
Bit aia. NOrabirg an UolnluDMn. I. Den. Am HdtobriBfb. KOnbcrt:, 
Kr.-Ar. 

3) Am 1. Dtxomber wendet •■ aich la diMsr Ant*'*C*°'i*'l ■>■> 
ItollahaiuaD, 

t) niid dai Ir aueli daaaban im gchcEin barlebtea woUbU vm da 
nl >e FrBukdin du la odor •btclimibaDi halb aelahar bajidtiuif ge- 
ijniit *«7an. 




EnU BUadnlibMtiebnug«!) iivaiieoUiicli*r Slinil«. 



155 



odarstuohreibea werde. HoltElitiu«eu« Antwort ku:u)oii wir nicht. 
Sicher aber ist wohl, dftGi FraDk^fuit') dwrauf «ine bMtimmlo 
Antwort Dicbt gigeben lut. Am liebsten hätte ea den FUralen 
ftbgeaohrieb«n'), doch «cheute es «ich, bostimtnt sioh aus- 
xusprachoD, ehe es nieht die Absiditen der übrigen StÜdt« 
Luinte. 

In Speier batl« man wohl daran gedacht , luvor noch 
eioe besotidere Zusumiuenkunft der Städte xu ve ran stalten, 
unt gemeinsam« ScsuhlüsEO in dieser Aogelegonheit zu fassen. 
Davon hört man jetxt nichtE. Man Iruute doh augenscheinlich 
■lieht iDoht. Selbst Nürnberg war nooh an keinem festen t'nt- 
suhloTs gekommen. Seehalb hatte es in ähnliaher Weiae 
wie bei Frankfurt auch bei Ulm angefragt. 

Die Ulmer gestehen iu ihrer Antwort offen ein, mau 
habe sich andrer Oeschäfto wegen bisher noch nicht mit 
dieser l'rage befaCat gehabt'). Auf Niimberg» Erinnerung 
hatten sie darüber beraten, könnten aber zu keinem Est- 
sohluia kommen. Eb sei ihnen ^eiuh unthnnlich, das An- 
erbieten der Fürsten aoaunehmen oder nuszu schlagen. Eines- 
teils könnten Pälle eintreten, da£s man iroh sein würde, wenn 
man die Sache nicht in den Wind gesublagen. Andrerseits 
hätten sie neben andern TJngelegenlieiten die Befürclituug, 
jene Füxateo Beieo ihnen su entfernt gesessen, so daTs üe 
im Ernstfall wenig oder nichts holfen könnten. Bei dem 
besonderen Vertrauen, das sie zu Nürnberg hätten, baten 
i]e um ihre Ansieht, was sie za thun gedächten. 

Wenn hiebei Ulm auch als GrunJ, weshalb etwa eine 
Entscheidung hinauszuaiehen sei, die Botschaft nach Spanien 
angeführt hatte, bo war gerade um diese Zeit ihr Schicksal 
in ETsltngen entschieden worden. Die Laufte, sagen dii- 
bei die Nürnberger in ihrer Antwort, seien derart, dafs raun. 



1) Br|^«bt sieh ans dem Falgeodwi. 

t) Ve^l. Virek, Pollt. Korr. Nr. «I. 

i) VarfL ihr Sohtolltea vcn 8. Desember 1&S«. BüUge XU. 



166 Ertli nOsdninliMlrebtUifm cviii(*li»di*r filiad». 

vu Tor die ThQr kommt , oieht tob doh acUaftmi dürf«^ 
WM man hemub gern Ton ireit her holt« <). ^H 

Inswiadten w«r Bueh too StrsTsburg*) ein Brief i^™ 
BUniberg eingetroffen. StrartbuTg, wie Nfiraberg, stet« Tiol 
bestimmter als die andern StSdtr, hatte beschlosBeo, Geeandle 
naoh Fruik^rt xa »chickoD. Katörlich behielt»« »ie sieh 
ftlle ireitem Beschliisse tot '\ Das aber entaprach an«h 
don Absiebten Nürnberg;*]. Uen beecblofe eleo, in gleicher 
Weiie wie Strafsburg Toraogehen*). Den tJImem sollt« t«b 
dieser Entscheidung durch ihren Bunde«beTollmachtigt«B — 
«s v&r um eben die«e Zeit «in schvBbischer Bundestag tu 
Ulm — lfitt«Üurig gemacht werden'). 

Das Beaultat ihrer Bespreohimgeii «rar, doJe die Nürnberger 
Gesandten mm suhwSbtsoheo Bandestag Erefs und Volkamer g«> 
metniammitdemBürgerraeirteruQddenf&iifGeheimenralen von 
Ulm einschreiben an Augsburg') abgehen liefsen. Diese« hatte 
bisher in besagter Angelegenheit noch sieht« tob nch verlauten 
lassen. Bei seiner bisherigen ängatlicheti und iweideutigen 
P<^til[*) mufste sein jetziges Schweigen beilecklioh genug er- 
scheineD, um einen solchea gemeinsampu Schritt zii gebieten. 
Darsaberauobülm.trotx seiner soeben au »gesprochenen Zweifel 



obreOiHH 



I) Id Ihrer Antwon Mi Dtm vem 31. Dasembor. NUrnb, Hal^rii 
bndi. tiUrnb. Kr.-Anhlv. Es ernagnu nioh such dio leum ciKentllolt 
(olher K8*'>^tl, <Im M für dia IhOn knmbl , dU vud »tcb mRachlKhan. 
wetchei msn hypscb garn waft bolta. 

S) du Deulicliar Ug uis Straabarg «in uhrift hiabar galssgt, si 
Nüraberg aiu 31, Deiember, 

S) Vergl. die folg S., »uub Polit. Koiratp. Nr. IM. 490 

1) Aber dia Sachen können deninaeh irol In elnsm unvargiifranlichea 
Biibani; WliiJt«n weidan, Niinitiiirg in Ulm, 31. Dstember. 

Sj Dem (der StrUib. MeinuDg) gomais tcedsnckan wir unii aucb tu 
hslteo — Nürnbers an tJIm, 81. De*. 

t) kIs a. ir «an anaerni bnodeirsthe, der kanltch la (Hin wurdat 
KDknmeu und dknabaii. wla wir dnn dingen nachgadubt, vamausa 
werdet — SI. Deiomber. 

T) Vom IS. JaatuT ISST. Tantl. BaiUgeXIII. 

8) Vargl, ssina HallaiiK tm Spsisrsr Retctistag. 



EriU Iläiidaiib*»t[«l>iiiiKDii cTKngelMElinr StKod«. 



157 



uad UnenUchiedenheit, bei diesem Vorgeiien aicb nicht tM»- 
e«blor>, Eeigt, wie Am eDtscbiedeoere Nürnbsrg Ulm mit 
Eortrifs. In besagtem Uriele erklären »ie sioli nun bereit, ihre 
Oea&ndtea nach Frankfurt ku «chioken und mit don FiiriUn 
TOD den Dingen, „doch unbeeoliliefalioh, unv ergriffen Hob, on 
einig uinemeo , soodem allein suf binder sich bringen eu 
roden"'), wie dasselbe auch StTafsburg Ihun wolle. Um ooch 
mt'hr, uls BohoD durch diese Klausel geschehen noi , Augs- 
burgs ÄngstHohkeit zu schonen , fügen sie hiniu *] , man 
würde wohl schwerlich der Fürsteu Vorsohlsg siinehmeD, 
douh dbrftH es nicht eohaden, bei jeUigen „leuflen" die 
Uugnade der beiden Pursten zu Terhüten. Wäre Augsburg 
unter diesen Bedingungen bereit mitzuthun , so machten sie 
den Yorsohlog, ihre Abgesandten zuvor in Ulm tusammeu- 
treten zu lassen, um sieh einer einmütigen Antwort eu ver- 
gleichen. Doch leide diu Sache keinen Aufsohnb. 

Ehe dieser Brief nach Augsburg kam , hatte Feutinger 
an den Augsburger Abgeordneten zum Bundestag, Ulrich 
Arxt, geschrieben'), er solle doch bei Erefs und Neithart, dem 
Städtehauptmann, zu erfahren suchen, was sie ßlr Antwort 
Bach Frankfurt gelangen lassen wollten , speziell mit was 
für Gründea sie ihre eventuelle Ablehnung motivierten. 
Augsburg sei die Sache „ganz entlegen" *). Noch war dieses 
Schreiben nicht abgegangen ^), äa, traf jene Anfrage von 
tEreJä und den andern in Augsburg ein. In einer Hooh- 



l) Damit ttsftn tin gtnui die Heicnng des NSrnbnrgBr Batsa. Danu 
fSBW ichrieti am SS. Januar an seine Geiandlen ; Wir Iconnen nit lie- 
daaebt». dai fliircti die (sandten lU Frankrart was ander* kSnne |[a- 
bsodall irardeD, dann von milleln , ni« man lich In verstontmu da« 
Cliurf. und F'ursteu von Sachseo and nasanti Ihun salt, unvergrÜTenllfh 
au lioreii and itotieha nnf hinter aicii prin^en AiizuDeR;en. 

S) Vergl. Hellag« XHI. 

3) Am tT. Janu&c IGST. Koniegit von Poutingen Hoed im Auf ab. 
Sl.-4rcbiT, 

(] itlwol una die taulie gaui «ullegen isL 

fi) glaluh all wir dieien lirlef (vom 17. Jan, verst. oben) ac eueli 
l<|*Cirtil[l haben, ist ima eiu hrief von Kreison etc. aukoinaii -~ Kouiepl 
Aapb. Sudl'Aicbiv. 



158 Erst« BOndniibailrebuiigon evangeUiicIisr StEnJ«. 

Gchrift erklärt sio)i Feulitiger mit (!od hier (remacht«ii Vo 
schlagen ein vera fanden. Mau aielit also , wie nicht8f4gei>J 
eigentlich jene ZusB^e war, die NBrnberg und Ulm den 
Fürsten geben voUten. Ulrich Arsst aolle, hieTs et, deubttlb 
mit jenen beiden nndero Städten sieh &ber dl« Fasaung dea , 
Schreibens nach Frankfurt Tetatändigen. ^J 

Allein gelbst iwiacben diesen durch IntcreMengemeiii^^ 
Bohaft und Oesobiobte eo oog verbundenen Gemeinweflen 
waren derartige OegensätBd , dafs eine Einigung nur aohwor 
zu ereiolen war '). In Nürnberg und Ulm scheint ma n 
überhaupt*) auf Augsburg sohleoht zu Rpreohen geweseo i^H 
teia und gewifs mit Recht, ^e die Verhandlungen hia^^ 
abermals beweiBeo. Am 20. Janunr^*) traten zwar Krefa un d 
Tllrioh Arzt zusammen, aber zu einer Yerstündigiing kal^H 
mau niöbt *). Erefa erklärte plötzlich geradezu, keinefl^^ 
Befehl ■'') von Nürnberg lu haben ; er hüUe deshalb alles 
dem Rat« Eugeschoben und diesem den Vorschlag gemacht, 
•inen Nürnberger Kaufmann , der obnohin die Frankfurter 
Messe besuchen werde, mim Bevellmilehtigten eu ernennen. 

In dieaeni Sinne schrieb denn auch Nömberg am 35. Janunr 
1 S'27 an Uoltzhausen BOob Frankfurt, sie wollten zur festgesetzten 



1) Dann ich vü, lieber mll eiD«in wilden »olff ditii mit 
UMiercr reden wollt", acbreibt Ulr. Arit vi Aagsbarg t.m 19. Jan, Orlg. 
Anicib. 8t.-ArDbiv. 

>) So schon «uf dem Rciobaug von Sjjaiar. 

3} Also aoiod sie bernilig worden, soncsKS f<'"s dovon lu h^nd*!». 

4) Darfibet borichtct dir. Aril va 31. Jtniur. Orlgliinl Im Augib^ 
St.-Ariljiv. 

G) Dies Vcrliftltnn von KroRi erklSrt «ich laicht %at dar iweldaulii 
llnltunj; Augsburgs nnd icinei Bundcsrnti Arat. Denn dl<ucr IcUtiro 
war >u cinKaiingend instiuitrl — or wuftite von dur ciinien frUipran 
ftpcicrcr Verhandlung aUbta — dar« «r nacb Augiburg icbrlcb, or finde 
In ihrem Brief nicht, „wm er mit inan hnndsln soll. So die frag ■& 
mich kommt, >a Kitt ich aU aiti (utor nun und wai« tiicbl« duTOo tu 
reden " Ulr Arat trat dcilialb noch iDrUckhaltendsr auf, ali er *i aonkt 
ticliün gethau liütte. Da mochte aber ancb Krau vuraielien, voller« Vtr< 
btutIluDgon ruhen an lauen. 



rlg. 

gi b. ■ 

1«^ 




Bnt« Bi 



ogtn ■v«nit<Ji»ch«r StSadti 



im 



Z«it«ii>»ii ihrer Katofrcund«, d»r*o wiesodi« H<iM«*)bMuchci, 
kl* AbgMandlm »ohickon, um «regen des Vnnitändiii*:**« mit 
SkiIuob und Heesen oeben Jeu uidem Städten, „doch miTor- 
griä'eDlioh und auff hioder »ioh briDi;«n," lu reden*). Von 
einem gemcinaamoa ÄuftT«t«n, wobei wieder StrafebuTg^) nioht 
«ingoladoB war, imr ateo niclit mehr die Kode. Aiiraoidem 
tchricb *) itunüclist nur SlraCaburg zu. HoltxhuHon fn^cte da< 
her bei diesen Leiden Städten') an, ob er etieli für den 
Fall, dafs Straruburg und Nilmberg mit ihrer Zustimmung 
•liein blieben, davon den Fttrston Hitteilung machen solle. 
Btrnfaburg erklärte »inli^), fallii Nüroborg cinvcTBtnndcn sei. be- 
reit. Und Ifürnberg') blieb feilt. Ulmu") beiHtimmendeKrklUrang 
folgte naob, Augsburg hilUt« sich in Schweigen. Später') 

1) dar one das Remolla Fr^nkf faBtenmeiu bei nicb mu Minor nat- 
tnrlt ticsachan w!rdct. — Nllriiberg rni IIi>llih»u><n. Absdirift im AnEsb. 
Su-Arthiv. — Diess ipBle Erklurung mi „%a» kaioiit g*ir«id, •ondnrii 
Ml aincm verBnhon dar cantiloi" giichohen, couchnldlgt ikh Mllrnbarg. 

?) D«T NUriiliKr|[«i' Alij(Maiii1l8 imr PI)iiUiui[. Kr liMte iu|{lvicli — 
od«r wu dl» bltfs Schab, uro Jodem Verdacht ■nToriDkoinmeii, — dan 
AnftriE. SOOO fl., die riadvlj; vnn der Pfilx aii Nürnberg schuldote, in 
EnpfiLDg tu nahsi«». NürnWit >■> Ludwig SO. Mfiii. NOrob, Kr.-Areli, 

8) Verg). oben 8. IST. 

4} Virck, PoL Sorr. Mo. ISt. 

S) Vurül Virck, No. 481. 

e) Virch, Sc. 4SS. 

7) VergL Beilage XIV. 

8) An lt. KArt Iftll ichtcibl Prunkrart an AiigiburH : „wie dm 
dt« von StrMbncf, Nürnberg und Ulm geilijtD " Angab. Ki.'Ar«fai*. Am 
>B. Pabraar In denetbca Woiie ui Philipp. 3 Bell. XV. Ulm Uilto 
aadl doein Befehl NUmborgs vom 15 Janunr diu Abucbrirt de« NUro- 
bwger Sehreiliena ■» HDltihnuReii ortialtau. 

e) Aro J. Kabraar lAIT .,ab dor*o1b ta^E ""d wann dar bejr e. F. 
anRoietit leye". Wegeu Krankheit des Boten traf der Rrint «nt ipllter 
ia Vnaktiui eiu. Fruikf. ät..ArDh. FVankttixl aotworlet am 16. Hdl. 
Mao eniebt aber aoch aoa der Tbatiaeho, dab AugabaiK lieh ent er- 
kandlgen mnr»1«, wie volliUndig im Unklaren pk von den Qbrfgao SUdlan 
(«halUn worden wsr. Urqirlinetii'li b&tte Krall nich Uefthl vom SB. Januar 
•ach AngibuTg von NUrabergi BchrcilioD nach Franktart in KennUiIl 
MU*B lolleo, uatorllels e* aber wohl wagen der Zweidauligkell Augcborp. 
SpStor milk aber Aiig"biirK benachricbiigl wardou «ein, dann die Abicbrlft 
. Am MlnbMKer ttrletai boAndol licb In dortigen Archive. 



leo 



Erste BIlDdiiigbottrcbiingeu eviag«lli^er Sünde. 






erkundigte es aioh bei Fraubfürt, ob und wann die Tngeatzung 
statf^nden werde. T.Jn zuetimmcndor Entechlure FrunkfurU') 
w»r natiirlioh erst reoht nicht sa erwarten. 

flubon der biitherige Verlauf diener Aogulegcuheit IE 
erraten, was ihr Ende sein inufate. Warmes Interesae für 
das Bündnis mit den Füreten halte keine Stadt gezeigt, selbst 
NUmberg nicht. Das liefs »ich am Fude noah begraifeii. 
Denn der Qegcnsatz gegen die immer mächtiger um sieb 
greifende Fürstenmacht war und blieb vorhanden. Die alt« 
hiBlorische OemciaEchart der Stndto preis^nigeben, konnte fort 
und fort Bedenken erregen. Aber daa BeHohämende i«t, dafs 
eelbst nicht einmal die Btüdte zu einander Yeitraucn hatten. 
StraTeburg erscheint wiederum isoliert. Die beabsichtigte Vor- 
versammluDg, um gemeinsame Stellung sn dem Antrage der 
Fürsten zu nehmen, sollte nur zwieolien Nürnberg, Ulm and 
Augsburg Btatl.finden. Aber selbst hier maoht Girereucht und 
Mifetrauen alle Gemeinsamkeit au Schanden. Nürnberg tritt 
empcirt zurück, um selbständig vorzugehen. Ulm folgt wider- 
strebend, Augsburg steht mirstrauisch zur Seile. 3o ntaud m 
uu die Eintracht der mafsgebonden Relohsstädtel 

Ks mufH auffallen , dafs auch die Fürsten nioht erost- 
lichor sich um diesen Frankfurter Tag bemühten. Weih- 
nachten war vorüber, von Frankfurt wtir keine Nachricht 
eiogetrofFen *), gleichwohl trieb man nicht. Erst auf uiiien 
Brief vou Krefs hin fragte Mitte Februar Fhiiii>p bei Holti- 
hauaea an"). Deeseu Antwort*) kenoen wir: Nürnberg, Stras- 
burg und Ulm hatten zugeschrieben. 

Darauf trafen auch dio FUraton ihre Mafsuahmen. Wi 



M 



1) Vergl. d[g VerliandlatiKoii du Fnnkfurtsr Tiigu t 

1} Am 4 F^biDar fiiLiit Ja HuIlliaiiicD nrtl licl Stturaliurij u. MQr 
barg an. ob ar Ibr* Zustimmung anoh «Irklieh an d<« bitid«n KUnlen 
üh«miUtalii solle, 

S) Wir halina »aeb auf d«« Kru*«n «elUr anisiji ttoltihaiuen 
Frookfuil gftchriabcD , du or uiu dar tindta s*iiiut« und msytiuag id 
«ikfiinmi i[i>lii> l'bilipp an Johann, 31. februat 1037. 

*) 18 Foluaar 1»T. Bailage XV. 



ilen 




GuM Biiadiii»b(wtr*buag«ai aruiealiidiar 8U»d«. |gl 

boflauugBlM di« ZusttmmcDkuiift «od wünle, tkh&tcn nie 
nicht'), um so woaigor als KreCs ui Philipp von UeMeti 
geschrieben hatte, d&l'B NümburK geiieit^ tei, di« Sttebe 
mit i.höchBtem Iteiee" xa türderu. Äher ein wahrer Un- 
glUcksBtem -nnltetii über die«eii BentrebuDgeD. Bcsu Sachsen 
bat plÖtxlichPhJIipp, eeiiien Gusauilten auch Tiir ihn, in Johanns 
Kamen, nach Frankfurt abzufertigen*). Philipp war sehr wenig 
ron <l>«iier neiMn Störung erbaut. K^ büttc, sohriob er an 
Johann *), sehr wohl leideo mög<^n, ilnfs auch ein ■äcfanHober 
Bat „unib nns^hena der eaoheu noltiirft und fiirdorunf; willen" 
in Frankfurt eraahieaeu wäre. Dooli »ei er damit, weil ee 
Ljiiobt hatte sein kounen , auok zufrieden*). Die Erktürung 
^Julian US '^), uui' darum von eiuer befloudereu Botachaft abgeaehun 
eu haben, weil «r keinen Bat mehr sor Verfügung gehabt, 
eungte ihm , und so wollen auch wir , trots berechtinteir 
Ewoifcl, uns bei dieser ErklÜning beruhigen. Viulloicht war 
W Philipp nicht einmal ganz unlieb, dafs Sachxen in Frank- 
furt niubt mit vertrettin war. Um ao ungenlurter konnte er 
Hciue FlÄue durohzusetzen hoffen. Denn ihm war oh mit der 
Verbindung mit den Städten heiliger Gni»t. Sohus die Wahl 
dee Boleohaltfir» , des aithewiihrl en Sohrautenbaoh , heweint 
dies. Aach dijr Kn^wurf des llümlniBvertrngs /.ougt dafür, 80- 
riel un Philipp la^, hat er niolite veraüumt, die Sacbo zu einem 
Klfick'Itcheu Abecblufa sn bringen. 

1) Ei sei bomirkt , äoTs nuflalk'Diier Weise Hollthftuaou nicht aaeb 
' gemeldet h&tte. ä^U 4ie Vertreter der StKrlte nur KAunicrrn, dio „m wie 
«0 die Haue besucUteu", wmen, Vcr^l. Bi-ilai;e XV. 

S) ..E I. ictircllieii, ilnrclli ><e un> xuicliieiba]), du wir von s, I. und 
BDiaroi «nijGn mit ito atodtsn hindeln Mltcn, ImbaD wir ompbngnn," 
tchnlbl Phitipii nm 11. April ICSI an Jabniin, KonKpt im MartiuTKor 
Bt-Arcli.. 

9) Am tl A[>rll, lind Uottou xre woll mugon teldcp, ao oi in«. 1. 
«tcgenhclt gowual, das doriclba rotlio ctc, 

t) Wc Ol nu nit hftt soiij k<>ii«i), so sisiiit wir dis iiucli hUo Kufridon. 

S) and >liii> wir KU dnr liHiidluii|[ mit dmi aluluii iiyni&ud» vdctirdant, 
lit altctn BDI dBDi rorplIoboD, du wit u.n*<r« lelhu doiuiunlti den moreru 
Uill In luidotn ^escliolRBn foncliickt g«]iD.ti[. Joliaim au Tblllpp (id k- 
L hkiidea) tun 34, AiiriL Or^;. Mnrlt. St.-Archiv. 

XIV. II 



162 ^"** Baodniab««Mbane*a «TUiKeliKkOT Sttndt- 

Dft Philipp <}nrehH«1tzlk&us«B*)!iciweit von den Intentionen 
dar Städte unterrichtet worden wmr, iht* «io zwaf Gcsuidte 
Mbidcen wärden, die VAr>o]ltä^ der Fürsten tu T^mt^men, 
jadoeb nxa „auf hinter iich bringen", so war Ton toto- 
herein klar, dafs «igentliohe VerhaDdlongen in Frankfurt oieht 
stattfinden wftrden. Solche waren einfkch durch besagte Klaatel 
von Torsherein auageeehlossen. Bs konnte abo nur darauf' 
ankommen, Tonehlä^ zu unterbreiten, die dem Schutte 
de* Erangeliunu UDd den Intereasen der fnretiioheu Ver- 
bändeten entsprechend, xngleich äen Slsdlen annehmbar 
erMbeinen würden. Zu diesem Zwecke legte Philipp durch 
Behrautenbaoh mehrere Fassungen eint:« Bnndnitses vor, die 
darum noch gane besondere Teilnahme orweckoa, weil sie 
recht eigenüiob sein Werk dnd*). Sie geatatten «beb] 
deshalb einen Einbück in seine Absichteß, wie «in wletwr 
soost nicht leicht zu gewinnen ist. 

Der erete Vorschlag besagt^), man solle, so ei not thun 
würde, gegenseitig Leib, QuL, Land und Leute getreuUoh su 
einander setzen. Dies war die Form, in der naii siob SM 
Qetlia, später >u Magdeburg verbündet hatte. Begreiliieher- 
weise proponiert Philipp xuerst gerade diese Vortrsg«- 
bestimmung. 

In dieser Allgemeinbeit und Unbestimmtheit genügte 
ihjB aber gewiTs die Verbindung nicht mehr. Daher lautet 



1) Vcrel. Dellsge XVI uad dea Brief ÜDluIi&auiu sn Pblllpp 
1«. P«l)r. 1B»7. Beilage XV. 

S) Weil Johaiui voll Sacliisa llim altes Obsrlusten hsit*. 

S) Vergl. Vlrck, No. *Üi. Gonna eulapieclicud IiaIia IgIi tm Angi 
8l.-Archlv diese VonohlKgc Phllippt gefunden, ebenso die ersten elnJe|> 
tmden 8Klte „in der lijtiidluiig" etc., wie si« Lei Virek Ha. 49t R(«lieu. 
Aus BailaK« XVI erUUrt sicli dleao wiltdicliB überelatlimmuiig, wail 
„die von stotUn die meinung und abichid von nort au worl halieD In 
dl» lehrlli praclit und itl*'^'""'"'!! ein teyll tu» dani underii aliKeHoliri' 
bau." In Abtciirift (ad«r KoDiepC?) Dndoii alcli die I^[iDiiltlauau Pbllipps 
Im Harb. St-Aicblr. HBtllrllch inufs ei durlo , wie Viick SL 1181 rIchtiK 
«thannt. 4000 stall <00 beir>ei>. Uciiien KuiKIsa firilich ISaHn iteli mit 
Auseibna daa alnaa „mit" aus daa Abicbrifta» alcbt wlilrteu 






Bt*U BiindnUbutrnliiiiigcn erangdtuhlr 8t>Ml*i 



m 









iD KV«itM Anarbietcu, man »olle (ioli ui «in«« gef[«B- 
■ditigen f«tleu Hilfeleiatuitg verpfliofatou in der Weiae, iht» 
die baiJöD Ftirtteo den Slüdten mit 1300 Keitarn, umgekalut 
diese den FUnten mit 4000 Knechten eu Hilfe kiimiit). 
ETentuell ixt Philipp auch bereit, nah mit 30D0 Knechten zu 
ügen, wogegen die Fürsten I ÜOO Ueiter suhicken würden, 
.n Ueiter wird also durchweg drei Fulii«otdiit«n gleiuhgetietjtt. 
Rötinteii dieai! Truppen aus „Sorgfaldgkeit d«r Zeit" nicht 
geadiiolct werden, so dürfte d&für der eatapreoh«nde Fniitz 
in Geld boKahlt werden '). Man sieht, wie gtofsea Gewicht 
Philipp gerade auf diese Art der ge^n«eitigon , Vertrags- 
nüTsig genau festgesetEt^n , Yerpfliohluag legt. Um in 
jeder Weise die Annahme den Städten zu arle>oht«m, 
«r sogar bereit, die ureprängUoh gewtinachte und not- 
ndig erachtete Höhe der Leistung «o viel als irgend 
iDiiglich zu ermäfsigen. Ihre Umsetzung in üeldbeitrSge 
entspricht derselben Tendern:. Denn die reichen StUdte waren 
gewifs sehr riel leichter eu wner solchen Untere tUtsung in 
Geld zu gewinnen. Zugleiob entkräftete er dadurch die Be- 
ben, die gewifs erhoben worden wBren — und, wie wir 
*], bereits von Ulm Nürnberg gegenäber geltend 
t worden waren — dafs das Bündnis zu geringen 
hätte, weil die Bunde sgenoaseo su entfernt von eio- 
tinder safsen. Durfte die Beisteuer, die jedes Mitglied üu 
leisten hatte, in Qeld erlegt werden, so waren solche Erwi* 
gungfia hinfällig. 

Schliefslich erklärt Philipp, die Fürsten wären auch ein- 
nden, wenn das Bündnis mit der Bestimmung «bge- 
sdilotson würde, dafs in jedem Falle, wo der eine Teil 
gegim den andern reohtsbegriitidete Ansprüche oder Be- 
werdeo habe, eine Vereiubarimg angestrebt werden solle*}. 




gungfia 
■■vTStan 



1) BsUprMhcDdc BcitlminiiiiKtia vsrUngt« PLIlIpp knrs vorlior Iiel 
iinsn VnliaDdlciiiifDii iiiU Allirndil von Prsufsiiti. 

2) Vorgl. ahm S. tbü. 

3) Ott botrcITciiclc Puioi ^Vlrck, Ko. tSl ta vcrgl.) Uatol: „iroltNi 
tr I>eiil4 teil die vctiUntniu* und bDoUni* ilsnnoiisea habea, dai, wo 

11* 



164 



Eni« BUDdnitk«ttrebunKen «vnngsliMhcr SUodii, 



Was foi eine Tragweite hatt« nber «in soluboa Bündni» 
Birischen den beiden Fünten und den SlädUrn, monhtn nun 
dift ein» oder andere Fem aDgeoommeD werden i QuioIUokmud 



!ar fltner t«il des andam m mehl mächtig wiitmi, iIm »la altilaii in «Hon 
MchAn gelreDlIch au elnknder s«iE(m, du weiten dt« xwun Mni'ii m- 
nemen.'* — Zuiilchit sieht <« au uai, *]■ wenn Philipp dumU ein« iivua 
Vorlauf «iniw BündniiiMu anterhreite. IIb> gDOHugrvr PtüfunK mliM UUtt 
•'><^!l di«3n Außkasung, denko ich, uirlil LiUMii. Su kurx und HllgumÜD i 
die VorUffc gohilten ist, dgr Orandrifs, .wonn ich lO lagon Uatf, int ■ 
dooli itats dealliuli erkeimbiu. Mau verg^egenwKitlge alcb dio SIlufttioD. ' 
S* tind twBi, noch vSDIg geichlcdana Piulclon, Knf der pIiibii Smic dis 
b«ld«n Pürittn. nuf der midaiii die Stidto. Entorn Icgan cinn B«Lh« 
von AntiKgen vor, illier ilcrutj Annaluiia dis l:(ittl«reij aicb «rkliCnn 
HiilUn. Klxr und beiliniiiil vrerdäii dunitfaiuKr» iii dnu ittel flnUn Pn>- ] 
l>o>Uionon diese beiden Paiteiaa unKiinaiidDr gehsltnu. Es, hvlCH: .,du \ 
eyn toiU dem andern" oder ,,dM dio BH-oen don nndern" t!r.. WSfd In , 
vorllegcudem Pn^us ein« cnUprsiboude viortn Vorlncc zn ichcn, lo hKite r 
Philipp (alf^crichtii; sh^u niüsten , „wolta aber der eyno leU (■» <U« 
Sliidl») dHs bunlnUB ilorinwMiii hnliBU nie , 'lau iroll«n di« h'urMsu (^ d«r 
nndrs Cell) auch nnacinca". Auch wUra »s nlobt gaiil logltch i;evoien, 
ta HH^a, der ein« TvU v/Mn «ü Huch Hnnehmcn, «renn heida Teile 
ivfliiichtBn, Wie «clik/C fhillp)! die beiden Pnrteien uiiBginkndtir litit, 
teigl die l''i)i'bDtzaug dct AklcnMQckei. n-onach in ilegeiisbni'g ,,ela UjrU 
du undore voi'iloniligpn" soll, PorlCiilireii ,.Dud so bode teil rieh ha 
Mlbigvn vocglichsn" durn» er, weil diu>Ii Auiiniimu des lIüadnintM iii«llt 
molir livsi Parlniea voibaadon «udu. iJeibnib meine leb kuch, die 
WorM ,,walt«ii klier bado loil die bundnus denuusaa hkben", >ind, olw> 
nilla|ire«h«nd dem ^pillecea „und au »ieli hnde Iciil vargtichen" Ukhiii »n vor- 
it*h«n: WBua baide Teile das BÜiiduii auf der vorgelegten Qnindl«ce *a- 
gcnoailn«n, dann wEien die KDnlen auch einvcntandcn, daTi elc, „Wohe 
Ir «Inoc Coyl" cIc inie nt» keine neue VorlsKo dnai UUudniuesi landnm 
aar «Idd rrjcKuiende Besliiauiunt; lum neaepliertnii Fliliidnis. 

Wu liaiC«! nau aber „cinoi andern xu leeht mSeblig aeln?" loh 
v«w«iae aui Schmellcr, Bjg'er. Wtfrtarbaeh, S. AuSag«. I, S. ISU. 
,,Blo«t Andern lu Kecht Riüotitiic eelD", da«, whs er thnt, T«n9t- 
wortea- ('] Belagi): Krtnncr, Uayoriichc Liiidugtvnrbandluntieu in d«n 
Jahrin US9 — I51fl, S. 107 Vorolnlgong der bayoilschon und olioTpfUl- 
ilichen LaudEBfllratun anr Erhalt uiijt den Landtricdons. 1441, „Es aollea 
Aach mttcr, lOjeeht mich andvni niAiUK^^d in unnurn landen kt^iiL^u hneebtf 
w toi lu Beia oder Fiui Butnohmcn nach halten, er wliio dann davon 
■a uttworUa, und leya dewen tn KDVbt mKohtls, olt er darum uigslanKi 



Bnt« Ba»diibba>tr*buiiKCQ ovkug«IIaRhsr tiUud«. Ig5 

wllte M wordon aJ« „TortbuidnuM nud eiuaiig da» heilig 
aTJingolitiia und dM wort got», und wim deniielbigoii ftohaiigt, 
bolrcHeiid" >). 80 allgomein diese Fiueuag i«t, mnn wird sie 
UDbtdeiikllDh nach U&bgabo de* Oottm-Torgauer nud Magde- 
burger Bündaiasefl «rgSnEen dUrfeii. Uan wäre alto xur 
HUfaleietung verpäicbtot geweaeu, sobald einer der r«rtnj[- 
Bchli«fi«tid6D Stände „tod wegeu des göttlich«! Wort« und 



«Urde , ungcfaliTlIcti." KinODOr hui («Ibsi itun« Auffusnug nll «Inmu 
Pr«|t*iokhuii Tertcheu. uad in ivt Th»! Kchflinnii mir seiuu BeloKetollDii 
mIuv Aiifcirht nicht gunx m huittligon. Vtslinobr nilniiiiigii lia, •Imiko 
kb, mit dem ateratn. wm In Orimm* Wf!i1«rbuch. Bd. VI., KpiJt* 1410 
lieh Ilnd*t. Durtuch hieb« tito »ein» «ndvro lu rächt mluhtig sein" 
to ligl «It „vuii ReoLu wbkod (Itviilt Ulxo' riotn Aoilicn Imboo", „r»ht)- 
l»graii<J(rlo Aiit]>rticlM utid Baichwerdan g«g<n dan Andern IikIimi" Qb«t 
üleo ilwoifol eihibca ist damit freilich unicr« SieUo UOc)i nicht. Dann 
»Hl will gi« in uumiii ZusiLiniiierihiiiii: b(.4H|;«iiT 

Huit vnri;l«i<'lia nun d«n Tnil, wn ivli diu B«dDiiU>i|{ du v<in fkllipfi 
■DgMnLglaan BIlDdniu*» kluTinlogan ■ueh«. bt i))«iD(i Etrsüntnn^ m« 
doo Vertiligui von TorgAO aai Mtgdcbitrg rlchtii;, lo crlcenni mui doch 
Icidit. dals dsinit dir den KruetfiUt nutili iiiulit aIIdu triikliukaitnu and 
ETlnCualiUliii VDrütiliaugl hiu. Ich «riniiere uui ui die eluo Do*lli>iiDun|l 
dlstar t'tknndtn, difi dl« nilhliiitDni,' olnzutralra hübe bsl „8B«h«ii, die 
lUtn Svh«iu wallteu lurKV^ndt irtnlcD . i!« •* d«eh liMrOrLt Knilicbes 
woi-U hklb«n im Orund stmeliic «urda". WIo 4tfiubu dloM Butjmionni:, 
lUpi aiU du H«Dd War luLlta in eotichaldou, ob aln« batralbnda tiaeliB 
„Im Orond" mit <l«iii uütllicliDn Wurt satammonbbg ? tu dicae I.Qck*, wie 
dann duch allu Mli|[lii'bk«ili]n iiiini<>Kl><:b beroila Jutit enrogoii und go- 
T4|(«II wotd*!! icODUt*!!, Uutt uuiiiir« Znsitubitalimiuuuti|: i!liitD|;niron, Die 
BbUdlcldung in ntlen solchen slrlttlgcn Prngon toltta ganahiimni In fBl- 
Ikfcar TtraiBbamni! eeliuSon worden leb vcnrclis uii dio ..uüvkall de* 
, Im4«m1i«u" «tc vcm Ai'tU 1510. Ua wird buiQ)tlicli dca ui|{c«)),-anon 
K^tM aoidrUcUicb hotiutuit, dal* die beidaneitigcu Blita luMinmga- 
■Utrtten tad dnrllber tu cntichcldon haben. Zn-aifeUiall konnto aucb tclu, 
«i» lanit« Jauiiiiid di« BJIfu seluei liundeigonusscn in An>]iruch ocbman 
dvrfl«. Auch hlcrfllr letr.taii din ..Attiksl du Kedesktna" din Beallininuiig 
dnrob die BOe fast Aach bei dur Aofnubnic nanot UltgUcdor lo den 
Baod vrikr m>u auf diu getreuen WUion der UuudosgeiioMon uigeffieaaDl 
kan, alt*n »okliaii uiid thotichaa itrittigen und iwelfulhaflaii BVajcui 
(■(«iilibu venpracli mui tidi, iio Wa|[e dar OW« ein« Verotnhaniuic 

1) 80 dia CbervchriTl. Vergl. Pal, Korr. No. «9». 



166 



Griln UllndniibsitrabungeiJ evniigaliiiclier Sllude 



der Ding, ao demselben nnoh in ihiea Oebietas wider die 
geütliehen Uil'sbriiuohe TorgoDommeo und f^hulti'n werden, 
angegrifi'eD, Hberzogen oder beachwort" wurde; einbezogen 
VBT«n aber auch solche I'älla, wo „Snchen zum Schein wol!t«D 
▼Qigesohtitzt werdcD, da ai doch berürtex göttliube» Worti 
holben im Orund gemeint wurde." In uuserer Urkunde heiM 
es nun freilich blafg, die CDterstiitiEUDg habe einzutreten, 
„80 es Noth thufl würde". Aber so viel ist wohl klar , dafs 
Philipp mit dieser allgemeinen Fassung nicht weniger sagen 
wollte, als der Wortlaut des Gotha- Torgauer und Mugdu* 
burger Yertrage ihm bereit* an die Hand gab'). 

Sollte aber Philipp vielleicht nicht noch weiter aut- 
schanende PlÜne gehabt haben ? Wozu sonst diese nllgemeine 
dehnbare Fassung, wo es ihm doch ein Leichtes gewesen, 
deutlicher und bestimmter ^eiue Meinung auizudrucken J 
Nun erinnere man sieb, dufs Philipp kurz vorher »ein Bündnii ' 
mit Aibreoht von Preufsen abechlors. Da aber Terpäioht«te 
man sich, über das Magdeburger Bündnis hinauKgeheud, zul 
Hilfeleistung auch für den Fall, dafs mnu wegen „der Ver- 
äaderung, die aub dem wart Gottes gefolgt oder nooh erfolgen 
wurde", angegriffen würde ^). Eönnte Philipp üliDlitilie Ten- 
densen nioht auoh hieir verfolgt haben ? Uewifa . n ecllien 
■eine VorsctalSge erst noch im Binxelnen beraten veid«», 
und eben leicht wird sich Philipp diesen Teil seinor Auf- 
gabe nicht vorgestellt haben. Aber an einem glnoklidioa 
Aasgang zweifelt er nicht. Denn er fahrt in imserm Akten- 
stück fort: „und so bede teil sich im selbigen vergliobea, 
femer su bandlen, wie es ollenlhalben mit den gewinnenden 
und verlierenden gutem gehalten soll werden." 

Man staunt, solchen Erwägungen au dieser Rtcllo zn 
begegnen. Die Verbündeten sollen bereits IteschliisKo fniion 
Über die Outar, die bw einem Konflikt gewonnen oder ver- 



I) VwgL «u«h in Belliga XVI Juie SmUs, wq Wsgnar von Vortraf 
Habranteobacht berichlel. 

i) Vtig\ gbcn S. Tt ff. K) »•! HUeb (rinucrt, dar* dia »iUblM 1d 
du Köuigiberg. miodaU herelngoiugeu iroidau mUMh. Vcrgl. S. Tl. 



BnU B&iidaubwtTBbciugeu avuig«lueh«r SUb4*. Jg7 

CD gohm kDnotvn ! Wm das Böndais , wi« es Philipp 
^roponierto, «in r«in äefeasJTM, so bott«ii diese GodAuksn 
aelir woiiig Sinn. Hfttt« es «ber xugleioh offaiuiTe Teo- 
deaian, to war«n lia bereohtigt und notwendig. An ma 
OSensivbÜDduiii im strengst«» Sinne braucht dabei nocJi gmr 
nicht gedftobt nu werden. Wie aber, wenu mau ungegrifiea, 
gestützt auf die allgemeine Gunst der Lage und getragen von 
dar Volknmeinung, sofort zur Offensive überging uud m die 
Regner uneutiädlich und dem Evangeüum l'roie Bahn nuu^t« i 
^ue solche Handlungsweise entsprach durchaus dam Chaiakt«r 
3es Landf^rafeu. Wer wird da nicht an die I'ni^kifchen 
lündel erinnert ? Dort war die Lik|{e so, wie vir «io obon 
•ftohildert. Da drohte, wie Philipp meiute, ein aUgemoiner 
Angriff der Gegner. Aber Philipp, nicJit gemoiat, ihn zu 
erwarten, ^ng sofort tum Angriff über und „erholte sich 
eeiues Schadens!" 
^^k Ob ober Philipp wirklich erwurtete, din Städte wurden 
^^plt aolehü» Bündnis mit ihto und sionem Verbündeten Jo* 
^nuu eingehen, wer will es entscheiden '). Wer wagt, ge- 
^Hinat, Btochte et denken. Dnd sicher moTaten andere Ho- 
^^Uante bei d«n Städten sehr zu Gunsten eiut-r solchen 
Vereinigung, sei es nun in dieser oder jeuer Form, worüber 







I) Auf Jadeii Fall »bsr ntnl^ danui Festeehklion weiden, dufa Philipp 
Wisien QDd VertnAifon die TerliiiDcIliinKiMi lu elneui elUrk- 
EU rubren bemüht v/»r. Die SlKdIe s|)ielUn voi' Aiil'kiig «n, 
»i« vir m)i«d, ein« liBrvorrBgsnde Rolle iu iniaeo BiluduitiljesCrebuDgeii. 
Ihre BadnutDug wu«lu nach \a neinen Augoo, ■!■ ar in seinen rt>ligi6>en 
AnsohnLiQn^Mi ti?h niebr und rncbr von üfliuem BuDdQBg«no*>cii JohAnu 
cnlfcmt« und Am Xwiiiglisobvn Biuhlung. lU der die DbeidaulArhon StKdto 
inimar mUcbicdenec ^ioh beknnnipn, luaeigtp. Auch iiiilititcli wurden 
■le ihm Immer »kehligere Bniidpsgciiosäen, Jenichr suiu« Plliio der K*»ti- 
tution Benog UJrielii tou WQrllvmbcrt[ reitteu leb denkt aucb. dl« 
(&nio Uantallaug bu gezeigt, «io emit Pliilipp dip VcrIiMnitturiuun mit 
den SlUlca nnhiii. Seine Bchuid nr ea gewifn oicht, wenn «1* tauiehat 
[BBiilWilos bliaban. Audi »uha Uli kein ttiniiK«» Zeichen, dar* or Min« 
BtmObungsn aanalcbulu* gabnllun bülte. Im ßegeuleil deutet kUei darauf 
bin (vorgl. tavh diu lolgeodo Eupitol) , dafs Philipp bis luoi letzten 
fcngaablioii ixlne Saob* aiobt verloren gab. 



168 



Entv BUm]iiub«atrabuii|[«D evau^ltachtr SUnda. 



ja die Eatsotwidung bfli ihnen Htaod, epreoben. T>tua auf 
eine Vergewaltigung der Städte wat e« in diesem Buude Kft 
wenig abgeteheu, dsia die Stüdte vielmetir vollbommen gleich 
berecJitigt. neben den beide» Fürsten dastehen. Auch in dieMc 
Beniehucg iat der Entwurf Philipp« ut bedoutungevolt. Ks ist 
ia der That die erete Urkunde des BubamlkaldiEohen Btinda*. — 
>■•' 8oungemntui auch die St&dte auf dieFortBdlKiiiigdeTTeT- 
iiandluDgen eingingen, die aügemeiue und ihre beiiortder« Lage 
hatten Bdüiefslich doch dahin geführt, dtd'« eine jede ihren 
beBOnderen Bevollmüchtigt«^ nach Franküirt sandte. Es waren 
nieht IHplomaten von Faoh, «ondern Kauf leut«, welche ohnedies 
ihrer GeechiU'te wegen die dort.ige Messe besuchten, welche jetct 
f&rdie Verhandlung mitdenFiirttsn instruiert worden waren'). 
D&Te es dabei nicht auf emttliehe Beratungen abgesehen war, 
ist deutlich Bohon daraus eTÜuhtliob. Denn wenn diese Tliat- 
snehe auch mit dum Bestrebeu mögliuhster Oeheiiubaltung 
motiTiert werden konnte — hält« man enistliobe Abtiuhleu ge- 
habt, mit den Fürsten zu einer Verständigung zu gelangec, man 
bStt« geviT« andere Wege und Mittel gesucht und gefunden. 
BegreifUcherweise fühlten »ich diese N'otdiplomaten uuoh an- 
behagliiih genug'). Allein, da es im we9i''ntlichen für die 
Städte tiur darauf ankam, die TorGchlÜge der Fiiriten ad 
rsfisrendum zu nehmen — und dies ja auch nur, um dto 
Votkiünpfei der erangeUschen Sache nicht vor deu Kopf zu 
«tofsen — so mochten dieie dipliMD&titiiereDdeu £au£leute 
geuügeii. 

Sehr charakteristiBob ist die Instrubtion des StraTsbur- 
gere^). Man wulste auch jetzt in StraTsburg nur, dafs nobea 
Btrnfsburg noch Kumbeig, in Frankfurt zu erscheinen, zuge- 
ichrieben hatte. Für diEsen Fall sollte ihr Beauftragter eine 
weitaze Verhandlung mit dtn FUrsten unter den Terhindliuhaten 



1) M«rkwUril1ig«r Wfiise linttn llDlliliauiiati vou diesar Ahsicht der SCSilt« 
olcbld &n Pliilipp von neuDu gamiüdet, obgleich es ihm Nüruhcrg. ent* 
t[ircehond i-enxiaüjch auob Ulm, mit^Bteilt hntlo. Vergl. oban S, 1E9. 

8) Vergl. Beilago XVI, 

S] TwbI. Viixk, Pol. Korr. No. «90, 



Enia BluidoUligstiflbauEan eraqpllMhir MMnih 



169 



F«rmeD ablehnen, weil man tiub su „gering" acht«, alluin dieeeJi 
ÜADd«! anxnfuiKOD, und alle« weitere %at den beroriiohondon 
RetohsUg nach Beg«neburg TerschiebeD. Wollte üe)i abor 
uuTfäi ihnen ooch die eine oder andere Stadt an den Bera- 
tungen bebeiligen, so MÜte man aieh zuTor gregeaHitig b»> 
■{>r«uhen. Die Ansiclit StraXsburi;* gehe dahin , dafs man 
üuersl von dem furatlioheu Botsuhafler die Moinung der 
Fanten sioh vortragen lasse, in welcher Weist) nn dii> Sa«he 
WUBgteifen gedäohteo, ohne für beide Teilu TTneuträgliob- 
kaitcn oder den Unwillen des KoifterB zu erweckeu. Würde 
dann nach den Plänen der Städte giiifragt, io solle man auf 
uine GesaudtscbafL an den Kaiser antragen, nm diesen von 
den wabrvD Gesiunuugen d«r EvaugeÜEchen zu unterrichten 
und dadurch allen VerdXchtigungvn der Gegner den Boden 
zu entziehen. WUrde dieser Zweck jeduoh voreitelt, and sei 
man deshalb trotz alier Erbietungcm xu Recht und Verhör 
einer Bodrohang amge»etzt, ao mSge man „geselÜBOher und 
unvorgiiHnor wiaze Bede haben, vie ein Vetetuid auf wei- 
terer Grundlage gemacht werden könne." Dies klingt recht 
BohäD. Aber sofort wird auch alles wieder aufgehoben, 
indem die Instruktion fortfährt, einer ÄuaeiuaDdärseUung 
über Mafs und HQhe der eu leiateudeu Hilfe aolle aus- 
gewichen werden ; man habi- darüber noch nicht beratsohlagt, 
weil man nicht gewuTat, wer xn dem Bündnis gehören wolle.') 
Dooh solle alles ,,unv«rgriften und uf hindor sich bringen 
tind nicht« beschlieBslioli*" gehandelt und vorgenommen werden. 
Wenn Strasburg sieb in eolcher Weise zu den Böndnis- 
beetrebungen der Fürsten stellte, so kann man «ich vor- 
iit«lleD, wie erfolgreich die Verhandlungen erat mit den 
andann StSdten sein muJ^ten. Denn was besagt der Inhalt, 
aU«r schönen Worte entkleidet? Nichts, als dofs man die 
Gnade hat, die Vorschlüge der Fürsten anzuhören und nach 
Hause zu berichten. Denn auch die Gesandtschaft nauh 
Spanien, die in der Instruktion doD giöfBton Kaum oinuimmt, 



l) Vtirgl. di« lastiuklJon, I. c. 8. IIV. 



170 



UrnM IIÜai!uiiliatt[«biiu|[>ti OV)iii|[«liicliDr Stindo 



konnte doch in keiner Wcino Kreatsi flir oio« enge V«rei- 
iiigunK, wie sie Philipp im Auge hattn, bioton. Wia wir 
sclion sahen , standea Jotuna untl Pliiiipp mit den Htädten 
uod anderen Stünden darüber bereiU in VertiBndlung') ; diertoi 
Vorsohlsg der SlraCHbiirger entbielt also Diobt einmal irgend 
ein ueoes Moment. Wohl empfani) man in Strafaburg da» 
Oefahrdrohonde der Lago ; nher wun vottte diese Erkenntnis 
bedeuteu, wenn mau sofort wiedar allen emiitlichea Etttr- 
terungen übET ein Bündnis aus dem Wege gi"g- Augen* 
Boheiolich verfolgte Strafeburg zunachit keinen andere Zweck 
al« dea, die Verbindung mit den Flirrten nicht abiubredben. 
Donsulbcn Standpunkt unhm auoh Nürnberg ein. Ein 
Bünduii» mit den FürBten einzugeben «cibeuten eis siub, wie 
StraTsburg, aus Beweggründen der Städte politUc. Der immer- 
mehr eretai'kenden Übermacht der Tunten gegenüber wat 
der Kaiser ihr einziger Hort. Reine Ungnade konnte fllr 
ihre ohnehin bedrohtu Selbe livndigkeit TeihängDirroll werden. 
Andererseila Tvriangte das gemtsiusiime luteroste lur das 
Evangelium, die starke Hand der evangelisoheo Füreten nioht 
von sieh zu stofseD. Dazu war die L«ge viel xa enuL 
Eb muTste also eine Form gefunden werden, welohe dw Stadt 
Närnbcrg eu nichte verplliulitete, aber doch auch die JKucaton 
nicht gogün lie erbitterte, Hhu muPste die Sache bintansu- 
halten «uohen, jede beatinimte Eotechcidung vermeiden. Da 
»tiefs man auf k«ni>r Seite an, erhielt zugleich die FüutsD 
bei gutem WillVD, so dafB ttiaD im Falle der Not eteta «otort 
die Füdon wieder aul'gretftfn konnte. Nach Jieiten Gwiehts* 
punkten war die Inetruktion für Pfinisiug abgefaTat '). 
Würden die FlUrsten bei denn ku Speiet genommenen Abaohied 
verharren und demgemiirs ihre Gesandten ntioh Frnnk^irt 
HnliiitfcftB, 10 Bellte Püntziug diese um Uitteilviug ermahen, , 



« 



' 1} Httt« doch Koeh d«r Gwandio Bafoht, »ich Duh dem Stand dloa 
ADgalcgenholt lu «iknndiKen. 

i) Vsn:). dsa Bericht d«« Stmr*liurg*r HriwndUn lia! Virck, Ne. Uti 
Tor *ll«ai •lac^ den dM Augsbiugan, Uelliis« XVI_ Vtr^l. aaob S, IBI. IST. 



MndBiib*Mrabuiii-«a •»■^«JlKhar Sllmta. 



171 



I in waiebm Weis» dio FüiateD daa BUadciia einaurinhbin ^• 
dSohtoa, mit don Begvhr, dMselb« iuiT«rgriffaDUicb «n leme 
' Hvrreu liinU-r »icJi bringen xn dürfni. Abor tinf keinea 
p F all dUrfe er darüboi bioausgoheii, noch et««« bcTilligen. 
^^b Am wwtMbcn TOn ulelier Stelluagaahm« entfernt war 
^^laDkAirt '). Man ksnnt »einti klunUch« KrSmeTpalitik. 
Oio yuroht, t«ine einträgliche Moase zu verliereo, bestimmte 
auch Itiei «oiiie EntachlÜM«. Ohn« Wiaaon und gnlblige Be- 
willigung des Kuinem kümiten uu aicti in keil VsntllodniB ein- 
laasMi'). Man sclilug also dm Autrug di>T Fanten mndveg ab. 
Zwifoheo diopen beideu Stiuid punkten lag der, welchen 
Anji''l>''fK und Ulm eionohmen^). Auf das angebotene BUndnin 
«inxuic'bcti , vrarett sie keinen Augenblick geHOuaan. Am 
Itebiton wXn Üinen daher geveg«D, wenn e« Überhaupt na gor 
kfli&er VrahaadluDg darüber gukoinnicD wäru. Mufft« die« aber 
MBliHtl gKoheheo — und StrafsburK und Nüraburg gedaehten 
dio Vfln«ltl)(g* der Forsten aniuhöreu — eo wollten aie sich 
Ten den übrigen StäiijttD nicht tieanra. Ihre tiveandteii 
NoUten daher die Anträge der Füntan hinter »iuh zu biinges 
nkht geradem absohlageu*). 

Die Abg<iordnetpD von StraTeburg und Nürnberg trafen 
zuent uo, als letxler enchien der von Ulm''). Sohiaa- 
Unbaeh war neoh nicht zagegen. 80 beMhlof« man auf 
Antrag Rtraftburgt. zuvor :(Ui«amm«niukommon und «ich g»- 
neinoam xa btupreuheo. Am LI. April früh il Uhr vor- 
■ammelten &iob die Abgeordneten der fünf Stadt« in Holti* 



I 



1) TergMeho dio Berichte b«i Viixk und in Boilug« XVL 

I) ebend». 

B) Virgt. BuIUffs XVI un<l P<:lil. Kottiip. St. 431. 

4) Vergl. BcIInge XVI. Der Angiburger Bericht ist ■UBlUhrllchcT un4 
lutrslftiidcr «It cl«r cl«t Slrndli. netnndtm. Mkn v*r||l, tu illiatr Beil«huils 
X, B. Ih» AuuAgtu Ulinr Krtttikrurit MUJliiiig. Augtburg ftuf dl« glaklio 
Hlufe wie FrkDkfnrt »n tioll«» (Pollt. KorT«>|). Mr. 491) <>t favlft nicht 
riehliic. AuKontchainlkh hetoiilD AuKubure AU abtohncnila H»ItuDf 
•tÜrkM, kU dl* tDdorn] aHtia vom Fruikfnrter Si«uilpiuikt lit «s glelob- 
wohl w«U «nifernt. 

5) 1. «. 



172 



Ente BandnUbealrcbmigen evMigtlisnlisr Sttiidn. 



bauMUB WohnuDg. In herg6braoht«ir Ordnung') teilte aum Bioh 
seine In^truktioaen mit, vie wir sie bereit« kennou. Hn venig 
Neigung auch, laut ihrer VerhnittuigB befohl», die übrigeu Stüätu 
zeigten, mit den Fürsten zu oioer Vcrntandigung ku gelangen, 
die BiihrofT ablehnende Haltung Frankforts überrasoht« ihn, 
Vertreti-r doch. „Sie halten," sagt der Augsburger*), „darob 
etwas EutseUen." Holtzhanaen motiTierte seinen Befehl mit 
dem Hinweis auf di« im vorigen Jahre stattgeftindene Tor- 
handluug ") mit Philipp von Hessen, die vir bereits kenuun. 
Das Ärgerlichste an diesem Beaohlus«e Prankfurts w dtm 
übrigen gewifs der Umstand, dois riuh damit FrAiikfiirt von 
ihnen sonderte^). Man rudete deshalb dem Haltzhau^en eu, 
die Saohe nochmals an den Bat 2U bringen. Auch üe 
wellten ja sich durchaus in nichts einlassen, sondern nur die 
Meinung der Fürsten hören und hinter sich bringen. Qollx- 
hausen giug schliefelich auf ihren Vorschlag ein, nUeia der 
Rnt beheirrte bei seinem ersten Entsohluf»''). Die übrigen rier 
StMteirertreter aber einigten siuh dahin, die Botschaft der 
Fürsten EU här«n und nach Heusu zu melden. 

Am folgenden Tag traf Schrauteubaoh ein, autorisiert 
im Namen Ton Philipp und Jofarinn.*^) Noch nn demselben 
Tage berief er die StHdte. Frankfurt fehlte. Gloinhwohl 
w^iffiiete Sohrautenbaeh sofort die Verhandlungen. Nach 
einem einleitenden Vortrag über die Veranlassung die««!, 
Tages bat er im Auftrag seiner Herrn uro die Ansteht das 
StSdte. In deren Kamen antwortete Strafsburg '); Bio 
bedankten aieh für das Ansinnen und Erbieten der Fflnt«n 
an die Städte in Speicr und begehrten von Schrautcnbaoh 
des Kurfürsten und des Landgrafen Willen xa Temohmen, 



t) BeiUs« XVI vni Tlrck 1. e. 

aj Vetgl, »«ilsge XVI. 

3) Vergl. üben S, H. 

4) Varel. Beil&ge XTI. 
i) Btilag« XVL 

<) I. t- 

T) EbeDilR. T«rKl. >nch Pollt. Korrasp. Nr. UL 




RmU UüiidDl*boitrtbaag«n «v>(i|[«lbdMr Stind«. 



178 



am dieicn ibreu Herrn nad Frenndon hint«r rieh aoziueigen. 
Dartkuf uulwiokult«! S<ibr«otcnbb«h d«n VertimgsMitwuif, wi« 
wir Uui bureiu kennen, den er »chlit^nliiili dio «tädtjscfaen 
Jii>t«ii abflcbreiben Uek '). 

Leider wird una nichts über die Aufnahme dieser fiiret* 
lÜllwnTonohIÜ|[o gemeldet, denn derBenobl über diese SitxuDg. 
vi* er nu vorliegt, wer in gemeinsamer Beratung der Städte- 
faotan featgest«Ut und aalg«schrieben ironten *). Nach ihrer 
Instruktion hatten lia ja aueh nichta su thun, al« zu roferioran. 
Sie rerEpraaben demgemäls, dieae Anträgo Kwoien ihrer Bat«- 
fretuide nitzateileo *). Di» Antwort lollte den Fiintttn auf 
dem beroTateheuden Kegetuburger Reiobxtai! eukommcu. 

Da nun dort in Begensburg nach dem Au^aohreilieD 
auch Ton den Sachen dea ETangeliuma gehandelt werden 
konnte*), «o liatte Suhmutenbach mit Bezug darauf im 
Kameii der Fürsten zfvei weitero Yortohlügo in Anregung 
zu bringen. Necli dem einen sollte man mit der Zahlung der 
nngesetzten Tttikensteuer warten, eventuell «ie nicht leinten, 
o* werde denn die lu Speier bescblDsaenu OeBandtsoliaft 
aaoh Spanien ob^aohiokt, Wir erinnern uns, daft diese 
BotsoltaCt ohne trifti;;» üründu bisher Kuriiek gehalten war^)- 
D«har hielt sich Philipp berechtigt, nun auch «eineneite 
mit der AuafUhrung eines Iteiehstagabe^ohluase« zq iSgeni. 
Boon a«tzt« sieb die eine Partei Über einen allgemeinen 



1) Vargl. dla b«lden Bericht«, Vlnk nnd Bali^« XVI. 

i) B«ilac* XVI. Dftber onupreolivn luob VIrck, Ke. 461 nnd der 
Utridit W>gnan im Au|tahiirg«r Ht-Arcb. wilrUich. Diatar Tail da* 
Wagnettcban Itorkhu koiinic dnabalb In der BelluK« XVI lubvlUk- 
•lelitigl bUibco. 

S) VwkI. dl« Aaui. I auf itst folg. Seite. 

4) Denn ha Autchniban liMi. es, es boUs dMclbit „In obaagarniitca 
iMobbMehweriichco and botrangllobon sacben der bebvrli«Ii«n hilf und 
Tolfeni aadtrar nolturTlIlKi* s»ben hatbur. >o ilnrrb ui» ]>>uo ulblo von 
EbUngCo (U salieh» voruiiiliiuu KeHithnban wiu (aiiu aiunentlieb die 
QtaaediMbaft an doa KbIiot) l>«Mlaelilkitt werdeu". Vsrgl. Beilnea XVII 

&} „«ODD au vcimuteD du die all gevord« verhalten >ej", liailtt ** 
4*h«r La dar Vorlag* Phltippa. 



174 ErsU) BÜEidiiiiboKTttiangen «ranguBMdMr Stlnd«. 

RMofasbesohluTe hioveg, m> «»r auch die uid«re UugiT sioht 
gcbundoD. niesen PolgeniDgen entao^ren sich MJbtt die Städte- 
botco niohl'), nur mufsto mati ileu Vorachlug Pliilippe dsJÜD 
ftbindem, doGi man in Rej^mburg di« eingcgangbocn Türken* 
g«lder anzagrafen oiuht b«vriUiK<iu wolle. Denu die reioliBU 
StXdt« balton ihre Steuar ber«its b«/&h!t 

Um InteTegsedes ETangeliume su wshrea, bwweckte tuiofa 
dor zweite Vorschlag t'hilippe. hLaa fürchtete damala mehi- 
ftuA, — wir werden gleich dnvoD noch zu redfin baben — 
in B«f;enaburg könnteo die Gaittlidien neue Anachlü^ gt^o 
du Wort Oottea maoheo. Dlotier Gefahr aavhte Philipp htä 
/«itau möglichst ToiEubeui;eu. Daher proponierte er den 
StftdtftD, gemeinsam gegen etwMgo dem Evangdlium ungünstige 
BMchlÜH« zti proUatdereo. Äuoli in diesem Ponkto traten 
dia Städteboten der Ansieht f hilipps bei '). 



I) Im Mftrb. !4t,-Ar(!litv «in Z«tl«l, Ziitlitl«, ohim Daluin, uliiir Vichar 
da» KODMpt dci Bcfidilei, welcbrjn Philipp ober äeo Pmnlifiirlot Tag 
an ifiiliBun OHiidt«. Er Uutet: „Al> unt alicIi b. 1 xiigmchrilititi Ii;i1ii>ii, 

von Ucnalbon c. 1. dud UDacml trcgen mit der bTelto gcxch^cktci^T dc9 
Terstentam und liilf halbeD (d hvxlgln, hsban wir aniior vertrantnn rlth* 
synsn c'i«'! Fraskfurt KtfvrtiKt. Dtmlb mit inon abg«redi bdiI vbn i 
IniMn liUi wis R. 1, liiclicy gelegt vtlchcU woim varaeiohiiet MbsMi 
Wsrdsn." DJose BoiUgO lit nklllrllcli diu ,,voratai>liiasi Dn<l giDunK d«* 
lieil. uviuE. b«Ir." «tu., wie •<» bei Vircli Ni>, i9S iib||i<itruvli( ia[; du 
SoDicpt (Kopie) UtHndet Hth. wte obou orwtliiit. iiucb Im Marb. Arclilr. 
Aaf dor Rüclunlto dlei«! Zflttcli stahl naii durchgeitrluhrn (olueudM 
„8ol«lu> hiihen d. hottrhRft aw«!! mitral >l'ruuii<loii utulraui-ii miueucinaa 
und dou voilaM gnlhn». du wir auf Itit kunftifc*« lt*tchiiUic »a Itogen**^ 
bnic anlwort genortiiten lullon. Aadi haben tie nloh nach iwaier BrtUtal 
mit uDnenn rntli IvetKliiilieii] ICrntliDh dni wir untariu vnrordenlhen cmiij 
Toichtlag baretlon woltoii. lo ciwai gegen dem eviuis«llnm fOrKcnoma 
(wirdoiil wolt, in diuKvIh nii >n vriltijcflu und dargagao sa prot«ttiran. 
Inalaichiiun wnitan lia aueh ihun. Oaui[leleli«ii daa« dl« aiilAg« doi 
tarvitongdu nnaugrolflan iill scwltllgal werde etc." Dleiigr AufVuiiunf j 
PUlipp» luht die andere Fiuiiini: in den Ileriditon dor S'^dtali'>tiMi (["olifai 
Korrasp. Nr. 493] nicht entimiao, dann dlMO aviiriBbvn die ur>iirUuglic 
Vorlage einfach ab. Um Weiter« blinti der mUDdllclieri Ucricbteritaltunf * 
Tvrbabalten. Vargl. ll«lliu;e XVI. 
SJ Vargl. die obige Ania. 



Snte ßüiidiiisb«ttrabiiiiK<>D aviiii^Uaefatr Stlnds. 



175 



80 endete dieeer ent« Krankf^t«r Tt,g. 

Wie goriDg nach die p(MitiT«ii Heeultat» war«!!, die er 
«ht«, ra&u dail' dncb Beioe Hedsutung nicht imteraohätzeu. 
Das erste zwiacben den evnn^lisohoii FlirstoD und Kt)idt«D 
wirklich abgeeobloKseno ßüodni* der ApriltoK« 1639 ') eu 
Später, d&s ..suaderlich gehoimu T«riit«ntiii>i", i(t ohiiu den 
Fnmkfurter T«g luidcukbar. Weuu das Wesea uud die Be- 
deutUDg des ScbmnlkiddiaoheD Rundes recht eigentlich iu der 
Verbindung der Fürsten mit den Stiidti'n liegt, ao ist die 
Frankfurter Verhandlung eine vrichiige Station bei diesem 
Annäheruugsprozers. Die eiste VorbediDguiig einer T«r- 
einigung wu, dnls man eich gegeuseitig kennen lernt«. Daa 
aber zum weDigst^i beiörderten gowil'g diese Frankfurter 
Beratungen. So begreiflich die Eifisrauobt und doe MiTttranen 
der Städte gegen eine Verblödung mit den Fürsten gevesen, 
jetzt mufsten aie wohl dies Vorurteil ablegen, nnuMem ai« 
sahen, wie gleichberechtigt neben den jfürsten de in ihrem 
Bunde dartauden. Was aie in Wirklichkeit noch trennte, 
Wftreo Beden k^i politischer Natur. Poli tische Koustel- 
latioum konnten diese sofort be»itigan. Iilinig aber waren 
ri» im Qlnuben, in den Sachen des Er an gel i ums. Dessim 
en sie auch jetst wieder inno gewonlon. Mochten auch 
BBäelut noch die trennenden Uomente stfirker herror- 
getreten aetn. die einigende Kraft des Wortes Gottes war 
SYerloreu. Jhm gehörte die Zukunft. 



VL 



Hegen aburger Boicbsto^. 
He ilur Elslinger Tag, au wnr nnoti di-r Regensburger 
üialsg rumi-hmlieb wogrii der Tijrk enge fahr nnsgcsoh riehen*). 
Maletatt war Itogensbiirg gcivühlt worilDn, ob ft gleich 
tu ttogUnstig als müglidi lag , sichorlicli nul' Wuuscli 



.1) V«rK). Bank» tU. t), ii; 
S) Vorul. Hollajf* XVIL 



176 



EraM BDndnixbMtrfibDngeii *TUig«II*ch*r Rtünilii. 



FerdinaudE']. Bei eeiuen Beniüliuugen, die Kronen von Böhmon 
unil Ungarn sii^ zu sichern, woilorch er für dio niichnto Ilcit 
in dortigei' Gugeud ^u verweileu g«Kwuugen war, lag uk ifam 
allerdiagB bequemer als irgend eine Bonstige Reichsstadt. Dia | 
Fliraten in Ü^fsliugon crkaDnt«n die Berechtigung dioeer UrUnda'l 
an'). Wenn sie nur aber auch dadurch sich verpHicht«! gehalten 
hätten, perBÜDÜch eu erscheinen! Aber nicht einmal Aas go- 
fichah! In Person erBohiC'u fnst nieniaud, and die wenigen 
Oesandlen, die eintrafen, konnten wegen ihrer geringen Än- 
xafal keine eDtecheidenden BeBchhisee faesen ^). 

Ooob lag der Grund der gaDütichen Ergebni^osigheil 
dieeee Beiehstaga nicht etwa blofs ia der Besohl nfsunfiUiif* 
keit*). Diese ist in letzter Linie nur der Äustlufa der tiefer 
liegenden UrBacheu. Es hatte die Zerfahrenheit der deutschen 
Biage einen Grad erreicht, welcher einfach jedea gedeihliche Zu- 
sammenwirken unmögüch machte. 

Der gemeine Uaun stand in Oppoirition gtgftn die Obrig- 
keit, der Adel gegen das li^üratentum , die Studio gugen da« 
FUreteutum, dfts weltliche Füratentum gegen das geistliohe, 
die evangeli gellen Fürsten gegen die katholischen, es war ein 
Krieg alier gegen aUe. So grols war die Enlfi-erndting und üat- 
loeigkeit geworden'^), dals tnoii wohl gar die Türken «ioh her- 
beiwilnBuhte. Der Keichstag von Speier halle keine Veraiilmung | 
gebracht; «b war gewissormajäen nur ein WaffenBlillotniid ge- 
Bchlofisen. Statt aber die Bedingung desaelbeo, die Gesandt- 
schaft an den Kaiser, zu erfüllen, hatte der Efslinger rUraten- 
tag «ich «inseitig von ihr losgesagt 



1) Et ist dann «nch, snwell es du Papier erroSglicbte, eifriit bemBht. 
die PQnten nnch Resi>iiil»"E zu briugon. „Cln orlatlich gul veik *tl^ 
dnrdi dsn BeMlitufs da> Keii^hstiigi gea<^btiTieo u s.v." lu lolchar W« 
um 9. Mfirz I&37 »n Kurf Ludwi|{, KM», Tri«r etc. 

1) Oohd (ie laglen den Beiulistlg eben duhin. 

Z) Vergl. den Abiubfid, gedruckt in Nene SaminlnnK der ReldiMb- 
lehledfl It, S. SS4. 

4) Diei wiril im Abiiehted als der enUcliatilandn Grund angcführl. 

0) Vergl. dM K&piUI t Eüllnger FUratenlag. 



9kit> BÜDdalibciUobung«» cvuigellEobn StKndi. 



177 



w 



» 



Das war niolit nur oin Schlag geguii ilio <iTti>{eliiicbcD 
Stünde ; es ward zugleich damit die letste Hoffnuug, die Eiu* 
it d«r Nation au erhalten, Ternichtet. 

Wer will die EvaDgeÜBchoii verurteilen, wenn aie jetzt 
nach ihTerseita die BesohlÜBte des Speierer Reichitags nur m 
weit fär sioh verbindlich eraclitetoo , als es ihnen ihr G«> 
triiaen voreohrieb? Mochten ursprÜDgliuh liic bciriihinten 
Worte des Speierer Abschieds, wonach „ein jeder Stand in 
SkChen, die dae Wormser Edikt beträfen, «o leben, regieren 
und es halten wollte . wie er es gegen Gott und Kaiser xa 
verantworten sich getraue", gan£ anders gemeint sein, di« 
Kvangeliacheu hatten jetit das Keoht, ihre Änfßtagung sur 
Gellunj; xu bringen'}. 

War man aber ferner auch noch sur Turkenhilfe verpfliobtet ? 

Wie alle Ereignisse sich am deutlichsten in Landgraf 
Philipps 8eele abspiegeln , so erkennt man auch hier klar 
und bestimmt, was in ihm vorgeht. Eaom hat er vom ETm* 
liDjjer BeschluCs'), die Botschaft nach Spanien nicht abgehen 
zu lassen . Kunde — Griinde and sonstige Umstünde kennt 
er noch gar nicht — so erwacht sofort sein Argwohn. Stutzig 
macht ihn auch die ^Vahl von Begensburg für den künftigen 
Keiohstog*), Sei aber die Gesandtschaft in böswilliger Absicht 



I) toh komn» ta( diiinn Punkt <ii«4erlioIl lurUck, weil es ven kk* 
Uioliiotiir Solle (Jsuiien) DQuerding» versQchi wird , dU Evaa^clisphcn 
«inss Brurhot Uu It«ichen1>schi«<1as in betoliutdigeD. 

I) Pbll. aiijoliiinn: „Wir vvrnemsii. ans — ileo nliesl lu Esslingoo 
— um turneiDlichitBn du Ihenige rtrhudeft und beilossen irordsn 
■•in sali, du die K>ordi>iithe hotsohnft in nispnnien in keyi. Mxj. iiit sol >b- 
gaftitigM, und »in andsr rail^hang — gen Kegeiiaburg i.aiigG9r.1iiiben woidoii. 
VfelichB vorhladaruQg der botichafl um dun genamcnensn und von Kemeincc 
raiehaTBTMualung beichlosienen abrnhiodts — sa Spsier lawidder und 
ganti ughw«ni){ Isl, bedonckea such dant der kutitllg reicbsing so weit ea- 
hinder furgcnomen worden ist. achlen wir in keinem ^tf» ge«^b«en elc.*' 
D*t, ZspfcnbatRk. Im Murb. St.-Arobir, 13. Jiinu*r, 

3) Hoch xm 11. MKrt IftST halTt Philr|ip Huf ■lue VeTlDgun|[, ,.01i 
nldit tD WtgvD SD biingcn wsco. du die mulsladt d« rsIrbnUg* doni 
rhainttr^iD nehor IceloKt nioce werde»". «nKl er in der Inalroktion ffir U*w 
von Halshataii snKnrr l.iidniif. i>rig;.Matb.lli.-Arcb. Abt. WUrttsroborg. 

XIV, 12 



178 



Hnto 



Igen tT»iigeIlKh*r SUad«. 



Tcrhindrrt worden, so hnbe ntm sich der «Ueodcn Hille und 
dw anderen Spnerer B«<i«hlüii« za weigern ') aod alles das- 
jenigu XU thuo, was dem Wüleu der Q«go«r hinderlich nein 
Unnt«. 

Die* war die einiig n«htige Antwort suf das eigen- 
vitchlige Vorgehen der M^oritit. Aber »ein Bandeegeiiosse 
Johann, <o sehr er die Terfaindemng hednueit otid gleich 
Philipp die Geistlichen dafür verantwortlioli macht '), vor 
sieht Ton so hartem Stoff, um mit Enlsehiedeuheit allo 
KoneequenEen in ziehen. Seine TüiiensteueT halte er bereitt 
b«2ah}t*>. Er konnte also Philipp« Wnnsch gar nioht mehr 
orfüllen. Aber er hätte es auch, wenn er gekonnt, nicht 
gethan. Denn noch will er in »einer Kechtliohkeit gar 
nicht glanbun, daTs die Genndliohaft wirklich definiliT ab- 
gethan sein soll, und hofft nooh immer auf den kommenden 
Beichstag. Deshalb solle es sich Philipp nberlegen, ob er 
die Tärkenstener nicht lieber erlegen wolle, damil nioht g»- 



l) „und onior» Mhteot, wo lolii-Ii botiDbftft vorhlndert loK werden; 
et «er dsa lUs m nil iii liotam riimenisn iicorliiio, b>t miin ik'h ilot 
«ylendt liillT und *ii<lsri im fi[tiiir«r nl'U-liifll vi'iluijit, murli iii wnigita 
ond ■llci du IhinlgD an i.iichon und runuirondcn, du irmi willun *ucli 
viirhindiitlich min mtii-lit, wie das d«n" — und (lies ist gliiichfiüls »obc 
boivichnnnd für Philipp — .idca rolchuledtaD aacli Atizeigu beachnsti wirdst'*. 
In üben dloi Brlere >o Johaun *. 11, Jui. lliSJ. 

t) Jolntnii ui Ph!li|>p. II. Fobrau ISST. Teigl. Beilagu X. VergL 
•n«b 8. U7 IT. 

B) Mil BDIfo ron Nilmb^n;. dl* ito ihm vontrscktn. NUrnbarg 
tehreilit ilii'« «in IS. <liinu*T ISI7 «u, Nflnib. Kr.'ArohiT — Will inui 
«0 rocfal dan lIiilancbiBd d«r bnldcn Nataioii, Julikiina (.uf d<T eln«U| 
PliilippB Hut dor nndnrD, leben, so verul, mBn den Eiiidrork, dtn dtMer Kl*- 
Unffor BAteblufH tnncble, Hc^tr, Phitipph v«ni1eiobe oben, JtvhAnn dagv^ao 
■chreibl; „iroll vorbia so i^poler für gat luigeieliori irordon, diu £s 
■ehiolipaii mit und iitbin t)«r hnllT, and alsu eius mit dem aadera tot- 
gans •miohAii aoll", *n [rage er BsscbwHmaK llhgr dvii Klklingar 
Beiebturi. OlsicbwDhl bnbe at an NUl'iiberg i^urhrieben, Ihm da* fMi 
„tÜTtutlnukan, Wollen una, ob gol tvil, In dem illen nlio EuorKfdgaa 
wlaicn, damit niiacrnllialliiiu an dem, no ^«williKet, nil inanK*! mId mII". 
Johann an PetlltMli. SB. Jmtua lOBT Walm, Oea.-Arclilv. 







Eni* BUndntaboitroliuni^n cvangcKicbftr iftKnd«. ]^ 

sagt Verden bSuut« '), or und seine Freunde*) lueliten ttym 
ZQ Terhiodera, w«b man aus cbri tätlicher Pflicht tu fördern 
verbundoD sei. 

Allein Philipp blieb nioht nur bei seiner ersten Ueinnug, 
ndem verauchte Bberraals '), den Eurfiirsten lu energischen 
.msl'äregclii zu beBtiramea. Er Rollo ilooh , ichriob er, 
e'd mit Protestation zurück beholleu, falls Hb Gtisandl- 
echaft nicht abgehe ; jedenfalls daffir sorgen , dalä ea nur 
gegen die Türkon gebrancht vürde. Aber obwohl Johann iu 
der Auffassung des KMinger Besuhlunsts mit Philipp völlig har- 
monierte, Eo entschieden er betonte, AuS» die dort Torgc- 
bnchten Orlinde keine Gründe seien, kq solchen extremen 
Schritten war er nicht geneigt'). Günstiger nahm er das 
andere Projekt Philipps auf), durch eine eTiogeüsche 





1) Yurgleiche BelUga X. 

!) Auch bei Ludwig von äet PbU tiilte Philipp ikli TiemObt, dtifi 

fetifalls die TOrkonhiir« nicht he«'illi|^r>, „»ondprlicti tu solch» hilfT idt 
div Turokeii. inndei'n in Ungarn gcwcndol wlrdet". PliUipp nu Lnd- 
wig. dal. Uub. teiC'in Febranr 1527. — NftlQrllcli achviilv ibar LudwiK 
lUtBck, „lortrt nsclired? lu i-orhutteii." fl, Tfliir. — Win BnÜsg« XVUl 
ftbgr beweist, liert Philipp Ton soinen Uemllbunecii rilchi nb. 

3} Am Sl. Februar I&8T icbrvibl Philipp nii JnbKnn, in Benntwar- 
tnng d«i Drlofei deuelben Tom IE. d. M., „der eili<gun)( lies Turckon- 
goltc* boIsQKenil wollen wir am auf c 1. guttiedaiikon natb wobi la 
halten wi»sii." I)»^^ ^I nber damit bi'iODswcgs Jobanns Rnl brruIgMi 
wollt«, xelgt der ForlKii'ig des BriafM, in dorn ei schreilil: „Aber wir 
bitten, «. 1. wolle solidi gelt mit prolej^lution rnrbehnlton. Bi sei äenn, 
diu die boUehaft In Diipanien furgani; halia und anrli tnlirb gelt aiidera 
nil dan wider dun TBrclion gepmueht werde." Orig Woim. floi .Archiv. 

1) Dafllr hciondert der Brief Johruin* fta Philipp Tom 6. Htri In 
i«In«[ kUgenden ResiguHlibii bezeichnend 

6) Vergl. darüber ilus Hopitpl : SehioksulB dar Oe»andticliafl. B». 
r«Its wn li- t'Bhruar 1687 (vergl. BeiUgu X) Ist Johann einvcrjtindeB, 
für d«a Fall, nto die lobirkun« eiitlith absein und verpJetbtn Mii," Noeh 
«ho dioie iVnlworl eingotroffeu, ernmhal Philipp aburomU lu dieEem 
Sdirltl, am 81. Pelirupj. Von demselben Dslum ial dann noch die 
Aplwort auf Jobann» Brief »om IS. Februar. Aach liier dringt Philipp 
nm »u iiiobt anf die (li'miidli.chaft, uk der IlHgeHsl>iirger Reichstag „nitlil 
fsrguig gewfoueii wurde " 

13* 



180 Enle BDnilnisLestreliuugHu avtiigeliiuher StKad«, 

Sonderbotachaft aa den EnUer den Mnchinationtm der Oeiat- 
liflhen entgegenznarbeiteo. Philipp hatte sofort dnboi au&h 
dieStädle') heran ;iUEi eh en gewünnuht; auch darauf war Jo hau u 
eingegaDgen*). Wir sahen bereits^), wie in der Folge darüber 
verhandelt wurde, wie man aoheiübar vorwärts kam, wie aber 
sobliefBlioh die ganze Sache im Sande verlief. Rechter Ernat 
war nicht zu epiiren gewesen. 

um so veniger hatte Philipp seine andern Pliiue auf- 
geben volleu. Schon in den Franküirter Verhandluiigen *} 
mit den Städten kommt er eiierginch wieder auf seiueu Vor* 
schlag Eurüok, das Törkeageld suröckzube halten, wenu nicht 
EUTOT die Gesaadlsohaft an den Kaiser abgegangen sei. Die 
Städte sohieoeD nicht abgeneigt. Daher erneuerte Philipp 
sein Verlangen an Johann *) oud bot, in entsp rechender 
Weise seinen Gesandten zum Regensburger ReicLstag xa 
instruieren, eventuell weder Türketihilfe noch den Abschied 
SD bewilligen. 

Wie Sachsen **) auf dem Reichstage aufgetreten seih 
würde, vage ich nicht zu entscheiden. Authentische Naoh- 



1) So ua 13. JAsniti, mit TprsUrktem Ktchdruck na 11. Fehriw. 
Vcrgl. 8. 148 Aiao. 3. 

i) B«rert) un lt. Fvbiunr ichreihl Jobvm, „er wolle die snche liiii 
funilgii und andern lUrderu.-' Am 6 MSrE ditnn : „dtis wir unrt nndara 
— mlttaml den iledten (ut uiia lelbal in kala. H^. eine «cbiekuiig lliiin". 

>) Vergl. oben S. U7 ff, 

*) Vergl 8. 173 ff, 

B) KiclijeuuiuundKtierten Eontept dos Mnrb. St.-Arcb. (t. ti. 174 Anm. 1), 
wo Philipp von den Frankfun«r Vorbaadlunecn Bericht eritattnt, ..Dlerauf 
wurden e. 1. ireii nuh. Hnasrm vorigen »nhreibeii nncb, vtui wiMi-n «u 
beleihen." In gleicher Weite Imlle Pbilipp an Jolinnn am 11. April IfilT 
geiiehrlibBii ; „Wuither bidten wir a, I. frcuntlioh, sin wollen flr]tnnert Mia 
und irem rath, )□ ghen Kegetialiiirg anm roiclütag soll Bescliickt weräen, 
bofelheo, 30 etwas tuwtdder rai'Konomen viecäau woU, daä «r dartiii nll 
willige und piottdliro, nin qs die geiUlt haben »oll, Al^dan In ksla 
Tari:k«ti oder ander hilT und roicb^MliBchied la b<*wi[]jgfiji". D^nnurst. 
u. Judica IGST. Konaept im Miirb, Bt.-Arob. Ver|;l. ferner Biila^« XVm, 

e) In dgn Fragen des „gßttliehen Worts" würde Johann gewiä nlolit 
wunlgcr entschieden aJ« Philipp aufgclrcleu sein. Vergl. folg. Saite Anm. 3. 



BnU Ba»lni*b(utn>biui^B CTUsrilscliBr SUalti. 



181 






richtflD fohlon, da «• aaf doni It«g«aebQrger Tage nicht tot> 
tr«(«n WUT*). Unpräoglich war MinkwiU*) bestimmL Diät 
bewiese , daTs Johann den dortigen Yethandlung«» grolJMa 
Oewieht beilegte. Ob nun dessen Sendung onteiblieb'), weil 
et flioh imraer sicheTer herausstellte, dab Feidioand den 
Keichitag perG(5Dliob nicht würde hesucheti können, oder weil 
JohanDs Äufmetkiamkeit auf andre Dinge, wio namentlich 
die be vorstehende Heimfuhrang d«r Braut Johaun Friedriebi 
geiricht«t war, oder endlich wmI es ihm vor den kOhneD 
Bündnisplänen seines uDgestämen BundesgeBOBMD, die dort 
JD Begeiuburg zur Yerhandlung standen, gianta — ioh will 
nicht ent«oheideQ. 
Philipp aber, der selten h ecttobiodnn die InitiatJTe 
hat wie in dieser ganzen Zeit, fertigte einen Oetaudten da* 
bin ab*\ Die lustruktiou eiispricht genau den Teadeujten, 
die er seither veifoehteu, Zuerst sollte Otto Uuudt, denn 
diesen sandte Philipp nach Begensburg , im Falle . dafa 
«twaa ge^D das Wort Ciottea rorgeDommen wüidr, pro- 
tMticren, und swar in Verbindung mit dem süchsisohen 
Otnndtaii, deoea der Städte und der andern eTangeliiohen 
[ StKüde. In Gemeinschaft mit difsen sollte et femer weder 
[ die ,;«ileDde Doch die beharrende Half bewilligen, wenn aaden 

^^_ 1) Vergl. den AliBohisd. 

^H t) Jobiuii SB Philipp, SO. Mitr« 11197. Kr kCane Mlakniti, irle 
^^Rilipp BcwOiucht, niclit Bcliickeu {ti huidi^U sich um oId« KoDf«rent 
««gea Dartog Utricl»), äl, nr dieaon filr lti>K«iiiburi[ lins Um ml. „Wo 
aber disici tH|[ vlll«icht vorgaug nkbt crrolcbtc". wollo er Ibn »«ad««. 
S^inoabwid nach 0«uli. Orijf, Im Maib, St -Archiv. Abl«iliiii|C WUrtUmborg, 
3) Spltcr tehickto sr Mirikwiti dacli tu jeu<r KonfriraiK ir«g|gii 
Dlridi von Wljrl lim borg iitvb Nürnberg. Denn dio NachrichUn, di« 
Fvillui-li ihm guclirlebeo (puräSnlith sei Icoiu Fünl «nabicncD, nlicb haba 
im B«giinoat bei Fncdinand ang^fra^l, nt> er iircIi Rngeiubarg kommiu 
ward«) hntttD ibn reraulsril, „mit du icliickuug nicht *u oikn.*' Schlcko 
•r sio uauh ab, » iToUe er iu den Sachen, „so du (cotlichq wart boloiiRot 
und wu dorn uihsagig". Philippt Bad«nk«n „nach ■ll«iilhaihnn bdvolb 
(•bca'-, Jobonii au PMlipp (la ■. I. handDo). E4- April ICIT. Orlglual 
ib. *l -Archiv, 
i) VwgL die lutruktiou Ono Bundt'a, BeiUgs XIX 



tss 



Bnta BUiidnis1intr«biiiiti«n «rMig«li«e)l«r~ 6tttnd«. 



xiiülil Torso^e getioffen, dftft «ie allein gegen die Tttikea 
f,'6brauobt wordc '). D«8 wetterou hatte et Buft^lil, mit uller 
KotRohiedenheit nul dio Abfertigung dvT Botsohatt &ii lien KAiaci 
XU dringea*), oamentlich dabei Sorge zu trogeo, dafa die xu 
Spuer festgeseti^le luatruktion iiioht goätiflert werde. Uierin 
loUle er „hart suhalteu und aouat ia niobts willigen". Da« 
wareo die Funkte, die Philipp sühon io Frankfurt de» Städle- 
geMindten vorgelegt lialte- Wie er die EurfUrnteu von SacbBen 
und dor Pfal£ gewonuen glaubte, so naiim er auvlt au, daT« 
die Magistrate lüeriu xustinunMi närden. Überhaupt erkenut 
msu deutlich, wie nah er bereits den Städteo gekommi.iii uud 
Velchee Vertmuen er auf i'm setzt. Denn HÜmmtlich^ Puakt« 
der luBlraktion soUte sein Geaacdt«! mit dem Nuraberger 
KrefK utid dem Straraburger Sturm beapreohun dörfoa. 

Ferner halte Ollo Huudt wogeu der ungiiaatigea MaUlolt 
auf AUBHohreibung eines ueuea Beiahstagx nach oiner andern 
Stadt an^iutrageu. Endlich durfte er RogimeDt und Eammer- 
gericl)t bewillige D. 

ßlolä negiereade Oppoaitiou macht aUo Philipp koiues' 
wegi. Allee was das Iteioh vou ihm fordern darf, will vr 
villig überuehmeo. Nur drangt er soinurioits auf Erftillung 
Ton Zusagen , wozu ihn GewiMaeo und Beoht autorisieren. 
Er hofft dabei, abgesehen vou Sachson uod den .Stitdt^n, auf 
DnlurBtntsung der Gesandten des Eurrürsteo von der Pfalz, 
Herzog Ludwigs von Veldeuz , der beiden badieohen Mark- 
grafen, der Grafen vou Seims uud Werthheim und das Her- 
BOglioh sächeiachen Bot* Otto reo Paok. 

Sclüierslioh halte Otto Hundt noch dan Auftrag, tou den 
8UidtonAug8burg,Nürnberg,Strufaburg, Ulm, ilie, wie wirwiaaeu, 
auf die he sHisoh-Bäohsi scheu Anträge von Frankfurt iu Kegens- 
burg sich erklären wolltea, die Antwort iu Empfang su nohsieii. 

In demselben Augenblicke aber, in welchem Philipp «in» 
toloho enge Verbindung mit den Städten herzustellen bemüht 

1) DuHlier iF>r er &uc1i mit KorfUnt Lui)wi|[ bni sBiuor peraünllahen 
KDMitimenkuiin ilaig geworden. Vagi. Roll. XVIII. 

t) Auch boi 4i«>aDi Panfcie luillo KurlbM Ludwig Hlno UattrttSciunjt 
venptochen. Bcilng« 2lVILL 



Brtte BUu<laUbeilr«bnnceD evangeHwber Suada, I33 

«ur, zeigten lieh auch «ieder die altau OegeuKlUo, di« toq 
An&ug im diu ADDÜherung «0 achr or^chwcrt lutttoD. WJi 
kürten bereits, dafs die zu Bfaliiigen vorsamiueUHu Fiinlvo 
«Iqo Anlage der Tärkentleaer aiafgOHtellt, velcbe lu Begona- 
biirg die Giuudlage der YorhaudlungHn bildeu »oUte. tju 
jodor Stand hatte «ie vom Uviulurugimeiit ') xitgoachickl ür- 
lialten, um sie bie zum Beictutag durdizaberatuo. Da aber 
Guiden die Städte , dafä eie zu hoch horaugetugen würdon. 
E» tauolitu daher der Oedauke ^) eiaes aUgemeiuon Städte- 
taga auf, um eidi über UUt«l und "Woge idtlUesig zu machen, 
wie diese Beaachteiligung der Slädtu ubunwohreo sei. Duoh 
liofa mau vegen zu grofMi Nähe den Reiuhetag* diesen flau, 
wieder fallea. ., 

Dafür Buhlug Nürnberg vor, durch die vier ausacltroiben- 
dou Städte Bämtlioho^) Studie ihres iiesirke lum rechte ei tigon 
Besuche des Beiuhstags auGTorducn and dringend eimabuen 
lu laaseu. Ehre, Kutten und WohJfalirt aller iCeicheslädte, 
•«wie jeder eineelneu Stadt sei dabei tn Frage. Diu 
ocoeptierte deu Voraolüag und ilbermit leite ihn an Strarnborg, 
wahrend Närnberg an Prankfort schrieb *)■ Doreh dicoe 
waxd«a die übrigeu Städte benachnobtigt ']. 



1) Veigl. BeUiBB XVII uud XX. S. hdcIi S. UC- 
I) Teigl, B«ilai;D XX. Koiiicsni und LIhiIrii »che[n«n dlu*n On- 
dAnkan (ueral goliiibl xu bitlieo. Clin ObumiUtcIta ihn ui NHrnbnrg; 
■)■• sicli AufKDg UKie (liig«gcD eiklUtt. 

3] Vtigl Bellüge XX. Am 6. Mlri witd «ucb Ulm dkvon baoMb- 
riUitigL KUrnbeigei Kr.-Aivb. 

i) Bell. XX. Mfirnbcrg sifthl doahklb auch totu ungorn, AxCt melirera 
SlUl» rirh duroh die andern vorCfeton Iwson wollten. „Wir tristen nbcr" 
lohndbt a« 1. R, an Ht^ilhroirn, „durt mif drscm reii'.ii&tHi^ nllfrl^y und Hon 
«rbani fr. u. raivhtintlen liDuIiWflrlicbi) iiendel lu markt koniinsii werden," 
Dumm BOlltmi lie ihn bcbTbicIien. „unnugesehen. wiu die für verhiTideruny 
biib«n uiStilit" II, Mkni lGil7. NUrnbergor Kreb-Archiv. In glcivlier 
WeUc fordert Miii'iibvrg luii VS. Muri Dinkalabaii) iimi B«aui:li de» He'ii'hB- 
taff» ftut 

fi) Am ti.Hlirx crkllul ilcfa Frankfurt alavorstandsa mit Nllrnbcrg« 
Vonc)ilii4[. FttuJtrurt. Su-Arch, Am 14. Milra iurd«rt Ubn in aiil- 
fpcacbaudoi Waito Aug>bui|[ Kuf. 'ugib. St.-Artb. 



164 



Unto SUDdaisbNnBuQg^^SSSgftllM'.liar SUtuiIe, 



Wie hier die Städte, so waren auüli ilio PrälaUa') durch 
das Projekt des Regimeuta iu nicht j^enuge Afitrugüag ver- 
setüt und rlistelen sich ihrei-Beita zur Abwehr. Andre fühltnn 
sich iD andrer Weiso bosohwert. Mao «ieht, es wtlido 2a 
den lebhaftesten Debatten gekommun sein, veno iibeihanpt 
in Begenabiirg oraitliolie Verhandlungen atattgofnnden hiitton. 

DoTb dies aber nicht eintrat, das versohnldete wckodU 
liob Ferdinand. 

Es mag unentEchieden bleiben, wie riel Ferdinand per- 
aöulich daeu beigetragen hat, die Abfertigung der lu Speiflr 
besebloaeonen GesandtsobafH. zu hintertreiben. Sicher war er 
damit durchaus einverstanden. Schon die BücU sichtnah tue 
auf die Politik «eines Bruders mu&te ihn zum Oegner maohon. 
So stark Ende 1526 der Gegouaatz zwischen Clemeua Ytl. 
und Carl V,, die Gesandtschaft konnte dem Kaiser dem Pajixt 
gegenüber oui neue Verlegenheiten bereiten, die zu Termeiden 
Ferdinand auch im eignen Inleresie sieh angelegen sein laaaeo 
niuTstu, Je ferner eine Aussohnnag seines Bruders mit dem 
Papst«, je ferner war auch seine Hoffnung, die rSmiaoho 
Königswürde zu erlangen. Allerdings arbeitete auch iu 
diesem Punkte Clemens VII. ihm entgegen, aber um so mehr 
nur mufste Ferdinand aioh hüten, die Geiatlichen vor den 
Kopf zu Btofiien. Denn aonat war erat reuht den päpitliohen 
und frauEÖsi scheu Einflfisaen Thür und Thor goüffnot. In 
letzter Linie waren ja auch die geistlichen FUreteu aeioe 
treues teu Stützen. 

Zu der gleichen Haitaug zwangen ihn auch die auTser- 
deutsuhen Verhältniasa. Iu einem Augenblicke, vo er mit 
grSfiter Anstrengung tüne Gegner in Bt)hmeu und Ungun 



1) „Als tUMro btnrn und tFsuudt dia prslaUu kucb irir jungsliror. 
tcliisiinii mllwoch JM ftnigeichrlBbuGD relehitagi halb lu Wildxi« bny 
oiDkndot ^Hdst, litid Dr. Kuiiig uikI wir ran gaaioitiDD prolotiu venoo 
■Df linurMn rticIitUti tu rniten veroidnut. — DJchts d et tor weniger konteu 
wir allen pr«Utaa, dlwoll anser »ller wulfArl und gcverüchkeil Mi disam 
rvldhsUg gelogen »In will etc.'* Aosschieibon Gonrlgk'a. UKra IBtT. 
Koni«|il. WeiDKirUieT Miuivbllcb«r tm Sluttg, Sl.-Archir. 



Erat« BQulluU^e»trebunHeu sv)iiig«li»eh*[ Siftuilc. 185 

211 vwdtiingen bemüht war, tnuTsto er joden ueui.-ii Aiilur* 
zni Unitu&ieiJunhäit dem Papste be nehmen, um dienen nluht 
ni>ch KU eutschiedenerer Partehiabmu Rlr Beiue Rivaleo, die 
zudem die katholieohe Teodeuz in aller Streoge TcrtrAtea, 
xa treibet) '). 

Noch war die Lage diosetbe wie xai Zeit des Erslingtir 
TaicM. Wohl hatte Ferdinand iu Bühmoo über «oine Nobeu- 
bahler den R'ieg davon getragen^), aber die Baiern gaben ihr 
Spiel deshalb noch nicht verloreu. Um so weniger auf 
konnloii sio wiineohen, Ferdiuind zum Besitz von Ungarn 
oder der römischeo Königswürde*) gelangen zit lassen. 

Aof Uctersltitzung der boirischen Partei in Regeu»bur([ 
konnte Perdiuand also nicht reoh&ea*). Die evangrli sehen 
Slfinde hatte man doruh die Verbindening der Oesantltachaft 
mirstranisch und widerwillig gemacht. Was konnte er also 
vom Iteichstag für UoterBtütituiig bei »eiaem Kampf (regen 
die TUrkoD eiwaiten? Mag Ferdinand mehr oder weniger 
genau von diesen Stimraungon der deutschen (Stände unter- 
richtet gewesen sein, der Efsliiiger Abaubied sagte ihm genug. 
Bean in Wahrheit half ihm die daselbst festgesetzte eilendo 
Hilfe gar nichts. Sie sollte ja erst eintreten, wenn die Türken 



t) Bslr. Zapo1^«,9 verf-l Rmike tl, S. SnO ÜHjuilyn tuliickl« «iniMi 
OaiMndUii Dich RageniLatg. d«r aber von Furdintnil fsatKahRltDii wurde. 
UwUber liBBc1iw»rls gr sich dann bei dou rUr»teii. Von Feidinnmi iMii;t 
er: qui tatuiii pono ohrittianum orbem in Monarchiain iinam rndiKirA 
■lioloiilquo lufl« lubieete vcllo videtur- MDnclm. 8t.-Atch. 

1) Ferdinand war am S3. Oktober 15SS aum Kdnig von Böhmtn 
|{airil>1t wunlvii. Am 14. Kebriiar 15>7 Taiid iIU KiSnanj; ilatt. Vargl. 
Kank« 11. S ISS ff. 

8) Wio lobr diese Fraico die QDinUtor aui;h damnls beachltfliKto, be* 
iraitl ilailiiKa XVUI. Varjtl. aiivh den liürl Jobanas hu Pbilipp voin 
11. HNrs I6ST : ,^la nn* «acb o. 1. auf alnor andern Eollnl* aiig«xa1gE, 
da« sl« sich la kurtce la unsierm voltoi dem PhUgraloa verraffcii und 
nh s. 1. dea kGni^ halben in gobiim rodon nnd nn sie an»rirhtoii, un« 
uavBrhallea i«!n laMsn wellen, liabflo wir Trualllcb v«nii«rkt." Uarbnrg, 
SL-Anb. 

t) Teitt. aach Beilage X\'IIL 



186 



Ente BUBdiii>b«>lTet>uiiKnu ornngeÜMliCT SUaile. 



Öaterreioh augiiffen, und nur gegen die TUrkeD gebraucht 
weriSco'). Dpslialb begclilofs Ferdinnnd «Ho «iuzduou StMnde 
vorher, jedeu für sich, um Uiil'e uuzngaheu. Wie ijer Er- 
folg neigte, war eo in der Thal mehr ^u urrciuhea als ram 
versamtuelleii ßeichatag. Aber zugleich machte Feräiuand doüh 
iu gewisser Weiae die dortigeu V«rbaud!ungeu iLlusoriBcli. 

Bei einer Koihe von StSodeu hatten Ferdinands Wer- 
bungen auch sofort Ciehär gefunden*). Weitaus die Mehr- 
zahl hatte aber eine bentimmte Aulwort hicuuigeHuhobeo, 
bis mau sehen konulo, wa» der liegeuiburger Beiuhatag bc- 
eohlieCüeu würde. Wir fiuden uuUt ihnen fUuf KurfürBlen, 
die meioleu Hiechöfe, die wichtigsleii lleichsstädte, mehrere welt- 
liche Fürsten ; uutor letzteren auoh Laudgraf Philipp tou 
Husseu. Der Erzherzog hatte bei fleioen Qittgesutheu aW 
Ewisohou Gegnern und A utiiingern der Rofurmation keiaeii 
Caterschied gemacht. Aber war ee anzuiiehnieu, d&fii aucli 



t) Dies Iwtont Ferdinaiid auitdräckltth In »cinar Torl]ig« Hn <!iiii 
RtgCtubergeT Itcichttag. W*il »r »w.h «ngsn Atr ¥.fy\inen- ß6»M(m« 

„Wanie Ulier gnr nichts virtrSitea hnbcQ mugeu, dHrumlibii <r Miti. taiut 
«Ttyncliniider notl bewegt wordcD UL ottllch Churf,, forsCen und >t«iid In 
Mudsrliftll umb liilff — aaiiuach«!!." AbaoliFin im MäDuhuer OeheiiiiDn 
SbMl«- Archiv. 

S] .,Oer Churfursten und ruratcn e^ivon und stall immcii. lo ligl. 
H. IU lluugont eU'n ad pHrtom htlfT eu thuu Itawilligt hibon, NcmJioh : 
der Churf. vuu Brandenburg, die iwun liarx. von Br^unbuliwaiif, HcirxuK 
JÜrg TOD Sachaon. rieriog Frindri«!! von Bayara, Uoriog vun Mockelu- 
buTg, neri. TDD Pom«iu, Biscbof von Co»l«itls, Qrat Bernli, vi>n Sulmii, 
(lnif I'iiitipi Vau Nuia«, Graf Job. Autai^' van Kyjttaborg, Sttdl 
Vmaktvtt. 

Nachvolgsad und benant Chnr uiid (urslen xuoh atalt bitUen ilio 
Mch UiH anf den roicliaug gen Regensbuig nurgeingsii : Malnti. Ci'ihi, 
l'rier, Snebieu, Phalu, Luitgr. van Hessen, Marggr. t«u Baden, Maislor 
TcuUcbordans. Dia linchefr rna Salzburg, Sjinyer, Wartburg, Utgeot- 
burg, Batnbotg, PaMavr, Eyetett, die iiett CSin, NQrubarg, Aagibiil|[, 
U]lD, ileiu die atoll uud die im Alge* vutl all. 

Dat (unten und alel Daiaen, von den nucli nil anlwortl keioan 'Mi 
BUohoir von Sttuabiirg, Uati. vuu juuguu Pritixgraveii, Ueriog vuu Lut- 
riagen, Herzog von Gülb. V«u stetten Meli. Bogouiburg, Strutburg, 
Spejrr, Wormba in kaia wilwortt gerolgU." Im UUaeba. Cl«li- St.-Ar. 



BnM BllDdalibii>trcbriitgaii oTMigellMbec SUndn. 



187 



die Aotvott gau2 unbeeiuflnfst tob der Stelluug tu der 

^nlig^ijaen Frage ausfallen wILrde? 

Die Auaicht Luthers wäre dies gewGBOn , der g&ax uo- 
bekümmurt um politiBcho Erwiguiigeu ruhig dou Weg Ki"K>. 
den ihm sein GUnbe ynes. Aber einen poli tischen Kopf 
beaaTB die evangulische Partei doch bcreiLs. Dan war Land- 

Ftnf Philipp. Mochten andere daruaf bedacht nein, I<'erd)- 
BUid daroh ihre Unterslützung zu einem guädigeu Herrn su 
■uBOhen, er kannte dieae BUisksIchleu oioht und euohte nur den 
grÖfeten Vorteil füi' «eine erangeliücheu Biindoibbeetrobungeo 
aas der Terlegenheit Ferdinande ku ziehen. 

Im Mitl.elpunkto aller leiner Plüoe »tand für Philipp 
die Uestilutiou Herzog Clriuhs von Württemberg ' ). Ihre 
Bedentung tHr die Sache dos Brangeliuros wuehEi, je mehr 

^hilipp durch Ulrich mit dou Teudenacn der Siihweiaer Re- 
oniation bekannt goinacht wurde, Kbcn damuU nahm der 
Streit Lnthera mit ^wiugli immer grülsere Dimensionen au. 
In Spt-iei' stand Philipp noch ganz auf dum Boden de« 
LuUiertnnis -), allroülilich aber Tollsog «ich bei ihm dor Um- 
schwung und die Annäherung an. Zwinglifl AufiiisBung. Die 
Verbindung mit den oberdeutechen Studien, die gltiiohfalls 
immer eutsehieduer ^) der Zwiugli'schen Lehre euueigten, 
war ihm deshalb um so wichtiger. Den Sehlursateiu ailcr 



1) En*)lhnt lel, dafs Philipp such jtUl wieder d«a Ultcliof von Ot- 
kbrBck, mt den mHti icbon iij Gotlia golioRt, In soiu tntetoano hiaaln- 
ntUhtn tUl^hT, Zu Kuitnacbt 11127 war er uill Joli&nii vni Suilisirn 
Mnrbiirt;, wo uuch Ctricli von WQrlteniliDre. Verg]«[;l>ii llcfä, llnraog 
Ulrich SeliTiurrer, Erlüulpruogen der würtltmliergiBrhpn Kirchenrofonn- 
Setehidhiii. S, 74 V«rgl, nuch TruclueTi ftn Ferdiaand vam El. Hlri 
1937. KoDl. Im Stuttg. St.-Arohlv. 

i) .,floitd«rIiab der ^ohcdliaheii verfurlscfaen titwinKliiieher o^ltiion und 
Moton hKibon, diu enbao dorn worl Chrinti HB rilca i>clcii gcWBJtlglinh 
IatUic" Otc,, >iu elDom Briof Philipp) an Johiuiu vom IS. Sapleinbor Iftve. 
KoDi. Murh. H(.-Ar(ilÜT. 

B) Vargl. K«iiu, Suliwtb, IUCanDfttioiit|[iisubiDhlt, Sawi« dSHSU &«I«f 
DMtlon d«( RekbMlvlt Ulm. 



188 



Bnt« BDadniibeitrebanKen evungcliichot SlAndo. 




diener ßeatrebunK«n bildete abor Hering Ulrich, xeinn 
ZurllokfUhruug und die Yetdräugung der üeterreidiiaclien 
Uotrschaft. 

Seit dem Speierer Koidistag halle Fhilipp mit wahrem 
Feuereifer') eich dieser Aufgabe gewidmet. Kr nahm oioht 
iiar den Oeüohteten bei eich') giutüoh vaf, er briiuhte ihn 
auch in t'reundauhaftliuhe BeKiehuugen zu duu Kurfdruli^u ven 
Sachaeu ^) und der Pfalz'), lowie xu dem Kergog Heiurioli 



I] Einon klain«!), »ber geirlA »ehr chkrukUrla tischen Zug will iah 
hier niiAllireii, um >u inigsn, wie Philijip sIIdb und j«iliM iIiidbI» *i>d 
diii«*iiii (limii'lilspuukle »m belmclitul, Bertng tllrinh tinhUlltlvIi la utiin, 
Philipp bttle im Uirx 1637 oine pcraönÜflic BogeRnung mil Ludwig von 
der Pfnii Kcwünicht Du schriiib ar diN« plHUlii'h um II. Miri wimlnr 
■b, null iir« — weit er GeTstter iiui Qaint von Braunkrliwaig Htiiliiin 
lotlla. Er hiUa u annehmen mÜHen, „du wir do> ort» dio u«li mil 
Wlrknborg aa«b furdem mögen". — An» der InntrukÜoB, „wn Ad. B«w 
HD den pMigr. Luilwiifiin werben soll". II. Muri 1827. MxrhuTB<<r 
St.- Archiv. 

S] Uioie KUhnhuIt, du uih Philipp vomni, moliito xa Tlolfaclinn 
Beieliwcrden Anlahi ir*bcn, Nurnmtiicfa von dem äohwilhiiit'han liuud 
war xn «rvnrUn, inh «r ii«h deilulh rühren ir«rd«, Vah«r arliilt 
Philipp nir den boToritalienduD DunilBiliig (Martini) ssinem (lesandtcn di« 
W«itunji: „wo dir aurh von w«|{an cnlhullunK bnrioe Dlrichs v. WBr- 
lenherK ftlwih furKahitltAn wurdt, djirtu talla von iinnerl wegen »gm, 
dai vir Inen keyi, Uii,j. uuiorm «Ilarxnedlgilen herni uoi^h lucli dvin koy». 
Stntthftlter mich ilem biindl in Schwaben «uwitli^r oder au naehteil |har 
liit nnthJiit*n n.^eh in^n itfto in un^arn landen hahen, Man niege an* 
•bor darumb beicbrolben ougoiwairdt, wir wordoo uu» ull ri'illicb unter 
anlwort vcrnDmon laiseo." — Aas der Inatruklion fUr SlaScI. it. Oktbr. 
ISIS- KoDiDjit Marb, 6t.-Ar<ihiv. 

8) Wann, wi« Philipp am 14. Oktober siilirivb, Ulrich nieht mehr 
bei ihm war. »o wnr oc boreiU au Heini von llrauniii'liw«i|{ abKemlsl 
Anfang November Ist Ulrich Id der Thst dort. (Nach Urlafen Plilüpp* 
vom V. November im Harb. Arehiv.) Von dort aoa Bollte er ni Jabaui 
von BMhien. Die penOnlicbe Uegegniing fand AiifanK Deiombtr tn 
BbuiBch ilatt. Aach Philipp war anweiend, 

4) Mit Pfalz mub Philipp sehen Im Oklobor In Vorbandlungm 
darnber getreten »ein. Am S. Novembnr ISIfl ist Kurf, Ludwig buelti 
nir dl« „furhitM" bei Ferdinand geirouuDU. — Harh, St-Arehiv. 



Enta BlladiiLib«trcbnug«a ovtngollichiir SULiiila. 



189 



TOD BmuDVchweig. Ecoht cigcntlioli daroh die Sachn Ucrsog 
Ulrichs hoffte «r damals iio ihm befreuD4«t«]i Ffirttoa 
immer enget mit fleiaen Fl&uen zu verketlen, di« in tetisUr 
Linie wigdar nur auf seiueu evau^oUacheo Bond biuaki»- 
liefon. 

Im flinzelaen diese Angeleganhoit zu TorfolgeD, ist hier 
nicht der Flatc , es bleibt einer Bpülern zusiiminouhaiigcnileit 
Dnratelluag vorbehaUen. Hier Kcnügt es, kurx die Ilaupt- 
mamente ku skinxieren. 

Kaum aber hntle Landgraf Pbilip|> den Uersog Ulrich bei 
Bieh aufgeDommcn, so geriet die 'Wutttembergisohe Kegieroug 
in Angst tmd A-ufregUDg '), Mau fürohlete sofort einen ge- 
waltAanien Angriff. Allerorton suchte man daher durch Kuud- 
sobafler sichre Nauhrichloii eu erhultuii. Bofronndote Für- 
^iteD*) wiud«a brieQioh und müudliiih um HÜfo angegutigen. 
Charakteristisch ist dabei, dafa bereits jetzt Kombinationen 
anftauchen *), die später in den \rirTea der Fackischen HÜndel 
io der Thal eintraten. Aber gewifa dachte Philipp diimaJ» 
noch nicht im entfemtüsten an einen kriegerischeu Über- 
fall. Ihm kam es zunaohet nor darauf an, Herzog Ulrich bei 
dessen Verwandten Heinrich von Brnunschweig und seinem 
Baodesgenossen Johano von Sachsen ei nun fuhren. Die weitere 
Ä-bsicht war dann, in Verbindung mit diesen und dem Kurfürsten 
Lodwig Ton der Pfalz, welchen Philipp sehr bald ins Vertrauen 



gl. durDber dio Akten das MAibnrfsr SL-Arotiivs, Aliteilung 
irg. 

S) im Sl. Oktobei wiid du[r;h den WUrtlirtulieiKci SUltbalter Truch- 
nC» c)«r Sabwiliiscbv Band aageraleii, Heriag Ulridi itslin in fliiiuiaa 
„und andarn ortnn in atotlar und omuget piactik, solle aach sIdd irolTont- 
Ikhc ruitung lu rosi and fuas zusiunineDpravbt hiib«i." Parsitnlkh geht 
Truohsoni nacli Mtinrlien, um tii-li Hiiretai.stuiig zu sidiarii ati, 

S) Trutliivr« linriditat soi 10. MoTcmtiar 10X6 von »iaon UeioH- 
Imtigsn. Dabei «rsKblt er mcb, rlnfi Ulrich bereits mit Vonadie — wie 
B|illt*T in d«n Pnckischen Iiandaln Vcoadlii in Vurbimlunic mit ilaii «van- 
gtjiscbau Fütiun, d. b. Pliüifiti von Heuen aniiiliaiiil — in Bvilebungou 
g«*liuid«o 30000 Unlintea bitten dle>« loblea wollen atc, 



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könot«, die bei der bühmischeo Krone zu Lehen ') geheo^en 
MeirfloiMhea Itesitzungeo den Wottinern vonDenth«lt«D. Auch 
d« Pfiilier') KtuTürit vÜD*cht« eine Vor»Sf[oriin(t. 

In dioDom Angoublick traf dio Wi-rlmii); Furdinandi bei 
Philippein'). Hatte Philipp schon früher gehofft, wegen der 
Verlegouhfituii FerciinaniJs um so leichter bei diesem etwa« 
zu {^unaten tTlricba erreichen za können, lo war er jetKt ao- 
fort eDtflChlossen , die gttnttige Oelegenfaeit nicht unbenntit 
TorÜbrrgeh^D xu iasEen. Da« Bisen sollte geechmiedet werden, 
■o lange es heifs witr'). 

Umgehend schrieb Philipp an Johann, er solle, falls er, 
wie voranszusehen, in ähnlicher Weise nm Hilfe BBgagUgMi 
würde, eine definitive Antwort hinansscliieben , bis tift gA- 
meinsam mit Knrtürst I.ndwig Ton der Pfalx sich Über eine 
solche Terstäudigt, Auch tauschte er sich nicht. Die Ver- 
bindung Kwiichen ihnen und dorn Enrfiirsten Ton der P/ali 
war bereits so innig, dafs auch Ludwig, der inswisohen 
gleiobfoILs aufgefordert worden Tsr, T9a froieo Stücken '') 



l) In d*r TbBt stnUt Johann tau 10. Februar ISST VoUnmcht Mr 
Albrnclil von MaBsCcId und il von Minckwila ans >nai BnisUnito du 
Kurprinicn bei Rui[ifnng dir Lelicn in Mvirsvn ilttrnh FtTdiiiand. Woiin. 
Gu-Archiv. Rag O. p. Uli Sa. 31. 

a) „wio dan gemalt! Ludwigs Churf. gomnt, aU wir aui doc iibor- 
■nndleo copie wrnierkeii, Hucb atchot " Johimi an Phil. StS. Janiinr l&ST, 
Harb. Sl.-Arch. Vecgl. folg. S. Aum. 4. 

S) Am 31. Febrau bericblat oi Philipp an Johsna mit d«r BitU. 
"<äna definitiv« Antwort binatissuschlvlion, bis man sieh mit Kiirr. l.iidvri{{ 
vstttinrligl. „Dan wo wir ilit uns nilt dienileu geg«ii kgt wirdo 
emsigen nnd nil savar dieia werbang für Wirtonberg Ihan , wurden 
hicnait uniern dtsiist — nit so Hngeneme als itao aolii." Koncejit Im 
Hwl. Sl.-Archiv, Am 14. M&n berichtet Joliann, dtts aich loluo Ant- 
wort m!t dor Phüippj „veigleiche". Orig. Mnrb. Sl.-Arih. 

4t „waiT das fiyntcQ warm tind bq it^liiDUtdn ist." PbU. sn Joliailn. 
lt. Hlit I5S7. Kniiafipt im U*rb. St -Archiv. 

D) — „ahoc Pfuti nffiuglolch üntworl geben, a« d«r Braaob, ilcli d«r- 
aelbigirn mit m. gncd. Iivrrn v»n IfuJtten aiircrgleichftiiT gowai'ti nnd iiOQh-^* 
Ana d«r „Ptalla antwortl aO da« aiitragsii Adolf Hauwim von wigsu ms, 
ga. b- van Homod". Harb. Bt.-Archiv. 



193 ICnto MndDlibeitrcbuiigen avaagclbclmr SUnd*. 

eine beitimuile BrlclSrung abzugdbeii zögi-rtü, bis er üoh 
nicht KUTOT mit Philipp verabredet 

ffacli Philippe Plau durfte Ferdinand io keiaem Fall 
von ihaeo eine Unteratiilaung crlialtBD, ehe nicht ihre beab- 
sichtigte Gesund tschaft abc;etgKDgeD, von FordiuBud empfnngeu 
worden und seine Antwort heimgebracht halte. Denn du nie 
in ihrer Fürbitte für Heraog Ulrich') neben dea lOOÜ Reitern, 
die dieser fUr den Fail, dars er sein Herzogtom wieder- 
erlange, abgesehen von sonaligen finannieUen Leistungen, zu 
stellen versprach, auch ihrerseits anr Ausriistaug voii 1000 
Beiteni sich verpfl-ichteteu , so dorften sie wolil oder übel 
jetzt ^) Ferdinand nicht DiiterstütZün, wenn sie nicht Herzog 
Ulrichs Sache schädigen woiltcu. „Wo solcher Dienst und 
Torslreckuug köuiglicher Würde von uns jetet geleistet würde*', 
schreibt daher Philipp *) mit Recht nn Ludwig von der Pfak, 
„und sie ihre Sachen nach ihrem Willen auBnchtcn könntC'U, 
würde dauach naaer Erbieten in dieser Sache dento weniger 
angeaehea und geachtet werden." 

Diese Erwägungen waren so achlageod, daf« die beiden 
Kurfürsten*) trotB iuaern WiderBtrebona dem kühnen Genossen 



1} VeFgUlch« den Wortlnat der WerbanR bei Sattler U. 

S) t'rBprUngllFli Itenliiiiclitigte Pliitipp den KurT. Ijodwig pariQnlleh 
■ahnncheo. Kr schrlub iedoi'h, weil er la HVmii von Brnaiiiühwnig 
rcintn mufilo, um ll.MAt« dJMB Ziisainmeokiinft wieder »ii f. fllnU neinrf 
slinr k]indte er leitmn Rnl, Ail. Rnw von BoUliusflii. Deiseu Inulrulilloi], 
11. MKri. im MiU-b. St.-Arcliiv. 

S) Eben in Keiner Instrulilioii für Rav vom 1 1, Hau. 

4) ÜB B«hreibt Joh«nn am 30. Muri, er rSrclite, Ferdinand wsrde oa 
f^nnfreuntlioli vermerken, dai sie ein pfentlicbo antwort und orpietnng 
d«)ielb reullerrtisnBt lialb gehoii lasuFn." Und ferner; „Daran wil wol lU 
bedencken sein, diwcit «ir uiit itciii von Wirteiiberg iii gul mit lÜOO 
Pferden lu dienen erbieten nollen, mit niu gllmpf »ir dornnch dam 
konitc dci gelieleii roulerdiensta halben nbscblegig anlwort geben moKiiii*' 
elf, Marb, Arcliiv. — Hit KurrUr^t Ludwig baltc ursprlliigllcli Philipp 
pentinUch aniatnmeu kommen wollen. (>'erg1. Aum. I.) Die Antwort, 
die lel'i Oonandter Rnw hetmbraebte, lautete; dammli Pfali iteaehl. m 
inuclil vtin ilinioii larben (tteran^ tTlrirln) vidleirlil audi idu-hT (durch 
Ferdlaandt icebandell vierden Aber wie den, so ley PlkU nachloalB 
willig etc. Maib. äU'Arub. 



Snto BlnilnbtMiInhuntvii aTangclUcbar Slüadn. 



193 



Mgten. Uitte April') tmfoa ihru Bat» iu NüruWg xu- 
Mrameu und reisten direkt 2U Ferdinand weiter. Am 6. Hai 
erUiilte ibnen Ferdiaaud Aulvort. Er ktiune ohne seioeu 
Bruder in diesor Frage aiclits tliun, wolle diesem aber von 
ihren Anträgea Bericht oretattea *). 

Sa var voraunzusehen, doTs Ferdinand bei aller Schwie- 
rigkeit ieiuer Lage so Idohten Kaiifei Württemberg niebt 
herausgeben würde. Katürlioh aber beruhigte sich Philipp 
bei diesem Kotdcheid nicht Ei iat ja bekannt, dah or uioht 
eher ruhte, als bi» er Herzog Ulrich nach WDrltemberg 
suiöck geführt. AndrerseitK weckten diese BemUhungeu von 
neuem alle ItefUrohtungen wieder, die man tou äetirreichiecher 
Soit^t schon frühnr gehegt. 

ÄbermalB, oor nooh in rerstürktem MaTie, traf man Tor- 
tiohtsmaJ'Bregela, luchle man eiuli tmob alleu Seiten hin vor den 
vermeintlichen Aiigriffaplüuen Fhiüppi xit achätüeii *J. Man 
malte eo lange den Teufel au die Wand, bis er im Frühjahr 



1) (Umwam, U. April IB!7. 

S] Vati, nach Silllnr. Omvh WiirliimbBrKii 0, 8, IGS. 

3) Dl» AitlPii (iHfüWt im M»rl). Sl-Aiclilv. Vorgl. iiiitli SHtllcr, 
t. 0. II, 8. ICS. lloiondgrn licrvorliiban wH] Ich Hn dieser Sldle nur 
noch, dufi Truclisefa kach bei Kurfönl Luiiwig voa der Vttlt pOT- 
•Calieh »ein« Wsrtiuni; KnliTncIite, iiiu&Fhst allerdliigs nur In botroff äta 
pXvIUrdishttei gogen Ungarn. Und Ludwig Hitr scliwiitli ^»luig — <ti IM 
[■dies lehr bsxolchnenfl fjir ihn — m erhlüren, er woll« srnnem SeinudKin, 
• iv! mit denen Jn)iHDnt| and Philipps xiisamman uiuh BteilKU reisa. „rlii- 
neben in bttvrltie geben, wo kgt. M. Hilf ihr Bej^ebrcn nit bewitligung 
thnii , dud d*nnoeht k. churf gn. geiniitDr c. Iigt M. de^ begcrtea 
reaterdienstes hiilli di<rniDMeii «liner vhnrf. gn. meynuiig und erbielon er- 
öffnen und verititndigen süll, ditroli iuver9i<;liUI('heu e. kgl. Hiy. ei» gut 
rtounUleh bonlogen empfnliea werd." Tracbieri ui Ferdlnuid, Sl. MILnt 
]69I. Konie{>l. i^tollg. 8t. -Archiv. 

Wenn Philiji]) so wenig sich iiuf seine Bnndosgennaseu und Fraoads 
rwlasaen konnte, diirii jolBi Ludwig von i!rr PW», wie früher lloini r. 
Hrnunichwslg hinter leltiflin Rücken Vorspiechnngcn ubgnhcn, dl« den 
be«b)icliliKten Schrill von vnrnhenjin hinflllig mm-hleii, %o kunii oi nitlil 
Wunder nthmen, diLTi Ferdinand Itatt uller Veriii||[cnhailqu >o wenig tivb 
um PhlUppi Antrlge kllnimerle. 



XIV. 



13 



IH 



Enle BilndnisbesIrebunKCn eTBiige''KhB' S<li!n<l«. 



1Ä28 wirklich eich aeigtf, Denn nioht Kwm wenifuirn durch 
diese fortgeeeUten VeriJäohtigiingen and Autttadielnngen, ili« 
BclUierBlioh x\i allgeiDHinem Uif»tnuen ond Aofrej^ug ttihrten, 
ward jene gewitl«rschwü!e AlrooiphSra «rzeugt, die sohUdV 
üch in den Paokischen Hlndblu «ich eotiaden sollte. 

Bei BOloher Btiramung d«r ganzen NfttioD>) niid ihrer 
Häapier ist es nicht zu vorwundem, ante der HegensVnrger 
iUiobatag so gänzlich rceoitatloe verlief. Allein F«Ti)iiuiad« 
penönliohe Anwosoaheit bitte TifUeioht*) die 8aohe i» andco 
Bahnen m lenken Termocht. Er aber blieb, liiireh «oino 
Oecobafte in Böhmen und Sehlciiieii aufgehftUeo, fern. Nicht 
einmal boToUm ächtigte Oesoniiteu achickte er reohixaitig *) 
dahin ab. Die Felge war, dafs peraönlioh «0 gut wie kein 



I) IlDler den OrÜDden, nsihnlb nr poriltnilch irioht nach KngedHhnvg 
kämmen kiinni^ fllhrl KaifUrkt Ludwig nach dnn nn. äatk Ihm nsuKch 
Wunniig lugckoaiiDuti, dnCa „wiilor eio vinBianiluii); ollichgr oDtlsufuer 
persoJioii iiiid geiueinuf Iflut ititi cicfitTill it*in ai>U/^ lui GflWMltabri«r fQr 
uliiea Oesmidlttii, SamsUg nach OcuU. Ifill. MilDch. Üt.-Arch. — Audi 
im MUiE üiiTf^^rte er »ich Philipp RCgiuUbcn', duTs ,.dU aattnrta nocti ttit 
fw eiloichi-D". Mxrb. Sl.-Arch. 

1} Daher wm d» crti« , «•> d» Rogimsnl that. daff oi Pordlnand 
bal, ia ReicfDiiliuri! pamünlich tu •nchainen. — Am t. Mal IBtT »ehrelbC 
Fddinand aut Dctiliu an doli Blacbor von AugiLurg, an dia HoranK* Ou- 
hsbricb und Philipp v. Unfern otc, ar künoa ania Anl'ug tl) d«* Bdah^ 
tagt panünlifh nii'bl Bncliun«» tlab« «bar, „damit iina«mlh>lb«n 
k»ia Ttnioinnli eracheio," aein» Omtandtnn abjCMcblokt, di* jsdooh. ,^« 
■; lieh bei gemeiner veriammlang ansagen, E. frciuiUcbalt »ondtrllch 
nnnprgchfn »nllvii" elc. Müncbn. KvicliA-Arch 

S) Am 4. HhI inelilal Kmiriii! von Biu'h1ier)[; Gruf tilrirh voo 
Btir*i»Uiii „ist veigaufjiiei' tage liie aoltamca. der ilcti von Iml. w. iq 
Beb«im bcirhidn aeiu uud diu er □, Slemandan von Bothoim mii 
(•«alt und inir[rtt«tioii van kgl y. Kofortlgt hia K*ru)id«n haban aoUl, 
aber on denwlbon von Balhalm khu au handeln, nlt lievelh hotla, an- 
leigl. nnd also uoofa bis liafct, auf d«n tod DolheJm oder *errani &•• 
•diald warttand." Kcgomb. üaninUK iiaiili ^iiaj>tina<log«n. KU. Orif, 
Im MUochner Geh. 9t.-ArGhiT. 

Am It- Mai berichtet KtchbarK dann, dafa diu« Gcsandi«!! •rkUri.J 
„dai ac geitem inen vnn kgl, w. Cr«d«nU, QawaUa nnd InnlTBolioaebr)*^ 
aaakumen trerc." 



i1iMtr«in]iiK«n «vuigdliwhar SUiid«. 



195 



tänt enohi«n und aa«h von den 0«itaiidten nnr mnig« än- 
tn/en. Allein die Stildl« wuea — wir tKÜit^n, warum — 
leidlich sahlreiah rertreten'}. Itino aügemeiDe Beichaverhaad- 
lung kam nicht lusUnde. 

Am 1. April «ollte der lUnohitng bc^novo. Am 16. 
April*) warun aufur Uarkgraf Philipp von Raden al« Statt- 
halter und dem lUgiment nur omchionen die Bot*chitftor dea 
Kurfilrsten tob der Pfalz, der Sisohöf« von Augsburg und 
Wiirzburf;, der Herzöge Ottheinricli and Philipp von Bavern 
und der Stadt fitrATsbarg. Unter diesen Urnttäudou war das 
«rat«, waa daa Regiment tliat, Aat» ee an FerdiD&od schrieb, 
eo sdinell als möglich noch Regensburg Kn kommen, w«an andsn 
er etwas erreichen wolle *). Sehr atiiiitiuht«Toll war es such 
, ttieht, dafe Philipp von Baden gleieb um Urlaub bat*). 

Am 19. April waren doch wauigsteiiB die Vurtretur d«r 
rhetnischeu Kurfiireteii. nach Boaat noch einige wenige weltliolier 
Forsten eingetrofff^D, ao itSt Mxa 20.^) die Botfiabaner der im 
Torig«n Jahre zu EfsHn^en rersammelteti Kurfürsten und Füiiton 
Kur ersteo Sitzung aufs Bmhans erfordert werden kouDteu. So 
via) xeigte sioli aohon hier, Regiment ao gut wie Botaohnfter 
vtknichteu dea Beinbstog m Terlusen*}; man aoheute eich 



1) Dies fiel «Hob Auf. So »lireibl Rechborp bid 4. Hsi: dir rnd ist, 
In «tili, du di« atat ilnroli In g«ranUm in Up(r<r airiiil hia luuuwn 
koman und dai, bn schein du r*tchsUg>, tliun ■oll«i>, lieh wai Irci vor- 
Intieiu oder hnndlaDfi lu uoterreden. 

f) So liirlcbtet Konrad von &«cbbeTg an die H«riöC« Ottfaoinrji:h 
a&d Philipp Tan llAfcrii- Ori^inaJ im MUüctiiiur Clflb. St-<ArchlT. 

91 Nath Bericht Rechiieriri vom 16. April. 

i) Wie PUrslenbvri* schreibt, wegeu Toilmifolis iniDnii Vaian. „WIrdt 
gegonwetdigon rajehsiing nil fiifdtm." Bericht fnrslcuborgB in l'i«iilc- 
AlTt Im Frftnkr S( -Arch 

6) Nach Beriehl Heohberg* vom 90. AprTl. Orig. 

6) „und loiidti durch sltlieh da> Bt^imtnla den BoUchaftan begebet 
iW«Td«n. alls du ly ^oTn troUum. dki wir BotUalikfIcn larr uihlell«ii, 
du der Iu8t lii* wiilr>r «pk'' ■" oi'" ""d kh«nxi«h4u, nul nna Bott- 
■olikfieo Kdegl «unl, abar die battavhaftcii baban kallsba gemsTlchl and 
aa( die mainung aolvort (Cemlion, dlwoil bomslt« Charf und fantca — 
den m«rNn titSI jna|r<l an Ks«ltn|t*ii aii^vr |>*rtunvD itminil*! |[«w*M, 



196 Ente BQndnist)wtcebnngiiii «vKngtliaGlicr Stllldt. 

nur damit den AufiBDg Su machen. Dio Gesandten erklärten 
bereit« jetzt, vreDo eoiner Zeit in Efaliugen schon (Jiö Kur- 
ßireten und Fürsten, dia dort groliitentailii äoeh pciriiönlioh 
ersohienen, in den auBgenoKriubeDeii Iitiioh«haiidluTigiMi tiiehd 
hätten boachlieXeen mögen, so köunteci aie, da sie uur in ao 
gennger AnKuhl. erst recht keine Beachliiise fassen. Damit 
w&r in Wahrheit da« Sohioksal dos Reichttags entschieden. 
Die erste allgemeine Sitzung fnnd am 4. Mut statt'). 
Der erste Funkt der Tagesordnung — es ist wahrbnit er- 
hebend — - betraf die äessionuHtroitigkeiten. Die Stunde 
Turden ersucht, diese der „GroCte der Sachen" wegen ruhen xu 
lassen. Also nicht einmal mit diesem so beliebt«n Zeitver- 
treib sollte man sich in Kegeusburg beschaftigeu dürfen. 
Das Zweite vor die Bitte, die Stttnde sollten doch eine Zeit 
lang noch sich gedulden und ausharren. Am folgenden Tage 
antworteten die Stände, sie wollten noch 8 Tnge warteu, in 
der Zwischenzeit aber sich gemeiosum über die Bciohstags- 
an gelegen bei teil bespreohen''). Da man einig war, wuf^on eu 
gennger Anenbi nichts beschliefsen gxt kenne», wurde bereits 
ein Entwarft) des Abacbieds aufgesetzt und dem Regiment 
zugestellt. Die Städte') hatten zwar einig» Worte geändert 



i]> i!*in iLUSgetchriben j'eiclihlijLniUiiii({Hii iiirfau beaLr^fson li**tlvn wcJlirn — 
■0 wUiteD >ie die erschiuaD bouclialton und ätiinuil iti ao klmiixr aiiitl 
noch rll tnnigm b«&lle*liihs BD liuid«In. Wolten «ber noeb atlleh ug 
balitrrtu und eeli^ii, wer i'nchninnti woll.-' — S>m1iBt. naah Oalern JAtT. 

1) Konrul von Racliborg vom t, Mkl 1617. Enttprochviid berlchUt 
dATÜbar FUntsuberg in Boincin Rriof vom 7. Mu IBST. Fniikf. SL-A*ch. 

t) Rei^hbsrg am 1 1 Mni : „alsiii du die «Und noch In die acht tiLg 
virnig liubsD wollten, mitler xeil saiuniu zu);cnii cind bIdIi lu uater- 
rcdsn." 

8] Am 11. Mai srlircibl ßdchberij; „in mittler lelt dnrcli dlg slondt 
von einem abicbld, diweyl ty so in geringnr unaiil in den linchtroften- 
llcbra laoben, wie du naucbireibon varmoclit, iilchtn fanunainan »dar an 
bMUsMCD woKiUn. g«handolt und d« «lo DOtl begriiTeD". — Original 
lUncb. Och. St Aiclii*. 

t) „Die (t^tüdte) haben duin ettlichor gaitolltar wart halbun mnnK»)* 
uad buiT«ruD)( |^1ia1<I und KobMen tn snndern, abnr nicht* url*ii|[Du 
nogw, aondorn die al*ad auf iiem hagrlr vtrbart" ate, 



Knt« BüudoisbeulruIiuiJgcii tvaiigaUachu- SUndo. ^97 

h»bi-D VOÜCD, konntoü aber uiohtH duroliitetzfiii. Am 13. Hai'), 
dachte muD, würdo die Aolwoit des RegimeaU erfolgeu. 

In diosen Tugea"), da dio Botschafter bcroiti übor dea 
Abeuhied berieten, ectBchlosaen , in käitier Frage doünitive 
Ejitscheiduogeji zu Ireffeu, kam Lniidijjiif Pliili[ipi Üotnodlor, 
Otto Hundt, iu Begeimburg au. Dea Tag vorher war dar 
Statthalter, Philipp vou Bodcu '), abgereist. Wai sollt« er 
bei dieaem Zerrbild von Beiohstag hier länger verweilea } 
Die VoruuasetioageD, die Landgraf Philipp bei Anfeetzang der 
InstruhlioD *; gehabt, i'ehltea samt und souders. Von diesem 
Eeiohstag war weder ein Besohlufs gegen das göttlioha Wort, 
uuoh tu irgend einer andern Saohe xu erwartei), wi« das 
die auwcseiiden Gesandt«u aueh bereits unumwunden erklärt 
twttou. Ks fehlte der Vortreter des nUotuten BuudeBgeuosaen 
seioes Herrn, des Kurfürsten von Sachsen, auch der des 
Herzogs tou Veldenjs") ; statt Krefa war Tetzel aus Nürnberg 
erschienen eto. Wenn auf diese Weise die Uögliuhkeit eines 
gernuinsamen entschiedenen Vorgehens wegfiel, so war oudrer* 
seile ja auch kein nachteiliger BaschloTs lu bcfUrohleu, Be- 



1} „sohl Soll, — das ftx kaotügs cnontsgi>'' etc. 

S] T. Mnl ISST. — Koiirnd von Recliberg : „U. SIgtn. vnn ttiillislm — 
such von meiner giiedigen burm Herzog Criodortchs ol?. D. Jörg Herr t. 
Meidsgk. UafmolBler, and t.sndKrnftD von llsisen wBjfiia. Ott Bund, sind 
Müiitsg* iinil Krichtugs nethal unkumen." Saui&tiiE nurb Mibsricordls. 
Origiiuil iot Milncb»e( Geti. BUiitä-Arcbir. 

hu Ahichi^i iät Otlo Hundt »it^hl ffqnhnnL, dabor nufLi anj^cnom- 
ttion werde, es sei übetlmnjjl von Philipps SeitB Iteln Clcsundler nucli KegenB- 
borg gSBchii^ht Hordon, (So such DODh jüogit von Virck iia Progrsmm 
dosWelm. Oymn.) 

B) Nneb Rochbrrgs Bi'riebt v^m II. Mut. Ui.crBinatiuiniBiid meldet 
o> FUrslenberi; sii Fnuikfurl Ifrwühnt im Aliicliled, An Haine SmUo 
trst Monifort, vorgl. den Abiohied. — Am Si. April bittot Fordinsod des 
Plaligrafeii Priedricb fllniutreton. Ebenso Wilhelm v Bs^sra uud Sswmir 
r. Unndeiibiirg. Sie slle irsren Js utisr nicht auweiead. RsrUrulicT 
OsnerSil iKiidea.Arcluv. 

1) Vvrgl. UelUgo XIX. 

B) Vergl. d«n Absobied. 



];^ Ente BOnduisbestTtbuiigeD eTsngsSscbtr SUuda. 

ruhigi konnte Otto Hundt diesen von Änfiing an zur Ergeb- 
nirioBigkeit Terarteilten SeichBtag TerlasBaa, sobald er seinen 
letzten Auftrag Tollbraobt, sobald er von den Städten Augs- 
burg, Nämberg, Strofabuig, Ulm die Antwort auf die Frank- 
furter BündnitantrSge erbalten. 

Die drei letztgenannten hatten ihre Vertreter gesandt; 
der Wichtigkeit der zu Terhandelnden Sachen euteprechend, 
ilire tüebtigsten Bürger. Von StraTabarg waren Sturm und Herlin, 
'^on Nürnberg Tetzel, von Chnfiesserer beordert worden'). Augs-- 
borg fetilte*). Hatte es, da Ferdinand aller Voraueaicbt nach 
persönlieb nioht erscheinen konnte, Torgeaogen, zur Vermeidung 
aller etwaigen Konflikte d^eim zu bleiben ? Jedenfalls war 
es ihm sehr erwünscht, anf diese Weise einer bestimmten 
Antwort an die erangelisohen Fürsten überhoben zu sein. 

Allein auch die andern Städte empfanden ein ähnliches 
Unbehagen, Stellang zu nehmen , nur waren sie ehrlich ge- 
nng, ihre Ueinnng ausKusprechen. Diese kam aber auf eine 
Ablelinuag der fürstlioben Antrage hinaos. Der Befehl der 
Strafe bnrger^), den sie am 36. April an Sturm nachsobickten*), 
lautete : Er solle erklären, man könne bei jetzigen schweren 
Länften und der Türkennot es nioht für nützlich oder gut 
ansehen, neben solchen hochwichtigen Besohwerdeu besondre 
Bündnisse aofznriohten. Ifan versehe sich von Seiten der 
beiden Fürsten aller Gnade, wie umgekehrt sie nichts anders 
als dienstlichen und guten Willen ihnen erweisen würden. 
In dieser oder in ähnlicher Weise, je nach den Beratungen 



1) Die StraPsburger trsfea aoi 12. Apiil, Tatiel in Begleituug von 
Si«fen and FürBtenberg aai 1. Uai in Ksgensburg ein. Nach Bericht 
FBrstenbergs mir Besserer am T. Mai noch nicbt erschienen. Vor dem 
18. mu& er aber angekammen aelo, denn im Abschied wird er genannt. 
Va^L auch folg. S. Anm. 3. 

S) Vargl. den Abacbled, 

8) Vergl. Virck, Pol. Korr. I, No. *9*. 

4) Er mn&te nachgeschickt werden, da lur Zeit der Abreiie Btnrms 
der Bericht vom Frankfurter T>g noch nicht elngetiofhn war. 




hiat Biiaisütheilivliauncu wu^^ulUcbw SUada. ]gg 

'nil dun audcni StfidteboUn, mIU« Stunn «iue „treuodJiohu 
ubcuhlü); liehe Autworl" erteileu. 

Freuadliclt «ollte diu Absuga Beiu. Detin ao wenig Stnb- 
liarg Auf Philipps VorBublSg« eJuisngelieu wil^, die Verbiu- 
doug mit den evangeÜBohitu Fürsten, wie lio niuh in Speior 
sugübohiit uud bewährt, will es uicht eiguntliob ubwoiten und 
zoistöreu. Und dann begegoete es eich voUkomiuen mit 
Xürubcrg- Ancb dieses (mg Bedenken'), sieb „in ein« uud- 
Uohc VeiatDiidDii", besondere aber eine „hilfUche Einigung 
genial* der iibergebnen Ver^eicbuus xu Fiaukfurt" einzulasseu. 
Kiclit weniger scheute mau sich über „aus allerlei UptWu 
Ursachen" diu Autrüge giinz roo sich zu weisen. Ihr U*- 
stiebcn ging deshalb dahin , die Toraohläge weder xu b»- 
wiUigcu noeh auch vellttiindig abitolelinen : Tom BünduiH 
fOrcfatet man Nachteile uud Weitläufigkeiten, tou »eiaer Ab- 
lehnung uicht geringe Uuzutritgliohkoiteu. Also mafstc der 
Uaudel in „einem Anhang behalten" werden. In solcher 
Weise sollte TetKoI täeh mit den ilbrigeu bereden, uhne woi- 
lereu Befehl ihrerseits aber nichts büschlieTsen*). 

Wo die heiilen wichtigsten Uoichtstädte im wesentlichen 
dontslben Heiuung waren, wird such Ulm sich nicht von 
ihaen getrenut haben ^), Mit eutspreohend „freundlicher 



1} Vergl thr flchreiben an Clm toiu 10. Mni ISST. Bsilmgo XXII. 
Dafs lis Bioh »Dob „uittor cUiii «ehflln dea ßTuif^iiiinl'' verbinden salloD, 
itit iliueu bsioude» unstflUig. Ha» vergl. mein« Int«rpri>tlBruD|{ des 
BUiidniaies. S. IGl Sf. 

S] Ün wefter«n Verlinadlmii^eH Büheinl uji nai^h nicht eelioiatnon la snln. 
Dann dbi 17. Msi IfiäT iclirolbt NSiiiberg an TeUoI, Hl« hütti-ii (oins 
BcricbM ertiillen and ,,irll|{en derieibon gut gcrullDii. Und wlnol «ir iilt 
lUwlien wiusa , dnrumli dir vom udb adcIj der xn^lt «n sutinfbAn ud«r 
iMTcIch xa ihvn von ootUn ir*ra"i MsdutMi *<« dasli sIumi Bown «to, 
NBnib. Kr.-Aioh. 

S) „UliroU alior In Jen M«bM (wie wit awer w. In nchrin hinvor 
ealdeokt) atw *ill tioffsnliohen unacben snlufnr nnil aiU »oiguu lu ibnn 
aad >u Unon t>u Ul damiiHrh uiuvr bit, mitiulnilaii, was al« dmbilbeu 
•nUeblaMtii oder ir rtU botaehalt olT — teictittag lu imnilolo bcTslofa 
gethui," M> halt« tJliD aa__Nli[alicrG goscfariobeii, 0. Mai 1S9T. (Montag 




V»" «W^** „ ußi> c/rot* ' „et- 



Bnl« Bandiiitliralrtbuniii^ii «rtuiiallNlMr Slteda. 



201 



Bn«chwell«BdaB raformatoriechon Bcwegiing in DauUchlaad, 
vi« sto im Volke horrortrat, Kohion«)) otne ftu^tiblioklioho 
Oelahr ausznacliliefsen. Uro so wunigur moobtuu dio Stiiilto 
Kich von allen bish engen Bediogungea ihrer Maclit und 
StelloDg loBEagen und den FÄrslen in die Arme werfen. I'af« 
aber ihre Beziehungen eu dioseo nicht «iurOBtcteu , dafdi 
•orgte ichon der schniibigohe Bund, welcher sich immer meht 
und mehr xnr knthoiischen Tendenz bekannte*). 

AU die Stunde der Oefithr suhlug, war «o die Brttcko 
sa einer Vereinigung bereits geaolÜAgen. Moehto auch die 
ine oder andere Stadt abfalleu , van man dadurch an Au«- 
dehnung und UaubtfUlle verlor, gewann man an Hnergiu 
uüd Zuverlässigkeit. Schon jetzt ist vorgezeiohuet, wa» bald 
dataat in den Fftckisohen Wirreu und bei der !^peierer Pro- 
testfttioQ sieh erfiillen Bollte. — 

Was das Ende des Reichstags aolbst sein vfirde, konnte 
naeh dem bisherigen Verlauf nicht mehr zweifelhaft nein. OunK 
am SühlufH versuchten die eudlioh eingetroffeneu Qeaatidten 
Ferdinands zwar nochmals, es zu wirklichen Terhandlungea 
Qber die Türkenateuer und andre Gegenstände kommen eu 
lassen '). AlU'in es half nichts mehr, dafs sie fiir diesen 
Fall die Anknnfl Ferdinands in Aaasioht slollten "), dafs «iu 



I) Darüber lolir Iibrralclio Aktoii Im yiuK Archiv, flu» Komeiii- 
«nnie Anlinmpfen Philipps und dor Hlidto lloitfn die knlhotliL'Tinn Tunüiinxiiii 
dw Bunde« »oU in oinvui sgiHloii-n Kipllol ti*leiiotil«t worden. 

a) Am e. Mki kam Ton Pullieim, der andere OsMiiilta Ftrdlnandi, 
«n, i.iet aller In keinem rat oder linndluiig nyl b^i nni giiw«t, and hat 
»ich anfb weder bry dou atonden noch liej dein reimen! nieht atig*. 
■eigt''. NAcb Rech1]4!rgR Barit^Tu vom 14. Mni ^ei ribut dhto'^ vnii ihnen 
Turge^iiaclil wonlon, iJnCi, tie Inttraktion etc. gestern «rhallun, „liej;<>rnd 
nnd gesynnend faber voigeliort dar steiide bewillitnmg) du mnn wolle 
den teivlislaK aiifDlieii und duiiiit forfnrn etc. Aber ich kan uit aDdon 
TmntdDii dan, i!» die Slcnd dnr unaehen halb — Lsi ttz »ngereglor (r 
LBlKynang doi aliscbids bafllen und bleiben werden". EricbUg nach 
f.JnbiUt«. Oriüiual im Miliiuhntir Ooli. St.-Arehir. 
8) Naeh dem Bertclil dar kSoigl. Oeaandten, 



202 Kral« Büodiiüibaslrelmiiitsu B*i>uii*tiKbar SHal», 

bfttan, dooh wcuigrtoD« dio lfr«liagoT baacUüMe üi btilreff 
der cilaadoD Hilfe') günstiger fUr den KTzhurxog zu gtistolteo, 
au gostattsD , dafs die dort besohloMeaeu Trappen sut 
Srobciting der ungarisulisD I'Ssae und äehlötser uud b«i 
(JdgeamiüVrcgola due Woiwodun auch gägeu dieiSD Torwendol 
wordca dürfLen ; komme duuli diu Eiobomag UtigaroB der 
deotoekeu Nutiou xu gut und gocbeUe Turueliinlioli dethulbi 
damit Ferdinand mit allut Uaolit gogeu die Türkeu houdoln 
känne'). Die Stünde blieben bei ihrer Atisicbt '), aie in ihrer 
geringen Zahl könnten nichts besohliorton. Kie dürften daher 
ftuob nicht in den ]{«fluhliia*BD , wie «io zu ßpeior nnd Kfa- 
liogen fcetgeestzt, eiuu Andurung vornehmen *), 

Ein andrer Funkt der Lnatruklioii Fnrdinaiid* botraf 
die Unterhaltung des RegimenlB und Kammargeriolit« '). 



1) Nichdem in dflni ,^nbriiigan den konlgii van Utlioim r«tliv und 
liDttelmft, (Ion rnichutcndsn gnichocn" vun FordluaucU Abiklilcn nU. 
erithlti hobt ot, tie tolltiin ilch <Idi KUniici von LTnpini Scliirksil tu 
ll«ni«n nphmfiri ,,und dKnuf ir MkJ. iMv t^yi'^ndl h'iltt ilnr 'iwttjvr vinrt«! 
juc kuT <ti< ttchi niAniil, wln jungit tu Spnier uuif K»IIdk<i<> buchJnuan 
In. dargaiUlt Mgon «u lasmo und liCWillJecn. Alm diu ir kii|{. M^, 
»ohh« n«bca ii Maj, kaniirelchen — vnnnuEon m irliltrarobiruiK dar ort, 
ilhloM uiiil Bun und «u ir Hij, der Weywk oder yiiuad* audar an lo- 
liebem Totlilnderiuig tboo «aUt, gtgoa du Wojmitdon oder ■nd«m ge- 
brauchen iiing«n tte." In den Nouburger Alitvn im Mlinchner Ocli, HC' 
Ari'liiv. Zn vfiritl. aii«h d«r Berivhl der K)|l. (lo^aadlou nn Kardlnand. 
Al)«clirift oliii« D&tuin im Münchu. (lab, ät.-Archlv. 

1) 8a im „aubringan" der hönigL Kita, 

5) W!« dia Ouandton In Ibrani Berlobt &ag*n, h(tl«n »ia nfb«a Statt- 
halter und Uqk'"""'' '^'v l^tttndc benrbeltal, nbur ,,miiiii|(aaahae dar vnr- 
Bthiadanan baweRliohan urMcben," di« aie vurgebrauht, „nichaila erlaugaa 
udar a; von Ircin furneman abiiuUu mit nichts bewognn moKoti." 

4) VargUlcba dan Abtchlad. % l*. So schKibou die kffl. OaaatidKai 
aaf aintm Srlor Perdlnnndi noni 2t, Mai: „Kiidankini. wo iiihou dla p»t- 
Mhmfl«!] norh bai ainaiidar, daa ij u*>i ilam abichlod aa EuIIngen mii 
alohlen gaan «urdas". MDuch. St-ArcU. 

6) Vaigl. den Abadiled, gg 11 n. 13; anch dan Bari^t d«r kW|l 
DoiaudtCD. 



n 



EnU Bünduisbutitliuiiilcn •« iin|[«ti>Gli« Stiad«. 



2ai 



Di« Stünde erkUirt«n, dazu nicht Ton ihren Uorreit , weil et 
nioht im AuMi;)iretbeQ gestanden, kutoriniert zu »in'). Sehr 
ch&nkteri(ti«ch iat, «laTs Fordiiiaoii bei dieser OdrjtaTiheit 
st>gKr äaa Atisiiiuen stüUte, beide, Hegiment wie Karomur- 
genolit, von Speier weg nach Regenaburi; eu rertcfea^). Beide 
ESrpenchafleu hätte er freilich hier ganz «aden in leiuer 
Hand gehabt, als im feruen Speior. Man eritioere tieb, daf« 
tt eohoD frfiher die Terlegnug derselben von ETfJingon nach 
Speier sehr ungern zugCBtunden Imlto*). Natürlich veigurten 
nich über diu Bolaohatler daranf oinxugeliuD*}. Anch d«n 
WunBoli, dou Keichatag bis Martini zu untmoknn ^), Rch)u)fen 
sie FerdiDand ab, weil ihnen, darüber heiu Iteoht Kudeliu. 

Von einem Vorschlag Perdinauda *), die Uneinigkeit im 
Beiche abzustelleu, alao namentlich die religijixe Frage lum 
Ausgleich zu bringen , hbrt man jedoch niohta. Dud doch 



I) V«r|[l«!vha den AlitcMod ; Nenn Hnmmlunff K. 186. 

9) „Vii^l KD4nr1tl blAiid IkAbcji AEitb «Iaa rfl^iriiDitl und cnniort^^rklit 
hltlior Ren ItuKoniburR lO leEen , uiui imacben. wie iii •l«in xrTikFl 
An cnlreiikiiuff dg» reicli^lngi im nbschidt hi-gritltiit, n'mhl buMlIlgcn 
voIUd." Auk d«m Bo:ivlit dst keiiigl. du MQnctiu. fleh. Sl.-Arvh, 
Va AbioLlcd crziililt hiDTVOa nivlits. 

t) Vorei- FrivdonBliurii:, Speieier RsiduUS. S. 147. 

4) Wonci hier ktjn Verieban der ktirilKl. Ouuiddin vorliD^t, 
v«lEh<> (nach Anm. S) dia Alilchnutig mmh § 11 Jm Abuchieili 
und nicht nach J IS erfolgen luson. so kaiin dar entiL'hnldeodn Orund 
der Ablulumng nar tu dem Passat äta $ l!i xii tnohen loia, ditOi die 
ütünde (iberlinupl „niutiu fiui^hll'Ai's" geliaiidaK hnhen. 

6) NflCh dum Abichiad § 13. 

t] Und dosh wv ihm dlm — DktDtlleb g«B> abi^aieheu vun der 
seiiiitigDii iwingDndKO NotwendlKkeit — D^beselagit «nrden, KSrnbgrjr 
a. B. lehnte du. HilfoyiUBch Fetdinando «h , b«30nd«r* aadi mit Klii.'lc- 
■iohl euf den bevünieheiideti lifliL-liatiig. Weun dihii sieh dort reroiuigt, 
,,dl« bcRchwerden, nn ku CDrlreuiiuiig unalulgkeil und »idFCVsrttgkcit — 
artacli gehnn ningon, aiinil cbcUUiuh und mofliah ist, bejigeiegl, >el in 
hoBau, dmfs dieiot Handel mit einer itfttl, dufferkeit aiigegriffeii vnrdo." 
NUriib. Kr.-AJObiv. 



20^ Ente fiauiliiUiiMlrsbungeii uvangolliclur Suiude, 

wi^T <)ie* aottk filr die Türkenfragu too auMcliSsggubenider Be- 
d«(ilui]g. Weui) die Fürsleu ihr Auableibeu ') roruetimlich 
mit BefUrchtuagen Tor Kmpotuugeu ') der Uuterthanea eal- 
scholdigtea, so var doch klar, dofg diese UDzüfriedeoheit 
weBenUicli durch die religiöse Differenz fort und fort erseugt 
uud erhalten wurde" j. Destiitlb hatten auch die Hei:{Öge Otl- 
hsiurich und Philipp voii Bayern*) wieder auf ein allge- 
meiiieb oder Nationalkonzil hiiigewieseu ali eiaeigB itettuug. 
Der Iteiuhatag trat aber dit.>»em Verlniigeu ntuht bui ; dio 
Kouitilfordening vii'd nicht TOn neuem erhobun. Ea heirst 
blofe, der Kaiser möge sieh die Sachen zu Ueraeu nehmeD 
und ein Eiuseheti Ihan , damit die TiirkenDOt abgewendet, 
„deutsche Nation und Glieder derselben in Friedlich einig 
"Wesen gestellt" werden mtige''). Zu diesem Zwecke solle der 
Kaiur „sum fijrdcr'ichsten" einen Reichstag aussohreiben <'). 



1) Niph ileiD Absobied, S, S85. Vsrgl. hu<-Ii S. lU Aam. 1, 
8) Wi» Ludwig von der F(«ls 'iBrnrtige BefUrchtongBo hngls. «ci tr*f 
man «neb 1d NorddsuUchlaod MfirankbineD, um solohon Unnihon ontgegen- 
tnUn lu kSonon In dor Oegaiid von gtruithiirg, achrlelj (isiirg tuii 
Suvhiicii in Johrnin, aoien Biiiioinuiiruliaii iiusgeliroi^hen. Jolm»» uioltlnt 
•* lafatt in Philipp ; luf ihmin genioiiiuiineu Tuge ta Lelpcig (lü. MKn) 
lotllan si« dovh rlApan redaa und rsCs<:htiigfln, wio dem «n liegegnon. — 
Johami in P1ii1i|>p. 1. Muri. Orig. im MiirL. Sl.-Atchiv. 

5) Im „Bedoncken der Churf. Fiiratsa &ucb vidrot lUnd goach. 
bottchifl, dsr bebstrlitlien daroVanliilf wegen" hlelV es; „m •rare doch 
vor lugiin die widorwertlgkeilan , sa in douUoiiar nnciim uodar deu 
houbtmn und gtidei'n dei rsich» durcli die ungclioriimau der nndorlKaneHi 
10 nnch XU xeit nicht gentulicb grätlK, and suiint in Inder t11 liestihwer- 
lich WD^e &i ob erhi allen, nucb die KWayuug und aii^Alaiillang itsh glmuliann, 
wait'hs nltaj der TothindernnK de* persotdiclivii mitiuRiei» und aonderlioh 
nlio far Dnd weil uns und von irsn fürst onihumben lich lu thun ursnoli 
geben". Ancb cdaa spttero Stelle „denn wu nicbt fridlieli wunii und 
^nlkvit teruhflf das min mit dr>r furesn, IjcIiutI. bilf nidiU euüiobft nJer 
fraebtbu,» etlioben kunt", Uel. Outcli vialcbc Eiattiliae wobl'/ 

i) Votiü. ütiUm XXIU 

b) Ab«vliiad S 8 I entoprochand im Sabraiban dar SUnil« u Carl V., 
Hcllage ^XtV. M&u laQrtte dann «tw* $ 10 do» Abiciitadi alt genügenden 
EmU anaehen, 

6) Ibichlad, fi 8. 



Eni» BllndnUbMtrtbiin2«n «v*ngc11fch*r RlKaAn. 

«inmi Augenblieke, wo Kuiier und Papat » 
lieAigftc l>ekn«j;lon — an 6. Hai ward Rom t 
KaiHerlielien Trappen erobert — war ein Koniil allerdiog« . 
nicht nt) erretcheu. Oleichwobl moTs das völlig« SrhweigMt' 
daHiber im Beochstt^MbBohiede aujfallea. Aageasoheiolioh 
hatten die Oeistliohen, die io der Tliat ein bedeutende« Ober- 
gewioht auf diosem Iteichalage begnlsen *), einen grofeen Bi> 
folg «minoren. Es war ein weitere« Zeteheo der boginnenden 
Zutammengohliersaiig der katlioliBobcD SlUndc. 

So Viirccht hatte also Laudgraf Philipp nicht, aU et 
Yon diesem Reiehatage in Kegensburg dem Eraiigeüum im- 
gUnstige BeschlUsse erwartete'). Was in geiuen ErXften, 
«taDd, sie zu Terhindern, hatte er ^ethno. aber Kleinmütigkeit^ 
Dni) Mangol an VeratKndni« halten seine Absichten Tereit«lt, 

Daher war atioh iu juner andrrn Sache, ilte ron Efslingen 
au[ den Keiohitag tiach Itegensbarg rorachobcn worden war*), 
iu der Frage der Gesandtschaft nach Spanien, nichts za er- 
reicbeii ^«weseu''), Bei der ZuenmiiieusetzttiiB des Reictu- 
tags war es ara Ende ganx gut, dafa man einfach bei doa 
Efalinger Beschlüssen stehen blieb. Nur war ea ein DDt«r- 
tchied , ob blofs eine Pursten Tersammlung oder der allgo- 
meine Keivhatag sieh Ton den allseitig fesIgeseUiten Be- 
stimmungen von Speier lossagte. 

Der Abschied emihil, aus weloheu Grllndeu — wir 
kaaDen aie — seinerzeit die Uesandleu oituh Itrslingeu ur- 



1) Vargl. dcD Abschied. 

S) Oowir> mit Kilcksicbt auf die Hrfubruiigen, •lis man naf iU«sem 
IteiebKiigv gemuFhl. wnr Philipp von lleumii ipKIei', sli ISIS aboruisb 
ein BoIchtUg in Kegensliurg gebslteii wctdin lallto , von \aTvie sn 
so äcbr dngeK«". Zaer^l suchte er eine An<l«rung <1er MaliUtt lU «r- 
rsichcn i hIb ar «ÜKniil nicht darclidrsn^, wsr rteln eifrigstes ItetnUhonf 1 
all! svitiiKsliaclieii St&nila tum Beiocli de»oUi«D su varuilsison, um alieil] 
Pllaoa der Gegner wlrksum die SpiUe bietes la kennen. 

S) Verjtl. den EMinger Tag und BaiUge XVII. &. wneb den Ab- 
acLIsd, i le. 

i) Keae Sunmlung, II, 8. 181. f tS. 



206 



EMI* Bllniltiit1)M(r«banic«D •TanBaII«ch«r BUtlillu 




fonioit worden geien, au» vi>!ehL'Ti Unttcliun mui aber dort 
ihri' At>fortiguTig TPrsohoben und die SacUu unoli Hegeaaliurg 
rdrwieien )iabe. Hier hüttau die Bot*obafler nuo „wteh« 
Handlung uoldUrflig erwogen aud sonderlich bedacht, ee mö 
hoch nutz und got, wenn die ÜevaiidteD Torlüngst Abgefertigt 
worden wären, auch noch würden, oilnr in andern Weg b»- 
«tgto In«truktion an Kaiierliohe Majoftät in Ketraohtvnf, 
wa» dum huiligcn Uoich und voudcrlifili deutüolier Nation 
daran gelegen, gelangt". „Pieweil wir aber rermeuen", 
h^rat e« weiter, „wie, welcher Mafsen und Uestalt, und 
auch nus wbb erwägenden Ui'MUlhrn berührte Instruktion g9- 
stellt, auch die Orntorc« dnzn uu «nhelligcm Gemüt geordnet 
worden, Kudem, dafa wir uo« aus ohnrxnhtten Dn^chon allluer 
keiner Handlung nnterxogen, und ai«o in un*orni Thun, Maotit, 
oder Gewalt nicht (tehet, das. »o auf bcrültrliiDi lt«iGh»tag 
beechläHaen, eu ändern, eo haben wir deuinaob uoa de> Hao' 
dels dieser Zeit nicht witsen zu, unternehmen." 

Ks ist nc»chwer nnchznwcisen. dals sich die verschiedenen 
hier ftugcfuhrtcn Gründe widerspreoheu. Weon man nümlicH roB 
der Notwendigkeit und dem Natzen dnr Goiandtuchnft über- 
xetigt war und eug«itand, dafs diese einhellig beschlossen, ao 
muftto Duui «infaob dafür aorgeu, dafs sie endlidi abging. 
Selbst auf die Gefahr hin, mit den Efalioger BeacblUHen io 
Konflikt zu geraten, was sich dem Worilaut dtnelben nach 
nicht einmal beweisen liwDi. Uan hütte damit sich auch Doch 
gar nicht „einer llnndtung unterzogen", weil man nur «us- 
gefUhrl, was früher bereits beschlossen war. A-llein — und 
darin liegt die Lösung dea Hätsels ihrer DedaktioDeo — man 
wollte um keinen Preis die Efslinger GeschlUsse vorlasseo, 
weil sonst die Geaaudlen Ferdinands auch in betreff der i 
TUikeufrage sofort das gleiche Verlange» gestellt hütteu. WirJ 
Miheo bereits, wie diese dahin ihren ganzen ÜiuSuTs geltendl 
nachten, wie aber die Botschafter durch nichts dazu zu be-j 
wegen waren. DoT« aber zwisohen den beideo Fragen ei^ 
sehr wefcntlichor Unterschied bestand, indem die OMandlj 
achaft ein einmlltiger Besohlufs des Speieior Raiohstag«, dl 



Bnia DBnMibtatrefaaacxi «voai^liteher Sttaie. 



207 



ECdiaf^ Feit»etsiins«i> >■> ^er Tärkenfrtfe nnr duoh di« 
16 KnrflirateD niid Fttnlen getroffrn vnroa , (ibereftli mftn 
— oder wollte innii vielmohr libera»heii. IVrii rt unterliegt 
wohl k«iii«m Zweifel, Anh nun die Gcundtichoft ob«D gar nicht 
•hgelien Ifissen wotlt^ — oder hnihiton« nuoh Andomnic dsr 
■D Sp«tiir Tereinbarlen Besttromnnftcn ' V Datu nbor war man 
frfliliob RD«b der ganxcn biikcir elngenonmenen Stellung, 
dar» man selbstSndi^ BMeklüase nicht fhaaeD hOnn«, nieht 
bereohiigl. 

Es blieb aUo dab«i : wu der ETsIinger Färstent*g gogmi 
lUoht uad Pflicht b«gi>nnen, wanl hier unter dar Autorität 
des nllgemetnen BeicbEtag«: gatgebeir*un. Diu Ottandtachaft 
do( Keichii an den Kaiser war begraben. 

Da aber auf diete Weise Karl V. ron den Zuatänden in 
Deutschland nicht nnterrtcht«t wurde und dem entejirechead 
die Losung der be«t«h«Dden 'Schwierigkeiten nicht in die Hand 
nefaman konnte. — nur nm so notweadiger vnr m. dafs «r 
endlich persönlicli erschien. Da* en)pfnn<)en auoli die Bot- 
aohafter, sahen jedoch zuglnch die Uninöglichkeät fttr Karl V. 
ein, in diesem Augenblieke, wo der Kampf am heftigsten 
tobte, nach Deatschland tu kommen. Dai wer nur dann 
xa erhoffen, wenn &f mm Frieden kam. ^ic logton deshalb 
dem Kaiser an£t angelegentlichste ans Herx*), einen Frieden 
oder zum wenigsten einen „Anstand der jutat lehwehenden 
Irrungen und Uneinigkeit der hohem dirlitliohen USupler 
und Stände" herbei Enfithrea. 

Deniielbrn Uedanken hatten auch die xu Efalingen ▼er' 
sanmelteD Füreten gehabt, wie er uuh ja mit abaoloter Not' 
weudigkeit einitellte. Ohne Frieden in der Christenheit war 
doch auch an eine energische Bekämpfung der 'l'tirken nicht lu 



I) Du mJlchle ich folgirii. g;uii nhKuxilieD ron andern, Mlrli <in 
Tsil 1r«tontsti OrUnden, hum <!«r höchpil wundflrliitran Art vr^Ti 8ohliiJH. 
folearuDE, mtl d«r dlt tJnmOgllcUkclc «Inot Änderung doc Spalcror Kc- 
•eUfliae Im Abichlcd «lulxiul. 

S) V«r|l dsn Abschiad ij 10 nnd BallBga XXIV. 



908 



Rttta BOadnitlieilnbang*» cvaiigtlitchar SUnd«. 



denken. In ETelingeD liatt«D die Pnnten Mg*r die Kühnheit 
goliabt, sich uls Vermittler Anzubieten : sv wuit wagteo üeh 
jeUt die Botschafter Dicht Tor. Im Abschied sowohl, wie in 
ihren Schreibern an Karl V. geatatteu nie eich bloli die Uitte 
»U4Zuspn>char, Kaiterliohe Majestät möge doch einen VriadeD 
oder wenigstens einen Waffenstillstand Bostendcbritigen, veil 
die« dem Widerstand ge^en die Türken „am liöchsteD tu- 
tnl|{Uch und nütslich sein würde"'). 

So richtig diese Ansicht war, so naiv war es docdi, Ton 
Karl T. zu erwarten , er werde den deutschen Ständen zu 
Liebe von seinen Plänen gegen Fruni I. nbloMen und nichts 
KiligereE thuo, als Frieden schliefsen, Koch witr froitiob die 
kuiferliclie Antwort Buf die BescblüHso der ETillnger Yer- 
Mmmlung nicht eingetroffen. Denn Karl V. Üufterte sieb 
daiilber*) erst eben um dieso Zeit am 20. Hai 1&3T — ein 
merkwürdiges Zusammentreffen ! — aber auch to war es «am 
verwundern, dafs man noch nicht besser die Politik Karla V. 
erkannte. 

nie gieiobo Impotenx der damaligen Majorität sügt aloli 
KUoIl darin, dafs mtm kein andres Mittel Eur Heilung der 
ÜDMnigkeit swischen den deutaahen Ständen weiTs , als die 
Hilfe des Kftiaen horbcizumien ^). Dieselben, die Dicht nur 
nichts thaten , xna deo Besohwerdeo der Nation gereoht zu 
weiden, sondeni durch Vereitelung der Gesandtnohalt nur 
noch Ol int Peuer goeaen, dieselben Sehen dann wieder dcii 
Kniser an, Frieden und Einigkeit heriustellen. Dessen Absicht 
wu «i ja allerdings »tot« gewesen, mit seiner mHohtigen Hnud 
in die deuUoben Dinge eiDxugreifeii, HKinrnÜiuh die verbaTst« 
„Lutherisohe Sekte" auMturotten. Qott wiese es, sohriob*) er 
gerade damals an die achtzehn KuriUrslen und Fürsteu, doT* 
ei' „etliche dieso Jahre die Widerkunft herzlich begehrt habe". 



1) Vcrgl. Balis«* XXiV. 
» Vsrvl, BoiBsite XXV. 

3) Abschlotl g 8 utid lUUkit« XXIV. 

4) Vergl. 8*ll«tt XXV, 




Jhn» B[ln(ln!Hli«tilr«biii>iteii «rkni^iielier SUottn. 



209 



Aber er *ei daroh don König von t'ruikreieh, aaeb den Pnpit 
und ttudre «einer Widtimnchor binhor vcrhiodert worden. 
Sobald OB ihm aber ^«iiier Feinde wegen mügliuh «ein v«rdo, 
TOlle er eich dem heiligen ßeiob uShem und mllun than, was 
tu dessen Uiihe, Einigkeit und Wohlfahrt dienen könne. 

Sft« klang wieder recht schön! Kur lag ea noch In 
wutem Felde, denn natürlich mufften erst seine Feinde be- 
siegt und Kur Annahme leiner Bedingungen {^bracht werden. 
Die Hoffnungen also, die sich die Begensburger VereammluDg, 
wie torher die Efslinger gemacht, erfiUlten «ich nicht. Nonh 
veniger war selbstredend Karl V. geneigt, don Tennittelungn* 
Vorschlag der El'slinger Fürsten anzuDohmen'). Er lohnt in 
der Form sehr hüflich, aber nicht weniger entschieden ab, 
iadm er sagt, es würde, „da der König von Fmnkroich 
olles so gar nicht halte", auch eine „gütliche Handlung" 
ihrerseits „ganz unfruchtbar" seio. 

Im Übrigen lobt der Kaiser die ETsliuger BesohJiisse; 
er habe ein futcs Woblge&llen an ihoon ^ol'unden. Er hoffe, 
sie würden sich auch in Begeueburg „Kum Höchsten he- 
fleirsigen", wie sie „treulich bisher das Beste" gethan hatten. 
NuB, w«Dn in dieser Weise die dort getroffenen HaTsregoln 
den kaiserlichen Beifall fanden, so konnto die Regensburger 
Versammlung beruhigt sein. Dann hätte sie auch gar nicht 
nötig gehabt, in solcher Äuifährlichkeit *) ihr Terlialten zu 
entschuldigen und za rechtfertigen, wie sie es that; denn 
über die Efslinger Beschlüsse war sie nicht hinausgegangen, 
Sie hatte ja nur, was dort eine Separat - VerBommluag von 
Fürsten angeordnet, jetst als allgemeiner Keiuhstag gut go- 
heifsen. 

Aber der Boden braun to den BoUohofterD ordentlich 
unter den rüTseu. Der zur Beratung des Abschieds oingeseUt« 



t) V«rg). BeilftE* XXV. 

t) Im AbaobUd, wlo lu ihrem Sohrsibie an CsrI V., I)sil>(s XXIV. 
XIY. U 



910 



BnMSIlDdnfsMimbtini*!) anngdrMh 



Ausachufs') brachte Hioe Aufgaben »olinell en Bodo. Am 
18. Usi wfttd d«i Abüchicd genehmigt. — 

Dai £rgebiiiB des Ilegeustiurger Reiobiitags war also ein 
nogativM. „Von den Hau ptnrti kein, darum er ausge»chriebeD 
worilen, war stattltehs nichta vorgenommoti noch gehaadali 
wordeu." Aber konnte denn das Itasultat <Ier knisorlichea 
PolitJk seit den Tagen von IV^oims eine anderes Bcio ? Ihre ganze 
EuDst hatte darin beBlandeo, iille nndjede frohe äelbstthütig* 
keit der deatscheu Katiun zn rerhiodern. Jetzt ging die 8aat 
aof, die man gesüet. Nicht die Gemeinsamkeit mehr, nur das 
einzelne Tenitorinm noch setzte seine Krärte an die Löaaag 
der höchsten Fragen. Was daa stärkste Bindemittel werden 
konnte, nud was allein fähig gewesen wäre, alle die klein- 
lichen rnteressen, in denen die damalige deulHohe Welt yor- 
sank, zu Überwinden, ward «o zn einem weiteren trennandeii 
Uoment. 

Wie hätte bei diesen Oegensätzeu eine miiohtigc ein- 
hwtliohe Politik nach aoTsen eutetehsn können, zumal eine 
mächtige Zentralgewalt fehlt«. Ferdinand hatte eine «ot- 
sohaidende Rolle nie gespielt. Seine auswärtigen Erwer- 
bangon wurden in dieser Beziehung zunäohat nur hinderlich. 
Nicht nur, data er, durch lie vollauf besehüftigt, dmi deut- 
schen Dingen weniger Aufmerksamkeit schenken konnte, sie 
erweckten ihm auch allerseits Betuichtungen und Hemmnisse. 
Die bayrischen Herzoge traten ihm in Böhmen aU Bivalan 
gegenüber, in Ungarn^) setzten sie sich mit seinem Oeguer Job. 
Zapolya in Verbindung. Zu verhindern, dafs Ferdinand dl* 
Unterstützung des Reichs erhalte, war ihr eifrigstes Bustreben'). 



1) kOch derhalbsn in fUnltruiig «in saischuss «Ic. lt«ahbaTg An 
0(th«iDriih ». Bayern, IJ Mal 1587. «ilnchn. Geh. »t -A^l^h. 

>) Stumpf, It*yntii8 |iolitiM'ha Gwoblcbte, ä. iS tt. Vtrgl. such S. 
IM K 

S) Im ZTunrnmaobiinga damit nird auch d4r UiniUiid Auflklleo or- 
rogcp, iiSi di« t>*]r<riiir1ipii Berxriee als Ooundtsn nach Re|ji-ntbur|{ 
W«lnM>r«l<1er, daawlbtD , d«T trtbtr in DJilinivn Ihr« HmLb vwlrtloo 



Brat« Bl 



lungao «TuigeliMlitr Stlnda. 



2U 



> Triigheit der «inen , roligiSacr Geg«uiaU Act nQil«ni hdIot- 
itütxten sie dabei. Nielit weniger heftig Budi erwacht« Ton 
ne<i«ni die Opposition i^gen Ferdinaudi wohl xcitveilif; 
xaTHtckgetreteoe . sber uie aufgegebene PlStie, die römiücliti 
K4nig«irlirde>) zu erhol leo. Die ««angeÜBohen Kfiraten wbtou 
abermnl« die VerliÜDdetett der bayriBohen l'artoi. Sic allö 
fiirchUten, wie Philipp es tttudröckt, «inon Erbkuisor zu er- 
halten und unter dem Joch leben zn miiaaen *). 

Tod dieBem Oosichlepunkt aus l)etra<di(et, murite in Landgnf 
Philipps Äugen derWuiisüh, seinen Verwaudleo Herzog Ulrich 
JD sein Herzogtum eurtiokzulUhren. eine immor erhöhte Be- 
deatuug erhalten. Nicht nur der KathoÜKiBmu« , auch die 
polilinvhe Stellung Ferdiuaada war dadurch aufs emptindlichst« 
zu treffeu. Ferdinand empfand di6 Bedeutung der Ange- 
legenheit deutlich; die nervöse Angtit, mit der er sie von 
Anfang au und später immer getteigert verfolgt, die auf> 
teitsade OesotiÜftiglEeit, mit der er Mittel und Wege zu 
teinom Suhutso orgreift, alles beweixt i eine wie grofne 
Tragweite er ihr beimafa. Charakteriatiich ist dafür be- 
■oadwa daa Frühjahr 1627 ■). Kiofat nur, dab nsn 



bitte. Bcnden. Macb dam Beriebt C vaa Rechberg'« kain er iotl uti 
IS. Hl] an. „nMhdem er neohii hie gcweien (ftber dmimU reiita or gtelili 
«l«d«T *b) DDrI hil sich Tun beiller m. jpi, bcrrii Herz. WilheliDB und 
Ken. LndwiKi ««gen «ts «iu botschufl naben andern stendni aofeaciKt*'. 
Coor. van KechbeiR nu Otlbeinrich niid Philipp vuu Bayer», 14. Mal 
ISST. Orig. Mlini'hner Geli, St^-ArcUiv. Ah A\e Bayern in ErfahraiiK 
gebracht, ä&ta Qea»Dd(e von Fordinands weguii Pcopoiitlioiicii iiiaelioit 
wUrdeii. eilten sie, ihren gevrle^teii A'urtretar dahin abiuaondon. um Ihren 

' .{maen ElnSurs In die Wngsebnle werleii zn k^nnsn N!c)it ohna liunit 
darrten nie dahuF Znpblya gsgenQber aich rOhmaa, diu Hilfo 4ti Relehi 
t<rbiiid«tt IU haben. 
' 1) Dal^ auch dsmnli wieder in herTOTmeendem MkUh dioi* An- 

[ ^ tlagenhelt besprochen nnd verhniidett wurde, beweUat Kcilagn XVIU. 
t) Ttrgl- Beilage SVUI 

3) Im all^melnen Terweisc ieh aaf Sntller, Getchirht* v<in WUnlem- 
b«rg. II, ä, lUb. Gnnaaan AnfecJiluiis KcbEn die Aklun d«> Marbargtr 
ail<l d«t SlullgarUr fleh. St.-Arch1*3. In «iuem ralgenden Kapital soll 



212 Snt« Büiidiiii>b«str<il>ui)|iaii <*aiigeli«Gh«r SUluda. 

sich bereits in BüelUDg wirft, ea werden auch wieder all« 
umvo ho enden Fürsten und St&dle gewarnt und zar üille- 
leislung enaalint, ein Tollatündiger stcategisolier Flau wild 
entworfen ' ) und beraten, nach dem miiii beim eratnu VoTgeliQu 
FbÜippe TOD Heseeu operieren will. £« i«!, als ilüiide matt 
vor Ausbruch eines Kriegs — und alles deshalb, weil im 
Juni Johann Friedrich seiae Genmhliu tiaoh Torgau „hoim- 
flifarte". Wenn so etwas möglich wttr mitten im Friedeut 
wenn Uifstrauen uad Erhitzung der Gemüter einen derartigen 
tirud erreicht ballen, so waren das Zustände, die wohl odur 
übel länger nicht dauern konnten, ohne eina Katasirophe 
harbeizufühten. 

Es war ein ülliuk für Ferdinand, dafe Philipp vod Hossun 
und die Herzöge von Bayern, die ja in der Opposilioa gegen 
Ferdinands dynastische Plan« Buudesgeuossuu wareu, religio 
auf einem so durchaus entgegen gesetzten Standpunkt staaden, 
Und je mehr in dieser Zeit die lUformalion wieder Fortsohritlo 
naohU), um so mehr aohlaeaeu sich auuh die kathoÜBuhen Obrig- 
keiten aneinander au. So wurde der Sohwäbisohe Bund unter der 
bayrischen Leitung immer mehr iu katholische Bahnen geleitet 
und dadurch die evaugelische Minorität unter Führung Philipps 
Tun Hessen und der mächtigsten Keiohistüdte'] in eine Slel- 



dtsM gatise Proffs Bu^nibtllcb liohuidatl irorildi, ~ Veri[l. ■nc)) II«yd. 
Ulriol., 11, 9. 868. Sas. 

1) Von G. Trnclisui, P«r<llnand* SUtttillter in Würtlemberg. Im 
Bluttgut. Och. Sc-Arcli. 

I) Wie Philipp 1510 aas dam Bund snslrvtin »011» (vergl, obta 

S. HS. 101), so wRreo *ucti di< äutdtu bctsiu 1G>7 dunuf and dvui, »us- 
aiiichqidDQ. Nncbdcm NürDbrrg, l^lni und Augsburg iiiuh ({»«iiiliit iiud 
duTHur die kloinereu eTUigali>afaeD Kommiinca njoironnun, tolzUn >lo unf 
«Insm »UgsmainoD Buadtk-StlidloWB «ino loülruktion durch, nach wclebar 
die etMdce Ihron ADitrItI orktKr^ci wollMiii, fsll» dsr Bund mit minsr 
ÜMIIlliilI liaitdho. Die Akl«n darUbsr In doo Sl&dt ATchlvuu von Aag>- 
bnrgt NUriilmtH elc, Vcrul. >u«li Klüpfel, Urkaiitloo dei Schirtblsabea 
Uaud«*. 



BnM Bllndn!lb«>tTe^utl2«n «vftnitBlIai-hw SUnds. 



213 



Innfc )[obno)il, dafi die Spreogwig dei Bunde* DOr Doch dae 
Fng« der Zeit war. 

Durch aUe diese Momente ward eine allgemeine TTnruhe 
und ein gegenBeitiges UiTstrauea erzeu|jt, so iaXa es «uhlier*- 
lidi nur noch des zUudendtiD Funkens bedurft«, um dio 
LdeuUctie Welt tu Flammen aufgeben zu laSBeo. Da erhielt 
> Xandgraf Philipp durch Dr. Piick, wie er glaubte, antheDtisohe 
Naohiiohten über eis katholisohes, da» sogenannte Breslauer 
Bündoia. Rasch äutschlossün , clet drohenden Gefahr KUTor- 
sukommen, gelaug ea ilim, seinen iimtdusgenoMeu Johann von 
Sachsen mit fortzureifsen, und iu »ebnellein Vorgtur* lagen 
die Bischöfe von Bamberg und Würzburg zu seinen FUfjien. 
Wer will es eageo, was geworden wäre, wenn daa Ijreslauer 
SündniB sieh als echt erwiesen? Wenu Philipp dadnroh der 
Hilfe seiner evangelischen BundeBgeneasen yersiohcrt gewesen 
Wäre l Philipp jedeufalls hatte die Äbaiolit, die Gelegenheit 
ToU auszunutzen und gegen die „Geistlichen" einen ent- 
Bcheideoden Schlag zu filhien. 

Allein das Stindnis erwies sieh als (alsoh; Philipp w&r 
gezwungen , Halt zu macheu. Die Folgen fielen oatürliofa 
kul ihn und seine Partei zurück. Erschreokl scharten sieb 
die Oeittlichea, die mit EntsetKen gesehen, welchem Schiok- 
sal de nur mit knapper Not entronnen waren, um die kuiser- 
liehe Fahne. So gelang es mit erdrückender Majorität der 
evangelischen Partei auf dem Speierer Eeiohstage von 1529 
entgegun zutreten. Aber zu fest war diese doch bereits ge* 
grändet uud eingewurzelt. Sie liefe sich den BeBohluTs Ton 
1626 nicht rauben. Gemeineam mit den mächtigsten Bei ohi- 
■tädten protestierten seoh« eTangelische Fürsleu. Unter dem 
£indruck dieser Ereignisse gelang es auob, die Yerbinduug 
zwischen Fürsten und Städten herEustellen '}. Endlich war 



I) EiiivT i>iiHt»rciti «uiirUhr1ii:lKm Ilarttellung nrari ■* vorliohaJton 
bleilito, di« lii«r nur llUcbtlg tkliiicrto Enlnicklnng Im Eiaxelnen dai- 
■ulegen. 



g]^4 SttliA BtUubilibeitrebiuigea «rugalbdigj Btftndi. 

erreicht, tu Fhilipp tod Heuen seit 1625 mit nie er- 
müdendei Ausdauer und seltner Eluheit eihofft und erstrebt: 
dar Orund dea evangeliiolLen allgemeinea Bundes war gelegt. 
Er Hefa sieh auoli trotz aller Irrungen and Oegenströmungen 
niobt mehr Tamiohten. 

Am 81. Bezember 1630 war die Grandlegung des 
Seh m Bifcaldiachen Bundes TOÜEOgen. 




I. Antwort Heniog Albrechts von Prearsen auf dio 

Antrfige EarfOrst Jobaona von Ssotasen. 

1526 Juli 6. Eoenigsberg. 

Ana Sachsen -Em est. GesamtarohiT Weimar. Original. Im 

Auszug gedruckt bei Riinke VI, S, 181, 

AufC das freuntlioh anbriagen so ytso tou wegen dea 
churfurat«n von Sacbssso eto. duruh seiner utiurfuntüoben 
gnaäeo raUie Haußeu tob Gi-efoDdorif an meioeu ttuo'iiKon 
hero marggruff AlbrecJiUa bcrtzogeo jo Preusseii geschoen 
irt, such dethalb etliobc rorKeioheDts ubergebone artiokel 
Tolgt gnants m. g. b, dos herüsogeu ja Prousseo freuntliob 
antworl und erbieten \8io Til dieselbeii baubtisoboo betritl^) 
mit der Icurt^ faemaUi, 

N«inlicb Ho vor»l«bt meio g. b. der hettsog jn ProusBen 
•ololi meiu» gnedig^ten hem de« obuifursten aDtsuguug uud 
erl>i«t«u alles giuitx ohristlioh &ftu&tUoli und daaokbarlicb, 
wia dem gesuiten muntlicb gesagt ht. Was nuob sein gnado 
in den uad nndf'rm helSeo ratbon uud Ibun kouthe, da« 
maiuetD gnedig«teii bem dem oburfursten v(hi Saeheseu, dea> 
gleidten auob moioem gnädigen bem dem Undtgrafen lu 
H«iBiiflii als seiner gaadon blutgesipteu hem uud iieunüoa 
(die uäu gnade dem vort gölte« ror andem genügt und 
beninen horot) iw dimt, freuntacboiCt niiU und gutem kernen 
nedite, das were stäa gnsd gaatx begirig und geoaigt und 




sts 



G»t« BUudiiiBbesIrebuiig'-ii svKDgalucliflr SUCude. 



iril dantmb auf das alles churfantlicher diirclil«uolitigkeit 
■eia«r gaad«ii bedeookeu gantz vertxewliulier und guter maf- 
nuDg sueh nicht bergec. 

ünnd eratlich, ab von meinem guedigsten hOTD dem 
cUorfursteD zugewanten und ««iner goaden bedroht ist, 
welcher malfon jr goade ein werbige botBchaiFt zu kuys. 
miyt. JD H]:apauieu Bchicken und dlicher jrer gnadoii ua- 
warlichen Torsaguogen und beachuldigung balbeu w&rliche 
eDtsohuldigung bey jrer keyBerlicbuD majt. thun laBscn wollen, 
dae tiihet mein gn. h, iler hertxog in PreuBten au« urBBubett, 
durch den ^esanten ertzelt, für notltoh nutz und gut an. 
Sein gnade könne auch wol bewegen, das seine gnade uielit 
weniger unwarlieber vorsagung durch die veryolger des 
wort gottes bey key. mait. auch beaohee. Und het aeia 
gaad gute naygung und ursnoh, doh der halb bey kay. 
majt. und Sunderlich zwkegen meines gnedigslen hern 
des chmfursten und seiner gnaden zugewanten oder jrex 
geeanten aucU entecbuldigung mit grundt der warheit zu 
thun, bedenkt aber das sein gnade ßolcher yorsagung bey 
kay. mait. noch eut zeit kein soheinlich antüaignog hat, noch 
derhaJb von kay. mBJt. angetzogen worden ist- 

2um andern bewigt sein, gnade, wo gleich auBaerholb doR 
jrar Tontudening halb in Preuseen gruntliob, waThafflig 
und bestendige entschuldiguog gesoheen solle, das die nut- 
turft erfoTdert jrer majt. lauter nntzutzaigeu, wie (ich aeioer 
gnaden vorfaren als hoeraeister in PreuBsen, auch teia furstl. 
gn. seibat bey kayser H&ximilian und itziger kay. majt,, der* 
selben stadthalter, regiment, ohurfursten, fUrsten und andere 
etende des rcäoba und dameben bey grafen, hern und titter- 
sehaft deutzEcher natiou offt und lange vor gemelter vor- 
enderung geklagt und dermaseen klerliob angetzaigt haben, 
das ir gnaden ane atadtlicbem troat und wircklichor hilä 
jT«n hergebrachten «taodt erden und wesen jn Preusueo nicht 
«thitlten können oder mögen und derhalb soloben trost und 
bilff g«r Til seit und an manchen ortem durch jrer gnaden 
aygene perBon und yo zu t«eiten durch jre gesante rethe uff 



Bnto fisDilaübatlretiuu^tii ovaiigaliidiv Sdada. 317 

diu lUer undettheoigr«! und vleisaigst mit grotaem merk- 
tichenn unbo»t«n ood sahadeqi getuclit, auch wi« jr gn&de 
mit «nlieogigen »Dlwortcn als Isngo «uffgehalten, bis darob 
das Landt PnaRnen in vorderblich kriege, der sie Ivngar 
nicht ertaalteti a<!et «rdulden konntn, gowac:bs»en undt uird 
danimb aus erngtlicbem ') Suchen und begtni dendbea landt- 
BchafTt xuc disfr vorandeniiig und Vortrag mit der cron 
FoIao komt'D seyn , wie dau das die geschieht geben uod 
Dach der lenge aogotzatgt werden mutte etc, 

Wiewol nuD solcbü aJles die oflenbar warhoit ist, Ha 
besorget doch tnein guedigcr her, kayBorliolic mujt mocht 
daiob vordris enlpfaheD, als wolt darjnuen sewmoui undt 
Mthtüdt uff im udjestat und derselbeu vorfarn am BoToiituiiun 
roicli gelegt und nit für ein genügsame eatschuldigung bo- 
«diebener ablegung des orden« angencmen werden wollen. 
lolte dau sein goads dassolbige mit gruud gotlicher offcu- 
btni ichrifti-n Terursachen, mochte an disem ort au« vur- 
hinderu&g deren, Ito dem wort gottea widerwertig iiind, nicht 
Tor geiiugauu (wiu ea billig Bein ßolte) angenomea werden, 
und dariu meice gnedigaten hern des churfursteo und seiner 
gnadiD zugewanteu machen bt-y kajrfi. majt. nit allein nit 
fordern , Boudem mehr hindern mochte, welcher hinderung 
dan sein gnade gar ungern uriache geben wolte. Sxo wolt 
auok meinem gnedigen horo dem bert/ogea In Pro UMSO 
nicht geburvD , aue wiaenn kön. majt. in Polen gemelte 
(ohickuDg üu thun, domit doreelbe konigklioher rnnjestat nicht 
daraus andere argwenige practica wyder meinen gneiligoQ 
heni den iK-rtzogen in Preussen etngeblldot worden moohtu, 
aiu welcher aroäiBnuog weiter gelangen und ohurfur«Uioha 
durctileuchtigkeit nit gemeint sein mochte, wie dan das und 
anders mvn dem ohurfurstlichen geeantcij muntUcfa und 
weiter angctzaigt iit worden. 

Wo über mein gnedicster her der chur^mt über diso 
meius gnedigcQ bero des bertnogen jn Preussen f^untlicheund 



Ranks (Dentaoht Otwb. Vi, g. 13). u, g. 835) lutt« „g«iiii1iehem" 
gtU*«a. 



218 



Ente BUndniiboBtrebungeu trsupslinhar Stlnd«. 



VBrtrewlioha «riDDcrung tot gnt uisibet, gemelte achickuug 
in Hyapania mit za thun, ßo Tcvne dan du obgecneHer iDosceD 
mit visfien uud willen kön. mnjt. ku Polen geiüheeo mag, 
BoUderhalben tm seinen furttl. ga. aucli kein manget enolieiDM. 

Yemec als im letzeteii ortioket des ohurfuratliolion ge- 
aatiteo vortzeichentea erbieten* groeldet wirdet, ßo mein 
gnodiger her der hertsog in PreuCeo, va* dae evMigelion 
aolBoget, tieBohwert wurde, d«B oliuTfuriitliobe durdüieuohtig- 
keit des gemuts «ei mit aeioen gn&deu fui eioeu man su 
stehen, auch in Toltxiehung öreuntliober Toratentniu wu man 
sich, deihalb bedereeite vorAynigen mochte zu begeben und 
nicht erwinden laßen. 

Bedauukl eicli meiu gnediget her, der hertzog in PieuBen, 
auch uf das aller freundlichil uud iat gegen ohurfurat lieber 
durebleuobtigkeit dergleichen widerumb allea seines Termogeni 
SU thun gantz willig und guuaigt. 

Und wiewol das eTangeliou aua aygeaer gotlioher krafft 
Ton allen seinen verfolgarn (wie gros unnd mechtig die 
sobsynen) unuberwinttich ist und die Christen umb der war- 
heit willen, DotII einen jäea selbst betrifft, verfotgung umb 
des gotliohen worte willen tsu luideu gebaret, ßo iat douh 
ün yde zeitliche oberkeit aus gotlicbem bevelh schuldig jre 
underthELcen vor aller uDbilUaheT beschedigung nMh jnm 
boeten Tennogen zu beschützen und nu hautbaben. Danimb 
sich auch wol getzymet, du« io solchen sachen ein ohritt- 
liohe oberkeit der andern hilff und beystand thut und der- 
halb TO»teiitoui machen, wie durch churfuTstliche duroh- 
leuchtigkait christlich und fmntliob hedacht ist. Dem allem 
nsoh JRt mein gncdiger her in Preusren erbutig uf gelegene 
tag und malstadt, »o derbalb cburfursLlicbe durehleuehtigkoit 
der saoheo asur litrderung Tut gelegen ansehen wurdl. Doch 
wil mein gn. her, der herUog in Preusaen, aur luriohtung | 
deo tag UiobaeJiv «iniukomen emaut haben und die malatadt | 
SU Bremau, aus uraaohea wie der geschickte nach notturft 
uaderrioht ist. Ks wil auoh mein gn. her sein ohurfuritl. 
gnaden gebeten haben, das [er] vor der zeit >UQdeTlioh ftinff 



Ents BUn'lDitb««lr«biU|C(a afMiK*B)(lm Sllnd« 



3t9 



melivi Tor finiQDtein Ug [durch] Mioor churfurrtl. go. «ihriffl 
kUt uf boUeliaft undorrioht iruidt, ob di>a Mis«Uust« icit 
und nulatadl «ciu cliurfurulliobnon Knaduu uineaili«g. D&muoh 
üsb saiii furatlidi Knade eu riobtea b*t~ Aber uf« weuigtt, 
Bo in £olohor augetsaigter iiait koiu »bkundi^uiig g»Bohicht, 
du aich> dostcrweniger meia goedigAT ber der hertzog seioe 
batüobBift doMlbst eu TOrfertig«D vi Ilona, d«r gentalichoD 
luTorsi^t, eeiu oburfuntltob gundu Word» di«f»)s Min boU 
sub&fter abfertigen, &!■ wol k1« het noiq dmrfurttl. gn. aoloba 
meinem gnedigen heru dem bertzoguu zu£6«uliribanu. 

ünad wo etiich annder mebr durch meinen gnedigttenn 
bemn denn churfurstenn jnii solche TOratentnua gebracht 
werden soltenn, übet mein gnodiger ber der bertoog Jon 
PrewBenu vor gut ann, das diesolbenn 2W Uoloher handlunft 
dermaasenn auch schickenn. 

Wene daau mitter eeit gemelt« lag« mein gnediger her 
der bertsiog inn FreuBenn sw aolober banndluog unnd aohickung 
bewegenn kann, die ßicb sein gnade dem wort gottea anheiigis 
unnd genaißt tu sein Yertroetet, des wil aeiu guade aucti 
guten vleis habeun, wie dann dasaelbige unnd da« doob dar- 
durch obgemclter annderer beaclilus nicht vorbinUert ador 
Tertxogenn werdenn Bolle dem churfuratliobeun geeannUio 
naunUich entdeckt ist 

Unnd domit mein gnedigster ber der ohurfurat in di«ar 
sftchen meinea giiedigen ham, des hertEogen in Preuaaeu, gfr- 
legenbeit xutoi dester baB wissen möge, azo saigt sein gnade 
seinen churfursllichen gnndcn fruntüober vertrauliober may- 
sang an, das durch taogwirige kriegllauoheo, die seinen chur- 
furetl. gnaden zum teil unvorborgeo aiudt, daa Jandt Fretuson 
in äoloh ubnemen und anvormogen komen ist, das mein gu. 
her der hortzog in Preussen nicht so atadtlicbe bÜfT aoBer 
laodes thun könne, «la aein gna^lo ßuusten ku Ütuu beging 
und genaigt were, Qo wolt «ich aeiu gnade ungerue mehr 
TOrptliohteD, dan sein gnade eu Tobsiehen woste. 

Sxo aber ohurfuratllobe durobleuobtigkeit oder deraelboa 
Usdt und lout ron wagoo dea «ort goti ader waa aus toI- 



S20 



Kr>tc BündnUbestreliungaa «vuigeBtnhw Stlnda. 



tzi^ung deEselben gevolgt wer« «der noch errolget Ton 
ymandt wer der were (aymuidt auß{i:enomeii) überzogen an- 
gegriffen beiohedigt oder beleidigt wurde, jet meio gnodier 
her in Pr«iig6en erbutig seinen churfiirBÜichen gnuden dn- 
wtder cliriBtLiuhen freuntUahen ruth hilff und beyitsiidt r-u 
thnn, als ob sein gnade die sacb tolbiit betreffe, und neinen 
gnadenn hundert geruster ruysiger eu hÜS zu stjbioken uff 
seiner gnaden kosten, bi0 sie ohurfurstlioker gnaden landt 
erreichen mogin, und das alfidann ditselbigen goreitigen uff 
meines gnedigsten betn dea churfureteD zymllche Vorlegung 
mit kost und futer und meins gnedigea hern des herlzogeu 
in Preiiesen sohaden und belioldung jn gemelter hilff under- 
halteii werden. 

Wo dao mein gaedigater her der ohurfuret mehr ge- 
reisiger ut seiner churfurstiiGhen gnaden zymliche rerlegtuig 
•der bcßoldung begeio wurde, die mein gnediger her, der 
hertxog in Preußen , dermaBsen in seiner gnaden fursteo- 
tliumb nder no ändern freuibden ortern auffzabringcn vor- 
uiag, des wil sein gnade auch freuntUobeu vleia haben. 

Unnd So mein gnediger her der hertzog in Preuasen 
ader derselben landt und leut ja Preussen von wegen der 
Toraoderung seines Stands, nuB dem gotlichea wort gevolget 
oder wes nouhmab aus demaelben erwuobsse, TOn ymandt 
wer der were, auch nyraandt auc genommen, angegriffen bo- 
sobcdigt oder beleidigt wurde, das dan seinen gnaden der- 
gleiehen hilff von seiner ohurfurstlicben durohleuchtigkait 
aueh besehee. 

Aber dobey ist su bedencken , wie solche bilff einem 
yden teil durch andere frembde furatenlhumb unvorhindert 
xokomen möge, wie dem gesanten mit weitern Worten munt- 
lich auch entdeckt ist, 

Zw dem allen jst mein gnediger her der hertKog jnn 
Preusseo des &euntlichen erbietens, Do es not Ihun wurde 
uff freuntlich ersuchen meins gnedigsten bern des oburfursten 
mit sambt obgemelter hilff bey seinen churfuratlichen gnadeu 
jn lyganer perOon, so es Deinen gnaden möglich su thun, su 



Etil* BSndiiifibutitbiinjtflii nvaiifvtitebaf SI2ads. 



221 



erMbejDea und mit «einor gitkdan Mltut loib churfantliolur 
durelileuehtigkeit ohgeroetter muat^n frruotlioh unnd g*- 
trevlicb zu dienen uund zu bolfftinn. 

Und wo meio ^edigster htrr der churfnrit Kucti taits 
furatCD und hern, aber wes stände* die weni, in friiotliobe 
Torstoatoun brengen mochte, nlli« das mein gnedigcr her dss 
TOn jncti dasselbigp sie von m. g. h. ed wartvn hett«, w«ra 
ID. g. h. frcuntliob bit, oliiiriurstliGhe gnftde wollen sieb disful* 
treoutlioli erliaigen und uff bemolte seit unud mnUtudt in. 
gn. h. diß durch seiner oburfurstlivheii gnadon bot»obiiflur 
beriobten, eläo wo ea mogliob, d»s sie jre rolmeolitigeD ge- 
annten dobj'n vorfcrtigetten entlieh sich des vorsteDtaug zu 
Torttynigenn imnd mit jnenn nu beBohliesscnn. 

Unod naoUdem jn disen und derglciicbon hilflichen vor- 
st«ntnusseii vil mehr an guten cbriatlichen frouDllicbon ga* 
tiewen gemulen vyder am bucbBtuben vorBuhribtinor Bynigiinjt 
gel«gea iat, das wit sich m. g. h. der bertzog iu Preuisen 
bey meinem gneiligsteo bem dem cburfursten von Sachsaen 
und andoru, die lielube voreohribetie Toritentnus mit seinen 
gnaden ftnnemen wurden, ungesweifelt vertroatfln and dei- 
glaieben kegen jreu gnaden auch nicht änderet erfunden werden. 

Unod auff das alles von cburfuntlicher durcbleucbtig- 
keit tnuntlioher furderlicher wydernntwort gewartenn. 

Actum XU EonigUberg jn Preusseii am 5. tag des monata 
Julij anuo dm. jm xxvj. t«D. 

Albreoht morggraff zu Brandeburgk 

ia Preuasen bertttog eto. manu ppri», aap. 



n. Haus von Uinlcwits an Kurfüret Johann 

von Bochaen: Berlobtet über den Breslauer Tag. 

1520 Oktober 7. Leipslg. 

Ana Weim. Oes.-Arch. Original. 

DuroIilewobtigst«r hochgebomner fürst, meine ganti 
willige untbertheoig« gohorasama dinate sind ew. ohurf. gn, 
BÜtt ganotzem vleisa lu voran bereidt. Onedigater her, aw. 



Bnt« BDiidnIsbwtrcbungsn evangellKhcr Silnd«. 



ohurf. gn. gebe ich unterth eoigklieh tu erkennen, da« ioh 
am uesteu freitag von Breelfcw wider anheyni komtn bin. 
Und oIb ich am neeten St Michelttag zu Broülaw eradLinen, 
habe ieh nyiuandg tod ileß fürst«» von FreuEsen iregen 
MitTolTen, aber aulT den 8oiit>ig tat der bisohoff von Biiian- 
buig ejnkoBien und als wir uns susamen i^efHigt, babe 
ioh >. gn. den bvhel , damulf Ton ew. churE. gn. ich 
sbgefertiget , angezeigt uand enntlich die vclxogene tot- 
Sehreibungen sehn lassen. Nachdem jrae aber elxltch wort, 
wie ew. cburf. gn. aue Jen darinligeudeii soettel weriieu Ter- 
uehmen, gemangelt und ja den artigkeln, so HanB von Orefeo- 
dorf e\r. churt'. go. bracht, davon rnddung begohicht , auch 
von wegen s. gn. hern gebdteD, das die «elba wort machten 
darej^ bracht werden. Zudem hat es auah daran gemangelt, 
das der fürst vou Preuisen seiner gn. liantKeioben nit liaben 
machen können, weyl s. f. gn. nit da gewest, hab ich doch 
aufl gefallen ew. chort gn. mit dem biechove nach volge öden 
abschid gemacht, das m. gn. h. von Tr^ussen ew. ohurf. gn. 
bej* gewiße bolachaÖ't ungeverliuh acht tage nach Martinj 
ejn andern bnff, in er, f. gn. nameu alleyn und mit i. gn. 
•igil und haDtzeiuben befeBtigt, xusoliigken soll, äledsno lollen 
e. ohurf. gn. setner gn. widerumb ein vereohr«jbung beheo- 
djgOD. 80 wollen (. f. gn. dazumalh m. gn. faem den laot> 
grauen auch gleichen lauU verschreibuDg übersenden nnnd 
von *. f. gß. widenimb eyne e&lpfahen lassen, mit bitl das 
B. gn. bot dfielb bej ew. churf. gn. finden mecht. Ei hat 
auch der biachotT bvhel mit marggraff Georgen , hertzog 
fridlich von der Ligoiti und mit der etat Brealaw eu han- 
deln JB bevheU, trost es solle keyo mangel haben. Unnd 
wai bey denselben erlangt vrirdt, das eal ew. ahmt gn. bald 
nach Marlinjr auch eigentlich angezeigt werden, unnd hat 
der bischoff von wegen »ejae hern gebeten, ew. churf. gn. 
weiten mit den andern fureten graven und steteü, ew. üburf. 
gn. freuntliohen vertroitung nach, auch handeln und so e» 
möglich, dns a. f. gn, als dan bey s. gn. boten mochten ver* 
•t«ndigt werden, was •. f. gn. sieb zu eynem jden vertrusten 



Rnt» BDadaiilMitrolniiig«!» «rut^Udiw B«iii4e. 



223 



■ollen mitt dem erfaiteii, wu ejn jckr «ieh g«gen ■. gn. 

T«rpflichten woUe, dM wellen a. f. gn. widerumb nicht 

wegcm. 

Der BchigkuDg halb in Hlapanien bat et der biMhoff bey 

meinem beridit biioben 1 aalen. 

Solelis altes habe ev. churf. gn- ich untertheuiger mey- 

uung nit bergen wollen und ob ew. cburf. pt. ferneren be- 

richl von noten, wil ich dtn ku meiner xulniuft iinlerthenigk- 

lioh gein thun. Bvhel ew. ohurf. go. mich hiemitt all m. 

gn. bem , dem ich uaTerapard leibs uu't guts zu dit'nen 

eoliuldig und gnntsc willig. Hein eylend band. Zu Leipslc 

Boutag nach Francisci 1526 

Ew. churf. gn. 
^^ft untertheniger dioaor 

^^^^^ Hanns yod Mingbwitz ritter. 

^^^1^^ Ew. churf, gn. ubersend ich lÜL-mit äj venebrubung 
W und ander Terieiotiuus wider. 

I 



Preuteen 



in. BOndnia xwischen Hensog Älbreoht von 
BQd Landgraf Philipp Ton Heaaea. 
1G37 Jtätts 10. KÖni^berg. 
Aus Weim. Oes.-Ar«biv. Original. 

Der Anfang entipricht wörtlich dem preufsisob-siioh- 
eieohen Vertrag (rergl. Hortleder, Handlungen uud Äui- 
«ohreiben, Such Vni Kap. TI). 

Nach dem Absatz: „Demnach so betcennen wir und 
thun Itundt in dieaem brieff, dag 'wir — mit dem — Philipp 
— rnlgender ma; vereinigt und in Toratendnis gugeben — 
Alee wo die obberurten widersadher — dus wir aledun seiner 
1. hilff rat und beistand thun sollen und wollen" heifet es 
in Vortrag wörtlioh: 

Nemlioh , so sein lieb oder a. 1. land und lout aus 
vorerzelten unachen mit einem here überzogen wurdt. mag 
alidan sein lieb mit angeon soliohs gewaltigen uberzugi und 
all lang derielbig wert hundert geraisiger in unuior boioldung 



224 



EnU BündnUtiDB(r«bungen erui^lMliBr ItÜindt. 



knnemeD und aus Bolieba furter 2u wissen thon, aucli der- 
lialbeu ain mögliche molatatt be'tiiiibeD. So flollen und wollen 
wir aledanu itiD zwrien monateTi den uaohsteD dkrnaob fol- 
gendt, als uns soliube voTkundiguDg znkumbt und ennnndt 
werden, ainüa uneeru diener an demolben beatimbten ranlBttit 
dermasE«n abfertigen und Ytrordnon, d&s er von uuiieratwegi a 
gemelte Hundert geraisigo Tonn der zeit an, tl» solicher uber- 
zugk beacbeeun und furltcr als lang der noret, auf ainen 
ydeo iottcben goraisigenu de« monals zehenn rheiniaoh gulilcn 
in guter montz desaelbigeri orts ganogktiafi.ig, bezalen und 
erlegen soll, und wea benauter unser 1. obeym nn dieser be- 
solduug d&rgelihenn het, elie ine soliche bezatuog von uuserat* 
wegen ziikomen und goBcheen konto, soll furler unser ge- 
dacbtor darzu verordneter diener dieselbigen gnanta unsers 
1. obeyma furgeatreckte aur«gegebene und durgL-Iihene benoU 
dutig auch widerumb erstatten und bozalen, in ■llerniasaea 
wie oben davon geschrieben slet, 

Kacbdem wir aber dite fala mit dem ho geb. fürs 
— Johann — auch in verschriebeDer aynigting eindt, «elioher 
Tertruj^ebrielfe datum itet zu Preasla am Sonnnbend und lag 
Uicbaelia der mindern Kall im 26eiea Jar, darin seiner 1. 
sOondcriioh zugeben ist, ttlioh ander mer furalen und stende 
von obenerzelter ehriatlichen aacben wegenn in diese roraini- 
gUDg >u bringen. Ob sieht nu begebe, das wir von gnautem 
unBerm 1. ohejm von äaohaen oder andern, die sein lieb 
also DOoU weiter in diese verainigung brecht, urab die*elbea 
verechriehen bilff ermandt und sclückeu wurden, und um 
alsdau darnach von gnantom unaerni 1. oheym von HeBsen 
di« hier inverBobriebea hilSlioh ermanung auch zukem, als 
yill wir dann uff soliche erste ermanung für hilff schickten, 
■oll unns an der besoldung der hernach begerten hilff, al« 
lang wir mit der ersten hilff beladen sindt (und leuger nicht), 
abgeenn. Deasgleicheu so unner landt und leat in aoliolLar 
bi-gertea hilff von jmaudt auderm mit ainem here ubentogen 
wurden, sollen wir vor «rlodigung «oliohi ubersnigi die ob- 
gemelten versobriebune hilff lu thon auch nicht lohuldif 



SOI* 

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her 1 



KM» BBodirialMlMbaaBm) «ruigaÜMbr SUad«. g^ 

B, und diu doch «eUch« uad ftUei Baden iwlMhcn une 
«hriaüivli fieuntlich g«treuUoli uod uDgererliah Ten(aDd*n 
und gehAtWn wcrd. 

Doch wollen wir id klwag odmt vartrawMi nit anf 
solche unMni bundiius oder «ufi* uat>, toadaro xu vi>d suff 
Oott ot«. (bi* xuiu Sulilufs, wieder uuUpreohMKl dem KöniK«- 
berger preufueoh-aacltsiboheo Varti&g). 

Geben uff uneerm eoblo«« KMtigeperg ion Pretuaeu 
an eontng Invooavit des Eebeniiden tug^B Mam I&37. 

Hit Siegel und Dutersuhrift AlbrooliU. 



It. Instruktion Hersog Albrecbte ?oa Frousaea fUr 

soine OeBondtscbaft an Kort&»t Johann von Sachseo. 

1636 Novembar 13. 

Aus KönignbergeT StaBts-Ärohiv ; Kopie. ÜbpTBohrifl,; 

laatruDtion im Churf. von Sachsaeu, die Euk von Reppichbw 

im Nnmen dea hoTizogcn in rreauon miinüich werben und 

nnzugen utoll. 

Erstlich *zo\ Et dem Chuifurslen des hertzogen freiuit- 
lich dinsl nnsngen. 

/um andern den Hertüogen in Prewiaeon eotsuhuldigun 
des auftEugB mit der zusohickuiig der vorschreibung, das dle- 
selb Iren Ohuif. g. lauU der abride, die der reu Bfseuburg 
mit hem Hansen von Miackwit^ gehabt, ntmlioh das die- 
lelbea Iren Churf. g. aohtag uacU Martini aalt xugeieniiet 
worden sein, dan dia aus keiner andern Ursachen TOrbliobbo, 
dau das der von Rysenburg in der Schlesien etlicher vor- 
gsEallftner geachefta halben lange vertsiogen und in kurtzou 
tagen wyderuuih anbeym komen. 

Uff das siüh aber m. g. h. derselben abrede nach oli 
der frenndt vorhalte , hat sein f. g. diese vorsclireibungen 
ßoppicbaw milgegebon, eine sein Oliiirf. g., die ander den 
I.andtgrafun Lelungeudt, wie sich sein Cburf. g. iauts der- 
selben xuurkundeu, mit EreunUicher bit, du Ire ühurf- g. 

XIV. 15 



226 



Brile BOndnitlMitrcbiiogvn eT&ngBli»Ii*r StKnd«. 



meiDem gnedtgen Kern vyderumb vor tciaer Cburf. g. )i«r- 
stOD dergleichen luhanden »teilet. 

Dieweil aiioh durch gnanle botsubuOec zv Bre0!«w ge- 
handelt, du sein Churf. gn. be; d«m Lsndtgrafeu dergleichra 
ein TorBclireibuDgr wie szich Aer Elertsog in I'reuiNcn tof- 
*ohr;beii, erlaDjCen «zott, szol Iteppichaw umb dirFolbou nn- 
hnll«!!, Ana es hnt der Hcrtsog inn Prewincn niclit 2w-uyfol 
Bie sei Bohon vorbandeD. 

Woil dftii duruh die botEcheXter gelisudelt, daa Ire bern 
VieyderBeits aucli bey andern baadelii eEoIlen , sie io dito 
Verbuntnus KubriDgen, sol Reppiohaw frugeu, we» eein Churf. 
g. meine g. h. halben bey den «ndern buntgunnsBen erhaJtcu, 
mit diseiu erbieteii, das sieb in. g. b. kegeu einen Iden mit 
der hiiff rorbindun wil, die «ein g. tOd Inen die zeit der 
not zugewsrlen hnt. Doch *l«zo , vnn m. g. fa. einem d!« 
hilit zuschickt, das Kr nach entuBl dereelben dem undera ciobt 
verbuDden sey. 

DfQgleivheD axoU Reppiobew dem Churf. antzaigeo, du 
der von RyBenburg bey deu iti der sclilesiüu gehandelt hette, 
aber der felli ift an ^etn gewesen, das Uarggruä' Jorge niolit 
•inhoyraitoh. ftto baldt aber stio g, anlicyin kompt, vil der 
HertKOg in der bandlung keinen vleia «pani. 

E> ist auch in der Torscbruibung kein eoderuDg ge- 
•obeen, d&D (die sno e. churf. g. geschiukten wol bewitt, 
welche «io »icii mit m. g. h. geecbiokten aiazo vora\iiiget 
und sein cburf. g. «ondi-r Kweifel angetiaigt hüben} ') der 
Clsosel halben mit diier Oettel mitbringgt, derselben sich die 
botscbnfter alszo Torayniget. 

Kb hat auch der konig aus Schweden mit m. g. h. ge- 
handelt einer vorbuntniiH halben (ab der churf. siidi mit Im 
in buntnua geben welle unnd uff was wege, iiaa welk' er 
meynem g. h. ahczceigen, der wjl darnueb mit dem konige 
haadela) '), uff was wege und geatalt aber esolcbs geschcaa 



If Da» ElDg*kJ>niin*rI« utabt niu Kand«. 



BnU BUniltitibeslrsbiiDEBo eTun^liichir ^tbdo. 



927 



Holt, du dmtaelb m. g. h. der Choil ro. g. b. aotzugen 
walL 

Ob auch m. g. h. mit dem Itidgan konig zw Denne- 
marokt iu vorGl^ntnuE komen wurde, üb nich »uuh der Churf. 
mit demHelben in bundtotu g«beB wolt, mir nDtsutzaigen, uf 
was wege szolcha ith weiter m. g h, aiitsuisajg«u hah. 

Iu versa: Instruction un Churf. von Socbssen dinetnga 
uaoh Uarüni imXXVItvn mit uberuitvort. 



V. Instroktion Herzog Georga vou Saobseii für 

dea Brslinger PtirstentoK. 

1636 November 17. 

Dia erste HSlfte gedruckt bei Höfler, Beckwürdigkaiten der 
Oharitns Pirkbeimer, Beilage VIII. 

Ho nw gott seine gnad gebe, das durch rSlhe ainigkait 
diTe ketzerey geftillt, so wollt dsuuuoh uauh gelegenhait der 
l'aobeu not zu trachten fein , dem uondt der uioht nitt 
wortten abzuwenndeo iTt, mit der tat su widerfteen, welbs 
aUes am leichrton gefcbefaen kau, da Er am wejtften nooh 
»tir neit von uns ift, als an den grenitüen , da Er jUt 
Hungern und Polen am mairften angreifft, und dieweil der 
kunig Ton Polen als aiu Begirnder criftlicher kunig nioht 
allain vom Tötoken , sonnder mercklioh tod Totteni und 
Horkabitem beläCTtiget virdet, ao ist wohl das nSttigift, 
den zu fterckheu damit Ime nicht widerfar, wie }rtzt dem 
Jungen uul'obuldigen k&nig xu Hungeia etc., dann vann 
folba geTcbebe, fo wer vil mehr far teutsoher Nation, dann 
ytiit auffem fal kQnigolicber wird zu Hungern. 

Diciveil auch iti kunigreich zu Hungern, fo ytKt TOn 
T&Token mercklich berobediget, und Bonndirlicb der k&nig- 
rtubl erobert, fo mSoht toq YÜen darfur geaebt werden, da« 
es roboD damit getban wfre, das Ül nicht, dann wie wir 
glaublich bericht, To feil der genülichte taU des Hungec- 
lannds noch ungevoDoeo und unverderbet Tein , darumb 

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EttU BUndDitlMilrtbunKon oajtJtBliscbu SUnda. 



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htt, daa die ftuob darduich beCäst wueTdeo. d«iiut ftis «in» 
bruoh fo leichtlioh nicht gel'Utt wii(<rdi>. und das allfo «uf 
tthen Jar ain votck im Heiuti rcrnnlent. wiierdo m Ttorgke 
dor Hunger Lanud, der muaOle unoder viettsig UiiTont oit 
fein, d»rduroÜ wero bu hoffen, wo der tuergk w« gevraltig» 
VoUt tiMmemen, ima Ibllt ain ItaUichor vidnfttuid gefcJielMa 
JuAgm. wo e« auch di« not erfordort, b kondl ksyrerlioli» 
Ukjel'tHt tait feinen Erblanudeu und der Cren Belioim don 
Ltuinden allweg bUSIioh und zu l^erck konten, und mudl't 
allTo geordtnt werd«D, du man vuerfte, ttm man tieb su 
(Slhor eilender hÜä Huvertröften hett. Es wor aacli gnt zu- 
Yorordnen, das alle wog aiu FuetCi de« B«iohs die Raubt- 
inaofebaft des Volks hett, der mit Rate des kuenixB oder 
Oubemators und l'eineii Kugeordenteti krii^glReten di« Tacb 
fortt xutreiben maiiht hett, damit da« Voluk don Ijolld nicht 
umbfonnft oem. 

Es *oUt ftuoh Bebrtlich heiligknit, kayrerliobe MujoMt 
und kuenigcliohe wild zu FranDalcTeioh ansusuchoii und su 
bitten r«in, das Sy Ir begicr in Xtalien su kriegen abthuu 
VoUlen und allein Ir creH't iind krieg wider don veindl 
chrirtlich« namene anilellten, das wuerd on Kwoifl got baheg- 
lifth, gomainer Cril'lonhüt nut^tslich und feligelioh feia. wo 
an«h allCo der veindt raor dünn an ainen ort angriffen 
wnerde, wer su hoftVo, ime ToHt Toin bofer will i;ebroehen 
werden, und allldann könndt von dem Tolck, fo vom Keidi 
Terl'amlt , aus Hungern die Folan auoh gofterttkt werden, 
damit By fich der Tattern und Hohcabittero auch aul'haUten 
kinnden. allfo wuerde leutsoli Lannd vor dtm ungläubigen 
berohueUt, und wer« beCTeT uinelaÜt des laCt» io fraiobdeu 
Landen getragen, diinn der gaantaen puerd iu unnfern Lanndeo 
lu erwarlten, dea dann nicht« ((ewiÜTeTe fein wiidet, wo man 
domb die wog nicht verkoiabt. 

Et feilt auch Kut fein, wie man mit fliegen den Sophojr 
In nnunigboit widern tuereken erhallten kgndt, folha follto 
darch uuderhaiidlung vol xu erlangen fein, dergleichen wer 
futf das miio den Totli;m mit gellt und gaben, darniit Sy 



'230 



Erat« BQndaübwtcBbnagan •TNUgeUMh«r 8tiiid«> 




zu gowynnon fein, den Tuer^kben tbfellig und TMnd mkoht«, 
dir* koeondt durch kooiglKlio vrird xu polui IvioliÜiuh ){»• 
foheh«R. 

Es hat uiob kSnigcliclK! wird ku poUn mit dem Tuergkeu 
nin beriannd notih auf &iu Jar, oder aufs l^ngft zwaj Jar. 
Sollt gilt sein, das dor er(lr«ckt «uerde, denn e» berorgon, 
wo der beftann'! ausgeet, Kr trerdo NAmbt dem Totteni diu 
Polan begu'eliuges, , allfdano hetl Bt vil aioeu offneru zue- 
trit in Teutfcli Lanod, dean dur^ UvD)terD. 

£e wern tont't vart leichtere wege eu finden, durch die 
tnan dem veindt crirtliuhs iiametis eurugk dringen mosofat, 
wo olluD aiaigkait der GriAdDhait gf^fuudeu mooht werden. 
dnrzu bedoeräeu wir aller der gnad gots, die zu erlange 
tDUeU'en wir alle oin l'tarck aintrech-tig gebet zu got tun, 
denn Br will geben, wenn wir bitten. ITt su beforgen, wie 
wir gebeten, To liflben wir erlangt. 

Ob aber auf folhe nngeiiaigte wege and mittl enodt^ 
lic.hvn ytxt lu befohlielfen Tay, one ainen gemainen Reieh«- 
tag. wellen wir in der aundeni herren bedännoken geftellt 
tiab«n. Sf wellen aber zu gemuete fuern, wie der Tersug Co 
ganot« frhedlicli furfall. 

Das ift unnfer bedenuoken. wa wir auoh mit unnferem 
Icdb, gut und allem unnferii vermögen gleich anndero lüerrten 
darxu diennen konnnen, das wellen wir an unni nicht «r- 
w^ndan laTfen , dariu fleh unn/vr unndertan neben aan- 
deren das Ire tuttiuu truelicb erboten haben. 

Se unnfer gerohiokter difa bat rerlefen , eoU en dabej 
bleiben laffon, und ob ymand des abgefchrift geiyndt datTdb 
nicht waigeni, waa darnach beflolTen, das feil Er uona furtter 
«Qsaigen. 

Zu urkond mit unoferem aufgedrucktem Seorete befiglt 
und geben eu Droldon, am äibeoKebenden tag des Uonate 
Novembris, nach CriCl« unnfers lieben heiren geburdt Tau- 
fent Futilhundert und im Se<;hrundzwuiutsigifteu Jana. 

üeorg UerliEog zu SaohCTeo eto. 



J 



Gm« BUiiiiibbMtrebunicui •T«ng«li>chBr Sl2u<Ic. 



231 



Tl. P&lBgraf Frfodrioh von Bayern ao KurfOrat Ludwig 

von derPfals: berichtet von den HoffQuagOD und Ent- 

täueohungen der bayriechen Hereöge In Böhmen; bittot 

um ITachricIit, wann er in Etelingen emtreO'en werde. 

1623 Oktober 27. Bemgrieb. 

Au« MüDchDor Gell. St.-ÄrohiT. Oiig. Adresse : 

D«m HochguborDeo Fürsten Uouiorm IruntliohflD lioben 

Bruder Heim Ludwigen Pbistfmvdu bcy Hlidn Herüsogmi 

Inn Bsyni des liejligen Itomisciien Beich» ErlzdruolueMen 

uud Churfursten lu eigenen Handea. 

Wu wir bruderlicher treu Fruateohafil liebs und gutH 
vermögen allzeit zuvor. HocJigebomei Fant, &uutlioher lieber 
bruder. Wir haben eur lieb svbreibeu mit xueeudung der 
Credens der sobigkliung halb geiu Behvim tmplituguD, ion- 
haiz verlesen und fugen Eur lieb daruiT zu Ternemen, du 
una die lioohgebornea Fursteo, unser frunüioti lieb vetern 
hertzog Wilhalra und Ludwig in Obern und Nidem Büro, 
aU wir jetzt bej Iren liebdeu zu Ingohtat gewesl, augezaigt, 
daa sie sich geuKlich verseheo, Ir einer soll 2u Eonig tu 
Sefaeim erweit werden, daa wir uns wolgefoUen laasen und 
furtter uosern wege eu unserm fruntliehen Heben bruder und 
T«teni dem Biachoff zu Freiaingou und Hertzog Philipsen etc. 
geia Neuburg genomon. daselbatliin de« andern lags domach 
bemelter unser lieber veter Hertzog Ludwig auch Ithomen 
und uns in vertrauen angezaigt, das £r vor tteiuem bruder 
Herlzog Wilhaiiiien die stymba habe, aber gleich in delt 
ist seiner iieb ein schreiben khomeu, das es tiicbt«^, sonder 
der Ertzhertzog sey entlieh uud gewiW mit aiohelliger itymbe 
SU Konig erweit und angenomen, und wiewol wir nu doß 
khein anders wissen, dann uns berurler unser lieber veter 
hertzog Ludwig eroffent und angezaigt, sn haben wir do«h 
solb« Gur liob brudorliohor ft*UDt1iclier mayuung nit vei- 
ballten, aber dooli *o wellen wir uouh derzeit , bil) um 
duroh Herrn Heinriuben rom guttenaUön, wie dj each getlalt, 



332 Ertit« BtLii<tiitKb«»li«ban)(«ii iivuiicsluiiliiir 81fiiil«. 

gesßtiriben irirdot, mit der *ohigkhung gomnch thuu tind 
verüitliäD. zum andern bat uus obgedaohter unser lieber 
veter Hertzog ^^'ilhaIm ft'untlioh ersucht und gebett«n, Eur 
liob ssegohreiben, una zu berichten uff vma tag eur liebe xu 
KfOingeD cInKiikbomen willeuR und ob ander Churfursteu um 
Rhein Buoh eracheinen werden, furtei sein liet* deeselbigeo 
KU berichten, damit «ich sein lieb mit udb uit' duneelbigeo 
tag auch KU Esslingen anzukhomen geachigldit mauhen mooht. 
Und wiewol wir hieyor Eur lieb uns deß also xu veratnnn- 
dlgen auch geschiibea , aber uns daruff noch kbein Ant- 
wort gefalteo, so wellen wir Eur lieb hiomit abenntils an* 
geoiEkutund Eruntltch gebeten haben, nicht allein unsernt, sonder 
«Ufth gemelte uiuers lieben Vetera halben , uu« aolhi isam 
furderliuhieten damaoh wiaseu 2u riuhten uu eroffeii. Eur 
lieb hiuwider Bruderlichen fruntliehen willen und wollgefailen 
zuerzaigen lynd wir gaos geneigt. Datum ÜumgrieD, Hambatug 
nach Ursule Anne eto. XX VL 

Friderio!) von gottgnaden Pfoliigraf bej Itein 
und Hertzog In Bayern etc. 



vn. PfUngraf Friedrioh von Bayern an Kurflirat Lud* 

vrig von der Pfalz: erinnert an Bosprochungon wegen 

der römtschen KÖnigswnhl in Etalingeo; berichtet über 

Verhandlungen Hereog OlthoiuriQhs; erkundigt »eh 

aach den Verhandlungeu mit Saobsen. 

1526 Deaember 36. Heubitrg. 

Au* HÜncboer (leb. ätnatE-Arch. Orig. AdreeBo: Dem 

Rouhgebornen Fürsten unäerm l'runtliohen liobtn brudet 

Herrn Ludwigen pfalxgiafen bei Ehein , Hectzogun Ina 

JSÜern des heyligen romiaoben Beioha ErtEtruQhBe»eu lud 

Ohurfurtten 

In seiuer Üeb eelba eigen tiaode. 
Was wir Brüderlicher treu FrunliuhDift lieb* und guti 
rermogen , alltHit eurer, hooheeboruer Furit , fruutlJeher 
lieber Itnidez. Wir aeosen in Uieiaea Eveifel, Eur lieb tragen 



Bnte BttDdnfsbeMrobuaKan ovaut^eliiDtiCT ättadc. 



233 



Dooh io frisohoT gedecbtDUB, wer» wir jotxt lu KMÜnjcvo mit 
Eur lieb eint Bhomiguhea Irooifi* liolbon K<'rctlL, ni^mlich du 
lieh irer vi! understeen, mit nur üob ku bündlea und di«- 
■slbig dfthin xu bewegeu, dem KrtJtliurtxoKeD di« Stjnbe 
zagfiboa, Vleis ankhera, d&r inu allkin Iren und Bur lieb 
Huts gar airhts bedengken wert^ien- Nu wi-Uen wir oor li«b 
TanwT oit bergen, du um dor hoohgobom Font uD*or 
fruntlioher lieber yetor UeTtzu]; Otlbmiirinh. &]> wir jetit 
hieb«r kbomeu, zu lirkhcnnau gebea, wie »eiu«r lieb Adam 
VOD Thorms Kitter angetKoigt, da« Ins furgut aoaehe (dhweil 
seiner lieb und deroelbeo ßrudor IlertKog PbilJ[MCD biS 
in die unhtmal hundert Tauseut );uldiii und wol aovil 
ufTgelauSner sinß bei der Cron Uebeym usisleudjg) uch ii 
die eaob zu slabeQ und bej Kur lieb dorhalbcn handlung 
fuizunemen, ob eein lieb dadurob de« iillos oder ein« t«jlt 
bexaJang erlangen movbte. daruff *aiu Heb alfpaldo Kuinbarton 
von Neunegkli ritter gein Augfpurg zu Jaoobi'ti Villinger, 
welaudt keiner M&ximiliant aeÜKer hoohloblicJieT gedeehtnui 
fiohetxmeiBter, abgufertttgt, bej dem sei bitten die maynung all 
tüi aiah selbateu ttriüufugeu, es weite hoch und grom lin« 
ioniisoh<'n konigs rou noleo «ein. Nu wuase Er jetzt der- 
zeit khein fugliohom oder taugliohera, dann eben den 1')rtz- 
hertjiogon, aber zu crlongung eollier konigktioheD wirde 
musMi mun Eur Ueb baben. dhweil dann bemeller Hertxot; 
OUlioinriuh bej eur lieb iiiuht in kleinem ansehen, »ulte 
mit «einer lieb, Eur lieb uf gut pan su richten, gehai^delt 
weiden, daruft' VilUnger geantwert, wo keiier Maximilian 
noch verbanden, wurde nit iinderbleiben ollen möglichen 
Vleis fucEuwendcn , was eia (olicb anHcbeuUeh dapifer 
pereou als ine Hcrtzog Ottheiurichen bej Bur lieb dj saohen 
SU bandln und zu furdom uberkhomeu mocbt. doch niuhte 
veniger mit di^m Balomauokba davon uuob geredt, des gut- 
bedunxkhen wure, dai «eh Herr Beinhart vun Ni>uDegkb 
l'urderliüb zo dem Bigchof von Trient (dbweil Er demselben 
ono das wohl bekbaot und verwauto] fugen und Bolhe an* 
tsaigen tolte , wo o« aber biH zu seiner widerkhunllL uS 



iSSA 



Eni« BSuilaiklwBtrBliiiiigflD «vangtlilditr 8Ulld«> 



Ifogdllnndt verttiug haben mocht, wolt« Er alTduta B«lbiiten 
dcricin hftiidlu. dhweiln wir uu nit xwoilln , ormeUer unser 
lieber veter Hert/og Otlheiuriuh (ilur bierlnn uu&ers raU, 
Teil» Er unaers eraolitena billiger vor und ehe ««in lieb 
80 'weit gangen oder eioli eingelassen gethan haben aolt, wie 
zu balten begert. aber wir seiner lieb khain ander antvort 
geben, dann sieh usser Kur lieb Torwitaens und erwillig^OD 
in niobts weiter zu zu laasen oder sa begeben) weide Eur 
lieb derhalbioi scbroybeii, baben wir eolba Eur lieb brüder- 
licher fninttioher maynuog D>t wellciD bergen. Uit frunt- 
liuher Bite, wo die Sachen dur«h i-rrDelteu unaoru lieben veter 
Herlüog OUheinriuben oder ander an l^ur lieb gelangen 
werden, die wellen vorger unter bruderlicher fVunÜiober 
llite ingedengkh sein, ufl' zugleich and dermaseen Antwort 
geben, das giuh Eur lieb derwegen mit uni unilerrecfen tind 
doruQ handln weiten, hier inn Eur lieb und uns bedetigkhen, 
daou wir Eur lieb, als ein nahen gt^sipter Fruode und 
bruder, in dem und anderm vil treulicher weder ander, dj 
allain, wl-B inen 2U nnt2 und gutem raicheu mag und wie 
üe dumitire sachen hindurch drugkhen muuhten, bedengkheo 
werden, raten und handeln wellen, zum andern geruhen Buf 
lieb, UDB Euiu furderliohieten der haudlung Sachssen betreffen« 
inmaseen wir Eur lieb itet an) juagaten zu Esslingen auch 
frunlliob gebeten, zu berichten uif vemer unlangen und er» 
BUL'hen wissen antwort eu geben, durau beweisen Eur lieb 
une Bruderlicha &untlichB Wolgefallen. Syiid urbutig und 
geneigt, solha umb Eur lieb wiUigs fnintliohs vleii su tot- 
dioDOn. 

Datum Neuburg Hitwoobe Nach dem heiliges Crintag 
Aunu elü. XXVII. 

Fridetioh tod got« geaaden I'falxgraf b»jl 
Bhein und Hertsog In Beiem eto. 



EnM BlmdDUbettrebuogcu CTmogoIlacb« Kttnid*. 



23& 



■ 



Tin. Die sn ECsllngen veisammeltea KurfGrston und 
Fürfiten an Carl V : berichten, aus welchen Gründen 
Eie die xu Speier heschloaaene Gesandleohalt alobt 
haben abgehen laaeen. 
1628 DeBember 16. 
ÄuB Mäuohn. Geb. Staata-Aruhiv ; Äbcohrift. 
Allergo «di):Bt«r herr. E. kain. M. — vollen wir uil 
bergen, da« riofa die hoch und ebrwirdigateu — Churfuiaten 
filTsi. preisten eio-, bo uff juagst gehaltnim reiolistag ku 
Speier vertamblet geweeea, neben aiidero des heiligen reicht 
BBoheu und handluu^eu — etÜicher sondern svhwerou 
viohtigeD des beiligon reiohs obligen und eachea hilben, 
daran ril und hoch gelegen, ein ^tätlich botachafl mit in- 
Ktruction und oredeutK zu K, k. M. eu auhieken entlieh ont- 
schloEsen haben, wie die auch also -vererdeut verdau int. 
Damit nu dieselbe botsrbaft in dietcn kriegisoheD leitten 
und leufFen itester ei oberer durub Frankreiuh pasBim und 
wandern mSge, ist kugl. wird« su Frankreioh umb gleit ge- 
■obriben and ersucht worden. Darauf bj- für dieselben 
Terordi'nten orator ain scliriftlioh glait herau» geachiokt, 
da> nit lenger dan auf 4 monat veu zeit dato deiselbigan 
aieb eretreukt. Dieweil aber ein monitt darauf gangen, bie 
e* heraus kernen und die übrig zeit der andern dreyer 
monat su eiforderung und abfertigueg der botsohaft auch 
an dorn ersohiuen und umb gewest sein , also das sieh 
die übrig zeit nit als weit erstreglct, damit die verordenten 
orator mit solhem glatt duroh Fninkreiob betten kernen 
mögen. So hnben wir yetzo alhier, als ilieeelbigen orator alher 
g«in Kislingen £U irer ubfertiguag erfordert worden und er- 
aohinen, bedacht beaser sein, das die sohiokung bia 2u künf- 
tiger Termmblung gen Begensburg furgenoaen aurgeBohob«D, 
dann dan diu verordenleii in solcher ferlicbkeit reiMn, 
darundtar niderligeu und E. M. und allen ateoden des reiolu 
d*ron »pott und haune entetebu und erwachaeu sollt und 



23« 



Bnlc BundnUbeitnbnnKQU svuiggllHJiar 8Un<la. 



dag sich Tilleicht mitler seit der kunftgen Tertamlunt; die 
sschon also Bchichen, d&mit die botachaft sicher ku E. U. 
komen oder aber E. M. duroh ander wegit &oloher Werbung 
vi^rKteiidigt werden möge. Auf« untertheoigGte biUenil, E. M. 
wolle den vereng solcher buIucIcuiij; uit änderst versten oder 
aufDomen, dan aus ob an gezeigten Ursachen. — Datuut za 
Esslingen den 19 tag Deoentbrie ■■^26. 

B. M. onterLheDigiitD 

Churfurftteii und 12 geislticbe und weltliche 

fursteo uod deren botsohafteti ytzu alhie zu 

Egslingen TorPumJet. 



IX K&rl V. an die 18 KorffirBten und Füraten: 

wünsabt, dal's ihm auob feraerbiu nor duroh Schriften, 

und nicht durch Botschaft Hituilucg von den Bsicbs- 

aneel^eDheiten gemacht werde. 

1637 Mai 20. V&llgtdoUd. 

Au« Miinohuer Geb. Stakti-ATclÜT. Adresse: Den liouliwirdigen 

In got vattern Erwirdigen und hoobgebomen N. unsern lieben 

freuodiij Neven und Oheimen den Sechs Ohurfurston imd 

xwoltf geistlichen und welUiubeu furolen auch den wol- 

geboraen Edlen und Krsanien uaseru lieben mideohtigen und 

de« Kclohs getrewen derselben botnohaä'ten allen am 

tlmngsten zu ETElingen veränmi.4t gcwest. 

Karl Ton gota gnadeu Bi: Komischer keyset ita allen 

zeitten morcr des Heichs etc. 

Hocbwirdiger In Got vatter. Erwirdigeo bocbgebcmeo 

lieben fr«UDdt Neren Obejrmvo- Ohurfur«tan und funtan 

uod wolgeborn Gdleo, Eraamen und lieben getrewen. Wir 

haben Ewer Liebden und Ew^r schreiben huTs IDfuliDgen Ten 

den DheetTersohienea SeunUehenJen Deoouibris, vezm»l- 

dmd aufs waTe »chweroii des heiligen Keioha obliegen und 

Hohen Irer und anderer gemeine Slende des heiligen 

Beiehs und desselben betachaffteo, m auff Ibung&gebaltem 

KwcbsUg SU Speyer Tersamell gewest, neben andern d«g 



I 



<ii «TUvWiMliw SUute. 



837 



faeitiKen Reioh« M»haa und handeln, «d dantlbat su Sp«yer 
Kuff unser d&TEU Ter<irdent«o CoouniM&rieu furtroi^ii berntli- 
soblkgt und gebandalt sein, ein boUchafft xu um xtutobiokiiu 
sntccbloaien, und wa* ursnchLn Ir da« authuo darniteh ver- 
hindert eej't word«D, mit tu*gi.*bofft«r bitt, ooloti* tod Kwcto 
lisbdan und Buob gaediger maynuug su venleen, alleti In- 
luJU gaediglieb yemommeo. und ab dem, du Ir solch bot- 
Mbtfft xiiachioken also Terlündurl. Bejrt wordon und die bift 
•uff jteige TBrBuiublung gein Ueg«D«purg aullgetohoben, di«* 
weil It uns doch ulsbald lolciio oblieigeu uud wohan oaoh 
der lenge und notluril't schriiftlicli&n h&bt angezeigt, gute« 
wolgel'alleti empfungen. Wandt vir haben aul» dem boriirteD 
Ewer liebdeu und Kwerni schreiben dieselbigen obUegon und 
Sachen genugBamlich verslaiideu, die behertziget, Dtv^gvn und 
mm tieissigsten berateohlagt , und doiaulf mi Euch auch 
unnem willen und gemut biemit zuBohreibcn laasen , wie 
Ir dartiuf« verneinen werdt. daruuib vir dau auch an die- 
selben £wer licbden und Euoh andern mit äoü» begein 
und l'Iuch daneben mit einst bevolben, das Ii also dorn- 
naoh dem beiligeu Beiob üu Eibe gutem und wolfart in 
den gemclten obliegen und «achen zum besten furfarot 
und haudlat, wie wir dan des zu Ewer Ltebdea und Euch 
keinen Eweirel haben. So auch in das kunffüg dergleichen 
andere des h«iligeii Beidis schwere viuhüge sauhin für- 
fallen , uns die yeder Zeit, gleich wie ytza, well nach der 
lenge und notturfft BDbriä'tlioheD und nit durch botscliaffton 
antzeigt. Wandt uns das durcli ein «obreiben (Jeä auch, so 
es die gelegenheit der aacfacn sein und für notturfftig au- 
gesehL-n wirdet, alabalt darnach duplicat imd tripHcat mag 
abgefertigt werden) auff der posteu vbil fuiderlioher und 
mit weniger muhe , kosten und geferligkeit dau die bot- 
scbafften, die one ansehenliche ansale «ahworen fTol'sen kosten 
und gofcrligktdt niderziilygon , daraiifs un* Ewern I.iobdon 
und deb gemeinen des heiligen Ueicbs Standen hone, spot 
und Boh&de erwachseen mooht, nit sein kau, wol mag iiu- 
kommen. uml wollen wir die Sachen auch yedcfsm«! gleiob 



238 



Enia RIlDdnlabutrtbDnBm emoEftttfher SIZnde. 



so woll durch clieselben sobrifTten, »\e ob am die durch di« 
boticlmirten fVirgetra^en wurden, zn hertzen fasüeo, uns die 
aalieK^Q laBsen und eben Ans darin gerieben und thnn, du 
vrir «uoBten einicher vcg» auff anbroo^n d«r boUchafft«n 
thun iind Tsraeheo mocbtHn, und Kwer liebden und Euch 
ftodern aulf da» yederiseit auch uimern beauliiidt UD<i antwort 
zum furderliehsten widder wiesen Jasguii. Das wir Eweni 
liebdeo und Euch nD'leru auffgenioltg Ir schreibeu bin- 
widder gnediger me}roang also nit verhalten voUi?n. Geben 
KU VaUodolit am XXton tag Mnij. Aniia etc. Ira XXVIlteu, 
ossers Keicha des Romiachen Im achten. 

Uarolus. 

Ad Hnndfttum Ce«aree et Ca- 
thotioe Maiettati" propriam 

Waltktrcb. Alexander Sdiweib. 



X. KnrfBrst Johann von SaobBon an Landgraf Philipp 

von Hessen : spricht sich über die von Philipp aus AnlaTs 

der Shlinger Beaoblüsae empfohlenen Hai^egeln, be- 

trefltBnd Tfirkengeld und evongcliache Sonderbotschaft 

an den Kaiser aus; für den Regengburger Reichstag habe 

er noch kein AusschrelbeQ erhalten. 

1537 Februar 13. Torgau. 

Aus Marburger Staats-ArolÜTi Original. In Weimar. 

OeBammt -Archiv da« Konzept. 

Cnier freuntlich dinst und was wir liehs und gut« yer- 

mogea alzeit zuvor. houhgehoriiDer fürst, freuotlicher lieber 

obem. Wir babeu eur lieb schreiben, h. £u Marburgk 

am aodaro tag de« moaala, alles inhalta vemomen unnd wie 

cur 1. BDxaigeD , da» zu beRorgeo es verde umb dy 

krhou EU Hungarn die atrebkatz '} gez<>gen werden, bolten 

wir nach gelegeubeit der eauheu anuh wol dufur und da« 



I) dia Str. «Iahen, btldliob: >ieh luikcn; vergl, HlIUliitodoHiuuch, 
WCrkrtiaeb rou Sabill*r aud LUbbiu. 



Brwa BIsdnUbeiiteliDiiinii enagtStAm Stlnd*. 



239 



■olchs ifihwcrlich abgehen werde. I>m »ach die ichickang ta 
)aäi. mait. in HispaDJen aua miIcIiod ur»a«hoo, irie our 1. 
■mieigeo, ditmaU verpliebeu und veibinderl worden, da* ea 
die goiftlicben rilieiclil dafür gehalten, all mocht dieae seit 
nit sa irem vortaill cein, sieht uns auch woll dafbor an. 
Und als ear liebden furder antsnigen, weil der domtitig gn- 
MHnen abschid in dem ubene!irit«n und nit gehalten worden, 
das in erlegung des Turkengelds und ander», da« für ue die 
pfafThnit sein mög, nuch nit gebilligt wurd, mit bit, das wir 
also auf dem beatehn weiten. Auf solches wissen wir ear 
l. freunüieher roejnung nit zu bergen, riiu wir unnern antail 
berurts türkengelda berait an bey den von Nuromborg, wie 
wir eur J. negat geechrieben, erlegeu haben lassen, und weil 
die eohickiing in Uispanien noch nit aufTgehobeti uud ei 
darauf steht, sofern dor reichetag gegen ßegenspurg aus- 
sohriben wirdet, das man daselbs von der BcIiickuDg zu kaj"«. 
may. weiter reden soll, wollen wir in t. 1. bidencken gestelt 
haben, ob sie irea antail aucli erlegen wollen, damit nit 
gCBiigt oder dafür gehalten dürft werden, aln ob o. 1., wir 
und andere das, so man aus eriatlicher pflioht tu fordera 
»ohuldig, unsers teils verhindern wolteti. Wir wollen auch 
nit underlassen, mit etlichen furslen und andern, so mit eui 
1. und uns in Torstentnus und bundtnui und uns etwas ge- 
sessen sein, so die Bchiokiing in Hispanien endtlich ab^eia 
und verpleiben sott, zn handeln, ob durch dieselben, o. 1., 
una nod andere, so dem erangeliv auhengig, ein sohickung 
Btt kaya. m. nu tun und inen geftillii! sein weit. So hat man 
doh als dan eyner zu^ammeuactiiekuDg oder sonst 2u ver- 
aiugeit, davon nu ratalagen, wie die Werbung zu eoloher 
BohickuDg seit gesielt und der handol anbracht werden, 
und was um dnrauff für andwurt einkomen wirdot, sei e. 1, 
OBTerbalten bleiben. So iwaiTeln wir nit, weil e. 1. Chrisioffen 
Kressen in Nureniberg weiter zu eobreiben bedaclit, t-r wen! 
e. 1. darauf berioht l'urwenden, davon uns e. 1. alsduu, wie 
wir auch daiumb fruntUoh wellen gebeten haben, ferner 
ansaig Su thuo nil underlsfsen werden. Waa aber belanget 



240 Hntt BtodabbMNbiuvcB «vangellMtitr Stjbul*. 

die renkmltiug dar niehMtende, dATon der BbAchid, «o nngiit 
zu Kfilingen g«maclit ist, meldet und zv It»;^uii|)ur(; nein 
aalt«, «oben wir die »cbnn d«for an. Nachdem wir noch 
kein ■uBMhreibsii, ao von Btttlhaher und re^ment derwegea 
ttUÜtnuigan were, Ternomen, da« aiu lienMtbcn tag swerlich 
icbtea werden wirdet. Sold er auBgMchriebeo werde», ao 
wollen wir oit uatherintten, e. L alRdui unser gut bedooeksn 
aucli enscuzcoigen, wie wir una duD Tor«ehii e. 1. binwider 
Eiil Terheiroliuhen werde. Du aUes haben wir e. 1. frunt- 
lidler mej^img uit verhaldin wollen, dan •lenwlbeo bunt- 
lioli EU diaen sein vir gCDoigt. Datam Ttiergmu am 18 tag 
FebruaLTii et«. 

a. d. VII. JoluBa. 

An laodgraif PhUipsen. 



XI. NOmberg ao Graf Albrecbt von Hausreld : 

meld«u, dafs auch andere Städte an der evangelisobea 

SooderbotBchalt an den Kaiser teilnehmen wollen; bitten 

um die Kamen der anderen Beicbsstäude. 

isa7 Februar 13. 

Aua ^ärnberger Kieis-Arokiv. K«pie. Adreeae: Herren 

Älbrechten, gcafen und hevn sii Hansfelti 

Gnediger herr ! Ali uüa euer giiaden rerruckt«r tag 

gaadiriobeD und merc dann ein nrBach angeeeigt, darumb gut 

aeio moeht, daa etliolie ehritttiolie reicbsutennde, ao dem 

hailiguti eraugelio und dein, ilaa ehriitlich ist, gern anhenglg 

aein woltcn, «oril doreelben faientu najgung truegen, Bn Bo- 

nüacher keyserliohen may. unserm allergnedigsten hera in 

Uiipanieo ein botschafFl verordeul mit dem bevelti und 

iaatruetioii, irer kej«erliohen nia}'. derselben etenud uotturtft 

dea glaubena hnibon und daniben die srliol^gim untertonen 

gehorsam, damit '■y iror keyserliohen may. als irem rechten 

herreu und ordeniiohon von C)ot verordinten oberkeit Ter» 

pflielit weren, Eum untertenigaten anzuzeigen, haben wir una 

darauf gegen euer guadeo duruh unser aohreibon verfangen. 



Ertlc BOndnlibottobungeD craogvIbehM ÜUndo. 



241 



■olcheo euerguadea gethaDUn fuertatilag etliüb«n unaAni gulea 
fceundea von stettSD in geheymbd mit dem hrdeiliget«!! [usu- 
aeigen], durinn ir gemuot und Dftj'gaiig zu Tencmen uod d&au 
ruer gnadeu, was uns dirselben enndbegegen «uerde, widemmb 
xa eroeffneo. Dem liaben wir also gelebt unnd den itett«n Aug*- 
purg, Strafsburg, Ulm, Franckfort, Nerdüog, Hall. Caittiits. 
Liodaw eolchs zu erkeuoen gegeben uniid ire« g«isu«lH dariun 
begort; TOD denen ist uns sum mayitea teil zugeecbriebeD, 
du ajr inen Boll^hen fur«chlag gleich erweir* gefallon Urten, 
dooli der gestalten, das Ine zufordorit aller r«iclit-»lend namon, 
■o cu soIclieT ecluokung gewilligt niii, oraffiMt und dann 
«iu tag an ein gelegen malstat angesetzt und auf dem von 
«inar formliclieD iustruotion und fertjgung, was bei keiaar- 
lidter may. in derselben siennd namen su handeln sei, wer« 
aucb iie geschickten sein aollen, unvergrüTlir.li berntscblagt 
werde. Das ;£eigen wir euer gctiiden, wie wir un* cu tbun 
Terfangeu, dicHtlicher guter mejnung an, dlBstliobe vleia 
bitleiid, veyl euer gnnd sich in irem «chreiben orbettea, 
mitlerxeit sich bei andern ateonden von fursten, grafen unnd 
andern gleicherweir» zu bearbeiten, den, iotiI megtioh, Su 
aolober schiokung der botsobafft zu bewegen, Euer gnad 
woell uns die namen angezeigter reichatend gnetligliob ku 
erkennen geben, die furter den andern imaem freunden von 
atetten haben zu eroffnea. Wo aladann ein tag ao ein ge- 
legen maUtat ernennt wirdet, wollen wir denselben den andern 
atetten auch veTkonden, damit ay su aolobeu sohioken, unnd 
daati aller ateund notturfH, wie eioh gebuit, gehandelt werden 
moeg. Daa wollen wir itmb euer gnad gaux wilUgliob ver- 
dienen. 

Datum mitwooh, 13. Tebruarii 1&97. 



XIV. 



16 



242 



Erata BniidDi»bcBtr«buii|t<in ««nicaliMhcr StXnda, 



XU. Bürgermeister und B«t sa Ulm an den 
Sst TOn Höraberg : Antwort in betrefi de« Bündni 
mit SBohsen und Hessen. 1526 Deoember 8. 
AuB Nürnberger Krei^-Ärchiv. 

Ftursichligen erMmeo unnd vrtyttn , besonrtder liehen 
unnd piten £r«UDd ! Unser freuntlicli iniig dieonit unnd 
irwi wir liebs nnnd giits TermogeB r^^y ewer farsiehtigknit 
nnit äeyi» berwit zu TerdtnoTi. Liber freund ! Wir knben 
da> «chreyben, *o ewer fuertlchtigküt ratt« unnier gut ttxntA 
Crittoff Kref« udikI Bemhart Boing&rtTier ieUt nur den bor- 
gennayster BernliArten Bera«rero gethoD, atl> da« an aans 
ftinen erbcrn ratt gelungt, mit alleai ungeTnerliotiem Inhalt 
Temomea und wolli'u der^tilben ower fiicTBio'iligkiil darulf 
Tertraut«r friientliober und guter maynuug nil pergcn, das wir 
atider def« reichstaga jungat zn Speyer gehollten aoTa ano- 
dorn UDOscni obügenDden geaoheifton unnd bandluD^o von 
diiflm fumeDien, ainen Turttannde mit uanserDn gnedi^aten 
unod gnedig^n heirn, dem churfuerBtcn von SaohTaen onnd 
d«m lanndtgraven su Heieen etc., zu machen od«>r sinh mit 
im ohur- und fueratliohcn gnhdeo etliclier mafGen eiaiulafsen, 
Diohtzit beachloueD oder berattachlngt Wir haben ftb«r jetko 
off boruert ewer achreyben bewegen, da« inifBOuder uun« inn 
anKflzaigtcm Torhaben gantz beaohwerlioh eu ibun nnnd xa 
lauten sein will; dann unoder anndern unnaem ungelegeii- 
haiteu iat nit di« geringst, das hochgemellt bald unnser pie- 
digiat und gnedig lieru udds gar 2U weyt «nntseraen unnd 
enntlegen, also das nnna dieselben inn fuerfallenden nolen 
wenig oder übel zu statten knnion oder geUnngen moohton. 
Niehtzit deater weniger mufsten wir nach beachechnem eiu- 
laCten dem, das wir gegeo irti chur- unnd fuerstlicben gtindcn 
Terpflidit, ungcDcbt aller uunser angelegtnliut Tolatreckung 
thuo. Soll man dann die saohen sonach waygern, nb' oder 
inn windt soblsoheu, roodit aucb nit fnioht gebor n, unnd 
wie tnan mit kltter spricht, jeUo abgeschlagen, das man mit 



Erst* BGncIntibctIrcbungan nvangeÜMhar l^lüu^«. 



243 



der seyt &o aeia, buTs di«ter unnd uindeTii mei sutoelig«ii 
oder Eweyffelhafftigen ursttchen , besonnder dioweil oodi 
niemaadt waifst, Has die potschafft zm kayaerlioher M«yo»tit 
etc., uiiDMna aHergnedigisten berrn ion Hygpanik gererttgt, 
pringen oder derselbea bogegaen wurdet, wir noch EUWftfll 
nit enntsohliefsen moolit«D. was unneornhalben liiennQ xu 
thun oder zu Inrai n eey. Dieweylt wir imer bifs aiiher ku evrer 
hieniohtigkmit für andern aio Bonder faoohfuTersiohtlieh unnd 
gut vertrawen tragen unnd noch, unnd dann dietotb «wer 
lueraiohtigen weysen je- unnd allwegen in Tnr*ti>eniidon unn- 
Mm beschwerden «be- und atiligen, wi« vir mit äajh 
danckbar unnd zuverdienen erbitig sein, gannta hiltflidi 
trostlioh. unnd wie die ^und in noten gespart unnd betuaden 
hon, so biten wir demnacli dieselb ewer furtiebtigkait liierutf 
mit fruDlliuhem unnd allem flcer« guottlioh, aie volle uoiu, 
vnbftauert der muech, in ichriffleD ufF unoBCrn oost«» Yer- 
trawlioh berichten unnd verateandigen, wai ir mayuaitg »der 
getegenhait hierinnen eein ; üb unnd mit was maTseu «je 
üeh inn verstennttnua rinliifsea, darynnoo wnygerung ibuD 
od«V, ob rie (vi« uaos), wo «i mit tugvn «ein unnd bo- 
flohechen mocbt, gant.z für Cru^litpar unud gut anaeohe voi' 
ainicher hanndiung oder, ob »ie der pottauhait, inn Hiipanniaii 
g«vertigt, erwart«n voll oder nit; Unna vemer damaoh 
wiggon tu g«<riohten begem wir KUTor vilUalltigen erüeugt^n 
evero woU- unnd guttaten umb dieaelb ewer ioTÜobtigkait, 
UDser beBonder liab unnd gut fninJ, £ruatlioli unnd mit viU«D 
SU verdienen. 

Datum aampitags nach Nieoloi anno 152ft. 

Burgenneiateir und ratt zu 
Ulm. 



la« 



244 



Enlo BünduiibiutiebuDBCii avaii|i«li*idi«r SUads. 



I 



Zm. NOrnberg; und Ulm an Augsburg: äaETorderung 

zu eiaOT gemeinsam eo Beratung behu& Stellungnahme 

an den Bündniaanträgen von Sachsen und Hessen. 

1527 Januar 16. Ulm. 

Aus Augsburg. Stadt-Arohiv ; Original. 

ChriBt. Kteti und Clement Talkmmcr zu Nurmberg. Auch 
Burgenneiiter und die 5 geheimen rät zu Ulm an Augsburg. 

Un« Eveifelt ntt, euer fiirsiubtigkeit haben und ttageu 
nooU unvergeBsner gedachtcus, was auff dem reiohitage i|H 
jungst TergangDem somer xu Speier gebalt«ii tod d«r durch- ' 
leuchtigsteo durchleuchtigeo hoiAgebomen fursteo UDser 
gnädigsten und gnedigen herm des Churfursten von S.ioh»en 
uud des laolgrafeu von Hessen etc. von wegon «iner treuut- 
lioben verstBDtDua mit der erbarn stett Strasuburg Augsburg 
Nürnberg Frank^rt und Ulm geBandten botsohaften gercdt 
gehandelt und im ondt der nbschid f^emacht. und genemeD 
■ey, welich under bemelteu aletti'n (das in Kuhunf ligar Fraa 
(urter vaatennieBs daselbit lu Frankfurt beschehen) mit 
Churf. und fUrstlicheti gnaden von einer freuntliohen t 
stantnuB reden laaien sotten soUich» ror oder iimb voiboi 
nsohten jungBtTerruokt dem bürge rmeister zu Frankfurt, 
uiiBerm 1. heim und freunde Hamen Ton Holtxlinuneii, zu- 
subreiben etc. Wiwol nun unser berm und freund baid «tat 
Nurmberg und Olm mit Temutift und tU vleiesigs oaoli- 
gedenkens bewegen, das hier innen sohvarlicb zu tbun und 
SU lasiieu sey. So haben ej doch im end auch ermessen, 
das dannoobt yetKJgen leuffeu naub (wiwol sy dess gemuets 
noch oit sein sich mit Jcbten einzulassen) nit sch[td sein 
inoohl, ungnad baider fureton zurerhuBtten, ir Bottschaö'i 
daselbst hin gen Fraukfurt (als die stat Strassburg wie ti 
geben« an une gelangt zu thun all geraid zugesobribon) ai 
Teiordneu und von den dingen doch u n besehlies sU oh, u 
Torgriffenlioh on ainioh anneraen, sonder allein auf hbdi 
sich bringen höru zureden. Wa uun euer furaicbtigUeit 



1 



Bn>ls llüiiduuhostiebuii|«B eTu^dUcher Kliadc 245 

wiUeDa und gemueU gMo Fnakftirt Mlliober geatalt su tw 
eidoen auch Bein wolt, irsr udscts achtona nit ODTerst«Ddig, 
Am «mt fur*ichtig]ttiit und wir (wia wir m «noh tod untcm 
benn und freunden beiden steUen xii tliun bereloli haben) 
«UTor mit einander undcrrcd gehalten und un* aintr gluchen 
matnuug enlsGlilüaBen hettea, damit rolgeu* desUir uinigcr, 
frucbtber und baa gehandelt werden möcht. Langt also 
hieraof und dem allem nach bd euer foniohtigkcit unter 
gar freuntliob bit und beger, tj vröLl (wo änderet unm 
horru und freund ein erbar rat der i>tat Augeburg »oUichar 
gestalt KU liandelu auah furhet) yemanl von den im EU una 
nlber gen Ulm Terfertigen , von den dingen wie gebort ver- 
traolich der notturft aaoli zu reden, zurat«oh1agen und Tolgend 
dem burgenneister lu Frankfurt, vie «ich geburt, helffen zu 
■ohreyben, «tat uns umb euer furtiohtlgkeit udrot 1. htrm 
und freunde mit willen freuntliob su rerdienc-o. Bitten de«», 
dyweil die saoheu verxug nit wol «rleiden muguu , lolinff- 
lieber antwort biemit d»r faabein xu iMlten. 
Datum affermontags OAch Heluy 1527. 




XIV. Nömberg an HoItehauseD ea Frankfurt: 

or BOU auf jeden Fall den Fürsten mitteilen, dafs sie 

und Straraburg Gesandte oaob Frankfurt sobioken werden. 

1527 Februar 13. 

Aus Nürnberger Erets -Archiv. Kopie. 

Den erbern HaTman von HoltzbnuBen. 

Lieber herr bargenneiEter, besonder gulor freund! Als 
ir uns Tenruoltter tag der veratentnuB linlb xwisohen unsern 
gnedigsten und gnedigen herreo dem ohuifiierstea ron ßBobscn 
unnd landtgrafon von HeTien, auch etiichen Htctten, derhelben 
in kunfiTtige fasten-mefa xn Franokfort u£ den gemeinen ab- 
aebied su Speyer gehandelt werden eotle, gesuhriebeo unnd 
unsern forrern bescbnyd, ob sich lejdeu wolle, den bedeu 
fureten unser besonder guten freund der von StraTsburg und 
unser bescJieen zuicbreiben allain nnxuxeigen , gebetteu, 




246 EriU Biiudni»bMtr(buuB«ii •(•»(«llsnbu Sltiiil«. 

haben wir bmiib inWU Tamumen und «diten ilkrfur, «iich 
seyen nitlerweil durch die von Augtjiarg und Clm glmuher- 
weifg sohrifFteu in euluhtm bundel zukmuen ; dam eui nun 
alio odir cit, so vül uoseri aohteng die uolturfit erfordern, 
den beden üinten in Tormoeg guaumenB abschieda dero $tott 
gttavul und Villen, die bifshere KiigeBchrieben liabeo, wi« 
wenig auch derselben sind, t'urderlioli 2U eroe^nen, wie irir 
auch. 2u besoheen unser« teils euch Qrauiitlioh bitte». Dat 
wollen wir umb euch mit willen verdienen. D&tum eto, 
13. Februarii 1537. 



XV. Börsemteister Holtshausen von Franki^t aa 
Landgr&f Philipp tod Besäen : meldet, dsl^ KTürnberg, 
StroAbarg und Ulm zur verabredeten Zeit naob Frank- 
furt schicken werden. 1527 Februar 28. 

Äup Weim. Ges.-ArohiT. Kopie. ^^^ 

Durchleuchtiger unud hoohgeborner furat, ewern fur«t< 
lioheii gnaJen aey meyn undertheuig unod willig dinet alle 
zeitt Kuvoran bereyt. geoediger her. ufF den besolilirälichea 
abschidt, der uff junget gehaltenn £eyi:hatHg ku Speyer eyner 
TersteutDua halbeun zwissen den durüliteuebügsten unnd hoch- 
geporoenn funtes ttnnd herii, Hern Johansen herzogen an 
Saohegenn Ohurfursten unnd ewom fürBÜiohenn gnaden, 
meinenn geuedigsten unnd genedigenn hero, auch etlicher 
ttfj unnd KeyohtBtett Botaehafften vertrewliob beschehenn, 
der meynuDg, daB dienelbige Gleite mich durch Ire tchrifft 
veretendtgen sollen, ob sy odder welohe auß Inen eyos rvr- 
stants edder Tertynigung hftibeu zix redende uff ioz kommendg 
Franokfurtter faaten meß Ire botgohafit hie haben wollen odder 
nit, lol^t furter beydenn ewern Chur und fuistlichen 
gnaden zu eröffnen, geben E. F. ß. lob undertboniger mey- 
nung zu erkennen, daß die Enamen furayohtigen unnd woyuib 
Meyiter Bui^nmeyster unnd Bhett« der stat StrBSbuT]^, 
Nürnberg tuind Ulm mir xugeechrybea haben, daü «y uff ob- 
fEcniolte Zeit die Iren hieher nit beydar l^wero Chor und 



Bnia Büuiluiabwtnibuogou tvingeUiahw SUaii«. 



247 



funtliohoa gnaden boUdiaffUn g&rtuler verNUstniu b&lbeo, 
daoli oit ttoder* dan UDvuigrifflich luiud uff liindar ««h 
briiiguu, vcrtrowliuli undarrcd zu ubon verordaiieu woltuu. 
Bulclia hai> E. F. G. iub iuiguuuiiinicn*im bufoJob o&ch iiit 
TQrhalton ealleuu, der Zuveuydit E. F. G. word aolaha hoch 
bemeltem meinem genediggten heni dem ChurfunUu fornor 
uuoh ant^eyt;eD loaseo. E, F. U. h«tt ick auch dl«»«» dur 
statt mejnung lengest, wohe dio mir ehe sulcommeu werau, 
uudertbeui(;lidi zu erleiiQcii goben. Datum am XXVIU t»g 

_ Februarii Aouo etc. XXVII 

^^^h K. f. g. undortbnnigor 

^^^ Uaiurioh toh UoltshauMii. 

^^ An I^andtfraf Thilipi* au HeUec. 

I sau 



ZVI. Bericht des Angsburger Oeaandten Wagner 

fiber den FrankAirter Tag. 

1527 AprU IS. 

Aua Au^aburger SUidl-Aroh. Original. 

Wirdit; hoch^eluitt henru, moixi willig underdeoig dieoit 
aaio Ewer wiideo üu aller «aytt bereytt. Hochgeiart wirdig 
bnnt. den obiubid nadi, »o mir mufDo hem tos «iomk 
erbem kluiit rutt nuff dua anpringea der durtjbtaychtigitth 
duruhlayubtigeu houhgepomea ChurfursU und furatea, paydoi 
maiDen j^nadi^stc-u gu&digD lieriD.auir jungst gehaliem ruyclii- 
tag zu ''^psyi beacibehno, bciblichoo haban mshalt ainer Id- 
atruotioii, tiab ich dem oaub, all» ich gou Ulm kumen pia, 
miob ander mainei gesohefl urstliob gar unTtrdachl di«»er 
Sachen lu muinem herrn utid fruind patthelme Hchorrei ') 
gofugtt, ucder andoinn reden puy im abgenomsD, doa er auch 
gen Frankfurt voü. ene habenul ime seine berm von Clm 
ain lefelidi, data er mit »ohmertaeD hab mieeaen tuuiemea 
und Terfoigeo als ein goborsAmer , doEohalbcn icb nun nitt 



4J B«li«rer noaut Ihn dw Strabb. <lca. «Mb VUak Ko. 498, 



24B 



KiaX» Rihi(1nlii1ioalr*hiiiig*ii ovangtlisuhcr Slttnda. 



nter swayffclett, du* er in ditser «aotiea befelich hott, Ijgss 
mich Am6 gegen im ouch hora, also dAsii er mir ^«iDtsr lioirn 
gemielt eroffuet, daaa ungefarlioh die maiauiig waas, wie icli 
von meinen herrn befelicli )i«tt, aUu dass wir in den befeUcben 
g]»fcli Btuuden. verlieBsen also ein ander piss gen Frankfurt. 
■U ich daselbn ankam , liigt ich mich aber meinem 
befeliofa nach zu meinem lierrn purgenuayiter herrn Johaim 
promer, alda Kojrgt ich an aber meinem befeliuh nach, wie 
ivh TOD meinen herrn atoem erb.iatt abgeferttigt war sa 
Augsburg der mainung, ob ninich dem absohid gehaltn rejohs- 
tagB zu Spayr tod meineit gnedigsten und gnedigen herrn 
wie oben furgenomen oder ron ireo gnaden yemant erscheinen, 
:^aigclt ich mich a]hie seiner furiiehtigkeit an eustat meiner 
herro von Augsburg, mitt und neben andern verordenten 
geEant«a der fier Htett lu erscheinen, welliohs anzeigen ge- 
dachter mein herr burgermeister v»d mir an »tatt gedachter 
meiner herrn gar freuntlich an nam. Zidgett mir da pey 
an, wie ein erbar rat zu Frankfurt irero rat&aind, mit nunca , 
herrn Haman von Holtxhausen, befelioh und daran rerordoel ' 
ob diesem anpringen ku spayr Ton den fiireteo £erer etwu 
erwittert wurde derselb paj den andern fier geaaoten der 
Bt«tt auch erscheinen, xu demselbn herrn Hamao von Holtx- 
hauMD Eollte oder meobte ich mich fiegen und paj im an- 
leigen. om were auch dar ron StraMpurg und Niern- 
perg gleich soUicher g«8talt und maynung pa; ime herrn 
purgeimeietet erschicDen wie ich, denen er gleicher maai 
beachnid auf dm von Holtzhausen gebn. Von Ulm wer 
noch niemant ankumen , wie ich selb wist ; er zeigt mir 
Mueh an, wie obgemelter von Holtzhausen die auhreiben 
vergangttr zeytt von den 4 statten Straasburg Augsburg 
Niemperg Ulm pay banden habt und auf dieselbn g«- 
than lohreiben mdnem gnedigen harni Philips X.antgTaf«B 
EU Heeeen Eugesohriebn die gemiett der atett erolTnot, also 
dajB in dieser yetz gehaltaen Frankfurter fastejimosn die 
■tett dem ireo, so susst in iren hendeln hinab ritten und nit 
al« atunder gesannt botschaften, befelich geben, ob ainioh 



BnU BllniliiiiLb«*lrtbnni;«n •i'ftnj[tlitcb«T ätiod«. 



249 



I vftjtt«r da Ton begert vurd su fakodelti »in jeder »n tUtt 
»(älter herrn mit eeiuem befelich wurd «ncheinen, dau ww« 
ungeferlich die tnoinung, go Hriii»ii von lIolUhanieD d»m 

. lantgraf von Hessen auff der «t«tt luachraybon «nxajrfrt hat. 
Als ich nu der gesimtaii von Strwabur); und NisrmberK 
wi«B«D liatt und namlioh der tob Strasburg mit naiom 
Jaoob Uayr'), ron Ki«rDp«rg Matti l'fiotxing, fugt ich 
mich erstlitih su H. HatU Pfinaing, der auch mein günstiger 
»nd bekannter herr und fiaind ist, erkundigett lum teü, waaa 

' roa]rnuDg meide ht'irn Ton Nurnperg waren, HO fill, data or 
mir aneaigt aeiner herrn Ton Numperg meinung wur also, 

I 80 die fursteu, alles mit irn tittlln wie oben, ferer dem ab' 
achid nach Torharrea und ir gesaaten alhia encheinen, wer 
ir gemielt damit an ay gesinnt wurde ain anKaigen, in wota 
geaialt und \ne ir gnaden maincn ain Ter*t«r>d zu mnchea 
wer und d^isselb also gthürt und nnbegTiffonliDh daa4olb an- 
iseigeo und furhalUo hinter sieb {iringen su begem, alm 
damit keinswegs mcbtt sich begeben noch bewilligin und 
auch nitt gar pise auf hinter sich pringen ub«ohlagen. den 
b«felioh hatt der TOn Nurnperg. der wase nun fast meiner 
herm befelich, auch dem ron Ulm glayoh, so die laoh doch 
unTergriffenlich nit gar pisi auf hinter «oh pringen sollt 
■bgetohl&gen werden, 

Kun saoh die fünf Ton atotten tax gut an, auf ain 
bequemen tag zu sameo kumen und ain fraintliuhss 
gosprech üUTor und emall die geaanlhen von furet^n an- 
körnen, wie Uaman ron Holtnhauien dem lantgnifen g»- 
•ohrieben hett. Als wir paj Haman von Eolt!:hnu««n 
auf ein gnautt tag susameu kamen, eroSiiet ain yeder dem 
nnden seiner herrn moinung, erstlich H. Jauob Mayr, ge- 
santer ron Straasburg, einer nacli den andern, wie die Ord- 
nung ist mit dem sitzen, iiber all reden *o nioh bigeben, dass 
lang und su fiU zu achreiben wer, wordn die gesanten von 



1) Naefa Virck Udgilr. Itta Orthographie iil ilbrigCDa talbst bal den 
E!K*lionrnen ung:)a>iblich wilikdrilch. Man vantl. Dar, wt* varti:hi«d«n 
dar boMuclic GetaaUt* ÜchrtuUiibacli gMcUilibflu irlrd. 



250 



Ei»M liliiidiiUli«str*bDn^ti «vttigeliMjbai BUod«. 



' d«a 4 iit«tUn StiaHtburg Augsburg Kuinperg Ulsi udb glaicben 
gemiets ubor uo, du« wir dor gesautun vod dvo fuTfeten 
gmiett, in vtbbs wejsB weg gttnlL ir fuiDemen wer vuritUint- 
iiuN idU de» Etetteu su tauubeo, da»s *elb wollton wir unKiirn 
bartu lüuder aiuh pringen doch unvergrilFejulich- &ber Frunk- 
furt suuuderl sich von dieser maiiiuTig uod zBygett an llamaa 
von HoltiZhauei-'D, das« er too aeiuen herin in Fr^nkfuit b«- 
felioh liett, sich mit dün furstsn in keinon weg &UMerluJb 
von wUsen und guedger bowilligung kay. Maj. in ainicb vur- 
etenliius aic zu Laseeti, dero halbn lt aa statt seini-r häiru 
die antwort uud nitt änderst gaben ward, deaa halbn die 
andern Ton stellen «twas entsetzen hatten. Yenneint«n ye ir 
meinuDg wer auth un statt ir berrn. betten auch desa befalich, 
äeh in niohte su lassen navli itu begeben, aliein der funten 
mainung hören auf hinder sioh an die herru alles unrer* 
gritTenlich, der halben lill met reden bescbehen, on nott die 
nach leng eu schrfliben. Alna die ursach, darumb sy pay 
dor antwortt woUtent Terharren, wass die mainung, daas paj 
einem jui versohiaer xaytt mein gnedger herr laiit^nf TOn 
Hetien dar gleichen uiuiming au mein herra gesint hott 
wie zu Speir au die fünf etett beaohebea, derlialbou «y un 
bedacht genomen. naoh gehallem bedacht hetlentt »j «lu 
potiuhuft KU sein gnaden gefertigt und laaien fiirhalt«B( 
ly lielletit kein andern herrn als die kays. M. und buio^ot- 
balb dernelbu irer knye. li.. bewilligung hetlen »y niohi 
mkoht ftinioh «erstenlnus gegen seiner fur»tIiohen guadea 
noch yeninnt furzunemen und der munung mit hocher dnnk- 
baikeil gnediglioh abgesohaiden. Solteo *y dan yt-tz üu 
andre antwurt gebn, sech in keine weg seine herrn nitl für 
gutt un. Dodi eauh uns fuc gult un damit er die herrn von 
FrauU^irt des eutsohli essen a der 4 stett berichtett, die wayll 
doch in dar sonderung oio klain mittel wer damit wir elio 
glayob mit ain stenndeo. Desa begab er sich gut willig. 

Nach dem aiipringen zaigt er uns an seiner herrn Ton 
Freukfuit gemiett wer in ntass wie verwarnet keines andern 
weg« bedacht autwerl zu geben, suudent für *y selbe sdun, 



Enta BUudDubutiebnuRcii (v&n|Bli*cb«t HlÜDd*. ggj 

M iaeobt«Biit die 4 «teil irer nuinuDg auch woU uitwurt 
RabMi. Dapey ist m boLiben utid alia gar fcaiatliob Toa 
ain ander goiiohaidn, 

Auff ttajtAK den 12 tag *bri1U* onohin d«r «dal und 
«noTMt Wittlbuiuer von ScltrtLuttnjuicli »1» geniuitaT von 
meioem gnedigon herru , herrD Philips Uutgriif su Hotneu, 
lieiB uns die 6 von stetlo auf ein guauot« stund dees kelbn 
tagt f;«ii uDier frawen prud. in das kloster erforderu. Wie 
wir aU die gehorBamen enchinoa, aber Frankfurt wn» nit 
>u gegen, als er aber fragte, ob diu von dem 5 stotten vor- 
Bamlet vereu, aaygett sich Strasupurf;, Auiiiburg, Niermlwirg, 
Ulm an, warumb aber Frankfurt uit erachiii wer una tut* 
bewixt. Also fing der ge*anta U. t. HohrautUipaoh au su 
reden disse maiDung, wie ain Hnpringen auf jungst getiftUm 
reichslag zu Spejrr an die erb»m von den fuDff gem(-lt«D 
atotten geeanten von den durolilayuhügsl durulilaycbtigon 
«to. kurrdrsteu und furHteu. »eiacr payder guudigist goediguu 
hflrrn, btächeeon, als von wegen einer versteDtnue su madieu 
desB lieiligen und wirdign gotawort und evangelium halbu, 
ob indertt ettwas dem eelbign sugHgii prablicivrt wurde, 
ti«we hilf data aeib ewig goLlioli wort zu erhalten eto. 
darauff die gesanlen ain bedacht auff hiuder sich pringen 
begert, dapey anisajrgtt was den ttettn durin gelegen wurde 
auf Frankfurt sugesobriba. Nu» wer die eiioh dahin kumen 
auf diae Frankfurter fastenniesB gestellt, so wir dann an nlatt 
unter herm alhie erdohinon, wer seiner payder gnedi|;nt 
goedigen herru begern , von w-eUiohen er geaast und abge- 
fertigt, sambt hie mit au^elegtern kredentzprieR' eu entdecken 
und eroffoen der erbam stett mainung und gemiett, mit mar 
■irlichea werten on nott allg zu melden, doch gruntlioh die 
■winung. 

Auff kucta gehalten bedacht, wie wir dann befeliob 
von Aaa herm und vorm&tl desa ein ander beriuht hetta 
und einmietig entschloiisen, sennd teh auch euer wirden hie- 
■nit ein geschrii't der natwort, so der von Slrassburg an «tutt 
dor 4 Stett geben und darauf ferer des horm von Schrauten- 



Brde UUDduiabeitrolungcii enngBlüelior Slisd«. 



baoh IUI «latt der funUu antwort und meiuuog, eft elao -wir 
die von etetUo die meiuung uod abschid von wort 2u woit 
hüben in diese Bohrift praohl und gleichmoMig ein leyll von 
dem undem abgeacliriben, ei-od ioh euer wirden nn ntktt 
meinem henn burgermeittter nndeidenigs vloisa pittetid, iiIdo 
mit diiiem nteinem limgeii und einfetldgau aneeigeo gedull üu 
haben, wann warlioh. wie ich mich pay meiu herri» h»b er- 
saygt, hat mich dieser befelich nit venig bekumett und be- 
schwert, angesehen das ich mein leben lang zu solichen saehea 
nie kamen, weder gesohiokt nooli tanglioh pin, hab doch al* 
ein gebor tum er uiidettban meiner hurrn befelioh mianen 
aDDemeu. So mir gott anlieim hilft, seyg ioh euer vrirdeu 
und meinen herm daa« und alles auih muntliob an. hab auch 
diser achiiftem aller copeyu selbs abgeachriban behalt«n. 
Wann «lg fiU muglich hatt mign sein, hnben wir dis«en handel 
in hocbcm geheim gehalten und ira wir zusatncn kumcn 
Mtn, babn wir uns gahaltn, dass wir auch argkhwon rer- 
hutt haben. Also dsHa ich verhoff der handei soll uosert 
halben noch in hocheni geheim Bein etc. 

Will mich also — befoliohen eto. 

nnderdeniger gehorsamer 

FrantK Wagnner. 

Laue deo 16'27 ad 13 Mbrillo is Frankfurt dar«h Stier> 
pauer polteo. 



XVIt. Auasobrelbon mm Beiohatag naofa IRegonebusg. 
1S26 December 21. Ehllngeo. 

AUB Frankfurter Stadt -Archiv. Orig. 

„Wir Philips — V. Baden keya, Stathalter und die ver- 
ordenten retho doe kvye. regimeote — auch wir Churfurstrn 
und die KirSIf gei«UicJien and weltlichen fursten in der keyi. 
regimonts Ordnung tu Worms auffgeriuhtet bi'stimbt und der- 
■elbon botschafflen und gewalthaber entpieten dem erRamen 
— Frankfurt uneeni günstigen gruss und willig dienst zuvor. 



E»t« BUiidiiJ*l>Mtr<buDgcii av^ngallicher SUnd«. 



253 



AiM iD keytarilohor and des reioh« Ordnung, so rorrafth — 
XU Worms des regimeut« halber auffgerichtetdurohein artigkel 
nottüTftigUlioh versehen ist, so sich beKeben, dsM in«Tck]ich 
eaohcD furfoUeo vurden, dai heilig« reich, des (rldi-n, rocht 
nnd ire lianthabuDg oder den widnrstnnd itegoo den ■nfachtern 
des ri-^iohsetj^, hoohliuh hetrt-Sond, diiii nlidann ein key^erljoher 
sUthalter samt den ngimenUretben — verktludigeti uud nicht 
d«BtmiDder solche an die 6 Ohurfursten auch di« 13 g«ist- 
lieheo und veltliohen fdrsten in berarter ordonsg b«nant 
langen lassen sollen, die dnn bey gemeltem llegimt'nt persönlich 
tTMiheinen und ferrer nach ircm besten ansehen mil StathaltoT 
und regiment zu k. U. und dtrs reiohs nutz und beuten handelu 
und beschliessen und so die «neben also treffeuUioh woreu, 
die keynen versug erleiden möchten, das der Slathalter und 
rtgiment auch die Churlursten und fursten in den Sachen 
fiirgeen und dem, so durch den merern thoile besohlosien 
wirdet, Tolg thun sollen" ete. 

Es wird dann von dem Vorrücken der Türken ersSMl 
und dafs deshalb eilende Hilfe not thue. „Oenn n*o im mit 
gewisser dapferer hilPe und gane starkem widerstand anm 
fürderlichstea und eilendsten nit begegnet, das er sein 
grausam tyrannei mit der gleichen blutTergieesen und wuettung 
gfgen andern ohHetlichea stendon und landen auoh erzefgen" 
und schüefslioh die ganze Christenheit verderben würde. 
Darum hätten Statthalter und Regiment die Clmrl'tirsten und 
Fürsten „hieher gen Esslingen verordent. Darauff dan yrir 
obgemelte Churlurslen fursten und butschafleo ersohiecun 
und haben «ampüich die sacheu nach irer grosse bewogen 
undt funden, das gegen dem geschwinden furhalien und au- 
sohlegen des Tiiruken die gezwungen noth hochlich erfor- 
dem will, ein statlich gegenwor, erstlich dnrob ein eylend 
and folgendte mit einer beharrlichen hilff, zu verordnen und, 
■ovil die eiiend hilff belangen und wie dieeelbig yeteund ftir- 
genomeo werden mag, uns eim abaohids, dsriu der selbigen 
hilf wie die >u ^poier jungst bewilligt auoh meldung bo- 
•cltioht (d«D wir auoh Eu«cbioken\ vereinigt. 



254 



Erst« Blliiiliu'gb«titretiiinK*n «riingoliaGher Sllnd*. 



Dtinn der beharrlicben itatliohen ond gerne i Den liiU 
hilber, ditreil die durch gctnein« stende des reichs ta 
genomen beratBchlsgt beeobloasen und toIds treckt werd 
mu*a , erwogen , dfta die );ross notturft rin gemeine dar 
selben etende Tenamblang errordern wolle." QemJlfN den 
Rechten in der Kegimentsordnung „ao huben wir iin* <«nii>t- 
lich und einheUigldiuk «DteclilonBen, dieH^lbig versambhiui; 
aller Stende SU Regensburg auff t^onntag Leture neehst 
kunfftig den or8t«n t&g Aprili« nniuitollen nnd zu hftlteo. 
Demselben nach und in eriifl obberiirter urdnung so erfordern 
wir euch hiemit, das ir auff ernanteii sontag Letare durch 
ewer botschaft mit ToUtgem ^ewalt du hinder sicli bringen 
daselbet eu ll>?gen»iburg erscheinat, endtlich sampt aus und 
andern stenden — in obftngeregten hocbbetchwerl iahen und 
bet ran gl ich an suchen der bcharrlioben hUff und rolgeods 
anderer notturftiger saohea halber, so durch uns jetzo alhin 
Ton Esslingen su eoUicher TeraamniluDg gesuhoben aein, hetffon 
ratschlagen handnln und beschliesAen, damit dit< oh rillen] ichen 
land und leiit leutsoher naoion von dem wütenden Tyrauu 
ima TUroken errettet behalte n und im an<^ suletat e 
gewaltig eintringen futoemen und anschleg geprochen ab- 
gewendt und also unwiderbringlich naohtheil sobad und ve 
derben des reicbs und der ohriitenheit verbat werden müg, 
Sollten nur ja und pünktlich eracheinen, „Und nachdem wir 
oft beroelte Stathalter und regiment lu fiirderung der sanhen 
L'tn gutbedunken und ungererlioh nottel solcher beharrliehen 
hilff zu weiterei berat^falsgung der gemeinen reiuh« Stend 
artigliels weiss begriffen, die üuir uns vermelten ChurfUrsten 
rdrsten und bot«ohnften ystzt and bis au künftiger Tenamlung 
r.u bedeacken zugestellt. Barauff und darmit ir tai euoh 
aolb«t oder mit den ewern derhniben mitler zeit genieltOT 
Tersamlung deftter «tätlicher zu bedenken und darüber xu rat* 
Fohlagon habt, ecbicken wir euch dieselbe hiemit auch tu. 
Qubon Bu BHslingeu" ete. 



lilf 

31 



Lua^i 



bvta Bandndlieurebungcn «TKiigellichar Rllixt«. 



256 



I XTin. Landgraf PbUlpp an Korfftrst Johann: 
iKriohtet von solnor UntorredTing mit KurfCrst Iiudwlg 
von der PfUx, miiah von Württenberg , die römische 
KönigswBhl, den Regensburger ReiohsUg und die Wer- 
bung Erabersog Ferdinands um UnterstQtanng betreffimd. 
Ifi37 April 20. Harburg. 
Aus HarbuTger Staats-ÄrohiT. Konzept. 

Wir thun «, 1. frcurtÜch xa wissen, das wir TOTBohionen 
Uontng« bcy uDserra relter dem PfnlKgrafcn gewoflt und UD9ern 
Tetter Herzog Clriohen mit unn gehapt, haben wir s. 1. jegen 
berurten von Wirtenberg aller frouniliohen wolmeynung rer- 
mergtt. Dnd aU wir uns mit s. 1. in gohoim, beueben anderm, 
des N«win romischen koniga, des reichstags und der aDtwort 
halben, to konigl. wirde of den gerwo^ben reutterdienst 2u 
gobpn »ein soll, freunllich untberredt, hat uns s. 1. entlieh den 
newen konig belangend zw antwort geben, das irir in rechter 
Wahrheit gleuben, auch e. I. BOliths fcunliüli ausuhreyben 
mögen, das biM annoch dosehalben nn t. 1. nichU gelangt eey. 
Wal hab aber s. 1. verstanden, da« mit Meintz und Ttior 
darurob gehandelt worden und villeicht eie dasselb alsto gerne 
sehen. Aber W^erliuhe Maj. aal in dem kein gefallen und 
ioen nit zum konig haben wollen. Solohs unser Vetter 
der Pfabigraf reo s. I. bruder Herzog Fried eiichen ver- 
nömen. 

Demnach wir bey s. 1. in &euntlicher vermeynung un- 
gehalten, so tia B. 1. eoUob furhaben auch gelangen wurde, 
das sie dan ein solohs nit willigen weil in bedeuckung des, 
was seiner 1. und un« nUen daran gelegen, nod zu besorgen 
were, das wir ein erbkaiser haben wurden und unterm jugoh 
leben mujglen mit dergleiobcn mher ermanungen etc. AIro das 
■wir uns versehen, s. 1, werde sich indem wol zuhalten wissen 
und wir glauben auch, so desshalb an e. 1. etwas gelangeo, er 
wurde es e. I. nit verhalten. 

Des retchstags halben ist s. 1. gutmainuog, da« wir 
UBMTo retho schicken, ioen bevelh thuen, in kein waithn 



2fi6 



E»Ift DUndniibMtTBbungoD cvingelUcber StKod«. 



hJliF I«obt1iob (?) tuwilligoo, dao uff itzt leiKtgebaltnem titge 
KU EsslingeD ein ansohlagk, der etwas beaohwerlich anzuaelien 
foTf^egeboD woiden ist. Ob aber eolich oder andere treglicb 
bilff ye bcatehen soll und bewilligt worden musst, diis dan 
ufgeaeheo werde, das keio leuthe zu solober iinlage u&omung 
geordeut werden, die gEtiensuchtig und villeicbt lolioh galt xu 
d^B kaiiera oder des kooiga z\x Beheim hundeo weodeu. U»m:\ 
das auch die Torige oder heroitchmala aufgesatEte turkftnfaiU 
njei^enta hyn dan jegen Turcken und Dicht je^n üugara, 
gewendet und in vleia angebalten, dt« die botsuhaft in Qitpn* 
nieu BoobtnaU gesohiokt werde. Dasaelb wollen e. 1. alsio 
irem rath befelben, in gl«ichiius Pfalz und wir auoli thui 
wollen. 

Der antwurt halben, »o konigl. wiida zugeben sein 
soll uff den geworben reutler dieuat, asehot a. 1. für gut an, 
äat mau es hoj dem erpieteo, iu der instruotion verleipt, so 
unaere abgefertigte reibe fut den von Wirtenberg aubiing<-u 
Kollen, dismah pleiben laase, dan ea antwort genug were, 
wilcba una auch also wolgefell, bis« man konigl. wirde gotnut 
und widdernntwort hett. — 

Siinnabend nauh Falnaarum 1527. 

Marburg. 



XIX, Iniitruktion Philippe v. Heasert tut den 

Regensburger Bafobetag. 

AprU 1527. 

Aua Marburger Staato-Arcb. Absclirift, 

VeriseiuhnuK was unser rath und lieber getreuer Ott 

Uuudt uf it2 Hohirat angehendem Boichatag in tandarm befelub 

haben aol. 

Eratüoh. So etwas jegen das wort gottea furgeuomen 
weit worden, das er lian mit dea Churfuraten TOn Sachaaa 
Ralhe, den stedten und andern, so deui BTangeÜo gueigt seJD, 
darein nit willige und darjegen proteitir. Audi iu küneu 
abiohirdt willigung tbue. 




Brtto BQDdnUbettrabungGD «TMiKvIliKb«! Stiada. 



257 



IL da* die Eylende hilf, in gleiehnus di« beharrond« 
hill, beaeben Ctiurrursten, furtteo und der Stodt« BoUchaft 
ait gewilliget. Es sej- dnn sach, dm« die jegen deii Turoknu 
gepraucht werde, und nit leutlie dartxu geordent, die gnie*- 
(uohtig und sololii in andre hende wendlen. 

It. das angeregt werde, warumb die boUcliaft in Hi«pnnien 
veDdiggemachtuudnit geschickt worden sej. ]>aniC oodimal« 
anzabalten und dieselb goordenthe Botsohaft gcschiokt und die 
«erbung, laut der iostrolction xu Speier abgeredt, an kaf, 
lt. gelange. Al«o das dieaelb inttruction nit rerendert werd«. 

It. das er hierin hart nnlialto and tonst fn nichta 
^^FiUigen soll. 

^^^ It. BDzaregen , nachdem die UalBtat diet«3 rMohstnge« 
r den fiirsteu entlegen sey, daa ein ander reiehatag an gelegen 
^H<Nrt ausgesi^hriebän werde. 

^y It. Ob Tom Regiment und Chammergericht gehand^t 
wurde, mage in die Al beile gvwiUiget, doch das gute persen 
doran geordent werden. Das man auch uf lendlicLe under- 
haltung ratschlsge und sonderlioli uf die fursohlege, )^e jungtt' 
TOm Begimect eu Esslingen geratschlngt sein worden. 

llf dieste TorerEelte stuoke magen hernach benbote CUur- 
tuni. turstea gesohiekto Botschaft in underredde gepraueht 
werden 

des Churfursten von Sachsen 

des pfulKgiaffen 

Hent. Ludwigen von Feldentz 

Uarggraf Philipsen von Baden 

Uargraf Erosten TOn Baden 

Orav« Bernharts von Bolmbs 

Oravo Georgen von Wertheim 

Doctor Otten von pack 

Ohristoff Kressen von Nürnberg 

Jkoob Stürmen vön Straüsburgk 

It. Bas er mit des ChuriViieten von Sachsen rath bo; 
deo vier stedten TTlm Augsburg Ifuruborgk ^trassburg bot- 
aohaftoa umb antwott tif dass gegeben verzeiuhnus anrege. 

XIV. " ' 17 



2Ö8 



Enk BUDdnisbDBlr«buiJU«)> evtinic«liitclier Slttiiit«. 



ZX. BTßmberg aa Frankinrt -. Auilbrdening, 
den R^ensbiirger Beichslag wegen der zu er\rnTtönden, 
für die Städte besonders wichtigen, Beratungen zu be- 
schicken, entsprechend auch andere Städte dasu 
KQ veranlassen. 1537 HSrs 6. 
Ana Augaburger Stadt-ArohiT. 

— E. W. sey OD unsera unzwefffenlliolieii achtens duroli 
das gemein «usschreiben, so des kuoftigeo reichätagfl halben, 
der zu Begensburg gehalteo woi'doa eoU, — bericht, doseolben 
orts under andenn, und wie wir ea bedenckon fiir den vor- 
dersten und furnemLiohstcn urticul, beratBulitngf, werden soll, 
ain beharrliche hilf widor den Toroki-n fiirKunemen. Nu 
ist ee nit pös ja gautz zeit und nett, zuvor, weyl uns dieses 
feur alle tag ye ueher und beschwerlicher werde» will, diai.n 
wichtigen treffe iili eben fal statliob uod 'lergeatalt eu berutf- 
flchingen, damit nit alle chriatliiihe stend mit der zeit undter 
Oan tirnnniäch jooh de» Turoken beaüügt werden, üii borat- 
eohlageu. Oiweii eich aber die aottcl eellioher bekarrlicben 
bilff, wie wir aus der gedruckten und von dem keysurliohcn 
rogiment bogriifen und ubersoiucJcteii nottel Kum Uil ver- 
merken, den maisten tail aS äiv hantirenden und andere atett 
und derselben btirgcrsoboft, auch etlictie newe bi^sobworliclie 
■soll, so im reich ufTgeriubtet werden solten, ;(iclieii, wurdet 
nach unserm bedencken hoch von netten sein, das die erburn 
Btett hierin mit grostem vleii weither Bich zu^Bmen Lhun, 
diseu fall, als der ey sitxn höchsten imd miiiaten belangen 
taag, wol bewegen und auf gesobickle weg und grond ge- 
denoken, wa dergleichen mittel für band genomeu und in das 
wark SU bringen undorstandeu wurden, wie lUe fugkÜdi und 
•ohioklifih rougen geht-mt und verhindert werden. Dud wer { 
unsers achtem nit onuet. dcrobalben vor schierst kumenden 
reiohstag einen gemtiineu alettag uller erbarn froyen uod 
reiehaatet nach seiner Ordnung auaiusuhretben. Weil aber 
^ie xrät desaelbon mcbstags gans kurz, auch noch ungowiss 



EraU BUadnltbe»trsbung«D erftogeliicfior SUnds. 



259 



Ut, wann und auf welche leit solohf^r rdchstng sein anfnng 
haben wird, «o will sich mit keinem fug leiden vdtr »uhiokcn, 
dasselbig auasohreiben zu thun. UfF da« afior dir groiiinon 
ocbaru frey und reiobaalot, — sonnder und uuvriderbriugliuber 
Mihad soTil muglicb verhuett und hicrinnen imhalb cichzil 
rersaumbt werde, so i^t an K. vrirdon ung»r fVeuutlich bit, 
die wollen dun stetten, den von e, lieb vermag der Ordnung 
die stettag ausschreiben gopurt, mit dum furdorliehEten sohreiben 
und Sj ernstlich erraanon und bitten, du» fljr Ire botscliaflen 
KD disem reicbitag gewisslich schicki-'D, in aolicbem «ich gar 
nich^it verbinderu lassen, «uoh die achickung irer botacbaft 
nit lang vermehen. sondern Kiim Anfang des reiohstngs. sobald 
der angeen winl, fertigen und in dem allem der erbare i-tott 
und ir aigen er, nutz und wolfart bedunoken wollen, wie nuoh 
ain jede ku thun scliuldij; ist. Dub wurdet gemaiueii erbani 
frey und reiohastetteo in tü wt-g zu hohem Tortoil und 
gutem erscfaiessen, auch, wie wir das bewegen, iiem &omen 
fiirdem und nachteil verbuelen. — Wir haben das untern 
beeonderu — von Ulm auch verkündigt mit bit, das — 
StrasBburg auch zu wissen so machen, wie sy auch zu thun 
gewillt sein und neben uns f^i gnntz notturftig bewegen, -~ 
fiurgenn. und rat su Nürnberg. 

Uit dieser petioion 

Unser freiintliäli bit, e. 1. wolle ungeachtet ander irer 
obgelegen besehwerJeo zu disem reiohstag ir botschaft ge- 
wisslich sohicken und dis od langen verKug und uemlioh, so 
b«ld angeKoigler reiohstag sein furgaug haben wurt, gen Begens- 
burg vertigeo, auch in sollichem aller erbarn frey und reichs- 
»tet gemainen und euer selb aigen er, nutz und wolfart be* 
deneken. Das wurdet den erbum Stetten in vil weg zu 
hohem vorteil und gutem ersobiesBea, irem fromeu fiirdern 
und im nacbteil verziehen. — 



U 



•:* 



S60 



Ente Bündnislxiiitrabungnn avanKnlincber fttXnil«, 



XXL HerEog Heinrich von Brsuiuchweig an ErE- 
herzog Ferdinaad : bariohtet vaa aeiiier Abaicht, bei Fer- 
dinanda KrÖnnug in Böhmea sugegea eq sein; Philipp 
TOQ Hessen veihandele mit audero Fürsten usd ihm 
betrefft einer Gesandtschaft an Ferdinand su Guosteu 
Herzog Ulrichs von Württemberg. 1527 Januar. 
Aus Marburger Staats-Arohiv, Abschiift. 

„Ew. königliche Maj. antvort nf unser nechatas getlian 
Rolireiben, zum ersten die Lauterisohes irsaln und loere, tata 
andern unsern aohwager Hprzog Ülriulion von Wurtenborg 
und underes betreffend, haben wir auff den funl'ton tng 
Januarii entpfangen und inhall« verlesen und vermerken darauü 
uit andere, dan da» Ev. konigl. Maj. unser glitte und getrewe 
WoUraejDUQg in den saohen allenthalben tu gnaden und guttem 
von um annemen, des vir — dank sagon und vollen in dorn 
auch, vio dao konigl. llaj. befem und sich vcrsohon thut, 
freundlich beharren und una ilaTinnen 11)90 halti'u und er* 
xoigon, dae kaia. Maj. und demiiauh konigl. wirden an un* 
nit änderst dan einen getreuen dieuer sparen, ku dorn daM 
unti als einen gehorsamen funten eigntu und gc-purun will 
und sntl doran widdi^r freundUchaft noch keiuerley ander 
ursüch, ob gott wil!, nimmermehr hindernua sein. — abur 
konigl. wirden die saohen durdi schrift ku oro^on, will eich 
dieaer Beit nit leiden. Üarumb bo sein wir willig und ge- 
neigt, alleweil wir venuerkcn, dtu konigl. wirdon in kurzem 
in ir konigreich Soheim au enliifabuug irer oron piioh zu 
begeben bedacht «ein, um daselbst zu euer konigl. winlo ver- 
fugen. Dan wir su konigl. wirde lieber in fieliemen, dan in 
DeutMihluidt misen wollen, ßan wir umb kays. Muj, und 
eOMC konigl. wirde willen von etlichen unscrs leibes und lebena 
in faro stehen mussea, wie konigl. wirdoD hiorneohst TOn uns 
woU vememen sollen." 

Terdinand möge ihm deshalb seine Krönung genau« 
anzeigea. — 



Ertt» BOnduioliMlrdjiinKaii eTingettieliei SUtid«. 



261 



„Aber vor eins thun wir euer konigl. irint«D zu wiHco, 
dn> wir angelsD^t soin worden, dan wir »nmpt i'hilipp 
Ton Heasea und etlioh Dndem CtiurfiireUin und für« ton 
duich ansei Jedes reüie eine we»M)ntliube poUoliftft en 
eure konigl. wirde dea gediiohten hwczog Ulrichen von 
Wirton bürg halber ausfertigen BoUen. Wir haben aber 
du gewegert und abgesohlagen, dieweil wir Kber Mhten, 
da« niclit« deaterweniger von den andum aolohe poUohaft 
YOttgnag gewinne und dieselbe potachatl nit eine KOhleehte 
vorbete uuif sich halt, als e. konigL wirde hieoeat von uns ob 
gott will woll Tevnemen aoUen, was geschwinde hendel iu der 
und andiTn Sachen practioirt werden. So haben wir als dar 
kap. und e. konigl. M^sj. sacbeD itum besten und was denen 
nachteilig vorhut nit unangeseigt wollen Uskvr, der — xu- 
versicht, e. konigl. Maj werde eich solche anauuhen mit gepur- 
licher antwort, biss das e. konigl. wirdeu der sacken ferner 
bericht eutpfahen, zu halten wisaea. — 

Nachschrift. Iu dem als wir diese unsere scltriCt 
gefertigt gohapt, sein uns schriffton nukumen, ilarauss wir 
Termeiken, das die poiechaft unseri sohwagers herzogs Ul* 
riehen halbeu abgesuhlagen uud auf dismol kein Atrgang habea 
wirdt, wie e, konigl. wirden de« hieoest von uns auch feniera 
borioht entpfaheu aol." — 



XXII. ITÜmberg OD Ulm: berichtet, welche Stellung 
M den Franknirter B&iidiilasatx&geD der beiden Fürsten 
von Sachsen luid Besäen gegenüber auf dem Begeoa« 
bnrgor Beiohstag einzunehmen gedenkt. 
1537 Mai 10. 
Aus Nürnberger Kreia -Arahiv. Kopie. 
Besonndern lieben und gute« freunde! 
Kur furiichtigkeit zwei jüngste »ohreiben au unns ge- 
sandt, der Teutnuhen berm rordrung gegen euer wuerden 
und dano die vomteenden unser gnttdigaten und gnädigen 
horm von Sachsen und HeTsen auch etlicher itett Terstenut- 



262 



Erale Bliiidnlibcstreljnng«!) «viiigdiacihar StlnJ«. 



Dtt* in» des erangeliuins aaohen beluingMiilt, heben wir »«ins 
innhKlU Ternomen. — 

So ril aber di« T6rst«nntuuE der aagezugten beder 
forsten und etlicher at«t b«langl, haben vir unntena rtto- 
fiKundt, so wir aiiff disrn j-etsigen reichstag gein Begom- 
purg verordent, bereloh getlinii, «ich mit eur wirdeii gosuunteu 
dieer saohen halbeu vertrewlieti bu unterredi-u, aaoh euer 
furdchligkeit unod der acdeTn etel, di»er aachen Terwanndt, 
^noet« hierinnsD zu venienien nnnd für sich selbst on 
vernem unnsen bevelch nit eu beichlieEseo. Dann wir 
wollen eur fursiclitigkeit inn «onnderm hoben Terlrauen, 
des wir unns vor uandero au eur wirdeo uit wenig Tertrobten, 
guter maynuDg tiDtzaigen, das unns die bcde voge, nemlicb : 
UDOS mit di^en fureleo imi timdUicl) verst«antnii«, sonderlich 
aber innhilffliohe ainigung gcmers der übergeben veriiiiohnuM 
BU Frauokfurt otnzularaen odi-r dle»otbou saoheo gaimlz Tod 
unns EU Bclilahen , aufa allerley lagiffiTU Ursachen für b«- 
Bohwerlich ansehen wollen, unnd sehe uns f&r gut au, das 
mir funiohtigkeit und imser potsoliaffti-D die aaehen di*0T Ecjt 
dahin« leiten, auch die andern stetlpots chatten Ku selohi 
iovjl mogUoh, bewegten, das diser handel weder bewilli, 
odet eiintlich tod sieh gelaint, suniler inn einem anhanD] 
behalten wurdt, denn, sieh mit di^en tursten inn dos eran- 
gc-ltums Sachen oder unnter dem schein dL-iselben siah mit den 
fuTsteu KU rerpioden, will sii:b auCs alleiley bowegnuTseu, wie 
di« eur furaichtigkeit bey sich 2u bedennckeii haben, ba- 
sohwerlioh erleiden unnd luril naohtaylig unnd weitleufftig 
anscheu, herwideriimb gannts von eich zu schlagen, will auch 
nit geringen msngel haben. Das weiten wir euer fursiohtig- 
keil> der wir inn all weg zu aUer freuotsohofft und diennst- 
lioheD willen genaigt sein , nit bergen. Dutuiu freltag, 
10. Haj l&aT. 



icyt 



Ente BRndiiltbcklretiungeii «rangn1!«cher SUnda. 



363 



XXtn. Inetmktion der Hersage Otthelnriob und Philipp 

van Bayern für den Begensburger Reichstag. 

1B27 April U. Neuborg. 

Aus UuDolio. Geh. Staatn-Arch. Original. 

Herzag Oltbeiniioht und HerUog Fhilippsens in Uairn 
eio. gutbeduuukeu «uTItümiBo)! kitiiior1iali(in Majmt.i t SUthnllterg 
und Iier M^jesttit kuinerliuheti virunlriulL-u Beiol» RuKiiBont« 
U«ten auch der Curfurst«D und der TU giüittlivhen uud 
wclIlichcD Tursteo in der Itaiserlichen Hogimeataordiiuug zu 
Wormlis aulgeriobt be^Umbt uod dorgelben batodiaflän und 
gewultlinber ab^uliid zu EflÜiigeu am XXI tag des Decom- 
bria anno eto. XXVI aufgangen. 

li^retens, uDBers heiligen Cliristentieheu glaubenn Erbfeind, 
den TurkbeD belaugiude dieweil laider offeuHuli vor nugcn 
iat, d«s dorsolbig Turckh in burUTergaugen Jarea uuder 
andorm vil Christen Hübe mocliti^s kunigreioh flireteutunib 
I.annd uud Luut nach merkltohcm bluetvergiessen iu und 
uiider soineo gewalt benötigt und darinit «ein macht der- 
masgen crveyterl uiid erpriiit bot, das sicli widor und gegen 
Im niolita aiid.iB nuTerhofTen und eu ToraeheD ist, dann 
daa Kr unaufhörtioli wider die Christeuhait weiter stellen 
und strebten werde etu. So will ya lennger ye mer die notht 
UiicIüioU erfordera, aicli nit allaiu ku rettung and gegenwere 
defenÜTe, Boudoi auch >u wider eroberimg dea verlurneu und 
weilerer Verfolgung, da« ist offeneiTe gefatst und geBubiokht 
semachen. 

Und oachdem aber diße eaoh nit ain Kation alluin, 
■onder alle und yde C'hrislenliche kauigieiih Furstoutbumur 
poteutaten und, also xu reden, aiu yde perflou, Sy sc-y wu* 
gezuDg« 8y welle, die Cbriatum bekennt, in eondcrhait be- 
trifft. 

80 will («oll anderft der Ohriett'nhait halben was fniRht- 
tiitu oder orspriettlioha aufgoitcht werden] vor allen dingen 
von notan toiu , iieiiilieh| daa in un<l under der gontzen 



Kntc BIliiduialiuitrtlnagMi »ruiplbcfaar Stinda. 



ChriBtenliait, eavil Sj B«lbs gugereinand^r teluingt, all 1d* 
wendig krieg uaft-id und aufrur gar ab oder sum wenijciiten 
Viä dises voiliabeiid werok Tolbracbt wilde oder docli aia 
auzal Jare angestellt werden. 

Zum imdern. Da» idd den Imingen, k vi trächtig kalten 
uDd miH'breueliec, uuserii kaitigea ChriBtenlicben glauben 
und deaielben Keligioa berümd, sum furderlicliiiteii ain 
frdye gomains oder aufs mynst aiii National Conuitiuro fur- 
gsDomeu, dar inu traotirt und bealosseo wi^idc, wee uuä wie 
eich furoluD ain yicr hallten soll, dadurch irurden die un- 
ainigkaiten in der Chrirt«iihut, bo »ich dei-halbcn biaher 
l^lioh Euegetragen haben, abgi:3Dhnit>eu und ein ydor dos 
wiUene und genaigter, vrider den Turckhon eu ziehen oder 
aeiu contribuirung ^letun. 

Zum dritten der eylenden und beharrliohen hilf halbeu. 
Naolidem, wie vor auch angeregt iat, soUt helffen und 
obligend nöten nit nllain die Teutsch Nation, sonder auch 
die gans Christenhait miteinander betrifft und yo in der 
b^utnoheu Nation ainigem Termogen, und nonderlidi, eo aich 
dueelbig, wie dann su beaorgen, in die hart sieben tolt, 
nit ist, dea Turckhen gewalt einichen onsehlicboo vider- 
atand xn tun. Und aber ain yde Chrit^tealiche oberkoit und 
penon, »onderltoh in diiem nottfiil, der andern nach aUein 
Termogen billioh mit hilf erscheinen soll, so eicht iina für 
notdürftig und gut an, doiS der halben all CtLrivtvuliohe 
beubter aufs buchst ersucht und ermant werden, Ir iWe 
und hilf noch Irem hoehsten vermögen auch getrulicli du- 
sas trecken. 

Zum riordton. BotU die Terzaiclmet anlagen belangt, 
Ermessen wir bey un», diu gleichwol dieselbigen nicrcrtaila 
uil eonder au hoch baschwerlioh sein mochten. Aber 
wie dem und wo die obenenselt punoten unerledigt bliben, 
so tragen wir dise eudtliche fflrsorg das wenig durau* 
gobra^it, darron nuts geschafft werden mog. Darmit 
aber bay oae nit eraoht werd, doi wir einiger hilf, sy 



EraU BünduiabBslrcbuu itni ennEcliicher RUiiita. 



365 



berur uimw Leib Land laut od«T guter, ecluiuh tTag«n, 
HO sind wir orbutig, unn andvm nDRcrm Tormof-en nach 
gemüÜ zuhallteti, doch iler geBtuIt, dbi eolh ktilitggpllt, klllVil 
deestlben in aitis ydeti kutiigreiob Fuist«nturiib Lanrid und 
oberkeit gefallun müoht, nit lo Riider beund gewandt words, 
Boader deu^elbi'u Herrachaftou (so solbs gefells aigeotlichs 
wisse» empfaDgen wurd) Ir aoEal zu Boß und fuß. auch 
gQEohuts, soTÜ des allen dttrvoR nnderhaUten verdcn karr, 
auferlegt werde. Was aae allfo in soUieta uacli gelegonlinit 
iineer« odur der 17uEi>rü ronnoguu gUBymel, durinn wolltua 
wir uns uit underst, dann ainem Chris tun liulieu geliorsaiaea 
fursten wol geburl, erzMgeu bewöiaen und hallten. 

Zum fuufteu. das auch von uoton aoin will , allerley 
extraordioarj aufgab, die obersten auch artnlaroy profant und 
ander gemniii noldurften betreJFnl, es habcm. So uohton wir, 
wana aigtiiUiche bericlit empl'iuigen werd, wie höh diier 
vorberuit auflag der ChrUtenlichen hilflauffe, da» die under- 
halltung Bolhcr perBonon und natdurl't von d«r gunt^en Summa 
genomeu und furler aiticr ydon herrncbaft dasselbig aa ettuer 
gel^ur abgezogen werden soll. 

Und das wir mit den hoobgebornen fhnten unvem 
fruQÜichen lieben Ilerren und vetern Pfaltzgraf Ludwigen 
(}urAiT8teo und llertiog Friedeiichen gobrudern, del'gleioben 
Hertzog Wilhelmen und Mertzog Ludwigen, auch gebruderu, 
all TOS Batem, mit retterschaft und sondern aynungen zue- 
gethan und Terwant «ind, ro weiten wir dises unser gut- 
beduDcken nit änderst dann auf Ir Uebden oder derselben 
Terordeot«u Rete vorbeseem angentugt haben. Dergleichen 
ftoril all ander ptmclen. dorvoa hir inn kain aondere mell- 
dung geachioht, antrifft, wellen wir Ir licbden oder derselben 
B«te darren huron reden, verrer darauf unser gemut uuuh 
EU arkonni-n geben und uns mit Inen yderzeit vergleichen. 
Und nachdem wir diUmaU oit nignor person erscheinen 
künden, ho haben wir mitler Zeit an unter stat in disen 
■aohen untiern llate Conradten tob Rechpcrg mit diser In- 



S66 



Bnb naaMimtr^hat^m 



•tmctlon nod dun mmdtlichoB berelh falaait ab^efartifft, 
tti»d zu uikiiDt Hn»cr Bi'creto ItinnigetAa. Aotnm Nowbtirg 
pfisstaf; Dach Judic« Anoo etc. XXVII. 



XXIV. Dl« xa Begeruborg Tanunmelten BeichestAnde 
ftn CarX V : übersenden den Beichstags abschied, mit der 
Bitte, geeignete Kafsrc-güln ram Heile Deatachlands »u 
ergreifen, einen Belcbstag aussu schreiben, top Allem 
aber den Frieden in der Otiriatenheit herbeixolühren. 
1527 Kai 18. 
Aal Hönchn. Beiehs-Aich. 
Slallulter ampl Ter Walter and regiaei>Uriitc aacli der 
Cbnrfursten furateo und andrer reich*at«nde verordiiete pot- 
wbaftni, vo yelat au Begeoiburf Tersamlet, kd Carl V. 

— Es haben nechermaU E. kiiis. K. SUthalter und regl* 
DonUräte aampt den Chnrfortten ond 13 geistUchro und 
wclUichcn fureten — aia ir schreiben under dem datum d. 
19 Decbr. 1S-26 ku EMlingeii gefertigt, dnin uatenhcoigUoli 
ang;«ieigt, au» was hoehbewogliohen Ursachen — damals ge- 
dachte Btatb. und re^ment — die obbenirten li Chorfüretea 

— ervordort — begegnet werden möchl, erwogen und xwc-d 
weg, den ervten eiaer eilenden hilf, den anilera der beharr- 
licheo hilf für band genomen und entlieh l>fschlo(t«D, daa 
einem solchen meohligen gowalt de« tUrcken on ain dapfern 
an&tsbnlichen gewlisen uud beharrliobeo widerstand nit wol 
begegnet werden mSge. I>arsur dan in bed«D<.ken die grosse 
und ferliohktit diser sacfaeii, so eioen yeden ftand im relob 
bodiliuh belangt, nnii dos io der bemelten Staümlters regimenti 
nnd derselben Ohur- und fürsten uud irer (lotMihafWn gwalt 
and Termogeo »it gestanden, uUo das oa aine gemeimi der 
reiuhs Slendo reriumluug det angeregten behurrliohen Wider- 
stands halber ichts eracbiesalicbs oder fruchtbar« gerat- 
iohlagt — hat werden negen und demnach — ain gemein 
der niiohsstende vdraaiolung den er»t'-n tag April — fur- 
genODKit und auBgeschriboii, von iolioher rtaltliolion and be< 



• 



Erst! BÜiiilnisbAstrebuiiBiin «v>DKfIi>ab<t Sttoda. 



267 



liarrlicbeii hilf gegen den TtirckoD wdttor ru raUchlageo, zu 
handeln und zu beachliesen. 

Dumebeu auch in eoUichum suhrvtbAn btimnlt, diweü 
E. k. U., dorn rämiechen reich und ganzer Chriilonhuii nn 
aolliDhao eachan hoohliob und vil gelegen und E. kaj-. U. 
gogonwurtigkcit bsj* »olljcher TerBamlung un hochi^ aDiehen, 
auch gross furderlich und nuUpar «niti wuri^o ~ haben «y 
demnach — neben anderm gebeten, du« B. k. M. nicht dast- 
minder sich teuteoher uaoiou zu Trust und hilf zuni furder- 
lichstäD heraus äagen — . Auf eollichs allergnüdlgster herr, 
d»mit El, k. M. eigentlich TerDeni»n mug>% wie wir B. k. M. 
Btathntteia amptverwnlter und regiment» reto, ftuch wir andere 
potauhnl'ten obbömeltem auaschreibeii nach hie xu üegi^ngburg 
nokumen, was buqIi die ura.tohen und Torbiiidcrung gewoBen, 
dadurch in ditor Tersamlung auf die hauptarltoisl, darumb 
disor tu^ Auagceoliriben, »ifttlitihs uiehte furgeuomeu nooh 
gehandelt woiden mögen, so schicken E. k. M. wir Memit 
undurtboD. mnynung nin schritt oder verfas^un^ »ins ab- 
echtods nuderthoniglicb bilten, K. U. geruhe dieselben gao' 
diglidi KU hören und zu Tfirnemen. Und haben also wir 
die pot»ohaften die^e sach hier lenger aufzuhalten uit gewußt, 
sondern aus den ofTenbaTeu Ursachen — für uDvem) eidlich, 
nutz und gut angesehen, dai diee handlung, wi« «ie gasteH 
was, — F.. kayg. M. — al«o der notturft nach zum furd«i- 
liobsten angoEoigt werd — 

Und diwi-il auch aus den UTKaohen — auf disem ange- 
Eotzten TersamluDgälag von «ieu hauplaiticuln, daruiub dersi'lba 
auBgesi^hHben, nichts fruehtpaM oder entlicbs gehandelt noch 
beschloBsen hat werden rooseo , bo ist — bit, E. k. M. ge- 
ruohe die »aoh wie die an ir eelbs goachafFteu zu koy. goiiiut 
und hortzen fiereu, teutech oacion in gnedigem bevelch schütz 
und schirm babon halten und versehen, den oberzelten und 
etn hohen und besohw er! lohen obligen und notturften 
ehmnls haüsaroB und gnedigs einsahen thon, damit der 
Echwar sorgliuh last des tirannisohen turcken der notturft 
•bgerwendet, teutsche naoion und die glieder derselben in 



KnM Bl 



fdedUeh aimc wmob fMtaiH wardra BOfo. Dw vaDwi wai 
werden ose iweiff«! alle ttead — mnpt mu ia iiiiIiiITiibI^i 
g«Iionuii &U«cg«fliMiMt sein suTeidJ«Den. 

Wir hkbeo «Mh derbaibca — bsdaeht, ds. di««a 
bsixlel r.idita outMn oder ertpriMatidien mib BOft^ iam 
ät» K. fc. U. zam ^mlcrlioluMa «iam rnchitag sa im X. 
(«legenbeit ta bequem« g«legn« nwlttot nnil 2«it fiinun« 
und ■aa»ctiieib«a Umm. — 

MMhdem uieb — romali eniie««i worden, dtw«tl 
di«M« wnlu mtd h^Ddeli oit &Uem UsUcbe lueion babuigt, 
weh ia denalbao T«nDägeB nit stM, dem ailmn «taUich sn 
bttgegDOOi «ODdeT Buch bsi kllen orisUi«h«D kunifwn und 
pirtent&tMi die nethjedruigt hilf wider den Türken »a xaohen 
booli oetUuftig geselltet wirdet, to luben wir nit aoUen 
nnderlMMa , E. Ic M. hiemit m dem nnderllieaigeteB 
viedetomb n erronera und so bitten, du E. k. IL gem^ten 
öeb goedigs fleii lu be*rbeil«a, damit ein gemein fride der 
flnütenbeit Mvil muj^Iich odet doch lum wonigsten «ia 
■■■lead der jrtxt •ehwebcndcn irrusgen und tmeinigWt dor 
lioehee elirittenliohen benpter und itend, euch sentt in 
teuUolier neeion eriengt werden mSohte, welehet gemniiflr 
frid anxweilel dem notfagedFUgtee weruk und widanlasd 
gegen den IWckra am hoahsten furtxegUch and nuts aein 
wurde. — 

DatoiD Begenibuig em XTIU tag Haj 1527. 



XXV. EarJ V. an die 18 KnrfilreteD nud Fürsten : 

Antwort auf Ihr Scbrelben Tom IB. Deaember 1526 aus 

XaaltDgen. 1527 Hai 30. TelladoUd. 

Aus HÜBehnrr Geh, iStAüts -Acthiv. AliachrifL 

Hab« ihr Sebraibeo aus Erilingen rom 19. December 
orbalteo, und wii« lie der rilenden Hilf der Türken wegen 
and dal R'-idutag« nach Ri-{(en»burg lialb beachloiaeD, „allea 
«II gut« wo)gefalli-n uoipfangen, au weloliem ausge*«hribneu 
reiohib&g gen Begeaabtirg wir den auch unsere coraRiissaritn 



EnM BUndiiub«ttroban{(«n eTKag;«M>ober Slllad*. 



969 



mit notturftigcm g«walt und beTeleh an utuer stat dam 
allem nacli mitzuhelfen zum beste» furzunemcn zubetTBebt«n 
mihandeln und zubeschlio^gea verordeut, wie wir euob. 
staUialter und ragiment wil' ein anders euer schreiben, und 
des und anderslialb tiie zuvor gethsD, under anderen auch ün- 
gescliriebeD". — 

Was üuon fernem Bat betreffe, dafs ohne Hilfe dar 
andern Lander und Königreiolie dem Türken Widerstand £u 
leisten nitiht möglich und dass Karl deshalb die andern Po- 
tentaten zum Beistand bevcgoQ solle, io habe er nach der 
Naohrioht des Sieges der Türken zu Yulledolit eine Yer- 
sainmlung seiner spanist-hon Königrejuho Terunataltet — „und 
so wollen wir bey andtm potentalea sotII uns mugliuh und 
gcburlioh sein wurdt auch gern unsem besten vleiss thun". — 

Was dann femer betreffe, diifs im deutschen reich aioh 
„hendel Vftst schvorlioh und forlich zutragen" und dala er 
deshalb zum fnrderlichsten kommen solle, „so wein Qott, das 
wir etliche disc jar her diese Wiederkunft herzlicli begehrt", 
eei aber durch den König von Frankreich, auch durch deu 
Papst und andre seiner Wideiwertigen bisher verhinilert 
vorden. ]>a aber „der konig von Fi-ankrcich alles so gnx uit 
helt, uns dns auch weiter gutlioh© handlung durob e.liebdendig 
Churfuriten und fursten oder nndere ganz unfruahlbar sein 
würde, und wie dt'm, so seiu wir noch uit weniger des gentz- 
liohen fursazs, das wir ud% nochmali, so baldt uus das un- 
ser vheiod halben miiglicben sein wirdet, als wir durch gnedige 
Verleihung des almechügen nochmals anlange zugescheen 
verhoffon, dem heiligen reich nehern und alloa das, das zu 
dessen ruhe einikeit und wolfarl gelaugen mag, l'urnemen 
— so begem wir hiermit mit sonderm hohen yleiss and 
smst, ir wollet euch ewers taits uff dem berurtea reichstag 
SU Kogcnsburg alles das Ihen, so zu der gemelten ansehu- 
lioheo beharrlichen hilff und widderstand des Ttirhen, auch 
soniten zu £rid ruhe und wolfart des heiligen reicba dienet, 
mit uuBom commiaBarion — wie ir — trewliohen bisher das 
best getbau bapt — >um boohsten bodeiesigeo und euch voa 



274 



Mbstllftu. 



(über) liiuUir Satfelt hart au einanclar gelugeii. Auch Hie 
achwodische Armee anfflnga in 9 Titg vor hiesiger sUkdt uud 
im Feld bis über IJcItwurzit cnmpirt, dadurch denn die Seid- 
fruchte in Giund verderbet worden und Dacbdem gestern 
Dienstag aohttag die Schwedischa von Rothberg über tfulfold 
und deo daliier gelegeneu ufgebroohen, Seind straks solbon lug 
die Kay. van Salfeld in vieltausent stark zu roD und fuß 
heruDtergel'allen und xwecne tag die gtadt totatiter auege- 
plijnderl, alles Viehe, tt'erile, Uetreide, Victualicii, llausratb, 
Mann und Weibngieiäoueu, So sie aug<itrofea, hinweggeiiumRiea 
uud barbariHoh mit ibuen gchauset, Kisten uud Casteu 2cr- 
lesleit und alles öde ucd wüste gemitoht, daß Ducb nielit eiit 
Bissen Brod noch viel weuiger ein truuk Bier iu der giuizen 
8tadt geblieben. Auch die stodt ud nut«rsohiedcll(^n orten »ii- 
gestecket (So aber mit göttl- Ouadunverleihuug gvlösuht wor- 
den), Itx die Kirch erufuet, deo Getteska«teu ut'gosuhlajcvn 
und übel darin gebaret. Und da die ealvag. uichl heibcy 
komeu, weru nicht aliuiD solclie kirch, sondern auch unser liuus 
giUKÜch geplündert, uu*«pohrl uud vurniobu-t woriluo, Wolcties 
wir über dnreli göttL Beyntaud uud aalvag, »onderburo tic* 
mfihuDg, indeiu aie mit niederschieBen uud uiedcrliauen du» 
Uaale galhau, noch erhaltou. Köunoo ]i. L- rocht leiuht ur- 
moUou, in was schrcokun vir mit deo liehaUin Uusurigeii ge- 
•tuudcD. Gott aber *oy Dank, der uiilt eu gnädig brcchiilxet. 
Beine göttl. Alliuueht wolle ferner mit eeineu CiimJeiid>igoiD 
«b U08 tialteu uod walteu, Uod weil uuumebr beede Armeen 
üboru Wald iu Franken gangen, hofl'en wir zu Uott, es werde, 
»ich das arme Volk wieder lu elwus crheluu küuneu. Welohea 
K. L. wir nicht mögen verhüllen dero zu fr. DiuustI, wir 
ütetB willig verblvibcu. Dat. R. deo 10. Juui 1&'40. — , 
Ludwig Günther. 



Rud. geb. Arohiv. 



Dr. B, A uemiiller, 
Arahlvr«. 



Litteratnr. 



18* 



Bhq- und Kunstdenkmäler Thüringena. Im Auftroge der 
RegieruDgeD voa Sao h se n - Weimar- Ei Bcnuoh , SuRhsen-Moi' 
ningeu-Hildburghausen, Saobseu-Altenbitrg, Snchjeu-Kobiirg 
und Golba, Sehwar^barg - RudoUtadt , Heufn Üilero Linio 
naä Beofe jängera Linie bearbeitet voa Dt. Psal Leb* 
feUt. 
Heft L Grofsherzogtom SacbBan-Weimar-Eisenaoh. Amts* 

gerichtsbeeirk Jena. 
Heft n. Herzogtum Saehaeo - Alteitbtirg. Amlsgeriohl«- 
beEJrk Roda. 

Jena. Verleg tod Qa«taT Pisoher. 1SB8. 
Zq der italtliohen Reihe z. T. bereits abge seh I essen 
TOtliegetider, t. T. noob im Erscheinen begriffener Werke, 
welche es »uh zar Aufgabe maoheii, d^ii gegenwartigeo Be- 
ttand der Bau- und Kunstdenkraüiei' Deutaohlands durob Werl 
und Bild fettEahaltbu und für spätere Zeiten zu überliefern, 
iat im Laufe dieses Jahree das Werk tiber die Bau- nud 
KunstdenkmtileT Thiiringenf getreten. Das erste dor beiden 
bis j^xt TorliegendeD Hefte behandelt den Amtsgerinhts- 
bexirk Jena auf 344 Seiten mit 1 f^beTsiobtskarte , 100 Ab- 
bildongen im Text und 20 Bildern in Liobtdruok; das zweite 
Heft Eählt ftnf 59 Seiten mit 1 Übersichtskarte , 27 Abbil- 
dungen im Text and 7 Bildern in Liehtdruck die Bau- und 
KoDstdenkmäler im Amtsgcriohts bezirk Itoda anf. 

Nach den in der Yorrede xum I. Hüft gemaohten An* 
gaben nnd die Aufsei uhiiungeu in 69 Ämtsgerichlabozirkun 
TOTKunebmen , und vrean auoh die Utöfae und Ergiebigkeit 
der eioselneu Bezirk« eine in weiten Orenien wechaslode 



TK 



nt, wie dw TorlMcendes beiilan Hefte t^vetM«, aa m( 
jctit Mluti ronUHniMlMa , dab du Werii «in Mhr 
nicikM WfvdM) wird. Um m Wber irt diher <» ' 
wirk« d«r Ijndra r r gi er u it g — « MB wh I a g «« , w< leh » 
tl*T«ttiitcUnDj[ der erfordetlicbeB Oddmtth-I im Jahn IBS4 
den mt«n Sc^tt aar Verwirkli«bnng diew«, eeit langer Ztü 
«nelutteo, ÜDtoTBehmeB* «mS^ielrteti. 

NaebdMD in grumten Jahr« H«rr ProC KlopBwMh n 
Jena , welcher zanichct al« I.citeT de« Gnlnaefai 
•neben war, mit des Ton ibm an«fe«iUlea leclimiMhea 
HilfMrbeitera di« II«ivtHDg der eiazelaea OrlMbaftea fc»- 
gADiMa und in Verlauf tos etwa 3 Jahren «m mehlwlrty . 
Swnnlong tod Skizsen nnd NiH«rw^rifteit ufilefl hBttev' 
nnfate er, dnreh Kranbbeit fODÖtigt. zoräcktreten. Aa 
»teile wurde ier jetzige Profie»or Hmt Dr. Pan! teh&Ml. 
in Berlin berafeo, welcher bei dem im Jehr« 1885 eneUe- 
Mnen Wette aber die Bau- ood RnneldenkmSler der ProTinx 
Braniloiibiirg aoUsr Prof. B [ierK«« «1* Mitarteiter tlilti|| 
geweaem war tiDd im Jahre lasA ein Werk aber die Baa- 
aad Kuiuldenkmller d«i Regien Dgabexirk* Keblens im Auf- 
trage dee PreviBzialTerbtndes der Rheiaprorisi «dbcModig 
bearbeitet hatte. 

Di« mit der Obcrieätatig and Cberwachang dee Dntn> 
nehmen! betiaulen Herren : Staatemtnittor Dr. Stichting, Ex- 
telleux, StaaUminiiter v«o Bertrab, Extellens, und Uuieume- 
diraktor Uch. Hof^t Baland, durften daher die befrtndet« 
Krwartanjt hngnii, dnf« dai Werk iiber die Bau- und Koott- 
denkmiloT ThSriogeni den genannten Werken, welche deb 
einer allgucnein günstigen Beurteilung erfrenen, ebenbttttig 
an die fimle treten werde. Dieeer Erwartuug ift, eoweit die 
bi* jelxt TOTÜuffenden Heft« ein Driei! nlanen , in rnUeta 
Mafto uiiliproehen worden. Unter .Anlehnnag an die Tna 
W. Leu in Miuer „Kuntllopographie De(tt««hland«" mit Tie- 
Um Krrolge eingefllhrte Bioni^tsng, welche Yen Bergan in 
ilam Werk über die Prvrins tlnuidenbarg ent«preehend er- 
wejtetl werden i*t, liegt nne nunmebr ein in bew&bite Fom 



t^lnntbir 



378 



gegM»nes W«rk rar. dovMn AnordniiOK niMl AuMlattunti 
fttt«n dabei lH-tei1igtt.'n Krüfleii xur Ehre gvrdohl. 

Diu OrtschsUeu , iu welchen Denkmäler su vv»eiuhiieH 
sind, folgea io jedam ÄmUgetichtBbsEirlt nach ttlphabetiscber 
Bciheiifolge. In jeciom Orte brjjinnt die AuffnhninK der 
Deokmuler mit de» Kirchoii buzn. KlÖKturu. Die Boichroi- 
bong, welche laerit das Innere, änou du Äoftere der Ge- 
bäude erwähnt, begiunt *l6l» im Otieo (Chor), Den Pfarrei- 
bauten und dem Kirchhof foIg«a la ilur AvffÖhruDg lunachtt 
die öffentlicheD OebSude (Uorgamt , Itathauii, 8chloi»), dann 
dio Wohohänaer, bemerkenswerte EinzoUtuitan (Thoru, Uiseu- 
arbeiten), Denkmäler, Sammlutigoa uud schliurilicli die Orts- 
befestigniig (Hauern und Thore). 

DiesL^r durch sichli gen Anordnung, welche di« Booutiiiog 
des Werkes ungemein erleichtert, kommt noch dio Anwen- 
dung Terschiedenartiguß Drucke» nir Test, Qai<IIonaugabeii 
und Inschriflon zu Hilfe. Die reiohUcb beigegebeceu Ab> 
bilduugen ^ teils io Zinkhochätzucg, teil« in Lichtdruck — 
erläutern die au%efUhTt«n bemerltens werten Bauten in Orund- 
rtnea und Ansichten and Bleuen wichtige Oegenatände der 
Ansstattung in entsprechend anegeführleu Zeichnungen dar. 
Mit Biioksiuht auf den Dmrang und die Kosten konnte in- 
deaaen nur der kleinste Teil der Zeichnungoo und Aufnahmen 
dem Werke im Druck beigegeben werden. Die sehr ruich* 
hattige l^ammlung der für die Erforschung der Bau- und 
KuDsidonkmäler überhaupt angefertigten Zeichanngen und 
Photographien . welche für den Bezirk Jona die Zahl von 
500 übcreteigt, soll apälerhin, gemäfs dem aufgeatellien Plane, 
«in Mgenei Archiv bildAD, um to weiteren Forschungen als 
Qnalla dienen sia können. Im Werke seibat ist auf diese 
Zeiobnungen überull hiugowieseD wordeu. 

Da£> ein so umfangreich geplantes Werk, wie dos vor- 
liuKende, uidit frei van Lückt?u uud Irrtümern sein wird, 
kann ihm nicht isnm Vorwurf gereichen. Dio Durobforschung 
der Drkaodeii ist s. Zt. noch nicht überall in gleichem Um- 
fug» ufol^t, um gesicherte Oraodhtgeu fUr die ortsgeschiohl^ 



280 



liebnt AoplMa liofvni sv kSoDen. Cnbeqiiesilielikeit noA 
UiifUDtt iattenr Teslillbiiue wti4 all die bUdlidie Dar- 
rtellttDg d«r DtakmSler be«tiiflaf«( iubeo. asd Uok«Biitiiij, 
ntmilea uch voU Waer Wille dvr Orttbevoluer dem ün- 1 
teniehmeD lUU fördernd hindetlich ^WMen adn. 

K«nn M du Werk ala ein BbtchlieboDdei eicht be- 
zeichnet w«Td«R, to wird e> doch >1« grundlegend sn geltm 
haben für alla die Denkmäler betreffenden BlBMlferMhin- 
gen, tmd e« köDote tlt eio flcbSoer Erfolg d«a Unteneh- 
mena b«i«ichnet werden , veoD solch« Arbeiten in reicber 
Felge wu ihm herrorginfeti. 

Die geneue Durchaiclit der Torliegenden beiden Hefte 
giebt die Tennleaadug zu den DeebsteheDd eafgefBhrten Be- 
morknDgen, welche, soweit lie die bildücheu DsiBCenaogen 
betreffen, rielUicht fllr die frroereD Teile d«e Werices Be- 
achtang finden köonten. Im allgemeinen mag xonHchst die 
Anficht Bttsgraprocben werden, daC« xn j«der bildlichen Dar- 
«lellang zn vorliegendem Zweck in entcr Linie die Photo- 
graphie heransoKiehea tein durfte, weil ihre Brzeagniue die 
Einselheiten der Bracheinung dei abgebildeten Gegenatandea 
am treueeten wiedergeben. Erst dann , wenn ungenögende 
Beluaohlang titid uuxatei eben der Au/alelltugtraum die pUoto- 
graphtcohe Aufnahme unmöglich maeheo, würde der Zeichner 
einzutreten haboo. Die Anwendang der Photognphie bat , 
ferner den Vorzog, daf« ihre Bilder den dargeate&t«n Oegen- 
■tand in gleichmÜTiig dnrchgearbei teter AticftihrDDg ergeben, 
wahieud <•■ dem Zeichner nur in seltenen Füllen rergönnt 
aein wird, aeioe Zeichnung ror dem abzubildendeD Oegeu- 
elande gaoE gleiohmSfsig anaEolUhren und rl Tollenden. 
lf«iit«nB wird dnr Mnnifel »n Zeit eine «IdsseDhaft« Zeioh- , 
nong nir Folge haben , deren AusfllhniDg nnd Dmiei«luiiug 
Hr die Wiedergabe duroh den Dmok erst nach IXngervr Fritt 
erfolgL Dofa die Treae d«r Abbildungen durch dieeeo Um* 
•tand Kinbofae erleidet, dtlrfte nicht xo beaweifeln »ein. 
AüAerdem i«t die VerouIagDog einea Zeiebnera wohl kaoo 
tflr die Daratellong der TeraohiedenartTgatea Oegenttftnde Jn 



Littonlar. 



281 



gleicher Weise ausreichend. Unter den dem Text dar «-• 
■ohienenen Kefte beigegebontn Abbildun^o ist d«r Bewein 
für diese AiifüIiruDg mehrfsoh erbmaht. 

Naohattihend seien einige Bemcrlcungeo anter Hinweis 
auf SeitenEBhl und Ott besonders erirähnt: 

Heft I. 

8. 4. AUengänna u. a. a. 0.; Olooken. Die Angabe 
des aotereo Durch meseers jeder Glocke wttrd« eine wttii- 
sohensirerte VeryollBläDdiguug; sein. 

S. 5. Ammerbach: I>ie Abbildung der RahmeoTerzii»' 
raog vom AUarwerk bleibt ohne Angabe der seitliolien Be> 
gveuzungslioien und ohne AudButung der nächsten Wieder- 
holung des Masters unverständlich. 

S. 10. Beutniti: Die Abbildung virkt undeatlioh, weil 
der Zfiehner hinsichtlich der malerisohen Behandlung der 
entfernt gelegenen Teile des Guteo lu 'fiel gethsn hat. 

S, 13, Bnohft: Nachdem in der Zeitaehrift des Veroinit 
f&r thUriEigiBohe Geschichte udiI Altertamskaade 1687 8. 132 
von Dr. .1. E. A. Martin mitgeteilten Verzeichnis der Ter- 
niin«i«n de« Erfbrtor Augustiner Ordens ergiebt sich für du 
Jahr l.iSI die nachgewiesene OrtabeEeielinnng „Buche". In 
gleiehi-r Weise 8. -22: Cloaewitz ^ Closwitü. S. a:i : Dö- 
britsohen ^a: Dobirtüen. 8. 34: Domburg = Dornboroh. 
S. 7a: HohJstedt = HoUtedt. S. 163; Kötsohau = Kotiaw. 
8. 18S: Uiiochoroda = Mönoherade. S. 193: Neueugöiiua 
= ginna noTn. M, 1S4: Ossmaritz ^ Oßmarioz. S. 200: 
Schorba = 8corbo. S. 239: ZwÜtzen = Zcweczen, 

S. 15. Bürgel: Die Darstellung des Kirchen per tals mit 
einer BekrönuDg, welche der Wirklichkeit nicht entspricht, 
därfto nicht zulässig enobeiuea, weil nur der gegenw5rti({o 
Bettand der Denkmäler aufgezeicliuet werden soll. 

S. 16. Bürgel; Im Besitz Ten Hr. H. Busnh : Kaffee- 
kanne D. s. w. Die Aaffiihning von aoleheo Anssttitlung*- 
RegenstXndeo und Geräthcn, welche durch Übergang in an- 
deren Besitz den bisherigen Aufstella ngsort leicht wechseln 
kSonen, erscheint zu weitgehend. Vgl. auch S. 188 u. 198. 



• 



SSS UWw»lar. 

S. 80. Dornbnrg; Di« Abbildung dei NoidaoHioht dea 
alten SoIiIobbm iat nicht als Relnngen lu beieichaen. Dam 
Anacheine nach hat der Zsiobnei getöntes Papier und Dar- 
atellnsg in Bleiatifl gerShit, anatatt der klarere Bilder lie- 
fernden Federzeichnung Auf weileein Papier. 

S. 33. Dombarg: Eiue Aneicbt dea mittleren Sohle aaea 
von der Tholaeite niu wSre der Weatansioht, velohe inriol 
landtchaftüehea Beiwerk enthSlt, vorzuniehea geweaen. 

8. 44. Frauen prieranite : Die Abbildung vom Südpertal 
der Eirobe ist nnveratSudlich. Die gezeichnete Verzierung 
befindet aich an der Unterseite dea Arohitrava , liegt also 
'wagereoht, während die Zeichnung den Eindruck hervorbringt, 
ola sei das Flache nom am ent an aenkrechter Wand angebraobt. 
Die „Tortreffliobe Bildung" dea Löwenkopfea ist aua der 
Zeichnung , trotz dea groCaea MaCsatabea, nicht zu erkennen. 

S. 47, 49. Frauenpriefinitz : Die Wiedergabe der Grab- 
steine in einer um die Hälfte kleineren Daratellung -w&Te 
ausreiehend gewesen. 

S. fiO. Frouenprieranitz : Die Abbildung des Gittera iat 
nur z. T. be&iedigend. Die Blumen der Flaobbogeofiilluug 
Bind zu plump gezeichnet. 

S. 53. Franenpriefinitz : Im Amtagebäude hfitte viel- 
leicht die eiserne Thilr am Archiv bez. 1495 (?), und im 
Obergeschofa zwei gut erhaltene, gelb glasierte Thonöfen 
(Zopf) auf eisernen Untersätzen Erwähnung verdient. 

B. 61. Graitsohen: Die Abbildung wirkt durch die 
Häfalicbkeit dea Oegeuatandes , durch übergroraen Hafsatab 
und durch nngeaohiokte Anordnung dreifach häfBlich. 

8. 67. Jena: Der UaTsatab der Zeichnung ist zu grof«. 

8. 95. Jena: Die Abbildung dea ThurmgeBohosaes mit 
Ergänzung der z. Zt. nicht vorhandenen 8cliweifbögen geht 
über den Plan des Werke» hinaus. Vgl. Bern. z. 8. 15. 
Lassen auch die im Archiv befindlichen ZcichnuDgen über 
die Gestaltong der Sohweifbägen seibat kanm noch einen 
Zwaifal fibng, lo ist jooh ffir die Hjfhe, Abdeekaug und Be- 
kribnng im ffialM^J^Hi/Anlwlt yorhandeD. 



Lt«w.tar. 283 

S. 138. Jena: Die Abbildung des Marktes in Jena wirkt 
flau. Hier wäre eine auf photographisohem Wege herge- 
stellte Abbildung sehr wohl möglich gewesen und hätte ein 
reizTotleree Bild geliefert. 

S. 147. Jeea: Bnrgkallei: wie Torttehend. 

8. 170, Lobeda: Beim Grnndrifs der Kirche wird die 
Mafsstabangabe vermifst. 

S. 178. LiJbersofaütz : Kirche. Die Beschreibung giebt 
kein genügend klares Bild dea eigenartigen Kirohenbanes, 
der einen geradlinig gesohlosfeuen Chor (5,50 ' 7,0 m) mit 
Kreuzgewölbe ohne Grate beritat. Ober dem Chor steht der 
in gedrnngenen VerhättniBsen aufgettihrte Thnrm mit abge- 
walmtera Satteldauh. Die Mauern des Chorbaues sind unten 
1,40 m eurk. Dan Kirchenschiff (10,60 - 7,0 m) liegt gleich- 
sam als Querschiff mit der langen Seite dem Ohore an. Zu 
beiden Seiten dea Chores, und angrenzend an das Kirohen- 
Bohiff, befinden sich Sakristei and Nebeneingang. Der Grund- 
nfs und vielleicht auch der Aufbau der Kirche hätten bild- 
liche Darstellung (wenigstens für das ArohiT) wohl Terdient, 

S. 193. Neaeogänna: Schüssel n s. w. Tgl. fiem. zu 
S. 18. Bezeiohnongen wie „gut", „hfibseh" ohne nähere An- 
gabs der VerEierang könnten Tennieden werden. 

S. 201. Steudnitz: Die Abbildung der Kiroheuthür ist 
im Mafestab zu grob; eine GröCee wie S. 337 wäre aus- 
reichend gewesen. 

B. 205. Tantenburg: Der BergfVied ist nicht quadra- 
tisch, sondern fünfeckig, da eine Ecke abgestumpft ist. 

8. 213. thalbürgel: Der Umstand, daTs die Fenster 
der südl. Hochwand des Mittelschiffes spitsbogig geschlossen 
sind, hätte erwähnt werden köoneo. Dafs Zahl und Stellung 
der Pensler nicht der Arkaden Stellung im Mittelschiff ent- 
spricht, kann auch bei der Nikolaikirche in Eisenach bemerkt 
werden. 

8. 213. Thalbürgel: Auf der Abbildung des Paradieses 
hätte an der Nordseite der Hoohwand des Mittelschiffes der 



2ft4 



T.ittnnitur. 



IJogonfric* ftngtxleutet w«r<l*D Mllcn, wodDreh di« ZMohnnn|[ 
Ter»l£adlioher gewordeii wäre. 

S. '214. TbalbUrgd: Die beiden alten SSolau befinden 
lieh im Park zu Weimar au einer (SroUe, nicht unter dem 
TÖmiteheD Hause, wodeni etwa 100 Sehritt aUdliob des t3- 
miichui Uanaea- 

HefllL 

8, 5. DracVendorf: Dia Abbildung der Kircli« »igt 
auTtel landschaftliche Beigabe; ein Viertel dos Blattw auf 
dar molitnn Seite «ohcint entbehrlioli, 

8. II. LobJabnrg: Die AbbüduDg dsR Ericers läTiit utobt 
deutlich erkenneo. dafa die Wälbuiig der Decke kugelförmig 
aus der Hauer heranstrilt. 

H. 13. Erdroannadorf : Der Lichtdructk dee Zimmers im 
Wohnhanse dee Hr. Putxe i«t an fserord entlieh gelungen und 
giebt ein sehr «timmangsToUeB Bild, welches leider durch die 
Petroleumhäiigelampe etwas beeinträchtigt wird. — Die An* 
gäbe „mit SohÜfskehlen profilierte Salkendeoke" ist nicht aII- 
gemeiu vcrstlndlich. Vgl. 8. S2; Sofaiebelan. 

8. 42. Rod»: Bei der Abbildung (ritt die nnlnrische 
Beigabe auf Kosten der Deutlichkeit ao sehr hervor. 



in der Ileihe der vorstehenden Bemerkungen , welche 
weit davon entfernt sind, deo Wert des Werken beeiutrJich' 
tigon sa wellen, dllrfle durch Beispiele nachgewiesen sein, 
dafs einige der beigegebeuen Abbildungen nicht ganz auf 
der Hohe der sonstigen Leiatong stehen. Zum Teil wirii 
der Grund darin tu KUchen sein, dafs der MaTsslab ninht 
glUoklioh gewählt i*t , x. T. aber auch darin , dafs oft bin- 
uobtlieh der malerischen Beigaben ntuht reoht Mafs geballen 
worden ist Die Herstellung der Zeichnungen ist ferner 
hSufig auf getöntem Papier unter Anwendung von Tusche, 
BlMstiit oder Kreide erfolgt. Bei der ZinkhocbStitnng or- 
geben sich di« in Flüchen nngotcgten Kchatten nicht so gtaioh- 
vMiäg, daTs nicht beim Druck 0(«kige und undurohiiohtigo 



: 



St«Uen eiiUt«heii. Hierontor luben DtmeDtlieh di« Abbil- 
dungen iu Heft I ftuf S. 30, 84, 128, 197, SIS, in Heft II 
auf S. 38 und 57 zu leideu. Abor auch da, wo der Druck 
■elbat k«iuä Mängel erzeugt hat, wirkt da« Bild unontcvhiu- 
den und äau, wie die Abbilduagdu in Heft I auf 8. 36, 113, 
119, 231 erkenueu lasseu, 

Nach ilieBeu ErgebuiBaeu dürft« ee aiok empfehlen, die 
zeichoeriBche DniBtelluDg tar den Dntok fortcn nur durch 
Federzetohuung aul' weif»ein Pnpier bewirken za lasseii. Die 
£iIdeT eiGcheitiou sUüaim aufser^L klar. Kalürtich maf« «oh 
der Zeiohuer bezügl. der inaleriiüheo Bohimdlung Beschrän- 
kaog auferlegen uud iiicli aameutlich nur roll der Andtrutung 
von Schatten begnügen, oder d&iUr gleiohmäfnige Schraffi«* 
rang anwendon. Dafa solohe Herstellung gute Abbildaugen 
liefert, beweisen im I. Heft a 37, 56, 89, 91, 111, 13», 
163, 194, 233, im II. Hell «. 30, 41, 53, 56'). 

Dofs bei dem geBohicIitliolieii KuLwiukeluDgBgange der 
Thüringor Slaalou iui VoibüllaiB viel biMnerkouswerte Kuoat- 
denkmttler auf unsere Tage tiberkommeo eeiu wUrden , war 
vohl 2U erwnrteD. Über die Beichhitltigkeit derselbea wird 
aber jeder erBtsuot eein, der die ei'sohieueneu Hefte dorob- 
bUttert. Sind doch von 80 überhaupt im Ämtsgerichts be- 
wirk Jena yorhandenen Ortaohnftea 62 OilBchafteii im L Heft 
autgexählt, welche in irgend -welcher Weise bemerkeua werte 
Denkmäler beeitzen. Beim ArategertchlebeKirk ßoda sind von 
4.ti Ortechal'ten im II, Heft 38 erwiihut. Aus der FliUe d«t 
anregenden Bemerkungen und Inschril'ten mag nur darauf 
biagewieaen werden, daJä die Stadt Jona bereits im Jahre 
I54Ü eine Bauordnung besitzt, welche besülglich der Erbau> 
nng von Holigiebeln, Schindel- und Strohdüchera, sowie über 



1) Die HeriMllDDg dar Al>bi1üane>n in dem Bugaa'aBhBii W«rka 
Ubar die Muk BraDdeobutg ist fjMt nur ilai'cU ÜiigruDdalaguiig von Fn- 
deneidh nungeil erfolgl, damn Wlcdorgabo durch duielbo Vcrtalircn und 
datch dieaellic KunsUnslnlt (OaüUrd) me im var)I«l[end4n W^rkc ho* 
wirkt in anil Tut dan Eindrai'k von HaluehnilUn harvorruft, ■. B, 
6. ISU, Sbü, ii3, isa. 



286 



LitUrUar. 



Iiuufreoht, EatwSsMiruDg nuil Aborte bumtitkenawerle Fe«t- 
BetEUugeu enthält (I, S. 76>. Diu mit^UÜUu Innohriftcn 
(I, it. 339, n, S. 24, 29) gebon gaoz eigeoartige AufiialiUiiiKt) 
über die AaschauuDgen früherer Zeiten. 

Därlen lam SchluTs dieaer Beipreohung noch eiaige 
Whusche auBgesprocheu wenden, bo und h dio folgundmi: 
SttiiDmetEütaicbtiu uud HituatDBrbeii überall, wo lulch« giit'uti- 
dsa werdeu, au rermerkeo und abzudmokeD: benerkeDB werte 
Eonalruktionen, namentlich in mittelnlterlichen Hokvdcbfia- 
deu, leichneriach darzuatellen ; bei deu ftlten Bauernhiiu«oru 
uuoh die aligemeine OrnndnfsaDotdnang , wenigtteiiB für du 
Aruhiv, aufKuüeioboen. Es itt nwar aiaaDehmeo , daTii da» 
fräukisclie Uauuruhsas du ThUriugerlaud durchweg iu J)e«itx 
geuommea hBt; aber bei den eiiigespvengt«D ilariBObeQ Uo- 
TälkerungsreUen möchten «ich immci'hin bemerken «wert« Ab- 
weiehungen ergebeo kÖDuen. 

Die AuMtattuug des voriioj;endon Werkes über die Bmu- 
and Kunstdeiikmiiler Thärin^'enB ist, wie «che» fruhei er- 
wähnt, eine diirchnuB würdige und aiigomeaB^ue. Die bisher 
durchgeführte Vermeidung von Klspp- und Doppel bliittorn 
bei deu bildliclieu Beigabeu wird nnr onfenchm empfunden 
und dürfte siuh auch weiterhin empfehleu. Itit es moglioli, 
die biBUerigen PieiBSteUaugea feilKuhalten, and iei ferner die 
Abliebt durch üufiihren, die Hefte nnoh eiimelucn Staaten und 
Bezirken getrennt herauuugebeu, bu wird dm Werk biüd, 
nicht allsiD in Thüringen , weiteste Verbreitung finden und 
Kur Krweckuiig des Kanslsiuns und der EbrfuroUt gegen die 
Leiituugou Tergangeuer Jaltthundette beizuümgeQ geeignet 
sein, ^ 

Nach Inhalt uud Goatalt reohtfertigt dai im Ersohnioon 
begriffene Werk ToUanf die Hoffnung, dafs ei semeD Platz 
in der Heihe der gleichartigen Werke mit Khren eiuiiehmou 
und behaupten wird. 

Weimar, im Uni IBSS. 

£. £iieacbe. 



l'iU«t»Mr. 



267 



Uagister Friedrich Friese, weiland Kouräktnr um 
Friedrichegymnaemm »u Alteoburg. Hletorbuhe Nachridht 
vuu deu merkwürdigen ^eremouien der Altenburgiacheu 
Biiuern. 1703. Neudruck, mit Einleituog iinil AnmerkungtiD 
faiseihen, mit einer NachbitduDg des Truclileiibililuii bei Frii^«a 
und eiiiem modernen Trachten bilde. Suhmältu , R«inhold 
Bauer 1887. 39 S8. 8". 

Dm Bitclileiu handelt in katechetiechor Fonu : „Cap. I. 
Vun dunen merck würdigen Ccromooifn bey denen Hochioiteu. 
Oap. II. Von denen merokwUrdigeu Curnmonit^n buy dur 
Heirnftihrung. Cup. III. Von denen Cei'eiuonion bei Kiud- 
betterinneo. Cap. tV. Von Knecht- und Mügde- Mietheu. 
Cup. V, Von Leich -BegängDiBeen. Cap. VL Von Kleider- 
Tracht und Mode. Cap. VII. Von der Mund -Art odiT 
Sprache" und giebt, dHiuit „man zur Litut den Uiabotuo 
dieses Lnnd-Volok«» iu etwas erkenne", als Sprauhprobe ein 
LuBtapiel, weiches „Anuo 1687 — zum fieBchliirs doit ge- 
wöhnlichen Oregorii- Festes, da tnaii des Leopoldi 8ieg wider 
den Türeken bey Wien praesentiret, aul'geführet worden" ist. 

il)in Neudruck dieees wertvollen Beitrage zur Kiiltnr- 
geaahiohle des Altenburger OstkreiseE ist i'reudig 2u begrüfiieu, 
zumal der Herausgeber des Neudrucks (Dr. M. Ueyer-Allcn- 
burg) durch sprachliche iiud sachliche Erklärungen den Text 
ISr diejenigen . welobo mit Sprache und Sitte dieses Lünd- 
obens nicht oder nur wenig vertraut siud, venttüudliuh mtuilit 
und zugleich nachwei«!, was hub der Zeit deti Verfa^sor» sich 
bis auf unsere Tage erhalten hat und waa seit di«sor Zeit 
rerloren gegangen ist. 



Jena. 



Dr, 0. Doboueckcr. 



288 UUmtar. 



ttbenloht der neuardinga enOhienenen Schriften und 
Anfaltoa xar UiüzingiBclieii Qeschicbte und Altartnuu- 

kunde'). 

Bayer, Cul: Zar OesoMchte der Erfurter Volksschnlea 
bia cor EinrerleibDiig der Btodt in den preo&ischen Staat im 
Jahre 1802. WiieeoMhaftlicbe Beilage znm 8. Jahresbericht 
der itädtiBchen böheren Ba^ersobole sn Erfurt. Erfurt 1887. 
(23 BS. *».) 

Böhme, Pud: Ffort« in seioer kultnrgeachichtlichen 
Bedeutung während dea 13. and 13. Jahrhunderte. (Neujahrs- 
bliitt«r heransg. Ton der historischen Kommission der Provinz 
Sacbsen 13.) Halte. Pfeffer Komm. 1888. (47 SS. 8*>.) 

Böhme, WoldemKr: Die Erziehung der Kinder Ernste 
des Frommen von Gotha. Pr. des BealgymnasiumB zu Chem- 
nitz. 1887. (41 88. and 3 LektionsUbeUeu 4«.) 

Börner, O.; Zar Kritik der Quellen für die Oegchiobte 
der heiligen Elisabeth, Landgräfin von l^üringen. Im NA. 
der Oes. f. ä. d. Oeeohichtsknade. Xm, 431—516. 

Brecher, Adolf: Darstellung der OebietsrenLndemagen 
>n den lÄndern Sftohseiu nnd ^StöriqgaB« tob dam nräUtan 



I) Um KlljBhrlich sin mögllnhitt Tu)l«Uii>1i|rei Vmaielultk ilei lur 
■ohichta ThUringeoa nen eiiieli«IiMn<Ua LllftrttMi ra ibBHt Sdtxclirin 

geben m kminan , ricliWl PuUii'irliii".-- '■r O.- 

Verligcr, IledukteurB unil Sohulrv-- 'i ' ' 

vu[i Hilf Üilit. DesclrffifU» li'i >"- ' ~ -"■' "i'd 

kloineriD Alihiulluun wi iu-j^ 

gllltiuu tu 



?J 




Litlcnlur. 



m 



In „llitturiaulie 



Uuiu. 



JaUrhuiiilurt his heute. V«rl. r. Dietrich Beinier. Borlia 
1888. (I Karte, bestehend aus 5 Eurtohen und 4 Plllnea, 
<ia,za l BegeutenUtlel.) 

BUttuer, llichardi Rektor Jüh. äel). Kitleriutulil und 
seine Wirksuuikeit Am Gereier Oyinaasium IG46 — lt>l>?. Ü.-Fr. 
Gern ISaS. (34 S.S. 4".) 

BuBBon, Arnold: Friedrich dar Treidigo nl« l'riitcndtint 
der sioilisobea Krone uud Johauu von Procida. 
Aainiitzo dem Audeakeo au Georg Wailx gou-idiuel". 
Eaha. 1886. ü. 334— 33Ö. 

Eberstein, Louia Ferdinand, Freihurr y.: Urkuud- 
liohe Nuchtrüge zu dun ge aclii eil tli eben Nacliricliten von dem 
reiubsrilterliclien Geschleabte l^berslein vom Eberatein uuf 
der BhÖQ. £. Folge. Berlin. Oiuek tuu Wilhelm Baentiob- 
1887. (342 SS. gv. 8".) 

Eberstein, Louia Fei'diuand, Freiherr v.; Eatwurf 
einer Kusamniänhiingenden Stammreihe des freilriui tisch ua 
Oesohtechle Eberatein von den in den Sltesteji Urknndou ür- 
Bohcinendcu Vorvilleru an bie seur Gegenwart. Zugleicli eut- 
halteod: Fehde Uangolde v. Eberetein eum Braodenstein 
gegeu Sie Iteiohsetadt Nürnberg 1516 bie 1522. 3. AiilL 
Berlin. Druck von Wilhelm linensoh. I8B". (136 8S. u, 
79 SS. gr. 8«.) 

FaIc kenheimer, Wilhelm: Philipp der GrorBmülige 
im Bauernkriege. Mit urkuudlieheu Beilagen, Marburg. 
H. 0. ElwertBObe VerlagebuoUhandt. 1887. (143 SS. 8"). 

F r a u k e , Otto : Begesten zur Geschichte des Gym- 
nasiutDS üu Weimar. Weimar 1887. (44 S. 4".) 

Frankenstein, Kuno: BcTÖlkerung und Hausindustrie 
im ICrcifle fichmalkalden seit AnCaug dieseFi Jahrhiio'lGrtB. 
Kin Beitrug zw Sozial statiitik und zur Wirtschat'lsgosohiDhto 
Thüringens. Uit mehreren in den Text gedruckten Ab- 
bildungen, (Auch unler dem Titel: Beiträge zur Geschichte 
der Bevölkerung in Deuteohland seit Anfang dieses Jahr- 
hunderte. Heranag. Tön Fr. J. Kenmaon, Bd. 3). Tübingen. 
Laupp lftü7. (XI n. S84 SS. B",) 

XIV. 19 



290 



LitUnlur. 



Ott», F«lioian: l>ie EtoriemiiUtiooeii ^m Herxogi 
G«org T. Sachen. Nftch im gedruckt«» Quelleu OargeaUlU. 
jAsipzig. Th. GriebenB Veri»g (L. Fem«u) 1888. (I^. u. 
54 88.) 

Heroher: Ober Gemer FamilieaDunen. Vr. des Real- 
gfüinasiuma zu Gera. 1888. (Nach AnkiiiiiliguDg.) 

Uesekiel, Ladovica: Agoee Fäntin Reuüi j. L. geb. 
Heritogin zu Württemberg. Bin Lebensbild. Uit Partr. 
Iieipa. PöMhel u. Trept. 1888. (V. a. 137 88. «".) 

ITsleib, S.: Vou Paesau bis Sievenhaiuen 1563 bi« 
1563, in NA. für Sächsische GeBchichte, B<i. THI, 41—108. 

Jaekel, H.: Zur Qesohichte KetlwigB von Br«sli»i und 
der Lnndgrafea Ueiurich von A-Itenburg iiud Friedri«h ohac 
Lud. Iii Zeiteohnft des VoreinB für Geschieht« nnd Alter- 
tum SohlesienB. Bd. XXI. Breslau 1887. 8. 219—288. 

Koch, Ernst: Geschichte der Herzoglichen offentUcbeu 
Sibliotheh zu Uetningen. I. Teil. In Binladungeschnfl des 
OyDDitHiumg Berntiardinum zn Ueioingcn xur Feier des 
Heafliüg'acheo Gedächlniflta^es. Meiningen 1888. (208S. ■l".) 

L6be, J. und Löbe. E. : GeHchichte der Eirobeii und 
Sohulan des Herzogtums Sachsen- Altenburg mit besonderer 
Berüokiijohtiguag der Ortsgeschiohte. 2. berichtigte und ver- 
vollsliiudigle Auegabe der Kirch en-Gallerie des Her:!Ogturas 
BochMn-AIteubiirg. 2. Bd. Enthaltend die Stadt- und Liitid- 
epliorien ächmölln und Bonneburg. Altenburg. O^kor Bonde. 
1888. (IV und 400 88. 8".] 

Ifartin, J. E. A.; Urkundenbuch der Stadt Jena und 
ihrer geistlichen Anstalten. I. Band 1182 — 140&. Namens 
des Vereiaa für tbüringieohe Gesuhichte und AltertumHkuude 
heniusg. In „Thüriueiaohe Oeschiohlsfiuellen", N. F. III. Banil. 
Der ganzen Folge VI. Band. I. Teil. Jena. Guetav FisobAT. 
1886. (XIV. und 649 SS. S»), 

Meyer, E«rl : Entwiakluugagusohiehte der Beioliaatadt 
Nordhuuien. FottTortrag auf der 30. HauptTeraammluug deit 
Harsvereius liir GcBcbichte und Altertumskunde zu Nord- 



LKtttmtaT. 



^ 



hausen, la ZeiUchrifL des HarKvereinE. XX. JafargRDg. 1887. 
8. 583—652. 

Motz. Fr.: Joaiu Btegmann. AMoilimfc 1. In Ein- 
lanungBBchrifl i]es GymnaGiuiiiBBeriiliardinum, Heiaingen 168S, 

M u t h e r : Oeaohiohte des HorEogtumB ßachiieii -Coburg. 
(Festrede.) G..Pr. Koburg 188B. (Nach ÄiikfiudiKung.) 

Nebe, A.: Geaohiohte <!ea SohloHses und der Stadt All- 
stedt. In Zeitschrift dee HarEvereins, XX. Jahrg. 1887. 
8. 18—96. 

Nebe, A. : Geschichte dea KIosterN Oldistebeu. In ätr- 
Bclben Zeiteohr. XX. Saitrg. 1B87. S. 883 — 440. (Bft- 
richtiguugeu dazu vo» Paul MitzBchko s. daselbst S. 579 — &80.) 

Itichtor, Gustav; Das alte Gymunsium in Jena. Kei- 
trSge 2U seiner Geechi oh te. Zweiter Teil. Jena. G.-Pr. 1888. 
(32 88. 4".) 

Schmidt, Bernh. : Thüriugisohe Ort«namen: Die Dörfer 
MeiniDgen, Thüringen u. s. w. u. », w. im Vorarlberger 
Land. Meinioger Tageblatt (Üaterhaltungs-Nummer) No, aas. 
Jahrg. 39. 

Schmidt, Gustav; Crkundeobuch des Hochstiflw 
Halberetadt uad seiner Bischof«. III. Bd. 11804—1361.) 
la Publikationen aus den K. preuTsiechen Staatsarchiven. 
Bd. XXVn. Leipzig 1887 (VI n. 710 BS. 8" nebst 6 Tafeln 
mit Siegelabdrüoken). 

Schmidt, Julius: Beeohreibende Darstellung der älteren 
Bau- und Kunstdenkmäler der Stadt Nordhausen. Herausg. 
von der historischen Eomroission der Provinz Sachten. 
Halle 8. d. 8. Otto Hendel. 1888. (VII. u. 240 SS.) 

Schmieder, Paul: Hitteilungeo aus der Schuld in 
alter und neuer Zeit n. e. O.-Pr. Sohleusingen 1888. (VIII 
88. 4".) 

Sohweder, tob: Über solche meiningisohe Ortsnamen 
der ehemaligen Grabfeldgaue , ivelche eus aitdeutechcu Pcr- 
Mnennamen entstanden sind. Vortrag, gehalten im henne- 
btrgischen siUortiimsforechonden Verein (Juli 1987). Hildburg- 
hiuBOn. Oadow u. Sohn. (36 SS. 8°.) 

19* 



m 



titumtar. 



Rttin: Die vieodiwhen Harken de* ikutsch«n R«ioheB 
unter der Begieniug Kaiser Heinrich IV. Im IV. Jahrea- 
bericfat d^s Friedricbe - KealgyianaeiuuB es Ueesau. Deeeaii 
ISftft. (3S 8S. 4".) 

Tümpling, Wolf T, : Geschichte des OeBchJechtes 
T. Titmpling. I. Band (bis 15äl). Hit 'lera WHppi'n, einer 
Siegeltafel, i Slamiotafelii, eiuer Kart« der Orafsuhaft Cain- 
burg, aadeieD EiiostbeilagM uad Begieler. Weimar. Honuatia 
Böhlaii. 1868. (XXIII u. 363.) 

Yirck, EaDs: Di<! Städte uod das Bündnis der oran- 
geliechen Fürsten 1636 uad 1&27. O.-Pr. WeimBr 1BS7. 
(13 88. 4'».) 

Weilandi L.: lUndechriftliohes zur Oenea]i>gie der 
Wettiner. In KA- für eöchsiecbe Geschichte. Bd. Vltl, 
137—141. 

Wülcker, Ernst: Dia Verdienste iler &uc)itbri ahnden 
Oeaellschart um die deutsche Sprache. (Vortrag, geltaltea in 
der Jahresvereammlung des deutscheu Sprachvereins zu Weimar. 
1689 UHrK 18.) Im Bericht über die JubreBversamialiiog dee 
deateoben Spraehvereiue XU Weimar, Weimar 1688. (8,7—39.) 



Hitteilungau des Qeechicbts- und Ältertumsforoohea- 
deo Vereins tu Siseobcrg. 2. Heft Eisenberg. {In Oomm. 
bei H. Geyer.) 13S8. S": 

Hag. Adami Qsobweudii, Lyoei Christiacei quondum 
Beetori«, Uemorabilia CisenbergeusiB. Ferts. Von Prof. Lude- 
wig. S. 1 — 40. — Nachriohton aus der Zeit von Utohaelia 
1676 bis Ende 1680, betr. Uerzog Christian su Eisenberg 
tmd den Schlorabau daselbst. Forts. Von Am(«gericbtsrat 
Pilling. S. 41 — 87. — Beschnrerde der Nonnen ku Uisen- 
berg wider Busse Vitxthunt um Hiß. Von Dr. P. Uittsobko 
in Woiroar. S. 88 — 90. — Kino Urkunde de« Klo.iters 
l'oteraberg bei Kieeaberg v»n 1294 und Notiz aus eiuer 
Urkoade in Stadtarchive su Lauoha über RbernianD, Probet 
zu Eisenberg. Mitgeteilt tob demselbeo. S. 9D t. — Die 



l 



LllUntU. S^ 

Pccilale des NonDeoklosten sum heil. Kreuz «i EiMnbuqt. 
Von Emil KürbitE. S. 93—9«. — Aus Ei»ei>beTg«r Ainto- 
bticbom. 1640 uod UßO. UitgcUilt von Pilling. S. »&— 9S. 

— Antiilotoii (na« den 16B0«r JnhrcD). Mit^toilt von dofo* 
Mlben. S. 98. 

Ui tteiluDgeii de« Tvri'inn Tiir die Geaohiohte und 
Altertutoekucde vou Erfurt. 18. H«ft. Erfurt 1887. 8": 

Tettau , W. von -. Ueeohichtliotie DftretelluBg d«s üt- 
bieten der Stadt Erfurt und der fidsitüangon flor dortigoii 
Slrftiingeii. (S. 1 — 2fi5.> — ZBcliiosche. I".: Bcitmg mr Vor- 
geacbiohte Tliünrigeuä, I. Die ßcHiudeltin^ de« untenan Gera- 
thale». 11. Cirabstütte aus der BcoiiueKeil bei Wiiiler»IebeD. 
8. 267—291. Mit 7 Tifela und 1 Karte, 

Mittoitangen des Vereins für Gesobichl«. und A.Itsr* 
tamskuod« zu Eahla und ßoda. ITT. Sd. 9. U«ft Kohlt 
1887. 8": 

TJ5bc , Juliua : Über die Abnchaffiitig Act Spolitinrcahteii 
in den UertogL Sücbtiiechen Landen. (Uit TJrkuiideuaiihang,) 
S. 265 — 2B7. — Lommer, Viktor: Die Stadtkircho von 
Orlttmüude, 8. 388—297. — Lobe, Ernati Dos GeBohloobt 
derer von Wiirzburg. 8. 298—304- — Liibe, Julius: Einipj 
Nachträge zum Crkuadenbaobe Schmids, Die Lobdeburg 
8. 55 ff. 8, 805— 3H. — LSbe, Eroat: Die Wiiatungen im 
Amtsbezirk Koda. S. 315 — 328. — Mitischke, F.: Oila- 
miindiscbe Kleinigkeiten. H, 329 f. — (Lobe, Ernit:) !!«• 
gesten über du Nonnenkloster xu Eieenberg. 8. 331 — 360, 

Mitteilungen der Geechiohts- tiud alt«rtttniBforscheu- 
d«a OeeelUchaft des Oaterbudes. LX. Bd. 4. Heft. Aiten- 
burg 1887. 8«: 

Lob«, J.: Die PI o! fen i Beben Land Hebte r. 8.363—388. 

— Mitüdubke , P. : Zur Geschieht« des Borger kl oütere I. 
8. 389-405. Dazu IL J. LSbe. S. 406— 4S5. — LSbe, J.; 
ISatge Beiepiel«, wi« vormaU hierzulande TodtaeblSge geBÜhnt 
and gcbüTet wiirden. 8. 426—434. — Derselb«: Fran 
Jutt» von Altenbarg. 8. 435 — 441. — Derselbe; Ob schon 
im Jahre 1134 ein deataelier (!) Kaiser in Att«nburg gewesen. 



294 Llttsnttnr. 

S. 442—445. — Derselbe: Der otte Altenburger Zoll- und 
Geleitoterif. 8. 451—460. — Wolf: Harkt- ond Wage- 
gebüfareo der Stadt Altenbarg im 15. fahrh. Anhang zu 
Tontehendem Anfsatie. 8. 460 — 465. — Uiecellen: 1. Der 
Aufwand bei der 8. Kirdienrieitstioa 1564/55. 3. Über deaster 
ond deoetrum. 

Hinzuweisen ist noob aof die Febr. 1BB8 angekündigte 
„Genealogische Gesohiohte der dentschea und öeterreiobt sehen 
Qriifflohen und Freiherrlichen Häuser dor Gegenwart. Aus 
den Qoellen herausgegeben von £d. Brinkmeier", von 
der in Küne bei Kchard Sattler-Brannschweig die erste Ab- 
teilung: Genealogische Geschichte des erlauchten Keiohsförst- 
lioben und Beichsgräflicheit Hauses Letningeu mit 2 Stamm- 
tafeln in Folio und einer oolorierten Wappentafel in einem 
üm&ng von etwa 10 Bogen xa dem Freie von ca. 8 Hk. 
ersoheinea soll. 

Jena. Dr. 0. Dobenecker. 



Verein für Thüringisclio Geschiclite und 
Altertumskunde. 

Die auf der Rückseitt; ilv& Vmäch)»gs vurz«ichiieU:n 
Schriften: Zeitschrift Bd. I— Vill, Codex Th. di- 
plom. Lief I., Geschichtsqiiellen Bd.I — III, Rechts- 
dcukiuale Lief. I — ö und die a«ch vorrätigen 
kleinen Schriften von Michelseu erhalten, 
wenn zusammen bezogen, Mitglieder des Ver- 
eins, anstatt zum Ladenpreis von TOMark, für 
30 Mark. 



Verlag von Oastar Fischer in Jena. 




tili Aul'irri^ 'icr ICuj^Ici'uugczi von 

Sa^liscn-n'eiiiini^ Elsen ae)i, Sachsen -Hein In gcD-Ulldbui'KhAiisoa, 

Stioliseii-Allj^iibiir^ , Sncliseii-Coliiiri,' untl Uiilh» , Hcliwurzliiin;- 

UudoiHtitdt, ReuHs iiJt«rcr Lini« luid RouhsJUu^rer Llnl« 

beir haltet von 

Dr. P. Lehfeldt 

Mit der Elnigang unseres Vularlaudas ii( KUoli die Freude md lioirauohar 

Vfifgnugeehflit gewich^ee^ l)fl»gnd«r3 An den KunstilankinttlBru und ilau- 
w«rk»iti dar Vorteil. aIa iJuii werlhTollBlcn ZcbgiiiäAihn der fk'UUchfiti Cultur- 
geichklii*. hat die TheUimhmo iianaE uml Irisi^he* Leben gewQonou- In 
dem Us^lreben , diD hervorriiK<iDde<i Denkcnülpr vergnn^iiar Zeiten lu or. 
uiiltflla. ilie gHHuMienoii Eigobniue wuitercii Ki-oisuii belinunt rni mKubnii 
und IVr Etbattunj; dei VoihRadoneii lu lorgoD, wetteifern In den eiiiioJnen 
Gebieten die Hegierungen und die LaiicJei- und ProvLnKihivertrDlungeii, die 
QelDeintlen und Veielne lUl diis äogcnareiobate. Sie haben irkuniiti dui 
durch lolche Thütigkril und ITUrsürga ills (^eisligen, kUnttleriüchi-n und 
»ilUivben Glitec de» Volkes gemehrt werden. Durch die VeiOITgutlldiuugau 
in Wort uud Bild erbUl die WiMenscbitfl die bisher nnch (eblonde Grnnd- 
Inge tat neralelluiig einer Kunai- und Ciilturgescbichlo Deuui'hlmnlii und 
lainer eiai«tnen Tbelle; KuQBt und Kiinet|;Hw«rbo di'r Ciigeaiviirt emprnnKen 
Aniecuugeu (ür ihre weitere Eiitniukeluiig ; diu I)ch<>rdaii linden tjrliddi- 
l«rnn|f bei den praktiiaben Fragen der Krballung oder WiederbersleilunK 
von einselnon Werken. Vur ulleui ab»r wltd auoh mit ilnr xuiielimandtiii 
Erkenntnis! und VV'eitbicbUtitung der beimatblicbeu Kunat in Jsgllehem die 
Xiiebe lU heimisehar Art und Sitte ^ef<>rd«rt. 

Von (beaeii Oed&uken duiubdrungcn , biibea die Stuten Tbürlnuena; 

und OcVia, Schv'un^itg-Btulolitaät, Reuaa Hherfr Linit und Rtu»a jünfferar 
Linie die AuäelohnnnB der Bmi- tind XaDitdftBkmJLlar gelncltl!lc1lll^tlil^h 
rUr ihre Gebiete iintornbuimcn. NxcbilDtn dl« errotdorlichun Oslilmiltel von 
d«D Lftadeiverlretungen auf das boreiliTillltn'D Bur Vertilgung genlellt 
ttordau, ward im Jshre IB84 eine ConioiiiiiiQn *ur Varbereituug, Laituiig 
Dud UebeiwachuDg des UDUrnebmoui einifaieUt. M*eb gemeiuMm fett- 



Abhandlangen. 



^ 



20 




IMKxUiii PkM «nlTMkt ti«li iuMlk* mt ilmmüulie G«UeUlii«la diM«c 
vtnönlgteii TharinpMim Btwi wi, Mtb saf £•, Or »alriw twnax Voiv 
b*iMa ToriMadui ilDd. El iriTd bIu MCgIlcbil omfuignkbiu -Irthtr; bo- 
■l«b*nd uiB ZtkhnaDi^ u>d PhataETSpliivMi ftnuriact bbi^ dcn«6m r 

doi ^l/ilfifrfn <!<r A'wnil tu mit ScIUutir ilii ronysa /«krfauHbrt« 
oUa ütätn um/aiH, dir. Wttlu vorgtMhiehtikbir Zu'a *li*r i>uf njuh Uir 
ifflfklkh kUjiilJ^nicbon. oraAmtat&IcD orler ijrpiscbflu Inttrusa bcrückskli 
Ifgt wvr<]fri^ \mt iltin KnifujEnUi'*ti iin»nr(ih ilHhrhunderlji ir«rd«Ti Dar 6im 
ittfVüTTa^triiiittn kiirc und ohna ticlj^ftbc voo Abblldimg« vanoicbnot. ' 

Die VarÖtTniillicIiunt lull itlliiifi]ilkh und in «iDietn kiiuni«li«n (MU^I 
fOrttchreiUn. Jtdir AmUffiriditibititl! utrd dtr Seffd nacli m Ue/t 
Bi« B*br KTOatar AmttRsricbtBbMirli k&nn uf mchrerv UtTtt (»rlhellt, 
kUtBtrtr mll rintm «ndtrüD Hotirk in aip«») Il*ft verdiiigl irardiin. Da 
■mi B*nrk« dcuolbaa SUat«! inllm iu»mmei)gebeft<t uia; m ■•(. 
Käufer ihc MöfflichJetif fff^jtben^ sieh auf die Knetrbunff dir 9Mf an ' 
Suiugtiiti bt^ßnliflim Ilrftt m bachr^nltaL 

tii jinlmii AmtaKaiiulill^liiixirk fnlicnn dia «iiiaslutu OrUdiaftoii 
■IpbabeLiatfaer ADofdonng. 

Iiiiinrbalti da* OrtM lind 9^n<M-it die Klnhen und EUft« nugutlllir^' 
Haan folgen tu* Mtallicbcu. nicht klrcbliihen Ocblude im Ort. niih dtin 
AIp)»ili«t i:<>urdnKl. I, It, Ssrg^amt, Bttlliliitut, Schlei*, Weluhiusu; dimd 
Portftlfit KcllaEi, Flguraa. Kisenarboliaii cirjd Andere Allere wichtige LLIn^ol* 
bellen an loaat nntotsrcisanliii oiliii mti'ivmeii Itault» ; EimaldankinUar, 
Krauta, BMUBlnagm , auch ciniolDe OarUhe, BUdci oU-, . OrtibafeaU* 
gung, Bmgai nnd Bnlnaii (uiHrhiilli do> Oru, WarMo, Kapalian, BoUi- 
fanhinaohan, KliclihSte, wcli-be >leh atiirarni inm OrU varfiudin. Kmu^ 
■talna, Wag^denkiDklDi, Orabhöicol. 

Den T«xt bagltitan AbblldDiigeii, thnili ZIukhochAtioD^n, tbaLls 
IitehEdi'iMke. 8ig sind mis tUt Kröüseren Meii^e der fUr dar Atnhlr an- 
gMamiDiUtn Haiiokiuan HUiti^ciTllhlt wnrditiL. Um ibur den cSudilu^ 
llebat alDdItendoii l.eitr nocb aii( dia Schitue dei Arcbii-i iii vein-eiHiij 
VÜid dia don TOrhhiirUiiBn, im l>riLckwark« nk'ht varöfleutlichtuii 2uichiiuDj;ai| 
und Pbalograpli^eQ durub ein (A) im Ton an^oKolgl. lila A4;bllduiigaQ 
aollan dar ll»u|iUacliii iiikIi du VataIlui<lnUi des Teitaa »rlaialileru, i(o<k 
hol Jki der AtmciM aaeh du iNtalaiWU gaittüUt, «ann aucli lii hetcbilüiiM 
lam UaaHt. Anrttftimgen niul ForUIiIn' /br di> ftmfipii A'wiM, ia 
/Br <ta> Kvnttgtuirrht , au i;<f>a». 



ErsUfi lieft. 

Gnithonogtham änchecD-Weimu-EiBeDacli. 
Amtsgerlchtsbagtlrk Jena, 

Mit 100 Abbllduii|;«ii >iii Teil niid SO IJüiiarn !u t.icidilruok. 
rtsis: 8 Hark. 



Zn('ib>s n«ri. 

Hetiogthniu äaclmeQ-AltoDburj;. 
AmlBgerlohtBbealrk Rod&. 

Mit 99 Ahbildiiiigeii und 7 Tarda In Llelildrnck. 
tVuis: 3 Uark 60 Pr. 



I>ai iritU M«! ifiu ritrU 110, dit AmUspnekUbtMtrki Knlda tutil Eil 
tiAaUmd, br^mdoi tieh unter lier /Vhm. 



11>jiim*nn<4a Uuckdrackor«! lUtimaiiii PahUJ IB Jan». — . 



Abhandlangen. 



XIV. 



so 



IL 



Die saalfelder Altarwerkstatt. 

Ein Gedenkblatt 

zur fUnfhuDdertjährigen VereiniguDg Saatfelds 

mit dem Hause Meiisen. 



Ton 



Prof. Dr. P. Lehfeldt. 



Hierzu Tafel I und IL 



30" 




In Thüringen findet nob nouh eine beiloiit«nde Anxiilil 
von Ältarwerk«» aus der f^pätüeit de^ 15. und dem Anfang 
des 16. Jabrliuud<^FtB. Sie huben die datafcle llbliclie l'orm der 
Altarauf aätze. Das gaoie GefSgo ist Schrei nerubeit Unten 
findet sich eine StaHi'el (Predella) mit Gemälden, bosiehunge- 
weise bemalten Holztigureu ; auf ihr, duruh SDiton-AuRiaduiigeti 
giöfseTe Bruite gewinnend, rukt der Hauplttiil: etu Mittol- 
ttohrein, nelotier den Schmuck farbiger und vergoldeter H0I2- 
flgwon enthält, und bewegliche Flügel, welcbe an den Idümi- 
•eiten ebeufallB Figuren , biaweilen KUoh QemiUdo , an den 
AuTseDseilea »tets Darstellungen in Ualerei Keiguu. Mehr- 
fach iit da» Uittclslbck dos Mittels ohreioes um eines dort 
augebrachten Bildwerkes willoo etwa« «rhSht; dann haben 
die SeitenHügel an den ent sprechen den Stollen zur Deckung 
jener Gberhöhung über den Ecken aulgesetate Flotten mit 
Scbnitxwerk . beziehungsweise Ualerei. Die durchbrochon 
ge«chnitJ!teo Brüstungen, auf welchen die Figuren stehen, 
sowie die Baldachine über ihnen sind sptttgotiBohon Stiles, 
Auf dem Uittelscbrein dos Hauptteilea ruht ein Aufsatz von 
leichter aruhitek tonischer Sohnit/erei mit Fialunwerk, in 
welche« einzelne Figuren, meistens die Kreuzigungügruppe, 
angeordnet sind. An den auf um gekommenen Altarwerkea 
Thüringens ist digger Aufsatz am häufigstrn TerstUmmclt 
□der gani TOrleren gegangen- Manuhen Altorwerken schliefs- 
lioh iat die Bereicherung xu teil geworden, dal^ hinter den 
btwegliohaD Fltlgela uotb ein Paar von Flügeln angebracht 
wurde, welches beim Scblielsen der ersten Flügel Halerelen 



300 Die Huafeldw AlUrvcrktUtt. 

ztägb und, als eine Kufsere HfiUe, nocbmalB geschlossen 
Verden kEtnn. Selten ist im Thüringischen die Vermehrung 
der Sohmnckfläohen durch mehrere Geschosse übereinander. 

Da Bolohe Alturverke häufig an Orten sich finden, 
velohen man keine eigene Kunstwerks tatt zutraute, lag der 
Gedanke an Einfährung aus öremden, berühmten Werkstätten 
nahe. 

Vielfach glaubte man &üher, in Nürnberg, dessen Meister 
Wolgemat mehrfach f^ Sachsen arbeitete, die gemeinsame 
Fabrik aller dieser Eraeugnisae snohen zu dürfen. Machte 
es sich dooh die ftühere Forschung gern bequem in dem 
ZuismmenfftBsen oder eher Zusammen werfen Ter schieden- 
artigster Kunitteistungen ; beliebt war zumal in Deutschland 
das Verfahren, auf einen Heister, dessen Namen und Schick- 
sale etwas genauer bekannt waren, alles Mögliche und auch 
Unmögliche eu übertragen. Noch jetit ist unsere Wissen- 
schaft den einzelnen SohulriohtuDgen und Persönlichkeiten der 
heimisohen Flastiker des Mittelalters und der Frührenaissanoe 
zu Gunsten der Erforschung Italiens weit fremder geblieben, 
als recht ist. 

Gerade in Thüringen laufen in jener Zeit der deutschen 
Ennitblüt« Tersohiedene Bichtongen and Einflüsse teils neben- 
einander, teils durcheinander, und es lohnt der Uühe, ein- 
zelnen derselben naohiugehen. So treffen wir eine Gruppe 
von Altarwerken, welche zweifellos gleiohe und eigenartige 
Urheber sofaaft Teiiaten , in einem räumlich ganz bestimmten 
Gebiet. Es ist das Land an der mittleren Saale und der 
Orla. Hier hatten im Mittelalter einige mächtige Grafen 
wechselnden und mehrfkoh zersplitterten Besitz, unter ihnen 
herrorragend die Grafen Ton Scbwarzburg und Orlamünde 
und die Herren von Lobdeburg in rielen Linien , sowie die 
Landgrafen von Thüringen, welche ihre Herrschaft dann am 
meisten ausdehnten. In Saalfeld hatten seit dem II. Jahr- 
hundert das Erzstift Köln und seit dem Anfang des 13. 
Jahrhundert« die Grafen von Sohwarzburg Besitztum neben- 
einander , so dats auch die Stadt Saalfeld geteilt war. 



Dia MuIfUdiF *JUnreik*un. SOI 

Dar MhwuxbuTKitfclie B«üU ward 1S61 antor dio Lehns- 
herrlichkeit der Krone BöbmeoB geü«!!!. «elobei BrM^* tat 
die Kun«t der üegend nicht ohne Eiutlura blieb, w«iiig>t«Ds 
DMh der architektouitcben und orn&mautalen SeiU Iüd. Im 
Jahre I3H9 gab Schwarzburg «eine Kechte auf den Mal- 
feldischen Besitz an dio Landgrafen Ton ThÜringeo ab ' ). Von 
doDBelben ist ea namanUloh Wilhelm der Tapfore (t 1462), 
unter welohom die Stadt eu lieber Blilt« geUngte, «ie auch 
besosdera an der Studtklrolie sicJi um die Mitt« de» 15. Jahr- 
hundeitt die bedeutendit« BauthUigkMt entfaltete. In d«r 
gleichen Zeit gelange auch der kälniMhe Itetiti su weit- 
gc^hendster Bedeutung. An der Stolle, wo jatxt Biob das 
hensogliche Schlof» erhebt, war van Eribiaehaf Hunno 1074 
eine Benediktinerabtei gestiftet und von Äufant^ an in un- 
gewt^hnlioher Weise mit Kecht«n und Kigeotum auageitaltet, 
eines dco- bedeut«ndstrn Kläiter lIiüriDgeDS. Ks ist wohl nur 
dadtiroh, daTsdle sämtlichen Gebüiide und deren Inhalt an lottern 
und beweglichem Gut und somit alles, was na dit) Abtei er- 
ianern kani). Terschwonden sind, tein Andenken mehr aue* 
gelöscht als das mancher anderer thnringisoher Klöster. Den 
höchsteo Ginne erreiolite die Abtei, deren Abt 1436 logor 
bischöfliche Bezeichnung annahm, ia der zweiten Hülftc dei 
1&. JahifauDderte. BOdiger von Heyn, aeit 1470 Abt, war ein 
ungemein thatiger, humanistischer und kunstliebeoder Mann, 
welohom die Abtei in jeder Besiehung viel verdankte. Unt«r 
seinem Kaebfolger Georg tod Gejendorf ward 1486 dio 
Klojterkiruhd wiederhergestellt und ausgeeohmäckt. Sein 
zweiler Knchfolger war 1496 Georg von Thiina (Tbun), aus 
berähmtem Qeiehlecbt, Tjelfaoh uns in SaaUbld als Stifter 
kircMiohor Baulichkeiten entgegentretend. Im Jahre 1497 
wurde der Abt xam Beichsfursten erhoben. Da trat 1 536 
die Beformetion eüi, und das ganse 8tifttgut wurde rom 



t) Crkimdc vom 10. Fsbrau llSC Hutln, Utknnilcabiicli dar Slidl 
JsOK I, Nr. 466 



302 I^ tuiMdff AltanrerksUn. 

Kmlnntan Ton BaohMU eingesogeD. Dunit horte die Her- 
■t«lliiiig der EeiligenaltSre natiu^emäfa aii£. 

Heut« und es TeriGhiedeiie Staaten, welche ädb in den 
Bentz der oben beieiolmeten Landitriche teileu. Es ist der 
Kmü Stalten in Sactuen-UeiniDgei), die Oberherracliaft von 
BchwarzboTg - £ndolatadt , Kreis Ziegenrück in FreuTaen, der 
VeitkreiB TOD S&ohBon - Altenburg , die VerwKltungB bezirke 
Apolda und Neuitadt an der Orla in Sachsen -Weimar. Syste- 
matiteh worden Ton mir bialier erst die Amtsgerichtsbezirke 
BsalfeU, Pöhneck nsd Kranichfeld im Meinic genseben, Boda 
und Eahla im Altenbni^ sehen und Jena im Weimarischen, 
sowie mehrere Teile der angrenzenden Länder untersucht. 
As vielen Orten bnden sich Altarwerke oder Beste derselben 
Ton so gemeinsamen Zügen und ausgesprochenem Charakter, 
dftfs sie genügen, eine bestimmte Eigenart festzustellen. 
Als Beispiele seien ans dem Amtsgeriobtsbezirk Saalfeld: 
die Altarwerke oder Beste in Qomdorf, Graba, Ober- und 
unter - Wellenboru and Weisohwitz, aus dem von Eahla: 
DienstädtOi Hummelshain »), Kefslar»), Meckfeld*), Neu- 
sitz''), Oberhasel^), Beinstädi'), Schweinitz ^), aus dem Ton 
Boda: Eleinebersdorf ^) und Lippersdorf '"), aus dem von 
Jena: Altengönna'^), Ammerbach ^^), Orofslöbiehau'^), Jena 
(im arobäologiscben Mueeum)^^), Löbstedt'^) and Uaua'^), 
herrorgehoben. Gleiche Herkunft verraten ein Altarwerk in 
der Kirche des rudolstädtischen Ortes Zeigerheim und zwei, 
aus der Kirche zu Oberpreilipp (beide Orte liegen zwischen 
Baalfeld, Budolstadt und Blankenburg) stammende, welche nach 
Sohlots Landeberg bei Meiningen gekommen sind. Diese drei 
Altarwerke haben schon toi längerer Zeit die Äufmerksam- 



1) Ban- a. Konstdenkm. Thür., H«ft III, TG, mit Abbild. — 2) Ebd. 
101, milAbbild. — 3) Ebd. 118. — i) Ebd. 128, mit Abbild. — 5) Ebd. 
ISO, mit Abbild. — 6) Ebd, 135, mit Abbild. — 7) Ebd. 153. — 8) 
Ebd. 161, mit Abbild. — 9) Bau- u. Kuostdenkm. Thür., Heft II, 18. 
10) Ebd. Sl. — 11) Bau- u. KuDStdenkm. Thür., Beft I, 4, mit Abbild. 
' Kbä. 6. — IS) Ebd. GG, mit Abbüd. — U) Ebd. 136, mit Abbild. 
d. 181, mit AlibUd. — 16) Ebd. 186. 



IHo »ftftIftIdH AH)LTw«rk4tMt. 



303 



kait der OiUfoischer «rregt. Prot'. S. ß, 8tark ging in den 
Neuen Uitteiiungen des thüringiicU - iiiLohiii»i:h«D Altertums- 
Verems 1850 (VIII), 8. 109 auf das Allarwork su Zeiger- 
beim und das gröfBere deT beiden oberpreilippor ein, inin 
Teil iti Anlehnung an einea Band Coileotikutien de« Sub- 
konrektors Waltber (aus der zweiten Hälfte des 18. /ahr- 
hiinderts), welober im fürstlichen Ärcbir ku KudoUtadt auf- 
bevabrt wird. Aus seinem Aufanti inlereflsiert uns foJ' 
geodes. St&rk laa die [n«ohrifl , wolobo nm oberun lUnde 
des (gescbla»euen) oberpreitippvr Altarwerke» «teht, »U: 
MCCCCUtXYIIlI in vigilia «uncti iabuouit compleUi out 
beo tabnla, er maofate die Holzdgureu usmbaft, uuU-r Anj;itbe 
ihrer Abzeiotiea, doob ohne auf den Kun«tcbar&kter eiueu- 
gehen, auPser daCa er sagt: .,di« Oeeichter sind sebr scbatrf 
und charakteristisch ausgearbeitet, so «elbtt da« des Moudea, 
auf dem Maria steht", und hob die reiehe Vergoldung und 
did fein ausgearbeitet«» Scbutadacber herrer. Hierauf wendet 
er sieb, sichtlich mit gröfserem Ittterenae, zu dun Gemälden 
der Ä üben seit en . erwühnt die Technik und beschreibt, die 
Schünheil rUhroend, die Figuren, ihre Stellung, Gruppierung, 
Beiwerk, Hinlergrund und I'arhengebung. Von dorn kloinernn 
oberprei Upper Werk, welches damals schon nnc-b SRhlofe 
Landsberg gekommen wer, giebt er, naob Walthcr, den In- 
halt an und den lesbaren Teil dtir lusuhrilt: Anno Dni 1-198 
«ompletu t<st bvv tabula. SchritUicbo lieugDiue Über die bei- 
den Orte, die Kirchen odor die Altarwerke, suchte er, wie 
er sagt, vergeblich und fnud nur dürftixo und für unser Gebiet 
keinen AufschluCs gebcude NotiEuu, Dooh eutgebt ibm nicht 
das Abbängigkeits Verhältnis Oberpreilippa Toe der saalfeldor 
Bmediotiuerabtei , wofür die Schrift von Sohameliiu (Hiito- 
riwhe Beschreibung etc. des IJenodictiDCrklosters eto. 1729) 
Anhalt giebt. Riolitig wird tos ihm eine Stelle oui dicMC 
Schrift gedeutet, wonach 1525 gologcntlich iJcs l<nuem ein falle« 
zwei vorlreMithe Altäre aus der «aalToldor Benedictiner- 
kirohe entweiidet wurden. „Blliohe wollen von drei sagen, 
wiewohl man glaubt, der eine »ei in die Kirche nach Builipp 



304 I^ sulfaldar AlUrwerkaUtt. 

gekomman" (iras, mangelB eines Ortes Beilipp in der Nlthe, 
nnter berechtigter Annabme eiDOB Druckfehlers und Häoh- 
lüohsr ÄasapTaohe: Freilipp bedeutet). Zum Sohlufa giebt 
Stark einige Worte kritisoher Würdigung, welche Biidi jedooh 
wiederum nur auf die Malereien beziehen. Alles erinnert 
ihn an die frtlnkiBohe Schule und Michael Wolgemut: 
„Yielleiobt aber können vir hier auch die Spuren einer mit 
jener firänkisoheii Schule verbundenen thüringischen Eunst- 
Ubnng erkennen, die etwa in £rfurt ihren Mittelpunkt hatte, 
wohin auch Kugler (KauatgeBchichte 8, 768) ziemlich frühe 
ausgezeichnete Leistungen in Skulptur setzt. Zu dieser viel- 
leicht sehr gewagt erscheinenden Vermutung veranlaTst mich 
die Lektüre jenes Collectaneenbandes von Walther, worin 
aufser diesen zwei Altären zu Zeigerheim und Oberpreilipp 
auch noch Altarwerke mit Skulptur und Öfters als seht 
schön bezeichneten Gemäldes zu Keilhau, Liohstädt, Sohala, 
Allendorf, Cordebank, Teiohröden, TJnterschöbling, Dörtifeld, 
Sohweinbaoh und Leutenberg — sämmtlich in der Nähe be- 
findliche, zum Teil auf einsamer Höhe gelegene Ortschaften 
— beschrieben sind," 

Soweit jener Aufsatz von Stark, welcher viel Gutes 
enthält, doch das Richtige nicht geraden hat. Seine Cha- 
rakteristik der Altarwerke trifft übrigens, zumal in Bezug 
auf die uns hier vorzugsweise interessierende Schnitzarbeit, 
nicht ganz zu. 

Ein anderer Aufsatz von Stark, veröffentlicht in der 
Zeitschrift des Vereins für thüringische Geschichte uad 
Altertumskunde I (IBS4), 8. 363 ff., behandelt das Altarwerk 
in der Kirche zn Keunhofen (bei Neustadt a. 0.), an welchem 
er die Inschrift fand: „Anno 1487 in vigilia bartholomei 
oompleta est hec tabula." Bas Werk enth&It an plastischer 
Arbeit: die Beweinung Christi als Gruppe, die Kreuzigung 
in zusammengestellten Einzelfiguren und eine Beihe von 20 
Heiligenfiguren; an Gemälden: 4 Fassionebilder, Verkündigung 
und Gebart, sowie zwei Bischofsgest&lten. Manche interessante 
Bemerkungen beziehen sich in diesem Artikel anoh auf den 



Di« Mftlfetdei AlUmerlnlalt. 



906 



plaatitohen T«il, die hier auBSUgtweire vioäcrrgogebun vcrdoa 
mSgOD. „In dem ÜeBJcht Chriiti (in der HftU)<i|crup|>D, der 
Beveiaung) mit der aetir schürf gexolmittenun AuKttaliaie, 
der geraden, Bnhiiial8t«gigeD Nase, dem gegpaltoneu , hüchat 
aorgfältig gebildeten Bart ist der altchristliohe Tjpus streng 
featgehalten. Der Körper zeigt ein merkwärdigea Nntur> 
etudiutn, so an der Brust, wie den hängendcii BdneD. Uu-itt 
dagegen ist in ihrem Gesicht durchaus individuell gebildet: 
hreit, mit ziemlich niedrigor Stirn, etwa» länglich grj-.ogenftn 
Äugen, einer in SchmerK und Weinen etwas aufgetriebenen 
Geaielitsoberfläche. Wir konnten unter don Praaen dM 
Bürger- und Batiernilnndes gerade der ToiKtländisohen G^ 
gend (?) ganz ähiiliehen Köpfen begegnen. Zwei Engel, welche 
einen Vorhang aufschlagen, sind mit rundem Gesioht und 
förmlichem Lockendoupä von individueller Bildung." Sehr 
vidi grölaerer Rnum wird in der Betiprechung auch bei diesem 
Allarwerk den Gemälden gewidmet, und es ist durchgehends dtti 
individuelle, das dramatisch Lebendige, wolabea hcTTOTgiibobon 
wird, NodauD manche eh stak turis tische Einzelheit der Mal- 
weUe. D«r Leser fühlt, dafs der Verfasser, wie es auob in 
seiner ganneu Zeit Ing , der deutschen Malerei wtiit mehr 
Liebe entgegeobraehte als der Bildnerei, So bn^ieht sich 
denn anoh sein zusammen fassendee urteil am Schlufe lediglich 
nuC die Gemälde; gewissermafseu zu eigener Beruhigung be- 
gründet er dies durch di^n „engen Zusammenhang im Üül 
Kvisehen den so rnch bemalten UolzgebÜdra und den cigeot- 
licbes Gemälden", obgleich dies gor nicht der Fall ist. Ällea 
weist ihn auf die Werkstätle des Jleisten Wolgemut hiu. 
Sdiliefnlieh macht Stark auf die gleichartige Abfai'sung der 
Insohrift auf den Altarwork^D Ton Oberproilipp und Keig»r> 
hnm auhnerkaam. 

So stand lange Zeit die Angelegenheit der thuriugisoliAn 
Altarwerke. Eine unsichere Überlieferung griff PlatK, daTi, 
was von den rielim hier noch vorhandenen Werken nicht in 
Nürnberg gL-fortigt worden, in »iner orftirter Werkstatt her- 
geetellt wordeo »ei. 8urk hatte diea, auf Kuglcr'a Kamt- 



806 



Die sMiIhlder AltkrwgrktUU. 



geadüohte weiter buaend, in joDom ersten Auftatx mit Vor- 
eioht gcmutmiirat ; Hefa wnr uk wohl, w<:1cIict dicite Hyputlioeie 
suuritt in beetinimle Worte: klnitlvtt^ Rr Teräffentlicbte in 
der Zeitbchrift ie» tliuriugi scheu OeaclüolitB- und AUertums- 
T«reioB IV (1860) S. -25 ff. eineu, in vieler Hiadclit »ohätBens- 
verlen Aufsatz: „über einige mitt^laiterliohe Holzbüd werke 
in d« Omgegetid Ton Wcimnr und Jena." Mit Wärme trat 
er dafür tiia, duTa unsere mittelalterliche JiildscthuitKerci 
Rundlichere Forsohung erfiüiren sollt«. Duraiif folgende An- 
gaben über Ursprung dieees Kuostsweige», Auordnun;;, teuh- 
mscbe AusführuDg, aethctische und etbiache Wirkung und 
EetstehiiDgezeit der A]tnrw«irke entspringen »einen reichen 
Kenntnissea. weija auch aicht SpesialBtudien. Ein eiosigor, 
auf den Stil eiaguhcuder Satz über die Ifängi-l soIcIilt Ältw- 
werke: unrichtige Verhältnisee der Körperliildung, au wenig 
ideulistiB(>ker GesicblsaUBdrufsk uud eukigor Foltoriwiirf, gegen* 
über den Vorsagen: eprechende Cbarakteri*tik, Natnrwahrheit, 
Innigkeit der Dorstellung und Trefflichkeit der Oruamen- 
tioiung, ist leider co allgemein gi'balten, diifs er auf violi: Schu- 
len und Werkstätten Deutecliianda Anwendung finden könnte ; 
ebaiuo aUgomein spricht darauf der Verfasstr von der An- 
wendnDg dieses Kunstzweiges in fränkischen und thüringischen 
Wcrks1tttt«n. Nadi dieser Kinl<dtung werden Altarwerke und 
ändert Hulxskulptiiron in den Orion: Sachsen hansea, Tnnudarf, 
Ammerbatb, Jona, Ettervburg, Umpforstedt, Unua, Ziegenhuin, 
Hopfgarten, Foasendorf, Zwütsen, Buclifuhrt, Blankenhuin, 
Lobcdn, Troittcdt, Weimar, OrofscroniBdorf uod tiabertidorf be- 
linndolt. Vorzugsweise wird eine kurze Beschreibung des In- 
haltes gogolion. bisweilen eine Beurteilung eingestreut, welch«' 
sich aber nur auf die Wertachützung im allgenii-incn bu:;icht. 
Zwei Bemerkungen nur haben auf die Herkunft uud die Art 
der Ausführung jener Altarwerke unmittelbar Bezug; diese; 
eind jedoeb, weuig^lens fUr unsere ümppo, nicht zulrcfiend. 
Er vagt (zusamaienfassonil): „Mit KUcksicht auf die grofee 
Anzalil Aoleher Bildwerke in Tbiirin^n ist es dnlier, wi* 
auch in der Abh^adluag toq ^cburu (Ober deutsohe Skulptur 



Dia «uir«lder Altanrnkutult. 



307 



mit besonderer Räcksicht auf die to Er^rt TorhandeneD 
Bildwerke. 1889) bemrrkt wird, nicht anwnhTSoheiDlicIi. dara 
sich nuob in Erfurt, als dem Mittelpunkt und gowerbrcichtteu 
Ort Thiii-ingens, «ine Werfc?l»tt für eolohc Bildwtnrke be- 
funden hat und hier in Mitt» und Ende da* Ifi. JahrhuDd«rta 
der gröfate Teil dieser Kunslf'ruduklo un^'oferti^ wordeu ist." 
„Weil aber diese AltuxBcbrein«^ in der Begel »uch nur vom 
einen) Meister besorgt wurden, der natblich nicht io den 
KuDRtzweigen dar Slmlptor, Malerei nnd OrnaineDtik gli'iohe 
Befähigung besaTi, so läfet defa nicht immer eins mich jod«r 
Richtung hin gleich roreiiglicJie Aitifiihmng erwArlvn." 

Es vergiHg nun eine Reihe von Jahren, ohne daf« den thü- 
lingiachen Altarwerken eine weitere, i-inKehende, sie Bus&mmen- 
fiisscnde und scheidende Beachtang geschenkt wurde. I>a ver- 
öffentlichte Oberbaurat Döbner in den Nmien B«dtiSgen «Im 
hennebergiachcn altert.umsfo räch enden VeToioe« III (I86I), 
S. 1 ff, einen grundlegendi-n AuFiata übor diu beidon ttua Ober- 
preilipp nach der linrg Iiuodsbur^ gckonimeuun Altarwerbe. 
Er sohiIdert(< tiie genau, bericlitigle tin dem grofteren difl 
von Stark gelegene Jahressahl auf UCCCOI.XXXTlll, las die 
Inschrift des kleineren AUnrwerke«: ,|Aii. dm. HKS oomplota 
est hec tabtila in Tigiiia nanoü tliome; facta est i ealfelt'* 
und hatte somit die Gebortsst&tte dieser bedeuteuden Werke 
gefunden. In den beiden oberpreilippor und dem zeiger- 
heimer erkaoute er die drei Altäre wieder, welche nach 
Bohamelius aus der Malfelder Abteikirche fortgekommen, und 
beigrOndete dies gliii:klich dnrob die Wuhrnehmung. diiCi< dio 
Hauptfiguren jener Altäre, Maria, Petru» und l'aultu, dia drei 
Heiligen der Klosterkirche waren, sowie durch dea Hinwna, 
dttTs die Altäre nir Bettung Tor den Bauern von den Geist- 
lichen selbtt in etwas entlegene Orte gebracht wurden. Das 
seigerheimer und das neaenhofener Altamrork, welche beide 
er nach Stark anfuhrt, «ioht er als derselben saalfeldr-r Werk- 
(tatt gehörig an, ebenso, mutmafsend, die von WalUier ge- 
nanntou Werke, und fUgt svei Allttre, welche sieh su ObemitK 
(jetst rerkauft) und su ProbstzeUa befanden, hinau. Besliglich 



306 



Dls Malblitar Alten>«(ksUtt. 



dfti Konrtcharkktan aber schlierBt «eh DSbnet an Stark os, 
sich ttigonan (JrUili über die Sti 1 ei gen tömli^ keilen ent- 
hMt(«B<) t trotK eingehender Bcachreibui-g und Wahrnehmung 
naucher Züge. Stark'« Ansicht, welche aut die Uf heberschaft 
Walgemat'i und der nürabtrger Sohul« sohlielien hUät, 
nimmt Däbner an. wandelt >ie jedoch »o um, daÜE der buI- 
fetder Werkitattmeittor, an «elchem er nicht mehr Eweifeln 
kennt«, ein Haler und einat OaMÜe WoJgemut'E war. Kr 
sucht sogar der Löaung naher zu kommen, indem er einen 
in dem StaSelgemälde tiines £u S&alfeld aelbit tu der SUtdt- 
kjrcbe befindlichen Altar werke« angebrachten Hirsch kaf er 
(Baumiohiöterl als NamenNteichen de« Künstlere vermutet, 
eich weiterhin auf eine Stelle in dem Werke von toh Eye: 
Leben und Wirken DüreKE, «tützend. Böbner sucht das Yvt- 
gMReu des aaalfelder KünätternamenB darin, dal'« der Heister 
nicht in einer durch eonsdgen Konalbeliieli berühmten Stadt 
wie Ntlnibvrg lebte, «der auch darin, „daf» er dch atatt 
des KamenB stets eines Daumachrbters bediente". „HtSt sich 
früher ein Altarwerk mit dem Baumschzöter in A^hokffeO' 
barg befanden hat, lit bei den kircltliehen B^ehungeo, in 
welchen Baalfeld eu dem Erxbiilum Mainz und Aschaffi-nburg 
»iaud, der Vermutung uiobt entgegen, dafa jeuer Künstlsr 
in Saatfeld »eine Kunst betrieben und Tennöge des kirbh- 
Uohea Abhängigkeitsverhältnisses dem dortigen Brzbttchofe 
bakannt und empfahlen warde." 

HierBu ist su bemerken, data allerdings die Benediotiner- 
abtei,- wenn auch eine Stiftung und fieütE des kölniachen 
Ersbistums, doch in kirchlicher Beziehung unter Mainz stand, 
und dafs von diesem ErBslilt gewisse Traditionen an ältere 
Ueebta fettKehidten wurden (das Nühore hierüber bringt der 
KOMhiehtlii^e Teil der „Bau- und Kunstdenkmäler des Amta- 
gerichtabeEirks Saalfeld"), wie auch dei Baumeister, welcher 
t4til> die Klosterkirche wiederlicrstellte, aus Uaini berufen 
wurde, ich erwtihue dieser Funkte, weil, wie sich «püter 
XeigBQ wird, Bosiohungen des *aaUelder Künstler« so Aschaffeo- 
burg oder Wartburg in der That Vorhanden eu sein soheinaa. 



Die Mftlfddar AlUnrarkttaU. 



309 



Mit diei«n rier ÄufgätBeo ist die Litterator tibei dia 
tliUringisoiien Allcrneike abgoBchloseen. Keiner, auob nicht 
der grorse Kreia der Ürteforsoher, ist d«i l''r«ge weiter nacbi- 
geghageu, trulüdem gerade m d«r saalt'elder Otgend Oo- 
lehrte und Luieu seit Jahres in hervorragender Weiso Oor 
Ktui*t der Vorzeit Liebe und VentSoduia entgsgeiibriDgea. 
Weder die Wagner-Urobe'ache Chronik der Sudt Yen 1667, 
noeh die WeihnaohtsbüohJein , welobe loit eicer Beihe TOn 
Jahren Eiozelhtüleu aus Saalt'elds nltor Kunst und Kultur 
trefflioli behandelD, Buchen den unbekannten Muister können 
üu lernen. Auch die älteren Schriftateller, wie lieb in ftein»r 
Balfdldograpfiie von 1629, Sagittariu» iu den Saalfeldi scheu 
Historien von 1672 und Kohamoliua in seiner Histonschen 
Besehrsibung des vormaligen Tomehmeu UenediotinerklostAr« 
auf dem Fetersberge zu Saulfeld 17^9, erwähnen nichts TOn 
der Ältarverkfitatt. 

Troizdem ist diese Werkstatt oder Schule durohaus g«- 
«iohort. Nicht nur der eine Altar im Schlofs Landaberg 
tiigt den Nameu des HursteUungsort«« ; genau in derselben 
Fassung steht »uob auf dem Altar su Oorudorf: Aquo do- 
mini 149(1 complela est heo labv]« in salvolt, und auf dem 
sa Neust tz, dafi ei 1515 in Sa&lfeld vollendet worden. (Den 
zu Unterwellenbom möchte ich hier anreiheo, weither zwar 
nidit den Ort der Herkunft, aber »wei Fische, al«o Tielleioht 
das laalfetder Stadtwappen, und die Jahresznlil 1612 tragt,) 
Diese Altäre zeigen aber so unverkeunbar die gleiche Her- 
kunft, wie die oben rou mir und ein Teil der von Hess 
genannten und wie noch eine Menge anderer ganz oder in 
Besten erhaltener Werke, daTa wir nicht an einer blUhendön 
und fiel beschäftig ton Werkstatt in Snall'cld Kweifelu können. 
Doch sind es, trots des Wortes: tabula, geradu nicht die 
Malereien, netoliu uns aoaiehen und einen einheitlichen Cha- 
rakter zeigen, sondern die von ihnen zum Teil recht erh«b- 
tich abweichenden SchnitRwerke. 

(Denu es iat eine faleche Annahme, daTs FUstik uod 
Malerei eiues solchen Werkes stete gleiobe Urhoberachaft 



910 



Di« MilMdar Altitnrerluui. 



bftben. AiM einigen UlUerilunjten, Wdlch« uns Über di« Wol* 
gemuf flclio uod uid«ra VerkntSti«» Te»ins«It übetlinfort sind 
nuhte miMi diese Begel. I>i«>o AnMhaaiing geht, wie ao 
Tiel*. an dpnon Bdoh hoat« die »ogenuiDt« popuUre Kunat- 
WÜMDROfuft zehrt, auf Kugler tunck. D«r»«]be ta^t ia 
•ein« Kun»tg«i«hichte (I«4i} S. 771: ^am Tojl küann 
vir «ogar mit Kntschiedeoheit annehmen, ähh d«r Haler, 
TOD dem die Flüge)l>ildcr des Werke* herrühren, die Leitang 
des Oanxra hatte und die Skulpturen nach seinem Entwurf 
Mchoitzon lieTti, wenn er nicht lelbtl Hand an da* Werk 
lagt«." Die bei Ku{[I«r darauf folgende EintehräolRuig, tou 
SpHtereo, ati uobequem, beiseite geschoben, xeigi ab«r gerade 
den voniohtigeu Subrlftstellor. „HeDnoob kSnnen wir die« 
nicht all) allgemeine Begel annehmen. ScJton in der Sache 
>e1b*t, dal« die an den HauptsteLlen d«> Werken befind- 
lichen Slüoke durch iintergaoidnote Arbeiter atiBge(uhrt 
vordro, liegt «in UifaTerbilltni«, du wohl in MneelDon 
FKUen »tattfinden, doch whtreilifih allgemein voTherrsohen 
knont«; dann finden wir in der Iltat «ehi viele Werlce, bei 
denen die Skulpturen ron ungleich bübervm Kunstwert etnd 
ala die Gemälde, ho dafe wir hier nicht minder deutlich in 
den Ualern die GehUlfen orkennen." Diese Anaahne pa&t 
auf uneeie Altarwerke.) 

Die BchniUereien verraten eine »ehr chara]ctcri»tisDhe, 
durah inanchDEigi-nhoiteii undSchönhuiten uns feEielnde Werk- 
statt einf« ganx bedentendeo Meietert. Hüls dieser Ueister — 
ob von Geburt, «iwcn wir nicht — jedenfalls ieinor OewBh- 
nung und AuschauuoKS weite naub Thüringer war, sprechen 
■«ine Arbeiten nua ; ebenso, dafd tine Schule in Frauken Ein- 
flafs nuf Miine Kuusttbäügkeit hatte. Die Halereieu auf den 
gleichen Altarwerken dieser Werkitatl sind hingegen nur zum 
kleineren Ti-il herrorragend, sie tragen die Konnxoichen tut- 
sohiedcner Schulen und stehen auTsor Zusinmenhang mit dem 
bildDorischeu Teil. Wenn auch die SohÖnhoit mancher gerühmt 
werden darf, sind die OeitiKIde doch nicht von der Art, dals 
sie Stoff KU neuen Anregungen oder Feraehungen geben, und 



Die saairetder AIUrw«rk«Utl 



8U 



küaueii daher hier kurz abgothui werden. Uauohe ciuil 
orsiiÄcliisch, «ae grotse Anzahl steht uuter uainitlel barem 
Eiuflufs Wolgemut'e und ma^ voa dem Eümtler mit dem 
KaumBchrÖter-AbzeickeD und GeaosecD gemalt sein. Ob der 
unalfelder BildsohDitümp ister verschiedenen, »um Teil in 
Nürnberg gebildeten tieacllen diu HerBtulIuiig der Flüg<-lbilder 

I übertrug, odi^r die Tafelo sur Bemalung uncli NürDborg 
schickte, bleibt hie auf weiteres dahingeateilti letztere An- 
nahme würde der damaligoa ^cit nicht suwidorlsufen. 

I :„ Sueben wir nun unbefangenen Auges drm ChuniktoTistiBohc 
an den Figuren des snalfelder Uoisters feBtxii» teilen. IHo 
8ubDit£atbeit zeigt uatüilidi maucbe Züge, wdlohe den üuli- 
(dsuhen und fränkischen, ftber auch audereu deutsuheu Werk- 
stattaD jener Zeit gemeinsam sind, »o dal's sie nicht aua dem 
tioeamtbiMe jener Eimstfintwieklung huruunfallon. Zumal mit 
den &iiiit:i sehen Werkstätttn (oder Sohuleo] iHt eine Ver- 
vrandtscbaft Torbanden; mehr nicht. Die eigenartige Auf- 
fassung ist bedeutend genug, dafs wir gernde der uUrnbergtr 
Kunst gegenüber mnnohn* Qnlerecheidende fegtateüen können. 
Doch ist eine Anknüpfung ua diese bequem, da bei der nJl- 
gemeinvn Bekatuit«chaft mit ibc die Pestatetlung gemeinsamer 
zage Bwisohen den niimberger Kiinstleni und dem saalfeldi-r 
Ueicler kürzere Darstellung ermöglicht. 

Beiden gleich ist das reoliatiHcbe und das äbeitreibende 
Uomeut. Christus uud die heiligen oder Tomehmen Per- 
aonliulilMitea werden edel, „böfisoh" (am einen älteren 
Ausdruck viederau&unehmen) an Gesicht und (echlankerer) 
Oostalt gebildet, die Frauen und Jünglinge bewofst lieblich 
und geäobmeidig, die Männer würdig, die Greise ohaiakter- 
voll; Figuren, auf welehe eich Veruchtung oder üaTs der 
Beschauer richten sollen, eriolieineu plump, auch gesobmaok- 
loa in Figur, Haltung und Kleidung. Femer tritt das phan- 
tastische und das (Iramatisoho Qoflihl des Deutscheu ror, 
selbst auf Kosten der gesunden Naturanschauimg. im I'athos 
bis znm Theatialischen, im Humor bii zum Oroteskcn über- 
trieben. 

XIV. 2 t 



SIS 



n* 



DU iMMDdsren K»ni»M«h«B iungegwi, ircUb« imm Attar- 
««rlmi dM SmIs- itad Oria^bistM, g«feBSfcer madmmr, xumI 
BürnbargiMlMr Waiae, gammaaain sind, mä Caiftalm. Di« 
KSpf« nud randlieh, dt« Bmuw w*rd«H gom lUik gtioekt nsd 

«• Cülcn bM j<qyBdHdi«p 0««talt«s, b«t EagMln nad Tnh« « 

d«n RTUtK«tii(«n , di« LMkan rieBÜch ÜH tnf di« Stin. 
IHe Stirn iat T*ebt etunktulUtiMb, ibA gMröIbt, dkbat ahm 
glitt semdrt md nur wt nMdeUi«rt, bei Fnnen rioiUeh 
bfteb. Dm iiuiid«Ulfniig:«n Aagm hmhtm fein« Bilduag;, dab« 
sb«r »charfkAiitJgcB Scboitt d«r Aag;«Dknochen. Der Aofdmck 
iat mild-freundlich, bei Fraa«D md Kindern dcBiötig, Uebücb, 
ohne Mntimental xn «ein (wie in vielen dmtachen Scbalen), 
bei Uinnera auh Alter and Chankter oft rocht indiTidaelL 
Ein bedenUaraee KnuMieheu bilden wiedemm die Becken- 
knooh«D, Sie treten unter den Aogen krSßig vor. lind dnbsi 
ebsr weder knochig-bager (wie bei einigen nämberger KQntt- 
lem) noch fl«iichif[-Toll, K>ii4lerc rundlieh in weicher, feiner 
HodellieroDg. Die Na«en und clwu kura (»o deTs die aatere 
GwiohtehSlfte dadoreb oft tu Ung Bn«beiot), mweteni gored« 
und mit (tarkon Flngelo gebildet, bei Freuen echt gotiseh- 
deu(e«h, d, h. klein und na der Spitxc gerundet, bei wttr- 
digen Ifinnem, z. B. heiligen Bifchöfen, maoehmal reobt 
liidiriduell , bei den minderwertigen Werkita Herbei ten miSi- 
Itmgen und hdtxero, im aUgenteincn aber nicht beeondera 
eh>ntkteriitiach fttr di« (Jehole (namentlich nicht auffalleod 
«chmalit«gig, wie SUrk angiobt). Hingegen ist d«r Schnitt 
der I.ippcn eine« der hnuptaKofaliehiten Kennieiebeo der 
(ualfelder R<'hnitxkunitt. Sie treten nämlicli rer, sind nber 
dabei nieht etwa Üppig geeobweUt, sondern an Ober- und 
Unterlippo gewissermaraen etwaa gekehlt geiohnittca und 
lohnrfkantig. So erhält der ganxe, oft an sich etwas tu 
klvino Mund etwas ungemein elerliab Narvos. Im Votksmund 
wttrile man vcu einoin der lieblichen, uns so aneohauendna 
Bnglsin nagen, eii macht ein Hohnutchen, mir fehlt ein pas- 
smidor SobrifUutdniGk dufär. — Betrnohten wir weiter die 
Kfirperbilduug. Die Kenntnis dor Anatomie ist in den Einxel- 



Die suJf«ld«T Alterverkitett. 



313 



gliedern am« gute, weniger in der GeBamtpropoitioD. Dig 
Oeetalten sind wohl im ganzen nonnal, dnb«i mit aaB)^- 
■ptochenei Neigung zum Sohlanken und Bliutjichen geformt; 
da aber die Beine, besondera die Oberachenkel, hüuög zix 
koTZ geraten (dies namentlioli bei Figuren mit TL-rhülloaden 
Kleidern), ao eiaoheinen dann die Körper in ihrem QeRftmt- 
eindiuok zu kurz und die Arme zu lang. (Wie nisn neht, 
ist alao darin die eealfelder Sohule gleich veit von der ge- 
streokten und zugleich atarkbrüatigeu Bildnng etwa eines 
Veit Slosi, wie ron der gedrungenen Derbheit eine« Adam 
Kraft entfernt.) Die Hände sind, je nach dem aasfuhiendeti 
KUngtler oder Gesollen, sehr verschieden modelliert, maooh« 
treMich individuell , mit Beobaoh tung feiner Binzelheiteo, 
manche firmtiob schleoht, mit den typisch stookartigen Fingern 
der Zeit. 

Die Faltenwürfe holten die Uitte zwischen den nüm- 
bergei Knitter&lten und den klassiselteD edelo Motiven. In 
ihnen zeigt sich ganz bedeutend ein oberdeutscher Sohol- 
einHufs, welcher vielleicht mittelbex, vielleicht dnroh eigene 
Studien dem saalfelder Ueieter üngekomraeo sein mag. 

Stellungen und Bewegungen der Figuren sind im All- 
gemeinen, ohne leblos zu sein, doch ruhig. Der ganzen 
KuDstriebtung enlsprioht überhaupt ojn gewisses UnrBhalten, 
tönt gröfsere Fn^udu an Feinhirit und Liebenswürdigkeit 
(Mlb>t bei Bohmerudurchdningeuen Geiitalten), als an Kraft 
oder Leiden fiohaftliubkeit. Das Innige und das If&turliohe 
Kugleicb gelinj;t am besten und wird auch am liebsten dar- 
geatellt 

In dieser Gesamt - Auffassung liegt ein Hauptunter' 
sohied unserer gegen die benachbarteu Bildemohuien , so 
gegen die nürnberger mit ihrer mehr äufserlioh drama- 
tischen Hält«, die edle ernst« des unbekannten Meisters 
vom Creglinger Altar (welchen Bode zuerst als selbständigen 
K&aBtler oharakterisierte], oder die mehr iunerlloh weh- 
n&tige, hCKw. freudige des Xilmann Biemenscbneider. Bei 
dorn uatfelder Meister vorriit sich in den nicht giradexu 

21* 



3H 



Dia kMU«ld» AlMrmrktlalL 



oiitor PasKtoDHlantelluug angeliüreDdBD Fenonvn ain cc 
thuriD^idier Atudiu&k voit idyllisoher HoiUirkeit,!. velohe 
buwftUen an Ö&b kbcUich Biifareude atteift. Selb»t bei den' 
UadonDOD und bei würdigen Greiaen tritt ein acbalkliaftar,' 
aomnüg rrühlichei Zug hervor, welcher ück in einEoln«!!] 
Uefltalteu bin xum bewiilat UumoristiEchen steigert. Diflj 
rittorlichea Männergestnlteii ersubeinea in ihrer ■'ogendlriMhM 
die geistlichen WäFdentrüger mehr in heitL-rem Behagen «If- 
in Elreuger Würde. Dabei tat iu gnnz beiuerketiaweTtel} 
Weise, und mehr &I« «onst meiat in der deuUuheo Platüle 
dos JJitteialtor», der Versuch gemacht, das We&en der eiit-f 
xeloen Ueiljgen aul'ser duroh ihre Attribute auch durch ilun( 
gonzu ErecJieinung wiedorxugeben. Nehmen wir z. B. lUtf 
drei, in ihrer Bostung oft dnander ftholichen Heiligen, mt 
lassen sieh doch die üegeafrohe, ritterliche Haltung ouiaii( 
heiligen Georg, die jugendlich unbebugeoe eines Veit, did 
kliuusch ideiüitierto cin«e Michael hier vohl nut«rscheideii4 
Solb«t bei voll ständiger Zerstörung der Attribute zeigt eioB 
die Oharaltteristik, &eiliiih nur an den beneeren Werken, und 
die liBflsflh gezierte Magdalena, die kSnigUob vomehDul 
KathaiJDB, die demutsvoU in sich befriedigte Barbara, dis 
leutselig mitleidige Elisabetb sind wobi heraus luerkennon. 

Faisen wir nach alledam die Wabroebmiingon kurx xt 
aamroeu, »o Kuigen siub die Hauptunter«chiede ilor «aolfelda 
vou der nürnberger Weite in der geriDgeren Kubärfe 
BsBliBinus, und zwur bei der Bildung der Gesichter, bei de 
Faltenwürfen und bei den Itowegungeo der Figuren. 

Was dio Färbung betrifft, kann ioh mioh kurz £aaa«l 
d* die Technik dieselbe ist, wdobe O. UoUiei in zwei 
tikoln der Allgemeinen Wiener Kunatobronik 18ttß, S. IH 
und 141, als die von ihm au säobsisohen Sohniüswerke 
beobaobtete eingehend behandelt hat. Leinwand iit 
etuelnen 9t«Ueu lum Schutz gegen das AuCreifsen ode 
«am beMWAD Haften des Kreide gründe« aufgeklebt. Dies« 
Krotdegrund wird in Tcraobiodener Stärke darüber gebraob4 
•tvU aber mit «o feiner BeroobnuDg, dab eine Kritik, 



Die *u)Md«r AlUrworhiUtl. 



815 



abg;e waschen eo Schnitz werken getlbt, za FehhchlOMOn fiihrt. 
Sie Farbe wird mit Üeruokaicbtigung Av» Stofflichea losiereod 
(bei seideoartiger Oewaedung), halbdeok^nd oder ganzdeckend 
(bei Wolle) nufgabraeht, dazu kommt Belegung mit Blatt- 
metoll , due aauber poliert wurde, oder Bomolung mit Deck- 
farbe und Metallbrotiee. Die Haut errwheint durch mehrfunhe 
kombinierte Behandlung yerfichiedeuer Techniken «nmmetartig, 
DatiglänEend. Der Fleischton ist in sehr feinfühliger Weise 
nicht ala Änrtrich. gondcm mit den nötigen Abtönungen der 
Wangen etc. und doch wieüer nicht ganii naturgetreu nach 
dem Frineip der Täuschung (wachs puppen artig), tondem mehr 
nach dem der Unterscheidung anfgepinielt. Hier verrät (ich 
die liebeTollste Sorgfalt, und die Farben glänzen bei den 
guterhaltenen Werkt-n in einer durch vier Jahrhunderte un- 
Ter minderten Frische. 

Die gleiche Liebe und geachiclcteste Tocbnik zeigen die 
ornamentalen Schnitzereien der Sockel, der Baldnchino und 
Aufsätee. BeBonders die Baldachine einil in ungemein künat- 
licher Weise durchbrochen geschuitzt. Das scharf gezahnte 
DiBtelrankenwerk schlingt nicb in vielfachen Windungen 
durcheinander, bisweilen rermohrt durch die aus dar Antike 
herübergebrachten Äcersceen formen (welche Ornnmentierungs- 
weise Jacobithul mehrfach, u. >. in der FeEtichrift zur P-in- 
weibung dee OebSudes der teohniBchen Hoohaoliule in Char- 
lottenburg 1884, S. 275 ff., eingehend behandelt hat), oawie 
durch einheimisches, na turalia tisch wiedergegebenes PÜanzen- 
Twk, beeonderfl PaasionsblumeD , Weintrauben und andere 
OewKohse sinnbildlicher Art, welche Ju die Banken oft gar 
anmutig bineingeflochten sind. 

ITaohdem ich nun versucht habe, die Eigenheiten der 
gaalfetder Bildschnitzer ei zu skiszieren nnd mit der vordem 
aU Yersorgerin ThäriDgen« genannten ntimberger Schule m 
Tergleiohen, gebührt es sich, auch Erfurt, welches als- 
dann nl* Mittelpunkt der thuringisohcn Altarwerkherstellung 
bezeichnot wurde, in den Ereis der Vergleichung zu ziehen. 
Hallen doch Stark und Hess, joner auf Kugler, dicHer auf 



816 



in» Milfildor AIlKTWeikttotl. 



Too Schom sich berufend, Erfurt hierfür in Anapruch ga- 
nommen. War nun eeitdem üirar Saalfeld »Is Ort «in« 
selbatändjgeu Werkst&tt gewoDoea, eo erschien mir eine 
TJnterBuoliuug der liauptsäcblichea . io den Kiroheu Krtaxi» 
noch eilialtenen Denkmäler gleichartiger Flaetik geboteo, tm 
zu sehen, ob vielleiiiLt die enolfelder Werkstatt oino ToehUr- 
üder ZweigikDstalt jener erfurter gewesea sei, oder liuli we- 
nigBtena AntdogieD beaw. Terwandisohbflliolie Züge zwiseheu 
beiden finden lieheD. Das ErgebDJs war ein gänzlich oega- 
tives. Kein Schiiiteverk in Erfurt hnt eine eatsobiadane 
Verwandtsobaft mit saalfelder Arbeit. Noch mehr: tli* 
Arbeiten in Erfurt eelbat zeigen bedeutende Veritchicduii- 
beiten voneinander '). £rwiea diese Uaturauobung also, dafa 
Saulfeld in keinem kÜnstleriBchen Zusammenhang mit der 
gröfaten Stadt Tbüringena stand, so liegt doch die Frage nahe, 
ob nicht die Werke des aaolfelder Meisters mit denen irgend 
eines gleichzeitigen Meisterg Verwandtschaft haben. Da tritt 
UBB denn eine, cJlerdJDgB nur bedingte, Ahnlichteit entgegen, 
nämlich mit den Arbeiten des Tilinauu Itiemenschneider, jenes 
Ueisten, «ekher, nQrdücli von Thüringen, am Knrz geboren, 
sich gans in Ünterfranken einlebte. Bei ihm , vie bei dem 
Saalfelder iat das Bestreben , die Darstellung Torstäodlioh 
2um Auidruck lud jede einzelne Figur mögücbst klar und 
einfach Eur Geltung lu bringen, die HauptBache. Beider 
känstirrifichei Yermögen liegit in der Schilderung einfacher 
Zu« tiind liebkeit und innerlioheo Qelublee. Diese „unmittel- 
bar 2U unserer modernen Kmpßnduug sprechenden, bald 
wehmütig scbmerü liehen, bald einp&udsam Uebliotieu Züge" 
(Bode) sind es, welche uns eigeuailig und lebensToll an- 
sprechen. Beiüglich der Modellierung ist beiden Eüastlem 
auoli die LockenfuJle der jugendlichen Köpfe gemeinsam, der 
klöne geschlossene Mund von zierlich geschwungene n Union 
(bei dem saalTelder Meister nur oharaktorlatiiober gcsohnitten), 
di« biiwoilen sohwücLliche , doch aueh aDmutige Haltung. 



I) Sieb» AnhsiiK- 




Die «utfsldir AlUiwtrktlut. 3^7 

BD uulenoheidan den Moisttir Ti] Ton uoatnnn 8b*1' 
faldec a. «. leine unTerhältnit>mi£iig kleinen Käpfo und 
kurzen Oberkörper (1], die aobkukeu Qe«taltea und Rclunalen 
Hüften der Frauen, die etarkeu fiuokeuknochen und zamal 
die träumeiiBoh geeenkteu Augenlider. Es wfire also wohl 
möglich, dofii wir für die Schulong uiitorii« »oulfelder Ueislart 
die gleicbe Lelirfttättü wie für den gluicliKUngun liiemeu* 
Hohneider zu euclien haben. Auch lilerfür giebt un» Boda 
in dem genannten Werke S. 167 eine Fiihrung, indem er 
durelibtivken läfat, dafg Tilmaou rieUciotit in einem Schüler- 
vorhältnifl zu jenem Meister des Creglinger Aitares geataoden 
hat, weluhen Bode mit achlageodeu Gründun ron Tilmann 
sondert. Dieser Lehrer war besoudärs Kwiiuhen den Jahren 
14T4 oud 1S04 für Ort« an der Tauber (CievUngfiD. Det- 
wang, Bolhenburg, Uriinsfetd) thätig. Kr iteht freilich der 
ülteien Biohtung niher ale BiemensoboeidtT uad der saol- 
felder Bitdeohnitcer. Die energisoha Kopfbildung mit (tarken, 
bartea Backenkoochuu, dat mehr Luidouiuliuftlicbo oder Teior- 
liehe in Ausdruck und Bewegung und im Uegeuiiati! daiiu 
die reiche, unruhige Gewandung — diee und manche« an- 
dere sind wohl lu beachtende, unterscheidende Uerkmale. 
Wenn aber Bode, weluhem der Kiin»tJer beBonden wichtig 
und einflufsreieh im weitereu Kreide enobeiDt, die weehsel- 
ToUe Charaktenstik rahmt, dat feine Studium der Köpre mit 
getohniackToll angearbeitetem Saar, mit aoharfein Schnitt 
der Lippen und Augen, die weiohe Behandlung des Fleische«, 
die schlanken Finger, deren l^piel der Künstler xur Ver- 
BtXrkung dea Autdrueka eu benutüen versteht, dann tritt una 
ouvillkiirlieh das künstlerische \7eseu dea Saalfeldere ent- 
gegen, wenn auch gt'äodert, virileicht durch spätere Studien, 
durch persönlichen Gosohmaok und thüringicobe Sonderart Uag 
tum auch ein unmittelbares SohüleTverhältuii des Saatfelder 
Künatlers xum Moiater vom Creglinger AIIat ein» xu kühne 
Vermutung «ein, *o worden wir doch jedenfalls, um dem 
StuJiongang unicrea Bildnohnitxets aaohzogehen, nicht Alittel- 
franken, sondern DuterCr&ukun, nicht Nümborg, aoodem 



318 



Di« Biuiir«l<l«r AlUinrorkaUtL 



Würzburg und AschafFonburg aufztiauolien tuiben. Hiermit 
•tämint denn Huoh. der TorhoT eiwülinte kircfaliohe Zu«ftinmeii- 
hnng zvriaulieii den letzter^^n Orten und Saalfeld öbetein, und 
so ist es auch acbr wohl mägUch, Aaü einer der OesellcD, 
tlie unter dem Malfelder Bildechniteer-IkfeiBter die üenSlda 
auBEufdhren hatten, jener war, Ton welcliem ein Bild im 
Torigon Jithrhundert in Atohaffenburg bekitnnt war. 

Ob scbHeMich die sttBlfulder WerlcEtatt uuler dem Schutz 
lind der Pflege der Benedictiaerabtei oder selbständig er- 
blühte, ist leider nicht mehr zu entschcidoD. Wahreohüa- 
lioh ist das eretore. Wenigstens die drei ehedem in d«r 
Klosterkircha befindlichen und ilie yielcn noch in den Eirr-hen 
gerade der Stiftsdörfer vorhandouon Ällarwerke zeigen, dafa 
die Äbte in der Spätseit des 15. und in der Frühzeit de« 
16. JmhrhundertB , n'ie sie baulustig und bunetfi'eiuidlich 
waren, so auch durch BeRt«lluD§; von Allüren viel für diea«n 
Eunstüweig thaten. Wir werden also den harten Torwurf, 
welchen ßrilcknei in setner Landeskumie von Meiningen (naoh 
dem Vorgang von Soliullea) der Abtui niuuht, dafs während 
ihres langen Bestehens ihre Sache nur Sohwelgerei, MüTaig- 
gang und Oüteijagd war, als grundlos EurQclEweisen kSnaen. 
Ein gutiger Zufall aber mägo uns irgendwolohe achrift.liotae 
Naohweise Über die Thätigkeit der Saaifelder Werkutntt tiiid<,-ti 
lassen, deren Werke noch die Zierde so manober Kirobe und 
Zeugen der vordem mitten im thüringischen Lande aelbstSndig 
arblüheodeu Kunst sind. 



d^0 



Anhang. 

Üb«r die sptitgotischen Holsbildwerke in 
Kirchen Erfurt). 
Da« Altarwurk in der Barfüfserkirche entspricht noch 
den Oborlieferungen dos l'l. Jahrlmiiderts, steht nufierhalb 
uniieros BatTachtuugskreiBes und bat auch keine vorbildUobe 
Bedeutung. Viel 2u grofse KSpfe, die bei Männern eckig, 



Dtonillhlder AlMrwarkKUtll. 



3lß 



bei rtunen zu gering modetlieTt und, fallen un* tat, über- 
Bchl&ulce Hände mit Fingern gleich Stäckcheo. die Qber- 
milfgige Verhüllung aller Oliedet mit CewäadeTii , deren 
wenige F&lten mäfBig gebrachen «ind. ohne den edlen Flufa 
der Hoohgctik xu zeigen. Sie (Irnbleguiig Ohriati im Sem, 
auB der ^ipätiieit des 15. .Tabrhunderla , lehnt, sich gnnz nn 
die Nürnberger Wolgemut und Veit Stoss on. Nur die 
sorgQltig gesoltnitzle Ha^iptfigtir «cheint Ton dem Werkatutt' 
meiBter gearbeitet zu sein, die übrigen Figuren Gebellen- 
arbeit. Die etwKB knochige , dach noimaje Bildung der 
Käiper, eine gewiise Leiden achaftliohkeit, bewufste« Strebcm 
nach Ausdruck sTo! 1er Wirkung bei verachiedener Bildung dnr 
Augen , nach malerischem Effekt der Piastik , nach Eflekl 
überhaupt sind Hauptzäge, wie denn Christus allein in kräf- 
tiger Männlichkeit gegen die vielen Frauen und den weibisch 
gearteten Johannes gehalten , Hikodemus auch um dieser 
Wirkung willen kut Seite gedrängt i»t. Da» «pStgotiiohe 
Altorwork in der Predigerkirohe entspricht dem Künstler 
einer 8chule, in welcher der niederländitiohe Biuflafs ziem- 
lich stark war. Weitbanschige , knJtterfaltigo Gewänder er- 
blicken wir, intime Beobachtung von kleinen Zagen des 
Lebens, t. B. bei der Oeburt Jesu, IbfaT^halten des Küast- 
lerisohen, Freude an edlen Bewegungen, gute Korperkenntaii 
im Einzelnen bei mangelhaften Geaemtproporfionen, sorgsame 
Wiedergabe Ton Geräten und Beiwerk. D&t Altarwerk in 
der Begierkirche, welches Stark und Andere dem Wolgemut 
xuschrieben, erinnert in manoher Hinsicht an die Arbeiten 
der unter&änkiBchen Werkstatt, deren Meister nach Bode der 
des Creglinger Altars ist Der Itogterki rohen- Altar hat darum 
ein gewisses Interesse bei unserer Betrachtung, da von mir 
auf die Ähnlichkeit des eaalfelder Künstlers mit dem Creg- 
linger Meister hingewiesen ward. Doch sei bemerkt, daTs 
die ähnlichen Züge üwiiohen dem Reglerkirohen -Altar und 
dem Creglingor Altnr gerade nicht dieselben sind, wie 
xwisctieo diesen und den saalfelder Werken. Die Gesichter 
»ind beim erfurtcr Altar im Allgemeinen oval, oft mit zurück- 



aao 



Dia ttUmlim 



tu^^Mitv Stirn aai jtescfavaBgcnu 



aber V 



«tt 
•iad 



RtfCMtM Aiv<B. mit ^HUMT XaMi Um BMkMkBoehea 

t>M Ifiuani kaoeltis-hageT, W FiMen gaÖBs modälicn 

unter d«ai laveileB (•affiMtm Masd tiiu b«i »««idliBhMi 
Heiligen daa Kisn U«ia »tu tleischifeB Catttrfciiiii 
Uesichtutudrvck uad HiiluBK tind ettna Bächtara dl« G^ 
■talt«B DOdi »tatBkriKh ^tHmden. sugar, toit knÄchaniM 
Händen. Dia Gcwäitder babm «ofKh gataa Falteimrf 
mit miUngeti KniekuDgae; chuaktorütiKh iat eioc Xadruiur 
Fftltm «tr»ff Uag »u K-ehen. B«i dieMm Alt*nrerk üod di« 
Oemiüde dam Figörlidten übcrleg«n, 

Aua dieMr kurzen Rucdfchau sehen wir. dolV in den 
Ait&rwerkea Eiftuis selbst kein Aitlult dafär sich bicteL 
eine fettgaschlotsene Sebola odat Werkstatt dort uisuaetuBMi 
0brigeni aber, mag eine solche bestacdeo haben »der Dicht, 
die Ton den Späteren lierao gezogenen GewobruDÄnner SoliorD 
und Engl er «ü>d in der Th«t gaai untchuldig «n diseer 
UjpoUwBe. SobOTD bat in leinem Fertrortnge tob 1833 
göäde die MaanigCaltiskeit in Zeit und Charakter an den 
erivrier Denkmälern in Stein, H0I2 und Uetall h«rTor< 
gehobsD und, so gnt ee bei den Eenntnisseit der damalino 
Zeit gingt versucht, üo in äcbolen einsuordnan. Den Alt«r 
der BarfuCMTkirche »teilte er als eine Leistung in der Weis» 
der kölnischen Ualertchutc (diese war damals die bdnuat«ste] 
dem ,/lam 8tjle der Kyk'ichen Schule gehörigen" AlUr der 
Predigerkirohe gegenüber und versucht«, beider Unterschiede 
i^Btxiutollon ; dann schilderte er die Welgemut'sche Schule 
und all deroD Boi«piel den Bcglettdrohcn-AIt&r und sohlorii 
damit, daCi auch der Stil Adam Kraft's einen BeprXsen tauten 
an der Grablegung im Dom fitndo. Ho weit Sohorn. Kugler 
abeir sagt auf der von Stark und danscti von Döbnar an- 
' gafllbrten Keile T6S nur, nachdem er von Kraft, Riemen- 
Schneider und Uoring gespreohea ; ,^adere Leistungen von 
nahe verwandter Richtung sehen wir schon beträchtlich frllher 
in TbBringea. Doch fehlen uns hier die Namen der Bild- 
h«u«t. In diesem Betracht und einige Werke in Erfurt au 



Dis MUtIfeldir Alt>rw«rk«UtL ^1 

ueDUsn." Uod dum neont er, anf Sohora's Tortrng fufiend, 
die SkuIptuTen on einem Tftu&tein und swei imdere, aber 
ebenfalls Bieineiue Sildwerke. 

Aus dem Vorhergehenden nun ergiebt sioh, dafs, wenn 
Erfurt während des Mittelalteri zwar nicht „Mittelpunkt 
einer mit der nümbergiBoh-fränHeohen Sohule verbundenen 
Kunst Übung" war (Stark), wennen mit mehrEeoht „dsr Mittel- 
punkt der Eunntentwickelung in Thiinngen" von Bodo ge- 
nannt werden konnte, diese Bezeichnung sich lediglich auf 
den B«iohtum und Kunstsinn der Geistlichkeit und der Büiger- 
Bohafl, welche fremde Kunstwerke zusammenbrachten, be- 
ziehen mufs. 



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PM. JIrAintM (■ J'na. 




UtMSruit MO JNmmlv ■* Jmiii iit Dradtn. 



MHtelschreln des AKarwerks in dar Kirche zu Löbstedt 




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III. 



Friedrieh von Thun, 

Earförst Friedricbs des Weiseo Rat und Haoptmann 
zu Weimar. 



Vortrag, gehalten auf der Hauptversammhing 

des VereiDS für thüringische Geschichte und Altertumskunde 

zu Jena am 23. September 1888 



von 



Dr. Frhrn. TOn Thttna. 



Hoeh^ehrt« Vorsunniliing ! 

die Zeit des Lutherjubiläuma, im Oktober I8B3, 
tauchten in meiner GriiiDeruiig einige in früherer Zeit mir 
bekannt geworden«, aber nicht souderlicli beachtete Bemer- 
kungen äbei einen Familien an gehorigon auf, und bfiim Naeh- 
Buchen fand ioli viedei den Batx: „Friedrich von Thun, 
Herrn friedrichs Cbuifnritteii 2q Saohaen vertrauter Bhat, 
und Anno 151B. autih etliche Jahre hemaob, Hauptmann zu 
Weimar gewescu , ein hochweiser , kluger und verständiger 
Mann. — So itft er auch des Herrn Dr. Luthers Lehre 
und Person gar wobl geneigt, tind Bonderlieh vom Obut- 
turaten bu Sacbeen auf dem Hriohstag zu Wormbs dazu 
verordnet gewesen, neben andern auff Dr. Luthem mit Höh- 
lung 2u haben, das derBelbige nioht fitwao übereilet würde: 
irie er denn auch mit Fleis gethan und im treulich beige- 
wohnet." 

DaTs ThuD ein höherer Beamter des „weisen" Friedrich 
gewesen aein und in den denkwürdigen Apriltagen des Jahrea 
1521 dem Jttformatot der ab eodländi sehen Kiruhe zur Seite 
geslandeu haben solle, tlefa es mir der Milbe weit erscheinen, 
dem Lebensgaoge dieses Manne« naohKugehen in der Hoff- 
nung , bei diesem Euuachst nur für die Familie beitimmt 
gewesenen, immer noch sehr lückenhaften Tersuohe zugletoh 
einen, wenn auch geringen. Beitrag tut Kenntnis dea Bo- 



i 



33g Frladr. v. Tban, Rorf. Frledrloli* d. Vfe\*tn RnX a. ßiS^ 

amteuweaeoB unter jäueni emefttinisoheD FUnten %a 
liefern ' ). 



I. 

Frieitricti von Thiiii ^) gebort eioem damnl« n-ioti be- 
giiterteo und lu mehieren Zwejgeu blüheudeu tliilriii|i:i»ultiin 
Gesobteotite ati, 'weluliee sohoii den Wettineru Beamte ga- 
gebeu hatte und wt^k-hes unter auderm WeiTseuburg und 
Oberiiitz an der Saale und I.auenstein au der Loquitz bosala. 

Leuenatein, einat eine Odamuiide'Rdhe Hemehnft, . 
kam 1506 als margräflich brritidL'iiburgisuln's Leiieii an Hein* 
rieh veu Thuu«, dei die Uerrschnft um 11000 U. von und 
Hoyer Ton MauBfeld erw&rb. Üieeei Heinrich wird als dar 
Yater unseres Friedrich hei: eich not. Let}tt«rer wird alt B«- 
iilzer der Weil'senb iirg aui'g^t'ührt, währeud Bans t. Th. 
anf Obernita bei KiuUfeld aalB. l^in nnderer, pi>uiifiiU> 
Friedrich, der mit Herzog Wilhelm vuti Snviisen inti go- 
lobte Land gezogen war, h»tte in Suiilfeld alH Anitaiauu der 
herzoglichen Witwe, Salh&riiiB, geb- TOn Braudeustein, ge- 
schaltet, und endlich war auiJi der geiatlii:he .Stand in der 
Familie durch G i-or g tou Ttiuna, den letzten Abt il«s 
reichen Benedikt) uerklüBters in Simil'eld, vertreten. lÜut- 
fciDtoTu Yerwandu.^ besafseu Güter iu IngeraleUeu und 
MoUdorf bei Erfurt^). 

FriedrichB Geburtsjahr wird nicht epttter als bald naoh 
der Mitte des 15. Jahrhtmderta niizunehmen eein. du or noch- 
8u des Kurfürsten Fnedrichs III. von Sachsen Lebxeiten, 



I) Der uADhfolgeodi Text hat gegimllbtr dam mUndlieheii ToTtrtyl 
einige oieM i»lir erlitilflirhe KrweltfrunK"'' -rfiihr*!! ; «iifti ilml Aiimwr- 
kniiKsn tat KclAulerung ucid V-irv<illhlliidiKiiTiK tiliiiiU|;efDEl wuidoii, 

3) Aueh Thuiic. l>huD, Uhuuc TliUn, »pUtsr Tbiuia. tVlcdriuh »Hut 
DOtsrichroilt legvIrnHCii^ „(iidtrii>li Ihuii". 

8) Var|[l. Ubei lUe Funill* ntalunu Aar»U; Di« Dr«lb3iiiu*kftiielk la 
Sunirald. DImo Kolitchr. Hd. IS, 3. 91. 



Priedr. v. Thun, Kurf. Fri»dilch> d. Wi>]*<id Rit d. Uftaplmiiiii. 327 




Alters wegen, Urlaub vom Hofe begehrt. Im JAbre 1S09 
begcgneu vir ihm als Hauptmann zu Weimar, in welcher 
Kigenäühaft er die erste öffentllohe Thütigkeit, die ich von 
ihm erwähnt gefunden habe, sein Eingreifen in den 
bütgerlichen Wirren Ton Eifnrti entwickelte. 

Ea i<t bekannt, dafs im goDiinnt«n Jahre üwisüben dem 
Ttat und der BürgorEclmft von Erfurt in Yeraulaseung den 
VerkaofeB von Kapellendorf an EurEaohaen eine heftige 
Aufregung entetnnd , in deren weiterer Entwicklung die 
Bürgergohftft den Bürgermeister Heinrich Kelioer geflogen, 
die Itegierung in ihre Hand und mit dem Erxbiachof und 
Kurfürsten von Mainz , welcher die Landesherr schaft über 
Erfurt beanspruchte, Terhandluugen uuternahm, welche auf 
die Neuordnung der Erfurter Verhältoisso abzielten. Mainz 
Gohickte infolgedessen Gesandte nach Erfurt, die an Ort 
und Stolle sich von der Sachinge untarriobten soUlen, Kor- 
sach^en, welches die Sohn tzherrscli oft über Erfurt behnuptoto 
und sich auf eine, wenn aueli Buhwächere, Partd in Erfurt 
stützeu konnte, scheint diese Gdegeoheit haben benutzen 
EU wollen, um weiter gebeude Rechle über diese wichtige 
Stadt zu erlangen, wüaechte daher die Mainzer Gesandten 
von Erfurt fern zu halten und ordnete, um deren Eiutlufs 
im Torans zu bekämpfen, den Hauptmann Friedrloh 
von Than und Dietrich von Beulwitz nach Erfurt ab. 
XnxwiKolten waren die Mainzer Oeaandtcn und die sie be- 
gleitenden, auf der Euekrcise nach Erfurt begriffenen Ab' 
goordnolen des dortigen Regiments, Mainzer Partei, nach 
Georgontbal gelaugt. 

Thun, hiervon unterrichtet, zog mit 50 Beifsigen und 
S&O Mrud zu FuTs vor Qoorgenthnl, zwang die ifainzer Qe- 
Gimdl&n, unmittelbar nach Muins zurückiiu kehren, und liefs 
die Erfurter Abgeordneten gefingliob auch Weimar abführen. 
Thun behauptet, diesen Gewaltstrcich aua eigener Maoht- 
Tollkommvnheit ausgefilhrt zu haben, und es findet »ich 
weder ein Anzeichen, dafs er dafür von seinem Fürsten ge- 

XIV. 22 



3gg Frieilr. v. Thun, Kurf. Fricdfichfi ä. Waiton UM u. IlnDptn9«iin. 

tadelt, Doch dtifs er deshalb belobt worden wäre'), wenn- 
schon der Kurfürst seineD Beamten -wegen dieser That aU«n 
AnfeicdoDg^n gegenüber treu vertrat. 

Aus dem in dem Erfurter Stadtnrchiy vorhandenen Be- 
richt, den über diese Vergewaltigung die Mainzer Gesocdten 
ihrem Herrn, dem ErzbiBohot' Uriol TOn Oemmiugeo, or- 
statteten, bitte icli einiges anfahren zu dürfen, da er euwohl 
für die öäTentlich- rechtlichen Beniehungeu zwischen Kurmainz 
einer- und Eursaehsen anderseits zu Erfurt und für die Auf- 
fassung des VerhältnisBes, in welchem Thun zu seinem Amt 
und aeinem Fürsten stand, bezeichnend ist.*). 

„Hoch würdigster Fürst und Herr", schreiben die Mainxer 
Gesandten am 16. Juli, „aU wir von e, f. g. mit beveihe ab- 
gefertigt gein Erffuidt Eit reiten, also sint wir samstags nach 
margarethe (Juli 14) zu eyner hören nach mitlen tage ins 
closter Georgen thale Icomen, die nacht alda behoret und 
willens des soutags froe volltut hinein gein Erffurdt za 
reiten. InudoB bat uns der Abt desselben olosters zu ai- 
kenneu geben, wie das Sertzog Fryderichs von Sachsen, 
Cburfursten, pp. Hauplmann zu Weymar, gnant FryderJoh 
Dhone, e. f. g. wolbeksnt, zu Georgenthal sein unnd alsbulde 
mit gtallun:; und auderm sich gerüstet, haben wir für gut 
angesehen und aller freuntsohafft uns getroslet. Uad als er 
gleich spaet mit etlichen reisigen ins closter komen, omb 
den dreißig pferden, darzu umh eweihundert zitfuez mit item 
hämisch unnd wheren, darob wir etzwas entsetzung gehabt, 



1) C. A. B. BoikliKrilt L Arcbiv fUr Siabi. Goscliicble , Bit. IS, 
S. 360 ff. „Dss toll» Jnbr in Krfiiit uud a, Folgan"; dicaar \a( Hrchiva- 
ijscbcc Fonehong beruhenden Übersieb ilicbeii Arbeit ist die nncbfoltfondu 
kurio Schilderung des Kurier«n VerUufei der Sube im weicutlicban 
futiiominea. 

S) Der Bericht verdient vollstUndig geJruclil tu u-eitlen und Int det- 
bftlli hier 10 wiodgrgegebcD vorden, abgesehen von einigen unwesontilclion 
klalutn Auslusuugeoi wie sr sich in dem Bind gleich Zeilig er hnndBclirlft- 
lloher NMlirldblvn, beuuinl: ,,I1d bell lau lu KtCurl IfiOS", Bl. SS' — SS'', 
im SlAdtfticIiiv xn JCrtarl befindet. 



Friodr. v. Thun, Kmf. Friaarieh» d. Welsen R»t u. B&uptmaaii. ggO 

OBS aber doch nichts orgs Terselteu, und als wir der Sachen 
Uoge TerlaQgen gebapt, hat gemülter heiiptman uns ufi' eyaen 
platz im doster usserhalb der fr«iheit duruh dun ubl be- 
ruffeu lasaen, by ime gehapt etliche vom adelM) unnd an- 
dere diecer und darzu da» vorbomelt fuezTolck und ale wir 
all iaen uff vorbenunteu platz kouieo, hat unser ber scbul- 
Dteister uaz freuntlicher nieyiiuDg dem heiiptinaiiii sein hant 
bieten wollen , hat er sein baiidt gezuckt und geredt, uk 
liabe itzt ein andere gestalt und daraaft' augefaugou mit 
brechtliobem, stoltzem gemute ein lauge rede, erzeleade, wie 
das eich ein mergklich uffriire zu Erö'uidt zwiaohen rate und 
gemeynde erhoben und uff gestern sunt Margaratbcn tag noch 
boohlioher uod besworlicher erhoben halt. Und nsclidera 
Krffurdt die »tat im furstentumb 2u Sachsen one mittel go> 
legen, auch der Eate zu Ertfurt und etlioh von der gemeinde 
iren f. g. mit eydao, pflichten unnd troweu verwandt, datau 
in aller syner hern der Pürstea von Suehsen erblichem Sohirni, 
Schutz und verEpruch, so er nu, als ein heuplman zu wey- 
mar, solichs erl'oreu awerlioh eiufell vermerokt , der dyncn 
hein, den fUrsten, an irer freyheit und oberkeit, ao sie zu 
Erffurdt betten, abbrach und nachtheil moolit geberen, unnd 
als er dan vemomen, dae wir als e. f. g, reihe ins landt 
selten kamen gein Erffurdt ku reiten, darauaz er geaohlet, 
wo wir hinein kernen, das in soliohir zweitreohtigkeit ein 
grosse anderung und meer, dan der atiefft mcnta dosorts 
hott herebracbt, wurde furgenomen und geeoheeo, darumb so 
hett ime gepurt, syner hern der fnrsten oberkeit, gereeh- 
tigkeit, geloidt, schütz, schirm und versprach keyoeu ab- 
bruoh wiederfaren su lassen. San es were nit leid- 
lich, das ein EitEbischov& zu mentz Erffurdt 
nach synem willen solt legiren und vergewal- 
tigen, dan die hern von Sachsen hctten lange 
seit ein uffsebene uff die Stat £tffuidt gehapt, 



1] CupAi von Qo^aeburg, BlUar, Krüimann Gatdub«r nnd nodi drei 

ucgeaanntD. 

22* 



330 Pri«^- V- Tlion, Kurt. Friedricha d. Wai>«ii U.t,l u. Eauptnunn- 

das sie nit anders daii irie itzuodt und höre* 
braclit Golt regieret -werden. Er liett sich auch 
als er unser Zukuafft erfaren, by den graven und findeni 
eteudea der gaohon rat gesucJit und by denselben in cals 
fimdea, ans den weg gein Erffardt zu reiten, nit za tvc- 
gonnen odi^ zu gestatten, er hctt auch daFaufV alle straMOD 
bestell, das wir binetn nit kouien moobten ; ime worc auch 
seltnem EU achten, du wir one gleidt also in dieser saoben 
unsers willens durcb syner hora Furstenthumb gölten reiten. 
Were darutf sein meynung unnd begern, dos wir uns gein 
Erffurdt zu reithen nit unterstunden, dann, wo wir »olichs 
tlielen, wurde er dasselbig wcren and keins wcga gestatten. 
Er tbete auch solicbs usz synem eygen fur- 
nemen und nit ubz geheist oder bevelhe lynar 
hern der fursten'), dun wir hotten zu aohten, wo er uns 
durch dai fiiratenthumb zu Saclifon reiten Uesz, das ime eolichs 
bey Byneu gne. und gnedigsten bem moolit Tcrwisa, nachrede 
und groaz ungnade gebeten. Herumb were stracka sein meynung, 
wolt CS auch also gehapt haben, uns widerumb erheben und 
in Btäeä't mentz und an kein ander ort zu reiten, aolton ims 
auch das mit unaem baiidtpfUcbten zusagen unnd Sicherung 
tbuD. in der suchen ohne bewilligung syner hern der fnrsten 
gcin Erffurdt nit vodertteen zu reiten, auch niabt« biu- 
nein scLryben oder embieton. Das weit «r nit allein Ton 
syner gnedigsten und gnedigen hern sunder von aller 
fursten von Sachaon wegen geredt, furgenomen und gethan 
haben. 

Dnruff haben wir uns bedacht und antwort geben, das 
wir sein des haupltncins unpilliohen, beachwerlicben fünicniens 
nit klein befremden betten, nachdem die «tat Erffurdt käinem 
andern fursten oJir hern dan eynem ErtzbiichoTo und den 
fltiefft mentz angehöret, auch dieselben Burger niemants 
anders boldnng oder pfliobt tbeten, dan irem reohten natili» 



1) Stin* HsrroD warvn ■bwenad von W«imiir. 



Priedr, v. Thun, Kntf. Fiiedrichs d. W«iaea Hdt n. Hauplnunn, 331 

liohetj Erbherren, das weie eyo BrUbischore zu mentz uod 
Bjner gnadec oapitel, onnd aonderlioli so theUiu die vom rüto, 
so jares neu angesetzt wurden, soliworen, einem jedeu Erlz- 
bischove ein recbt hslffen behalten und (larumb were seltjiam 
EU horeo, das irna als e. f. g. Koten, geia Erä'urdt zu reiten 
Bolt TeihinderuDg gescboen. Es hettun uudi die uffnire zu 
Erffurdt, wie sioli die erhept, an e. f. g. gelangt, darumb auüh 
e. £ g. «la Ei'bher bu sie gesohreben und zuvor und eher 
derselbigeu bott wider antwort bracht , so wcren die von 
lUrffurdt, zwene auEserm Bäte und voro ausaer der gemeinde, 
mit eyner credentü vom Rate und gemeinde ussgangen ab- 
gefertigt, vor e, f. g. eiaoUienen und inbalt derselben cru- 
dentz ein Werbung vor o. f. g. und e. g. capitel getbanu 
mit eraeiuQg und weiters nit, dann wie aie in gcosaem un- 
late, schulden und beschweruugen stiiodcn u. begerten tröst- 
lich hilfV inte und beistandt. Alao betten e- f. g. inen zu 
erkennen geben, wo Bie abgefertigt und dermasx geschickt 
weren von iren gebrechen handeln zu lassen, wolten e. f. g. 
sambt e. g. oapitol solicbs gnediglieb boren, daruff sie widur 
geantwort, sie weren dergentalt nit abgefertigt, eunder allein 
bf e. f. g. umb Bäte unnd hilS anzusuoben. Also betten 
e. f. g. für gut angesehen, e, g. reto mit inen goin Erffurdt 
XU scbioken, daselbst die gebrechen und beschwerungen ßate 
und genteiode belangende , furderÜch zu boren , darinnen 
zimliob leidlich wege fürziiiieraen (u.s. w. in domselben Sino). 
Wir gedeohten auch, furan geiu Erffurdt zu reiten, der zu- 
vertiiobt, uns von niemant geweret solt werden. Barzu betten 
wir ein schrill't von e. f. g. on hertzog frj-Jericben (unaem 
Kurfürsten) uszgangen, darinnen were synen f. g. von e. g. 
Bnder anderm geBohreben, wo una etwas begegent in besweruuge, 
Kate tinnd gemeynde betreff,, sin f. g. darumb unKUSUcheu, wie 
dan dieselbige sohrieift sollchs clerliah anzeiget, unnd eo di«' 
selben gebreohen zu gutem bracht und hingelegt wurden, als- 
dan wolten ime e. f. g. uff den absohiedt zu Worms abgeredt 
der gebrechen zwischen e. g. eins- Haie und gemeinde ander- 



332 ''ricdr. f. tItDd, KnrC FrUdrkb« d. WeUan lUi n. HsupanMin. 



teil* dnrinncn zu b&ndeln uoaDgeaueht nit Ucmo *). Wirhnben 
Kucli Fiydericheo DhoBB der abrede zu wonn«, davon er 
londetUoli Wissens bett, ericdert, ime auoh ondersagel, vir 
editen et g«nts dttttr das solich da furoeraeD unsers gne- 
digsten hem harUogen fryderiohen visMo, wil und mcyaung 
nit wer». E> Itat uns aber alles nit furtrn^D mögen, wir 
tukbeo auoli daneben begert, um zu Tergoncen, goin Gola zu 
reiten, uneern pfeauig xu zoeren, bisz wir diese handlang, 
Ton ime uns UDpüliob bescheeD, an bertzog frj-dericheo nod 
e. t g. mochten langen lassen und syner f. g. antwort er- 
warten, ist uns geweigert und abgeschlagen. Wir haben 
daruff uns femer hören laMen, zn vergönnen, in e. g. L&ndt- 
scbafft uSs eislifi.'It zu reiten, hat er uns auch abgeschlagen 
und nit gestatten wollen, sundor strack unser jeder by gynera 
glauben, wirdC'U und stände zusagen mässeu, weiten wir än- 
derst hoülimut» und fUrnemens uberhobön sein, dea nehesten 
wider hinder sich in sticfft Uentz oder Würlzburg su e. £ g. 
zu reiten und andorszwo nirgen bin. Also h&boo wir an* 
erhoben und uff heut gein SwartKauU ^), dus unters guodigaten 
hem GrftT Herraan von Beonenberg ist, geritten, furter 
willens mit hilfl* dei almecbügen fiir und filr furderlich zb 
e. i. g. zu reiten 

(folgt Bchlufs ohne weiteren Wert). 
Geben montng« naoli margarethae Anno p. nono 
E, F. G. 

undeithenSge Kele gein Erffurdt vorordont gewest 



I 



1) WUirBod dm RuehsUgi tn Worms Im MM douolbii] Jnh[«s 
(IBOB) hsHoo der Kufülfst Priidrioh und dar Enbitchof sich darUlior 
vanttodlgt, dal) d«r «rslera io der trniiis iwUchgn dum M^intcr Dom- 
kapltflt und dsm Bat «n Krfun vin-mUtttl« , iiAvlidi>in ihm d«r Eri^hinebaf 
dsn HsolivarhalE fardorlidi wsrilo mltgoiollt bsbcn. Au* ilom UmsUnd, 
Ah!i nun, dJBBtr Abrode iuHld«r, Miini, ■nacrnfan vom Erfuitcc „pepsl", 
ohaa Mitwirkung ^aobaoct in Krfurt oinoDhioit«!, loltDt Sicham lum Teil 
dl« [I«t«i:ht1gung lu »«latm WldoiHUDd und nungnllioh >u Tliun'* geten« 
wlrtlgcr Ilsodlung li». 

t) Wohl Stbwuras, am FnfM des Dotiou', 1 Mdls nordSslKsb von 
Udning«!). 



L 



tUdr. V. Tbun, Kurt. Fiiedilch» d. Wdien Rat u. Hauptmann. 33,^ 

(Kaolisolmft) 

EeintE botton den hattoa wir vom iorgentnll gein Erlfurt 
geschickt, also ist er nit wider zu unns kommon. Ob or iiff- 
gefasgen, oder aun scim pfordt brudi hat, wision wir nit. 
Aber doob hat unas &iderich Doen iiugesagt, eo er uffgcbaltun 
were, aolt er ledig gelaason worden. 



Onedigster furat annd her, 
äIbs nun dcrmaseea mit uddi gehaudelt worden, sein 
die Burger zu Krffail, so mit unns gerytteu, in Crualügaunü 
gemelta ßlosters gacagen, hat der heaptmau t'riderlob Doon 
nach iueu geeubicltt. AUo haben sie sich darob enleeti:!, 
unnd unns umb Kote augeBUoht, Laben wir geantwort, sie 
sehen sein furnemen. Aber diweyll er nach ine geaohiokt 
het, versehen wir unns, er solt niclitG gegen inen fBruemeii. 
Daruff sein die burger SU ime gangen, hat er unter aanderm 
mit iue geredt, wie ais so durstig sein dorfften, das sie unns 
dIs e. f. g. Itethe od gleit durch aeiuer lieru Ton äachsgan 
fuvstenthuinb fueiteu. Ute burger geantwort, äe veren 
eilicher iror anligcnndor notlurft halben by c. f. g. alt iiem 
Erbherien am Bein gewest. Also hellen e. g. unns mit ineu 
gein ErffurL su leyten gefertigt, sie wereu auch in e. f. g. 
futer nnnd verleg bjss dahin gerytleu. Aber es hat sie 
nichts furtragen megeu, aouuder ime geloben mausen an eines 
reuhten gesohworeu eydts atat, TOn stundss ulfzusilzen , geiu 
■Weymer iu ein hovberg zu reylen. nit darauas zu kommeB 
OD sein oder soinor hcru wiesen unud willen, Wclichs die 
burgei nnna bewogliohon unnd mit fast betrübtem gemüdt go> 
clagt. Sie haben auch begort, diveyll es nun vast abont unnd 
nacht were, das mau sie die uaoht byes uff den moigea be- 
ruwen lioaa. Wo ee dann nit anndera sein moobt, musten 
eie thuu dasjhenen sie weron getrungen, Das hat iue der 
heuptman zugelassen, unnd sie doch daby verbandeu, das sie 
mit unni nit sollen reden, auch nit essen oder drinckenn. 
Also sein sie hinweg gein Weinmar goryllen. Wollen wir 
f g auch nit vorhaüen, godonokeu Eubaben, wie den 



334 Friedr. V. Thnn, Kntf. Prlsdriehs d. Weitso IUI u. Suptmuis. 



frommeD bürgern ilaroh Rate e f g moalit liitff g«soheeo, das 
sie widerumb aoss dem tyraDiitsohuii iumL-meD gelediget 
wordeti. Es hat auch «3er heuptman kein urijbcde aa aaas 
intboD begert, to httbea vir auch tcein getban, bieromb -wolle 
sutiachten vcre, ime deimasEen za begegen. Dat, uUupru. 

Wir Laben uiioit dea Sendbrieff voo e f g aoa herUieg 
Friderichen, aosgaugea dem bnaptmaii übergeben, denselbou 
eeiceu gnaden ku eutworten, uff das sein f. g. wissen mocbt 
babcu, was e f g ime in dieser caoheu geschritibcu. Solcboa 
biieff hat er von unns angenommen unnd eugeeagt dieselben 
seinem bero fnrderlicben nu sobicken, wir wereu auch willen 
gewest für unus selbst an bcrlzog friderichen zu schreybeo, 
hat er unns abgeschlagen und uit zuloisen woUna. Datum 
utaapttt" '). 

Diesem auscheineDd kraftvollen und zielbewufsten Han- 
deln entBpiach das spätere Terhalten Sachsens nicht. Es 
folgten nur immer Verhandlungen auf Vorhandlangen, boi 
denen insbesondere Thun's Bestreben darauf gerichtet war, 
dam inewischen gefangen gesetzten Bürgermeister Eellneir, 
dem sSohiiisGhen Lehns- und Schutzverwandlen , die Freiheit 
wieder zu verschaffen. In diesem Siune schreibt er, nachdem 
ihm itn Anschlufs an eine seiner Verhandlungen mit den 
Erfurtern zu Kobra, nm 30. Juli, die Schonung Kellners bu- 
gesichert, bald darauf aber berichtet worden war, dafs man 
dieser Zusage untreu geworden: „Aber das sollt Ihr Toa 
mir Wiaeens haben, wo Ihr Euer gegeben Antwort in dem 
oder iu andern Artikeln ohne Itath, Wissen und Zulasiung 
meinem gnädigsten und gnädigen Herrn reräudert oder noob 
Teritndern, Kellnern, Kranichfelden (einen andern gcfaugeu 
gesetzten Bäobsischett Lehnsverwandlen] oder andere lürter 
an ihren Leibern beeobweret oder noch beschweren würdet, 
daas iob's an ollen Edctu und der Eueru Leib und Qiitcrn, 



1} Mit d«m „Bstlcbt der Ksfo gelu I^rlFurdt voiordnct gswosl" t, 
JalS t« EUSiLtDm«ng«hcf)cl u. Bdiesiiert. A. ». O. GL 14> and'l'. Ohaa 
Untcncbilft. 




Frledr, v, Tliim, Kurt, I>^ledrJäha d. Wdion Bi» d. Bauptmann. 335 

doich Bath und Hilff meiner Heiru und Freund« räckfin 
ntid erholen will"^). 

Diese Drohung blieb jedoch ohne Wirkung, „Daa gemeia 
leioblfertig gopofel bu Etffurl" Tcrldngt uaob Kelluer's Blut. 
Zwar nimmt Thun einen Monat später noohnmlE Erfurter 
Gesandte iu Weimar als Geiseln gefangen, um die Biirgcr- 
sohaft zu bewegen, dem Bürgermeiatcr Kellner, der inEwivohen 
sogar gefoltert worden war, die Preiheit wieder na geben und 
Schaden erBatü zu leisten, anch von Uainü za lassen, stellt 
ihnen aaoh io Aussicht, daCs dift sächsisohou Fürsiou, v«tia 
Krfort sioh ihnep ansohliofsoo wollte, dio der Stadt den Untor- 
gang drohende Kcliuldenlast erleichtern würden, kann es aber 
nicht hindern , dafa der EinfluTs des duruh eigene »ländige 
Beamte in Erfurt Tertreteucu Erzbituliofe vou Maiur so 
steigt, dafs am 32. Oktober die inswischen Terstärktsa 
Uaiuzer Bäte die EininiBuhung der südiaisohon Abgeordneten 
iu die Verhandlung der Mainzer mit der Bürgerschaft auf 
dem Rathaus verweigern und die Stadt in Vetteidigungsiustand 
Botzen laaaen, worauf die BÜchEiBche Partei die Stadt verlSfst. 
Anfang Januar 1510 wird Thun nach Leipzig goschickt, um 
«u den Verhandlungen der Mainzer Gesandten mit Horzog 

' Georg von Sachsen für KtiraachBen sich zu beteiligen. Bald 
darauf bemüchtigt sieh der Pöbel der Sladtherrschaft, settt 
deo Bat ab und henkt, wie stots in soloheu Fäileu nach einem 
Opfer rerlaogend, den unglücklichen BürgormeisLer Eellntir, 

^weichet) Thun, aller Bemühungen un;;eaohtet, nicht hatte 
retten können, nachdem jener das ihm durch Marter ab- 
gepreßte üestiinduia der bei der Veräofaerung vod Ka» 
pellendorf begangenen Veruntreuung widerrufen hatte , am 
SS. Juni auf. 

Da, wie man uach dem ganzen Verlauf annehmeu mafs, 
Eursachseu aus eigener Kraft nichts xum Schutz eeiner Partei 
Üiun konnte, versuchte es , dtu Saiaer Eur Äohterklärung 



1) Ans «n«r KsDildnbsclirlft im Ecdch, Gemml - Arcb., Kcg. Q. 
Fol. S9B. 



336 Friedr. t. Thnn, Knrf. Friedriclis d. Weisen Rat u. Hauptmann. 

gegen Erfurt zu beBtimmen. Die zur Verantwortung ge- 
zogenen Erfurter verteidigen sich aber so geacliiokt, äe£s der 
Kaiser der Stadt nichts anthnt. Darüber verstreicht das 
ganze Jahr 1610. Thun, Teloher den Kurfürsten schon 1509 
aaf den Beichstag nach Worms und 15 10 nach Aagsbnrg 
begleitet hatte, ist anermüdüch, seitien Herrn zu schärferen 
Mafsregela gegen Erfurt-Mainz zu bestimmen, und hat endlich 
am 14. März 1511 die giofse Oenugthuung, dem Kaiser Max, 
welcher seinen Sitz nach Kolmar verlegt hatte, daselbst per- 
siSnlich Vortrag über die Sache zu erstatten, worauf unterm 
7, April ein sohaifes kaiserliches Mandat an die Erfurter 
und am 4. Juli enditoh der Ächtbrief gegen Erfurt erfolgt. 

Von einer Wirkung desselben ist jedoch nicht viel wahr- 
zunehmen, wohl aber mufs Thun wieder verhandeln, und 
zwar am 10. Oktober 1511 in Gaberndorf bei Weimar, 
wo er von den Erfurtern Eechensehaft fordert wegen deren 
respektwidrigen Briefes an den Kurfürsten, am 4, November 
in Wallendoif, ferner am 21. Dezember mit dem Herzog 
Georg und im Januar 1512 mit den Baten dieses Herzogs 
in Leipzig, wo der Krieg gegen Erfurt beschlossen wurde, 
aber nur auf dem Papier und mit Worten, 

Inzwischen hatten vor den Thoren der Stadt erbitterte 
Kämpfe zwischen der säobsichen und der mainziachen Partei 
und den beiderseitigen Anhängern stattgefunden. Die Säch- 
sischen verlegten den Erfurtern die Strafsen, fingen Kriegs- 
zufuhr weg, „klopften und pochten" die Dörfer, die Erfurter 
belegten das Vermögen der meist wohlhabenden ausgewichenen 
BUrger säohslscher Partei mit Beschlag, machten Streif- und 
Bauhzüge in das säohsische Gebiet, fingen, marterten, henkten 
nnd enthaupteten. Thun sitzt zeitweilig Tag und Nacht im 
Sattel, um den Landfrieden zu bewahren. So schreibt er 
einmal: „Gnedigster Kurfürst und Herre. Ew. Kurfürstl. 
Gnaden biete ich in aller Uaterthänigkeit zu wissen , dass 
ich die Beuter zu Gota die vergangeoe Nacht bei mich 
gen Baohstedt zu kommen in's Vorwerk beschieden habe, 
darauf sie gekommen sein. Und das ist die Drsach, dass ich 



TrUir. V. Thun, Eait. Crleditfilis d. Wat*«n Ru u. Haupteaann. 837 

mioli rensatliet, die Fremden, lo in Erfnit *uia, würden aof 

läen Markt zu Butletädt "raus geatreift haben. Datum wir 
alle uns an den Ettersberg ku halten begaben uad da vgm 
UargBD an bia Dach Mittage Uetten. Aber wir sahen kwn 
reissig Mensch aus Erfurt nit koninien, Alao sind die Keater 
von Gotha mit gen Weymar geritten, auf morgen a'mh wieder 
Dach Gotha zu weodeii in Hoffuung, m atä Ew. k. f. G, Bit 
misaelich. Denn E, lt. t g. in aller Uaterthänigkeit sjx 
dienen, bin ich mit rechten Treueo willig 

Bat. Sonnabend naoh Mauiitii anno S" (1610 September 38) 
E. k. f. g- unterthäniger FridriohThim, Hau jitmaun su Weimar" '). 
Gegen Thun richtet sich dalier auch der gunü besondere 
Hal*8 der mainziaohen Erfurtt-r. Der dortige neue Kat reicht 
Besohwerde auf Beschwerde gegen den Hauptmaun beim Kur- 
fürsten und beim ErzbiGohof ein. In einer derselben an 
letaleren heilst es: ,,Ew. fürstl. Gnaden und Würden wollen 
wir auch nit beigen, das Eriderioh Dhuno Kituptroanu 
Ko weymftr zu dem, dass er bievor die nuaern gefangen unnd 
noch in verGtrickung endheltet. gestern donnerstags mit einer 
mennige renther im velde umblang Kirchen ^) gewest, die DB- 
fern TOa Kirchen uberraut, der nidergehauweii, geschlagen, ge- 
sohoseen unnd oinatheiU benahe in den todt verwundt. der- 
eelbig auch ein mercklidi zel peraonen gefangen, abeii rieh 
auf sein ermancu wider zu stellen, losz geben (hat). Es hat 
auch derselbe Dhnne unniern gefangen diouern ein Ter- 
meinte protestotion uberantwurtet, darinnen Terleibt, dosi die 
gefangen nit unser gnedigsteun unnd gnedigen herren von 
Saohssen etc. sond seine gefangen weien, wie dan ew. f. g, 
n. w. auaz eingelegter copeien solcher protoetation aach Tsr- 
nemmen werden. Wan dan, g. u, g. herren, bemalter Bbnn« 



1) Smh dem elgenhJladie gesohrtebenen Briet Xlinu'i im Eraett Osk- 
Arch. Bes. G. Fol. &30. 

S) Klrclilieim, KrfurlioclKig Dcif. Die ungliickllL'hea BliKm mubtan 
hUr wlo ätltnlJiitlbeu ili« äelmld ilirer Uerrsdiiirt büfiiiii, „DutirHnl r«giu, 

plMtnntnr Acht vi.'- 



:tS9 nMMv. Ttani. EntratdfttteCWUMBltna. 

um imaB arami leottwn bü ciff^ liaatigm^ taga vüt. 
uoimI DUtthwiUana gmbet hat unnd aoah, w» or st^ oiMil. 
hMTor in vtlUn Mioaii schrifltaa hat bäna aad THnnwaaK 
IwOT, vrm ntaa ilm* 'ralittB mmd W Mt öw ÜBJww , la nso- 
HaiBnaban KaUnor sCPtf" l<aaistMlt>1 fSrat, w«Ut t:r <iaa 
baata uand tuttsaat dar utadt b« uaiant saatL u. g^ lie^nB 
ran 8«giiawiw tünnraämar aar jm T anr i aht , wir-nrilta gtiaäe o^ 
Imgan und all» nnnaara' aaahwia wtlideti gtitta. Dam ^nr ata 
oinbltt^ leotha g«^laabat; abar nie khainan glsobaa bai ihaaa 
ICflAmdan, Mutdar asaa sUaaait mit lisüitUnlfc j^ mfam osti 
xaallva TuaoavOki^^ sa T^ataa wir saott— oaia itosaam j^db 
^aiialtwiaL aoaxfiehtig» Bnt^ere sn ■ irit^ iw liiwalii'MJrniiiii, an* 
rntaanit uaad souiuiba ihniu De m we it en- >wr>i. g^ zittmwaM. 
ob naa latdaatUoli , äia uttooeluinat and zakhommaa jnr. 
Daritnlbaa iit ilh ov. r. g. n. v, iiia u. ^ o.^ g^ 
(zia dam« wir pilUah sadnaht «adun'i tunar uadai^ 
tbaniBT fieiuii; imd dtaaMliclt hlUa. cw. f. g. u. -jt. gemiiaH^ 
una M gnädig aain, und liaot äaaai goadijtüelt bavalliaa, ^naa 
awridar dia obbamaltan WaROuK nadtiiiBpaiaio^) "*'*— npt 
iraa lialfHo, rolgen uad unttialleiii pTootniiil zu itabt and 
pawiKi des kttntaüoaaa LamiilTridta Ucaalit waatian niigii. 
ijuglajoftaa ilaM Dfatuta aa üaa cammacitanoht jwiiuiBa •lod 
nt i hm uU citteat 'cidtbcBohac daa kälügiüdiaiL XiUidfiüiaBa 
xw» «alMffttaB ^abaadalt wvsda. odaE abax wa» «v. f. ^^ 
a» w. baala ana uman laotfaaa zb notaa haomiBa nins«. 
waadaa »n. etkeuDan werden"^!. 

SxialKt uaa •■toacMita I^oaällii. waon wie tob <U^ 
aal (iaa jähmiaaceii Wiren oad Fabden '" — TTTthnnitaa 
Bland, dam V agtaa bea 'l«c üUtar dar 



1} Dm ***m Uli iI 1*1 Darf in dn RlahMn« ttuli ftoltaB. Ul* H». 
M >pw a» ix «BS ^nisfaa vor fftllair» ZiatoMam •bRalwbl, sof '-ihl 
' Tliua iinuMf iiooli uaaaoU «w. 
t) Juni ShdtfitodL 

S) I^ irlii[iihi ri iit '!■< <llMM VaiasaaM oad, "-"-Vrr Im, 
^•fffaHlia tlaaaaMtifeaaaa. 1- -m- t*..— . — .^i^ ;— -,,,„, 




Fliedr. v. Tbiin, Burf. Friedrichs d. Wgiseu H»l u. Bauplinuin. 339 



Anhänger, det Verwüstung der Felder, der Verarmung der 
Familien lesen, so erfüllt nns die Recht- uud Suhutzlosjgkeit 
im damaligen Deutschland mit Grauen, der Wankelmut dea 
ReichaoberhaapteB, welolies ja noch den eiaseitigeo Darstel- 
lungen der Parteien seine Entscheidungen tnisgehen Muh, 
aher keine derselben duruhführte , mit Widerwillen, di« 
Schwäche des Kuriursteu Friedrich aber mit eiitavhiedeuem 
Mirebeliagen. Die Eichsfelder Amtleute dea Erübischofa geben 
ihren Erfurter Kollegen einmal guten Troat, „sieh vor den 
Sachsen nit also hoch zu entsetzen. Denn der Eine (Kerxog 
Georg) Bei arm, zumXrieg ungeGuhiukt und mUaae da:i Friea- 
land zu erhalten , tüglioh in grorBen Sorgen stehen ' ). Die 
andern (Hurfürst Friedrich und Herzog Jolmuu) aeyen enge, 
des Eneges ungewohnt ond (ea sei) nye bey irer Regierung 
geboret, dafs sie mit einiger gowaltichts was uasgcfurct, 
denn das sie mit stolzen brieteu und warten gethnu haben." 
„Friedrich war die friedfertigste Natur, weluho die« kiiegn- 
riaohe, fehdeinstige Zeitalter liervorgch rächt hat: uie griff 
er zu den Waffen: — mau hat ihm unter anderm einat ge- 
raten, Erfurt anzugreifen, das er mit einem Verlust von fünf 
Uann erobern kootie: er antwortete: scheu Einer wäre xu 
viel" (Rauke], Aber den tteuen Kellner liefs dieser milde 
Fürst acbutzloa hejiken ; gröfaere Strenge wäre auch hier 
gröfaere Uilde geweeen. 

In die Verhandloogen Ftiedticha mit dem Kaiser Mbx 
mischt sich die giofa» Politik, verweigert eraterer doch 
letzterem im Jahre ISl'i die Hülfe ssu einem der itaiieaiachon 
Feldzüge des eich mehr um die auswärtige Politik kümmern- 
den, nla der iunem Auflöaang des Keiokea wehrenden Eaisera, 
ala dieser die A oh troll Streckung gegen Erfurt immer wieder 
attfachieht. In den Itezichnngcn nbor zwischen Georg von 
Sachsen und unserem Kurfür ateu scheint Bobon jetzt das 
Mifetrauen zu walten, welchoa epäter wahrend der Olaubens- 



1) Er halte bokannüicli vom Kaitor MaxiinUlaii das Dnna«rgesQhBDk 
dar Erbitalthalleticluin von Frlaalaud erbalun. 



S40 ^ie^- V. Thun, Kurr, Friedrichi d. Weineii KaI u, HAupitnauii. 

vrirrüa so bedeutiingsToU irerden sollte. Dafs Georg be- 
soudere Äbsichteo bio^ichtlich Erfurts batte, die denen seineB 
Vettera Friedriuh dIcIiIb weniger als förderlich waren, er- 
geben wobl mit Sicherheit seine VerbiDduDgen mit dem Er- 
furter Volfcsfiihiet Dr. Bobeziia, dor dfinn apüter, 1514, der 
Verriiterei angeklagt und geTierteilt wurde. Wie die ganze 
Angelegenheit 1516, wenn auoH nicht zar Ehre, doch znr 
leidlichen Befriedigung KuTSEtchaoDB dich wendete, bia später 
Erfurt ganz in die maineiEcho Abhäagigiceit geriet, gebort 
eicht mehr hierher, da die Mitwirkung Thu.n'£ seit den Leip- 
ziger Verhandlungen im Jfthre 1312 nicht weiter erwähnt 
wird. In den Jahren bia 1512 aber hat der KiirfUrst sieh 
vorzugsweise aeioea Hauptmann» in Weimar einerseits sowohl 
als Unterhaedlers bei den Erfurtern und bei seinem Yetter 
Georg, wie als BeTollmSchtigten beim Kaiser, andererseita 
aber auch als TruppenfÜbrers, insoweit hiervou bei dem &)ed- 
liebenden Fürsten die Rede sein kann, bedient. 

Diese amtliche, diplomatisch - militärische Aufgabe hat 
aber, wie wir sahen, unsern Hitter nicht abgehalten, daaeben 
seine persöuliche Fehde gegen die feindliohe maiazisohe Partei 
in Erfurt und, als diese sieh dea Stadtregimenta bemäohligt 
hatte, gegen die Stadt überhaupt und dereu Angehörige ana- 
zufechten. Zahlreiche Beschwerden , welche der Erzbischof 
bei dem Kurfüraleo toq Bachaeo, Thun's Dienst- und Lehns- 
herrn, nameutlich wegen der Zurüekweisung der Mainüec 
Gesandten bei Oeorgenthal, gegen ihn erhob, hatten kein«a 
Erfolg, Der Dienstherr eehützte seinen Hauptmann, und 
der Lehnsherr beachtete nicht, wessen der Bitter an- 
gesohnldigt wurde. „Friderich Thun", antworten einmal dio 
säohaichon Flirsten, „werde sich als ein frommer Edelmann 
•einoi Handlung wohl zu rerantworlea wissen.'' 



U. 
Es Tersteht siob von selbst, daTs Friedrich von Thun 
auch während dieser bewegten Erfurter Zeit die übrigen ihm, 
als kurfürstlichem Uat, obliegenden Geschäfte nicht yernaoli- 



Prledr. t. Tban, Knrf. FrlediichE il Weisati Bai a. lUupimtnu. 341 

läsBigte. Vaes er BcioeD U«rrn regelmiKsig zu den Rei ehe- 
tagen begleitete, haboD vnr geseheD, abor auch seine Uit- 
^pirkiing bei einer groXsen Zahl von Marsregein der inncrn 
Landes Verwaltung und Hegierung tet uacluuwoiBeu. 
Noch witlirend der Erfurter Wirreu, im Frühjahr des JahrOB 
1514, ist er aber wieder in Kassel, um im Auftrage seine» 
Kurfürsten an den Yerhandlncgon über die hessieolie Vor- 
mundaehaft teitzuDchmcn •). In den .Tohreu 1516 und 17 
finde ich ihn alg Testttmentszongen im Dieaete seiner Fiiratan 
erwähnt*). Dus Testament cies Herzogs Johann aus 
Weimar von 1516 Dezember 11 darf doehalb als merkwürdig 
bezeiühuet werden, weil darin dieser, wenige Jahre danuch 
den lleformationeidocn so entschieden zugeneigte Fürst nicht 
weniger als 41 Heilif^e namentlich anruft. Das Testament 
Friedrichs aus Torgau von 1517 Oktober 4 La»timiul 
unter auderm, dafs der Kurfürst in der ihm besonderB worteu 
StiftBkirohe ku Wittenberg beigesetzt werde, au deren Thilre 
27 Tage spiitcr Luther seine UiBputationBSÜtze gegen den 
Ablafshandel anheftete. 

Fbenfolls zu den Angclegeuliciten des Herzogl. Hauses 
gehörte die Erneaeriiug der Erb vorbrüd erung rail Hes- 
een, welche im Frühjahr 1520 zu Nordhauaen verabredet 
wurde, wohin Friedrich von Ilmn den jüngeren seiner Her- 
ren, den Herzog Johann, welcher mit seinem Sohn Johann 
Friedrich nnd anderen beteiligten Fürsten anwesend war, be- 
gleitete '). 

In den Zwischen jähren lälB und 19 folgt Thun sei- 
nem Fürsten zur Beratung von Keiobsaugelei^euhoilcn naoh 
Augsburg und Frankfurt a. U. Auf dem Boichstag zu 



1) V. Bommel, Philipp d*r GrofimOtigfl , Oi«rt«a 1831), Uuid 1, 
S. 39 a. 

1) Milller'B Steh». Aonilan, Leipzig ITOl, 5. TO, II. „Frisdrieb 
Ihan, nnaptniRuD lu Wciiou". 

3) üasellijt, S. 73. 




342 Friede, v. Thna, Surf. Friedriclis d. Weisen Rat u. HaaptmMm. 

Augsburg 1518, erzählt Spalatin^), habe Friedrich der 
Weise zwei hervorragende Verdienste sich erworben, „erstlich, 
dafa der Babst Leo der Zehent Beinern. Füihaben nach Deutsch- 
land mit dem falschen gotteslästerlichen, römiechen Ablafs, 
im Schein (angeblich) wider den Türken zu gebrauchen, aiobt 
konnte abennak aussaugen. Zum Andern, dafa bei Leben 
und Begierang des Herrn Bomischen Kaiser Maximilian's kein 
anderer zum römischen König, wie denn für war, gewählt 
wurde. Denn da pickten seine grofsen Freunde an ihm und 
Bonderlieh Bischof Lorenz tou Würzburg, ein frummer ehr- 
licher Mann, auch seine fümehmste, geheimste und nächste 
Bäthe und Diener dazumal, nämlich Oraf Philipps tou Solms, 
Herr Friedrich von Thun Bitter, Herr Degenhardt Pfef- 
finger" u. s, w. Es war dies der Eeichstag, auf welchem der 
Kaiser, welcher sich inzwischen wegen der noch nicht erfolg- 
ten Krönung dem Papste eng angeschlossen hatte, wiederum 
«iner entschiedenen Opposition begegnete, die sieh in einer 
Fülle von Klagen und Beschwerden der Stände gegen die 
römischen Aussaugungen Deutschlands Luft machte. Unge- 
achtet jenes durch den Kurfürsten geleisteten Widerstandes 
läTst der Kaiser, der höüichste Mann, den der Kurfürst sich 
denken kann, bald darauf dem Fürsten durch den kurfürst- 
lichen Rat Pfeffinger, der sich bei dem in Wels krank lie- 
genden Kaiser verabschiedete, sagen : „Du sollst Deinem Herrn 
dem Churfürsten zu Sachsen, meinem lieben Oheim, von mir 
Alles Gutea und Gnade sagen, denn er hat gehandelt als ein 
frommer Cburfürst und dafs er ja auf dem Beichstage zu 
Frankfurt am Mayn nicht aussen bleibe, sondern komme, 
denn ich will auch hinkommen" ^) u. s. w. Der Kaiser kam 



1) O. Spalatitt , Friedrich des Weisen Leben und Zeitgeschichte, 
herausgegeben von Neudeclier und Preller, Jena 1851, S. 50. Reichs- 
iHgsnbschied von 1518, g 2 in der Frankfuiter Sammlung t. 1747, S. 169. 
Mit „friderith Thun, hoffmeifler" war auch „Hans von DoIUgk, ritter", 
in Augsburg. Gesamt-Arch. Kcg. E. Fol. 321', Nr. G4. 

2) von Sediendorf, Hisloria Lutheran, Lips. 169S. Lib. l g 33 
add. III. 



Fricdr. t. Th«s, Karf. Frl«dHeb« d. Wei««B BM tt. tluptmuia. $43 

2«ar dicht nach Frankfurt, sondern starb bald nach dorn 
Aagsburgor R«ich»tiig, nämlich am 12. Januar 1619, ein hsl- 
boe Jahr darauf nnird« aber »ci» loiihafter Wunech erfüllt, 
nämlieh lein Enkel Karl von Spanien in Frankfurt von den 
Surfureieu sum Deutschen Kaiser gewählt, wShreni) Ricioh- 
eidg zu Leipzig das fol^oreiche ReligionsgMprüch stattfand. 
Uit Boisffm Kuifiirttvn war damals auch Thun in Frank- 
Turt nnij i»t denn nuoh in dem Becretum electioniB an 
Sosaen Schtufs nnter den Zeugeo mit aufgeführt : „Ueinrioh 
fs von PlftueD, Herr zu Graiz", dann „Florenz von 
Keimungen Uootor, Pfalzgrafiecher Canzler, und Fridrich 
Ihune, Hauptmann zu Weimar, als Zeugen hefKn erfordert 
und aondfirlich gebeten"'). 

£* i«t lickannt, wie Tor diäiicr Wahl um die Stimm«n 
'der Kurrursteo gehandelt wurde, wie Prsnkrejdi, vom Papst 
unterstützt, um dio Gunst der Kurfürsten sich bemühte, wie 
Kurfürst Friedrich selbst AueeiGht hatte, zum Kaiser gewühlt 
gu wrrden, ahcr, vorwobti^ und ehrgeielof, die Kandidatur 
ablehnte, ebennu aber auch jc*gliche Vergütung für sich, man 
BrzSblt von 30UOO Gl, und für eeine Diener (10 000 OL) 
>aoh der Wnhi zurückwies; ,,wor etwas davou annehme, 
■oUc sich morgen nicht mehr an seinen Hofe sehen lassen". 
dnn Dankachreibeo , welches Karl V. an den Kurfürsten, 
äeraen Stimme die Entiioheiduiig gegeben hatte, richtete, ver- 
spricht er dum Fürsten „seiche seine ehrlichen und besten 
rohhhaten gegen ihn mit aller Dankbarkeit zu vergleichen 
and zu erkennen, auch sich gegen den Churfürsten und seine 
Jotortliunon mit nondcrlichon Unaden also zu erseigeu, dofe 
ama Lieb mit dem Werk und Tbat merken und spüren solle, 
dafc sie ihre Gunst und fitlmme einem aelir dankbaren und 
Dmmen Fürsten raitgetbeilt liabe"*). Vorher hatteu fteilidi 



1) tipBltlln ■. a. O, S. 101. Auch In dorn „jinUicoltiim" and der 
tubliolio elevtJonU" : mOI Fildcricui Timm, capltaaoai Wlmarioniis" bol 
JoldMl, rulil. lUictishknd«!, Ftoaif. teil. ä. 41, 41 
3] Sp«latlii ■. a- O. S. $b. 
XIV. 2» 



344 F''«<lr' *- Thnu, Kurf. Fricdriihs d. Weitien Bat n. IlKuptmiun. 



die spaniichen GeBchäftetrÜger, um £iirinaiDz für Karl Y., 
den Vnter des „bekunnten llaadeiginoiius im Süden", zu er- 
handeln, dem damaligeD ErzbxBchof, Albreoht von Brandea— j 
burg, den kaiserUohou SohuU iu seiner immer noch Hcbn^e 
benden Strcttsacbo mit Kuvsachaeu wogen I^rfurt lugesiuhert *). 
Jetzt bot zum Beweis seiner Dankbarkeit Karl seitie kaieer- 
liebe Scbweeter dem Kurfürsten zur Gemublin fiir dessen 
Neffen, den Herüog Johauu Friedrich, an. Auch bei den 
gevirs geheim betriebenen Verhandiuugen über diese Ehe- 
möglichkeit war Thun beteiligt gewesen, wie aus einem Brief 
hervorgeht, in welohem ein hohur kaieer lieh er Beamter, Gerard 
de Plenie'], dem Herzog Joliann von Sachsen für dcsMn 
gnädiges Schreiben dankt, inhaltliuh dessen der Eurftirtt 
Friedrich, auch der Hauptmann zu Weimar, I'riderioh Thuo, 
den treuen Fleifs angezeigt hübe, den er, Pleme, i» Sachen 
der Heirat fiirgewendet (Meaheln 1619 August 12)-'). Die 
Ehe kam jedoah nicht zustande, sie hütte auch schwerlioh 
die Folgen der Niederlage von Mühlbcrg abgewendet, za 
denen bekanntlioii gehörte, dafs der dankbare Kaiser Kur- 
wttrde und £uilande demaelbcn Neä'cn des Kurfürsten ent- 
zog. Der weise Friedrich, gefragt, was er doch von dem 
römischen Kaiser Karl V. halte, antwortete: „Gott hat uns 
diesen Kaiser gegeben eu Unaden und Ungnaden", was Luther 
eine gute, weise und hötUche Antwort nannte'). 



DL 
Am 28. Januar 1521 eröffnete der junge Kaiser seinen 
ersten Beichslng iu Worms. Mit Worms war damals wieder 
einmal „eine deutsche Stadt der Mittelpunkt der Welt ge- 



1) T. lUnk«, Deulache Otachiclit« im Seltkltor d«r Berorufttlo 
Bd. 1, B. 154. 

S) Qorud do PlenM, »elgnaur de U Rocba. Lanx, KarrBspoDdcn 
E»ls V. Loipiig lUi. Bd_ 1, S. 13e. 

S) Orig-inal, Eruest. Gu-Aith, Rug. D. pm. SS, Mr. DB. 

4} Tltcbisdea, Imcauagogali. vau t'ÜMteuuiau uod BiudaoU. IV, BeilSu 
IStB. 3. SIS. 



Kri«dr. v. Ttun. Kurf. I^«drich« d. WeUon )t»t o. Oiuplmniia. 345 

Verden, auf den dio Künige von Frankroioli, England, Por- 
tugal, Ungarn, Polen und der Papst mit gleicher Spannung 
blickten , wie die Angeliörigen des Itcichs Eelbvt" *) Am 
16, April traf Lutlier daselbst ein, er, der vom Pap»! Og> 
bannte, mit den Titoin „Ehreamor, Lieber, AndSebtiger" vom 
Kaieor vorgeladen durch Yerniittelung seinei Landeahorrn, 
der ilim auch ein „ichriftlioh gelcit an unBern brudcr und 
unsrei ainptleute und andere uuettre untortlmueu" hatte zu- 
koDimeu lassen. Vtt Kurfürst befand «ich bereite in Wonna. 
Luther's Eintreffen dasolbaT, den llSmlingou sehr unerwünscht, 
veranlafst den pKpatlichen Legaten am kaisorlichoo Ilof, Alo- 
niider, KU dem Augruf: „Gia, el Dnca Snione triumphat, reg* 
uat, imperat et fa oome lui Tultt uontra Dia et uontra ra- 
eon" *). Einige Uonate vorher hat!« Aloauder un«ern Kur- 
fürsten öooh für eiuen „buon prinwpe" gehalten, der aber 
vorführt eei von eeinen Raten, volclio iilLc Schüler J.uthor'e 
seien '). 

„Aleo ist er" (Luther), sohroibt Veit Warbeok um Tage 
des Eiumig« Luthei'e in Worms an den in Koburg begierig 
nuf Nacbrioht wartenden Hereog Johann, „umb 10 ülir hie 
einkommc-D, als man geossen hat, niohs des weniger haben 
ihn umbgeben mehr denn 300U McuBebcn biai zu eemer 
herberg, darin dan Ei' Fridrioh Thun, Kr Philips vou 
J'eilBohtz und Vtx von Bappcnheim rerorduet zu liegen (näm- 
lich in einem Hause dos Johanniterordena), nicht weil von 
der Herberg zum Swan, da Herzog Ludwig >'on Paj^oru ge- 
legen"*). 



1) »auliigkrIOD, Ouclilchl« Kuli V. lld 1, S. SSB. 

i) Th. Brlugcr. Aicmidcr nod Lulhcr lOtl. Di« rorvolUtXndlRldii 
AlMudsr-UopcicIien ij ■, w. Clollin 18B1- llcriclit Alnnder's vuni IS. Ajirll, 
S. US. 

3) DMdbtl, Boilchl vaa ISIO, Mitte Dozemlior, S tn. 

l) rSraUminn , Ktuu UrkDodcnbucll. HkinliurK 16*1. ä. CS. 
V. älckendorf ■- h. O. § tS *äi. „tttftfnoii |>lui qiiiiin Aao liomliium idIIIIm 
cum lacUljRDlur uiqai ad Ii0*plllnii] q]u), cjugd coaimuna liabol cum cou- 

siliarllt SuiQUlcli, Fridorico Thnn«i!o, Fllippa Keilitschio, Kquittbuk 

28* 



346 Frltdr. T. Tbun, Korr. Frieilrtch* d. Wdtea Rftt u, Sauptnuinfi. 

Tbuu begleitete auch Luthem in die entsotieideude Kaiobii- 
tagsgitzuDg am Donneralag, den 18. April und sprach ihm, 
noolidem. dieser die iange Uede über die drei Arten seiner 
Sucher gehalten und diese Rede zq viederholen aufgefurdert 
Verden war, Mut zu. Luther berichtet selbst ; „Derweil«a 
iob also redet, begehrte» »ie ren mir, ich eolt gb noch eia- 
mel wiederholen mit lateinischeD Worten, ober ich schwitzte 
sehr und war mir des Getümmels halbes sehr heif» und dafo^^fl 
ich gar unter den Fürsten stund, doch sagte Herr Fiiedrioh^' 
TOQ Thun eu mir, „Icöont Ihr ea nicht, so iet's gnug, Herr 
Dootör*'. Aber ich wiederholet alle meine Worte lateinisch, 
dae gefiel Herzog Friedrich, dera Churfürsten, überaus wohl"'). 

Für den spanischen König, der zugleich deutsctier Kaiser 
war, stand, nachdem Luther wiederholt erklärt und sich zaai^^^ 
Beweis bereit gezeigt hatte, dafs auch KonKÜten geirrt bütlen,^^^ 
feit, dafs dieser Ketzer mit der Iteiohsaohl isu belegen sei, 
hatte er doch zu Aachen, bei seiner Krönung beschworen, 



auntl», et Ulriui Pipponheimio, mkrtioilla imperii, nun pi'u(-ul n dl> 
vaislo, quod cfgni in^igne halint . iihq Lndnvicua KI*clor l'HlKtUiiia u' 
bktur". lu der Frick'iclien Ü liersettBug , ITlm 1*14. wird Tliun nocb 
i.TbtiDiivim'' mit ..Thunaii" bei«iohii«t, 

l) R])HUgoiibsr|,- , AdcIspie^Gl, gchu])iJkHtEl«iJ 1B94, Eup. lA, Iti. Sl )<. 
,,Er Fridiith vor TliUn ist des Hetni Doctor Luiliert l.ebre und Horioii gtr 
vol g«i«igl und »pnderlich vom ChurflirBtoii tu Saclisen auf doiii lioichiUg 
%a Wombs dwu vurordout ^vweaitn, iiflbüD Had^irn aulT Dr. Liifhürti tnlt 
Mchlong XU babcD, dni derielbige nicht etwnii ubercilol Triltde; wie ar iliinii 
ftuch mit tiais getlmii und im treulich beygewolincl". — Über du oben 
geachildert« VeibulLsn Thun'ä in dem Eiiiielnen Füll und insbeionderi.' die 
Bethonfalge der Lutlier'ichen Redeu . laleiiilbuIi'dvuUcli , oi1«r ilfluldoli- 
Uleinispli, v«rgl. Lothetj Werke, Uoutsdi , Atlonburs 1961, Hd, 1, 
ti. TS4 , KrUngei AuB^nbe, Rd, 61, S. 370. Sptnuenborg, Adolapisg. 
Xip. Ift, III, bS nintml in. Lutlt^t bithE tuonl 'IculnOli ki^-iITücIk. 
(ibeicinitimnieiid r. .Snckundorl' n n. O. ^ 9I> Kot. 154, „ul Krlduricni 
Tliunaviu«, Kijues ThntiDBUB, ex primoriliua aulae EleciorftlU cum (Lulbo- 
ruDtj manuarii, tut» locutum «ms'' u. >. w. uud Frick ■. a. O. S. S&S. 
Anch Selnsvcor, Vlu Lulhor), Jena 1(30. lU, SSii meint, t.uthnr liab« *n> 
ent deutsch, dann UleinlBch geip lochen, wllircnd SpuUtln niub Fürttsinana, 
Kenu tfrkaud«nli. S. 89, di* uinuekelirta Reibenfolg« beliiupt«!. 



dl. ' 



Fri«dr. r. Thoo, Kart. Fiiedvlchs d. Weiun Hat n. tlnupttntDn. ^47 

„dem römischen Papst und der römisohcp Kirche die schul- 
dige Unterwürfigkeit und Treue beweisen zu wollen"'). 
Gröfsere Qegeneätze als dieser Kaiser, dem „die heilige ta- 
i|uisitioii die haupigüohlichste Stütze unseres heiligen kutho- 
Ijsohen Giaubenfe" war, und Luther, der die Viilker anr Frei- 
heit von Rom und von der Inquisition aufrief, lassen sich 
wohl nicht denken. — Die Kuri'Ureten und Stände, denen 
der Kaisei seine Aleinung eröffnen liels zögerten aber , so 
rasch vorzugehen und versuchten zunächst noch einmal, nnd 
zwar, wie Aleander berichtet, auf intrieb des Saehsen, „dessen 
Ansehen und Verschlagenheit so grofs war", aber mit Zu- 
stimmung des Kaisers, auf Luther im Sinne einer Verein- 
barung einzuwirken. Sie wußten recht wohl, was ju in seiner 
Tiefe dem fremden Kaiser unbekannt war und blieb, welch' 
mächtige Strömung im deuteohen Volke gegen die römische 
Herrschaft wieder einmal vorhanden war, der Luther nur, 
zur günstigen Stunde uad unter Einsetzung seiner Person, 
den unvergleichlich tiefen Ansdruck verliehen halle. Auch 
mochten den £aiser die „100 gravamiua der deutschen Hatiou 
gegen den römischen Hof", -welche die Stönde aufgestellt 
hatten, bedenklich machen, das Uandat gegea Luther ohn« 
weiteres zu erlnssen. 

Luther blieb daher mehrere Tage ohne Bescheid, erst 
am Montag, dem 22. April, wurde ihm angekündigt, dofs der 
Erzbischof von Trier am Mittwoch darauf mit ihm spreoheu 
woU«. An diesem Tage, dem 24. April, fand nun anoh 
diese Verhandlung mit Luther in der Herberge des Erz- 
bischofs statt, deren Ergebnis war. dofs Luther eich bereit 
erklärte, „seine Bücher und Schriften Kaiserlicher Uajestät 
und dcni Reiche daiiiber zu urtheilen unter der Bedingung zu 
unterwerfen, dals die Prüfung auf Grund von Gottes Wort 
uud der heiligen Schrill geschehe". Uiersu erEählt Luther'): 



I) BaQmgitrtgn u. ■. 0. S. 317, S39. 

I) lu £iaUb«n, c a. 0. All«Db. Ausg. 8. 735, Eilmgsr Aug. Bd. tt, 
S. 371, 



348 Fritdr. V. nun, Knif. Friedrichs d. Wrigsn Rat n. niaptcoiDo. 



„nun waren ttllda etliche, die wollten mich lehren, wie ich 

antworten »oH, aber Friedrich Thun sagte: es ist nicht von 
Nöthen, er wird wohl reden." Am näuhsten Tage, BonnerGtng 
S6. April, wurden die VerGUohe, Luther su einer mitdera 
ErkläroDg zu bringen, fortgesetst, jodooh vergeblich. Lnther 
blieb bei seiner Bedingung. Die Abgeordneten des Krz- 
biflchofs von Trier, der diese Verhandlungen mit kniÄerlicher 
QenehmiguDg führte, waren der bndiache Kanzler Dr. Vehus 
lind Dr. Peutinger. Kurfürst Friedrich, von dem wir an- 
nolimeu müsBeo, dafa er alle diese Dingo aufs sorgföltigate 
verfolgte, liffs seinen Wittenberger ProfeHsor nicht im Stich, 
sondern hatte ihm seine zwri Räte Philipp von FeilitKtc 
und Friedrich von Thuu zu dieser Verhandlung beigegeben 
Als im Vorlauf dorselbeu Luther zu der Erklärung sieh hinlj 
reil'aen liel's, ehe er seine Sache dem Kaiser heimetoUc 
wolle, ehe wolle er das Geleit aufsagen, üafserte Thu a| 
„Das ist je genug und hooh erbothen, ward auff die zwee 
(Vehus und Peutinger) schüllioh und wolt nicht mehr zu 
hören" i). 

Noch an demselben Tage wurde Luther die kniserlicho 
Ungnade angcktindigt, das freie Qeleit aber noch auf 31 Tage 
zugesichert und die Itiiokkehr nach Wittenberg anbefohlen, 
die Lutber auch am Freitag den 26. April früh antrat. Unterm 
8. Mai darauf erliefe der Kaiser das Edikt, durch welches 
Luther in die Rcicheaolit erklärt wurde. An demeelboa 
Tage schloß er aucll mit dem Papst Leo X. das Bündnis 
gegen Frankreich ab, Er unterzeiohnetQ jenes gegen Luther, 
dessen Freunde und Beschützer geriohtete Edikt aber erst am 
26. Mai, nachdem KitrsacliEen und Eurpfalz bereits abgereist 
waren. Der päpattioho Legat halte im Auftrag des Kaisers 
das Edikt entworfen und endlich am 2G. Mai, zu seiner 
gröfsten Befriedigung, die kaiserliche Untersuhrift erlangt. 
Rom halte gesiegt, Dafa die auswürtiga cömiEuho Macht, 
damels duioh ihren Legaten, einen oft laafsgebenden EioflaTs 



1) Spangcnbers, a> *■ 0. 




Frledr. v. Thao, Kurf. Piledricli» d. Walnen R«t u. Hiuplmiinn. 349 

auf deD deutectieti BeichEtagen ausübte, ivar ja auch dBmals 
eine feetstehende Einriclituag. 

Luther'B Leben war also in äufserster Gefahr, uud wer 
yeimag zu nagen, welche schweron Keinniniese dem Werke 
der Kircheiirei'orniaiioo und der Befreiung Deuleohlanös vou 
rÖmisuher Herrschaft bereitet worden wären, wenn jetzt eclion 
dieser mächtige Charakter dem deuteohea Volke eutrisaen 
worden wäre ! Es ist ein unvergängliches Verdienet unseres 
weisen crnestioi sehen Fürsten, hiertor durch einen mutvollou 
EntechluTs sein Vaterland bewahrt zu haben, indem er ohne 
jegliches Aufsehen Luther auf einige Zeit der Welt ent- 
rückte. Der Plan hierzu wird in Friedrich enUtanden sein, 
als er wahrnahm, data man seinem Unterthauea und Pro- 
feasor nach dem Leben trachte. Berichtet wird, daTs er am 
Abend des zuleUt beschriebenen Tages, am 2ö. April, Dounera- 
tag, nach der entscheidenden Verhandlung mit dem Trierer 
Br^bisohof, über die Mafsrcgel der Verbergung Luther's mi; 
seinen Katen beratschlagt und diese seine Absicht durch die 
Ritter Friedrich von Thuna und Philipp von Feiiitzsoh und 
durch Spulatin Luther habe anzeigen lasBen. Luther habe 
fich dem Entschlufs aus Büoksioht auf feinen Fürsten iwter- 
worfon, aber zugleich erklart, „er wollte lieber frisch dran 
gegangen sein"'). Die Vorbereitungen zu Luther's Vet- 
bergung müssen rasch und gewandt zur Ausführung gebracht 
worden sein. Denn schon nach neun Tagen wird der Erfolg 
gemeldet, was, wenn wir di» weite Entfernung von Worms 
bis nach Eisenaoh iu Betracht ziehen, auf Sinke und zu- 
verlässige Boten aobliefseu läfst. Uit welcher Spannung 
mügen der Kurförst und seine Bäte, die zu jener Zeit nicht 



1) Seckendorf a. ». O. § flfl «dd. 1 d, und hietimcli Frick S, 3BB, 
Die Milvlssersf^bari TtiuDa'i wird auch in Chr. Schtcgelii, iichecliiisina du 
I^nromU SülfcIJ,, Dreädfte 11i9T, fiogeo E 2 Änm, d und i^i desaeLbon Vltn 
QMrg. SpnUttni ervrSbnt. Kolde la „Lutbor ucd der ReiebaMg in Wurms", 
Halle iaS9, nimmt so, iib d«rKurflirsI wohl nfcht «elbst den Plan ent- 
worfen Imbe, 



3Ö0 ^«Ar. T, Tkao, Surf. Friedritbe 4, Wcüaa Km a. BaaiMBBBa. 



TÜl Kühe gehabt haben werden, dem AuEgang de« Wagniai 
eDtg«geDgeaelieii haben ! Der kaiterliche Herold war aatür« 
lieh reditzeiüg Ton Luther etitU»eu worden. 

Wie geheim dieae Sache gehalten wurde, geht auch sos 
den Bnefen des EurförateD au« jener Zt'it an teinea Bruder, 
den Henog Johanii, hervor, von welchem er waftU, irie 
•ehr er Luther ergeben war. Schrieb er doch am i. Uai ^ ), 
dem Tage, an we!vbem Lulber's Entlnluang auf die Wartburyi 
stattfand: „marlinus wehe «tedt, das man Inen gancz rer- 
folgen wf 1, dar Tor wfl nichta helSen. eTs siad bey got, der 
wild efa l&under schweyffet woi achicken. byllffi mir got 
zcu e. 1., ich wyl e. L wonder da Ton la^en, et» iit gote> 
werck Tsd nicht der ueQscJieo", und am 16. Mai „ma 
Isaget auch alhye, da« doctor martinua belle geffangen seyn,.] 
vod da Tott seyn fffi ee'cxamer Bede, wyhe ich den e. l^ 
W}*1 got, selber beritihtea w^i". Auch in den «pStereu Briefen 
aua Worms, wie in denen aus Heidelberg, xerrät der Kor- 
fUnt sein Geheimnis nicht. Noch am 31. Uai schreibt ecj 
aua GereIdEhofe<D seinem Binder, „er «ifise von Martini 
aithta Wahrhaftiges eu ichreitiea, so aber sein Veltec beiij 
dem Henog wäre, der würde demselben viel davon zu aogaa 
wissen, ileou es bedünke ihn, dieser frage viel darnach, aber^ 
er besorg«, Martino nicht zum Guten". Dieser böse Ye 
war der Henog Oeorg von SactucD , der alle«, waa mit 
Luther vorging und ws^ sein eroeslini scher Volter that oder'j 
geschehen liefs, sorgGütig überwachte. Aleander aber spricht 
Bflbon in Hinein Bericht vom 5. Uai an seinen Chef, deo' 
TiiMhansItir Medici, die Vermutung aus, Luther werde wohLj 
io Wittenberg oder mit Yorwissen des sächsisdien Herzoge 
auf der Burg eines der befreundeten Edelleute sein und iu- 
zwischen seine Schule in Wittenberg ihren Fortgang nehmen , 
luaen. „Denn dieser Herzog — unser Knrf&rst — ist so 
eitel, dafs er lieber seine Seele und alle die Seinigen >et- 
lieren wollen wird, als diesen wenn schon niohtigeu und 



1) PJrilvmanii, K> ü, B. 8. 18, »e auch die folgAatlco Briefe. 



Friedr. v. Tlian, Kart. Frkdrlcbs d. Wel^ien Rut l. Biopluiituii. 351 

gchleohteo Biihm. Denn so sehr haben ihm diu Lulhcmner 
das Haupt verduokeH , dafs es scheint, er halte die*iiN für 
den wahreu kalholiBcheo Glaubeu"'). 

Aus jenem Brief vom 4. Mai darf ich vielleicht noch 
bemerken, weun es aaoh abseits uoeorer BotraclitDng liegt, 
data sich darin der Kurfürst für die Lädur bodaukt, die ihm 
der UerEog, sein Bruder, gesehiokl; er habe kniierlichur 
Slajeetät zu ä Paar Hosen davou gegeben, uad das habt) 
kaiserlicher Majestät ganz wohl gefallon- 

Iniuitten all' des Ernstes der Zeiten wirkt es erheiternd 
HU lesen , deTe der Kurfürst von Sachsen dem Deutschen 
Kaiser und König von Spanien Zeug zu zwei Fanr Hosea 
sohenkt. 

Übrigens ist dieeer oft erwähnte BrtefweoIiBol swisoheu 
den beiden fiirsllioheu Brüdern niulit nur höchst bedeutsam 
für die Stellung dieser beiden so versohieden gearteten Müuacr 
2u Luther's Bache, sondern gehört auch >u dem Liebens- 
wiirdigsleu, was miin lesen kann. — 

Wenn ich bei diesen Wornwer Tagen, ohue etwas cr- 
hebltdi Neues gebracht zu hoben, vielleicht zu ausführlich 
fdr die Geduld meiner Zuhörer geworden bin, so wolle man 
dies mit der Bedeutuag dieser Tage eutse huldigen. Blicken 
wir doch alle auf diesa Zeit mit jenem Gefiilil der Scheu 
und der Verehrung zurück, welches uns immer angesichts 
grofeer, weltbewegender Eracheiuungon ergreift und orschüilert. 
Und wenn auch diess Tage der allgemeinen Geschichte ao- 
gehören und auf alle Knlturvölker ihre Wirkung geäufsert 
liaben, so füülen wir, ernestioische Thüringer, uns doch den 
handelnden Tersonea jeuer Tage raensohlich näher und vor- 
• tolgea mit immer wieder ernculer Spanuuug die Geschicko 
Unaeres grofson Laadsmannos Luther und seines Flirslon. 
Und hierbei mag denn auch etwas Teilnahme für die ualcr- 
geordueteu Personeu lu diesem Weltdrama abfallen. 



1) Biicger a. h. O. S. 181. 



352 ^'i"^'- *' ThuD, Kurt. Frisilrtch« d. Weli*Q Kut u. HRUpImanii. 

IV. 
Im Juni deaselbeD Jahieg tprioht iu eioem seiner Be- 
riahte Aleander die Hoffouug aus, äaCt Papst und Kaiser 

einig bleiben „contra quesli ribaldi cani", „gegen diese 
schelmiaohen Hunde", dann werde dieses furehlbare Edikt, 
das Wormaer, in nicht za femer Zeit dieae Termaledeile Sekte 
Tertiigen. Eb kam aber tindera. 

Im Frühling dos nächsten Jahres, 1633. var der Reichs- 
tag XU KUrnberg Tersamtaelt, zu welchem der Kurfürst den 
oft gennenten Kollegen unierea Kittera, den Amtmnan 
Philipp TOD Peilitzaoh, abgeordnet hatte. Bei dem 
daselbst tagenden Reichsregimeiit war der Enrfursl durch 
den mutigen und geschickten Hans von der Planit«, 
Hauptmann eu Grimma, vertreten, dessen Berichte, fdr die 
Zeitgeschichte von grofsem Wert, neuerdings mehrfach heran- 
gezogen worden sind ^), 

Das Hauptergebnis der im Frühjahr 1523 geaohlossenen 
Verhandiuugen war cia Luther und dem Kurfürsten insofern 
Dicht ungünstiges, ab die von dem päpstlichen Legaten be- 
antragte und von ßeorg von Sachsen ei^ig befürwortete 
Yollstreokang des Wormser Äohtun gsediktea 
gegen Lather und dessen AnhUnger nicht beschlossen, too- 
dern den Päpstlichen nar dai Zugeständnis gemacht wurde, 
dafa bis lu dem geforderten deutschen Eoazil der Kurfürst 
Lntbern und seinen soostigen Theologen weitere Schrtft- 
stellerei untersagen solle. Das kaisorliohe Edikt von 153 1 
Uai 8 war damit thatsächlich von den Ständen aufser Kraft 
gesetzt vrordeo. Hieran änderte der näohstjährige Bcsuhlufa 
derselben auch nichts, wonach die Ausrdhrung jenes Edikts 
in das Belieben der Einzelnen gestellt wurde'). Es sind 



1) ZnleUt meines WiaseiiB von Dr. E. WUleker in „BeidiaUg unil 
Bclchiregiment lu Anfang dot Berorm.-Zeit''. Pseati, Jilirli. 1884 9. 33A_ 

S) Nilrnlierger HeichBlngsnbichiedD von I6S3 und IBM April IB. 
Auf Anslnoin d«; Kalaert, dem WormiBT MmidalD gehorjim lu folgan. 



TiUit. V. ThuD, Knrf. PiiedHcIu d. W*U«n KaX u. HiuptmkiiQ. 353 



r 



dies aehr merkwürdige und den Kampf der maoftrchisoheo 
und alKadUchen Gownlten in Bentsohlfiod bezeichooDde Tor- 

gäDge. 

Unbekümmert um da» Bestehen des Ediktes war aber 
Bchon 1532, am 6. MärK, Luth«r wieder nach Witten- 
berg gelaugt, wie Plauitz bald darauf, und zwar bozeicliDeuder- 
weise, zuerst von dam Herzog Georg erfahren hatte *). 

Am 1. April, aUo 3 — 4 Wocheo nachdem Luther nach 
Wittenberg zurückgekehrt war, sclireibl janer aa aeiuen 
Uerm, „er besorge, es werde von etlichen gesacht, ob man 
zu Wege bringen möchte, dals der Fiakal Ew. kor fürstlichen 
Gnaden Dr. Martinus halben vorueme, wie er Augsburg nnd 
Ulm vornehmen solle, weil sie kaiaerlioher Majeatät Mandat 
verachtet"^). Es war dies noch vor den oben erwähnten 
Reichstageschlussen. Der Papst Kadrian VI. nämlioh, 
der Tormalige Lehrer Kaiser Karls, hatte in einem giüb- 
licheu Schreiben uneerm Kurfürsten mit geietlichem und 
weltlichem Schwert gedroht, wenn er den Ketzer Luther 
länger beschiitae, später jedoch, als er durch seinen Nuntius 
C'hieregflto besser über die Stimmung beim Eeichsregiment 
und Reichstag unterrichtet war, mildere, ja in gewiesem Sinne 
entgegenkommeude Erklärungen hinsichtlich vieler Lutheriachur 
Angriffe gegen die Verrottung in der Kirche abgeben lassen, 
Mufste doch selbst Ferdinand, des Kaisers Bruder und Statt* 
haiter in Deutschland, in einem Brief au letzteren zu- 
geben: „Die Lehre Luther*» ist im ganzen Eeich so einge- 
'wnrielt, dafis unter 1000 Personen heute nicht eine ganz frei 
ist" »). 



Ii»ban Kurfliraten, Kliriton, Prälaleo und gnoiBino Ständo „bcsphloasen, 
uuaerm MtadnlD, gghurumlEch . nii ila sich dg« schuldig bskcauea, 10 
viel ihaen mügliah, au g«leb«n, gcrnKfa t,u h*lt«ti und ntcbin- 
konunen". 

1) Brief BuDseni von der PUnltz von Uüci S3, bei Rolde »,. s. 0. 
5. Gl. 

3) Kolde a. k. O. S ti. 

S) BaumgArteD, Qeichicbte Karli V. Unna 1, 1886, S. SSB. 



354 nt>fc- «■ TboD. Kart FrMtfchs i. W«lnn U*t i Bt»,— . 



Hadtiau Nachfolger, CUmena VIL, Giolio <i«t Uedid, 
L«o'a X, GiovaiiDi'a dci Medici, Vetter nnd <JeM«t) Vice- 
kanzlcr, hatu die KorrcapondeDE nit Aleasder geföhrt and 
mr daher über die Bedeutnog der kirchliehen Bcwegaog in 
DeataehWd wohl am heaten an rSouaehea Hofe unterriebteL 
Um ae m«hr gUaMe er daher als Fajnt gt^en die Ketzern ia 
Dmtaehlaad eiDBchreiten zu müs«ea and ordaeta deshalb dm 
gewandteo Kardinal Campeggi nr BeeinfitusQDg der deatachen 
Stinde im römiachen Sinne auf drai in Herbste 1523 nea 
znMrameD tretenden BeichAtag ab. Dieevi vorsichtige Herr 
über nahm den deutsehen Feidzog erti, nachdem ihm vom 
Papal die reichliche Teritorguog «einer Kinder för den Fall, 
dab er bei dem Unternehmen seinen Tod finde , zugeeidliett 
worden war'). Der TOn den Bömlingen gegen den Kur- 
furaten Ton Sachsen, „als das Haupt der Ungehor- 
samen", in Anssicht genommene Plan wurde aber den Er- 
neatinern von ihrem Vetter, dem Herzog Oeorg, selbst, bei 
dem der deutsche Keichefhrgi und sSehueche ADverwaadt« 
(loch noch über den rSmiachen Katholiken den Sieg davon- 
trug, redlicheiweise eothiillt. 

Am 11. Dexember 1523 fand nämlich zu Dresden dio 
Hochzeit TOn Georgs Tocbtor Ohristina mit dem Laoclgrafea 
Philipp TOQ HesHen statt. Herüog Johann war aU Hochseits- 
gast xugcgeo und hnito „Em Fridricfa Thun" mit sich 
genommen. Diesen führte nun, nie der Uerxog Jobana 
»einem Brudor aus Weimar, fast ein Jahr darauf, am 20. No- 
vember 15^4, schreibt, während des Festes der Herzog Oeorg 
mit sich den WendeUteiu Tum Tanzbaus hinauf und redete 
mit ihm, nach einem Bericht Thun'«, diene oder dergleichoa 
Worte: „Fridriob, du weist was ytzuad vor eyn yrthum 
allenthalben von dem vorfluchtte keczerischea Lütter nuä' 
kamen fit, so höre ich, das dein herre mein vether, herozog 
Hanr, leidet 70 seinem fnrstenthum mcher daa andere TursteOr 
du man deutsche mease list und sinhett und das das vokk. 



I) BsumfsrUo a. a. 0. %. tSt. 



Friedr. f. Tliua, Surf. Fri«drldif i. Wvlxo Ratu. Baujitnuian 355 



yn beiyde geetelaufs zcum heyligen aacranieot gelitil: «olohgi 
' und ^er gleiohea woldt ich gero mit meycen vetheru reden 
alhjT zcu Dreeten, dan ich weis, daa prniica TorhaadeD, wo 
ßom, keieerl. Majrt. und tranakreich gerioht, das durch 
zcuthun bep all eher heyligkeit dar kurfuret. und dein heiru 
aberczogeo werden , aiiob etliche atelte , und es BuUe gewifa- 
lichen vor sein, das man den kurfiirBten, meyneu vethoru, 
seioe kurfurstlicheo ampt§ enteeczen wolle, welche myr trou- 
lichen leidt were, und kandt gedcncken , was nnohtheiU dnit 
oiynen Tethem aeycer liebe bnider und myr und nneorn 
allein nachkonien brinhen mochte" n, a, w. ' ). Der eifrige Herzog 
wollte alsbald deshalb mit seinem ketzeriaohen Yettex ver- 
handeln und frug deshalb T h u n mich seiner Meinung. Thnn 
bat jedoch, seinen Herrn, der jetzt bei 8r. I.iebden „Fröhlig- 
keit wegeu" sei, mit eolohen ernsten Dingen zu veTBohonen. 
Damit traf er gewifa das Richtige, denn eine Vereinigitng 
dieser beiden in Glaub enssachen so entgegen gesetzt denkenden 
Fürsten war doch nicht ansinnehtnen, auch hätte der Heraog 
Johann bei seiner ontschiedeueu Hiunoigvug üu Luther und 
dessen Lehre im Streit mit seinem ebenso entechieden katho- 
lischen und in Glaubensangclegenheiten wohl uuterriohtoteii 
Vetter sich leicht ku Etklärangeu hiareifsen iasseu können, 
die seinem Bruder, dem Kurfürsten, leid goweaen sein und 
dessen schwierige Loge noch mehr ereohweit haben würden. 



1) EbenfalU nbgsilruckl bal Kolde n. &. O. ä. 55, wo luch die Brief. 
<!e(ien von den Iliriocii Juhono eigner Band geiii.'hr>ebene tleiUife dvr 
vorttcliend« ÜAriclil Tlmn's lilldet. DleAnr gegsD doli KurrUnten Ftiedricb 
geriolilflle Plan n-ird früljer solion ilhlt) eiwllhnl im Archiv Tili lüo 
fcitriisiüchc Gescbidhlf, Itd. l!, S. 114, wo i>bi|;er Biief norli aiiliekHDtil iini! 
aDgeDommen wird, ä\h et L>n1d nach dem 1 1. DoiBmlier lEiSS gesclirU- 
bei) w'i; nber schon Trirk in aeiaer Bsarbcituiig der von .'^cckindorT. 
Hvlion OB^chichte des Ltiiherlhums, tlim 1714, ä. üTO, GIO, hat diesn Kur- 
iiachaeti droliendc Uofahr gokuniil. Für dla Stimmung äei- kaiinrl. Stall' 
baJtan, EtiheriDgi Ferdinand, geg«D I.nthcr ruhrt er b«l dlvisr OcIbe*"' 
h«U Ferdinaiiili Anrterung an: „er vrolle llsbor, dar» ininB Scliwutcr 
fdlA Kciiiitfin vt>n DäntfiTiBrlc] im Mf m* i.>rnnnVii wfirii , al« rtafA *\o m'* 
Lntharo in Wititnhiirg gcrsdot," 



ritedr. V. Tbo, KMr£rrtad(i(ftaA.W«iMBBiia. 



Dicaer treue BeielutHtst otid zureiüsaige Fördcror der 
UDUrdefl] Kameu Rei ohsregimeDt gea^sffenen BtSodischea 
BeHturegianuig»- aad TervmltDageb^Srid« baiw «ich in- 
swwAmi, aagaMhtet MiBer Krüktidikeit und der tJnbe* 
hifcticlit^cit «einer Stellang zu kaiscrlieh-päptttlicliiea Gewalt, 
im Herbste deuelbeu Jahres nach Kärnberg begeben, 
wo er am 28. XoTembtr 1523 eintraf, mit ihm »eine Käle, 
damnier Than. Wuhricbeiolicfa fand er dort seioeo Ge- 
BBndteo beim UeichHcgiment Ton der Planitz tmd «einen 
K*mmerriohleT von Teebwitx bereits Tor. Die an den Kni- 
(üralen ergaogene katterliche Ladung, naeb vneeren Begriffea 
ziemlich grob abgefafat, teheint auch dem Knrfunten nicht 
ge&IIen lu haben. Denn am 1. Dezember beechweren neh 
■eine Küt« „her fridrieh von Thnn litter nnd Ditterioh.j 
TOD Techwitx, Dechant, Tonn Ereiherzogeo feidinaodo (dem 
koiaurliclien Statthalter) vnd key" regement" im Namen und ' 
Auftrag des EarfKraten über die Form der Ladung und er-' 
kLKren, da andere FUrtten noch nicht erafthienen seien und 
da der Kurfürvt mit »einer Peiaon in den obliegenden und 
Boachwerden dea Reioba wenig oder gar nichts than bOnne, 
daTa ihr Herr wieder abreisen wolle. Die ausfäluUch bo* 
grUndele aohriftliche Erklärung wird Ton Eru Fridrioh 
TOD Thun Übergeben mit der Bitte, dasjenige, ao darinnen, 
frenodliob nu Teruolimen. Darauf ist die Schrift durch „fam- 
bular" im KegimenUrat TOrgelesen wordüD, und nach der 
Verlesung hat Her Fridericb obige Bitte wiederholt. Darsnf 
hat FUntl. Durohlanoht (der Erzherzog) und Eegiment die 
Ittfte entweich OD und nach gchaltoner Unterredung doich 
Heim Uana Ton der Planitz, alio durch den korfUrstl. Ge- 
(flndlen beim Kogimunt, Antwort geben laa«en, die Form der 
Ladung 2U eiitiuhuldi^vQ gesucht und gebeten, doTs der Eur- 
fürit bleiben möge, da, wenn er aioh wieder wegbegebe, andere 
auch autbloiboii würden. Am uUohateu Tag, den 2. Doeembet, 
lUfat der ICrsherzog und doa liegimeut durch Abgesandte bei 
dorn KurrUratcn dio Bitte , or mögo bleiben , wiederholen. 
Solche Bitte uud Suohuug bat der gnildigete Kurfürst lu 



Friedr. v, Thun, Knrf, Prlgdtlehi d. Wciito Bat n. Uaupimann. 357 

liedacht t^euommen und uach Tiscli „Hern fridrioli thun 
Kitter pp vod heru ditricheu von TcoUwit«" au dem lle- 
gimeat geschiclit und eich erboten, eelbat noch eine Zeit 
lang da av, bleiben, als wolle er den Bniclistag abwarten, 
einen Teil des Gesindes aber ins Fiireteiitniu zuräukzusuhiisken, 
TOD wo es iu drei Tagen in Nürnberg »ein könnte, wenn es 
ihm aber an Beiuen Leib echlocht gehe, wolle er abecboiden 
nud jemand an seiner statt :turUck lassen. Dabei hat der Kur- 
Tdrst auch noch hervorgehoben, defs er zu dieaei' Sache uioht 
mehr denn zwei RSle „Er Fridrioh thuu vnd den Teohwitz" 
gebraucht und den anderen Räten, die er uooh mit hier habe, 
nichts davon mitgeteilt habe, damit die Sache geheimer ge- 
halten werde. Diese Botschaft , welche nnoh noch schriftiicb 
überreicht wird, viU das Regiment dem Erzherzog zugehen 
lassen. 

Der Euvflirst reist auch ecai Ende Februar 1524 ab, 
nachdem gegen seine AnGicht für das Ueiohsregimeut eine 
auderweite , mehr toq der kaiaerücheu Gewalt abhängige 
Zusammcnaetzuag beschloaBen worden war. Mit ihm verlüfil 
ThaD Nürnberg, während der Rat und Amtmann zu Wcido, 
Philipp von Feilitzsch, auf Grund besonderer VoHmaehl, und 
auch Haufl von der Planitz in NUruberg zurUokbleiben *). 



V. 

Bald nach dem SchluTs des Nürnberger Reichstages fand 
die Spannung iwisohea den Eineslinern und ihrem Vetter 
Guorg voa Sachsen neue Nahrung durch die angeblich üu 
woitgehcado Duldung, welche erstece dem Frediger und 
kirchlioh-aoziaten Demagogen Tkomaa MUnzer, der im 
Juni 1524 in AlUledt seinen Silz genommen hatte, gewährten, 
Die Verhandlungen über diesou gefiihiliohon Radikalen mit 
dem iregen der Nähe seiner die ernestiniBohe Enklave Allstedt 



1} Nich FfiralemiDu, Hcnei Urkandenb. S. 136 ff. 



3')S Frtcdr. V. Thun. Rnrf. PriadHühs d, Wetson Btl u. Biuptmann. 

umgebeuden LUoder besorgte n Hurzog Oeorg werden auf 
«rDestiaisoher Seite von doii Rittern tod der Planiu und 
von Thun geführt und hnbeu den Erfolg, dals Uüazor 
heimlich Allstedt TerläTst. — Ea i»t bekannt, daTs «ioh bald 
darauf mit elementarer Gewalt gegen seine Verfolger der- 
jenige Slaml erhob, auf welohcu cia grofser Teil der öfiTenl- 
liohet) Lasten abgewälst wurde, ohne dab irgend etwas zu 
seinen Quasten geschehen wilro, welcher am meiateu unter 
der allmählich eingetretenen Becbts- und Schntzlogigkoit ge- 
litten hatte und der in dem bekannten Bauernkriege Deutsch- 
land vom Schwarzwald und Tirol bis zum Harz mit lireuel- 
thaten und Verwüstungen erfüllte. Im Frühjahr 1525 
verbreitet sieh der Aufstand nach und la Thüringen. Onbiera 
Fürsten wurden Näehetbeteiligte. Aber selbst am 14. April 
noch schreibt der Kurfürst in seiner vorurteilafreicn Weise au 
seinen Bruder; „vielleicht habe mtin den armen Leuton za 
solchem Aufruhr Uraach gegeben und senderlioh mit Var- 
bietung des Wortes Gottes. So weriiou die armen in vielen 
Wegen von uns weltlichen und geistlichen Obrigkeiten be- 
aohwert" ' ). 

ßald darauf, am 5. Mai, zehn Tage vor der dos Bauern- 
heer vernichtenden Schlacht bei Frankenhauaeu , in wild- 
bewegter Zeit, war zu Loohan nach schmerzhafter Krankheit 
nuser edler Kur fürs t Friedrich zur ewigen Ruhe 
nbg esohieden. Eins seiner letzten liegieruegshaudlungeu 
war die Ermahnung an seinen Bruder, wenn möglich in Güte 
die Sache mit den Bauern abzumachen. Am Tage vor Hoinom 
Ableben lohreibt er dem Herzog Johann, obwohl ihn dieser von 
den Kohheiten nnd Oewaltthätigkeiten der Bauern fortlaufend 
«oterrichlet hatte, „er hoffe zii Gott, dafs die Leute keine TJr- 
»aoho hiittou, gegen Seine Lieben und ihn in dem rauthwilligeii 
Vornehmen zu verharren; man lasse in der Güte durch Jemaadeo, 



1) Min dlaiO) nach don BrierwntluBl bei FärilDnunu a. a. 0. S. W 
bis eso Vcritl. nucti v. BeokeiKlurf h. n. 0. I g ITQ adil. 1. 



r Friadr. v. Thun, Karl'. Prl«dricbi i. Wolioo Rat n. IlaupUnann. 359 

^der bei ibneu Äneeheo and eu dem aie Olaubea und Ver- 

I trauen hätteu, mit ihueu haudeln"'). Luther urteilte daher 

, in Bfliuer kräftigen Art: „Heraog Friedrich der löbliolie Chur- 

'füret TOD Hachsen war sehr turchtäam uuü blödn, dis Übel- 

thäter 2u strafen, sonderlich die aruieu Diebe. Ja, iprsoh 

er, es iat leiclit, einem das Leben zu nehmen, aber man 

kann es nicht wiedergeben"'). „Nihil magouia, quod non 

«st plncidaa", soll er wiederholt gesagt haben "). 

Friedrich starb za Loobau ia Abwesenheit eeiaei* 
fiäte. Am 28. April sohrieb er üeincm Bruder, „er lioge 
allhier nach dem Willea Gottes, ia Schwachheit and Rrank- 
heit und habe sonst anoh NiemandeD bei sich, daher er dem 
Herzog nicht wohl elatlich. raten könne". 

Der Kurfürst hielt also in Locliau nicht „wesentlich 
Hof, denn nach der „zu onserer und der Cnsem Ehre, Hatx 
und Gedeihen" errichteten Bo fratsordn ung von 1499*) 
sollen etSpdig 4 Bäte „an unsern wesentlichen Hofe" eeio. 
Wir diiifen nnnehmen, dafs die wiederholt genannten Feilitzecb 
und Thun zu diesen Itäten gehörten. Sie Bollea tüglich swel- 
mal beraten und beaohlie&an, von den Kefirem oder Ämtern, 
welche übrigens die Sache tbaalich selbst abzumachen haben, 
in Notfällen Bericht erfordern, mit Fleifs darauf sehen, dafs 
den Lsndesherrn nichts entzogen weide in Oberkeit, Gericht, 
Wildbahu. Doch ist deren Meinung nicht, dsTs Jemand das 
Seine enteogen oder roit Unbilligkeit beschwert sollte werden. 
Wer aas den Amtern ror den Fürsten oder den Baten er- 
scheint, soll des Amtmanns Schrift mitbringen oder zurück- 
gewiesen werden. Die Bäte sollen kein Geld oder Oat fUr 
Dienste ohne der Lterren Wissen annehmen (s. oben II bei 
der Eaiserwahl], alles geheim halten bis sam Tod, nur „in 
Gegen war tigkeit unsrer eignen Person oder unsrer Bäthe, die 



1) FSratemtDii 1. ■. O. B. S80 Mr. tl. 

2) Tiscbred«D, B«rtiD 1848, tV. Abt. S. 160. 

3) Boilaus. Vita Fridorid SupientU, Jena IG03. 

i) Zeitichrift des Verein* iUi TbQr. Ges«h. Jen* 18GS. Bd. n, 6. 99. 
XIV. 24 



360 P^*dr. V. Tbnn, Kotf. Filcdriclu d. WcUc« IUI n. BkopcntuB. 

der Zeit an onBena Hofe seiD werden, mit veniegeltar lo- 
etluctioD ihrer Wetbang abgereriigt werdou" n. •. w. Eine 
Bokhö wörtliche loitniktion erhalten x. B. die Bitter Thun 
and voD der Plaoitz im Aagast 1524 in folgende» Worten: 
„Unser gaedigaten and gnedigeo Herrn aotwart saf Hertxog 
Jörgen geseliiukten autrag, durch Ern Frid. Thun und Horru 
HaoBen too der Planitz, Ritter, geworben. Ksch Vermeldnng 
gewonlioha fj^enntlichen Zaentbieten* sollen dia Gesdiickten 
eagen: Dnrchleuchliger, hooligeborner Fürst" u. s. w. *). 

Wir haben in diesem Uo&&t eine kollegiale Lande»* 
regieinug ku erkennei), regelm^ig Kanilei geoannt, 
deren Mitglieder dem Hofe folgteo, aber aach deputiert, ins- 
besondere «u diplomatischen Seodungen benufit wnrJoB. Der 
Bitz dieser Begierung war, wenigstens im Anfang des hier 
gesolülderten Zeitraumes, in Weimar im heraogl. Reeidenz- 
sohloffi, im Uornstein, und zwar im westlichen Flügel, viel- 
leicht in der Thorfeste, heute Baetille genannt*). Die SuTaere 



1) VSntemann a. n. O. S. ifiü. Sfeho oben Toit S, 358 vor Anm. 1. 
Dab dl* fOT^llchEci Bsamten vonlein kein Bedenkea betrugen hsltpn, (tlr 
tbi* Dleiute eine Vcr^BInog von den Bcleiliglen lu bsgelireii, difUr gii>)>E 
Ssgltttrlai in de» Snnlfsldisrhva tILslorien (Dariduchriri der Ilcrioüt. Olb- 
liotb«k iu Kolinrd, ««bellen 1670 und 1630 gosclirieben,) Kup, 4S 9- 9ftt, 
fDlgccdes Ueiapiol : ,,lin Jihra 1491 schrieben .,>lie Chur- und Ptlr«tl. 
Camtneilitmi Deg^nliard Pfiffliijjsr und Georg von Kitsclier'' an den ßulh 
la Balfsid, »otDuls wttteo ibrer guildigsleii Uerrn CMmmororu i«1>rlich 
voa ihD«ti som neuen Jahr ein Geiebeuk gewonlen. „nie wol ■!■ nun 
bisbcr ihnen und den ihrigen, so sich bei thacD ingegoben (Dnecmeldel}, 
bei ibrou gnädigsleo und KiiMlgen lleiru, si> viel ihnen möKÜcb, b«flir- 
docllcli gewesen, io sei doch bUhcc dctmarseu gegen tie nicht enrlMen 
nnd wURilDn >1n nicht, wamm ihrer vorgeaisn worden. Wafcm lis (der 
B*Ui) tidi nnu hiefür gegen aio nl» Csmmerherm ihrer gntttllil«« nnd 
gnldlgeo Herrn alio nueli lu tiatten vermcialen, würen sie, wo aolcliM 
gehoben, iiinen und den ihrigen >u detta mehrer Forderung bei iltr«ii 
On*d«ti gcneiglor , vroltiin nnrh ila» damit Terdienen und begehrlen 
dsrnuff Anlwotl." 

>] Im Juliro IGIO Dntmber 6 um Voopor Zelt )>l vor der KUrelsD 
Friedrich und JuhKiin lUthen, dsrtnli ku Weimar, „ia d«r Btabi<n Kegeu 
toadl merlon« klrebni ub«r dM sloj VVjmur, da man ytinnt Cftnt«- 



Friedr. v. Tbnn, Sarf. Friedrichs d. Wulssn Hit u. URuplininii, 361 



Geechäftaleilnng besorgte regetmäfsig, bei den Wettineni aeit 
Friedrioh dem SaDflmütigieu (14'28 — 1464), ein Eanzler, den 
Voisitü führte der Hofmeister oder der Landeaherr Bolbst. 
„Es soll allezeit dem mehreren Bathsohlag gefolgt werden; 
so BOll unser üafmeiater die Eände! eii berathnuhlagcti filr- 
legen und umfragen" ^). Der Landesherr nahm, wenn er 
heimiech war, an den Beratungeo ei&ig teil, ging doch die 
Enteehlieraiing auch oft in minder vichtigeD Bingen, nicht 
nur in Kogiorangs-, sondern auch in T er wal tan gsno gelegen- 
heiten, von ihm aue. „Uerzog Friedrieh soTg und tiera eich 
ralhen, thät die Äugeu ku, hatte eiu SohreibtiiSeiii und yei- 
zeiohnet nacheinander der Bäte eines jeglichen Bedenken", 
erzählt Luther*). Damit stimmt ein anderes Wort, das von 
Friedrich erzählt wird, übercin: ,.Wir hören wol was unsro 
Bäte raten. Wir nehmen aber auoh nnser Herz zu Bat und 
folgen ihnen eben nicht allemal, denn in dem, was auch 
wir für recht und gut erkennen koennen" °). Wenn schon 
der Fürst die Eauzlei, die Regierung, eines Fürsten Hern 
genannt hat*), so ist er doch nicht Immer mit seinen Küton 
Kufriedeu gewesen. So schreibt er am 25. März 1Ö21 von 
Worms während dos Beiofaslags an den Herzog Johann, „er 
wolle ihm aus biüderlicher Treae wahrlich nicht verhalten, 
dafa ihre Bachen oft zum Nachtheil verzogen werden und 



lay heldet" vor dem offeobnen Schreiber erichiecen □. a. tr. Ko- 
tfttiBtxiirk. im ErncBt. Qen.-Arflb. Reg O. S. SSO— 1 M '. Diu lUpcllo 
Set. Uncttna des Bischofs , schon von de» Qrtteo toii OrlaniUudG ata 
BorgkapclU In ihrem „hus lu witonr" oolarballan , von Heraog Wilbolra 
mr Stirt^kiTche erliobeti, tllO als Dom lingeneiht, lOSD von QeTcng 
Johnon «itreileil , lag an dar Silllclicti Biirgacite, wo auch dns Wohn- 
«chloT«, uls ersten OebMude gegen t^ilden mit der Vordeneito gegen Werten, 
xiemliuh dem Thorgiing dor Baätille gegouUbor, Vergl. die Ansieht des 
Bornsteins iiaf dein Wolf'achen SMuh von VVeimnr und A. Srhdll, 
Weinisrs MerkoGidigkeiten, ie4t, 3. SOS ff. 

1) HnfTHlaoritnong •. «, O. 

!) Ttichreden a. a. 0. &. iSO. 

3} J. W. Zinkgrfir, Oeatsulio ApopbtbegmBU, leAS, I 9. 00 IT. 

i) Dfttwlbst. 

24* 



362 PHedr. v. Thon, Kurf. Frisdrlelis d. Wdien Bat n. Huiptmuiii. 

maD riuhte aaf den Tagen, ao die Käthe zuaammeii kommen, 
wenig oder Tielleicht gar nichts bub. Das Geld weiäe gleioh- 
irohl Terzehtt und viel Zeit Tersäumet. Er vermöge der 
grofaeD MUhe uod Arbeit nicht mehr; bo lange cr's Tei- 
moobt, habe er'a mit grofiem Fleib, das wiaae der allmäoli- 
tige Gott, gethan. Darum aei seine höcbate Bitte und Bath, 
der Herzog aefae aelbat mit zu und ziehe den Jüngeren, 
aeinen Sohn, zu den Händeln, damit er auoh aebe, wie ea 
zugehe; dieser aei nun grofi genug, so gelte ea ihm aelber 
mit Eöune er (der Korfürat) dann auch etwaa thun, daa 
ihm möglich wolle er mit Gottea Hülfe dem Herzog und 
deaaen Sohn, auoh den üntexthanen zu Out gerne thun" '). 

Auf die Seiohatage, die regelmäfaig jährlich abgebalten 
wurden und oft monatelang dauerten, nahm der Fürst aeine 
Bäte, aber auch andere Beamte, Hauptlente, Amtmänner 
mit»). 

Infolge dea häufigen Wechsels des Aufenthaltaortea : 
Loohan, Torgaa, Weimar, Wittenberg etc., und der regel- 
mäTsigen Beisen zum Beiohatag und dea langen Aufenthaltes 
daaelbat mag die Lebensweise der Beamten eine aehr nnruhige 
und die GeBohäftsfuhrung eine überana unbequeme gewesen 
aein, zumal da damals schon recht viel geschrieben wurde 
_nnd weitläufiger ala heutzutage. Anderaeita war damit ein 
groTser Kostenaufwand veibunden. Die au die fürsten all- 
mählich herantretende Notwendigkeit, von den Landatänden 
Beihilfen zur Deckung des Aufwandes für die Besorgung der 
Beichsangelegenheiten za verUngen, hat zur Ausbildung stän- 
discher Ansprüche wesentlich beigetragen "). Mit der festen 
Beeidenz fehlte zugleich eine der Grundlagen und der 
Mittelpunkt für ein geordnetes Behörden wegen. Von Weimar, 
wo Thun Hauptmann war, erzählt Luther: „Weimar ist daa 



1) FSrstemann a. a. O. S, 13. 

2) Siebe oben I 6. 335, II S. 841, 3iS, III S. S4S D. a. u.. OO. 

3) HSuflg klagt darDber Knrnirst Friedrieb in aeinen Briefen, obwohl 
er, nach Luther's AuBgprnch, „In 9 cbeffeln sammelte und in Lfiffetn ausgab". 



FHedr. v. Than. Kurf. Friedrichs d. Wsitin Hut n, H»[i|it>Diinii, SgJ 

fürcehmste Amt, da der Chnrrürst am Wqnemiten and leioht- 
Ijohateu kana Haus hallea, wt-lehes er auch für andern lobeie. 
DflDQ da kann er eeia lioflager mit 300 Pferden Jahr und 
Tag mit täglichem Einkommen halten, wulches Torgan nicht 
rermag" '). Sie Besidenzen Eisenaoh, Wartburg und Meil'ten 
waren aeit dem Erwerb der Kurnlirde durch die Wettinec 
in den Uintergrund gerückt worden. 

Die patriarchaliaehe Regierung« Ordnung lieb Hof* and 
Staatsbeamte noch ünBammenfaUen. An die SttrUe der früheren 
lehnrechtüuheii Investitur mit Ämtern war jedoch schon im 
15. Jahrhundert die jederzeit widerrufliche Kroenoan^, Be- 
Btaliung regelmSTsig auf Lebenszeit, getreten, welche eiu 
einfaoberes Vertrsgaverhältnia zwischen dem FUrsten und dem 
Diener begründete. Der Aoateltung atuod gegenüber der 
Abgang oder Abstand vom Amte, bezüglich die Entlassung. 
Uit der AnstcUnng war dann aaeh die Zusidierang eine« 
Dienstgeldes, mit dem Abgang hie und da ein Ouadengeld 
verbunden. 

Der Amtmann, aus dem miltel alter li che a Vogt ent- 
wickelt, welcher den Landfrieden, die Gerichte, die Polizei 
und mit Hüte des SohÖBsers (Kentoera, Kastnors, auoh Kell- 
ners) das Grundeigentum der Pursten Terwaltet, wird Haupt« 
mann, dem italioniachen Capitaneus nachgebildet, wenn er 
militärische Befaguiaso gegenüber den Vasallen and die Ge- 
richtsbarkeit in den Städten ausübt'}, decn der Amt- be- 
xttjfüoh Hauptmann war auch Richter in erster Instanz. In 
jener Eigenschaft bietet s. B. während der Erfarter Fehde 
Thun wiederholt den Heerbann in Thüringen, darunter Grafen 
and Herren, auf, in letzterer erteilt er Schiede zwischen den 
reischiedenstefi Personen, physischen und jurisliechen. Dieaa 
Doppelstellang schlofs aber nicht aus, dafa Thun auch noch 
Mitglied des gemeinschaftlichen O b e rhof g erioh ts in 



1> TiichredGD, Jaiu IS91, S. SSO. 

8} Chr. E. W«ae, Köetgl. iKclis. ätaatstaclit, Liipitg 1801, f IIS. 



t 



3^ Frlodr. V. Tliun, Kurr. Pi'igdridiB <l. Weitan Bat u. H*uiilm«aa, 

Alt«nbiirg-I.eTpKig war'), und da «r, wie vir sahen, fiberdira 
der LBodesiegi eru Dg aDgehörlo, ao trill uaa iiior eine 

Häufiiug TDD Ämtom entgegen, wtildie nicht immer erkeDDon 
läl'at, in welcher eeiuer Eigeuachaftoo er handelt, ob aof 
dem Gebiete der Yerwaltuug und Begierung oder dem der 
Hecbtapieohuug. Ee wur keine BevorEUgung , sondern eine 
«ich von eelbet ergebende Wahl, wenn die Lundeaberren mit 
der Veiwoltung eines Amtes oder Bezirkea iu Gericht and 
Landfrieden einen ÄDgeseeseiien aus ritterlichem Gesohleobt 
beauftragten. Und so sehe ich denn auch bis in die Refor- 
mationszeit tat die Stellen der Vogte, Amtleute, Kanptleute, 
landeBherrliohen Richter (llofriohter) fast ausBohtieralicb Per- 
Eoueo aus adeligem Staude verwendet. Koch die zablreioheo 
kur- und herzoglicli sächBiaohen Amtleute aus dem Jahr 
1521, welche auf deu Beiclietag uach Worma entboten 
wurden, gohöreD sämtlich dem Adel an*). — 

loh komme endlich zum SohloTa meiner Bomerkangen. 
Hierbei würde ioh gern Näheres über die Fnmilieurorbült- 
u i s s unseres Rates, Uofrichtera und Hauplmauna zu Weimar 
bcrioblen. Allein iah kano, mit orkondliober Sicherheit, moht 
einmal seine Ellern augehen. Er war, wenn auch nicht der 
8oho, wie vielfach behauptet wird, Ueinricha auf Lauensteia, 
doch deaaen Lehn soaob folger, soll mit Ludmilla von Kber- 



1) „FrirleiloU von Thuue, Amblmsan oud Uofricliter lu Aldao- 
bürg" 160a, Auguit SS; Eiiioit. Qei.-Arch. Rag. G, S. TOT A. Frld. », 
Tb. Ilofriclitsr zu Alluuburg uoil UauptmaDLi iit Weimur, 1510AprilO 
a. s, w. Lis IftSi bei W. v. TümiilinK, GeschloibWgcscIiitlitB, Waimw 
18B8, ä. 240 fT. 

8} Vorher lioile ich nW schon Dr. Hainbet, Amtmuin lur Louch- 
tenborg, in vioIdd Urkutidca desErneit. Oes.-Arohlvs. Vargl. Obsr iliaia 
FriLga A. SlOlael, Dia Eilt tri cksluiig diu, gelehrteil Riclilenlunil«« , Slutt- 
giil ISTS, B. UälT.. iiai.'b irelcbem erat mit <l«r Zuiinbino ilor Amtiga* 
irbafti im Laura dei IC. Jnlirbuiidacli iiud dpin BerlDrrnis unvb ijvlvhrteii 
SliuiLidlaiiorii ä'm AnsichUeltVi-ihkeil ilcr YpTwciidiiiig d«> Addi hchwlii- 
d«i. So wurd« in Bflyceuth im Jnhre ISST, in Kesxin 1G9S der cr>te 
niohl BdollHP Amlianna und vbenfiilU 1» Bayreuth im Jahrs IfifiS der 
■rtt* niolil ad«LigQ UatTicIiter etwJÜiut, 



■«» Bat o. Biuptmann. 



stein verheiratet und erst Mitte der droirsig«r Jahre mit 

Hinterlassung von zwei Söhnen, -Friedrich und Christoph, 
gestorben sein '}. Ein Cliri stof von Thun, Sohn Priodrichs, 
ertiaute im Jahr 1551 den neuen, noch erhaltenen Teil de* 
Schlosses Lauensteio, Bu dessen Füfsen jetzt der eiserne 
Sohienouweg «eine kühnen Linien Eioht. Cbiislofs stottlicher 
Grabstein befiodet sich nach in der Kirche en Ludwigirtadi 
(ehemals zax Herrschaft LaneDstein gehörig'), leider Eom Teil 
Termauerl und gatiz überlljncht, so äats die darauf befiridiieh 
gewesenen Wappeu und Inschriften nicht mehr eu erlfenaen slud. 
Bei der Stellung seines Fürslen zar RerormatioQ der 
Kirche wird man annehmen imiasen, dwla auch Thuu dop 
neuen Lehre sugenoigt und bemüht guweneu int, ihr Eingang 
SU verschaffen. Daher kann es oauh nicht äherrasoben, was 
die Chronik von Lfluenslein in Übereinstimmung mit der 
Pfarrbesobreibung beriolitel^). Sie ersählt nämlich, „dafs 
1Ö26 der Ititler nebst dem Hath von Ludwigsladt den 
ersten evaugeli sehen Pfarrer iu die Eiroho gefiihrot, daneben 
der leUte katholische PiafF ror dem Altar gestanden, welclier 
Ton dem Edelmann gefragt wurde, ob er die evangelische 
Beligion annehmen und lehren wolle, worauf er mit Neia 
antwortete, IIa bat ihn der Edelmann weichen heifsen, 
welches er auch gethan. Darauf der neue evangelische 
Pfarrer sogleich eingesetzt worden ist". 



1) Fllr diu Lolinsnachfolg« in LnuoDitBlii : der Mtnardilledic Laha- 
brisf von 1&S4 Mni 7 in einer begl. Abiclirift nach dorn Plsssenl) arger 
Original in ilen Akt. auf Meining, LeImsSiofea V J. 3S Nr. 41. Die uiimlllel' 
Imre Abslitlnniuug Frlodriclis von Heinrich brhunplau, oline Nnchwfis, 
König, AdeUiisloHo, Leipiig 1T36, T. lll 6. 1118; •). O. BicaeriniuiD, Oe- 
ndilectitiragisler der Raiclisfrei uTimiltelLinreD Rilterscliaft l.audei %a fma- 
kcn, läbtichon Ort« Slaigerirald, NDi'nberg 1148, TaF. 3T&; r. Ilnltitnii, 
Die Ilolioit des dnnlacli UelchMidols. IlildLuri-lmuiinn 1751, T 11 S. 416. 
Abweicbend und glaubmilrdigor det Aus»ug am dar PfurrtieBchreibunff 
Tan Liidwi)(itidl. Ilandichrifll. Mitleilang d« KSüIkI- liayr. Ffarrem- 
l(t dort. 

2} M. IT. Veäai, AnliquUalfui LnoiletiDaxc^i Nncliricbtcii Über Lancn- 
Stein UDd Ludwigiladi, 1740, Iluidicliriß ia Lndwigvtadt. 9, SSO. 



368 '^''■Bdr. V. Than, Kurf. rrledricbi i. Welsen K»! u. BauiitnianD. 

So wolto ich, das ich der Münoh im selben KlutLttvr wcro, der 
den Apt regierte : Damit er zu versteheu geben, dafs er ein«n 
guten horrn an tiprrn Fncdrichen hoben würde, deuQ er gegen 
jedermaDD gütig und wolthetig gewesen" '). Es liegt nabe, 
zu vermuten , dnfs hirr Thiia un seinen Vetter Georg, deo 
Saalfelder Abt, gedacht hat, der wohl gate Tage halt«! bis 
ihn der Baueinaufruhr hinwegtrieb, 

In andern dei'artigon ErKahlungen wird seine Beredum- 
koit, die auch epigrammutieoli werden konnte, seine Dank- 
barkeit, seine Treue, für welche die Jahre der euinen „Herren 
von Sachsen" gewidmeten Dieuele Zeugnis ablegen, gerühmt 

Thun muXs bis in eeia hohes Älter am Hufe de» Kur- 
fönten thätig gewesen eein. Dean Luther erzählt, „dasa der 
weise lind kluge, rersteudigste Uaun, Friedrich Ton Thuna 
Bittor, von Churf. Friderichen zu Sachsen, cinma! het Urlaub 
gebeten, da helle der CburfÜrst zu jm gesagt: Lieber Thun, 
du siehest. das regieren ein schwer Ding SbI, und ioh hedaiff 
dazu geschickter Loute, ioh kan deiner nicht cntperen, wie- 
vols Dein Alter niokt länger ertragen wW, dasB Du scd 
Hofe sehest, so mustu doch OeduU haben. Gleich wie ioh 
auch ntuTs gedultig sein. Dean wenn ioh es nicht thun wil 
und da auch nicht, wer wils denn thun? Dnrumh kao ioh 
dich nicht von mir lassen'' '), 



I) Spftugenbflc^. AdaUpiegel, Bl. int. Für Friedrich von Sclivtarliaii- 
berg xrii'd wobt zu lasen sein ; Graf voq SrliWHnbare. donu der Fralhorr 
Friedrieb von SeliiritrtxanliBrg tritt ent igiKter, unt^r Johnon, In korfllriU. 
Dicnile. „Comet de ächwiiriaabarg" liat nucli Mniiüii», I.ooiirum ovm- 
niitaium coIicctmeB, Frankfurt ■. M. IfiGlj, 8. iSH, to In oblgsr KrzKh- 
long Thim „Död'- K«Diitial wird. Ad einer uodsru Slello dnjielbjt, 8, SSO, 
baift es; ttenei rir et bütie»lui ncrbilia, Fric!eri(;ui h I)»ii, rlii^ttbmt (Ul can* 
cetlvlnm U. VonUnuni (UrUok). cum viderct, cum aiian ■ndiitmn et dllU 
gentem in suo offieio: Idam protium ditur idscdIadiI hypocBUitimi ot 
purganti (! 1>. 

a) Tl>clirad«n, J*iiklS91, S. 48S; Borllii I81S, S. 169. Eb«i)io 
SpBDscnborg a. >. , Bodnus ». %. O-, wo es belAt: Frld«rlcui hnbebftt 
io aul« tut intor CcnoiliarloB Kquoitri* orilinbi vlriim iteneHs nobilitute, 
prudmiliBi et virlalibiii iiiaeiiliiiilam, Frid, a Tliuiiit) buic, vuui ultquuido 
pDtllMOt, H dlmliH ai aola, qoad. proptor «cabm initlncre tuntot la- 



t 




Friedr. v. Thun, Karf. Frlediiclia d. Weiaen Bat u. BftuplmKDii. ^gg 

Ob dem Kittör Ouostbezenguugeu eeituns aeinee Füraton 
enteil geworden eind, mag daliin gestellt bleiben. Zwar war 
in einem Lt^hasbricf deB Kurt'üigteii Fiiedrich uad des HeiKOgB 
JohanD d. d. Zwickau 1518 Febr. 17 „um untertäniger, treuer 
und augenemer Dienste willen, sa uua uuBcr hauptmanu zu 
"Weymar, Eftlh und lieber getreuer Fridcrich Thun bis onher 
williglioh gethau und er und seine Erben filran tlmn sollen 
und mögen, isu ergezlichkeit eoloher Dienste und aus beson- 
deren Gnaden" dem Friderieh Thua und seinen rechten Leibea- 
Lehnserben die Anwartschaft auf von Zedwitif'Bche Güter im 
Branibach erteilt worden, die Wirksamkeit dieser Verleihung 
wurde jedoch später in Zweifel gexogeu. 

Einem Fürsteu, wie Fiiedricli dem Weiaea , der, unge- 
achtet der Kleinheit seines Landes und der Beaohränktheit 
aeiuer Uittel, unter den Anfechtungen offener und versteckter 
Gegner und im Kampfe mit der auf das Friodfertigo geriob- 
teten Aulage seines eignen Wesens, der grofseu geistigen und 
nationalen Bewegung der Roforraationszcit in der Geburte- 
etunde mit staatemänniachcr Vorsieht zum Lebim verliulf — 
«nem Boloben Fürsten in einer unmittelbaren Stellung treu 
gedient zu baben und bnbeu dienen zu künneo, iat ThuD's 
„TerdieuBt und Glück" gewesen. 



lioroB Don unplius poü^at, Enpienter loipoudlt Elcctor: Tidei, flililisslm« 
eto.; rGTner lioi Soblegal, De nummii SslfcM. u, a. u, 00. 




n 



-\, 



-U^.^y' 





Des hier wiedergeg ebene Siegel Fritdricbs tod Tbun 
hXDgl, in gelbeg Wachs gedrückt, einer in Woiniar im Haupt- 
und StaaUaroliiv vorhandenen Pergtttnent-Origiijaliirkuiide von 
1611 Januar 10 od, lt. deren Bullhasar Gmf und Herr zu 
Bwartzburg, und fridericU voa dhoD xur wefssem- 
burg, UauptmaDD üu wymar, als dazo verordnete 
KStho Friederichs, KurfürsteD, und Jobaons* HeTzogen xa 
Saflhien, und Gunter Graf zu Swarlsburg Herr xa Arnatedt 
and BnudvraliauEaeu , Sjgmundt Orul' zu Oleioliea Herr za 
Tboona, tiebbart Graf und Herr su maoEfelt und Hainriob 
RcuBB von plawen der jüngere, Herr zu Oreutz und Crancti- 
folt, dU die Freunde der I'arteicn, zwiachen Hainrichea dem 
Jüngern von Weyda Herrn zu Wildennfela einer- und Wolffen 
und Emeten von Suhonnburg, Gebrüdern, Herrn Jtu Glauchau 
•ndersoite einen Vergleich dtifteu, betreffend: die Uäuner Sa 




PrJedr. r. Tbon, Surf. Friadrlohfl d, Woisen Bit u, Btuptminn. 371 



ortmacBsdortf, die eehn Männer «u Bein*torff, eine Wiese 
{eu ?), die Jagd auf den Zceller und Wildenfelaer HÖlzorfl 
und in dem hoohprummer oder gotshaas wald, hei der k-encitz 
gelegen, endlioli die acht Bauern zu hertaianssdörff. £a 
Biegeln die beiden Bäte und die vier Freunde. Geschehen: 
Jhene, ßreitage nach der haylign dre^ kuoigtog funfj'zoehea 
hundert und eylfl' jhar. 

Von den in obiger Reihenfolge (Balthasar, Friedrich, 
Günther, Siegraand, Gebhart, Heinrich) anhuugouden Siegbin 
eiud alle mit Äu»uabn)e des drittea ei-baltou. Das Siegel 
Uneeree Hauptmanns hat jedoch einige BeBchädigungen er- 
litten. Der Helm ist plattgedrückt, so duTs seine Form, in- 
gleicben die der Helmkrone nioht mit voller Deutlichkeit zu 
erkennen ist, -weehatb der Zeichner, unter Zugrundelegung der 
auf den andern Siegeln eraichtüohen Formen, etwas naoh- 
geholfen hat. Die Schraffierung der geetürzten Spitze im 
BilbemeD Schild ist zur Verdeutlichung der Farbe nachge- 
tragen 'worden. Die Inschrift „fridrich von dune", wenn so 
richtig gelesen, würde darauf deuten, daTs dos Fotsohaft sohou 
lange Zeit Torher angefertigt worden , da am die Zeit der 
Urkunde, l&ll, die Form „Dune" sobon selten geworden und 
durch „Thun" ersetzt worden war. Friedrich seihet schrieb, 
wie schon bemerkt (S. &2ü Anm. S), seinen Namea „Thun" 
und siegelte regelmüTsig mit einem nur den Wappenschild und 
darüber die ituohstabon F V T seigeoden Siegel. 



Namen- and Sachen -Terzeiohnis. 



Aleander 316, SAT, SSO, SB8. 

Allstedt 3ST. 

Ältenburg S61. 

Amt, Amtmann, Haoptmonn 3ST, 

340, 343, SSS, SS3 ff. 
Aogiburg 33G, 343, 353. 

Bachstedt S36. 

Bauern 387, 358, 366. 

BsQlnitz, Dietrich von 327. 

Brambach 369. 

Brandenburg, Albrecht von Hi. 

BrUck, Dr. 367. 

Boltstedt 337. 

Cimpeggi, Kardinal 3G4. 
Cbieregato, NantJus 353. 
Clemens VII. Sfil. 

Danlache Sprache 346'. 
Dottzig, Hans von 342', 
Dresden 354. 

Eichsfeld 332, 339. 
Einsiedel, von 367. 
Eis« nach 363. 
Erfurt 327 ff, 339, 344. 
Etlersberg 337. 



Fehde um Erfurt 386 ff,, 363. 
Psilitaach, PMltpp von 34S, 348/9, 

35S ff. 
Ferdinand, Erzherzog 363, 856. 
Frankfurt a. M. 343. 
Frankreich 343. 

Gabemdorf 336. 

Oamstedt 338. 

Gemmingen, Uriel von 328. 

Georgenthal 327 ff. 

Gerolzhofon 3B0. 

Gleichen, Siegm. Graf v. 370. 

Gotha 332, 836. 

Gäden, Dr. 367. 

Hadrian VI. 353. 
Hauptmann, S. Amtm. 
Heidelberg 350. 
Henneberg, Grafen v. 332. 
Hessen, Land u, Landgraf v. 341, 

354. 
Hofgericht 363. 
Hofmeister 361. 
Bofrat 359. 

Ingeralebeii 326. 



^^H^ Friidr. r. ThSD, Karf. Friadricha i. WeUen Rhi a. ttiui>(mRnD. 373 ^^| 


KjH&Taerf^ericIiL SU. 


Pfafflnger 311. 360 <. ^^ 


Kanzlei, RRiiiler 360, SGI. 


PJanilz, Brd3 v. d, 3St ff., SSS ff. ^^| 


KApallendorf 327, 336. 


PUme, äarurd dt 314, ^H 


Kiirl V. 313/4 ir. 


Papel S3S, 330. ^H 


Kaa.sel 341. 


^M 


Kalllur, BUrgermeUter 3S7, 934/5, 


Bat 310, 35». 


338/9. 


Reich. dcutBelios 339. SfiS, 8G6. 


Eirchheim B3T. 


RcichtlHgs 335, 311, 353. 


Koburg 316. 


Reinbnt, Ih-. 361 •. 


Kolmar 336. 


Beu* V. PIbuob 313, 370. 


EiaDichhtd, BDrg. I. Erf. SBi. 


^H 




Sakifeld ^H 


Landes ■Vcrwnltuiig und Regitnane 


Saobsen, Frlodriah, Karflirst von ^^H 


»11, 360, S64. 


S16/a ff., S3fl, 339, Sil, ^H 


Laadfrleilen 336, 33B. 


B4B ^H 


' Lauenstein 32(S, 3C4/6. 


Georg, BeriDg voa SSS, ^^H 


Leipzi'it 336/6, 361. 


330, 350, 353, 351, ^H 


Leo X. 343 ff., 318. 


^H 


Leuchtonbarg 3B4*. 


Johanii.HerxQg *oa SSO, ^^| 


Lodiau 3t>9, 363. 


311, 315, 350, 3B4, SSS, ^H 


Luänigstadt 365. 


^H 


Lulti» 311, 311/5 e., 3G9. 


„ Juh. FrlBtlr., Htruog vou 




Sil. 


MaEoi, Kurmtst vod Sil S. 


„ WilbDlm, Hanog voa 


MsQsfeld, Oebh Graf v. 370. 


USC, 360*. 


MDximitian 33S, 339, 31S. 


SohUaburg, Ernst a. Wulf v. 310. 


Me<:bo]n 341. 


Soburf, Dr 367. ^^H 


Medtfi, dei 350. 354. 


gehwnczA ^^^^| 


Mcifäcn 363, 


Scliwnrzburg, Graf v. STD. ^^^^| 


Minkwili, Joh. rou 367. 


Solms, Graf v. ^^^| 


Mogenhofer, Dr. 367. 


Bpalatln SIS, 319, S6T. ^^M 


Molsdorr SS 6. 


^^M 


MSti^ier, Thomu 3&7. 


TechwUi, Dtatr. v. 396, ^H 




Than, Cbriat. v. 365. ^^M 


Kohia 331. 


Friedrieb 3S6 ff, 385 ff., ^^M 


Kotdhauien 341, 


BIS ff, 351 CT., 361 IT., ^H 


Nürnberg 353 IT., 350 ff. 


^H 




Frieilr. d. JUngere 305. ^^H 


Oberoid 326. 


Ocorg. Abt 326. ^^M 


Orlaniand«, Graf v. SIS, 360 ■. 


nanB ^H 




H«lnrk-h 3S6, SOI. ^H 


Pappenhoim, Üu von SlSu 


Torgaa 311, 36!. ^H 


Psutingw, Dt. SiB. 


Trier, Srabitcbof r. 817. ^1 



374 Fri«ctr. V. TbiiD, Surf. Friediichs d. Welsan Bat n. Btaptmum. 

Olm Ses. Weirsenburg SS6, STO. 

Wetüiier, dia 886, 361, 863. 
VarobülOT, v. 8B8. Witlonberg 341, 3tS, 863. 

TahB», Dr. SM. Wonns 331, 336, 3(4. 

Warabarg, Bischof v. 3ia. 
WallsDdorf 38B. 

Wartbarg 363. Zedwitc, von 369. 

WsImarSSG.SST, 333,337, 841,360. Zwick«n 369. 



IV. 



Arnstadt in den Zeiten des 
dreissi^ ährigen Krieges. 



Von 



Prof. E. Etnert. 



II. 



XIV. 2» 



( 



Xrieben die Schrecken des Krieges nicht »eH«ti Fltioht- 
ÜDgo aus weiter Ferne und aus allen Himmelegegenden nach 
Arnstadt, so hamen denn auch aohon Hilfebedürftige uuk 
Thüringen selbst. Ja, als Herzog Friedrich, der für die 
Spanier geworben, sich im Winter 1622 — 23 ins erfurtiBche 
Gebiet eingelagert hatte, suchten, wie schun erwübnt, zeit- 
weise gaoKe Dorfaohaftea Sohutz hinter AruBtadts Mauern, und 
die Heimbürgeu sprachen dann in besonderen Zusohrifieu dem 
Rat der Stadt ihren Dank für die freunilliche Aufnahme aus, 
Eg kouule niöht fehlen, dafs hei der beginnenden Fluktuation 
(irr Bevölkerung, die sich dann im Verlauf des Krieges noch 
imnier steigerte, auch Elemente zweifelhufter Art eich in d«r 
Sladt einauhürgern suchten. Wiederholt hören wir die Klage 
der Vierleute über fremde Gesellen, die nicht zum Sakramente 
kommen und eich des heidnischen Fluchens beileiraigen, Sonn- 
tags unter der Kirche zum Rasselapiel auf die Schiefshüuser 
oder unter dem Oelüute der Glocken auf die Dörfer eilen, 
um dort bei Völlerei und Tanz Frevel zu Üben. Klagen 
wegen versteckter Popisterei werden laut, und eine Madelin* 
»chulmeisterin wird von der geistlichen Behörde vernommen, 
weil sie in Erfurt bei den weifseu Nonnen aus- uad eingehe 
und mit ihnen kommuniziere. Dann wird wieder geklagt, 
dafs im Hause des Totengräbers oft verdächtige Fremde seien, 
die ihres Wesens keinen Schein hatten uud wider Vorschrift 
beim Bute keine Mnrke lösten, dafs sie bleiben dürften. Die 
Brüder und Sohweatern des Lazaretts vor dem Thore führen 
I Beschwerde über ihren Hausvater, dafs derselbe allerlei Ge- 
I 25* 



378 Arosuat in den Z«Itep Ata initinä^lttigiia Krl»g«s. 

»indldu, auch LandstreicIiCT vaA Müduct mit langen Buchsen, 
ao auf Raub mtsgiugen, nächtige oiäer anoh Männtr in schwar- 
zen Münteln, die mit ihren Vetteln auf gefälschte Sohrifton 
hin um Brandsteuer bettelten. 

Sehon eieht eich der liat der Stadt genötigt, eine nacht- 
liehe Feldwache einzurichten , die auf die Vorgänge vor den 
Thoren Obacht nehmen soll. 

Wer raa^ bei diesen Znatöuden noch gern auf dem Dorfe 
lehear 80 will der Schuldienor Gottwalt, der 44 Jahre in 
EttJBohieben gedient, wegen des fortwährenden KriegsgesohreieB 
um seiner Sicherheit willen unoh Arnstadt Kiehen in die ver- 
Bprcchene Herberge beim Eidaro. Er sei nicht fremd in der 
Stadt, helfet es in seiner Zusobrift an den Bat, da er dooh 
1575 seinen christlichen Kirchgang daselbst celebriert and 
begangen habe, wenn auch tteiüch der Itateherrn, die auf 
seiner Hochzeit getaaüt, keiner mehr am Leben sei. Ooib- 
■wall bittet, dafs er sein Leben, welches nicht lange mehr 
dauern könne, da er so viel büae Zeit erfahren, in Anistniit ba- 
acbliefaen dlirt'e. Oar bald, hofTe er, werde Gott ein Ende maohoo. 

Doch noch junge Schuldieucr suchen ein Unterkommen 
zu Arneladt, so Georg Mo^t zu Tobo, „zum Amte Kenia ge- 
hörig". Das Kriegsvolk, das an derGrenze im hchensteinigohan 
Lande einquartiert sei , mache die Gegend höchst gefuhrlich. 
Doch sei auch an dem Orte ein kaltes und harten Wasser, 
doE or nnr mit ünkräftcn vertragen könne. Auch sei das 
Amt eines Schulmeistere an ihm äslbor wegen des vielen 
Lüuteue gar schädlich und gefiLhrHch. So sei er mit seiner 
heben Eausehre darauf bedachl, in Arnstadt einen Brouhof 
zu kaufen und daneben eine Kochenechule ku halten. Maa 
müg« ihn doch nl» einen jungen Kochen m ei ster nach Arnatadt 
Tooioren, zumal er daselbst sein nit U&tterlein habe, eine 
Wittib von 79 Jahren. 

Eine Arnatädlerin , die in Uilhrcn -verheiratet, flüohtat 
mit ihrem Manne, nachdem sie durch Ki n quartier ung, Brand- 
stiftung, Kriegssteuer um das Ihre gekommen, ebenfallfl in 
ihi'e Heimatstadt. 



Aratuidt in den Zetltn des dTclMtcjäl)tlg«n Knebel- 



379 



Aber ea fehlte nicht au nocli bei3^nklicheni Aozeichtn 

tder konimenilen Zeiten. Vtireiazelte übermütige und frevel- 
haft« KriegsgeBeüeo verkündeten wie Sturmvögel die Sohreokeu 
nahenden Unheils und der Einlagemug eioer gewaltthütigeu 
Soldateeka. 

Schon 1619 hatten einige Reiter, welche in lohterGhBUBcti 
I sc Quartier lagen, vom Marktplatz zu Ärnatiidt eine Bilrgern* 
l'toohter hiuweggeführt, Aob deu RatsprotokoIIen ersehen wir, 
wie 16S4 ein Übermütiger Krieganjaun duruh wiederholte 
Schüsse aus „Frobeuii Gasthof" die Biirgerechaft in Sohreckna 
setzt. Er reitet dann durch die Fleischgasae und über den 
üolzmnrkt und echlegt den begegnendf^u Bürgersleuten mit 
dem blofaeo Degen die Hüte vom Kopf, schiefst naoh Enteti 
und Günsen, reilet iu Uoriugs Bttukhaue, wo viel Leute btt- 
eammei), und echreckt durch wiederholte SohSsse auch die 
Bäckerin, welche sich boldiger Gehurt versieht, fast zu Todn. 

Daou lagert er sich im Gasthaua Kur Oaos ein, rumort 
gewaltig und maoht den bedi'ÜQgt^u Wirt ganz wehrlos. Erst 
der Wachmann sehaft, von dem Stadtthure abgefertigt, steht er 
Bede; Julius von Marcnfeld heifte er, doch seine Uaud (Wehre) 
gebe er nioht von eich. Die fiiirgermeiatei', welche mit 
einer Rotte Mueketiere komnien, manheo ihn dingfest, „bia 
ihm Grall. Gnaden Audienz geheu werde". 

Wieder finden wir einen Lieutenant mit lustigen Freun- 
den im Batskeller. Sie fichiefsen ans den Fenstern und auf 
Zulauf der Bürgerschaft rufen sie »ipöltisch, sie möchten gern 
sehen, wer ea ihnen wehren wolle. Dach dem Blullmeiäter 
des Grafen, der bald erscheint, wii'd Antwort nioht verweigert. 
Leichenhnuer heifee er, sächsischor Lieutenant sei er; sie 
tltitten äpteÜeute gehabt, welche die Häscher hin ausgewiesen. 
Das habe sie geürgert, Soldaten seien luötig und nicht jüngfer- 
lich. — Sie verspreohen zulelüt mit Hand und Mund, das 
Schiefeen einKuetellen. 

Gefiihrlichc-re Persönlichlteiten sind es, welche im No- 
Tember desselben Jahres durch Musketiere und Hellebardiere 
Jditn Rathaus geführt und durch Eaneler Lappe, den der Graf 



I 



380 Arattidl in den Zeiten dal droilai^ähiigeti Kriega«. 

abgeschickt, „die captivos zu examiniren", vernommen w«rd«D. 
BittmoieUir Jonne aus Hildeaheim sagt uus, er eei früher in 
Iteetalluag des von JUansfeld geritten, sei ihm aber crbärmlidi 
ergangen, da die Spaait-r itim bei EaaBcl alles geraubt, habe 
die Bauern anaprecheu müssen; nun wolle er wieder *u deu 
SUtiBfeId«rii. Ob *r die Schäfer koane, die or bei fisufeld 
2u Boden geschlageu ; Und woher das graue Pferd sei, dos 
er reite? — Der Wirt zum Greif erhebet die Anklage, äa£» 
Hittmeiator Jonas Fuhrleute augetastet, von denen der ein* 
wohl gar tot geblieben, und dale er auf der Leipziger Slrafee 
zur Zuit der Ueese gewegUgert. 

Zwei Begleiter des Biltm eis Iura haben nach ihrer Aue- 
eage denselben in der Tanne auf dem Anger xu Erfurt ge- 
troffen und, da sie eieh einen Herrn suchen milasen, ihm zu- 
gesagt, mit ihm nach Strafsbiirg zu den Mnnsfcldern zu reiten. 

Auf des Kanzlers Befragen, ob sie nicht wüfeton, dftjjs 
der Kaiser es verboten, sieh nnter den UaDsfeld zu stellen, 
goben sie ee zu, doTa ihnen echon in Erfurt das kaieerlichc 
Mandat bekannt geworden; \voun eie sonst Bestatluug landen, 
würden eie es nicht thun. 

Bürger Kaufmann woifs gewifd, da& der Bittmeistcr schon 
vor zehn Wochen in Aruatadl gewesen and seine Pistolen 
vorsetzt, dann aber zur Zeil der Messe dea Geldes viel gehabl. 
Auuh der Wachtmeister kann bezeugen, dafa or keinen Mangel 
an (>eld bei den Iteitern melir verspürt. 

Das Netz zieht sich enger um das Uaupl der Ange- 
klagten, ßer Wachlroeieler erhält vom Kanzler Bofohl, don- 
notbcn Dogen, Sporen, Feldzeiuheu abzuuehmcn , „weil >io 
UuBorcs Gulldig«u Herrn Gefangene sein sollen''. 

Der weitere Gang der Cntorsuchung entzieht sich uns, 
da diMeltio nun vor der grällichen Knnzlei gefuhrt wordsn 
tat. Die Chronik dce Olearius aber, die tonst ftir die Zeiten 
dds dreilÄigjahrigen Kriegen sehr wenig Anhalt bietet, giebt 
uas den «odliohen Ausgimg: 

„A. C. 1636 den 26. Hart, »ind nach Urtboil und Scclit 
fiir dem Siechliofe 3 Prejr-Bcuter, Hvnr. Jonas von Sundra 



ArnstRdl in dta Zeilen d«9 dretbigjshrig«!! Kriegot. 



381 



[«et 34. eia EhemBQii, Bittmeieter ; Andr. Labe von Begena- 
burg ftetat. 24. ein Coruet, Leonhari! Fischer bei Wertheim 
im Ertzbistum Mainz bürtig, «in Soldut oetat. 33. mit dom 
Schwerdt gerichtet worden und freudig geatorbea." 

Summarisoher pflegte man anderswo zii verfahren, uiid 
i&s theatrum Eui'opaeum beletirt uns, dafa man der Streifer 
und Baubvögel damals gai viel aufgefaDgeo und juetifiziert 
imd teils im Stiefel, verguldeten Sporen und ktlstlioheD Klci- 
<ieru aufgeknüpft und auf die Bäder gelegt. 

Um solchen Freibenteru und Freireiteni, noab mehr um 
etwaigen Einfallen der Ligatruppeu mögÜohRt 2U begegnea, 
die eich damals uater Tilly in Heaeea und auf dem Eiche- 
felde gelagert, sahen sich die Viergrafen von Schwarsburg 
schon 1623 genötigt, einige Fähnlein FuTsvollc und auch 
Beiter anzuwerbeu, weloJie teilweise auch, zum Leidwesen 
der Bürger, in Arnstadt einquartiert wurden. Wegen Strei- 
fens und Flünderns mufstu damals die Landwehr bei Keula 
besetzt werden. Doch ging die Gefahr bald Torhber, da 
Tilly's Truppen schon wegen grofsen Waaaer mangels sich auf 
dem l'lateau des Eichsfeldes nicht halten konnten. 

Aber es war leichter zu werben, als geworbenes Volk 
wieder abzudanken, uud Graf Günther zu Arnstadt beschwert 
sieh seinen Brüdern gegenüber, dafs die auf gesamten Kredit 
der Viergrafen geworbene Mannaohaft trotz völhger Barzahlung 
sich wenig bereit gezeigt. 

Das DefensionsTolk, der B&rger- und Bauern ausschuf a, 
BtiiTste aber sohou isur Zeit der Einlageruug Friedrichs von 
Altenburg in das erfurtische Gebiet Tag uud Nacht in voller 
Bereitschaft sein. Unter dem 23. Januar 1623 sandte der 
Bat zo. Erfurt an Graf Günther ein Gesuch, doch dero Aus- 
Kohufs gnädige ordinaaz zu erteilen, dafs derselbe seine 
armen bedrängten Leute auf dem Lande iiaoh Gelegenheit 
sucourieren und beschützen helfen möge, wogegen von seitea 
der Stadt Erfurt auf unverhofften Notfall ein GleJohes v»i- 
sp rochen wurde. 

Doch ging die Gefohr glücklich vorüber. Das sobwarz- 



3^2 



Arnttult ip ien ZcUan dM 4r<!&igjlhri|;ea KriafM. 



burgiiühe Onfenhane belut^t in den Virran äer Zeit seja» 
z-a-vniteaie Stellung bei, wahrend einxdine Fürttcn des 
ernstioiacheD Hauiea für die evaageliiohe Sache tu den 
Waffen grifTen, der EnrfQnt aber aaf »mten des Kaisen itaod. 

Johann Georg begab «ich denn aach im Juli 1624 sor 
ZuMnimenkintft deutscher Fürsten in 8chleu«iugen, vo er 
«ich bereit erklärte, Herzog Maximilian Ton Baiern ,,hinfäro 
für eiueo KarfürsteD und Kollegen zu halten". 

Uilte Juoi lief eine Zuschrift am grSßichen Hofe ein, 
die seinen hohen Besuch in nftchste Aussicht stellte: 

Von Gottes Gnaden Johann George, Uersog zu SaohseD, 
OUlioh, Glevü und Berg 

Unsern Grofs zuvor. Wohlgeborne, lieben getreue, Wir 
geben euch gnodigst zu erkennen, dafs vir eine Beiüe in die 
Flirstliche Grafschaft Henneborgk zu einer angeatalten Zn- 
sammeukunft zu thun und den drei und zwanzigsleu dies«!« 
Monats zu Arnstadt einzukommen und eu benachten, auch 
volgendes Tages (welches jedoch noch zweifelhaftig) aldo mit 
ungever füufhundeit pferden stüie üu liegen eulschlossen, 

Ist demnach hiermit unser gnedigst begero, Ir «oUet 
die enoidnung thun, dafa nicht allein «ir und die unsrigen 
(deren Yorzeiohnifs unser Fonror zeitlich mit sich bringen 
soll) mit Dottfirftigen Losamentern versehn werden, sondern 
auch dasjenige, so zu unserer und der unserigen Bewirttnng, 
auch rütterang der Pferde nötig, bei der Haodt und zu er- 
langen sein müge. Hieran geschieht uns zu gnedigsteo ge- 
fallen und wir aeiud es in gnaden, damit wir euch ohne da> 
wohlgewogen, zu erkennen geneigt. 

Dat. Drefsdeu am 15. Jnnf. Anno 1624. 

Johann Georg, Churfiirat. 

Wir sehen, der Eurflirst erbittet sich nicJit, nein, er 
bogehrt — Quartier und Kost zu Hof. Ist er doch fUr einen 
Tei! der untern Grafaohaft der Lehnsherr, nnd die grüflichcn 
BrUder, die zwar die Einkünfte des Landes geteilt, aber die 
Hoheitsreohte gemeinsam Üben, gehen bei ihm zu Lehn. 

Doch ist er auch Kreisoberster und kann als maefatigstar 



I 



AniBlaJt in den ZelUn des dretAitgührlEoa Kriege». 



383 



H«rr des evaagelisoheD Deutachlauds ach w Scheren StKndeu 
in Fällen der Not Schutz und Schirm bieten. 

Ho wat ea denn natürlich, äaü Graf Giinther seine 
Brüder alsbald von der kurfürstl. Zuschrift in Kenntnis aottt 
lind einen glänzenden Empfnng iu Vorschlag bringt. F.» sei 
(las nicht allein rilbmlich, sotidern auch tiützlioh, damit eivli 
das gräfliche Uhus bei den jetzigen lorgHuheu Lauften und 
dem üneiehenden kaiser!. Krief-svolke des Schataea Seiner 
Knrfürst. Gnaden Btels zu getrosten habe. Es sei geraten, 
als getreue Lehnsgrafon derselben gnädigsten favor bei dieser 
oooasiou zu demerireii und 211 gewinnen. Da Ihre Rurf. 
Gnaden in dem ausgebrannten Städticiin Ilmenau eiuznloüireu 
keine Gelegenheit habe, müsse er notwendig zu Arnstadt 
verhleiben. Die unvermeidliche kostbare Ausrichtung sei 
natürlich gemeinsam xa ttaguu. 

Wir bönnen aus den Zahlenreihen alter Rechnungen 
ersehen, welche Bewegung bei Hofe und in der Stadt die 
Nachricht „der Kurfürst kommt!" hervorgerufen. Borilteue 
und unberiltene Boten eilen nach ollen Richtungen aua. 
Wogen, von Trompetern begleitet, fahren auf den Tsrschie- 
densten SlraTsen, um alles, was notig, in gröfster Eile herbei' 
znluhren. Der Knrfiirst ist als weidlicher Zecher bekannt, 
und seine 50U Trabanten werden hinter ihrem Herrn nicht 
zurijckbleiben wollen. So hält man es l'ür geraten, zu den 
Vorrälen heiraischeu Biere« noch Xorgauer, Zerbsler, üin- 
beoker, Neustüdler, Kaumburger herbei lusoh äffen. 

Boten geben nach Weimar, um tou der dortigen Hof- 
k&ohe noch Köche und Küchenjungen zur Anshilfe zu erbitten, 
nBoh Erfurt, um zween Schwaue zu Sohaugerichten , nach 
Moladorf, um kleine Fische zu holen. Andre Boteo xiehru 
aus, noch einige „Siingerjungeu" tür die Kapelle des Grafen 
herbeizuführen, deren Geigenwerk neu beaaiieL and deren 
Mnsikantenjimgeii neu bekleidet werden. 

Die umfassendsten Aufträge aber gehen nach NUraberg 
an den Konfekten- und Gewürz h Und 1er Korstenhauier (?), 
dessen Rechnungen dann nicht weniger alt 334 Oulden be- 



384 Anuudi In d«a Ztlun d«i inUltJfib^a Kri«g«i. 

tng»ii. Der Euifherr sendet kasdierta RoemitriD-, kAudiert« 
Msjono-, Jtoien- and Betonieublülter, doch auch ^bde« Bomd 
und Üelbfeilen nnd Frücbte «Ilerlei Art in Eaüdi^ o!« Erties- 
berlein, Phirsicg, Uoreüea, MftDdelD, Mu8kat«llerbini«ii und 
M ftrsei II en feigen in UsrzipBD. Dann wieder sendet er welsolie 
Wür^t Toa Zuekerwerk und Scbalen mit Mandela uotttr 
«itiem aofgeiogeuea Ei». 

Von wesentlicher Bedeutuug sind die Sohauessen, welche 
«r an die Boten liefert, mit Historien toii schüueai Wach»- 
werk, desgleichen einen Berg mit 3 Ereuüeu und die 7 Tu- 
genden von Marzipao und manoherloi Zuokerbildec. 

Die feinsten Gemüse dürfen nicht l'ohlcn, als Ä.rti schocke u, 
Kümmecliiig, „Andieffen"; nach weniger die seltensten Ge- 
würze und die kSatliobsteu Weine: Malvaslor, Ubiriutall, Peter 
Simonis. 

Doch auch dem Apotheker, den Kiämern, den Hand- 
werkern in der Stadt wird bei Gelegenheit der knrl'ürstlioliea 
Ausrichtung viel Terdieust sugewundt. Dia Scbiefsbäuaer, 
doe Heitbaus, die Itennbabn, das Grottenwerk, viele Zimmec 
des Sobloaaea verlangen neueu AuTputz. Der Maler Horche 
hat alle Geweihe der grofsen Hof- und gehörnten Stube und 
die Schauessen der herrschaftlichen Eilche zu vergolden; die 
grofsen Fasteten mit den drei Meerroasen, auf denen der 
Neptunns siti:t, zwei anfsleheode Einhörner, zwei tieftende 
Oemsen und einen aufspringenden Hirsch , zwei Adler, zwei 
roCse Waifiaohe und einen Meerdrnchen mit Farbe und üold 
za versehen. Booh auch die Gerichte, welche zum Mahle 
Rolbit bestimmt sind, wie die Kebkouleu nnd Schwei nekijpfi.- 
Nod die mächtigen Karpfen, hat er zu verfrolden, desgleichen 
einen Blumenkrug und einen Knopf Über dem Bette des 
KurlursICD. 

Da dem grofeea Gefolge auch ein Festgeiage auf dem 
Tanzboden dos l'athauses gegeben worden soll, so wird eiuo 
„ Küche " aus dem Halben Mond hinaufgeführt , Gregorius 
Hollcrmann liefcii Hundorte von Wein- und Bierglitsern, des- 
gleichen «iae Anzahl machtigur Humpen; Krebse, Schmerlen, 



Arngtidl in den Ztllm äes dreiüigjihTiB«» Krieges. 



385 



kleine Gemangfiäolie, Luchs, Biickliuge und Hnlbfieche werden 
von andern Häudlerrt geliefert. Der BatekellcrwirC »telll iia 
Weineubier 44'/, Einior au 95 Gulden uud 6^/^ Eimer 
Weines zu 36 Gulden in Anrechnung, 

AVir seheu, die gräflichen Brüder, die Bittntlich persBulicIi 
zugegeu waren, unterlieTseu nichts, dem Lehnsherrn die 
höchsten Ehren zu erweisen ; sie geleiteten denselben auch 
noch auf utattliche Weise bis über Flaue hiuauB au die „Froa- 
tirung", dooh weiter uicht. Kannten sie doch den Zweck 
der Schleu&inger ZusammcDkuut't, welche das üeBcbehene gut 
heifseu und dem Herzog von Bayern die Kur zusprfchen sollte. 
Kur einer der seh warzburgi sehen Viergral'eti, Aul«n Ueiuricli, 
war auf jeuer Vereaniiuluiig aawoseiid und nahm au der 
grofsen Jagd im Thüringer Wald Anteil, auf welcher 150 
Stück Wild vou Hirsch und Uiuden gefallet uud gefangen 
wurden. 



Es war am 8. Uai 1636, als der Kanaler Dr. Güttioh 
zum Bathau« kam und vor dem Senat der Stadt im Kanieu 
des Grafen die Erklärung gab , ilafs mau nicht mehr wiese, 
wie hier des Ort» das Kriegsvolk hiuger abgewendet werden 
könnte, sobald es Quartier verlange. Sei doch die Kaeiibar- 
eohoft Ohtdruf mit der Grafschaft Gleichen von Obriat Merude 
mit Üuartier belegt. 

Jedenfalls an e& geraten, wenD die Bürgerschaft eine 
Anlage mache und etzltob Geld zueammenEchiefse, damit die 
Obrietcn und Kittmeister ihre Quartiere wo anders ualimeu, 
nicht der Graf wolle das Geld, es könne dasselbe beim Rate 
bleiben, aber zur Stolle mü8BB ee sein, wenn Burchxuge er- 
folgten ; vielleicht dafs mau'a alsbuld gebrauche, 

Uan tritt crsohrockea in die Beratung ein. Bürger- 
gister SoliaeidOT hält &» für geboluu, zusammen zuschicfson 
den künftigen Kall. Auch Bürgermeister Ecobeuius hült 
«8 tlir gut, aber nicht durch Steuer und Auüage. Noch sei 
die Bürge rscliuft orvcliöpft und eei wenig ausisuriahten. 



386 



ArDBladt In den Zelten Aet <Ir«irttg)lhr1gin Eiieg«!. 



So sei «s, lasBen eich andere Sti min ea verachmen; woll- 
ten «ug gutem WillpTi geben. Besser sei ee, g;iitwi)lig geben, 
als sich das Seinige uelimen lasGeii ; besBer zur Abweuduug 
der Not und Fahr nach VeiiDÖgen steaern, ata <IbIj dte Sol- 
(iHten Kisten und Gaatea aufachlageu. 

Nur Kid Unteknmpe weigort seine Zustimmung. „Wenn 
man jetEund etwas zuEammenachiefse , BchneLl würden die 
Lehoshcrro in Weimar solches begeiirn". 

Die andern alle eind dafür, dafs man gebe iiud Frieden 
habe. Würden sie Quartier gt«wäbr«i), »o eeiea sie Qefaugeoea 
gleich. 

Auch die Tierherreo, die Vertret«t der Oemeine, sind zu- 
gegen und etimmeo l'ür freiwillige Steuer. 

Doch auf die Frage des Knuzlers, wie viel ein jeder steuern 
wolle, das Verderben abzuwender, folgt langes Schweigen. 
Kndlioh erhebt sich Viermaon Sober. Er habe nichts für der 
Stadt und vor deii Thoren, erklärt er, uud doch wolle er 
einea dicken Thalor geben. Im etoken Bewafstseiu, die 
Stadt vor RrtegspreBsureii behütet zu haben , setEt er sich 
wieder, doch mit der Bemerkung, es dürfe die Bürgerschaft 
nicht erfahren, dafs er so bald {;ewilli);t, 

KouBulo, Quästoren , Adilcn und Senat der Stadt, wie 
sich die Bäte Versammlung nach antikem Torbild zu neonea 
beliebt, stehen ahuungElos einer traurigen Zukunft und einer 
Zfiit endloser Not gegenüber und glaubc-n mit ihrer frei- 
willigen Steuer, die wohl kaum ausreichend war, auch nur 
einen der Friedländisoheii Rittmeister zur Weiterfiihrung eines 
Reitert'ühuleiii!« zu bestimmen , die Heimalstadt vor Verwal- 
tiguug und Einlagerung gesichert zu haben. Und doch wftr 
et gut, dofs man auf ,, eidlich Geld" Bedacht genommen; denn 
der Quartierroeisler Merodo's kam, und eine Verehrung von 
400 Keichnthulern konnte nicht umgangen werden, während 
der Obrist selbst schon anderweits konleutiert worden war. 

So brauste die Merode'eche Armada mit 6000 noch un- 
gomuetortcr Wallonen, die er jüngst für den Jüaisor geworben, 
iDit allorlbi bSwr und heidnischer Kation, wie die ChroniUoa 



I 



Arnsladl in den Zeiten det drclftigjKhrlgeD Krlogei. 



387 



\ 



berichten, mit einwn Trofs vou hundert Wagen ToU $«■ 
slohlener Beute, voll DlebsgeBellpii, voll Krunker, toU halb- 
wüohwger Juugen, voll Soldatendirnea ia der Nähe Arustiidt» 
wie ein vorwUsteiider Strom vorüber und nahm ihreu Wug 
ia die untere Grafsohaft und nach Ällitädt. Vuu diesem 
Hauptquartier aus wurden die ernstiuisohen Lande, einst der 
Ausgau^Bpuukt der reformatoriacheii Bewegung, jetzt einer 
gogeDkaiserlioheu StröinuDg, mit ttarker Kontribution und 
anderer KriegBlaet belegt. Doch nuoli die anderen Staaten 
und Städte Thüringeua mufaten büfäeD, und flüchtig irrte »u 
mancher von Haus und Herd. 

In Arnstadt sah mau sieh, d«r wachsenden Unsicherheit 
gegenüber, welche die Merodebrüder über Thüringen flibrteu, 
SU strengerem Waehtdieuet au den Thoren genötigt. Ein 
Deuer Wachtmeister, ein Soldat, der 33 Monate' beim Kur- 
fürsten von Sacheeu gedient und gute testimonia aufweist, 
wird auf 4 Wochen in Dienet genommen, alsdann ober durch 
den bewährten WachtmeiBter Locke erüetat. 

Sohon iaxt£t auch Öfters zu Nacht eine Razzia, wie man 
es heutzutage nsnnt, vor den Thoren ubgehalten werden. 
Im Luüarett greift man einen flüchtigen SoldiiteD auf, der 
dem Eolalto entlaufen und aus Nordlingün bürtig, des Orte 
Gelegenheit oioht kennt. Sei spät in der Nacht von Beitern 
verfolgt an die Walkmühle kommen, douh ohne Einlafe zu 
finden. Im Dunkel habe er dae Licht iu der armen Leute 
HauBe wahrgenommen; die bütton mitleidig ihm die Tbur 
geöffnet. „Der Flüchtling dürfe die Stadt nicht in Gefahr 
bringen; mau wolle ihn seinem Lieutenant ausliefern" lautet 
anderen Tags der BeadtluTB des Rates. Doch mensohen- 
freundlich, wie er ist. legt er Fürbitte für ihn ein. 

Auch im fiause des Kotgerbera vor dem Wachsen- 
boTget Thore greift die nfichtlicbe Feldwache einen Flücht- 
ling auf, einen Zimmermann aus dem Uonsteinschen. Die 
ganze tirafsohaft, lautet seine Aussage, liege ToJler Soldaten. 
S« aus Haus und Herd tot ihnen geflohen und suche in 
Arnstadt, wo er vor Jabreo sebon an der Orifin von Oranicn 



Haoi flimmert, noclmikls Arbeit. Haa mII« ihn dnJdeD ; 
lolwld em Friede, wolle er wieder htäm. 

Den hiofigea Abfertigunseo Toa »eiten de* GnCan and 
den g^etckiokten ünt«Tbaiidlnngtn seiner Räte halte »• irnhl 
die obere Gra&cIiBfl zu TcrdnakeD, dafs sie noch Sommer 
and Kerbet im Frie<!eo bleiben konnte. Erst gegen Weib- 
Bftcht aehen zwei Schwadtonen de« Uerxo^ Ten Brauruchweig- 
Ltinebnrg in die Dörfer de« Amtes Arnstadt ein. Schon die 
wälscben Xemen ihrer FührET La Violett« und Fontenelle 
weicen d^renf hin, wie Deutachlandi yiaren Ton dea Bossen 
fremder Abenteurer Kerrtampfl werden. 

Amatodt selbst konnte dna Weihnachtsfest als unbelegte 
Slodt feiern. Aber war die SoldUeska aafs Land quartiert, 
so sollte doch die Stadt das Ihre ihan and za Falter, SpeU 
sitng, Löhnung kontribuieren. 

Die Bürgenneieter werden zu SoFe erfordert, wo der 
Kanzler ihnen anbefiehlt, onTenüglich der Bürgerschaft 
die Einlagerung kaiserlichen Eriegsvolks kundzugeben, und 
zwar mit dem auadrucklicheo Sedeuten, dal« Stadt und Land 
die gleiche Bürde zu tragen habe. In der Batesitznng de« 
20. Dezember xeigt sich wenig Neigung. Wohin doch die 
freiwillige Steuer gekommen? fragt der eine; wozu doch den 
Bauern helfen? der andere. UStlen doch die Bauern mit 
ilem bösen Plotzergeld groben Sohaden gethtut, halten rotes 
Gold zur Stadt gebracht, der Bürger Bier und Wein gesoffen 
und ihr «chwerea Geld mit von ilannea nommen. Wozu solch 
losen Oosollon auf den Dörfern auch noch geben; 

Indessen siegt dooli des Bürgermcieters Frobenius An- 
te))!, dufs man sieh zu einer Geldleietung willig aeige, aber 
'tim der Biirgexsohaft willen auf einen eohriftlicheu Befohl der 
griidiobea Kanzlei dringe. Auch dürften, wie sonst oft, die 
sonderlich vermögenden Leute nicht leer aasgehen. Zur 
Naturalleietung aber will man sich um so weniger verstellen, 
als man sich der Viktuatien doch ersE vom Lande erholen mÜBse. 

Ehe aber nooh Neujahr ins Land gekommen, hatten die 
Bürger trotz groben Wid erstreb eoa schon so manches an 



ArnstRdI in dEn Zuilnn ifes dreirdgjthrigsn Krieges. 



389 






Viktualiäu in die KommirsliauBer der DorfschaftuD eiDliefern 
müaseD : 86 Fafs Stadtbier, 4& lüiiiier Iieurigen SladtweinK, 
90 Pfd. Gewürz und Koofekt, und schou hatten sie auch deu 
Übermut Frie^lländisoher Truppen erfahrea, die ein Gebräu, 
das man doch zuvor gekostet und für gut befandoD, mit 
Hohn und Spott Kurückweisen, 

Am 8, Januar 1627 linden wir Senat und Yierleute 
vegen unvermeidtichcr Anlage bei einander. Die Yierleute 
Tviasen zu berichten , daJs die Lehnsherren, ilie Herzoge zu 
Weimar, die kaiserlichen Soldaten iu die GrafBobafl gelegt, 
um die eignen Laude zu entlasten. So sei, wenn man willige, 
das groree Bodenken, weil auch Altenburg und Koburg zur 
weimarischen Linie gehürteii, data man auch voa dort aus 
mit Quartier belegt werde. 

Ein Bevo lim acht! gter aus gräfl. Kanzlei giebt die Br> 
klärung ab, dafs von Sr. Gnaden dem Grafen iilles gesehehen, 
dae Land vor üuartierung zu rtittcn, Da es nicht langer 
möglich, BO möge die Stadt eiue Kom|iagnie tu ihre Mauern 
nehmen, oder den Borfschafteu durch Eontributiou und Yik- 
tualien zu Hilfe kommen. 

Haben eich Ihre Gnaden an Sr. Majestät dem Kaiser 
Tersiintligt, hört mau eine Stimme rufen, dafs man solle Geld 
geben oder Trappen nehmen ! Die 27 Ortschaften des Amtes, 
läfst sich ein Kämmerer vernohmen, seien Kehnmal reicher als die 
Stadt. Wozu der Biirgereohaft ao ünerträgliohee auferlegen ? 

Jedenfalls aber, darin stimmen alle überein, müsse jed- 
weder in Handel und Wandel, in mobilihua und immobilibus 
nagesohlagen und die Last gleichroäfsig gemacht werden. Die 
Fltirbüoher auf deu Dörfern, die GeBchofsregister in der Stadt 
würden einen Anhalt geben, dafs niemand Unrecht geschehe. 

So kommt denn auch am 27. Jenner eine Zufertigung 
aus gräflicher Kanzlei, dafs eine Anlage gemacht, die Gleioh- 
heit innegehalten und der arme Mann nicht über Vermögen 
beschwert werden aoÜe. „So soll jeder Bürger sein Ver- 
mögen in Haus und Hof, in Weinbergen, Äckern, Wiesen, 
Garten, Handlung, Handwerk und Geweibe auf einen Zeddel 



390 



Arattkdt la dm ZiIim dM dt«(fdoiliiicw Sri^ifc 



I aufieichR«! und kiliiMgeii Montag — geliebt e» Gott! — m.f 

I dem Baüihaua lu ttbcrantwortea scbojdig »ein mit dioser 

I VerwmrnuDg, wenn irfcond wer etvru ver«cliweif[«ii and intca 

I hiaUriomnien vürd«, dth dereelb« in gebührende Strafe gt^ 

I Dommeo wencl«." 

I Kg wird die BOrgerscbaft duroh •iffenUichen Ao»chlsg 

H TffB dem Witleo dee Unfea in KenntniB iieaetzU 

^^K Die Kümmerer und die too der Gemeine rcciliaeii aus 

^^ den UbergebencD Zeddela heruus, dafs das Oeeaml vermöge» 
* der Stiidt 

232 375 Guideu Kapiul 
biilrsge, und dafs, tod 100 GuldeD ein Schreckenbet^r 
gerechnet, dor Eitiheitesatz der Auli^e zu 39S Guldea zu 
uehmoD soi- 

Wir finden aber, dafs diese SelbgtmnschHtzuug der Bürger* 
Echaft in ihren KrgebniGBea Bedenkeu erregt, und eiae Steuer- 
kommiasion von Haus 3U Haas nochmalige Kaohfrage hült, 
und bei Eingabe der HechUzuddel im (olgeadeu Jahre die 
GewiBeen von der Kauüel aus auf du eindhuglichst« gc- 
»ohiirt't werden. 

Alufs die Ijürgcrsehafl kontribuieren, ao besteht sie ilirer* 
aeit« darauf, daf^ auch der Adel herangezogen werde. Bei 
allgemeiner Beoebwerung sei aueb uugeaohtei ihres Kittor- 
dionstes die Uitlersuhaft nicht frei. Die Viermänncr wissen 
zu berichten, dafa der Adel in koburgcr uud gotbaer Fliege 
zur Landeteuer gezogen werde. 

Doab da6 lel auch Aneioht der gräflichen Kanzlei. Sie 
findet CS aber für nötig, dals ein AusaebuTs aus Kittervcbuft, 
Bürgerschaft und Iisndeehaft sich bilde, damit sie sieh nicht 
alb immer wieder von ihrer Hausbaltimg alieuiereu müf»teu. 
Und tQ geschah ce>, uad war das Sträuben iu Stadt und 
Land auoh grofs, so arbeilet doch die Steui^Techraube mit 
gutem litfolg. Natürlich verlangt auch dor städtische Haus- 
halt seine Befriedigung, uad wir lesen denn liald, dafs der 
erste, und wieder, dafa der andere Termin des Goechos»e« zu 
sitzen angefangen und 14 Tage koiitioaiert weisen mils»o. 



^ 



Arnstadt in den Zeiten des drsifai^Abrlgaa Kriog». 



39] 



Dio Bürger sollen sich gehorsaniltahor , als bi« her geechebeii, 
eJDeteüen uud zu andern i^waogsniittvln keine Ureach geboD. 

Der Barleiatuo^ an die Trup^ien K^hen Natural lieferun gen 
itit mannigfaltiggten Art zur Seite. Die wälechen Kittmeister 
hoanepruchen gar manches für ihre Quartiere nsch Marlia- 
hausen und Älkeraiebeii. Ber AroBliidter Wein, obwohl vom 
treM-iohen Jahrgang 1624, will ihnen nicht munden. So 
müBseu ihuen fiir ihre Tafel 4 Eimer besten Frankenweiae 
Jiuget'ührt werden; dazu an Fischwerk, ÜewilrK uad anderer 
KüuhcuBpeiae gar tDancherioi. 

Immer hälier steigern sich die Auapriiche an Itiirgor- 
»chaft. Bauern und Uitteraohaft, als sich im t'rühjahr der 
Deslourische Itegi inen teste b in die obere Grafüchalt einlagert, 

„7777 Gulden aul' 11 Wochen, wäohentlich Kontribution, 
jede Woche 707 Gulden für den 8litb" lautet ein Poeten der 
KontriliutiauBreotinungeu. 

Aber die Fried ländiBuhen OfSeiere wollen nicht blofa 
jiünktliche Zahlung;, gic wollen sio auch in vollgültigster 
Uünze. Ks finden eich gar ,,äluttliche" Posten fiir Abgang 
an Münee Terüeiclmet, „so hSher eingenommen, als ausge- 
geben". Hetbet Königs- und Kuiühsthiiler, Philipps- und 
radera Tbnler berechnen die F ri od lündi sehen Musterscbreiber 
den Steuerkonmissareu um einea Groschen geringer, als er 
in Handel uud Wandel wertet. 

Kommen die Kommiaauru mit Halbpatnen, wie sie die- 
BClben Ton den Bauern empfangen, so werden sie höbuiseh 
abgevieeen uud mijeseo »ie unter giolaom Kursverlnet gegen 
Philippsthaler einweehscln, um nochmals Kiiibui'se za erfahren. 
Auob andere KleiDmiiuEe erleidet die schärfste Zurückweisung, 
und der Stellerei nn oh ni er Kiner tnufs in baatiger Eile naoh 
Ilmenau reisen, um dort gegen hohes Wechselgeld lieiuhs- 
Ihaler aufzutreiben. UeHchiehl dauii die AtiaKahluu(t wie 
61'ters bei Lieht, so mufs den Zahl m ei eiern noch ein beson- 
deres Houororiuni für ihre nächtliche Miihewullung gewährt 
«erden. 

XIV. 26 



39ä Ainsi&dt in d«a Zallen äe* dreiftisJKbrigea Krieges. 

Im Übrigen erfährt daa DeafouriBche Volk in der Dorf- 
cbronik des Pfarrere Schmidt zu Domheim ein« nicht un- 
gUnstigo Beurteilung. Wir werden die Einzeichmioguii dieses 
wBckern Pfsrrherrn, der mit klarem Blick und mutigem 
Hersen den Sohiecknisscn der Zeit gegenübersteht, gai' niobt 
selten nnd dann gewifs mit guter Belehrung zu Rote sieben '), 

Wie Bittmeieter mit Rittmeister um die Quixrtiere in 
Streit gerät, weife er als Augenzeuge eu berichten. Der 
von Wnngenbeim vom lauen burgiaohen Regiment ist in die 
dem Violetta assignierten Dörfer ohne Bef-rüfsung dee Grafen 
eingefullen. In der güldnen Gans zu Arnstadt treffen sich 
die Herren, und der Frnnzmann fordert alsbald den I)eut«chea 
vor die FhueL Der Wangenlicim aber, wulnhiim wohl no 
Raab und Beute, doeh nicht am Zweikampf gelegen, entzieht 
eich der Forderung, 

Wie aber selbst bei gutem Regiment das Schicksal manoli 
friedlicher Ortscbuit an einem Haare schwebt, davon weits 
der Pfarrherr auch zu beriölilen. Vor seinem Dorfe fiodeu 
die Soldaten einen ermordeten Kameraden, und als sie im Orte 
selbst Blutspuren im Schnee wnhrnelimeu, so rufen die wilden 
Kriegslentc, man habe ihn im Dorf erschlagen ud'1 hinaus 
ioE Feld geeohleppt. Die geängsteten Bauern machen ver- 
gebens gellend, dofs das Blut von geeohlaohteten tSehafea 
rühre, die mau ine Quartier eohioken müsBe. Ton allen Seiten 
lauft die Soldateaka heran, das friedliche Dorf in Asch« zu 
legen. Da in der hocbsten Not kommt der Thätcr zu Tage, 
und das Dorf bleibt in Frieden. 

Als sich der Desfouriscbe Stab einlagert, haben Arnstadt« 
Bürger bald Gelegenheit, dus Hauptquartier eines WaUen- 
steJnisohen Obrietlieutenants in niiohster Nähe zu schauen. 
Graf Rivara hat sieb nach Bornheim qnartiert, wo ec auf 
dem Enzenbergi sehen Gut« „statllioh" zu wohnen war. Ein 



tl Herr Pfarrnr Mnittr lu ObtrdArt lialtti dTe onia, dieielb« i)em 
VeHa>B«r lugbigllch tu mschoD. AbkUrtung O. Chr. e= nornbilaiiT 
ChrciDik. 




Aniitadt in den Zeiten des dreiMgjJEhrig«» KrT«^<. 



393 



hundert dulden wöohentUohe UnteThaUiiDgBgeldur miiisen ihm 
nufsev den Naturalieu gezuhll werden, und ee war far jtdon 
geraten, sich za dem hohen Herru gut zu stellen, denn er 
2äcnte l«iohtli<sh. Selbst der Sekretär des Grafen war diflger 
Ansicht und bat ihn zu (ievatter, als sein Töohterlein 
ApoUoaia Susanna die Taufe empSng. 

Karz darauf «rkiankte die Liehlingastute dee Ürnfen. 
Alübald übergiebt er sie dem Arusliidter Reitschmidt in dia 
„Cura". Dooh aehon wunige Tfige durauf läuft beim Rate 
der Stadt eiue Klageeohrift des Herrn Grafen «in, dafs d«r 
Keitschmidt seine edle Stute, da oie noch ganz lustig ge- 
wesen, verderbt und sie Tags nach Obernahme mit Todo 
abgegangen. 

Alebalü laufen die Stadtknechto , den Miasethiiter vor 
Itat zu fordern. Kr habe alleriiinj^B, so lautet seine Aus- 
sage, das Pferd in die „Cura" goucmmen, nuoh allen möglichen 
Pleifs angewandt und ftehofft, eiu ehrlich Trankgeld daran 
zu. -verdienen. 

Aber das Pferd eei inwendig zerrissen und die Mnne 
entzwei gewesen. So könne er niuht danu, dufs es verreekt. 

Ein MedikuB nehme ouoh wohl einen Patienten an, könne 
aber nicht gut datür sein, dufs er heil bleiben eoUe. Er habe 
möglichsten Eleil'e angewandt, berufe sich auf ilen Feldmeister. 

Den Ablaut' der Sache giebt ein Posten der KontributioOH- 
reohnung „£iiie lichtbrauoe Stute dem Grafen Johaoues 
Bapiista Bivara". 

Dafs auch bei guter Disziplin einselne Soldaten sieh an 
der Bauern Gut vergreifen, kann nicht wunder nehmen, 
wiBfien wir doch, welch wilde Gesellen Friedland'e Werbe- 
trommel unter die Fahne gerufen. 

Äts der Knecht eines reichen Bauern zu Rudereleben, 
dem Filiale Pfarrers Schmidt, mit vier Bossen zu Acker 
zieht, kommt ein Soldat des Weges, der nur ein gering 
Pferd seia eigen nennt, tauscht ihm dos beste aus, legt 
Sattel, Pistolun und alles darauf und reitet davon. Das 
fiaaernpferd aber, durch das Baaseln der Steigbügel and die 

36* 



394 Amitkdl In dta Zoiton iliu •IreihlgjUicIgVD Krlag«*. 

grorseu Sporen erschreckt, wirtl «einen Heit«r ab und eilt 
wie toll dem tlUchtigiin Knecslile uaob. Üriogt der Knecht 
seioem Herrn 5 )'far<Itt beini. „Der Uiob hat niuhu ga- 
lurdort", gewif» auoh e'io Zeioheu strenger Mauuszucbt. 

Oegeu Knde März Bollen zu dem llugimenteotabe und 
«ioer Kompagnie (in ltcickha.UEDu) uuuh -weitere drei Kom- 
pagnien ins Land geführt werden. Da eoheint es genteu, 
mit dem Obrist- Wachtmeister in Aocord zu treten und den- 
selben «n beatinimeu, gv^ea eine Abfinduo^senaime \-0Q 
>coiturer Quarliernug abxuaehen. 

Unter dem Siegel dei' Ve räch wiegen hei t wird dem Rttto 
der ätodl davon Kunde, und da eiue gröfseru Summe — e« 
wurden 2000 Thuler in Aussieht guitummen — aus der 
ohaehin sohw er lasten den Kontribution uamoglioh zu erhoben 
war, ao gebt ibm in geheimer 8itzung die Mitteilung zu, der 
Graf sei bereit, seiueu äilbereelmtz an Tul'elgesehirr , aucJi 
selbst gegen KaufmaimsluturesHen von 12 autW Hundert, nla 
Unterpfand einzusetzen. liürgenn eistet FrobuniuB und die 
lindern vom Bat fciud der Ansicht, dafs das Anerbieten Sr. 
Gnaden mit nuterthänigem Danke auzuiiehmen, ilaTe sieh der 
Rat aber dafür zu yenelu-eibeu und das Silber eheslbald aua 
der Konu'ibutiou su löeeu schuldig sei. 

Einhellig btimmt man dafür, dah mau'a geheim hallo, 
Sficatu Houet jeder Wacht- und Kitluieister sieh darauf be- 
rufen und Abüugsgelder u. dergl. veilaugen. Auoh den Vier- 
leuten miiaae es eingebuudeu werden, nichts verlauten 211 
luieen. Müsse man doch eben, weil Uefohr vorbanden, aus 
der Not eine Tugend machen. 

Der Silberselmiz des Grafen wandert uaoh Erfurt, Die 
obere Grafsohaft wird nicht weiter belegt. Am 8. Mai aiehl 
auch der Stab ab, iiauhdv-m dem Grafen Uirara aus dem 
Amte Gehren uooh ti Kut£ohpferde verehrt werden müsseu. 
„Mosis Stab xeugt ab", sagt Pfarrheir Thomas Schmidt ; „wie 
dieser diu Sohlun^uu frafs, so haben diese Leute i^cbaatu, 
Binder, SiJiweiue und Alles weggefressen!" 



Arnalodt in den Keilen des drliriigJXhrigeri KriagHX. 395 

Elf Wochen lag dieser Moei&BUb im Lande uud mauht» 
es an bsTem Gelde um 17392 Ouldeo anA PfeaDiK ürmer. 

"Und doch war der 8. Mai kein Maifesttags denn echott 
nahen neue Truppeufaöqier. In 200 Plätzen Norddeutachland« 
BtAnden Friedland's Scharen , und sogen sie duroh das eine 
Thor «iner Stadt von danneii, ruckten neue Völkar durch ein 
anderes, ebenso ikbermütig und ebenso beuteluitig, als die 
abziehenden. 

Doch auch ins Fränkische legle der Friedländer §eine 
Truppen. Sa sohiokte er im Mai Herzog Maxiniihau Kudolph 
Ton Lauenburg nach dem Süden. Eines der Regimenter dieeoM 
gefürchtelen Heerführers nahm seinen Weg über Arnstadt, 
Da war äufaerste Vorsicht geboten. Der Griif schickt einen 
seiner Käte an den Herzog, „ob nicht der Ausog an andre 
Orte zu bringen sei". Auch der vorangeeilte Quortiermeiatar 
wird durch ein beaonderea honorarium ius Intereeae gezogen. 
Trotzdem, das Itegiment kommt und, obwohl nur einige Tage 
auf dem Durchzug, rnüaeen dem Stabe für eine Woche und 
mehr Traktameuts- und Stabgeldcr gezahlt werdeo. 

Und ist der Uai su Ende, so bringen Juni und iTuli 
neue Oüst«. Die Markgrafen von Brandenburg -Kulmbaeh 
ziehen heran. Auch diese Fürsten sind in die Dieneto des 
Kaiaera getreten und helfen die norddeutschen Stände dem 
Willen des Friedlönders geftigig machen. Markgraf Georg 
lagert aich in den Ämtern Gehren und „Käfernburg" ein, 
verlangt aber sein öuartier in der Stadt und dräuet, da aller 
Vorrat aus den Ortschaften hinter die Mauern der Stadt ge- 
flüchtet sei, aUbald einEubrcohen und solches mit Gewalt zu 
sehmeo. 

In schnell berufener Rate verearom hing (4"" July) erklart 
»ich dieselbe mit der gräflichen Kanzlei einverstanden, dafs 
nlsbald Kanzler Güttioh abgeordnet verde, um solches Unheil 
»bzuwenden, „auch wenn in eventura tausend Reiehsthaler ge- 
boten werden müfsten". Die Markgrafen lassen aioh an ihren 
Hauptquartieren zu Flaue und Marlishausen genügen. Auch 
weifg man einen Rezefs zu erlangen, „es solle Ihrer Fi^rstl. 



396 



Arnstadt la den Zdlen det ilr^riiiKJXltriRwi KHccM. 



Ooaden Kriegevolk zu Eofs und Fub aua d«D Sahvu-xb. 
Ämtera aUoboli) ohue einige Ana plündern og mit guter ordr» 
obgefuhrt, »11 abgenomnieDes Vieh regtituirt und die Vor- 
epannpferde ohne Aufenthalt siirliokgeiiDhickt werden". 

Da die Mark^rafeu m den OebirgHorleu keiniTi Wein 
erbalten, werden ihnen Woingelder beeonderfl vergütet und 
2Um Abzug noch eiaigc Eimer besten Fraukenweinee aU uu- 
rermeidliohe Veruhrang Eiigeeandt. 

Nur be&oheiden Bind, um weuige Wochen e|)äter, die For- 
derungen des KapituUB von Ziella, dar dem Gonorsl Altriager 
einen Nachschub von 130 Soldaten zuführt und für aeioe 
Soldaten einen tabetniok vors LiingwiWlhiir erbeiBcht, Ihm 
eelbat und seinein Offizier gunilgt ein ImbiTa von Semmeln 
und Schafkits und ein Trunk Firnewein uud Weizenbier. 

Bald droht wieder ein Uugiment Hubron'e, des Kriege* 
oberBten, dem WnlleßBleiu vier Werbepaleote gegeben, der 
aber, naoh des Friedlanders eigeueu Worten, wie ein Tiger 
gehandelt, mit verderbenbringendem Uurcbzuge. Kaum ist 
diese Gefuhr beseitigt, ao uabeu Schellrotb'B Scharon von 
Westen hur. Kanzler Gutticb kommt nicht viel vom Pferd, 
eilt von Quartier zu Quartier, um Durchzug und Einlagerung 
abzuwenden. Die Ornfsobaft kauft Bioh frei, abei' immerhin 
ist es geraten, das DefensioDSvolk aufzumahnen , um verein- 
zelte Koitertrupps uud ungemustertes Fufavolk vom ICintall 
ia die Ortschaften abwehren zu köunen. 

Für solche Slwecke waren die Defeneioaer, deneo sieh 
auch das „Waldvolk" zugeeellte, durchaus verneudbar. Im 
offenen Trclfeu wurden die Uurger- und Bauern nufgobote wohl 
öftere von einer Hund voll Heiter in alle "Winde zorapreogt. 
Saatfeld , wie früher Erfurt , bat um diese Zeit für den 
Fall der Not um den ZuKug des Arnstädter AusüchuBtiea. 
Doch auch da handelte es sieh nur um Besetzung der Pöase 
und FlufiiUbergiinge. 

Ala sich die Grafen bei wachsender Bedrängnis ihrer 
Lande wiederum mit der flehentlichen Bitte an den KurHirBten 
Johann Georg wandten, ibneu beim KaiBer Salva^uurdieo 



Arsstftdt tn d«n Kdten iu drclMgJilIirli^a Kriögw. 



897 



auszuwirken, koaßte ümen dieeor tob dergleicheo Schutz- 
briefen nur wonig Ueil rerspreoben. JedenfnllG «ei es dft 
besaer, wenn. äich. jemand mit Gewalt Quartier zu nebmeu 
unteratehen wolle, es mit dem AussohiirB eu verwetireD uud 
abzuwenden. 

Die damaligen Kechnungen weisea noch eiiuelcie Poaten 
für Brod vind Bier an die DefenHioner auf. Wir stehen ont 
iomitten des Jahres 1627, aber docii findet sich ichon als 
Summa Summarum der aus der Stadt gewandten Kriogs- 
koflten TeiEeichnet: 

20673 Mfl. 11 Gr. 6 Pf. 

Nalürlich müstieu wir die Summe um das Seohafaohe 
erhöhen , wenn wir sie zu ihrem gegenwärtigen Wert be- 
reohnea wollen. 

Da Wallenslein auch katholische Stände, ja Bistümer 
mit Quartieren belegte, wurde die Klage über den Fsldhaupt- 
mann zu einer allgemeinen. So fanden sich auf dem Kon- 
Tentstage zn Mülilbausen im Herbst des Jahres protest&D- 
tiBobe wie katholische Kurfürsten mit ihren Beschwerden io 
wunderbarer Übereint^timmung. 

Preiliob kamen nur der Erzbisohof von Mainz und der 
Kurfürst von Saohgen persönlich, die übrigen Würdenträger 
Jiefsen sieh durch ihre Gesandten vertreten. Graf Günther 
achiokte seinea Kanzler an Kurföiat Johaun Georg nach 
MüUlbau^en. Doch auch Frau Kanalerin zog mit, und ein 
grofaei Silberpokal aus der Kriegssteuer sollto wohl den 
Zutritt bei dem hoben, doch Tielbesohättigten Herra er- 
leichtern. Mau K'gte die Beschwerdeschrift des schwarz- 
burgischen Grufeuhauses über die rreasuren der kaiserlichen 
Völker in die Hände der Eurfursten. 

Werfen wir einen Blick in das „Summarisch Terzeioh- 
nus aller Kriegssobäden, so von dem kaiserlichen Kriagsvolk 
bei Einquartierungen und DurcbzUgen den sämptlichen Grafen 
EU Sohwarzburg, Sonderbausisoh- und Rudol städtisch er Linie, 
sowohl deren Unterthanen zugefügt worden". 




' '^^1^ ÄTii»Mdt in im Zailen des drfllMidlibrimn KritcM. 

A. Sandershausisohe Linir. 
605360 &. e, Qr. 9^ Pf, nämliaii: 

1. Habao Ibre O. cu d«r«ii Cncumsi'KUlBru 

selbst orlltlea nn<l kann aur Xothdurtt »pe- 

ciflcirt wririiHQ 60000 fl. — Gr. — Pf. 

8. Ami SonilersliBiUCn . ISIteBO,, B „ T „ 

3. „ Clioffsu 1BSB86,, 5 „ »i„ 

4. „ KauU 89 BSQ „ ~ „ H ., 

B. „ ]£beUb«ii . . 1T8S0,, 10 „ % „ 

G. ,, (lahran ... 4S SAB „ — „ 3) „ 

T. „ Arnjtiidl und KÄfforiiburg .... 80768 ,. — „ 11 „ 
8. Di« von dem Adel lu den Atnleru Souduri- 

bauaan, ClinKan und Kenia ..... 4fi319 ,, 16 „ (t „ 

ß. Rudolstädlieoba Lioie. 
666688 fl. 17 Qr, 4^ P£ u. t. w. 

Summa aller Sotiäden und Vokoeten beider LiDlan : 
1271999 fl. 3 Gr. 2 Pf. 

Inmarsen solohea alles gSDUgeamb liquidiert, ancb noch 
«in Mebtes herbei gebracht -vyerdeii kaon, weil viel von Adel 
und TJnterthaueu gauü Dicht übergeben, indem sie entweder 
gestorben oder aus Ungeduld keine Speoifikationea verfertigt, 
theiU aus Acht gelassen cdei soOBteu oiclit eigentlich an- 
gezeigt werden wollen. 

Wie dies „Verüeichnus" enthält daa rnuhsisohe ^taata- 
arohiv (auch Ton Gindely mitgeteilt) die Verfuguop eioea 
Kittmeisters, die er in der Orafschaft Sohwarzburg im Herhat 
desgelben Jahres erliefs, und nach welcher ilim su liefern: 

An Ocld «ikOmnllicIi 300 fl. 

Au Hnfer woolienlUol Sno iichrRel 

An Hau 10 Kndar 

Au älroh 10 Fodar 

Ad ItOBüeu S ävhalTel 

Ad WeiacD ( SchollBl 

An Uaratc und MiiU S ficbeffol 

Ad Rindvlfh 1 SlHufc 

Ad 7k[;iiCauhweiiiaii ...... t t. 

Au Klllbetii 8 „ 

An Scbjpi«! und Ssbiüen • , • 4 n 



Aroitndt in tl«a Zeiign des itrcihfKJll"'>K<n Kriociu- 



390 



An G£n><in und Knun .... 19 älttfk 

An Knpaunen unil nUbniiTa ... SO „ 

An t'iatlieu «licLBiitlicIi .... J Contnar 

Au Butler uiiü Seliiaiill .... } .. 

An Rieru BOO Stüi-k. 

Der überbescbeideDe Manu fSgt diesen kleinen Forde- 
TungPQ als ScblurssdtK hinzu: „Thut auf eine Woche uF eine 
Compagnie 840 Üulden otiDS Bseen und Triuktm". 

Wie in der KlagEchrit't der KurfUnten an den Eni«<ir 
einBtimmig lauto Beschwerde über die fast unglaublichen, 
ober durch Dokumente bewieseneu l'reasuren der Friedläu- 
discben Soldateska eihoben wurde, so auch übir die un- 
erhörte Beschränkung und Verlctauiig der fursüicheu Rechte, 
die sich alle Stände des heiligen Kfimischcn Reiches deutioher 
Kation get'jlleu lassen mufsteii : „Kein Herkommen und Frei- 
heit wird geachtet, alles ist den Obrinten tributarius und 
gleichsam vogelfrei. Uelangt es zum Winter, Iheilt man die 
Quartier nach Beliehen aas, macht keineii unterschied unter 
den Schuldigen uud Unachuldigeo. Den Ständen wirds ohne 
Vorweisung eiuer Ordinana, inmafsen vor wenig Tagou den 
(irafen Ton Stallberg, Schwarzburg und Gleichen begegnet, 
nur pro imperio angekündigt, auoh wol gar nicht notificlrt, 
bii man mit dem Volk im Land ist." 

Tilly beklagt sich in einer Zuschrift an Kurfürst Maxi- 
milian Ton Baieru au» Pinneberg (d. dt. 29"° Okt.), wie wieder 
die besten Quartiere die Kniserlichen sieb angemnfst, ie.h 
Graf Merode bereite über die Schiffsbrücke, sein Quartier in 
Sohwarzburg zu nehmen, geruckt sei. 

In der Thnt ergossen sieb die gefurchtsten Scharen der 
Uerodebrüder tod Norden her über die Iharingischen OnLC- 
aohafteu. Dooh kamen auch Tilly'sohe Truppenkörper, und 
wunderbar zu vernehmen: Merode klagt au« seinem Haupt- 
quartier in Orat'entonna (,im Januar 2ä] über die UDTerant- 
wortliohen Tbateu seiner Verbündeten'). 



1) Vergl, Hiltwlch, Joliuin Merod«. 



400 



AriiBtHilt in i1«n Zeiten il» lireifsiitjllhri^oa KriigM. 



ße- 



Eb war am St. Uart.ioitage saoli dem Ben oh t der 
Dorüheimei Chronik, dafa Merode's Obers tlieuleniiiit Robert 
Bornival, „ein Schuft aus dum Stift Lütlioh", zu Rodenleben 
«infiel, deu ]8. November naob Doruheim k&m uad bis zum 
31. Dezember blieb. 

Sie Stallt Arnstadt tbut alles , um dem gefUrclitfltsa 
Herrn sein Hauptquurlter in Bornheim aiiiiebioliah zu muiheD. 
Es werden Betten, Toller, SohiiEselo, Tische, Viktualieo die 
Hölle uod Fülle und bester Beachafftobeit bioaiugeachaEft. 
„Die Merodebrüder", erzählt uns jn SiroplioissimuB , „eie 
wachen nicht, eie schanzen oieht, sie iliirmen nicht — und 
sie uühren sich doch!" Fürwahr, sie wufsten sieb su nähren! 
Die AiDstadter Bürgerschtift bek&m ilafnr sprechende Be- 
weise. 

Die Kanzlei hielt es für geraten, den neuen Eontribulioai 
kommissaren , die eich die Merodischen nannten, es auf 
«iodiinglichste einzusohürfen , daf« sie Stab-, Traktatneuts*, 
Tafel- und andere Gelder zu jedem Zahlungstermine auf dat 
pünktlichite einzubringen sioli beüeiläigen milTsIoa. 

Bs geschah, aber ttotzdem verlangt Robert BorniTal sein 
Hauptciuartier in der Sladt sattui aufzujihlagen. Mau sperrt 
und sträubt dich aber mit ullen Kräften dagegen. Auch 
Dr. Daniel Förster, den sieh die Stadt in ihrer sohwierigea 
Lage zum Syndikus augenommen und der, auf dem Laude 
begütert, Sitte und Braueh d»r Meiodebrüder zur Genüge 
kennen gelernt, rät dringend, auf alle Weise, und sei es um 
ein grofs Stück Geld, die Einlagerung abzuwendeti. Un 
wenn, wie es verlaute, Bornival gegen ein reichliches Ab 
zugegeld awei Kompagnien uufeer Land zu führen beri 
sei, Bo solle und müsse man auch das zu Werke frlhren. 

Man einigt sich nach dieser Richtung iiin zu einer be- 
weglichen Eingabe an Gruf Günther. Kanzler Qüttich be- 
deutet den Bat der Stadt, ee geschehe lürwahr Sr. Gnaden 
dem Grafen mit dem Quartier keine Khre noch GefoUo, 
kSnnt«» desseu gern entbehren, wüfsteo aber nicht et a1 
anwenden. 



^^^1 Arnstsdl in ileii Zeiten itn droirii^Klirlet« KrIoRci. 401 

^IP Es kommt in den Batssilxungsn tu don «nitleBteD Kr- 
' wägungen. Syndikus Förster macht wioilorholt auf da* 
. Murren des gemeinen MunnOB aufmerktuim, der die SoldfttAD 
uioht öiunehmen wollo. Leiulil werde es su Duruho und 
I Trubel kommen und der Fabel aus Ungeduld uad Hader ein 
Unglück herbei führe D. 

Aucli würden Frauen und Töohtt-r d«r Bürgerschaft — 
nur za bald werde man's inne werden 1 — in groCte Gefahr 
kommen. Halte »oh noch wohl der Orfieier zurück, werde 
<-« der Gemeine daher nicht tliuii. und wenn mau einem 
Soldttten nur ein krumb Wort sag«, sa cntslehe Auflauf und 
Unglück, wie es in Hi-rbslebeu gesobcheii' 

Auch könne man in der Stadt seine Fabrnia niclit be- 
ftchliersen, wie auf den DörroTn, wo wenig zu haben und za 
holen. So wachse auch die FeueTfgefshr durch Einlagerung 
der KriagsvÖtker. Diu Itaut'rn wiederum , wenn die Sladt 
belegt, würden derselben wenig genieCien, würden aiobta 
hereinbringen und, wenn sie einer Yereetzung bedurften, 
nicht« finden. 

Wäre KU Soodershausen ein Hauptquartier, »o liege die 
Sache dort anders, Sonderslmuseo habe keine nahen Dörfer, 
da man einen sobheu Uffizier hinqunrtieron künoe. Hier 
gebe es tu Dornheim gar «taltliohe Oelegeuhcit. 

Man müsse auuh bedenkt'n, wie der Ootloadtenst nicht 
immer verriehUt werden könnte , da Bornival'a Pater in 
Bomheim der Lutheraner halber sich gar trotziglich geieigt. 
Man tolle dem Obri«tlieutcnant die Spitze bieten und ihn 
uicbt einnehmen. 

Aber all das Sträuben blieb erfolglos. Sie Aue[iauner 
der Stadt bekommen Del'ehl aus der Kanzlei, dee Obrist- 
lieuteuant Packwagen hereinzuführen. 

Doch die Anspanner weigern sieh. Das sei Snohe der 
Dorf sc haften. Gehe es aber gemeine llürgerschaft un , so 
könnten sio's nur gegen leidliche Ergötzung thun. Uüfüteu 
»e ohnehin slarke Kontribution an Geld und Hafer zahlen; 
dürften ihre Pferde nicht noch beiondeta angelegt werden. 



402 



Arnsladl in d*u ZeiMii doii drolMKlXhvlgul RrUgu, 



Bunwl sie in der geschwinden Zuit mit ihnen nichts arbeiten 
und verdienen könnten. 

Doch erkläreo sie »ich bereit, aU ef galt, Holz nu« cler 
Lehmannsbriicke in dae Httupt-quartier eu schaffen, wofern 
»ie alle mit einander fahren , 4 Pferde vor einen Wagen 
kommen und ihnen „Ronfiige" gegeben würden, eine Fuhre 
Bu thuii. Wäre ein beschwerlich Ding, denn sie mnCsten 
zwei Tnge und länger sinl>ringen. 

Die wachsende Unruhe in der Stadt veranlafst die 
gräfliche Kanzlei, auf Veralarlcung der Wachen zi\ dringen. 
Sai Bürger waren zur Zeit im bäwaßnetcn AiiGBchuTs. E« 
werden Personen mit der Aufsieht in den IiOBamenten be* 
traut, „da die Soldaten Quartier bekeramen". 

Robert Bomival hat sich die Güldene Kenne auf dem 
lUetplat^ zum HatiptquartisT auBersehon. 

Die verwitwete Frau ßiirgerm eistet Kirohheira iit Be- 
«tzerin und soll nun den gröfseren und besseren Teil ihre* 
Hauses an den Fnedländi sehen Offizier ablreten. Sie bezeigt 
wenig Lust, obwohl ihr die Kommiäsare 5 Gulden wöehent- 
liolie Entschädigung iu Aussicht stellen, Sie ISuft sum 
Vormund ihrer Kinder, Martin Frobenius auf der BarfiirBer 
StraTso, der wie Magister und Physikus Frnben zu den an- 
gesehensten Burgern und Rulspersonen der Stadt zählt. Sie 
bittet ihn weinenden Auges, all seinen Einflufs gelUind »\x 
machen, dafs dio Belastung von ihr genommen werde. 

Derselbe wiederholt ihr auf das bestimmteste, dafs der 
Obristlieurenant keinen andern Ortes als in ihrem Uaute 
wolle quartiert sein. Sie miisee ihn einnehmen, werde aber 
jeden Schaden erstattet bekommen. Auf ihre Klagen, dafi 
sie gar mancheo Pfennig aus ihren Stallungen entnommen, 
erklärt Martin Froben, dafs er selbst sich keinen Augenblick 
bedenken würde, seinen eignen Gasthof für cnns derartige 
Bntaohüdigung an die Offiziere zu libeTlassen. Könne man 
doch zu Arnstadt für 40 Gulden jährlich das ttattlioliat» 
Haus au mieten bekommen. 

Dft eilt Frau Bürgermeisterin, die sich noch immer] 



Arnttftdt in den Zeitoii des drelTiiKJüIirigaii Kriagaa, 



403 



iiidit in ilu- Schicksal üuden kana, but Fmu „Drommeterin", 
Frau „Drommeterin" aber zu Frauleiu Auuoleiii von Suhwarz- 
burg, Träuleiii Aiiualeiu zu Ihre Gnuden, dem UraHioheu Uorru 
Bruder — aber „es köime nicht sein" lautet die uieder- 
beugende Aulwort. 

Auch rücken ihr euhoa Kantlwerkfleute allerlei Art iu 
das HauB, alles nach tieBubmack und Willen des Uerrii Obnit- 
lieuteuaut eiunurichleu, 

Kb -war am Tage St. Thema 1627, daTe Kobert BorniTal 
seinen Einzug in Arustiidt hielt, nachdem ihm die Baviern 
uooli zum Oedachtnis eine Kette von 5 Pfd. UDgarieoben 
Goldes haben verehren mtläaeo — (D. Chr.). 

Alsbald aber, hören wir aus frau tlürgermetaterjii spü- 
lt*reu Klagsohriften, bat lich ein aolohes SohUgeu und Yer> 
wüsten und Tumultuieren angehoben, dals ihr das Herz weh 
getbau. Als aber sogar zum öftern Feuer aufgeht, schickt 
sie Nauhbar und Nnohbaiin zum KathauB. „Und wenn ihr 
das ganze Uaua in Asche gelegt würde, sollte oa ihr er- 
blattet werden" lautet der Burgermeister Antwort. 

So lUfst sie sich bedeuten und giebt dein Itate tiJauben, 
greift aber tleifsig au Fajiier und Feder und notiert, wns 
die wüde Soldateska ihr in Haus und Uof, in Küuhe und 
Kaller, auf Boden und Dach verdirbt- 

Wie Frau Bürgemioiaterin Kirchheim , bot die gaoKe 
Stadt unter der Einquartierung schwer zu leiden, und die 
Lutea steigen von Woolie xu Woche. Und wehe , wenn 
Konrribution. Stabgold, Tafelgcld nicht reohtüeitig Bur Stelle 
«ind ! Auch ist uoeh für riiokstaudige Steuer in bedeu- 
tendi^r Höhe aufzukommen. 

l>a will man einen grofseii Vurrut von Üetreide von der 
Bürgerschaft zusainmeQBObiefseu und aufsp ei ehern, um ce im 
Fall üurserster Not alsbald in üeld umxuBetxen. 

Aber in bcgoDdcreT KatMitüuug wird geltend gemacht, 
daTs ihrer gar vtele kaum das Juhrhrot haben, ja manche 
sogar ihr Getreide noch kaufen müssen, der gröfsle Teil abor 
«boD auB dem Kilei ihrer Ernte die Stauer Kahlt. Magister 



404 



Aritatfiitt i;] (Jeu Zeilen itert ürttiiiigj&bTignn Krft^M, 



Frobeu berürahtet, venn ein gTafecr Vorrnt beisoinmeii, dafi 
ftlabald die wilden Soldaten den Verkauf erzwitigeti. Besser 
BDI es, das Getreide »ei &a vieLeu Orten, ala an einem. 

Aber da die beschuiTuDg gröCeerti Geldmittel ein unab* 
weiebareg Bedürfnis ist, so erbietet sich, der Graf, die zu 
Angeledt aufgelagerten Flörshöiser dem Litnde zu überlssseo. 
Soviel man davon nur immer verkaufen könne, solle nach 
Erfurt gefahren und der ErlOs nnch Abzug des Fulirlotm« 
zum Besten der armen Unterthanen verwendet werden. Da 
die Anapünner auf die Klufter zwei Reicln^thaler varlaogeo, 
BD viel gehe Echon auf die Gehrung, so wird der Ertrug dicht 
eben grof^ gewesen sein. 

Im Feber 1G2S macht sich die Aufnahme einer Aul 
immer dringlicher. Aber die Zeiten eind nicht dasu angelbui„4 
irgendwo auf Kredit und Glauben Geld zu erborgen. 

Da erbiettt eicli Graf Günther, obwohl von seinem Tiif«l-J 
geaohirr nooh nichts eingelöst und in der schweren Zeit aeini 
eigenen SinkÜDfle in starker Abnahme sind, der Stadt und' 
Landschaft durch Einsetzung seiner Jahreswolle au* loincn 
Schäfereien zu Kheinafeld, Käfemburg, Niedt^rwilliiigea, | 
Thelfbra und Arnstadt lu einer Gel deufn ahme behilflich zu 
sein. Dies Anerbieten wird von der Sladt mit Dank an- 
genommen. Uan wolle mit Leib und Gut es zu vergelten 
etelE willig sein. Nur wolle man in dieser Suche nichts 
wieder mit den Dörfern zu thuu haben. Nooh weniger dürfe 
es wieder uu Gemenge mit den Edellcuten werden. Abetl 
das Geld zu beschaffeu, blieb trotz des so dankenswerten] 
Entgegenkommens des stets hilfsbereiten Graten mit grofeeal 
Schwierigkeiten verbunden. Noch war mau im Tor&Uhling 
die Wollschur aber konnte vor Johannis Enthauptatig kaumi 
statthaben. Tielfaoh laufen in dieser Hache Boten 
ErfoTb 

Der Grofshandler Mohr erbietet sieh zu einem Teil- 
voischufft. Doch mUese ihm Ihre Gnaden selbst gnädigst, 
dnen Kontrmktzeddel , eigenhändig sobskribirt und mit de 
Insiegel veraehen, darüber ausstellen, dufa in reiner Ein- 



AtdsUiII in äea Zeiten d«3 drellirifdilirlgcii Krieges 



405 



Echuriger WoUe, gut gewaschen und ohne Tadel, unil ohne 
Unkosten Beinerseits zur künftigen Wollsohur auf »eine Wage 
ztt Erfurt geliefert werde. 

Endlich aber läfst sich ObristLieuten&tit BornivAl herbei, 
für eeine Bestt'orderung an Stubgeldern und für Abführung 
einer £oinpEi.gnie uns den Dörfern einen Wochsel anzunelimeu. 
Bürgermeister .Schneider, Kaufmann und Faktor der Herreu 
von Oberbeck zu HEnnburg und Naumburg, etellt HenBelben 
auf seine Prinzipale für die Herbstmeate iiua. Freilich mufe 
der Graf selbst für Bückeahluug bärgen und die Wolie dor 
a Sohöfereien einsetzen. Der Bat der Stüdt, die Vier Ton 
der üemeinde müssen Büokbürgschaft leisten. Es enlsteheu 
höchst Terwickelle „Tran^aktiotien", die im Einzelnen zu 
verfolgen zu weit führen würde. Da werden lum grcfsen 
Ersolirecknis der Stadt auch noch Rapitale gekündigt. Der 
SohöBger zu Gehron, Baltliaaar Glafa, verlangt Bäckzahlung 
schoa Tor Jahren dargeliehener tausend Gulden. Solle und 
mügse sich gedulden, lautet die Antwort, er thue beBäer, noch 
eizliche Tausend Torzuschiefeen. 

Die Kontribution mufe währenddem mit immer waoh- 
BOnder StrengL- eingetrieben werden. Wer den Termin tijuht 
einhält, noch bei „Sonni'nachein " seine Schuld berichtigt, 
wird gepfändet, und aelbst der Einwurf, dafa man vou der 
Stadt oder von den Kommissaren zu fordurn , bleibt unbe- 
rücksichtigt. Frau Bürgermeister Kirch beim mufs ihren 
Tachmautel zu Pfände lassen, und als sie nach Wochen den- 
RolbeD lä^t, haben eich die Mauai.- eingefressen. Schon 
worden eipKilue Äckat durch Anschlag am Bathaus zum 
Verkauf ausgeboten. 

Die Vierleute kommen wiederholt vor den Bat der 
Stadt mit der Klage, vs gehe nicht länger, müsse ErUfs ein- 
treten, sonst verderbe die Stadt and gehe zu Grunde. Der 
Bürgerachaft sei Hand und rgfs gehemmt, dafs sie nichts 
haudeln noch wandeln könne, und wegen Unsicherheit der 
Slrafeen komme kein Bauer zu Markt uod Stadt. 

Und doch lief« sich BoTnival für Sicherung der SlraTsen 



406 



Ariistmlt in den Zeilen lii^s drKir><gj!lliri||*ii Krit|[M. 



lelbit TOD jegliubem Karren dei bnniHi Volks 8 Groschen 
(Jeloitägeld zahlen. Wer es weigerte oder aeiii ConToi za- 
riicküu weisen wo^te, dem wurde Karren und l'ferd genommen. 
i>ie Wageu uaeh Erfurt mufeten 12 OroecheD zahlen und 
ebeiiBO wieder hernus. Uei Weiacher muI'sU' sich PulsKeddel 
lÖBen und der Ful'agäiiger (i Pfennig am Tbara Kulileu. Denn 
Kobertiis liornival bratiohte viel Oeld und fügte 2U dem 
Scbndeu noch äpoit und Hahn. „Itz müneen die Arnitädter 
UM, itn mÜDEen «ie Ueld!' rief er, wenn dis Uiooke duD 
neuen Zubilermin der Krieg sateuur nnküiidotQ, Die Tier 
Ton der üemeinde baten um ÄbMelluug der Ulocke; zeigo 
siüb diis Voik ohnehin üum Aufruhr geneigt. 

Dabei gingen mit der Geldeteuef Naturalliofeningen von 
bedeutender Gröfsu Hand iu Uund. l''ür des Obristlieuieaant 
uiid seiner Offiziere Pferde, deren selbst der Frofols eine 
Anzahl batte, wurden 30 Mef» HaftT Woche für WoL'hu be- 
ansprucht oder iu KangeLung des^ellieo liluteobddignag in 
Biirgeld. Da der Rufer bei iotster Ernte gÜuKlich mii'sratea, 
kommt die Stadt mit 100 Mufs in Kückatand, obwolil es die 
„UaferkommiBsars" an eindriugliohBter Mahnuug uiobt fehlen 
li«raeD. Vnd auhou erfolgte die Drohuog, dafs die Soldaten, 
vie es auf dem Laude gesohelien. mit eines Jeglioben grobsr 
Oe&br die Reste selbst einbringen würden. 

Da finder sieh selbst zum Oslerfeüt der Kai mit don 
Vierleuteu zu einer SiUung zitaaumen. Ka Uuioml die eiti- 
dringliohe Uabnung aus gräflicher Kanzlei zur Yerlesung. 
alsbald den Ausprüohon der 8oIduteska, und sei ns duroh 
lliirifablung, zu genügen. Auuh beanspruche der Obrist- 
li«Uteogint, wie ibm ja zugesa»;! , ein eilberuee Uiefsbeoken. 

Die Bürgerschaft wird durch die Glocke Eiim Kathaus 
gefordert und ihr auf doni Tani^boileii die Mitleihiug g».^ 
taeoht. Sie seigt sich höchst unmutig und aufgeregt, doob 
am meislen. dafs ihrem Bedränger auch noch eiu SÜberbeoken' 
dargebraubi werden aoil- 

Die DürKenneislor bedeuten die Versammlung, data si« 
die Suebe nioht erdacht und der Uefehl vom Schiosss komme 



AinstKitt in Um ZeiMB des drelfid^llhrigto Krt*gM. 



407 



^H iJunit d«r Stadt tcein ÜDglück ^«Boheh«, wie «e die Bauen- 
f «oh»ft, welche es auch nicht gegloubt, hab* «<rfahren mttsMD. 

Der Bat gelangt OEioh längerer Debatte zu dem fiesohlufs, 
«inen Vergleich mit BoniiTttl anüUBtraben und vor allem eine 
Abfertigung au Oberet Merode zu maoben. Der Syndikas 
Förster erbietet sich selbst, di« Dol^chaft zu übernehmeD, 
doch d&T« ihm Ede Heute mitgegebeu würden. Mau habe 
mehr getban, als man könnte. Die Grafen wär«in Viergrafen 
des Heichs, aber wollte man proportieuabiliter gegen andre 
Fürsten und Herren es abmessen, so sei die Grafschaft 
Sohwarzburg allzu hoch belegt, und beaehwcrt Dm» OieT»- 
beoken solle geben, wer es versprochen. 

Auüh der Sauzier Oüttioh, der aioh von Saiten derr 
gräflichen Kegierung eingefunden, ist fUr Abfertigung au den 
tcommandierenden Obrist Merode, doch mit Wissen desObrist- 
lieutenants. Vielleicht könne man gleichzeitig in Erfurt Ueld 
auftreiben. Er seibat könne nicht biniibei', da die Kroaten, 
die ihm aufsässig, nbcrall streiften. Wa» das Oiefsbackfln 
anlange , to thue der Graf der B ärger sohatt kund, wenn or 
eins hiitte, wolle er es ihm geben, und wenn es tuusond 
Beichsthaler werte. 

Das nUchste Bedürlnis besohlieret man durob eine Auf- 
lage auf die 39 Weizen bierhrau er zu deckeo. 

Am 19. April macht Dr. Färeter dem rersammelton 
Bäte Mitteilung über das Ergebnis seiner Reise. Der Übrixt- 
lieutenant nei selbst mit geritten znr GeTBtt«r«oba(t bei Gr&f 
Merode. (Derselbe aber hatte nur ein ..Frauenzimmer", keine 
rechtmäfaige Gattin.) Auch Junker Enzenberg sei mitge- 
ritten. Sein Empfang beim Grafen sei nicht gnädig geweeea, 
da derselbe rieh alsbald beschwert, dafg seinen Leuten nieht 
gesohehen, was ihnen gebühre. Man müsse und aoUe sie 
kontentieren. 

Der Deputation Einwenden, die Soldaten seien in Stadt 
und Land respektiert worden, dafs sie in Walirheil nicht« 
SU klagen, habe der Graf nicht gelleo laesen und sich gegen 
Ihre Bitte um Erleichterung anfange ganz abweteend ver- 

XIV. 37 



408 



AriMUdl In itn ZotUa dai drdblKllthrlgai ErUg«». 



halten. 8oldat«D wSren und mtUeten t«ia uod kOnnUa niol>t 
abgeschafft Verden. Den Amstndtern iD«baM)Ddere ihr Je 
leichter zu machen, habe er keine Uriuche. Uätt«n docbl 
dieselben gar soliimpllioh von ihm gesprouhen und tioh auf 
d«n Gasaen erzählt. Kaiserliche Majestät habe ihm dan Kopf 
■bgesuhlagen. 

Zuletzt habe er sich aber denn doch dahin erklärt, «r 
volle sich für seine Person mit «icborem Wechsel begnttgeo, 
und ebenso der ObriBtlieutennnt. Sie Ot'liziere aber mUfstea 
Bargeld haben, sonst drohe der Stadt die grofee Oefahr, daTs 
sie es selbst einbringen würden. 

Der Graf volle noch vor Aufbruch Abrechnung halt«!), 
was ihm gebühre. Er sei wegfartig nach Hersberg geweien, 
denn der Wallen stein er volle naub Holstein. 

Die Beratungen über Kontentierimg des Obriden , dm 
ObristlieutenEints und seiner Offiziere nehmen nooh mahrere 
Wochen in Anspruch. Wurde der endlose Krieg mehr und 
mehr zu einem Kriege aller gegen alle , so trug er auch 
Hader und Streit, wer die Lasten zu tragen, in die fnodUcll- 
sten Lande. Mllt die Stadt Arnstadt öfters in Ewei Heer^ 
lager, regierender Kat und Bürgerschaft, so liegt sie wie- 
derum in geschlossener Phalanx mit den Dorfschaften im 
Kampf, und Stadt und Dorf mit der Ritterschaft. Und wie- 
derum tritt Stadt und Amt Arnstadt in einen feindlichen 
Gegensatz xa dem lleichslehnsamt Gehren , das sich als sol- 
ches so mancher Leistung zu entsiehen sucht. Wird abflr 
die Oesamtgrufschaft Sondersh. Linie in Eontribution gelegt ' 
«o sehen wir gevifs Ober- und Unterherrscbaft über Ynsl 
tulung der Kriegslast im Zviespalt, Die Mulschi er ungen derj 
gräflichen Brüder erschwerten dasu die Berechnung im hohea 
Orado. 

Doch bilden siuh unter den vielfachen Heimsuchungen 
geviue Normen der Kriegs -Steuerverteilung heraus. Wird 
die getarnte Oberhertsohaft belegt, so hut ein DritteÜ Stadt 
Arnstadt, ein eveitos Amt Arnstadt und das letzte dos Amfej 
QehrtiD EU tragen. Troffen die Kriegslaston die ganze Orof- 



Arnstadt in den Ztittu des dreiTiigiiilulgiin Krieg». 



400 



ech&ft, so haben Stadt und Amt Arnstadt und Gehren drei 
Zehntel zu tragtu, die Amter und StädUi iler Unter berraohaft 
sieben. Sie Quote der Eitterecbaft kam 211 besunderer JÜc- 
lechnuDg. 

Graf Ke rode war, wie wir !aben , früh aurgebrochvn, 
£r begleitete Walknätein auf dciseu Zügen und ging mit 
ihm nach der fhiohtlosea Belagerung Stralsunds in dessen 
neue UeaitztümeT , wo der FriedlSndc-r zu Oüitrow fiesidonz 
hielt. 

Bobeit SomiTal aber lag mit eeinen Uerodeb rädern 
noch immer, wo er gelegen, und wollte man Infs werden im' 
Kontiibuieren und erklärten Vierleute und Heimburgen, es 
gehe nicht mehr, so that die Drohung des Obriatlicuteiiaat«, 
«r werde weitere 4 Kompagnien heveinflihreu , wunderbar« 
Wirkung — und es ging. 

Yon den Oewoltthätigkoilen der Merodebriider wissen 
Kirchenbücher und Chroniken zu berichten. Der Bücl[«r 
au Eleinbreitenbaoh wird ersohlngen, weil er ein Soldaten- 
biot zu klein gemacht, der Müller lu DiLdtendorf Tor dem 
Erfurter Thoru zu Tode geschossen, oiu Fuhrknecht aus dem 
Bergisoben, welcher mit grolaer Gespanns oh nl't von Leipzig 
her hier dutchgefahreD, Tor seinen rforden ersohosEen, \ne- 
derum ein Bauer uus Rudersleben auf seinem At^ker erschla- 
gen, da er seiu Pferd einem Soldaten verweigert u. b. w. 
u. 9. w. 

Bobertus BoTnivol Uefs gesohehen. IfuT zwei seiner 
Leute, einen Deutschen und einen Kruvaten (weil sie fahnoa- 
düchtig geworden] liefa et auf dem Uarklu zu Arnstadt 
henken. „Der Mßnoh, der sie geleitet (D. Chr.), hat den 
Lutherischen niobt wollen lassen zum Eravttton in ein Grab 
legen, aber einen papistisuhen Galgen hat er ihm gern zu- 
Tor gegüDutl" 

BomiTol selbst ging den Seiuen mit üblem Beispiel 
Toran. Den Rittmeister Jobs Korteubacb, der ihm 600 Tlia- 
1er zu leihen sich geweigert und ebenso seine sohSue Dirne 
abgeiwfalageu, fiiud mon mit 5 Süohoti im Ituoken toi in der 

27* 



410 



Arniudt In dm Zclwn du drelUfcilhrlK«!) Krieg«». 



GäMen«n Gans. Bornivtü galt bei Ti«len, bei snderD deaBea 
Schirager, der bald darauf eich imüobtbar macht«, für den 
Mörder. 

BedauernB werter als dor FrcTelniut einer entarteten 
Soldateika ist die HÜtliche Verwilderung, die siob mehr und 
mehr auch der einheimischen Bevölkerung za beraSobtig«» 
dtohte. Gar manohsr juoge Bürger wetteiferte mit d«n 
Uerodebrüdera an Beutelutt und Gewaltsamkeit. 80 ntuTt 
Korporal Müller in Bbetnefeld über Kletwiob und T andere 
Bürger Besohwerde fahren, dafs lie seine Eöchiu bei Augel- 
hau^en günzlioh auegpoHiert tmd nrmlich tind erbärmlich «ua- 
g«raubt , nicht ander« wie öffentliche StraTsenrHuber. Sie 
hsbea ihr Mütze und Sohleier TOro Haupt, die geehrten 8il> 
berlinge und Phüippsthaler vatn Hals und ihren güldenen 
Gürtel TOm Leibe gerissen. Werde ihm aber der Schade 
nicht alsbald ersetzt , so werde er sich an sehn städtischen 
Schafen , die in Bheinefeld zur Weide gehen , bezahlt zu 
machen wissen. DaTs dieser oder jener Bürger wegelagere, 
ist in diesen Zeiten gar keine seltene Beschuldigung mehr, 
tmd schon 1626 hat ein Bürgerssohn an der Beraubung eines 
FriedlSndischen Ol'fiziers „hinter Flaue im Walde" seinen 
Anteil gehabt , ist aber von der Verwandtschaft durch eine 
Summe Geldes losgekauft worden. 

Selbst die Musketiere dee Ausschusses, welche als Schuts- 
waohe Kauf mann sgüter geleiten, können der Versuchung, 
leichte Beute Ku machen , nicht immer widerstehen. DaTs 
sich diese Baubsuoht mit Vorliebe gegen die Räuber selbst, 
die Bürger und Bauer um das Seine bringen, gegen die gie- 
rigen Merodebriidei und die fingerfertigen Kroaten wandte, 
kann nicht wunder nehmen. 

Acht Bürger, die um diese Zeit einige Eauänanng wagen 
auf der Nürnberger Strafse nach Ümeiiau geleiten, stofaen 
in der Martinröder Haide auf zwei „Kravatcn" mit einem 
jungen NS'eibe. Alsbald fallen sie über dieselben htr und 
nehmen ihnen Pferde, Pistolen, Silbergürtel, Bargeld und 
all daa Ihre. Im Güldenen Hirsch eu Ilmenau erheben ais 



^f 6 Be 



Arnstadt in d«ii Zeit«n de« drcilUfulhrlgen BrlegM. 411 



6 Beichatbaler für Convoi. Da l&Tst der Ämtm&nn, b«! dem 
Elftge eingelaufen, sie fordern, ün aber eind „in contioenü 
■poruBtreichs auBgeriBsen". Bald werden sie in Arastadt ge- 
nötigt, ihren Raub aufe Ralhnus tkustsulivfern. Daa Weiten 
entzieht sich unser er Keuotoia. 

Einem lim eo au er Fuhrmano nird sein OetxeidL- über 
KauLt auf dem Markte zu Arnstadt Tom Wagen geetotileD. 
Ein armer Bauer 2u Dosdorf muls firiih am Morgen, als «r 
Heine EUhe eu füttera kommt, seintn Stall loor sohen. Die 
Spuren fuhren naoh Wölfis, töu da duruks Thal nach Arn- 
stadt. Dort sind sie bei nachtlicher Weile durchs SÜitt- 
leio gelassen. Handwerksknecht und Junge des Fleischbnuers 
Saohse haben sie — das hat der Bauer zu erkunden gewulÄt 
— bei ihrem Meister eingetrieben. Derselbe erklärt, der- 
gleichen gehe auf der Knechte eigne Hand. 

Da Gefahr im Verzug, so wendet sich der Bauer iu 
rascher Eingabe an den Grafen, dals Seine Gnaden alsbald. 
„Inquisition" anzustellen und Meister und KneuUto in Ketten 
Bu legen geruhen möge, bis die Wahrheit eu Tage. 

Nicht selten mufs der Soldat hurhalten, um eignes Dieba- 
gelhst« zu bosohönigcn. Brei „Gra«ero£dchen", die im Gar- 
ten des Kanzlers übel gehaust, sind ntir aua Schrecken vor 
plötzlich heransprengenden Beitem über den Zaun gesprun- 
gen. Schneider Schmid , den der Sommerechtltze mit einem 
Bündel Weinfeohsen unter dem Arme antrifl't, ist MvdÜoh 
auf der Höbe der Altenburg dahingegangen , um Sobneoken 
zu suchen. Da retttn ihm drei reieige Soldaten entgegen, 
denen auszuweichen er hinab in die Weinberge gleitet. 
Dort aind die Feohaen ihm in die Hand gekommen, — Atto]i 
tia^n die Soldaten die alleinige Schuld, Jafs der Spielmann 
wider Terbot in der Güldenen üaus aufgespielt. Er verklagt 
den Wirt, der ihm die Geige am Kopfe zeriohlagen, wobei 
sein Traukgeld sieb über den Boden zerstreut. 

„Diebe vollauf", schreibt Pfarrer Schmidt in seiner Kir- 
chenchronik, „denn sie sind dies Jahr gut geratlien !" Bin* 
Botte Beiter ist iu sein Pfisndorf gebrochen und haben auf 



4 



412 



Anii>Uc!( in den Zeiten ilas dtesrsigjülirig*!) Krlcgta. 



dw HSfoD ftua Tisclt und Bank lustige Fauenlian gemacht, 
bi» man ilinea gegobeo, was «iu begehrt. Ja, Diebe toII- 
Buf! 

Doob auch auf andeni Gebieten des üttliohcn Lebens 
Btofien wir auf bedenkliclio ADSeidien. Frauen und Uäd- 
eben werfen sich am Bniiinen und bod»! ihre Liebecbaften 
mit Soldaten ror. Dooli auch von Gewalt und Nöttgon; 
wird berichtet. 

Bomival'B Heorpsuker dringt noch um Mitternacht in 
der Dierwirtiü Haue , dafs die Frauen durch den Ü&rton 
flÜcbtoD miieson. Ein Töpfermeister, der aucb ein Haus vor 
dum Kiolthor benilzt, klagt, dem Bat sein tiefes Leid. Rol- 
dateu sind eingedrungen und baboii cioh, während er abwe- 
send im Handwerk, seiner Tochter bemächtigt, i^^ar haben 
ihm Wachtmeister und Feldwebel zu seinem Kinde Torhelfea 
wellen, doch sind die Soldaten mit ihrem Eaube schon von 
diinnen gewesen. Der unglückliche Vater ist ihnen DBoh- 
geeilnt; doch sein Flehen und Bitten unerhört geblieben. 
Die Soldaten habon seine Tochter an ihre Kameraden in 
Etponfold vorkauft und der Vator ihr nur zuraunen kön- 
nen, »olk' sehen, data sie in der Nacht sich davon mach«. 
Dill «ei ihr guglüokt, aber sie sei doch für immer zu 
achandeo. Der Uaullierlreiber des Obrietlieutonants habe 
«ich erboten, sie zu freien. Er, der Vnler, -wiiBe nicht, 
wohin mit ihr, und wolle Eie ihm geben, obwohl er anderen 
Glaubens. 

Ein Bürger, erzählte man «ich in der Stadt, der mit 
den Soldaten zu fressen und zu saufen pflegto , habe seine 
Uagd, der er viel Lohn schuldig, unter die Soldaten gebracht. 

tn den Kirchbuchern stehet zu lesen, doTs so mEinohes 
MSdohen mit den Soldaten fortgezogen, aber nicht so, dafa 
sie wiedergekommeo. Verspätete Trauungen und solche, wo 
das Brautpanr von Oeharni seilten mit Spiefseo und Stangen 
zum Altar geftifart, werden häufiger. Auch Vertöhnistc lösen 
(ich , obwohl aie vor Zeugen geschlossen und die Vortraute 
Uahhohnte und Sdiaube genommen. Beim griiüichen Kon- 



; 



ArusladI m dep Zeiten des drcirgigjlihrigeii KripEt«. 413 

eistoiium zu ÄrnBtadt klagt ein jnnger OeHall vom WaMo 
auf Freigabe vom Ehe verep rechen, weil seine Braul im ßiiU- 
nen SuhwBo KU Ilmenau mit einem BeitersmaDn einen Trunk 
gethao. Doraelbö hat seinen Goldring vom Finger gestreift 
und in die Kande! geworfen. Dnnn hnt er ihn mit dem 
Weine in ein Glas gegossen und aus dem Ülasa mit ihr ge- 
trunken. Ja, alle Anwesende haben eine Gesundheit ringe 
herum über den Tisch getrunken. Kach diesem hat der 
Keiter^manti seinen Hut genommen und ihr auf das Hnupt 
gedruckt mit dem Bufe: Nun seid ihr keine Eüoerin mehr, 
sondern ein Soldatenweib ' Sie ubor hat gerufen : Frage 
nichta dansoh; denn was im Dorf zu holen, d&s ist gering! 
Das KonBiBiorium sah sich aber , da der Reiter sich nur 
ein frevlen Scherz erlaubt und bald davongeritten , nicht 
bewogen, dem Antrag auf LütuDg dos Yerläbnisses nachzu- 
geben. 

Die Zuohllosigkoit der Mcrodebruder bleibt ungerügt. 
Der Mönch, den Bornival mit sith geführt , hat den Pfarrer 
KU Dorohetm mit Weib und Kind einmal aus der F&rre 
getrieben und ihm die Kanzel geBperrt, da der Schulmoistor' 
ptafTo die Wege zum Himmel nicht wisse, aber das Laster- 
leben der Suldntcn straft er nicht. Btthnit er sich ja selbst 
ganz öffentlich, er wisse ein Kunststüuk, dafs alle Weiber 
seines Willens pflegen müfsten. Pfarrer Thomas Schmidt 
weife aber Pfarrhaus und Kanzel bald wieder zu eroliera, 
„Ein Dieb gehört aci den Galgen , täa Mönch — ins £lo- 
■ter", fiohreibt er in seiner Chronik. 

Dem Friedländer selbst lag nichts so fern als deu end- 
losen Kampf EU einem Beligionekrieg su maohen. Seine 
Obrieten. Offiziere, Soldaten waren zum grofsen Teil Prote- 
stanten, und seine Verordnung au* Uneho (6. Sept. 28) ent- 
fallt die bemerkenswerte Bestimmting ■ „An Kirchen, Schulen, 
Hospitali-n und geistliehen Personen soll doh keiner vergrei- 
fen oder mit Einquartierung und Schätzung besohwereo, 
Kuoh keineu !n seinem Gottesdienst Terhiodern bei Leib- 
nnd Lebensstrafe". 



414 



Amstadt iu d«n Zeiten dM drsUVieJUii'lg«« Erltg««, 



8toaf(en aber der ObriatlieutGuant und sein U^ooli die 
ZuüliÜoaiglcoit der Soldaten nickt, eo Ihut es Diftkonu« Lappe 
mit di-rselben Unursulirockeiihcit , mit 'weioher wir ihn an 
das La^r der Festkiauken tieten Bähen. Ebeaeowenis läTit 
eich SuperintendeDt Schuohelius Bchreckeu, auch nicht, als 
Robert iJornival mit 5 Militärs am Sonntag Caotate in seine 
Wohnung trat und ihn aufa auüteiate bedrohte. »Nur drei 
Jahre", tief der Kriegamana, „und alles weit und breit !it 
wieder gut kathoÜEoh !'' 

DoTb mit der Dnzuotit die Völlerei Hund in Hand ging, 
kaiiD nicht wunder aehmca. Fäegeu do&L die Laster bei 
einander su wohnen. EsEeii wurde zu Fressen, und Trinken. 
£U Sauten, und Stadt und Land muTste sieh aufa eifrigste 
bemühen, die Soldatecka bei Oute zu erhalten und ihren 
Ansprüchen zu gt^nügen. Sie Bürgerschaft sah sich noch im, 
Juli genötigt, in Krfurt einen Weinkaui' im Grofsen zu macheu. 
Sie ersteht den guten Jahrgang 1624 mit H Thaler den 
Eimer, den geringeren des Jahres 1626 zu 10. Uatzahlung 
kann sie nicht leisten und mufa froh sein, gegen (j«aaut- 
bürgsobaft der Stadt ihre Schuld in ein suchfiprozentigea 
Darlehen umgewandelt zu sehen. Doch auch die Yorrüt« 
an Stadt- und Weizenbier neigen sich trühzeitig xu Kade, 
und die Wagen gehen, vom horrsohaitlichen Trompeter ge> 
leitet, nach Naumburg, damit wenigstens fdr die Ol'äzieid 
ein Labetnink zur Hand sei. 

So ist der Sommer herbeigekommen und uooh immer 
liegen die Merodebrüder fest in ihren Quartieren. 

Da verlaogt auch der Oberlieutenant, der mit einer 
Kompagni« in den Däifem liegt, Einlafs und Quartier in der 
Stadt. 

Ororsa Erregung 1 In der Batsaitzung hören wir Stimmen ; 
„Eine nene Bute will man uns auf den Nucken binden 1" 
„Je mehr gewilligt, je mehr gefordert I" „Er muÜB bleiben, 
wo er Jat I" 

Doch die Gefahr drängt näher. Am 19. Juni ist die 
gAui» Bürgerschaft aufs Bathaus boschieden. Aber nur we- 



t 



ArimUdl in den Zeiten dos itteiftigjührigsii Kricgot. 4X5 



iiige finden sich eia. „Ständen ihrtT viele auf dem Markte", 
erklären sie munisoh. 

Der SladtBclireiber Quirinus Uersliog. poeta laureatus 
und Sänger des Weiiseobierhymni», redet von der Katalreppo 
Sa den unten Stehenden: „Meine ehrbaren Mitbürger, ihr 
seid von Haus 2u Haus erfordert norden, dal's ihr auf dem 
Bathuus ersuheiuen sollt! Seid ihr nun bis eum Uarkte 
kommen, so l&fst euch, meine Herrn, ennnhueD, ToUenilit 
her&ut'iiusteigen. Wer nicht taag, soll «einen Kamen gebeu 
oder Bteheo bleiben, dafs sein Name geschrieben werdv!" 

Einige rut'vn, sie wären gur nicht, wii- e« sich xieme, 
von Haua zu Haus gefordert worden. Die meisten bleiben 
weder stehen, noch kummeu sie, aooh lassen sie ihren Namen 
eobreiben. 

Es geht ein Geist der Uniuhe durch di« Biirgeraohaft, 
der die Lege nicht bessert, doch aber bogreiüich ist. Der 
Graf, der alles gethan, das Los seiner dutertbanen zu er- 
leichtern, und selbst schon die Wolle des folgenden Jahres 
Kum Unterpfand für neue Geldsufnalime eingesetzt, sieht 
sich zu den ernstesten Änmahnungeu genötigt, „damit die 
Stadt Tor gänzlichem Kuin bewahrt bleibe". Auch sind 
wieder neue Beste aufgelaufen , und die Soldaten in Stadt 
und Land drohen „die unerträgUohsten Uittel in die Uand 
zu uehmen". 

„So befehl ioh, diifs ihr (Kommisstire) unter Adel. Bfirger- 
und Oorfeuhaft di« 15. Steuer erbebt und mit den Bettnoten 
ohne Ansehung der Perfcon, Freund- und Feindschaft, Eohlan); 
und gleich hindurubgeht!" 

In einer Zusuhrift an die Bürgenneister giebt er ihnen 
Versicherung, wie er die Unterthauen der Presturen zu ent- 
ledigen atles getban, un Kaiserliche Majestät, an Kur- und 
andre Fürsten, an den Generatissimum Jen Herzog von Fi'ied- 
land, an Graf Kolalto viel koatbare Abfertigungen gemacht, 
damit das KriegsTolk aus der erschöpften Grafsuhaft abgeführt 
werd«, h«be abor tiotx angewandten Fleifaes und instündigen 
Suchens und Bittens nichts erreichen können, Von den 



1 



41ß 



Arndiull In d«n Ztitta dot dr«!ri1s)iihrl|K>i Kri«gM. 



Kriegaobrist«» habe et selbst viel Ungemach und bedrohliobe 
Kodeu orfabr^D mtiaBOD. 

Doch gelingt «s seiner FÜMorge, wenigsfenB dio «ngo- 
drohte Einquartierung des Oberlit-utenatit« und seiner Kom- 
pagnie von der Stadt abeuwouden. CeEsen Vorgeben, dafs 
er in der Stadt die Truppen besser in 2uoht holten IcSnne 
als auf dem Laude, lüfst Pfarrer Sohmidt nicht gelten. Viel- 
mehr habe er eine Mätresse Bornival'« Kur Freu genommen, 
eei eben doshulb Obertieuteuaut geworden, habe aie aber 
iiooh immer dem iJorniTul ditrleiheu müssen. Dafs eie bald 
hin- und herkommea känneo, b:ibo er sein Quartier schon 
in nächste Nahe Arnstadts verlegt, dafür aber Macht gehabt 
BU thun, was er gewollt, und die Bauern nach eignem Wohl- 
gefallen zu pressen. 

Wir sehen, wie die Einlagerung der MeredebrUder tär 
den Sitlenstand der BeTölkeruiig selbst im höchBten Gmde 
bedrohlich war. Es war hohe Zeit, daTs sie sa Ende li«t 
I>och bevor der heifs ersehnte Tag der Erlösung ftnbroch, 
Goltte die Bürgers ohat'C noch einmal bis dicht an deu Kaud 
des Verdorhcns gi-fdhrt werden. 

tiegen 5 Uhr en einem Sommerabend ritten 7 Boiter, die 
„weidlich gezecht", die Spiolleute voran, durch das Kiottbor. 
Schon in der Badcrga«se rannten sie hier und da auf die 
Leute, dafs diese in die Hüueer Üilchtoten. Aber drmufsen 
vor der Slodt ritten sie im Getreide nuf und nieder und 
tummelten sich nach UerEeuslust. Sie jagten den Orae»- 
mSdchon nach, schössen auf die ackernden Luute und die 
Bürger, die im Flufibctt der abgelaaseucn Gera arbeileton 
und jetst mit lautem Unmut diesem Unwesen üusahen. Dann 
ward es still, die Ruitcr versuhwandeii zwischen den Züunon 
nach Danobeim. Von neuem gingen alle an ihre Arbeit. 

AU ue sich dessen am wenigsten Tersaben, braobon dia , 
Itoiter, die hinter Bium und Busoh ihre Pistolen und „Bao-' 
dolierrohro" wieder fortig goraacht, von nouom hervor, vor- 
derbtCfn mutwillig das reife (Jctreide, schimpften die Itürgor 
Schelme und Diobe, sprengten dann mit Hieb und Sohufi 



Arnstndt in den 2«itBD dwi drtfl^lKJIhrigBn Krieges. 417 

auf sie ein, 6rSn|teii einiselne nach den Weinbergon hin, und 
hier wh es, vo ein Iteiter in roten BoeoD von seioem 
Sohimmc! herab den Bürger Georgen Künig zn Tode «ohofs. 

Btk braoben voll Ingrimm die Arbeiter aus den Wein- 
bergen, die Bürger vom Wasser her und andre, die mit 
Wehr und Waffe aus der Stadt herbeigelaufen, auf die wilden 
Reiter ein, die vor der Übermacht nach Angelhausen onl- 
Tncben. Hier aber wurden sie in des Waehtraeiiters Hauie 
überfallen, nach Notdurft gar übet traktiert und aaBri})oliiertT 
dafs sie kaum das Leben bebielteo uud einer von ihnen auch 
alsbald tot auf dem Platze blieb. 

Ein andres zeiget, ehe sie geechehn, ein andres Antlitz 
die vollbrachte That. Ein gewaltiger Schrecken ging durch 
die Bürgerschaft. Wie an einem Haar schwebt» da« Ver- 
derben über aller Haupte. Doch Bürgormnisler Proben 
verlor den Eopf nicht, nooh weniger der KauBler Güttiob. 
Basoh werden die Beteiligten eur Haft gebracht und in 
Demniii! und Thürme gelejrt- 

Selbst der Waohtmeisler wird in Gewahrssm gethan 
tind seiner Haft nur entledigt, als er Haut und Hof, Unb 
und Out dafür einsetzt, dafs er weder weichen noch wenlccn 
-weide, aondero jederüoil sich stellen, des Aussohlngs erwarten 
und, naa ihm zuerkannt, erdulden wolle. 

Die Recbuungea berichten von BotuneRtsendungen nach 
allen Richtungen bin, von Abfertigun;;eii der Räte au den 
kaiaerliohen Kommisear Vitztum zu Erfurt, an Uerode, an 
Eolalto, der in Schweinfurt eingetroffen war, das Eontmando 
in Thüringen bu übernehtoen. 

Es gelingt, drohendes Unheil zu beschwören. Btatt mit 
Brand und Blut, will man sich mit Geldbufse der Schuldigen 
xuMfden geben. Da die Rädelcimführer arme Schlucker 
sind, wird nach längerem Feilschen ihre BuTso auf hundert 
Dukaten abgemiudL-rt. Du ei nicht an Fürbitte fehlt, wTden 
*ie selbst schon vor voller Abzahlung auf Bürgschaft los- 
gegeben. Als aber die Rl-bi Zahlung, wie auch bei der Eriega- 
■teuer, nochmals ins Stock-^ gerat, kommt ein drohendes 



Schiciben Gnf Mende's, iais die Sache alstMild zum Xat- 
(rag kommen müs*«. Sonst werOe er «ich oaoli ScbveioAut 
b>'geb«u, die Eiekution g«^a die Stadt aur Auafufaroitg 
bringen -uad «ich gutz wohl bex^hlt maobeii. Da stockte «o 
nicht länger mit der Zahlung. 

Der lengersähnte Tag dir Erlösung aus dem faroht- 
bnren Druck der Binquartieniug kAm endlioh. Bobortu* 
BoTuiTal mit seinem Stabe, auch die auf dem I,aDde eb- 
quartierten Volker bmchen bu£ Der Obristlieutenant tnt, 
ein Sicdermuin bettun GewiMens, an die Bat« dor Stadt 
uiid die Bürgerschaft heran und fordtrie jedweden auf, dca tr 
selbit oder eiuer der Seioigeo irgendwie geschädigt, w alt- 
bald, weil er nooh anweiend, kund lu thun. 

Tiefes Sohweigeu ! Doch schrieben die Eammisaare, riet* 
leicht noch am selbigen Tage, auf das Titelblatt der geiral- 
tigen Abrechnung noch den kleinen Zusatz: „und wma dir 
Obrntlieutenant über seine Ordinurigebübr mit Gewalt extOT^ 
quiret und eriirtsset !" Daf» in der Heohnung Posten wie 
die folgenden nicht ft'hlen durften, ist selbatTeretilndlifili. 
„'ib2 Bthlr. vor 16 Muk Silber an einetn grofsen Qiefsbocken 
und einer Oiefakandel und einem grofseQ überguldetea Becher 
dem Herrn Obristüeuttnant verehrt." — „lüO Rtblr, vor ein 
Fferd dem Herrn Obriattieulenant verehrt.'' „36 Rthlr. ein 
Pferd dem Herrn Eapitüalieutenant verehrt." 

BeGOnderer Fleifs njuC^te bei Äufbruuh ivt Uerodebrüder 
angewendet werden, den Oberlieutenaut fortzusohaffen , da 
er an den Folgen teinea Lasterlebens schwer daniederlag. 

Der P/arrherr zu Dombeim, der bei Ankunft Boroiral's 
in seine Chronik eingezeichnet: ,,Wehe, wehe, der Teuf«! 
kommt", sehrieb am Tage seines Abzugs ein: „Herr Oott» 
Dich loben wir". 

Frau Üürgormeister Eirchbeim aber mufete Xi»chler, 
Uaurer, Zimaurmnnn, Glaser, kurz alle Ueweike in ThXdg- 
keit getien, bevor die Guldne Henne wieder zu einem säubern 
Wirtshaus werden konnte. Hit ihrtn YerzcicUiiisseii do» 
Terderbteii Eausiattf wagte sie sich aber erst nuoh Jahrca 



Arastadt In den Zeiten des dreifti^Uirliteu Krletaa. 



419 



hervor. War man «icher, dafs die Merodebriidcr nicht wieder 
bamen.^ Und ne waren rmzbnr und jäh 2uiu Zorn! 

Die furohtb&re Not, in welche dieaelbeu aber die Stadt 
gestürzt, findet in einer Eingabe der EothiBChen Erben nn 
die gräfliche Kanzlei grelle Beleuchtung. Sie Qr&ti. Herren 
lUite, leson wir da, würden sich erinnern, wie sie nuf Ver- 
langen der Bürgerin ei ater selbst, da sieh Streit ewisclien den 
Geachwiatem erhoben, ein wohl vorsohlosBen und versiegolt 
Lädlein auf dem Rathaus deponiert und in der unzweifel- 
haften Hoffnung gestanden, es unversehrt zurTlckEuerhalti?n. 
Zu ihrem Betremden wäre ihnen das Widerspiel kundge- 
worden. Sie wären auf wiederholte Kluge von Ort zu Ort 
gewiesen und mit dunkler Vertröstung hingewiesen worden. 

Es habe das Lädlein unter andern 26 ungarische Du- 
katen , 5 alte Thaler mit flbren , eine lange Schnur Spitü- 
groscheu, 39 Reichsthaler betragend, 37 einzelne Spitz g röschen, 
gekrümmte und ungekrümmte, einen Silberkrug mit gegossenen 
Groschen daran in sich geborgen, dazu 2 Kruzifixe aus Eo- 
riitlen stücken in Silber gefafst, wie ja alles das Dtpoeitenbuch 
aufweisen müsse. 

Die Bürgermeister eTöfifnen den Erben auf Bt'fehl der 
Kanzlei, dafa man in Zeiten höchster Not da» Bepositum 
habe angreifen müssen. Der Graf aelbtt habe seine Erlaubnis 
gegeben, da anoh an andern Orten dergleichen geschehen. 

Es wird ihnen alsdann ein Protokoll vom 2. Feber d. J. 
verlesen , wie man im Brässin eines Notars das Depositum 
geöffnet und zuerst dem Rittmeister La Violelta ku einer 
notwendigen Reise 350 Reiohstholer eingehändigt, alsdann 
dorn Kanzler QSttioh 200 zu seiner Abfertigung nach Schweia- 
furt an Kotalto, Auch dazu hätten im Auftrag Sr, Gnaden 
des Grafen die Rate don Befehl erteilt, da es gegolten, eine 
grofse Landeeuot abzuwenden- 

Die Erben müssen sich an dem Versprechen genügen 
lassen . dal'a ihnen die Kontribution um den Betrng ihres 
Guthabens gekurvt werden solle. Eiirwahr nach damaligem 
Ausdruck geschwinde ZeitJSufile! 



420 ArotUidt Id den Kalltn d«» dniCuifiOaieea tUioge*. 



Doch besBertöu lich im Herbst die Z«it«o, vSr«ii ntir 
nicht um der Steuerreate uud aufgeluufeneit Sdiuldeo halben 
die EoutribulioDi'ii im <jange geblieben. Gruf Kolalto ent- 
lastete im Auftrage des Knisere und im Eiurerstandni« mit 
Wslleinteio die Lande diesstits der Elbe um 13000 Heiter. 
Dafür kamen über diu Mark uud Pommern unter Einlagerung 
der Ligatruppeu entsetzliobe Zeiten. 

Schon will der Pfarrer zu Domheim £U Etide des Jalumt 
oiiien friodlichcD Aktenachlufs in seine Chronik Terzeiehnflo, 
Bo fallea nocli am 30. Dezember Kolkische £eiter, 200 Pferde 
«tork, in eeinem Dorfe ein. ein nackend, hungrig, gierig Voll^ 
dem man aus Stadt und Latid Fleisch, Brot, liier die HüUe 
und FlUle zuführen mufs, um sie bei Gute eu «rholten. Das 
Vorratehaua, ,,Aas Kommifs", wird in die Pfarre selbst Ter- 
legt, weil suäere Häuser zu voll sind, und der Pfarrer de« 
Peuers bei Tag uud Naeht am besten wahrnehmen kann. 

Der Dank der IloUdsohen Reiter fiir gute Verpflegung 
war Diebstahl und Uaub uud nooh im Abzüge legoti sie in 
zwei Gehöften Peuer an, weil die liesitztr sich mit Woib 
und Kind, mit Pfurd und Kuh in Sicherheit gebrnoht. Hai 
sohneile Uille konnte dem Verderben wthreu. 

Neujahr 1629 war gekommen und liefa doli ira ganzen 
freundlich an. In Lübeck puklierte der Herzog von Mecklen- 
burg und Admiral der Ostsee mit den feindlichen Müchten, 
und e» schien , als werde der Friedländer Friede in die 
Lander bringen. In die obere Grat'aohaft Schwuriburg Vnnmn 
nur kleine Reitergesoh wader vom kaiserlichen EonvmiB««r ge- 
sandt, rtiokstiindige Eoutributioneu einzufordern. Dto Kettw 
Tergafsen dabei uiobt, aiwh HuIid und Gans und andern 
Beute fleifsig« Umschau zu beilton, ^^m 

Mb ein solch wilder Geeell mit geimoktem Dogen iai^H 
Pfarrhaus zu DornUeim dringt, so greift der Pfarrberr unver- 
zagt XU Wehr und Waffen. „Den habe ich mit moioom 
Uorgenatern gegiufst, dafs er üott gedankt, als er 
vriedor naua kommen!" 

Auch im Fobor finden wir klüne Bettertrupps in dsn 



^^^B ünittaill In tleu Zellen ivi i[ioir>iKJiLTir1pn K>I«go). 431 

r SSrfeni. Eines Kroaten stattlicher Schimmel emgt Hbdm 
Schiller'» aus Flaue Beutelust. Er üburfüllt mit zwei reiaii^en 
Oeselli n den Beiter am Marktweg , der von Wüller«iebea 
oaoli Dornheim (Ührt. Boob der Reiter ist tapl'ur und teio 
Pferd iet Bohaell, und Säbelhiebe unil Pistoloiisohünso \or- 
tnögeii ihn nicht zu Falle Bu bringen. Erst ia Doruiiuiiu 
Bclbst bei des Sobul^^en Haus briogon ihn zwei St^hlUse au» 
nächster Nühe ztim Wanken. Die lUkuber stofHen tllG Tom 
Pferd und eilen mit ihrer Beute von dannnn. 

„Konnten ihn nicht wohl ereoUiefaeu", «rKählt Pfarrer 
Thomas Schmidt als Augenzeuge, „da eeia ganzes Kleid toU 

IThaler genÜLt war, deren einer knimb wie ein Löffel". Der 
Pfarrer hut ihn getröstet und ist er, der lutboriech gewesen 
und nach Arnstadt geritten da zu Icomtnunizioron, nnfs Ver- 
dienst Christi gestorben. Als seine GusoUun gi'kommnn, ihn 
abzuholen, hat er vor dem Dorfe den let^teu 8uu(aer gethau. 
L Am '28. Aug. il. J. ist Hans Schiller nus l'laiie 2u Arnsladl 
f auf dem Markte gerichlut und aufa Kad gulogt, in der Nutht 

aber heiralicb binwoggenommen worden, 
j Die Kinqunrtiorung auf den Dörfern iat buld wieder irn 

\Vaobsen, die Stadt wi^ifB sidi ihrer zu erwehren und miioht 
geltend, dafs Eesidenügtffdte nach kuiscrlioben Ordinanzen 
kein Quartier zu geben Dotig hatten. Aber die Kontribution 
lastet schwer. Auch will der Craf sein Silbergeschirr nuu 
endlich gelöst haben. Doob neue Biitschrif'en bestimmen 
den milden Herrn, der mit «einer tiröÜichen Schwester „dum 
hochgeboren OH Präulein Annelein" ein stiücii Leben führt, 
das in seiner Ansi^ruclislosigkeit zu dem der Kriogsufdüiere 
einen aamutenden Qegensati bildet, immer wieder su Geduld 
und Nachsicht. Von Merodo lüuft auch zu dieser Zeit noch 
wegen einer Restforderung ein drobeodea Mahnschreiben ein. 
Johanne« Merode, den die Amslädter zu früh tot gi-siigt, ist 
noch unter den Lebenden, ja er atebt auf der weulieeluden 
BiUino des KriegatboiiteTs immer in vorderster Keibe. Und 
im Mai 29 finden wir ihu im Bündnerland , WO «r den St. 
Luziensteig in seine Gewalt gebracht, um den kaisArlichon 



422 Arnitkdt in den Zeit«D des drairü^Kbrigen Krieges. 

Völkern den Übergang über die Berge siehe rzuEteUen. Denn 
da der Eüeer nach dem Tode des Herzoge za Mantaa das 
Beoht, die Erbfolge zu beBÜmmen, in Anspruch nahm, so 
erweiterte Bioh — durchaus nicht im Sinne Wallen stein'a — 
der ohnehin gewaltige EriegsBohaaplatz auch über die Atpen 
hinaus. Wallenetein entsendet Eolftlto als Feldherm nach 
Italien, während er selbst lumeist in Deutschland blieb und 
io Olistrow und dann in Halberstadt Besidenz hielt. 

Aach diese Vorgänge spiegeln eich in den AmstSdter 
KoDtributäanBreohnnngen. Wir lesen Ton Eilboten, welche 
Friedländischen Olifizieren, die per posta reisen, bei näobt- 
licher Weile über das Waldgebirge leuchtende Fackeln roran- 
tragen, von kaiserlichen „Eourrierern", denen schnelle Pferde 
„untergelegt" werden mässen, Ton „Fagagiwagen" Tornehmer 
Herren, die über die Berge zu schaffen sind. Diplomaten 
hohen Banges, kaiserliche Kommissare und Eriegsobristeo, 
denen öfters 20 und 30 Uusketiere als CoqtoI beizugeben 
sind, eilen auf der alten Nürnberger Strafse von Nord nach 
Süd, ron Süd nach Nord. Dieselbe wird um so häufiger 
benutzt, als die Politik gebot, den Kurfürsten von Sachsen 
und seine Lande zu schonen. 

Viele der Gestalten ans Schilter's Dramen, welche sich 
auf den Brettern, die die Welt bedeuten, so aohmuck aus- 
nehmen, sehen wir ihren Weg durch Arnstadt nehmen. In 
der gemeinen Wirklichkeit der Dinge, welche die Zahlenreihen 
der Eriegsrechnnngen uns Tor Angen führen, entbehren sie 
aber des romantischen Schimmers. 

Selbst die küserlichen Kommissare , welche Steuererhe- 
bung und Quartierung in deu Beiohskr eisen überwachen 
aollen, um der Klagen ein Ende herbeizuführen, belasten 
Stadt und Land oft auf das empfindlichste. 

Auch Altringer, General-Muster-, Zahlungs- und Quar- 
tierungskommissar, kommt iTuni 29 durch Arnstadt und ver- 
langt alsbald 24 Pferde nach Erfurt. Aber der Graf mrxCa 
selbst die Pferde geben, die Anspänner sind nicht zu finden. 
Andern Tags vor den Bat gefordert, werden sie bedeutet, 



ArDslidt in den Zeiteo des dielTügjHbiigeD Kricgei. 423 

ddfa man ihrethalben oft die gTöfBte UDgälegeotieit habe, 
■weun „Kourrierer" oder Kriegsoffiziere teils zu reileo, teil« 
zu f&hren forIxubriugeQ Beieo. 

Sie woUten's der Stadt gedenkaa , hatten sie sich ver- 
Delimen lassen. Weil Altringer morgen wiederum anhei« 
kommea werde, sollten sie vohl darauf bedacht seia, dof« 
sie sich nicht zu weit mit den Pferden verliefen. 

Die armen AnapLiDuer ! Sie machten wohl selbst oft 
guten Grund su klagen haben. Der eine Latte nicht Futter, 
noch ichts, noch Stroh, noch Heokerliug, uooh Hafer, einem 
zweiten ist sein gut Pferd abgespannt und gegen ein ge- 
ringes vertauscht worden, einem dritten ist tob seioem 
Pferde uührlioh die Haut wieder kommen, und wieder einem 
andern ist das seine in die weite Feme mit fortgeoommon 
worden, dafs 6s bis zum jüngetdn Tag nicht wiederkehren 
wird! 

Nochmals kam Altnnger (S3. August) durch Arnstadt. 
Auf dem Wege nach Erfurt verlor dar eilige Herr sein 
WateScklein von grauem Tuch mit blauen Borten und 
Quasten. 

Des Erfurter Botmeister Tochter dndet es ganz in der 
Morgenfrüli , der Sohosser in Tditershauaen euhickt es zum 
Ainstädter Bathaue, wo es luveatarisiert wird. Werfen auch 
wir einen indiskreten Blick in die Beieebedüräiisaa eines 
kaiserlichen Generals, so finden wir eiueo seidenen Mantel 
darin mit tafieneic Gefutter in eine Tuchtruhe eingewickelt, 
ein schwarz Leinwandhemd, 9 „Schuuptiicher", darunter eine» 
mit Borten und ebenso 9 Paar Handschuh und weifse liuneno 
Strümpfe, eine Kundschaft und eine Zuokersobale und, in 
ein Liuneuhemd eingewickelt, einen grofson Kragen mit 
laugen Spitzen. Altringc-r hatte ein junges Frauchen da- 
heim, das zuvor in Ltni: hatte Nonne werdc-n wollen. 

Der Amstadter Wagenmeisler holt mit di:D Stadtku echten, 
oft ohne zu fragen, die Pferde aus den Stallen der Bürger, 
uiu hoho Herron rasch weiter zu befördern. Sie Steuerein- 
nehmer mufsteu selbst bei Nacht bereit üoin, den mannig« 
XIV. 28 




434 



AruaUdt 1d dan Ztilni <1m <lrEitH|^>liiIg«n ICTiagM. 



i 



£kCbst«D, oft BtüriDtRuhen A.iisprüchL-ii ui ihre Eaise zu gt- 
nttgMl. Oberhaupt ist es ein undankbar Amt, du* sis rer- 
ivalten. Die Vier tou der Gemeiiide klagen gar oft, dai« 
ao viel Unlcosten für Botonläufte, Zehruug, Ausläsung auf- 
gewandt werden. Dann klugen aie wieder, dort so viel U«- 
bilien in des ObrietlieiilennDt Quartier geliefert worden seien, 
mUfsteD den bürgern zurüßker»tatti;t werden. Auch müsse 
der Biergelder besser Acht genommen werden ; bilteo es ab- 
subtellen, dafs Frau Kanzlerin Gerbard ihr Sicr, das »ie xu 
der Toohter Hochzeit gebraut, öffentlich lossohlage. 

Zum öfteren erklären die Tie'geplagt«!! Earoniis«&re, sie 
feien jeden AugcnbliuU zur Iteobenif^baft bereit, möchten 
ihre* Amtes gar gern überbobea sein. Es mocbte eiu böser 
Dienst sein. Ben Schulzen Ton Bheinsfeld findet mut im 
Bergwald erschosBcu. „Er habe sich so viel Feindft beim 
KinbiiDgcn gemacht", erzahlten die Bauern den Bnrgers- 
lenten. 

Auch bekommen die Kommissare wieder und wieder za 
böten , dafs von Jakob Borger in Erfurt Mahnschreiben an 
die Kansclei, ja an den gnädigen Herrn Grafen selbst ein- 
gelaufen sind wegen endlicher Einlösung des SilbtTgeschirr- 
etdes mit der Bedrohung, dafs er alleii ^amt und sonder«, 
wenn er in kürzester Zeit des Torgeschossonen Geldes nicht 
fähig werde, verkaufen und reralienieron wolle. 

Da mnf* wieder «trengcr gegen säumige Schuldner ror- 
gegangen werden, wie wir aus den langen Registern der ab- 
genommenen „Pfiinde" ersehen konneu. Selbst der höchat- 
besteuerte Bürger, Sinold, läfst sich Hämisch und Helm ab- 
pfXndon. Dem beredten Sjrndikus Dr. Förster wird die ge- 
füllte Scheuer „geaperrt". 

Ungern gebt die Stadt daran. Da wird der Stadtsehreiber 
m Hofe befohlen, und der Graf, welcher schon seit Jahrea' 
noch einem nn glücklichen Sturz vem Pferd riel in Bett und : 
Rollttuhl weilen mufs, giebt vom Fensler aus den ge< ' 
metsenea Befehl, Dr. Företer's Ernte and Weinberg xumj 
Anaehlog cu bringen. 



Arnstadt 1d Hat Zoiien du« dieiU^jlChrigcii Krip|:«!t. 425 

Überhaupt mufs äei Gia,t trotz angeborener Mildo der 
vaohsendeD Verwilderung gegcniibor Zuchtmittel und pcin- 
iiche Strafen Terschfirl'en. Er läftt einen Esol Tor dem 
Schlofs und einen neuen Ciolgcn oiriohten. Ein Jiingbürgcr, 
der unter die in den Dorfsohnftcn eingelagerten 8oIdatea 
gegangen, um jeden Frevel üben zu können, uod Jagd und 
Fisoherei des Orafeu schüdigt, aulimückt, CKchdem er vom 
BegimtotBobriEten sutückerbcteu ist, zuerst diesen „Fisoh- 
galgen". Wie der Stehler, mufe auch der Hehler leinen 
Lohn haben. Peler Eisttiberg aus Miihlberg, der viel go- 
Btohlene Pferd« von den Solduten aufgekauft und verhandelt, 
üert bald darauf denselben Gulgcu. 

Wiederholt warnen Plakate au Hathau» und Thor vor 
Aufkauf aller TOn Soldaten geraubten Habe. Aber die Ver- 
■uehung igt xu grofa und dii: (ielegi.'nheit gerade in Arnstadt 
an der Heerstrafse zu hüuäg, uh dnfs irgend eiu Mittel, dem 
Unwesen zu steuern , verfangen wollte. TrSdel&nuen , Krfi- 
mer, Hand Werkmeister müaaeu auf Vorladung zwar Kugoben, 
dafs sie dabei waren, als Verkauf geweeeti, beschuldigen aber 
tumeist fremde AufkSufer, dofs sie ganze Wogen Udun gern 
davopgeruhrt. Per Hiemen Schneider, btsuhuldigt, Sütti-l vou 
den Soldaten erhandelt zu habtu, steift sich darauf, ein 
Biemensctiseider iu sein , der ja gar keine Silttel feilhalten 
diirfe. Eine Magd aber, die sieb Ton einem Soldaten, der 
rote Franzose genannt, mit einem Paternoster aua Korallen 
und einoin in Silber ge&Tsttn Kryslall, ig in Erfurt go- 
stöhlen, beechenken läfst, wird, da die Demnitz zu voll, in 
Kelten aufs Neue Thor gelegt. Wir lesen, dofs Kroaten 
die den Bauern in der unteren (Jrafücbaft geraubten Kühe 
in der oberen an di'u Munn zu bringen suchen. Vor eolehem 
Aufkauf wird auf das eiu dringlich sie verwartit. 

Was den Zug der Krieg«Tölker anlangt, so gebt dieser 
1629 wegen der Vorgänge in Italien vorwiegend südwärts, 

„Demnach Herr I>r. Oüttich tnorgenden Toga am frllhst«ii 
wegen des neu ankommenden Piccolomini 'sehen FufeToIki 
eilent nach HaTslrbi-n verreisen mufs, 

Sfi» 



436 



ArMUA In dn 2«ltM 4m tnUt^l^rign Kil^«. 



AUt «ollen die TeiordnaUn Steuemnnehmor der Stodi 
«llhier 9 ReichstbftUr lu »«loli«r nii« lar Zehruog «tu- 
mUsd und htermit küciftig in Reclmung beachsinen. Signa- 
tarn &n 32. OktobrU a&o 1629." So Iant«t eine anter den 
anxShlifEOD Aovoiiuii^n der Ksnslei u die Stadtlcomniiuare, 
deren BurokU, wie wir sehea, lelbet in der Nutht Tür aolobe 
dringende Fälle geöffnet seio mur«. 

Am 16. Xovember eber geht dem Elmmerer durcli Eil- 
boten eine Zuaclirifl des Sciiöstcr* Ton Ichl«rahkuseD tu, 
„iteigcm dieBOB al«ebaIdeo dos VäXtlein mit gutem Wein SU 
füllen uod aohero vor dem Herrn Grafen Pocolamioi aad 
Ihrer Oaadcn KrisgeotBcirer folgen zu lauen". 

Und «ndeni Ta^ wird er noobmalt ersucht und ge- 
Mnii „wegen des allhier liegendiin Herrn Grafen noch ein 
TUUein Wein unseumbliclieii tu rüllen". 

Den Anutädter Anspannern, welche den Gr&fea und 
■ein Gefolge über das Waldgebirge fahren, will der Käme 
doB Kloientiners ebensowenig zu Sinn, ab dem Schösser. 
]liro Quittungen Uuten auf Peocolumino. Das Fufsvolk des 
Olafen, der von Colalto aus Italien an Walleostein entsandt 
war, ihm Truppen zuiuführeo, wurde vor dem Läugwitzer 
Thor abgeipeiBt. 

Nicht lango zuvor war auch der Vetter des Friedlander«, 
Maximilian von Watlensteiii , dea der Oeneraliasimuf zum 
Erben «einer heriogliohen Wurde uud seiner vom Alpeufels 
bis zum Oitseeatrand reichenden Besitiitümer sieh auBertehen, 
durch Arnstadt gekommen. 

Dun Jahr 29 neigt sich eu Knde. Schon will man das 
Olirlilfetl begehen mit seiner Freudenbotschaft „Ehre ■&! 
Gott in der Habe und Friede auf Erden", da brechen noch 
am heiligen Abend die Tiefeubacbcr ins Land. Die fi«- 
mübungen dua Grafenhauses , ihre Einlagerung abzuwenden, 
wuon orfolglofl gobtieben. Sie quartieren sich in den Durf«rn 
ein und molkt blofs, um da* Woihnaohtefeet daselbut zu 
feiern. l»l Obriat Tiefunbach nicht selbst bei Beioom Re- 
gjmente, lo loben eich douh auch seine Leute einen tiefen 



Afutttdc in d«D Zellen dei drtil^ittjKbrigen Rri«gCE. 



427 



f 



Trunk, und Arnstadt mure macchu Wagenlttdung Oersten- 
und BcbeDaaftet in ihre Eommireliäuser auf den Dörfern 
eniseudeD. Der Wunsch freilich, mit dem man im Isueru 
dem wilden Einlagerer seinen Trank kredenzte, war nioht 
fein: „Mochte dir der Teufel einst ebenso Tiel Pech und 
Schweftl Kulrinken!" 

Der Frühling kam, aber die TietenbaGher lagen noch 
immer im Lande. Wahrend dem ziehen noch manche TOi- 
nehme, oft anspruchsTolle Herren durch Arnttadt, Für den 
'60. Hai kündigt BJoh von Erfurt aus der Kanzler Herzog 
Friedlands an, vielleicht der anEpruchsTollste von allen. 
Selbst die benachbarten Städte Gotha, Ohrdruf, Stadtilm 
müeeen für ihn und seine „Trabanten" vom Beeten sohioken. 
Die vorhandenen Quittungen weieen uuf eine ungemeine Viel- 
bedürftigkeit des hochgestellten Herrn hin , dessen Namen 
niemand zu nennen weifs. Einmal »peiet er bei Hof und 
einmal hält er eolbat offene Tafel. Geflügel allerlei Art, 
■elbst schon juDge Gänse, Spanferkel und gemüitele KiUber, 
Wild und Fiaohwerk allerlei Art roüsien beachafft werden. 
Der Apotheker liefert zum Naohtisoh überzogenen Zimmet, 
Fenchel- und Korianderkonfekl , Johannisbrod und Feigen, 
Ambrosiamandeln und Nürnberger Kuchen. 

Auch sein grofues Gefolge beansprucht feinste Vei- 
püegung, wie die Liquidationen der Gastwirte beweisen. Die 
Friedlandischen Fouriere, Fbub- uud Eüohenmeister , Hof- 
und Quartiermeiater, Kammeiju[iker und Kammerdiener sind 
verwöhnte Herren. Gastgeber Kaufmann hat a ufaerde m 
„allerlei Gesindlein^" noch 54 Persauen za Tische gehabt. 
Keine Augenlust mochte ea für die ÄmEtädter sein , als die 
Uauptpferde insgeeamt mit Wei«enbier abgewasoben wurden. 

Den Wagenpark und dea Herzoge „Pagagi" fortz nachäffen, 
mufsten ringsum Pferde requiriert werden. Ein Anspanner 
wird gezwungen, in seinem neuen Karreu des Kanzlers zween 
grofee Hunde nach Eisfeld zu fahren. 

Der durchziehende Herr, welchen die Quittungen nicht 
ZU nennen wissen, war des FriedlSndere Geh. Bat und Kanzler 




428 



Arnalidt in 4«ii ZtiUa d** draiAIgJAbrlc*!! Kflegas. 



Johann Eberhard von der Eis, eTdugelüch vie suoh Wal]«n> 
■tein's böhiuUober Kanzler und viele andere Herren loinsr 
DÜchsten ümgebun;. Wir gelieu woM kaum mit d«r An- 
nnbme fehl, dafs er mich MenuniugeD KOg, wo der Herzog 
Trährend dea Kiirlurslciilags zu Rcgensburg in glänzet) d<t«r 
Weise Quartier hielt. 

EiiiquaTtieruiigeD, Durohiüge und andere Latten liegen 
Rcbwer auf der Uraf^chaft, duf» das regierende Grafenluui 
tioh nochmalB an den EurfÜTBien von Sachsun wendet, um 
duroh den Einflufs dea RovohBmaTäbhallB , (3ea treuMton Ver- 
bündeten des Kaiaere, Erleiolitemng su erhalten. Sereclbe 
schickt auch noch vor dem BegenBburger Tag den Orafaa 
Philipp TOD Mansfe'd an den kaiserücben Hof. 

Kaiser Ferdinand muft hören, wie das Kurfüraten Vettern 
in Thüringen in Weimar, Kohurg, Eieenach nicht thro Tafel 
mehr unterhalten können, und wie die Grafen von Sohwarx* 
bürg, Mansfeld, Slolberg nebst den ansehnüahea Amtern, die 
sie von Saclieen zu Leben tragen , aus denen viel Tonnen 
floldea orprofst woi'den seien, sobonungsloä ins Verderben ge- 
Btiirzt würden. Das übliche EsekulionsYerfahren Tersohlinge 
nicht weniger als die verlangte Kontribution. Noch immer 
bleibt des Kaisers Antwort eine ausweichende und - aufsobio- 
beode. Noch immer liegen auch dioTiei'enbaoher im I^nds, 
dL-nen sich dann HoUdache Tteiter zugesellen. Dabei fallen 
immer wieder vom Kommissar Vitzthum abgeschickte Exe- 
kutionsreiler in die Dörfer. Auch werden wegen Verprovian- 
tierang der Festung neue Anforderungen erhoben. So mUMeo 
denn auch neue EinnahmequelleD für die Kontributionskaswo 
«räffnet werden. Die 20 Becken der 8l«dl mü«Ben von den 
Tier Beckengängen der grofsen Gäntheremülile , denen sie 
monatlich gegen 'iOO Maf^ Getreide /uliihren, erhöhte Uahl- 
■tourr xahlcn. Auch das SohlnuhlTieh wird höher beateuert, 
und wo« ohngefäbr früher freigelassen, jetzt auch hcrnngo- 
zogen. Doch wacht des Grafen Auge darüber, dafs leinen 
armen Üulerlhanen nicht wider chriitliche Liebe und Billig- 
k'-it Fleitoh und Brod verteuert werde. ,fi<i ist unser ernaler 



Arnslt^ in den Zellen des dreifsIgJKhri)^)) EricBOi. 



429 



Säfehl"» lesen vii öfters, „dni'a die Tereideteo Schätzer di« 
aufgestellte Tax sleif und fest hüllen, damit wir nicht ver- 
ursaoht werden, fin ihnen, den llandwerkem, den Ungehor- 
■am und an Euch, den Rathe verwandten, die Fabrliinsigkait 
ernst und eifrig ku atrafen". 

Endiich am 18. Jani brechen, die Tiefenbacher auf. 60 
mancher Bauer tauecht Fflugeohar mit Bohwert und zieht 
mit; aus Vomheim sechs, deren einer auch seine Schwester 
mit hin weg nimmt. Die Tiefenbaoher glauben fiir Italien 
bestimmt 2U sein, und als man cönen ürdstof« TerapUrt« 
hielt man da« für ein hedenklioh Änieichen. 

Ifansfeld kommt mit seinen Völkern hinzu, Monsfeldus 
Apostata, wie ihn der Ffitrrer nennt, weil er entgegen den 
überwiegenden Traditionen seines Hauses in den Dienst katho- 
lischer Interessen getreten. Wenige Tage darauf, am 25., 
26. und 27. Juni, wurde in der Grafschaft Schwarsburg 
beider Linien, wie in anderen eTangelischen Lündern da« 
Jubelfest der Augsburger Konfession, wie im roten Bürger' 
buch zu lesen, mit allerlei löblioben Cereraonien celebriert. 

Alle Glocken wurden geläutet, im festzug zogen die 
Zünfte zur Elrcbe, Almosen wurdea an Huusarmo, Hospital 
und LaKaretl ausgeteilt und Festpredigt an drei Tagen ge- 
halten. Auch auf den Dörfern fanden Frouden/iige und drei- 
malige Pestpredigt statt, und der Pfarrer von Dornheim er- 
hielt als Trankgeld von seinen dankbaren Ffarrkindeni — 
nihil, oder mit Zusammenziehung — nil. Und als er bu 
Neujahr mit Abnahme der Gemein der eobnung betraut wurde, 
da wegen graftei Unsicherheit sich die Behörden nicht aaa 
Arnstadt herauswagten, liefen Bauern und Heimbürgen davon 
und liefsen ihn wie einen „Pötzenmann" sitzen, sobald er 
nur einige gravamina erhob! 

Dagegen verehrt die Stadt atn gror»en Jubelfeste Geist- 
lichen und Lehrern reiohliohe Spenden besten Franken - 
Weins. 

Wie eiue gottgegebene Verhailaung für den Portbest&nd 
der Auguatana und der roforma ton sehen Segnungen kennt« 



430 



Arnstadl in dsn Zriteii ilu> ilrairai^Xhrigtn Krie|^a. 



ei erechetnen, dala gerade in diesec Tkgea Guatar A.dolpli 
Bn FoinincTiis Küsten Incdete. 

Xoch %Tähcte es freiüuh über Jabr und Tb,^, da£i man in 
ihm einen Eetter aus tiefer Not erkannte- „Sechs Groschen 
dem Botenläufer", Iteifst ob damals noch, „zvei Schreiben 
nach Erfurt ins Kleeblatt auf die Post eu tragen, so an den 
Herzog Ton Friedlaud gehn." 

Und des Friedl anders treuviter Prcund vird aas in 
einem anderen Rechnungsposten vor Acgen geführt: „Vier 
Thalet den Erfurtischen Vorspünnern gegeben, welche den 
Obristen Holk in MangeluDg hiesiger Pferde nach IlmeoBa 
geilihrt" (4. Sept.). 

Gcd wieder: „5 Groschen die Zeddel wegen Austheilung 
der Holltiaohen Soldaten auf die Dorfer zu tragen." 

Aber die wilden Holkiecben Jäger bleiben bot Pr«ude 
dea Landes nur kurze Zeit. 

Am 16. Auguet zog auch aus bedrohlicher NShe, aus 
M.iihlberg und Apfelstedt, Rittmeif^ter Horch von dannen, 
nachdem er 3'/^ LTahr dort gelegen und die StraTsen an- 
sicher gemacht. 

Viel Tonnen Golde« (D. Chr.) hat er auf den Straisen 
rauben und wegführen, hat sehr Tiel Leute und sonderliuh 
Geepann lassen erschiefaen, wer sich £ur Wehr gesetzt aod 
nicht daa Seine hat wollen nehmen lassen. Aber er hat 
auch nicht viel von den Soldaten , die er bierherge bracht, 
wieder mit sich genommen ; denn wenn sie also geraubt, 
haben sie auob oft eingebufaet, und wären nicht immer 
wieder dazu geworben, hätte er nicht eine Korporal«chaft 
mit weggebracht. 

Wahrend alledem tagten die Kurfürsten zu Bogonsburg. 
Die Klagen über den Generalissimus, der die T Säulen des 
Reiches gewaltig Überragte , drangen durch. Wallenstein 
wurde entlassen. 

Zur Zeit, als die Nachriubt kam, hielt man in Arnstadt 
nach langen Jahren wieder «in frtihlicbei Jahrmarkts fest, da« 



Arnatadc In d«ii Z«it«n dci droir>i|01Iirie<n Kricm*- 



431 



ü 



dieGical, da weder SUb noch Oemüoe in der Stadt lagen, 
auch vom Lande weit und breit beEUcht wiir. 

Als aber (um 12. Sept.) in der Nacht der Junker von 
Witzkben aus Neuroda mit den Seinigen heimKiehen vill, 
rtöfst er mit den Weifagerbern hart Kusammeo. Verwundet 
sinkt er zu Boden , seine Unke Hand ist ihm abgeschlagea. 

Die Brüder Weirsgerber, wie man ue nach ihrem Hand- 
werk nannte, ihres FamilieaDameDs Adelung, waren wildo 
GeBeUen, die vor keiner Gewaltthat zurückschreckten. Schon 
sie man den Zimmermoister von Hiegelbach dicht bei dem 
Dorf mit Ecinem eigenen Uesser durchatouhen fand, „rer- 
Bauthete" man auf die Weifsgerbar, und niemand souet war es 
gewesen, der bei nächtlicher Weile den Kroatenmörder Tom 
£ade genommen, als Hans Adelung. 

Der Junker von Witzleben atürmt schon 10 Tage nach 
dem Seyerimarkte mit andern von Adel und 150 Bauern, 
und zwar mit „Zulassung" des Grafen, das Haus der Weifs- 
gerber vor dem Bietthore; aber die man suchte, waren davon. 
Die Bauern 2serscbliigen in wilder Wut, was an Tisch und 
Bank und Gerate ihnen erreichbar war. 

Im Frühling des folgenden Jiihres findet man den von 
Wittleben erschossen. Die Mutter der Weifsgerber, da man 
der Söhne nicht habhaft werden können, wird gefangen ge- 
nommen und mit ihrer Magd zu geriobtlichem Veiböi auf 
das BathauB geföhrt. 

Acht Söhne habe sie, giebt sie auf Be&agen zu Pro- 
tokoll , doch ob sie noch alle am Leben , wisse sie nicht. 
Peter und Kleinhsns sollten im Kriege umkommen sein. 
Steffen aei bei dem ESnig von Schweden. Die andein 6 
hätten auf ihrem Handwerk und, wo das nicht gegangen, auf 
den Ziegelhütlen gearbeitet. Dooli hatten sie auch konvoyiett 
und manch achiinen Pfennig verdient. 

Auf die Frage, ob sie nicht unter solchem Schein viel* 
l&ls die Leute angegiiffen und beraubt, sagt sie: Nein; doch 
renn die Soldaten das Gespann überfallen und die Eaufmanni- 
;ütor aufgehauen, so hütten sie ja eine Notwehr thun müsaea. 





432 



AtDBtadi in daii Zeilen dw ArtWs^tlita KHtgt». 



So kSano es woU sein , dafj tie zwei Reiter bei S<ihimerk 
eraclkoasen. 

Ob sie oiotit zween Soldaten im Thalo damiederge- 
«chossen, davon einer allhier gestorben, der andere zu £rftirt 
geheilt wordon sei ? Nein ! Alles sollten ihre Jungen gethftn 
haben, da behüte sie Oatt für! 

Ob ihr Sohn, der dicke Hana, nicht einen Keiter beim 
Wehr herabgesühoascn und sein Pt'ord ins Haus gefohlt? 
Nein! Dafs solch Lügen vor meinen Herrn Isommen aoUen! 

Zur Hauptfrage des YoihÖra, ob sie nicht auf dem 
grofsen Jahrmarktstumult dorn von WilKleben die Hand mil 
«inem Richischwert abgehauen, mll sie zvur gebärt haben, 
ihr Sohn , der Auguslin , habe es gethan , aber daa Kicht- 
schwert — habe damals daheim an der Wand gehhngt. 

Oh nicht ihrer Söhne einer don Junker zu Nooroda xu 
Tode geschossen ; Nein ! Der Sohn habe es ihr zugeschworen, 
dafs er e« nicht gelhaii ! 

Wer ihrer Söhne Gesellschaft sei? Kein Mensch, dena 
fromme Leuten BlirgerssÖhue hütti^n mit ihnen im Graben 
gekugelt, eitel feine Gesellen! Ob nicht in ihrem Hause 
viel geheime Tiefen, allerband Sachen zu bergenr Ob nicht 
allerhand Sohlupfwinki.-! , um daraus zu entwischen: Kein! 
Kirgends könne man heraus und herein als zur Thilr. 

Nun aber wendet rieh das Verhör gegen die Sluttor 
selbst. 

Ob sie nicht mit Zauberei umgehen könne i Behüte rio 
Gott! Sie wäre nun ein 65 Jahre alt, und hatte all ihr 
Leben ohne Golohe Suchen zugebracht. Dafa Gott im Himuel 
eich erbarme, dafs sie solche Worte hören solle 1 Wollte 
Gott, sie wiire tJivr ihrer Sünden so frei, als solcher Ding«! 

Alsdann wird die Magd Linna Sauer verhört, nach ihrer, 
AuuBse ohngeführ wohl 24 Jahr alt. Sie bat, weil 
Elt«rn tot, immer gedient, ist mit den Weifsgerbern bokaont 
geworden, weil sie ^ich vor den Soldaten gefürchtet und 
diese sie geschützt. Seit das Raus gestürmt , sei sie meisi 
herumgezogen, wie verirrte Schafe ziehen, Sie kann auf' 



Arnstadt in den Zmleti <Ib» rtrei('>ig;5'')i''K'"' ICricEet- 



433 



-wie derb olt«<f C«&agen niclit leugnen, dsJÄ tie sohvtnger Mi. 
Doch habe Wolf Weifsgerbpr sich ebrlich mit ibr Teilobt, 
hnbe sie auch zur Ktrcbe fähren wollen; aber die Leute 
hätten ihn verwarnt: wenn er zur Kirobe gebe, werde «t 
gefangen. Ob sie Bcbon Kinder gehabt : Habe nie kein 
Kind gehabt, wo solle sie solches genommen haben? Ob 
•ie nocb mit andern verkehrt? Habe doch niemand ihr«r 
begehrt, weder die Srüder, nocb jemand anderes , sei ja de^ 
Wolf Verlobte. 

Mutter und Magd der Weifegotber werden aufs Uiettbor 
geehrt und dort längere Zeit gefangea gehalten. Linna 
Sauer wird Mutter eines Zwillingspiiares, 

Die Brüder Weifegerber entziehon sich der Gefangen- 
schaft noch lange Zeit. Die Kaufleute nber nehmen di« 
bilden Gesellen, die Gespann und Gut gegen raubende Sut< 
ästen aufs äufserate verteidigen , vorzugsweise gern in ihre 
Dienste. Doch endlich, als aie auch von Tilly'a Soldaten 
äen einen und nudereu erschossen, werden «ie im Halben 
Uond za Erfurt aufgegriffen und in Tilly"» Hauptquartier 
geführt. Uan weifs nicht, was ihr Geschick gevresen, 

Übel berüchtigt wie die Weifigerber war gar mancher 
IBurger und Bürgerssobn. Selbst ein Korporal des Obriatea 
Branden stein verklaget deren vier bei gräflicher Kanzlei, weil 
sie geweglagert und den Kläger „raub mörderisch" auf £reier 
Slrafse zwischen hier und Erfurt überfallen und all das Beine 
abgenommen. Und doch standen in Bezug auf sittliche Ver- 
wilderung die schlimmsten Zeilen des unheilvollen Krieges 
noch bevor. Doch auch Beschwerde und Last desselben 
vollten sich nioht mindern, als der Priedländer vom Schau- 
platK abgetreten und die Liga das H^ft in der Hand hielt. 

Das Sohöuburgiacbe Volk, das im Peber 1681 durch di« 
D-irfer zog, that grofnen Schaden, Der Druck gi'ofser Schul- 
den und röckständiger Kontribution lastote nocb immer 
schwer auf Stadt und Land. Der kaiserliche Kommissar 
Vitzthum zu Erfurt sandte im März eino Kompagnie gas 
Harliebflusen, die Kontribution ku extorquieren, „eine Eom- 



434 Anuiwti ia i*a Ztitu d« «nlOlSM^n Xif^cw. 

pAgaie lo««n GMlnde«, die nicht wie Mensohen gehaadelt" 
(D. dUT.}. 

In IngerBleb«D. dem in FrejUg;'» Ahoep ao oft g^ 
nBiiDt«n Orte, thaten die ertt«n Eiolageier diMer Straf- 
kompanie zu Anfang „Sienuutd nicht«, um Land und L«tiU 
eekur und sicher xu machen". 

Doch den 11. MSn mittags, da Pferd und Kuh und 
nUes Dorf beieammen , kommen urplötzlich Ton ■llen S«it«a 
ihre Genossen, beeeUen alle Ausgänge, dafs niemand »tvu 
davon bringen mag, und bauaon wie Türken and Tartam 
und Teufel. Selbst des Pfarrers Tochter mufate zur Soldntoo- 
dime werdeu. 

Kebea dieten einzelnen Bedrängnifsen bedrohte Bb«r zu 
Anfang de« Jahres 1631 auch TUlf, der heranzog; das wider- 
spenstige Magdeburg ku zwiegen, die Grafschaft Sohwarzburg, 
wie ganz Thüringea mit neuer BeschweruDg. 

Es war am 7. Jannar, ab Kanzler Gtittioh auf dem Bat- 
haua emohien und die ereolireekende Mitteilung machte, dafl 
ron Till^ und gleichseitig dem kaiaeTltcheu SommisBar in 
Erfurt Zuschriften bei Sr. Gnaden dem Orafeo eingehmfeo, 
in welchen monatlich 8400 Beieh^thaler samt den leslier«!)- 
den Kontribution «gel dem in die kaiserliche Kaise abxuUefera 
verlangt werde. Yon halbem Uoaat zu halbem Monat scn 
zu zahlen, sonst sei alsbald stärkste Quartierung zu em-arten. 

Da galt es, namentlich wegen der noch rackstündigen 
Gelder, rasch und roll zu kontribuieren , das Eingebracht« 
feet ttusammenzuhalten und niemand ohne des Grafen Yor- 
wissen einen Heller abfolgen zu laaaen. 

Die Bürgerschaft soll durch GlockeDklang zum Bathaas 
erfordert werden, die Gehorsamen sollten ihres Gehorsams 
geDiefaen, die Ungehorsamen sofortiger Strafe gewärtig seiiiaj 
Alles Saitenspiel und Gelage müsse um der traurigen Ze 
willen eingCBtellt sein und bleiben. 

Bald darauf finden wir denn auch die Bürgerschaft b( 
einander. Der Kanzler übergiebt ein ebeo cingelaufent 
Uabnschreiben des kaiserlichen Kommissare, in welchem der>l 



Arnsludt in den Ziiten dw dreirtigjäUri^eii Kri«B**. 



435 



selbe Beine grorae Yerwimdetung gegen Oraf Günther uoTer« 
holen auaspriotit, daTa zu KaiserliohoTMBJeatJit, des nlleTsoits 
gnädigsten Eerm. Diensten weder die suhuldigen ullen Beste, 
noch etwas von der neuauagesuhri ebenen Atilaj^^e eingeliefert 
sei. Wenn das Ms Freitags nicht geschehen, »o würden die 
Beiter, welche das Geld in Erfurt nbzuholen kamen, idebald 
in der Grafschaft einrücken und nioht von dannen weichen, 
biä gänzliche Hiohtigkeit erfolgt sei. liit Muhe gelingt es, 
rasch einen Teil der ReatforderuDg nach Krfurt zu liefern ; 
man sucht den kaiaerLiohen EommisGar durch äelientticbe« 
Bitten lur Nacbeiebt au stimmen. 

Aber bald lüuft Ton Tilly eine bedrobÜobe Zuschrift 
wegen der von ihm auferlegten Eontribution ein. Auch 
sollen drei Kompagnien Holkiscber Reiter eingenomraua — 
oder statt dessen weitere tiOO Gulden guKahlt werden. 

Dnter diesen schwierigen und bedenklichen Verhält- 
nissen ereohuint es geraten, einen AusBchuTe TOn 30 Bürgern 
zu erwählen, der das Interesse der Stadtgemeimle wahrnehmen 
und vertreten soll. 

Syndikus Förster aber ist mit den Erwählten dann wenig 
sufrieden. Es seien Bürger darunter, die nicht lesen, nicht 
schreiben könnten. Was machen, wenn es nun heifse pak- 
tieien, unterhandeln, Burgaohaft leisten und unterschreiben? 
Dazu bätton sie sich nicht einmal bei ihm eingefunden, 
sondern stob entschuldigt und ihren Dnverslsnd ungezogen! 
Doch wird ihm bedeutet, de seien ceohtmSfsig ertväUt. 

Es kommt auf dem Bathaus zu erregten Sitzungen, iiaa 
solle, wird vorgeG oblagen, beim kaiserliolieu Komraiaaar doch 
geltend machen, wie schwer gerade Arnstadt unter den vielen 
Durchzügen zu leiden habe. Keine Woche gebe hin, dafs 
man nicht anspannen uod herbi^rgen müsse. 

Aber aohon läuft eine neue Zueobrift Tilly'a ein, sich 
wegen der auferlegten Kontributdon sofort schlüssig zu machen, 
sonst würden 5 Kompagnien eingelegt werden. 

Waa thun in eoloher BedrÜngnia? Einer der Räte weist 
danuf hin , dafa vom Kaua Sachsen nocli nichts gewilligt 



w»Td«B. Kau «oU« üch mit demMlbeo „konjuugieren", dab 
man eioen Kucken und Schutz habe. Wiird« ohnsdom Xu 
Erfurt geredt, dah die Arnetitdter eher willigten ftls andere. 

Auch Sir^dikus Pörster weifB x\x bericbtöD, dafa die be- 
nftchbarIcD Städte nichts gewilligt: Gotha nieht, W«iinKr 
□ioht, Itudolatndt nicht. So wolle und dürfe man hier nicht 
anfangen. 

Da sei gut reden, sagt Frohen, aber die 6 Kompaguiea 
lägen in der Koburger Pflege itsd künuttm da sein ober 
Nacht. F.he man's Teimcine, habe oi&n die aur dem HkImi 
und den Schaden daTon. Ferioaluat in mora! 

Ultra posse könne niemand obUgiert werden! hdrt man 
eine Stirnntu rufen, Tilly'a Forderung sei unmttglioh ! Geld 
£u geben Iiaben wir nicht. Sollen wir den Kopf bietoo, 
sind wir zu schwach. 

Man wolle Aufschub suchen, wird vergee oh lagen und 
bald wird „Dilation" zum Losuugswort, Dilation bis auf 
d«n Ausgang des Leipziger Tugos. Da» habe TilJy sdioa 
abgeredet, läfat «ich da eine Stimme vernehmen; „der Tagk 
XU Leipzig", habe er epQttisoh gesagt, „möchte sich ein wenig 
verweilen!" TiolKdem wird Terauchte Dilation zum BesoblnCi 
erhoben. 

Wir stehen in den Zeiten des Leipziger Tages, too 
denen grofse Dinge und Neugestaltung sum Besseren erwartet 
wurde«. Wir lesen , dal'a schon zum 'Jb. Januar die lUte 
der Qesamtgrafachaft Schwarzburg beider Liniea sich in 
Erfurt wegen des zu Leipzig angoBtellten Tages zu eia- 
gebender Beratung eingefunden. 

Ea gelangt «chon folgenden Tags an Hat und Bürger- 
•ohaft Amstndts eine Zuschrift aus grüflicber Kanzlei, dafs 
Ibro Kurturitl. Durchlaucht zu Sachnea dea noch immer 
fortwührenden trübseligen Beichazuätaades halben die evuj- 
gelisohen und proteatiereuden Stände christliche friedliebende 
Unterredung zu pflegen beschrieben und darunter auch die 
hoch wohlgebor Den gesambton Grafen zu Schwariburg ex- 
fordem lassen. 




Arnattdt in den Zeitga des dtBir>>Ki'">''fici> Ki'iiK«- 



437 



Nun seieii Ihre Gnaden auch gänzlich entschlossen, tu 
ioloh nusgeechrieb^Der Zusammenkunft der gansen (T»<chäpften 
Landschaft zum Besten Ihre ßäte abzuordnen. Da aber zur 
ZehiUDg und Beise andere Geldmittel durohiius ermuugelten, 
30 sollten die 8teueieiunehmer für sokho Abfertigung das 
Nötige bereit halten. Oelte es doch einig und allein, die 
gar ausgesogene Landschaft vor gänzlichem Ruin zu rttten 
und den edlen lau gge wünschten Frieden zu bringen! 

Wir sehen denn baid auch Kanzler Gütticb und aus 
Sondershausen Kanzler Lappe, den Bruder des treüliühou 
Diakonen , auf der Beise nach Leipzig. Aber noch laufen 
Kanzleibolen zwischen Sondershausen , Arnstadt, Ebeleben, 
weil es gemeinsame Angelegenheit ist, die Volimacht für die 
abgeordneten Bäte TOllziehen zu lassen. Und ebenso eilen 
andere nach Urnen und Budolstedt und bald auch nach 
Leipzig mit Schriften und Rechnungen. Dnd dort erbeben 
die Abgeordneti<n der Grafschaft die eindringlichsten Klagen 
wegen endloser Pressiireu. Während Tilly's wiederholton 
Androhungen richten sich die Blicke bo&ungsToU nach der 
Pleifsest.a(it. 

Aber nicht, was die mutigen Fürsten Wilhelm von Hessen 
und Bernhctid von Weimar erstrebten , Bündnis aller evan- 
gelischen Stände mit Schweden , bildete den Absohluls der 
Leipziger Verhandlungen, sondern eine DefensiTrerfaBsung 
zu bowftffinetei Neutralität und nochmalige Vorstellungen bei 
Kaiser und Liga wegen schwerer Belastung und wegen des 
Bestitutionsedikts , das den Besitzstand der erangelisohen 
Stande aufs äufserste bedrohte. Herzog Wilhelm von Weimar, 
der älteste der vier regierenden Brüdtr, damals der beson- 
dere Vertraute Kurfürst Johann Georgs, tritt mit rlen Bäten 
der Grafen von Schwarzburg beider Linien wegen Angriff- 
nohme der Rüstung in Unterhandlung. Die Oesamtgrofsohaft 
beider Linien soll an Defensiontvolk 3000 ::u Fufs und 150 
zu Pfeid zu stellen lohuldig sein ; dazu an geworbener Mann- 
schaft 800 zu Fufs and 200 zu Bofs. Die Leipziger Bezelk- 
urkande Tom 2. April unterzeichnete fllr Schwarzburg SL, 




438 



Ai'uslxdt lii den ZaiUn dft JftifsigjiibriKeii Kri^M. 



Kanzler OLritlopli Lappe, eine seiuur leUien Amt:sliand!uiig6ii, 
da er, bald darauf erkrankt, noch im September deaselben 
Jahres starb. 

Bei der Schweden gegenüber eo abweisenden Halluag 
der evangeli sehen Stünde war der Fall Magdeburgs uoab- 
wondbar. Der Flammen sohcin der untergelieuden Stadt warf 
seine Scbreuken über das protestantieobe Deutschland. 

2n den wenigen, welche Tersohonl bliebeo, da sie im 
Dome eine Zufluchtsstätte gefunden, zahlte ein junger Mann, 
aus Arnstadt gebürtig, „choralis und custos" des Gotteabausei 
Sebastian Dahlewitz. Kr ist, wie er an den städtischea Rat 
burlohtet, bei dem unsäglichsten Elend und Jammer gewesen, 
einige Wochen gefangen mit fortgeschleppt worden und nun 
nach geschehener KanzioD, da er niohta als tein Leben sein 
eigen nennen kunn, gezwungen und gedrungen, christUobeode 
Herzen und sonderlich dieses Ortes, weil es sein Vuterlaod, 
um Hilfe und Beistand anzuflehen. Fr hat HoftiiuDg, suooen- 
tor KU St. Nikolai zu werden, mufs aber zuTOr sich wiederum 
mit einem Kleide versehen. Die Stadt beschenkt ihren uu- 
glüokliohen Sohn mit secbs Groschen. Eine kleine und doch 
Tiolleicht grofse Gabe, wie die der armen Wittib uro Gott«3- 
kasteu : So mochte mau glauben , wenn nicht auderseite 
wieder in der Jahresreohnung 100 Gulden für bürgerliche 
Wirtschaften auf dem Rathaussaulu verzeichnet ständeD, 
während mau kein Bedenken trug, mit Zinszahlung auf Tlol- 
Each verbürgte und unteraiegelte Sohuldrerschreibun;; J*hr- 
sehnte, ja Tdr immer in Rückstand zu bleiben! 

Bald fluteten die wilden Scharen Tilly's uaoh Thüringen 
bereio, und beide Grafschaften SohwarEburg, besonders dio 
Unterherrscbaft , hotten für ihre Klagen auf dem Leipziger 
Tage schwer zu büTsen. Frankenhaueen , Greul'soa UabaDL^ 
viele Jahrzehnte gebraucht, den S[:hQden zu verwindm. 

„Alles unter und über", klagt der Pfarrer zu Dornheim, 
„als dem Tilly die Viktorie in Magdeburg gelungen, HnbeUj 
die Städte ausgeplündert und die Edelleute bis aufs Hemd] 
auagetogen, in Tonna selbst der Qrääu (von GleioliCQ) utoht 



Afn&tHilt in d{in Zfticen tlna ilnfJfMjj^illirii^a Kri«^«a, 



439 



I 



verKobont! Ifkoli diesem kommt dng Schönburgisclie Ke- 

gimeiit den eTsten Trinitalis^onntug: gen Wileleben und Dom- 
b«iin. liegen 3 Wochen 6 Tage, b»iidelD mil Sttfhleii, Pliindeni 
und Getreide üb fultern gleicb aU die Teufel." 

la, uDBäglichoä Elend brachte Tilly's VorstorB nach 
Westen, als es g.ilt, hier die Leipziger SohlufiTenvondteD zu 
Paaren xu treibeo uud den heldeamütigun Liindgriifen tod 
UeBEeti, der es gewagt, die Ligatruppen uue seinem Lande 
zu jagen, die ganze Wucht seines Zornes empfinden zu lauen. 

Und während bei dea FriedJündors Soldalvska, die sieb 
unter einem genialen Kriegsfür fiten aus allen Nationen, 
Standen und Bekenntnissen zu einem eiiiheitlicheu Ganzen 
susammeufügte, ein jegliLher naub eelner tur,'on selig werden 
durfte, schwangen die Ligatruppen das Panier des Eatlioli' 
Eiamus hoch empor, und der Pfarrer von Dornheim mufste 
es erleben, dafa ein Soldat unter allen „Gräueln drr Uesse" 
in seiner Kirche begraben wurde. Der Himmel selbst war 
darüber eruUrut, und wenig Woohen darauf sahlug der Donner 
gar gewaltig in den Thurm eeinos Dorfes. 

OoLt sei gelobt! ruft aber der Pfarrer, als am 30. Juni 
einer der wildesten Soldaten, die ins Schlofs zu Tonns ge- 
brochen, ttouh seinen Lohn bekommt. An einen Weideribaum 
bei dar WoidmUhlo des Ortes, den der Pfarrer einst mit 
eigener Hand gepSauzt, wird er aufgeknöpft. „I«t das der 
Weg Kum Himmel, so helfe der liebe Gott, dafs sie allo 
dahin kommen !" 

überhaupt zeigt er sich von dem Human itatsfieber unserer 
TsLge nicht im enlfernteelen angekrünkelt. Als, wie früher 
beriehtet, drei Freireiter eu Arnstadt geköpft wurden, bo 
war das flir den Pfarrer zu Dornheim „eine herrliche Augon- 
lust". 

Vo ein Dieb dem Galgen entgeht, fiUlt es ihm Eoliwer, 
eich mit Gottes ud erforschliehen Gerichten zu trüeten. Seinem 
vielgeliebten Grafen Günther aber weifs er ea wenig Dank, 
wenn derselbe die Preundsohaft ansieht und tod Staubbsten 
and Galgen begnadet. Diejenigen, die fSrbitten, wo et nicht 

5IV. 29 



440 



Atn»UiK i« dm iS«it«n im dnifii^Urven XriagM. 



i 



am Orr, die oonnt er lo>o Leut«, die m ÜDti in der Jfvig- 

k«it rnaatwott«» mögon. 

Viel Ücdauornt hat er mit der GrSfin zu Tobdb, te 
di« vilden Kro«teu lelbtt die Fioger kbziuohDoideo droht», 
>!■ (ie ihm Kinge nicht lanaea mochte. Auch die ArchivalJca 
de« Araitadter BathauM« wissen too der Xot dieter letctu 
tinifln TOD Gleichen xu burichtcu, diu lujtleich >acfa der 
teUle Sprof« de« allen Ho)iiiitiun'«uhea Eauae« war, Eidmith 
Juliann. 

Kin Teil der Losttigelder , welche die edle Oranieria, 
die Wilve Oautber« des Streitbaren, fUr Arnstadt« atudierend« 
Jugeud uusgeietit, ttnndert am Hofe xu Ohrdruf, und vean 
die ZiüsEuhlung stockte, jn dann gaoE ausblieb, trafen die 
Mahnschreiben de« «tödtiicben Rate« auol) eohon zn L«b- 
zoitcii de« Tiiritorbencn Grafun ein, «('Ibpt uctur BedrSiitti^ 
Graf uod Gräßn beim Lehnsliofe 2U Eoburg xu bolangeo. 

Vir mäehten auoh wünadieu, schreibt Graf Hans Lud- 
wig im September lij29, die bisherigen ichwerea laufte uni 
Zeiten hdltim siob nach dorn WilKn Gottes also angoluse», 
dal'« man Mitlei und Gelegenheit haben und önden könDOO, 
dorogleicben Bahuldpoaten wirklich abzutragen. Dieveil o« 
aber bei »> beharrlich und tü|iliuh aufkommender neuer Bc- 
lohwerung leider niclit xu efTektuieren, wird man gicli ooch 
zur Zeit gedulden und bedenken musion, dafs wir oioht 
allein, «ondem andere utDere« Oldohen, ja wohl noeb 
höhere Stondespenonco wider Willen dergleichen Entsdiul* 
diguni; KU gebrauchen gleiaheam jetzt gezwungen venleo. 

Zulilun^ erfolgte nicht, und manch armer Primaner In 
Arnitadt und manch armer Student zu Jena und Wilienberg, 
der «ich de« Legal« getroatet, darbte und hungerte veiter. 

Bekter Grofehain nahm sich ihrer in aller Woiae an 
und (louh war auoh er nur ein urmer Mann. Ah er 1630 
in das Rektorat eintrat, miibte er uouh lungere Zeit auf daa 
ohnehin geringe KiokerameD der Stelle Venicht lei*t«n. 
Wiederholt bittet er, el» friihoror Stipendiat der Stadt, ihm 




zu weDigBteo mit einem Teile rücik« tändiger Stipenäifugeldcr 
unter die Arme zu greifen. 

Auuh hatte die Witwe des voranguhenden Rektor* noch 
einige Bäume der Dieost'wohDung iune and weigert lich auf 
das bartDäckigste, dem jungen Amtsuachfolget £u weichen. 
Selbst den Btohuagen des städtiBchen Ergimenta gegenüber 
beharrt sie bei ilirem Willen; sie weide Dicht mit leeren 
Händen £:iehea, noch «ei man mit dem Einkommen ihieg 
booliseljgen Herrn und Ebewirts im Riiukstnud. 

an den Bestrebungen Bektors Orofähain, die arme 
studierende Jugend in der schweren Zeit über Wasaer zu 
halten, gingeu die Bemühungen des treifliuUen Lappe, der 
nnob Sobuokelius' Tode Torlaufig die Superictendentui- TW- 
waltete, aller Zeit Hand iu Hand. 

Oraf Ludwig von Gleichen starb den 15. Jenner 1631. 
Er starb ohne Nachkommen, und die untere Gvafecliaft Glotcheu 
fiel laut Erbvertrag an Sohwarzburg. Die Gräfin Erdmuta 
Julian» kounte sieh nur schwer in den Gedanken finUeii, dafs 
die Grafscliaft zerstückelt in andere Familien übergehe. Unter 
dem Einflula de^ Schwärmers Stiefel hörte tie selbst hber 
Jahr und Tag nach ihree Gatten Tode nicht auf, einen Erben 
2u erhoffen und in den Kirchen um glüokliche Entbindung 
beten en Insaeo. 

Mit Tonna bcwittumt, lebte aie doch zumeist in Er- 
furt, wo die Mahnschreiben des Amatüdter ltat«3 um endliihe 
Ablegung der Zinsen sie um so Bichercr erreichten. Ihr Be- 
Tollniäehligter aohrcibt, dafs das bekdnnto und vecdorbliche 
Knegsweaon die Grarsuhnft Gteichon *o hurt betrofien , dafs 
Ton den lutraden nichts einzubringen »ei. Im Mai 33 
bittet sie, sich für die restierenden Zinsen an die Gemeinde 
OUnth erste ben zu halten, die ihr noch rückständige Gefallo 
schulde. 

Zwei Monate «püter sohlcra Erdmuta iltiUana die miidtn 
Augen zu ewiger Grabesrub, enthoben aller Erdensorgen, die 
damals HUtte und FurEteaschlofs in gleicher Sdiwüre htim- 
«aohten. Uie Gräfin Klarissa von Sohwuzburg, welche dem 

29* 



442 



AranUt in Arn XMm 4n 



lUt in Anutadt ia Z«it«D der Btdilaffw n Cqltal giimp, 
aMhat BD <U« Zinukhiang mit das SoMtz: „Ob wir ^Mh 
gfiB in Geduld «tehn wollten, bateiSt nu di« Döxfti^B 
derauCa«n , da£i wir de* OeldM al^U liBjer ra cstntt« 
wiMaa", 

Be!b»t die gröSiehen Brfider mOMea, dm die "■■**-** 
•iMnJl tioAm, hier und da in Bftcfatoad bleib«i). Um 
Chr«nirt Paul Joriui, der R«kt«r der Ebelcbar Hrifliirliili. 
icbroibt uutei dem 5. April 1630 ea (eise Gt^ttn mi 
Herren, dafa er fUnf Quartele ana acinem Beutel lefca 
DiiUten , ei bleib«; ihm niofau mebr nla du troefcsoe Brei 
Hach Verkauf leiner (inler^an io AnuUdl habe er au ds 
Heiae dargentreckt und m gehandelt, daf«, wma er m anck 
nicht bü MtnOD annen Kindern, doch bei Gott und tmam 
Obri^it Terantworten wolle. 

Tillj liefe Ton feinem Hauptquartier hm Uüfalhaaset 
ani einen giohtn Teil ThüriD;tent plündern und Terheeno. 
Auf die Klageo der Bedrängten lialte er du bekannte Voi^ 
„er kdnno aeine Soldaten niebt wie VSgel durch die Luft 
nhren". Erst am &. Juü erfolgte der Aufbruch au« Thft- 
ringen. Ani 8. Juli zog FSrntenbofg dureb die OrafachaA 
Sdiwanburg rai( 12000 Uann, „»ehant derielboo wefW 
otnpfaogeDCT Verehrung, thut aber aontt grofsen Schadaa*. 
(D. Chr.) 

Der SobnupIatE der Verwaltung wandte sioh nach Kvr- 
atohiuu. DoT Zentdror Magdeburgs erreichte durch auM 
Gewalt IhStigkeiten oichtt andere«, al« dafn Bich der getreuMtfl 
l'artnor des Kaiser« dem Feinile in die Arme warf. Onetar 
Adolf eilte, dem neuen Bnndeegenoisea Hilfe su bringon. 
Altringor itand jonceits de« Thüringer Waldes. Obwohl ee 
Ihn drilngt«, an entscheidender SttiUe su sein, muTate er klare 
Befelile von Wien erwarten. 

Daf« noh Tilly in «einer bedrohten I>eig6 mit ihm in 
Verbiodung gesetzt, beweisen I'ostoD der Gehreoer Kriogs- 
reohnuDgeo: „Vier Tbaler dem Kapitän und Trompeter m 
Zelirung geben müineu; eiad uf Ihr On. Befehl mi dam 



9 



AriuMilt in den Zeiten den ilieir»i^ji)irlg«u üriüRet. 443 

Obrigtau Aldringer geacUckt vordon und Schraiben tod 
Herni General Tüly an ihn gebracht." „Z4I1D Groscben 
einem Frauken, welober dem AltringeriBultiin Kriogarolk vor- 
gespaaTit." 

Sobon am 7. September «ilag TUly der gtmiuleu Knegs- 
kunst des Schwede nkönigs. ,.Der hat ihm seinen Eintall für 
Leipzig gesegnet." (D. Chr.) Gustnv Adolb Sieg bei Breiten- 
feld hatta mit einem Schlag die Lage di^r Dinge gäniflioh 
umgestaltet. Es Helen dem Künig , in dorn iiiati uuu den 
Hort dee ETangeliums und deutaoher Freiheit erblickte, die 
proteetauti^chen Stände zu. 

Selbst der Torgichtige Heraog Wilhelm, der Hlteate der 
vier Erngtinisehen JJruder zu Weimnr, füto ilem Sieger naoh 
UaJIe entgegen und erhielt das Genomlat über die in Thü- 
ringen XU 'Werbende Armee. Ein rascher StogusKug führt 
den Schwcdenkönig südwärts. „Atu 22. suhou kriegt er ohne 
einen Schofs zu th.ua oder einen Schwerl»ohIag Krfurt ein. 
Ein Känig zeu};t durch das Land." (D. Chr.) 

Ja, jeder Zoll ein Eäulg, ein Küoig, dem das Herz de» 
deutgehen Volkeg nach seinem Siege über die Liga mit 
gräraerer Wurme eatgi-gonichlug als einem dijuCschen Fürgten 
der Zeit! 

Dofn Bauer und Bürger dch Suhuts und Schirm von 
dem Hudigeiiuuteu Ter»|>reuhen durften, bewiu« er noch 
beim Aufbruch au» Erfurt uaob Arnstadt, als et einen plün- 
dernden Soldaten auf der Stelle richten üefn. E« war am 
26, September 1031, nlj Arnstadt den König Gustav Adolf 
sum erstenmal in seinen Uauern sah, damals, „als seine 
M.ajegtät hinuusaog", wie e^ in den Kecboungen htifst. Nur 
eine Nacht weilte er im alten Sclilofa, das nuu schon lange 
2ur Ruine geworden. Am '27. begann der Marsch über dos 
Gebirge auf der alten Strurse nacli dem Erauouwald empor. 
Sie Artillerie xog, wenigsten» teilweise, wie nlte Beehnungs- 
po*teu beweisen. Über Lungenwiesen, von dort wohl auf der 
Kiacnstciuetrarie nach di-m Eamm des Thüringer Woldei. 
Die Pferde der Bfirgei und Baaein halteu tüchtig tu lieben, 



444 



Aruadi ia dan Ktiteu ds> dr«IMK)(hrigeD KrlaoM- 



KTi*g«Torriite und Bagage biDaufzu bring«». nTitn- Qalä«B 
dra Atupiinnvm zu Torlriukeo ^gebeo, wie sie die Schwe- 
ditobon Artuloreyvugvu über die AValdc uad filrder nach 
Würzburg fiihrou iimsien." 

Wie Uerzog Berohard, war auch eeiD Bruder Jirast, 
tp^iter der Fromme geniinnt, beim Zöge, während Wilhelm 
iu Erfurt als Stntlhalter zurüi^kgebliebeo var. Ein treuer 
und thiLtkriiftigor Freund Gustav Adolfi, bfttt« er mit be- 
doiitcndcm Aufwand CeechllUe und Miuiitjon :d aller Sttlla 
für deu Kijnig horricht<'u kg^eu. KarUunen und Slück- 
kugöln kamen im Waldgebirge aus ihren Verstecken und 
halfen Eur l'>oboning der üränkigcheD FestuDgen. Schlen- 
«ingOD licforto Knut und Lot in grofsen Mengen. Herzog 
F.rDSt« ObritteQjiatuut datiert tod Wiirzburg deo 5. Oktober. 

DttfH bei dem Hohwimgen Übergang ubor dea Thüring«r 
Wald viele Wagen zerbrachen, ist begreiflich. Auf Herzog 
Ernst'* Verwendung wurJo voller Ersatz gegeben. Wir 
kOnnoD dein Löwen aus Norden, dam tapfereo Schweden- 
konig, auf »einem Siegessugo durob die lange PfalTengMM 
niebt folgen. Wir sehen aber aui den KriogerechnungeD. 
dalä er mit Erfhrt und dorn Norden in Verbindung blieb. 
Poatreilec kommou durch ArnMadt, denen bei iiächtlicbec 
Woilo Uoton mit louoliteuden Fackeln voranlanfen mästen. 
Kuriere tilun von Erfurt der nach Süden dringenden ArmM 
naDi). Als eich ein Arnetiidler Bürger weigert, einem solohea 
■ein eigenes Ffecd „uuter;iuziehn", kommen von Bai* wegen 
die Stadtlcuoahte und entführen es ihm aus dem Stalle. 

Ein „Lakay Sr. MajestSl". der dam König nacheilt, löTat 
eich in der Stadt bei allerlei Cngobühr finden. Um Bauor 
klagt auf dem Itatbaus, dafs er ihm sein Pferd rem Pfliij 
gonpiuint untl ihn gcuotigt mitzulaufen, so dafe er an »einsm 
I.otbe geschädigt und ^ar uubafs eei. Zwei filr den Konig 
zum Iv'aolitobub geworbene Soldaten zechen iu jungem Moat. 
raufen aUdanu und mutson wegen übler Händel in die 
Donmitz wandern. Aber dos König« Lieulcaant ThorflUj^ 
au( Ootlom bittet tis ledig, doob müssen eie doh niolit sa 



Arustadl In deu Z«ilen de* dielfiijulhrig«!) Kri«gi!i. 



445 



rScben in Batahand geloben. Koch sind eiuige arkrankte 

Soldaten in Arustndl zurückgeblieben, die aber bald der 
Armee wieder zugeführt werden. 

Auoh ein Soldaten kind wird gefunden, das, aufs Rathaus 
gebracht, der Toten griiberin zur Pflege Üborgelien wird. DciqU 
mufs aie öfters wieder die zwei Gro sollen wöchentlichen 
Fllegegeldes in Erinnerung bringen. Sie macht dabei gel- 
tend, wie doch ihr Ghewirt (lelig »o viele gute Christen zur 
Erde bestattet, bis er dem „Gestank" erlegen. 

Mancherlei Vorkehrungen in der Stadt deuten daruuf 
hin, dafs die mit dem SchwedenkoniR verbündete Grafjuhaft 
Schwarzburg fortan Kn den kriegführenden Ständeii gehurt. 
Wir seilen, dafs Thore und Tliorwaoht jetzt eorgsamer in 
Obacht genommen werden. Auch der Pulverthurm in der 
JakobEgasBG erhält stehende Wacht. Der EttVirter Thortburm 
wird neu gebaut, das Kietthor wird mit neuen Bohlen über- 
wogen, auf dd'ä es „doppelt" werde, in da^ Neue Thor hinnin 
wird ein auf Walzen ruliendes , mit Erde geluUteB Geiuhrl 
gebracht, um den Durchgang besser verteidigen zu kciiinon. 
Wacbsenburger und Lün^witzer Thor bleiben überhaupt go- 
Bchloesen; nur die kleinen durch die Thorflügel fUhnndun 
FlÜrtcUen werden an ilarkttagen und auch wohl BoiiBt ge- 
öffnet. Dooh liegen wieder Sohlagbäama vor, und die «chvun- 
gcron Weiber beschweren sich des schwierigen Weges. 

ÜborliRupt soll kein Thor geöflnet oder geschlossen 
irerdon, es sei denn die Wache zugegen. Vor den Vlioron 
Boll kein Wi-iusehank golilleu werden; es aej Gefahr vor* 
lianden, dafs «ich fifmdo Soldaten von da aus der Stadt be- 
mächtigten. 

Aber wie oft haben Waohtmeister und HlodtltoutC'Dant 
Über VersäuniniKe beim Waciitdieiiat zu klagten! 

Wie olt aobicken, wenn die Iteibe an ihnen, die wacht* 
Pflichtigen Bürger „untüchtige Leute", welche di^r Lieutenant 
fortjagen niul'«! Wie oft sind Luchen in der Wachtmann- 
«chaftl Dafs er schwachen Leibes halber nicht kommen 
köonon, fährt ein Bürger zur Entschuldigung an. Zwar 



446 



Arnttadi tn dm Zolteii itf dreiril^UilgMt Krieg«*. 



babtt «r flugi £u einem anderen geschickt , dar hhb« Aber 
melir rerlangt, als er vormSgoad ea geben. Hao« Zit-gl«r 
hat erst bei llückketir vom Felde Temommen, dafs er zum 
XhoT« entboten; aei aber dann doo.li noch gegangeo und habe 
das Seine vvrrichteL Die gräfliche Kanzltd stellt os zur 
Erwägung, ob es ntoht besser, auf Kosten gesamter Bür^i- 
sohaft ständige Wnchea out „tüchtiger" Mannschaft in die 
Tbore lu stellen. 

Auch machen hautige DurohEÜge einur wilden Soldatoaln 
besondero VorEiuhtsraaTsregeln wegen Feuersgefahr zur Xot- 
weiidigkiit. Die von dir Gemeinde wtisen auch wiederholt 
auf den bedenklichen Zustand der vier atädti sehen Uade- 
stubeD bin. Zudem seien noch in vielen biirgerlichcu Hüus«ra 
Bndestuben, durch veluhe die uligemeinen gestopft würden. 
Auch komme es oft genug vcit, dufs itie Bärger ihren Bade- 
gästen Speise und Trank anböten and ibt HauEbier aus- 
sehen kten. 

Bürgermeister Frohen roicht dem gogenäbtr geltond, 
wie man den Bürgera im Hause zu baden nioht wohren 
küune; doch dcrnrtigen Gastereien müsse man entgegentreten. 

Wir seheD weiter, wie sich Ausbesserungen au der Stadt- 
mauer mehr und mehr niitig machen. Aber vor allem tot- 
Iftogt die liewafFming der erangelisahen Stande grofse Opfor. 
Schon wenige Tage nach Gustav Adolfs Durchzug -waren 
Abgeordnete der thüringisfheQ Stände nach Erfurt berufea 
und mit den Anforderungen des Kouiga bekannt geraucht ; 
worden. Am 10. Oktober erlioTs Herzog Wilhelm „anstatt 
und von wegen Eünigl. Würden zu Schweden" eice Zusohrift 
an die Grafen von Schwarzburg. „Wenn dann Ihro Etinigl. 
Würden uns jetzo wieder ufgetragen, euuh um lUOO Uua- 
quetirer wohlbL wehrten Äussuhusses um) iloüu gehör! gea 
Offioireni, so viel Ihr selbst noth wendig erachtet, zu ersuohen, 
als haben wir euch solches notificiren wollen, begehreodo, 
die schleunige Verfügung zu thun, dati gedachter Auischul» 
als 1000 Uann kommenden monntag den 17. hujus sitth. | 
UitCehlbar hier einstellen." 



ÄrnsMdl in dui Zeilnn äea äxiitaiiäuhrigtin Krieges. 



447 



Doch wurdto auch neben Truppen und Geldleistungen, 

äea sogen unnten Bömermouaten, Man nach aften für das itshentto 
Heer beanspracbt. Im Frühling üe« fulgendeo Johrea ßitirtu 
Herzog Wilhelm dieselben dem Eünig in Donauwörüj xa, 

Ben König fuhrto sein SiegesKug von dem Rhein zu 
diri Donau, von der Donau zum Leeh, vom Leuh zur Is^r, 
und fast am gleichen Tage, an weluhem Juhrs zuvor dio 
Ligiaten Magdeburg Eeretört, sog er aLt grofamätiger Sieger 
in München ein. Nachdem er im Lager bei Nürnberg dem 
Friedlander die Spitze geboten, ging er abei'cnals südwärla, 
den Gegner aus seinen Yeischans ungea eich nachzuzieliea. 
Doch dieser rückte nordwärts, und konnte er die heldiumütig 
verteidigte Feste Koburg nicht nehmen, so äelen doch, wäh- 
rend er sich unter Blitz und Donner ntioh Sachsen varf, 
aeine Beiterscharon ins Voigiland und die Saalgegendeu, nud 
viel armes Volk llüohtete ersuhreckt in unsere Süidle. Da 
fühlte sich OuetaT Adolf bewogen , an der Donau Halt su 
maoheti und auch seinerseits nordwärts zu ziehen, um seinem 
bedrängten Verbündeten Johann Georg nach eigenem Aui- 
druck „royalen Sucoura" eu bringen. Wie leicht mochte es 
auih kommen, tlafs der wankelmilti ge Kurßrst, vom Ansturm 
der Feinde eractireckt, wieder wie früher Fariner des Kaisers 
und dem König die Bückzugslicie gefährdet wurde! Da be* 
stitomte Gustav Adelf dem Landgrafen Wilhelm und oll den 
Seinen Erfurt zum „Generalrendez tous". Dem Herzog Beru> 
hard aber, der in Franken stand und an Stelle eoinee er- 
krankten, nach Thüringen zurückgt kehl ton Bruder» Wilhilm 
das Kommando führte, gab er Bifehl, ihn zu erwarten. Es 
war am 14. Oktober za Königshofen, daTs dem beldenmutigea 
Fürsten dio;e Ordre zuging. Aber Echoii hatle derselbe Knnde 
von neuer Gefahr, l'appenheim, der in NiedersaohBen glück- 
lich gi'kiimpft, Wolfenbüttel duroh kühnen Handstreich ge- 
nommen, war von dem Friedläuder, der an des Königs Heran- 
zuge nicht mehr zweifeln konnte, herbeigerufen worden. 
Und er kam, doch, an Selbständigkeit dea Kommandos ge- 
wohnt, Dicht eben allzu rasch und nicht auf dem kürzesten 



448 



Anutull In *» Zdtut dt* drdU|)BK^8** Kriac**. 



Vtge. Die HeTodebrflder voru, durchzog «r du Etchsfeld. 
Beine wilden Beiter fi«]eD auch in die unlsre Grafschaft 
Sdiwsrxburg ein. Schtofs Eeula %rarde susgeplündort und 
TerwtbteL „85 Gulden dem FenilarmaeheT Martin", lautet 
ein späterer Bechnung>{)Oftten dej 8ch5«st.-r(, „die Fenstar im 
Sehlone zu maoheo, se Ton den Pnppenbüm'sohen Soldntcs 
saneUageo worden." Kocb Srgermebtra iie Ebelebeu beim 
und liefsen die WeioTorrftt« de* Grafen In die SchlofekeUer 
laufen. Tierxehn Leute det Ortes cncbo$»ta »ie and den 
Pfarrer Muller, der «ieli der Unseböhr und Gewallthätigbat 
todaamalig enlgegensl eilte, schlepptea eie nebrt «cioer Tochter 
gefangeo hinweg. Auch die StifUsdiale batlo schwer so 
leiden, und die armen Schüler vom Tbtl^iDg<^r Walde flüch- 
teten hinweg, um nicht wieder zu kömmeo. Die Zahl der 
Schuler sank auf S. ßekior Gölxe. Chronist Paul JoTJm, 
stxrb in der Pfiagstzeit des folgenden Wahres. Die achworen 
Heimsuchungen mögen su seinem frühzeitigen Tode bcjgo- 
Iragen habe 3. 

Ba Uervog Bernhard aus aufgefangenen Briefen nueh {■ 
Erfahrung gebracht, äth Pappenhetm einen Hnndstroich «nf 
Erfurt plante, und er ebenBO Weimar «nd die Ernstiuisohon 
Lande io Gefahr wurzle, sn glaubte er auf eigene Hand vor- 
gelien 8u müssen, um Erfurt und die bedrohte Hoimal zu 
scbtttüen. So brath vx auf, ohne den König zu erwarten. 
Dieter aber folgte !u Eilmärschen. lu wenig mehr als 
flinrxehn Tagen war der KtSuig in Baiern, Sohwabcn, der 
oberen l'falü, in Franken und Tiitiringen mit f^oincn Sohnr«s. 
In Zeit eines halben Tages und eine» Teil« der Nacht legte 
er die weite Strecke von Kitzin^en bis Eönigehofen Kurliok. 
„Dafs wir ihm dabin folgen, konuten die Furse unserer 
Pferde nicht leiden." 80 berichtet Gebeime-Rat JoBoliim 
Camerariuf, der beim König eine besondere Ycrtrnuon«st«UunK 
dooBbin. Am ä3. kam (Suslav Ailelf naoh Solileusingeaj 
um womöglich noch in der Nacht den Kücken des Gebit 
zu übcrtteigon. , 

Nur eine Meile weiter, doch schon oben auf den Höht 



Arnstiidt in deu üeilen des dreirtlgjlibrlgcD Ericgu. 



449 



I 



k 



äee Frauenweldes, zu dem der Aufstieg von C^chleusingeu 
nioht oluie Scliwierigkeit war, stand Herzog Berobard. 'Wie 
wir au3 Camerarius' ßriefeu erseheu, wurde diese stürmisehe 
Eile auch durch die Gefahr, dafs der Fi-ind die Pässe vtriujie, 
zur NotweDdigkeit. Schon h^tte mau Kunde, daTi feindliche 
Sohnren bis nach Anietadt vorgedrungen waren. 

Nach den Eintragungen in du« Itule Itucli war es am 
19. Oktober „£rue Kwiechen ^ und 8 ühr", doTs Pappenheim'« 
Wnchtmeieter, Obriat Böanighausen, mit 24 Standarten vor der 
Stadt ointriif und Einlafs begehrte. Während er selbst mit 
Beinen Offizieren im Gasthaus Kum güldnen Schwan Tafal 
bielt, niulBlen für seine Leute eine Anzahl Fuder Proviant 
in aller Eile TOr die Tliore geschafft werden. Nachmittags 
Stursten die Bürgermeister FreHcUel und Kaufmann in der 
Güldnen Gaus erscheinen , wo ihnen die erschreckende Mit- 
teilung wurde, dafs dio Stadt binnen */, Stunden 6000 Ruichs- 
tlialer zu erlegen, anilerenfalls Plündeniug und weitere Hosti- 
litäten zu erw;irtea habe. Notili diege SUmde (nach anderer 
Ouelle) würden 2S Kompagnien einfallen und die Stadt plün- 
dern. "Wie oft (iber, dafs bei Plünderungen, selbst widcr 
Willen der Befehlshaber, Städte und Dörfer in Flammen 
atifgingon '. 

Wir waren keines Lebens sicher, sondern wie Sohlaoht- 
aohafe geachtet, c>Ti:ählte epciter Magi^jt«! Lappe. Indes kam 
es zu einem Äcoord, dafs BöBnighausen sich mit 400(1 Thalor 
au begnügen versprach, von denen 2000 in sicherer Obli- 
^tion, SOOO innerhalb zweier Stunden zu zahlen leion. Das 
Geld in der auegeeogonen Stadt zu beschaffen, war guter Bat 
teuer. Der Ilof war nach Gehren und, wie auch die gräf- 
lichen Herrschaften aus der tJnterherrschaft , von da übers 
Gebirge entfiohea, um sich der Gefaogennaüme und Banzion 
KU entziehen. 

Nur kleine BotrSge fanden sich hier and da. Doch ge- 
lang es der Umsicht des Magister Lappo, noch zur rechten 
Zeit dfts Fehlende zu schaffoD, und zwar von dem welmsrischen 
fiülprediger Lippaoh, der, vor dorn drohenden Ansturm der 



450 



AnM*dl is d«a Z«il*o i— iniüigjlhlff^ Kriigw. 



pBpiitcD cDtflohcn, io Amilndt Sickerbeit getuohL DvrMlb« 
Uefa lieh dar«h Lappe bewegeu, *«in Btrrenaögen von 9S0 
Thalern der Bflrgersciuft sn ihrer Betumg geeea Siuhw 
ttoUnog ftnEUTertrauen, Lupp« »«Ibat konnte aus s«iDem Eigsco 
Dodi «inige Uusdert bimofÜfciaD. 

BtiDDighBU*oii zog ab und rvrgtlt in der Ril« dl« OUi- 
gation mit »ich zu nebmeo. Stand AmttAdt am 19, Oktober 
dieht am AI>t;rund des Verdvrb«DB, m vurden in diesen T«g«D 
auck die höber gelftgcneo Gegenden tod Pa ppanfa eiin'»cb«B 
Bautwcbaren hvirngMucht. Kchösur Kalthaser Glata zo Oob- 
Ten, desfien Nachiioinmen in der (iel ehrten guchichte sieb 
einen bodeut^nden Kamen gemacht, xeicknet'a in seine JahiM- 
rechnuiig ein, wie die grüfUoben Hemuhaflen, die für den 
blutgierigen Tyrannen und Feinde haben die Flucht geb«n 
raöMeD, hinviederum tou Gehren in gruCier Eile nach 6uhla 
geflohen. Er seibat birgt «ich hier ood A» in UüLlun uod 
Hüttenwerken. Halb blind, wie er ohoehin sei, mäTeten ihm 
etwfljge Irrtümer in Miner Abrechnung zu (lute gehalUm 
weiden. Boteuliiufer eilen noch bUeq Richtungen, zu er- 
kunden, TOD vanaen die Tötker kommui und wohin «i« 
sieben. Die sittliche Verwilderucg aber, welche Einlago- 
nugen und Durobmäreche auch über die Weldorte gebracht, 
findet in einem eiougen KeohDung«po»ten eine grellere Be- 
leuchtung , als iio die eingehendsle SchilderuDg zu };ebeo 
Termöchte: „'Siebzehn Oro«chen vor 3 HalseiBeD an die Lin- 
den bei der Kirchen (zu Gehren), welche Herr Dr. QUttich 
zur offen tu üben Beitrafung der Huren dahin verordnet uod 
macheu laeaeu." 

Jfin tmsilicber Versuch, den andringendeu Peinrlen diel 
Woge KU verlegen, i»t von den Pappeiihiim'ichen Scbaron 
nicht gemucbl wor'lon. Nor die Verbindung da« hrran- 
zaebenden Kimig* mit der Vcate Erfurt, i\vm Orte dea „Ge- 
ncralreudezTou*", konnten sie für einige Tage durchbrechen. 
Dafs aber eiue solche bergeslellt war. beweist die Zusolirlft 
de* BthwedisoheQ BesideDten zu Erfurt (ll>. Okt.) an Graf 
Ofiothcr, in welcher er um eine gnä<iige VerfUguDg bittet» 



Arnstadt In den Zeilen iu drciriilgjUiriKMi KritfM. 



451 



W 



dafa bei Tag und Nacht ein Pferd flir die Über den Thüringer 
Wald reitende Post in üereitscbaft gohsltea werde (vergl. 
Beilage I). 

Jedenfalls aber fühlle aioh Ucrzng Bernlmrd dureh die bo- 

droHlichen Vorgänge diesaeits des Waldgebirges zu äiirserator 
Eile bestimmt, data wir ihn nouli am 22. in Arosladt ein* 
treffen sehen. Violleioht ist er sogar (freilich in Widerepnioh 
mit dorn citierten Briefe des Camemriue) «chon nm 31. an- 
gekommen. Denn in der Ratssitzung äot '22, wird ein Boten- 
läufer zur Demnitz verurteilt, ve'ü er sich geweigert., „heint 
vergangene Naohl. für Herzog Burnhard naoti Tonna zu lau- 
fen". Herzog Bernhards Kälter drangen bit in die Gegend 
TOB Buttatädt vor. Pappenheira wicL dem Vorstofs Bernhards 
BUS, nahm seinen Weg durch die güldne Aue und konnte 
ungeliindert zu "Wallenstein etofsen. 

Herzog Ernst aber, in Gustav Adolfs Umgebung, thut 
noch am 23. der Bürgerschaft zu Arnstadt kund, dafe Ihm 
Königl. Majestät mit dero Armee zu Fraueuwaldo OotÜob 
glucklich angelangt »ei, und fordert dieselbe auf, Tag und 
Kacbt auf Beschaffung von Vorriiten bedacht zu sein, damit 
nicht das Heer aus Maogtl zu Auaeohreitungen sich hin- 
reifsen lasse. Selbst die Mehlvorräto de» Grafen in der 
Oiintheremiihle sollen herangezogen werden (vcrgl. Beilage U). 

Doch ünden wir, dafs ohnehin schon die VicTleute am 
33. vor den Bat der Sladt beschieden sind und ihnen er- 
öffnet vird, „wie ein Marsch wieder vor sei vom achwedischea 
Totk". Da müsse man Proviant haben und sehen, wo solcher 
£u nehmen. Die Yterleute bringen ihrerseits das Oesuuh der 
Bürgerschaft an, ihrer in solcher Zeit wohl wahrzunehmen 
and die Eontribulionsgelder xuriiokzuhalten , d»iuit man für 
alle Fälle gedeckt sei. Es wird beschlossen, dal's jeder Brau- 
herr ein Viertel Malz vorschiefae , damit „ein gemein Bier 
TOT die Soldaten gebraut werde". 

Folgenden Tags schon ist der Uuartierraeiater des achwc- 
diachen Hoerea zur Stelle. Da alle Offiziere mit ihren Mann- 
achaften in die Stadt gelegt aein wollen , muTa ihm eine 



452 



AciisUdl In dta ZsiUB du dtdfalgjihrfs*!! Krieic««. 



besondfiie Yerebruug werdou, damit nadi dJo DorfschaAeo 
ilir Teil zu tr&geti bekommen. 

Bald traf auch der, König «elbet und teia Emizler ein. 
Sie Foeteo der KentereirecIiQUDg geben ftlr Mine Aitlctiitlt«- 
zeit keinen beitimmten Anhalt: „13 II. Iß gr. Frau Katha- 
rina Kirohheimb vor Ein FaT» Weizenbier, so in Ihr Onadea 
Kofbaltuug allhier abgeholt wordtu, ali Ihre Königl. MajeetSt 
EU Schweden aubero kommen d. 26. Oktober lfi32." ,,4 fl. 
12 gl. zahlt Martino Frobeoio Tor 3 Eimer Stadtbier, to ii 
^e HoilaUuug geholt worden, als der Keiohskaoxler Oc1i&«d. 
stem allhier gewesen den 26. Okt." „Ddb Weimarische Heer 
ist aohon hier", schreibt CamsTarius von A^tl.^tfi'Jt aus am 
35. Oktober, „dae unerige zieht sich aber das Gebirge." Der 
König Beibat aber am 26. Oktober an KurfürdJohunn Georg: 
„Wir berichten Ew. Ld. weiteros, obwoln der Düringerwuldt 
tJons ziembliohe Beadiwerde gemacht und ein paar tag bis 
wier daräber koiomen, hingenommen, dna wier Jedoch heu- 
tigen tag mit Unaer ganzen Arm^e alhier aolangea" (vergi. 
Beilage lU). Diese Benaohriohtigungen aber bezieheti sich 
niobt auf dio Pereon des Königs selbEt, Gondern auf sein noch 
im Zuge begriffenes üeer. Nur eine Eintragung in das rote 
BUrgerbuch, die dann auch, auf Pergament abgeschrieben und 
in ein kopferneB Kohr geborgen, zum „ewigen GedächtniJJt" 
in den restaurierten Knopf dcB »pitzen Jakobsthunnes ein- 
gelegt wurde, giebt den Tag des koniglioben Einsugs mit 
zweifelloser Bestimmtheit: „Dienötaga den 23. Oktober kaa 
K. Majestät Toa Sohwedeu nach Arnstadt uml nahm eein 
Quartier mit seiner Armee ISOOO stark iu dieier Stadt und 
den umliegenden Ottiohnften." Chronist Olearius giebt dio 
Stärke dos eingelagerten Heeres auf 21000 Mann. Wahr- 
scheinlich wurde dieselbe erreicht, als EniphauKen noch mit 
der Nürnberger Besatzung ankam. Zwar auch schon am 33, 
to Schlousingou angcliingt, hatte denelbe «eine Artillerie or-j 
w&tten rnüaseo. 

So wurde Arnstadt für einige Tage zum Usuptquartic 
doR grofsen Königs. Es erbrauste die Stadt vom Waffen- 



AraAladt Id däii Zaitea ilea dr«irs1t^fihri|;eri KritfiEi^i». 



453 



getöse. Da murete man die Kinder im Huiiso tai:fcii und 
den Herbstmarkt, der zum 38. begitmen sollt«, nuf ipHter 
verlegen. Die Häuser lagen voller Kriegsieuts aller Waffen* 
gattungen. Fleheotliehe Biltsobrciben um Erleichteruiig der 
Last laul'en beim städtischen Beginient, doeh auch ojimittel- 
bar bei gräflicher Herraciiaft ein. 

„E, G. G. gebe ich in Ünterthünigkoit klogeod zu er- 
kenneti", eobieibt Erasmus Kallenberg, „wie der wohlgeborne 
Graf und Herr von Spene, Königlicher Ohri«ter, saramt dorn 
beihabenden in die Tiertaig personen uud etaliohen Pferden 
mir vider Qott und alle Billigkeit über den UalTs gelogt 
und zugeschickt worden ht. Wann ich dann solche gar zu 
siJiwere and unerträgliche Drang^id nicht aus steh u kucn 
noch vermag, Boudern mit meinen Kindern den Bettelstab in 
die Hand nehmen und Ton Haus und Hof gehen niufs, ala 
gelanget an E, Gr. Gnaden mein wehklagendes Seufzen und 
Flebn, »ich meines elenden Zustande» um Gottes Willen 
gnädig EU erbarmen und bei hiceigem Stadtratli gnadigen 
Befehl ergehn au laoen, damit ich dieses allzuschweran und 
unerträglichen Joches entnommen werden mäge." Nach Jahr 
und Tag nach des Königs Eeldentodo stritten Amstädlor 
Bürger, wer hei seinem Anwesen allhier die giöfste I.a^t 
getragen. Der eine machte geltend , dafs er zu ftUem auch 
Doch 3 erkrankte Soldaten auf dem Hals gehabt, wührend 
wieder ein anderer , dafs er au l'ser den Reitern noch 2 
ßtSubei und 3 Windspiele verpflegen müssen. 

In der That lag ein schweres Jooh auf der echOB so 
vielfach heimgesuchten Stadt, wenn auch bei den einge- 
lagerten Vbiliern bessere Mannszucht waltete als bei den 
Merodebrüdem. Droifsiglausend Pfund Brotes waren täglich 
zu liefern. Yieihundert Eimer Bieres und mehrere Tausend 
Zentner Flei^clies verlangte die Verpflegung des durch un- 
erhörte Eilmüraehe mitgenommenen Heures, woEu die Nacbbar* 
städtö cur geringe Beisteuer leisteten. Doch auch ilio tiiioh- 
iten Dörfer waren belegt. Das kleine .^ngolhauten '"■"" 



454 



AnuUit ta Am ZdtM d«s draifiiciUriKCD Krk«««, 



nrcn)gBt«ni Saimguardienreiter und scblof« e«ine JahreuMh* 
nuBg mit einem Kinu«. 

Der KüDig selbst als lio^hgeelirtar Gut dor f[TSflicti« 
HerrsctuifleD , dio aUWd b»s Sulila surückgekehrt w*rM, 
bewohnte im ollen Sublors das sUdliehe, sohSn gatSfelle Eck- 
zimmer, diu fortun „der KüoigMaol" h\«h. Zwicebeii deo 
genialen UeerfUhrern , Eönig Gustav Adolf und Hen«; 
Bernhard, kam e* io ÄiDstadl lu eioem nur küliU'd Wioder- 
sehcD. DoTs der HerKog aui Franken au%«brocihoa , ohst 
der erhalteneB Ordre ^«mäf« duu Eunig zu erwarttro, ward* 
ihm von diesem sehr übel vennerkt. Während der Koni; 
in diesem ei gea mächtigen Torgeheo einen argen Ventoh 
gegen die FÜichten miliLarischtr Disitipliu erblicken modiU, 
var der Herzog ««ioerseiU geneigt, in dftx Königs Terbol 
eine Itegung der .Mire<,'unst aa aehen, alt neide ihm derwlbe 
einen etwa auf eigne Haud erfocbtenen Lorbeerzweig. S* 
kam es, daTe Herzog Bernhard in Arnstadt uino „Obarge 
im (ohwedischen Heere residierte" und oin nnahbSDfpger 
dentecher Fürst lortaa nnr als Bundesgenosse dem Kontx 
xur Seite stehen wolUc 

Auf dies gespannte Verhülluiit ewischea Köaig and 
Herzog deutL't auoli uin Arastädli-r Bstaprotokoll hin. Dk 
Gastwirt sur güldoen 8onne berichtet dem Kate, wie ihm an 
23. Oktober, als der EÖntg wieder herein gezogto, nnfSaglieb 
Heniog Bernhards Ldbpferde, IS an der Zahl, durch «in 
„B^ot" EUgewieseo seien, vie aber der königliche Quartier- 
meifiter kommen, hütte er solches an seiner Thür ausgowiscbt 
und des Königs Majestät Hauptpferde, nicht weui(;er als 36, 
bei ibm einquartiert. Bei einer epSt«reD VersehinuDg b«* 
stätjgt ein Zeuge diese Aussage. Als mau für Horzoz B«m- 
hsird Quartier gemacht, seien über 'liesem die Schwodiaohon 
kommen , hätten alles umgestofsen und die Quartiere ibros 
G(i fallen» gemacht. 

Wfihrtnd nun das Heer hei reichliobei Verpflegung io 
gaten Quartieren nach den ununterbrocheaen ElilmifrMhon 
von der Donau bis zum OerafliiTsohen einige Buhetage fiodm 



Arnüladt In dnn teilen dei drelfid^ithrlKisn Krltg«t. 



455 



koaale, um für neue Strapazen und die Stund«u dar EdI- 
■tulieiduDg Ksriiatet za sein, durfte Eünig ÜUBtar Adolf eioli 
nur weoig Mufae gönueu. Halte dooti aolbet, %\i er raHtlos 
uit seiuem Heere aus dem ferneu äüdsD Duch ThüriiiKUD« 
Bergen eilte, die Politik niclit geruht. ätButsmiüiaigi-h« Br- 
wäguDgen der ern^testeu Art liutteu ajuli auub dumulB goioem 
weitBchaueudeu Geiste aufgedrängt ; doch niuCate suhriftlJch 
EDtnorfenee nach Cameruriue' Uitteilungen unvolleudet im 
Keisewageu zutückbleiben, Ftsinile überall , hoimliohs und 
offene, and der Freunde nur wenige oder zweifeltiufteBter Ärtl 

Erst Ärnetadt gab Mul'ae, Begonnenes zu vollenden oder 
Erwogenes schrittlich zu fassen, und kaum ein anderer Zeit- 
punkt seines vielbewegten Lebens erijffnct uns ru klar« Ein- 
blicke in die grofs aogelegte Natur Uuslav Adolfs und iu 
den weiten Horizont teiner Politik. 

Zunauhst galt es. Oberdeutschland , das der ESnig aU 
Sieger durchzogen und wo er die militari seh wiciitigateu 
Punkte besetzt hielt, aucli wenn er den Schwerpunkt seiner 
Macht wieder nach Norden verlegen muTete, dauernd an das 
Interesse seiner Krone zu knüpfen. 

Bo gab er seinem getreuen Kanzler Ozenatieroa, schon 
nra Tage nnoh seiner Ankunft zu. Arnstadt, in einem Ha- 
morialö die leitenden Gesichtspunkte für die Verhandlungen 
in Ulm. wohin derselbe die Fürsten und Stände des schwS- 
bisohen , Irünkisohc'n , des kor- und oberrheinisoben Eruises 
bescheiden sollte. Der Kanzler sollte sie bewegen, sioh auf 
das feslostu miteinander zu verbinden , fiir die künigliuhen 
Truppen durch Aouse auf die voruehmsleo Nahrungsmittel 
die nütigen Mittel sicherzustellen, gute militärische Dis- 
ziplin als besonderes Ziel vor Augen zti behalten. Vor 
allem sollte Ozenatiema die Stande bestimmen , sieh unter 
des Königs Direktion und Protektion jcu stellen, ja sich vom 
E^aer ganz loszusagen. Man weifs, wie gerade ein der- 
artiges Vorgeben, obwohl es in gewisaer Ueniehung doch 
nur dem zu gosohiobtlichpr Notwendigkeit gewordenen Eul- 

XIV. 30 



4&6 



Arnttadl ib <1nii 9!«it«n ■!•» Atnfäxjarri^a KrlcfH.. 



wioltlunKifC«Dg« TorgrifT, auf das lichte UeldaDbild dt» gnttm 
Kimig» Mino Sohatlon goworfsn. 

Nfldti nm fcluiulicn Tiige entvarf dor KSiiig ei» ächni- 
beu Bu die fränldunlK! KUlertcb^fL, nuf die er boi eeiafti 
veitiielendHu Fläiit'u gtait besonder« eUiIt«, Kr emabMc 
dieaelbe, sich iu Ulm eiuzufiuden . mit <feni HeiohakuMilT 
ftllii Mitto], den Faiad abKuwihri-u. iti ErwU^uun xo sielMi 
DDiI nuf alle ihre MitTerwandteo eiDZiiwirken, dnl* aie neb 
■u glmnliMu }!wooko in Ulm fioden lassen «ollteu. 

Der KutiEler rnrliofs Amatailt, wi« wir aue Cam^nriu' 
Briefen emehen küatieu, nooti vor Aufhrucb QiutaT Adotb 
und ging uaofa Südeu , aetnur Aufgabe uod dum Verttsun 
aeinoi Kfinigg zu eutsprei^heu. 

Aber wie die Atigeleg«Dheiten in Überdeuteublgini] bt- 
■obiUtigtea den weitbIick(^iidtD Gei^t des Könige wührMt 
■eitioi Aufeathalts su Arnstadt auuk die Vorgänge in dn 
ffiederlandoo , diu ihn mit BeiorgniH erfüllen nauTalen. Dii 
tioDorttliitMlou ubos diu wttvbaeade Usclit Sclivrcdeni, 
uumeiitlich seine Obmaoht auf der Oitsee nur uiikctd uaJ 
■ohiouen geneigt, liob mit Spanien friedlicli aUBeinauder»- 
HelSeii und von der WaffeDgenosgetischaft mit dem Koiii( 
Guxtav Adolf xurück tu treten. 

In seiner Zuschrift aus Arostadt fordert derselbe daber 
seinun Keaidenten iu den Niederlanden, Ludwig Cumerariui. 
d«D Vater seine« vertrauten Bstes, iu eindrioglichstir Weit« 
auf, «einerseits allon Umtrieben energisch entgogeiisutr«teik 
MUfstu es aber sein, *o süllte er den üeneralstsAteii die Kr- 
kliiriing abgabi'D , dafs auch der Küuig seinen loeoudereB 
Frieden machen küuna. und iswar obne ihrer dabei zu g«- 
d«nkeD. 

Wir sehen aus etwas frtlheren Briefen des Kijiniga, «i« 
auch die UFeltung des eifeTsiichtigoo Dänomurk« , duii damals 
wieder mächtig rüstete, ihm Uesorgnis eindorsen inu&te. 
Wenn Spunion die Hüii4e io den Niederlanden frei bekam, 
konnten mücbtigv Flotten ihm dtn Seeweg tinuh soiimo 
Bordiacheo Heimatalande rerlegeu 1 Uud wiederum onebau 



ArusUiit In ilan Zelten dai dreiTii^ihri^n KrifRin. 



4&7 



Trir aus einem Briefe dea Eünigg, den er noch *m 30. Ok' 
tober, wenige Tage vor der I/tit2«uer Solilaulit, in Buttatädt 

geecliriobt'n, daTe aueb Fmokreicha Politik, das, nunnjehr im 
BeeitK der behemclii udeu Stellungen am linken Hheinafer, 
ihm ijie Subsidiec schuldig blieb . ebenfiLlla dazu »ngethao 
war, ihn zu beunruhigcu. Ja. Überall Feinde, wankelmütigu 
JtundeegenosBeii oder Neutrale, die uucU vor Abeud aieli au 
Beinen Feinden iohlageu konnten! 

Doch 'ler Löwe aus Norden licfs eicb nicht schrecken. 
Am 36. Oktober sagte er dem Kurfürsten you SaohBen noch- 
male sein alsbaldige« Kräuheiuen nt. Doch verpflichtet er 
den B II ndesgeD aasen, nun auch das Seine zu Umn, die aötigeu 
Vorritte zu besohaffeD, dumit hicIi die Suhwierigkeiten im 
Nürnberger Lager nicht uochmale wiederholten, und ihm 
so viel Fufsrolk sIb möglich und 211m wenigsten 3000 Keiter 
entgegenzutiühicken. 

Am letzteu Morgen aeinee Anfeiil.httito« in Araetadt liefs 
Uuetay Adolf uoch eine Zueohrilt an den Pfalzgrafen Fried- 
rich ubgelieu, au dun Wiutnrkönig, wie nae ihn Etanute. 
Hatt« derselbe, fUr den niemund inuhr einen Fiuger rühren 
mochte, um den Künig kein anderes Verdienst, als dafe er 
ihn acht Monate lang auf seinem Siegeezuge durch Süddeutsch- 
land begleitete , wobei er stete auf gute Quartiere bedacht 
genommen, so wiederholte der König jetit , unter frennd- 
lichem Dank für geleistete Gesellschaft, ein frühere« Ver- 
spreclien, ihn in Kur und Land wieder eimtuaelisen, wenn er 
auch allerhand Nörgeleien des Püreton ohne Land gegenüber 
die Besetzung militüriech wichtigor Punkte in der rt'alü bis 
zum Prieden beanspruchen muf«te. 

Ee war Sonntags, am 38. Oktober, als Oustttr Adolf noch 
diesen Beweis smner hochherEigeu Uesinnuug gab; „alrio nur 
acht Tage", bemerkt der trefDiche Moser in neiuem patrio- 
tischen ArchiT, „vor dem in der Schlacht bei Lützen erfolgtvn 
Ende des grofsmütigeu Königs, dem Friedrich in 30 Tagen in 
die Ewigkeit nachfolgt«." 

Novb desselben Uorgeu« erfolgte liu«tav Adolfs Auf- 

ao" 



AmiaA tu dn Zcltm Ott 4ralbl^lkrig«i Krieges. 



bruiih. NacbuitUgt um 6 hielt «t dorob das Krempher Thor I 
LIMB« Kniug in Krfurt. Dort b«mcht« er dsa noch imait 
'linak d&rDicdcrliegvDileD StattlMlter Hcrxog Wilhelm in d« 
KuthauM, ipeikle mit der Königin, aeiner Ocmahlio, dem] 
Hmptqnartier nach Erfurt verteil wDrd«u wftr, und mit Ha- 
XOg Eruit zu Abeod. Schon un dreUÄigsieu i>t er in fiutl- 
•tüdt, und am 6. Koveiuber erfolgt« der blutige Ztuaiam«a- 
■Wfn mit Walltn^teiD. Joh&un Ü«prg hatt« trotz dringender 1 
Anmatinuug seiDem hocbti«rsi^«n VeTbrin<I«teD tüles in allmj 
1000 l£«iter für die Sluode der Ent«cheiduag zugeuchtokL 

Konig OuGtav Adolf fiel, iiod diu He«r vrnr oach 
sog Ucriibardft Worten die Uerdt:, welcher dur flirt 
Unetngedeok erfabreaer Kränkung uaieroshm er es iu todM-j 
mutigem Itiugeu Jen Fall dm Heldenkünigo jeu rüvhen und] 
deu zweifslhai'len Sieg ou die Fshaen der evaageliouhcD SmJi»| 
zu kDilpfea. 

Unter den Friedländischen Üfäzierco, die in diesan 
lebsteo blutigen Straufs nicht ätupd hielten, war auch Boiuiig- 
hauica. Eine faat wehrlose Stadt iu Sohreokcn xu aetieo, 
litttte nein Mnt wobl auegereiübt, nicht aber fUr Holch eines 
Kampf uuf Leben und Tod. Der tapfere Iklerode faud seino 
K«it«r in wilder Flucht und ao der iSpitze der FlitshoDdaD 
den Wachtmeister selbst Wallenatein urteilte von ihm, der 
■ich in Sicherheit zu bringca gewufst, dnfs er mehr aXii Tiela 
andere, die iu Frag zur Strafe ihrer Feigheil gerichtet war- 
dcu, den Tod rerdieut habe. 

Wahrend in Eichstedt und andern Orten über dou Fall 
(iuatav Ädolt'a eiu „Freuilgelüut", in Wien Ja» Tc doum na* 
Mtimmt wurde, rief in ThUciogen die herzbewegende Kunde 
«Q Bohmerzgefilhl ohnegleichen waob. Doch emt am Ifi. Juli 
folgvndeo Jahres, au dorn Tage, au welchem die Leiulio dea 
Heldonkönigs von Wolgeit noch Schweden gefilhrl wurde, 
|ltimmten die Olookeu des alten Frauen mün»loni zu Arnstadt 
daa Tnuergelüut um den gefnUeuoD Helden ou, uud Ma^ater 
Lappe feiorte da« GedSalitnie des grulkun ManncH iu e^iej- 
fend«r LeioheupredlgL Doch hat ja aolbst der Papst eiu« 



Arnstadt in dtn Z«it(ii •)«> dccirtiRJibriciD Krl'frn 



4S9 



Trauermesse um <len Gefallenen abgehaltea, ijer »ich dem 
gefahrvollen Waehntum der Hababurgi schon Macht nnlgcgfn- 

^H Ein Leichenzug, nicht ein Siege«xu(; wftr'e, der »ich un 

H^'7. NoTembcr 163^ von der WshUtail bei Liiuen noch 
H VeitsenfelB bewegte. Am 8. liefa Herzog Bernhard in einer 
Zuechrift Vitzthnm's und Brandts die (Irafen von Suhwars- 
burg erauuben, als dem evan^celischen WeHen zngethane Stände, 
eine Anzahl in der glorreichen, aber blutigou victorje verwun- 
deter Offiziere und Soldaten in ihren LanJeu verpflegen zu 
_ lassen (of. Beil. 4). 

f Doch wessen war nun die Führung , nachdem Ou»tav 

Adolf, der Kort und das Haujit, in dem uch das evange- 
lische rieutachland noch einig gefühlt, ein so frühzeitigea 
Ende gefunden.' (cf. Droyscn, Herzog Bernhard von Weimar.) 
Herzog Wilhelm, obwohl ohne hervorragende militärische Be- 
gabung, ja selbst ohne soldatische Neigung, doch nicht ohne 
Ehrgeiz, verkündete am 8. November von Erfurt ans, daf» er 
rennäge der aufgetragenen Charge dae Werk nn des Konige 
Statt dirigieren werde. Ein Glück für die evangelisehe Snche, 
dale er zumeist nur dem Namen nach, thatsachtich aber sein 
genialer Bruder, Herzog Bernhard, dae Kommando führte. 
Aber es scheint denn doch, dafa mit dem Abscheiden de« 

»Heldenkönigs, wie sich bei der Ärroco die Bande des Oe- 
horsams lockerten, so auch die Willföbrigkeit der Städte aieh 
wesentlich herabminderte. 

Nikolaus Stabulofsky, Obristlieutenant, kommt damals mit 
Offizieren und Hotdalen in die Umgehend von Arnstadt, um 
der durch unerhörte Eilmärsche und Strapazen, sowie durch 
Gefeobte und Bchlaohten hart mitgenoromenen Armee durch 
Werbung neue Krüfte zuzuführen. Aber als sein HofraeiBtei 
dann bei den Bürgerin ei stern auf dem Rathause um Quartier 
Ansucht, wird er von denselben abgewiesen. Jn, Magister 
Froben liefe aogar verlauten, wofern sich die Offiziere in die 
nächst«ii Dörfer quartieren würden , wnlle er schon dafUc 



MO 



Arnilailt In den Ztltrn -l*» dr*><Vi||jlhrScBD Krr«c«4. 



Bctgfl tngHi, „äats ihnen allenant der H»la entzircäg«- 
gMl vntiv", Bo lesen vir wrnig«t«is in cinor *m 
^Bndislebea d«tierteD Ucüchwordeflohrifl Siabalofsky's. 8olw]d 
«r Mlbst, jet3:t ein kranker Mann, wiedw ru KrSfteu gelai^ 
werite er solchei< boi Herzog Bernliard, von dem er doeh wioe 
Patente erbalten, wohl ku riibmeD wiMon. Wenn er oder 
Beiner Offiziere einer an einem eoloben Ort«! da nt&a weder 
Pflege Doch Wartung, auch weder Lubsnl uooh Medikament 
haben köone, solle Todes verfahren, wie vrürJe muQ sololiN 
bei Piirsd. Gnaden und bei den LHiidkcmmiiutäreEi veiast- 
Worten mdgeu '■ 

Soiae Beecbwerde half. Bald ettheu vir ihn eeio Haupt- 
quartier in der GUldeueu Uenne einoehmen, wo S Jährt 
zuvor Bobertus Boruival gehaust. 

Om so mehr stockt Handel und Wendvl io der StAdt, uad 
schon der um des schwediS'Cheii Durchzugs Willen v«de|^ 
Herbstmurkt blieb von Krümeru uad Käufern uohe«acht. 
Dagegen fehlt es nicht an „Eiuilringern" xweifethnftcsttr 
Herkunft, und die Btädtiache Verwaltung eah sich lu einem 
AnB<;hlag am Bathftus genijtigt (4. Nov.): „Weil sieh allhi«r 
viel Iremde Leute aufhalten eollen, welche unser Ouäd. HoiT' 
sohaft und dem Bathc nicht pllichtbar noch Bürger aind, ■!■ 
iollen dieselben hiermit vermahnet sein , dafs eie sich ibdoP- 
halb 14 Tagen aus der Stadt machen und ein jeder an uetaea 
ort begeben soll, da er pflichtbar iat, oder soll gewiirtig «ein, 
dale ei« mit Schimpf ausgeboten und die Wirte, eo nie auf- 
halten, ihres Bürgerrcohts beraubt werden." 

Am leteteu Kuvember kommt der K&mlet OxfloittioriM, 
ita in Ulm die Naohriuht von dem Tode «eines KönigK or* 
halten , vieder durch Arnstadt , um lag» darauf die offizielle 
Hitteilung von Kri'art aas an die betreundeteo Uäobto ab- 
gehen su lauen. Er begiebt eioh zur Zueammenkuoft ntt 
Uerxog Bernhard nnoh Ältenburg und auch ku dem laueetCD oaA 
iwcifelhaftesten der BuudesgeuoHtien , Kurfümt Johann Geoq^ 
ohne ein« Irgeod befnedigende Erklärung erlangen zu k^oiiea. 
Hersog Wilhelm verordnet um dieselbe Zeit, dab au« 



I 



• 



d 



Araatutl in ätn ZfÜcu <l«g drnifsigjüljriuaii Kii«][<t. 



461 



der GmfWhaft Scbwarxburg Arastädtieohen Antoile 300 Haun 
gutee ducEitigCD und tit^herztüii ÄuHEohusseH mit Uu^koleo, 
Kraul uud Lot iiud den Spielen ijuverzüglioh eioli in KrfuTl 
umstellen tiollen. Aueh ein angestrenitler Wauht dienst er- 
hall diu Bürger tu Übung, und Mauer und Mauerturm, 
SUtokel und Schlagbauni verloogeu viel Arbeil und fioaleti' 
»iifwaud. 

Aber besondors 8chwer liutet nuf der Bürgereohaft die 
Schuld an Mogteter Lippaeh l'ür die durgelicheaea „RaDziong- 
gelder". 

Mati hat ilim, uIb er bei seinem Freuud Magister Lappo 
xa Gaelc war, eiuen Laiumsbauch, Forellen und Weizenbier 
alg Ehrengabe der Stadt zugeuaadt, abor von seinem Gut- 
haben an die Biirgereehalt, die er aua dem Verdorben errettet, 
noch keinen Pfennig abgetragen. Und doch stand der letzt« 
Termin, dio Neujalirsmease, vor der Thür. 

Am Taf;e vor Weihnacht sehen wir Bürgermeister iinil 
Hat, wie die Vier von der Gemeinde in erregter Sitzung in 
der „Audienz". Au» der Kontribution kann nichts eDtnommen 
worden, da dieselbe noch selbigea Tages ouoh Erfurt muTBi 
wenn nicht uU Weihnaohteg eschen k mehrere Kompagoieu in» 
Land lallen ^oOeu. Die iiiergulder der Brauherreii sind für 
ondliohe KinlÖBung dos gräßiaheu Silbürgeaohmuiduii und aar 
dore Notwendigkeiten bestimmt, „da Ihre Üuadeu der Stadl 
halber dero Gräflichen Glauhen vewotKl". 

Einer der JUtskuinpen äuTsert die Ansiobt, die Untot- 
aeichuor der Schuldurkundc seien yorpüiohtot, aus ibrom Eigooi 
für Abtragung Sorge zu Iragou. Aber niemand der zu Rat 
äilzenden lallt Ulm zu. Sind bei Aufstellung der Urkunde^ 
ak eine Zogerung vuu wenig Minuten die Stadt ins Verderben 
stürzeD konnte, uicht olle üblioben FörmliohkeiieD beobachlet 
wordeo, so trügt si« doch das Siegel der Stadt, und »s steht 
d^D zu lesen, wie in uiieorn höchsten Nijten, als gemeiner 
Stadt die Plünderung augodräuel war, der Ehrwürdige, Hoch- 
Mhtbore und Hochgolahrte Herr Mugitler David Lippach, 
Fürstl. Bäohsiclur Uofprediger su Weimer, aus ohribtlichem 



4ß2 



AiiiMndl In i«n Zfiten Atf äiriWujihf'li™ Ktw««». 



HHteid xur Znhliing der Ranzion 960 Rciohsthator Torg«Mtxl 
und Ktliehcu, die wir richtig eropfangcn nnil bekommen liHben, 
^eredou und geloben derniinch fiir iinri und die iinHern bei 
unaern Eliron, Trauen und gtitum fllnuheo und bei Verpfta- 
düng aller uneerur Habe, sulche ä.iO Uthlr. ktliiftigen Leip- 
sigcr Neujahramarkt ab kommeudea 163%. Jxbros geliebta 
Gott mit frideu an Ort uod Stelle als Leipzig, Krfurt nnd 
Weimar, nach dee Herrn Magister guter ßolicbiing wiedenun 
in guten un verschlagenen Reichsthnlern riiokzuxiihleD and 
dankbarlich dies uneer Bektuintnis ehrliuh einzulösen. 

Die AnEiaht, veil das Geld Flir gemeine Stadt geboi^ 
es auch von gemeiner Stadt zurl^okzuzahlon sei, drang duroK 
Hohntides unrecht sei es, wenu man mit Undank zahlen wolle. 
Einem ehrtiohcu Manne sei ehrlich zu zahlen. 

fndeaseD kam die Sache doch erst durch Vermittelung 
des (iraren und aiit* Andrnhen den Herzog Erudt 2» Tollatüa- 
diger Kriedigung. Zu Neujahr geht Kunüchüt nur eicn KhrdD- 
gabe an gedörrten Forellen an Magister Lippuuh ab. 

Kurz vor der Wuhnaohtszeit entchieoen auch nach altem 
Brcuoh die Sohuldiener euf dem Rathaue, um ihre Uienate 
(Vir ein weiteres .lahr nnsubieten und etwaige Besehworden 
TOrzubringen. Diesmal müseen sie dringend bitten, den Kaateti- 
Schreiber xu endlicher Auasablung ihrer lange riieka tun d igen 
Beaoldung anzuhalten. Rektor Grofahayn erklärt ob für aehr 
hart, wenn ein Kollege tiiglich sechs und sieben StnndeD m 
laborieren habe und nachher doch noch viel Mangel befinden 
und erfahren müaae. Kr selbst habe borgen mÜBseo, tmd da 
•T niohl rüokzahlen können, hätte man Koctorem Hcholae einen 
Schelmen gebeifaen. Wenn dos seiner Kollegen einem wider- 
tahren, so würde er es ofl'nen, wer es gethan; treil oe sein« 
Penon betreffe, wolle er es Terechweigen. 

Schon folgenden Jahrea folgte Ororaliayn einem ehreo- 
Tollen Rufe an die Dniversität Erfurt, welche nach den Plänen 
de» abgeEohiedenen Eänige ein Bollwerk dea evangeltHohoo 
Glaubens werden sollte. Zum Valete dea Itektors sandte dia 
Sta^t eine reiche Ehrengabe an Wein und Euaheo. 



AinsUdt !n dtn üctMo dm dinJr>iEJl(hn|ctn KriKf;«» 



46:^ 



p 



Der junge Steohan folgte im K«ktorBtc, welcher nu* «o 
armpn TerhältnisBOn hemogownchKon , ijnr« or sich nur kurze 
Zeit auf HochBchiiltn erhatten können, und Hat» jutjsl Graf und 
Stadt gomeineam für sein magiaterium in Juua aufkonjmen 
mufeten. Aber bald zeigte eich der neue Rektor sU ein Mona 
Ton wuhrbaftor Bedeutsamkeit, ao (Jafs unter ihm trot» der 
Ifagunet der Zeit die ihm anvertraute Schule üur höchsten 
Blüte gelaugte. 

Am 16. Febcr dcagelben Jahres kamen iler tCnnKler Oxon- 
Etierna und Herzog Borubard iiii<' eiliger Re\sf naoh Süden 
wieder durob Arnatadt. Der Konvent zu Hcilbnmn trat eu- 
sammen , iu Krfurl aber vtrBammelte Herzog Wilhelm din 
ReichsElÄnde ThüriogeuH. die im Bezefa des 2S. Mürz dem 
gemoineu Weseu zum BeHten 100 Monat einfachen Rümer- 
lugs bewiUigten, whh für die GcsaiotgrnfBchnft Kchwarzburg 
2OO0O Gulden ausmachte. Dazu mnr«lo wf nur Krgünzung 
der Btehendeu Armee 200 Mitnn, Arustadt mi mtinnm Teil 
12 Mbdu aufbringen und nach Erfiirt überführen. Wselil- 
metater Locke entnahm dieselben den Jungtnoistern und Ge- 
sellen des HandwerkEstundes bei einem Handgeld von 4 bis 
7 ReiohBthaloTD. Im Jahr 163B war Ton dem Amstädtcr Kon- 
tingente nur aoofa ein einziger Mann am Lcbon, der eben- 
deshalb und auf Grund meines trcffltahett PaeseportB E^rlafs 
der Kontribution und des Waohtgeldes für seine zurückge- 
bliebene Frau bcaniiprucht«. Schwort, Hunger, Krankheit 
einigton sich eben in diesem UDheüvoilston aller Kriege, das 
deiitsohe Volk wooiöglich von der Erde zii tilgen. 

Bernhard von Weimar erhielt damals die Bistümev in 
Franken als Herzogtum, übertrug aber die Torwoltung seinem 
getreuen Bruder Herzog Ernst. Dersolbo richtete 13 Superin- 
lendeutaren dort ein und berief den von ihm h och gesoh ätzten 
Diakonus Lappo nach Oehsonfurt. Doch dieeor lehnte ab, und 
sein Freund Lippach trat an seiner Statt iti jene Stolle. Die 
Bürgerschaft xn Arnstadt zeigte sich hocherfreut, don ver- 
dienteii Mann r.u behalten. Dafür über, daf« er durch »oino 
ratoho Umsieht diu Stndt am 18. Oktober 33 vom Tarderbon 



464 



Arutadi ik dm Z«it«* d« 4c«iUfiiilaicea Kil«ce*. 



•mtlM, iruni« ihm ftU hohe Aiujieichaiug „aoa bewegendao 
UnachsD za soodsrlictacr Krg«Ulichli«it" nicbl, wifl «it tu Barn 
im gl«icb«u Fall« der Bruich, ein« DürgArkroD« — sooden 
di* KiUabnie. jährlich ein Weizeabicr zu bnuicn. Biiu 
wahrhaft itännieche Fraude ntfl io «in er KaUcibniDg doe 
Jahr«« 36 die ätu der Kauslci einlaufende Mituiluns hervor, 
daTa Graf Uiinlher den Aichidiakou Lappe aunmebr zum 
FCarrhemi and tkiperniteDdeot«D berafen. Kioraüag „schleus* 
•en" Alle Aaweaebdeo, dafs man GoU und der Goädtfcoo 
Ilerrechaft für «olchen Uann 21t danken habe. „Gott erhole 
ihn Isofc uns und dieser Kirche zum Besten!" 

Läpp«'« geecgoete Wirksamkeit i»t ein Lidilpuakt auf 
dunklem Hiatergruude. Uuennödlich sohärfl ur die Gewissen 
2um Wi<l«ntsiid gegen das ron aUaa S«itfia eiadnogcnde 
SJtt^D verderben. Kr straft and troet«l, «r mahnt zur BartD- 
herüigkeit und mahnt zum GahoFiam. Denu oft genug giog 
durch die Bürgcraohaft ein Murren über neue BelaetuDg. 
I^lbal dtim Itate der !^t4Mlt fiiehx Graf Günther su erkeaneo, 
wiu es scheinen miiaae, aiji wolle mun sich womöglich ninco 
andern Herrn aeUan. 

Zu den UDgeboraamsten d«r Bürgerschaft gehören immer 
wieder die Anapänner. Als Uersut; Wiibelin vun ihneu ver- 
langt, aUB dem Lande Bichsfcld, wolchos ihm König). Majestät 
von fichwcden HoohtöbL CiedächtniiiHPs übergeben, Getieide io 
die ProvionthÜuser gen Erfurt zu führen, so weigern sie eioh 
deasca aufs entschiedenate und wollen in aller Kilo nooh 
ihre Pferde loBnohlagen, um solcher LoEt ledig au sein. 

Freilich kommeu die Geplagteu ot\ genug vun ihr«» 
Fahrten ohne Pferde zurück. Su halten ihrer drei maara 
•chwedischen Rittmeister Vorspann nach Hartinrode zu loislao. 
Doch mau notigt sie weiter mit; nU man im Amthaue xu 
Ilmcnnii keine Pferde erhält, auf das Qobirgo hinauf nach 
Hioltiroah, und weiter von dort geo Kümhild uuil wiod«r 
wuit«r bih FrankeuUnd liineiu vor Käiitgchofen. Und woUaq 
üv sieh liui nüohlliober Weile heimliolt davonmachen, bo stahon, 
wie aus der £rde erwachaea, Hubwedische Wachten mit g«. 



u 



ArnsMdt ia den Zeit«» de» dreifu^UiriRaii Krie|{i-t. 4ß5 

Schwünge neu Äxten vor ihii«D. Ale sifl, endlich losgegeben, 
heiaieileo, weriien sie bei Kömhild tod Froiroitora ihrer 
Pfsrde beraubt. Da sie «bcr deeBiin eiiieu Schein vom Amt- 
mann vorlegeti können, erballea sie Ersatz aii» d«r Kontri- 
biitioD. 

Über die Unsicherheit der StraJsen laufeu von. allen 
Seiten BoBohwetden ein. Selbst vor den Thoiea ArosladU 
wird d«r Schöeeer aus Berka von 3 Beitern auitgopliiudert- 
Der Teul't-I hole &11e Schöeser! rufen «ie höhniech, nl« er «io 
auf sein Amt hinwciat. Die Kaufmann »giiter, dio auM Franken 
kommän, werden gar hüußg, obwohl sie nauh Hertsog Bera- 
harda Verordnungen ein hohes Qeleitsgeld tu traK^u haben, 
von Wugelagerera „aufgehauen", und danti ergehen ei&igt 
Nachforsohuugea uach Verbleib der Waran bei den Itand- 
werkern und Rrämerc Arastadts. Selbst di« Wagnn für dt« 
Königin werden uusgeptuadert, und Graf GünÜior giebt den 
Wild preisen dun gen ao Ihre Majestät aus den Wäldern bei 
Gehren Jlunketiere zum SohuUe mit. 

Aiiuh di« grolle Leipzig- Frankfurter SlxaTae ist im höoh- 
iil«n Grade unsiaher. Die Geleitareiter bringeu iu ArnBUidt 
Bauern dea Uebirgeti Rur Haft und führen sie auf da« Rat- 
huis, weil diese Waldgespanae nicht in Erfiirt tieloitaieddel 
gelösL Hatten von Leipzig aua wegen btreifeader äoldateo 
inmer in Zickxack fahren und allerhaad Haken Mhltgeo 
mÜBaen, eiah ihrer zu enlxiehen, lautet die EoteobuldigUDg 
der Bauern. 

Dabei will es nach einer Kiotregung im Arnstadt« 
Kindienbuch durchaus nicht sohoineu, als weun plüuderude 
Saldatcn tteUi iils lUubor betrachtet worden wären. „Den 
10. MKrz 1634 bog[raben ein SohwedJBcber Soldat mit flamen 
Carol , so swiacheu Arnstadt und Ichtershaueen , indem ihr«ir 
etliche die Fuhrleute, hu vuu Erfurt herkooitncn, haben wollen 
angehn die Pferde »uijzuiiiianuou und von denselben entohosseu 
worden. Ist auf Itejtnhred von dem ganzea miuialerio, voa 
der gani^en Schute begleitet worden, wunlou auch alle (ilooksa 
Seliutet." 




406 



Arnittidl in d*D KeiliD du dr«tfii)0 ihrigen fCrlac«». 



Welchen Gefahr«!) in Holctien Zeiten das weiblich« Oe< 
schlecht ausgesetzt war, dsTon lieriehten die Kirchen Chroniken. 
Zwei liehe Beichtkinder dti» PfarrerB zu Dombeim, Osanna 
und Ämpelnain, gehen lüur Stadt. Da ettirzon [ilätslich mä 
Boldaten, so dem Herzug Wilhelm Kustündig, Kof aie eilL 
Die Erschreckten entfliehen durch das Wasser, doch enr 
Osanna weiXii eich xu retten. Und vieiler geht ein fein jung 
Weib zur Stadt Kommt ein Soldat, und da er «ie niefat 
zwingen kann, schlägt er nie zu Boden, dafs sie tot bleibt. 
Alti solches dem Obriet«» geklagt wird, hat er achselzuekend 
gesagt, weshalb sie eich Eur Wehr gesetzt; irürde ja sonatea 
noch am l.ebon gein. „Das itnd die Leute, an welche wir 
Kontribution zahlen müssen!" 

Aber als Holk mit »einen wilden Scharen in die Saal- 
gegenden und über Remda hinaus ninCdlU, da geben die«e 
Leute das Fersengeld. „Wollten uns vorthoidigen, thätv notb, 
dafs Wir sie vertheid igten.*' 

Freilich war auch da» Maleriiil, das die llBGrfiihrer lisch 
OuBlav Adolfs Tode zum Ersatz heranzogen, oft nur dem 
Auswurf Ire mdlandi scher Völker eDtuoronicn, oder es -wnrea 
nur halbwiiuhaige Buben, und nicht Untcrthanenpflieht , soo- 
dem nur Löhnuiig hielt bei den Fahnen, .Te mehr ah« dJo 
erbobonc Kontribution in den Taschen der Oberaien T«r- 
acJiwand, je mehr eich der Soldat auf die Zukunft Tcrwienen 
sah, um so m^hr mufste ihm durohgelaBson worden. Welch 
ein Bild damaliger Truppenkörper giebt uns die Domheimer 
Chronik ! „Kontnen 5 Kompagnieu vom Hcrisag Bernhard, 
die waren mit Dirnen und diebischen Jungen 800 Mann «tark. 
Als sie am 16. Feber [33) wegzogun. halten wir nicht länger 
Frieden als bis xnm 33. Da kommt vom Herzog Wilhelm 
eine Kompagnie halb Reiter, halb Fufsgänger. die noch alla 
wollen Pferde haben." Dafe sie dem Pferdemangel dareh 
Diebotahl abhelfen und dafs sie dann wiiider Buben auf dis 
Pferde aetzen, um fiir voll zu geltun und volle Kontribution 
n ertuben, wird an anderer Stelle erzählt. 

In der Stadt weif« man im gansen der Zügelloaigkwt 



Arastkdt !q den KeiUii dei ilroiriigJKhrlgcD Krieges, 4t)7 

der Soldaten besser zu begegntiu. Auoli iet AruBtadt dauuUa 
mit dauernder Eioijuartiäruiig versohout geblieben, wtoigsteus 
uauli dem Ab/nge Stabalofaky's. Freilich bat auch diegor 
Herr aeiue Quartiei'gabEinn nicht yöllig zulriedeugestelU, hat 
sie Übel geschla^jea, daTe sie au^würta wohnen miiaMti. Üo 
klugt die Fruu BüigermeiBleriD Kirohheim dum Rate der SUJl 
uud legt lange Listen auuh auB Boraivara Zeilvu vau dum, 
was ihr verderbt und abhaudeu gekommen, Kur Wieder- 
erstattuiig vor. Milohschetuel und Giefsstolz, Spicbnadol 
und Krappelrad, Ofeubock und Vogelepiefs, Tautwinilel und 
Leichentuch uad UDsählig Kausgerill ist ihr abbanden kooi' 
meu. Drei Spuanbetten mit halbem Kimmel itarilbur und 19 
t'oderbetteu bind ihr zersohuitten und vun üruuü aua ver- 
derbt, die Euhkrippe bei 23 Fufä laug uud die Struhbüdeii 
liii auf wenige Bretter ihr verbraunt worden. Aber auhwars 
aul' weifs steht es zu leeeu, dofs ihr alles, vaa verloren oder 
otwan zerbrochen worden, nach Billigkeit zu zahlen »ei. Auch 
auf Dcue Treppen, neue FeDsterladen, ßciiä Estricblage glaubt 
ttie Auapmoh machen zu können. Die Frau Bürgurmelsler 
ixt ab arme Frau gestorben, bemerkt ein Stadtscbreiber apil- 
terw Zeil. 

Kb sind schwedi«ihe Truppen, die dann im Sommer dos 
Jahiee 34 in Arnstadt /u Quartier liegen, doch uhnu di« 
B&rgeracliaft zu übernehmen. 6o können BürgermeiEter uud 
Hat dem Rittmeister Schweiokhart von Nierodt, der mit einer 
Kompagnie zu Uofs zehn Wochen iu der Sladt la^, bei seiuum 
Aufbrach, da er seiaes Verhaltena einen echriftlioheu Soheiu 
begehrt, unter belgedruoktem Stadtsiegel bezeugen. „daTit nicht 
allein besagter Uerr Rittmeister Howoh! vor Bioh selbeten gauv, 
Htill, friedlich und eingezogen in seinem Quartier geweiieu, 
Kondern auch unter seinen Soldaten solche Kriegsdiaciptia ge- 
halten, daTs weder Stadt noch Bürgerschaft einig Ungeuiaoh, 
DrangBal oder Wieder Wertigkeit zugezogen worden, nooh wir 
uns über ihn einiges Unfugs zu beschweren gehabt". Kin 
tkhnliches Zeugnis wird auuh dem Uajor MauritiuB de Lagiirdiu, 
der mit Dragonern zu Uuttrlier gelegen, auf sain Verla&geu 



466 



Arniudt In itn Zelten d*i dr*'irilg|Uirlg«t KrtagM. 



■liRKMtellt. Dagageci •|>riolit in«b Graf Günther io einsr 2a> 
achrift an »ein« grttfliolMD Brud«r bi>oh«l mifebillifcenc) über 
deu jüngAKd OueDatierua., der daicalii nach Franlceu KOg, und 
eeiue Vülkei ans. Sie seieu bei ibrain Obergnog Über iaa 
Gebirg« mit Schlagen, PriigeJD, FK'sBim *o unburmherKig nil 
den armen Leuten iimgegungcD, 'toTii e« niobt tu t>«»cfareib«« 
und gttn/e Dorr»ubufti.-ii darüber in diu Wäldvr t^otwicbm. 
Db«r eiQKelne Ort« aei d«r Kuio hereingcbrocfaeo. 

Seibat der vom Herzog Wilhelm aufgeboteDe Autuiebulj 
macht zu aohatfen. Die BürgoriDe ister Amstadts beschweren 
aich beim Schöeser eu Ichterebnusen, ala Euilti September d«r 
Weie zu reifen begaoD, dafs das dtfeuaive Volk, «o zu Haar- 
htiuiieii liege, tu die Weinberge un deu Kalkbergen einlauft 
und die Trauben sti »ich reifae. Der utiidtiache AuaccbuCt 
wird damals in Wehr und Waffen, cnit Krniit und Loth und 
Spielen nadi Erfurt isur Innpektioo entboten. Dasu uittsaen 
Hauer und Thore ao viel WachtmannBchaft erbalt«D, da£t 
laute Klage emchallt. Dazu mEichen ilis AuslöBungen hoher 
Güatv, deren Zeche in deu ÜasthäuBern aus der Kontribution 
XU xablen, viel Uiikoslen. Axel Lilly mit seinen Lapplün- 
dern, der Obriet Tupadei, der Reeident Eake und Eomniiaanr 
Bart, Generalmajor Stalhaus, RittmeiHter Falkeoberg, der aidi, 
du die Erfurter Knsien leer, hit^r üeldee erholt, um dorn Kanz- 
ler nuolireiaen icu küanen, viel Kuriere der itüuhsiuhen Horzäge 
Terlang<;n Verpllegung und Pferde. 

Um rieles aoliwerer wird aber der Druck, ab aicli 
„Monsieur Pierre de Ürossard, des Koaiga von tjchwedon uiu] 
der Fiiretl. äiichsioh Weimarischen Armoo bestallter Übriat 
KU Kofa" in ätadl und Amt Arnstadt im Oktobpr den Jnhree 
einlagert. Schon den Obristen Traktaraenl und hübnung b*- 
aiiaprucht je lü Tage ä36 Reicbelhalei*, uaveraohlagene, oltAn 
Kehrota und Koma. Da stockt ea manchmal mit der Zahlung, 
Dnd die Kxekutiouareiter kommen. 

Di> Kofehle aus der grüHiobeu Kanzlei an die Eonui- 
butionakommisaaro, ohne Anieheu der Person stracks und 
■ahltag liindurcliKugebeD, wurden immer hiuiügur. Auf da« 



Arntttdt in den 3!«ilen ites ilrvirsiKilhri^u KriegBi, 



strengste wird es getadelt, äat» gerade vermögende titiit«, 
die mit gutem Eseniiiel vorangttheu »ullteii, heharrliotien Trutit 
eutgegeiiitetzteti. Mau werde nicht Kügecii, sie dem Obmtea 
SU militari scher EicekutioD ku übergeben. Besser sei eol- 
ohee, als wenn Unaclmliiiga mit «Jen Schuldigen, Öehomum« 
tntt den Ungehursamun gemeinsam iuü Verilerbf^u nttir/tcu. 
MensehenfrPuadliuli , wie er ist, legi e« der Üraf deu Kom- 
miBsareu au das Ueri , die armen fjeute , wie ihm leider be- 
richt«t, nicht mit harten WorteD itnzu&hreu und wohl gar 
höhuiBoli 2u verlaulicu, und lieber dieselhen mit linder Aede 
xur Oednld xti ermahnen. „Künnt hicrnobeu immer Eure 
KommiasioD mit gebilhrendetn Ernot verrichtou." 

Die KommiHaure ilirorseil* aeufuon über ibr auhworw 
Amt und bringen dem Urafeu icu Ohr, wie iciu eigner K«at> 
nieieter, der Ihnen mit hohen llesten verpflichtet, si« auKe- 
fahreu : ,.Uer Teufel hole ench, daf« ihr mir Tag für Tag 
die Knechte vor die Thur schielst!" 

Solche« nun können üe oiabt io die Winde lohlageu, 
machen «ich ohnehin schon bei der Bürgerschaft verhabt 
und miifeteu, geschmKht und geschändet, LUgoer und Uottes- 
lüsterer heifsen, Hie klagen lant, wie der wohlhabenden 
Bürger immer weniger werden, wie immer noch maacb« 
Hauaer iret ausgehen . selbsL die ünnsteu Bürger znr Zeit 
dreimal die Woche den liesohwerlichen Dienst au Mauer uud 
Thor Hü ieteteu haben. Sie bitten flehentlich, sie, die Kommis- 
«arv, ihrer hoobbeachwei'liuheD Last in Ouaden in eutuehmeu. 

Die grätliulie Uegierun); achliigt vor, die Wanht durch bit- 
sahlt« Mannitühaft des Aussohussea abwarten ku luaen. DocU 
da will wiedemm die Bürgerschaft lieber persönttch die Wauho 
beateilen, al« ein unerhört Wachtgold bezahlen. „So thut daa 
Bure", wird ai« bedeutet, „data die Stadt wolil verwahret 
bleibe." Nur tüchtige Personen, nicht solche, welche den 
Panaanteu xuu Oetächter dienten , gehörten in die Tliure. 
Kruut and Lot sei in Varittt an aohafteu. So wolle Ihre 
G&ftdfis bei der Stadt halten , andernfalla Ihr Beiideuahaui 



4W 



Arniladt ia <1en XailM <!•« <lr«iAls)lkriKM KriaffM. 



mit gnt«T Uaonwibafl lichor T«rwKhtu>, uad die Stadt nög« 
mIImI Mhea, wi« »ie üch )c)iBtx«. 

Doch immer tod Bt^em giebt der Graf Buwci»« «ciuer 
IftndMvSterüchsD Kürsorse, siicbt dnrdi oft sehr koatspiolige 
AbfeitigUBgeD so dio Oewalthaber die Luteii mögUohot sa 
mildern uod immer wieder die Exekaüouerdter , welelie in 
die Häuser der säumigeu Zahler (alleu und «ie au deo BMtel- 
■Ub bringen, vou SUdt tuid Land abKufa«lt«ii. 

Um eine durchaua gerechte Verteiloug der Laat«ii herbei- 
führen na können, einigten aioh die Viergrafeo SondenhüuMr 
Linie in besonderen Habregeln. Die Bitrgerma»t«r der 
SUdte, die Schullheirsen und Heimbiirgeu auf den Dürfen 
erhalten den Befehl, mit Treu und f leifa und bei den PSich- 
teu , damit sie dem Oräfliehen Hanse Terwandt, dl« 2ahl 
HÜmlliuher Feuerstätten, der Maunschafl und der Gnlerthmi. : 
und derselben Yennögen alieathalben mit Fleil't au bofra^bu, 
alle Auesageu richtig aufinzeichnen und die besiegelten Ver- 
zeiohiiiii» au die Behörden eiozusendeD. 

Die Bürgermeister und Tierleute Amitadtii fBhlt«n ejofa 
dieaer statistischen Aufgabe kaum gewacbiiru. Ea eoi ein 
■chwer Werk, zumal da auch aus den Nach barlau dun kaio 
Exempel vorläge, wie aolchee anmigreifen. 

Ja, MauuBuhafteu nud FeuerelStten au erkunden, möchte 
augeheu, aber auch das Yermdgeu ? Solches sei gar eohwnr. 
Heule hätte einer SU Oulden uod morgen keinen HuIIur. 
Hanoher sei mit Schulden also besohwerl, daft er sich achtiine, 
es KU eutdeoken. Oar viele Bürger hätten aufgehürt, ihr« 
Felder au bestellen und ihre Weinberge zu behacken. WUrda 
wieder ein Kterben einfallen, so würde gar maneher ans Da< 
Vormügen sein eigen Weib und Kind nicht begraben konneu. 

Doch entledigten sich die Beauftragten der Aufgabe 
atattutiiohor Erlii-bungen, so gut es ebuu Keheu mochte. 
Wenigateua liegt für Arnstadt ,,das Vurzuichnira der pllioht- 
baren BOrger und Witfrauen" aus dem Jahre 1&34 noeb rar. 
Daaselbe ergiebt fflr 



Amiludt in itm Zelten dfi dr«irnlKii)iriji<in Krlagu. 47l 



Jm BiMvicrtel 




lOB 


Mknntipertuaaa 


dm I.üii^wilter V, 




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da« Wuhseiiburgcr 




IG« 


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<I«H ErforliBchH 




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vor dein Rietthorn 




85 


11 


vor dem LJ^ngwitEor The 


ire 


9 


,, 


vur detji WKcliBeiiliarger 


Tburc S 


II 


vur dem Erfurter Tliore 




S 


>l 



oliiie Unseres Gu- Herrn Diener, die Pfan-herreu und Schal- 
dieuer, an dem Itate nicht päiohtbar. 

Daiu 

im Rietviertel 31 iiHtclilbarar tVitfraimu 

Im J-iogwilMt V, 14 „ 

im Wach>enbuiBer V. 42 „ „ 

]m Erfurter V. S3 „ „ 

vor den Tborao 11 „ „ 



äummn l)g pOJtihthErnr W1irr>UHii. 

„Der btirgerHohen FeuerBlütten aber iu der Stadt und 
vor deu Thoreu aiud ea Ö4T. "Dabei na erinnem, dal's wohl 
Bber die hundert theila aonderlioh ror den Thoreu von Sol- 
daten gnoz vetwiislet uod zerrisaen, theila in der Stadt unbo- 
wohut and öde atehn, theila auch mit Sobuideti beschwert 
(mehr ala sie werth sind) den Creditoribus iibergebeu worden." 

Die Zahlen sprachen für sich selber, DaTs aber auch 
damall iioch die ohristÜthe Liebesthätigkeit sich rogaam et- 
waiat, ist eine der wenigen «rfreolicbeu Wahrnehmungen, 
welche die Zeit bietet. AU Gotha, das zwei Jahre zuvur 
einen „erbärmliohou Brandschaden" erlitten, uoohmula um 
eine Brandsteoer einkommt, so erinnerte man sieh, wie die 
getreue Nachbarstadt bei dem grornen Brande zu Aruiitadt 
15S1 sich se hilfreich und miÜeidsudeD Ueiotltes bewinen, 
und vergalt, so gut man eben konnte. 

Em iat für Arnstadt ein hüchil bowvgtea Jahr, iu dem 
wir «leheu. Doch spiegelt Moh eben in dem Einzelaohicksale 
der Stadt der orsohütternde Gang der grofseu Ereigniase der 
JSeit. Am 4. Novomber 33, fnat am Jahrestage der Lüt»ner 

XIV. 31 



472 



Arnnikrli In den KgitMi du <1riiiCiiKiiniri)n>) Kri«|ri>> 



flohlBoht, hatte llersog Bemhaid in genialer, atunuschoftller 
Hcorfnhrt KogoURbiirg geRommcD, fleizog Wilhelms L«iti- 
rtigimeDt, iii welutiem die Oeworbencn Arosladts staodeo, 
führte die Oerangeueu nB.uli Ingnlsliiilt über. Der Vti«A- 
länder, welcher deu FoU ttegeuabiirg« nicht verhitidarte, eilng 
am 25, Februar 34 uiDem Ueaohick«, dat er nicht in iteo 
Sternen erloBeu. Am *28, Märe TeiBammelte sich die otm- 
gelisohe Welt eu Frankfurt. Die Schwarzburger Vier^afen 
beider Linien Terhandelten zuvor durch Abgeorduet« auf 
dem Ehrenstein über ihre fSteUuugsualiiiie „uf solcher Tag- 
ftihrt". 

Herzog Bernhard aber, nur matt unterstützt, urla^ in 
der Suhlacht bei Nördlin^en (6. iSopt.) der kaiserUchvn Cber- 
maoht. Her^iog Wilhelm konnte den ooidwürls rüokoDden 
feindlichen Heerführeru gegenüber niobt einmal die Main- 
pÜBse decken. Er warf aidi in das Hetinebergiache; laolani 
r&okte ihm nach. Herzogtum Franken war für die BroiÜii« 
Terloren. Wäbrend der Herzog in Suhl »ein Hauplqunrtier 
hatte, äunk schon Themat in Asohe. Herzog Wilhelmn Heilet 
wurden noch einmal an ,,der Räo)cbrcohe" goworfeu, and 
laolani'« Kroattn hefteten gioh au die Fersen der FlBoh- 
tigen. Der Hemog safs bei Tafel, als die SohrGckciisbaDde 
kam. Er warf «ich za Pferd nod flüchtete an der lUCder 
aufwärts aaf dunkeln Waldwegen über das Gebirge. Anclt 
AmtssohuttheilH Dr. Daniel Für«ter, der aus subwaTeburgiach«« 
DienBten in sSohgiche getreten, flüchtete doroh die WKldor 
nach Aroatadt, wo or dann eine Darstellung dieser Hdgehen- 
heiten Terfafste. Am 10. Oktober, dem Gallustage, itimk dia, 
Rtittkamroer des EeioheB, das alte Suhla, unter allen OrSn 
damiilifccr Eriegefiihrung in Sohult uud Atuhe. Die Dam- 
hfiimcr Chronik giebt Kersog Wilhelm die Suhuld , wolober j 
nodi vor Heiner Flucht die Bürger num TerderbUohen Widt 
stand gereizt. BntaelzlicheB Elend nuchte die Gegeuden jen- 
«eits des Iteonstiegea heim. Usn fand hinter den ZSaoei 
viel Laute toi, ein BuBchel gekochten Graies im Uund, ode 
neuh Lobende, mit HundeD im Stroit aa (tefalloiion Pferdaa 



ArnsliJl In am Kellen M* i\r«l(li\isiSbng»u Krl«^»- 



nkgend. Arnitadt hatte unter der Menge hnngriger und 
kranker Flüuhtlinge uns Frankeulaiid ndiwer zu leiden. Auuh 
glaubte man, dafs sie daü grofac Sterbuu des Jahren 36 ver- 
eßhuldet. Uan verbot zvat, deJ*« die Praukeubeltlor uud 
irrendüu Kiudleiii luit Bettgewand uud Oeriit durch die Thvre 
der ^tadt eingelaaaeii würden, aber daa Mitleid drUokte gar 
oft ein Äuge xu. 

Um die Faiae des Gebirge« zu decken, tguartierte «ich Bndn 
Oktober, wie schon erwähnt, Mouvieur Pierre de Brossard 
mit seinem Volk nach Arnstadt und blieb daselbst liegen bin 
in die Zeiten des I'rager Friedens. Doch war es wohl vor 
allem dem rascheu HeerKuge eu dsakeu, iii welchem Banner 
von Bühnieu bis Erfurt und Gotha rilckte, dafs Thüringeu 
damals Tor dem Einfall der Eaiaerliohea bewahrt blieb. Der 
uralt« UenDstieg oben auf dem Kamme des Gebirgee bewährte 
sich als Wetterscheide. Nur über das Städtchen Grefsbreiten- 
baoh fltütKte durch den Einfall der Kroaten am 21. November 
eine Flut des Verdorbene herein, die vielen Bewohnern da« 
Loben, vielen Herdonviuli und Habe dahiaroä'te. 

Während aber Pierre in Aroetadt \ng, suchte ein iweitor 
Peter, Peter Keusche], die Dorfachafteu heim, „ein Tieehler 
^ines Sa-adwerkM, der aber nicht ausgelernt und noch nie vor 
einem Feind gekommen", bemerkt Pfarrer Thomas Sohmidt. 
Dieser xeigt sich vom Herzen erfreut, als der Sobreiaer weiter- 
gexo^n, um anob andern Leuten Tieoh und Bänke ta eim- 
nieru. Doch als derselbe Peter wieder in der Nähe aeiii 
Quartier nahm, so äUohteten die Binwohoer davon, um scineu 
tyrannischen Forderungen sieb £u entiüehen. Die zwei Üörfer 
Blieben und Bheiasfeld plündert er aus, obwohl aie dem Arn- 
etädtei Peter aasigoiert sind. Kaan der Brossard , dem man 
doch £0 viel Tausend Guiden zahlt, dafs er das ganze Land 
vertheidige, seioe „Dention" nicht einmal vor seinen eigenen 
Spifcfsgesellen und Freunden rutteu '. Der beiden Pelur Leute 
haben aber daa feine Lob , dafs sie ea wohl verateheu, uud 
bat keiner dem andern etwaa zu vergeben! Aber daas Broaaard'a 
Soldaten »olbtt lu das Lasoiett vor Arostadt einfallea, deo 

81* 



474 



ArntUiU in den Zmtm ivt in'iKitjOineea Kri«ig<M, 



AussützigcD ihre Kleider toed Leibe reif»ea, aod daJa äah cna 
jung Weib, die dücli au«süluig, ihrer IChren halben kftain m 
Bolviereu vermag, ersoltej&l dem Pfurrhcrrn xa Doraheira, itt 
•o vial aehoD gesehen und erlebt , deuo doch ttl» ein bo- 
aonders „grobes" Stüük. Uud wai bei Kroaleu und Spuiacs 
und WuHoneu nimmec gehört wordeu, mau hat aelbif d«« 
Feldraeieter sein Schindorpfcrd nbges^ittDDt, dafa hüd Wi^d 
mit toten Pferden riele Tage zum AbEcheu aller an äer Gart 
eteheu bliebeo. Den Pfarrh«rreii nimmt man RÖoko uud MSotd, 
dafa sie in Uoaen und Wa-ms mügieu ihre« Amt«e warten. 

Und doch giebt man zu Wtimar für, mau streite ledijj- 
lich für die Rttligiou, und hat sich i;aui: Frauken bekähna 
eoUen. 8ie Buobea aar Fatter uud Ebbod, sagen die«e So^ 
daten, aber Bind Prieeterröcke , Harzkappeu, Bettücher äo 
Freasen ': Äla der von Beilwitz Riechheim plaudert , fiada 
eie in der Ffiurrei zwei Säcke voll Uehl. Weil sie den armei 
Kiudlein solohea nicht gönnen, sohtitten sie das Uehl in dit 
Spreo uud füllen »ie mit gutem WciEon. 

Und wenn es nur um Eesen und Trinken xn thttn, 
Wam doch verhähnen sie die Pfarrherreo also? Der 
PfarreistochttT zn Ellebeu Eleidor ziehen sie eineoi Kalbe 
an, setzen dem Ivalbe eine güldene Stirnborte auf und f&hno 
es, Spottlieder singend, sobimpflich durch das Dorf.' 

Wir geben ihnen alles und jedes , was wir haben , eis 
Teil auch das Hemd vom Leibe. Und doch . venu diese 
Soldaten das Uetreide abholen, tragen sie auch aooh da« 
Stroh zu Uarkte, und ist da» Stroh zu Ende, treiben sie ihre 
Pferde in die Saaten des Feldes. Alles uur darum, dafa wir 
ainan vollen Hehutz haben! l^in Körnet aber, gefragt, warum 
sie doch ihre eigenen Pferde Iseseu spoliieren, naget: „WM 
■ollen wir tlmn i Ist es doch unser Volk !" 

Werden aber solche Leate, die sich selbst uua eo feiod- 
lioh erzeigen, uua Tor dem Feinde schützen-' Sie, die xn 
Sobla and Themar ein so schlechtes Stuck gotban r Summa: 
Scliwariburg ist an Weimar verraten und verkanll! 

Die im Papsttum halleo ihre Pfaffeu lieb und wert, «Ije 



AnisUdt in den ZtiUsa Uc* dt(ü(VlK|lihrigBii Kritga. 475 

EahinutAn, die Ariauar uioht mimler. Din Turkvn hatUn 
ihre l'atrifirchäii in gtotaeix Eliran ; ja diu ohriatUcJieu Pa- 
tri&rohsn , wenn sie ihren Tribut bezahlen . haben tw dort 
ihre» 8cKu(z und darf sie niemand moieatieren. Aber diene 
Intherischen Türken überlretfen die orieotaliBchen weit über 
weit. Wer mag ihr Prediger (oin , wenn sie einen Pforr- 
herm, der alle Tage für sie bittet, also besnlden? Sind sie 
es wert, dafs ein Prediger mit Taufe und Absolatioit ihnen 
begegne? Der Holke war auch solub ein lutheriseher Türke; 
da er mit überteuflisoher Tyraiioei gegen die Pfatrherren 
gewütet, hat er, ats es iiiim Sterben kam, Euletzt keines ein- 
sigen können mächtig werden! 

Sehen wir nooh, worin der Pfarrer von Dornheim den 
Grund alles Übels bei der verwilderten Soldatoskn erbliekt. 
Sind auch die Generalissimi, fragt er, isu entschuldigen, so 
sie sagen : man kann ein Heer in keinem Sacke fähreu und 
man kann so viel Soldaten uioht zwingen r Sage: entweder 
sie können sie xwingen uud wollen's nicht thnn, oder ab«r 
sie woUeo sie gern zwingen und können's nicht. 

Können sie sie Kwiugen und wollen's uioht Ihun , so 
sind sie aller SoheJmatöcke teilhaftig. (Nam i^oi non pro- 
bibuit, qnando potuit, iüdem oooidit.) 

Wollen sie sie aber iwingen und können'« nicht, ro 
sollen sie es erst recht lernen. Man lese dooh Curtium, 
PIntarohum, Liviam, wie die Heiden und Bömer ihre Sol- 
daten gezwungen! Warum lernt mau nicht erst, wie man 
soll Kriege fähren , narum bestellt man Offiziere , die da 
Tisoher, Gerber, Sattler, Leinweber und Steinmetzen gewesen, 
die nur Hungers halben in den Krieg gelaufen? Und ihua 
auch Hungers halben wir einen Vogel in den Käfig, der 
singt einem nach, was man ihm vorpfeift umb einen Löffel 
voll Bübsamen. 

Aber da steukt der rechte Knoten, man mufe die Kon- 
tribution den alten Obersleu schicken, und die obersten Diebe 
fällen ihre Beutel und schicken das Geld weg, geben den 
gemeinen., Soldaten nichts, darum müssen sie denselbeu doruh 



476 



Ariiit(il( In den Zeiten dot drcil^igjalir<g«ti Rvltge^ 



die FiPKtu- «üben uud geaclii-lidn laiiuiii, daTi »le itueh «u 
suchen, wo nie e» fiiideu konuuu. Ibs« habe ich ntttlen in 
die Soheibif und ius Schwarte ge troff« u ! 

Ich hütto Dooh viel KU fragen, aber ich wcrda de* Fn> 
geoa all tnütie, und mein lieber Herr .lemii Christus mnf* 
etwae im Vorral behalten , dn» er im jüngri«n Oaricht ei- 
Irage, und aouderliob, warum man ihm »eisen Augapfel also 
verleUe. weil ja weder Abimclevh, iiiieh Joniui oder Hiskia« 
dergleioheD gelhaa. Von Ahab, JeRabiil uud Horodes limt 
man swar derf;1eichea , aber die aeiii nicht lutbertsoh g*- 
weBBn; doch wer weil«, wiu unsre sind.'? 

Wie der Pfarrer Thomiti Schmidt wird die gexwnte 
lutheriBohe UeiBl!i«bkeit über die HeBituharun dea Bvw 
geltuius und ihre fülirer gedaeht haben. 

0»t friibling des Jahres 16Uä kam itis Land. V« 
Fn/f her erklang frnhi- Itutecltaft. Jobann Ueurg )ibUu um- 
neu friedeu (freilieh einaii untnlkidiecheii , wie l>ruy»en Uis 
nannt) mit dem Kaiser gemaolit. Diu meiden Heiobnatttodl 
fnlgton. Am 5. Juni sammelle sich diu Oeiumiido tou I>orti- 
liaim beim linden beschatteten Dorfbrunuoti und xog, di« 
ScJiolen Yorans, mit dem Gesänge „Nun lob meine Beul' dw 
Herrn" Kur Kiruhe, wo ihr Ffarrhsrc die l''nedi.inspr«digt 
abhielt. 



Arnstadt iu den Zaitaii dea dreüsigjahrigett Krieges. 477 



Beilage L 

Aofschr. : Denn Erfahrnen nnd weifsen, unJsein lieben 
getreuen Rath za Arnetadt. Cito! 

Tonn Oottee gnaden Ernst Herzogk za Sachsen, Jülich, 
Cleve undt Bergeo. 
Erfahrne, weifse, tiebe getreue. Demnach unnmehr Ihre 
Eönigl. Ml. zu Schweden, nnfser gnädiger Herr mit dero 
Armee alhier gottlob glocklicli angelangett nnd dahero die 
nothdurft erfordert, dafs zu Verhütung andexei insoUentien, 
Bo soDBien leiohtlich durch die soldatesca Tsrubt wirdt, eine 
staroke anzahl von Proviant znsammen gebracht werde, alfi 
begehren wir hiermit gnädigst, Ihr wollt alaobaldeo ao vielL 
ihr nur Könnt , tagk und nacht, mahlen und backen , anob 
umb desto gescbwinder beförderong willen, der Herrn Graven 
Uehlvorraht angreifen und daTs brodt bifs auf nnfser ander- 
weit zuschreiben verwahrlich behalten lassen, An deme 
geschieht nneere zurerläisig'e ernste meinung. Seindt euch 
sanfeen mit gnd gewog. Datum Frawenwalde, den 22. Ootobr. 
Au. 1682 

Em>( HZSachsen eo. 



478 Arn&Udt in dep Zeiten des dreirkigjäbrigen Krieges, 



Beilage II. 

Aafeohr.: Dem Haohwohlgebornen Herrn, Herrn Gün- 

Ihem, der Vier Grafen des Beiofas, Orsfen zu Sohwarz- 

burgk und Hohnstain, Herrn zne Arnstat, Sondershaneen, 

Leitenberg , Lora und Klettenbergk , Meinem gnädigen 
cito „ 

Herrn. 

Hochwohtgeborner Graff, E. gn. seind meine untertbäoige 
Dienste zuvor, gnädiger Hen'. 
Demnach der königl. Uaj. zn Schweden, Ifeines gnä- 
digsten EönigB und Herrns , Dienste erfordern , dals uf eine 
Zeit zae desto eilenderer Yortbringang der abgehenden und 
ankommenden Schreiben gegen I. königl. Maj. Armeen über 
den Büringer Waldt eine Seitende Post angeordnet werden 
muTs. 

Als Ersuche E. gn. ich hiermit untertheuig , Sie wollen 
Ihres Orts unbeschwert zu Arntitatt die Verfügung thun lassen, 
dafs hinfliro allezeit bey Tag und Nacht ein Pferd zue dem 
Ende in Bereitschaft gehalten und sonst nirgend anders wozae 
gebraucht werden möge, Ala alle die abgehenden und an- 
kommenden Posten tags and nachts eilends darauf bis -vf 
Hmenaw und hiehero, do dergleichen Anordnung auch ge- 
schehen, vort zu bringen, An derae befördern E, gn. des 
gemeinen 'Wesens Dienst, Dndt ich verbleibe vor meine Per- 
Bohn E. gn. zue unterthcniger Willfabrung bereit. 
Datum Erfurt den 16. Octobris ao 1632. 

E. Gn 

anterthäniger 
Alexander 

Eske. 
Siegel mit der Unterschrift: D. G. Wilhelmns Dux Jal, 
Clir. et Mont. 



A'DMmII iii 4tn Zcilta dw d'tnftiiQiihiif^cD Krkgu. 



470 



Beilage m. 

Akt«n des Königl. Sachs, lliiuptiilaaliiarc.hi*^: T.odbI. 9i^2. 
VI. Biioh Bt. 174. Gustav Adolph au deu KurtUntun Johann 
Georg I. von Saohsen. 

Quataff Adolph. Tonn Gottes gnadenu der Schwedeon Gothonn 

vondt Wennden König, Grosfiirat in Finlnundt, Hersogk r.u 

EheBtenn vnndt Carelen, herr vber Iiingennanlandt ji. 

Cnngere freundteobafft vaudt was wier der anuomantnus 
nauh mehr liebes vondt gnetea rormiigoii üauor, Hoohge» 
borDQ«r Färet, ireuiidtlicbar liebur Oheimb, Sohtrager vnndt 
Brueder. 

Wier bftbenn E. Ld. nuu lum oftern Viineorn Zuatnaudt, 
Tondt das wier i» voller march K. Ld. an nuuDuriroti be- 
griifen , EQgesoh rieben , MüfeeuD gedencken weile wier kein 
rUBponB darauf bebommen, die brJef werden interoipiret tmn, 
Damit aber de«haIbeD nichts vorabeeumet werde, Vberschinkenn 
wier E. Ld. beigehents Copias vodd den lezteo, rnndt bitten 
vmb vnueTEÖgliohe antwort; 

Wier beriohtonn ftuch E, Ld. weiten, obwoln der Dfi- 
riogerwnldt Vntts zimbüche boeohwerde gemAoht, vnndt ein 
paar tag bis wier darüber kommeo, hiDgenommen, Das wier 
.Fedooh hentigen tag mit Vnnser gaosen Ärm^e alhier an- 
langen. In meinung morgendes lages vieder aufzubreohen 
vnndt reotft auf Nanniburg ku marühireü, 

Ersuchen darauf £, Ld. freundt- Schwäger- vnndt Brijder- 
lioh Sie wollen nit ntlein der orten ffir Tnnser ankominonde 
Arm^ benötigte proviBion herbeyaDhaffeu, vnndt ku dem ende 
gewifee OomaiBSBria» verordnen, Sonndern anub die anslalt 
dergestalt machen lafsen, Damit, wan wier wieder verboffen 
eine Zeitlang daselbst verharren mtialen, vnndt denn fciodt 
nit alsofott wiewoll vor diesem boj Lcipzigk gesobeheo zur 
battalie oder sonnet«» zur retirftda briDg«D kö&twt. U 




480 



ArniiUiit lu lUn Z*Imii iIm ilrBifsigjÜltrigm KriegM. 



tUrftig XU leben haben, vnndt nit in ilie Jeoig« difiQoult«teo 
waleh.e vier bey Nürnberg erfahren, vnndt ein Trraoh g9> 
wciicii, das wier deu foindt nit g^iizUclieu ruiniroD haben 
kouueu, verfoileD dörffeo, 

DemuMh «nob «ma bohe notturfTt nein will, da* vivr 
Vdh gegen dem feiudt gutigsamb proportioDireu TDudt xwar 
au lufsnterie Uinie ob Gott will guugsamb gewaoh«in, an 
Cavnllerie aber, ob vier voll in die TOßO. Plcrdt beytammcD 
baben, ttchwerlioli gleioli sein, Ali werden E. Ld. verboffenl- 
Itoh nit Tunderlaf^en Vub eo violl f ues Vulok als muglioh. 
Van Keüteru aber xum wenigstnu 3Ü00. Pferdl gegen Naum- 
burg eutgegenaoliicken , Vaudt wie aololieii zum füglichst'.L 
geaoheheu, Yandl wier zuBanimeustofseu kSnnen. [lor poata 
aviairen, Mafueu eolchee E, Ld. congervation vnndt wolltti-lb 
Tnumbgenglich erfordert, Vnndt wier E. Lil. darumb rreuntlt- 
Hvbwnger rnuclt brüederlich ersueheu, Dieselbe liiurniil üotl- 
lieber bewaiiruug xu allem Ghurt'üriitlir.bau ergelivn trewUaUil 
empfelileu Datum Arnaladt deu i&. oolobria Anno 1632. 

[eigenhändig}: 

E. L. getrewcr Sohwagor 
vnd bnider 

CuetaTQi Adolphua mpp. 



Beilage IV. 

Anflwhr. : Denen Uoohwohlgabomeo Herrn, Herrn GBb- 
thern, Herrn Anton Heinrichen, Herrn Ladwigen OUnthor». 
Herrn Albert Günthern und Herrn Christian Gänthero, der 
Vier Grafen des Ueioh», Grafen ku Sehwarxbnrg nnd Hobn* 
■teio, Herrn zu Arnstadt, Sondershausen, Uudelntadt, Lieohlan- 
bergk, Lora und Kletteobergk, Dnsern gnädigen Heimp. 



ArniMdi iu dcu Zelten lUs drcifiiigJühTlgan Krlt^;». 



481 



Hochwohlgebomer Graf und Herr 

E, Gd. seindl ÜDeere schiitdige lind willige Dietiflto ZU' 
Tor, Gnedigü Jlerren, E. Gn. seiodl aouder Zwrifel tioomehr 
vorkommen, welcher gestatt der Allerhöchste nad gerechte 
Gott an itet veradiieneDeu 6. Novembiis der Köuigl, Maj. nii 
Schweden, Uuserii guadigisteu Könige aud Herrn und doro 
Chriatliohen Armeen bei dem Stättlein L&zen wider die 
Feinde »einen Heyligen Worts eine Glorwürdige, ubar gleioh- 
wohl blutige ViotoTi guediglicli verlieben, Bei weluher ocuaiiion 
ttuch gemeine Soldaten gequelsohet und dermafseu au ihreu 
Leibern besühädigt, dafs sie ohne Hülfe aud Vorschub der 
Feldherrn und andrer Evangelisoheu angräuÄendeii Färatea 
und Stände Iceiue Mittel haben und ergreifen können, sich 
curireu und heilen eu lae»en. und aber die christliche Liebe 
und Billigkeit aber erfordert, dala selbige nnch ihrem Vor- 
dienst recompensiret und oaoh Ntildnrft verpflegt worden 
möchten, Als hat iu dieser löblichen uud ffirstl. Intention 
der Durcblauclitige Hochgeborne Fiirat und Herr, Herr Bern- 
hardt, Herzogk sn Sachten, JUlieh, Olere und Bergk. Hcohit- 
gedachter Köuigl. Maj. zu Schweden huohftnsehulicber Genrral 
Una beiderseila in Gnaden committirt uiid aufgetragen, E. Gn. 
solches nnterlhenig EU notificireu, Eugleioh su bitten, dieselben 
als dem Evangelischen Wesen zugelhane wohlafFeotionirte 
Grafen gnediggt geruhen wollen, die vermöge iuliegender ape- 
cifioation namhaft gemachte beschädigte Officiere and Sol- 
daten in Ihren Herrschaften uud Landen, der König!. Sohwe- 
disohen publicirten Verpäegungsordonanz nach tractiren und 
unterhalten laaeen wollen, 

Hieran voUbringan E. Gn, ein ohristliobes lobwürdigea 
Werk, geben anoh den Gesunden, durch diese gnedige und 
willförige Bezeigung, Anlnfs, inskiinftige mit desto mehrorem 
Uuth und Herzhaftigkeit in Ihrem Beruf xu coutinoirMi; 
wird auch ein Jedweder insonderheit solohea mit unter- 
thenigem Dank nach Miiglichkett zu erkeuneu und ku ver- 
dienen , Ihm höohstee VleiTaes angelegen leia laaseu , Und 



483 Arttttadt in dan Zmttn des draifsigjiUirigen Krieges. 

E. Gn. Doterthenige Dientte zu leisten, leindt wir Tor anseie 
Feiaohn willigk nnd geflisaen 

Naumburgk den 8. Novembris Ao. 1632. 
£. Gn. 

gehOTBame, 

Ton Titzthumb tod Ecbsett. 
HacB Chr. t. Brandt mppr. 



V. 



Der Braeteatenfund zu Suiza. 



Ton 



Bndolf Ton HSfben. 



Hiercu Tafel Ilt. 



b 



T. Posern-Klell hat im Jahre 184C eine überaus liaiilteDs- 
werfe MoDogropIiJe über die „Münitatütk'ii tind Alitnzen Her 
titlidtü <ta<l gbiellichea StifUr Sachsens im Uiltelult^r" heruuti- 
gegeben. Da der vorliegende Fund zii diesem Werlcc mdir- 
foch Naohtiüge ihk] Krgüaiuogeu 'biutet, glaubte ic)i, die Be- 
schreibung duBBulben werde den LeHem dietier Blätter ala etu 
kleiner Jteiti-ng xu einem der wichligsteo Teile der Kultur- 
goschiohte ihres eehönen Heim&tliuideB, dem UünzwoseD, will- 
iommi'a seiu. — — 

Über die Safserlichen ITragtäiKlc de« FiindeB int nur woaig 
KU berichten. Ende Mai 1888 wurde tu Stadl Sulm in 
tSachfiCB-Weimfir, Ami Apolda, vor dem ohemaligeu Naum- 
burger Thore, welches 1459 erbaut, 1860 abbrannte, bei der 
Fuudaraentgrabung eines Neubaues in einer Tiefe von 1,5 Me- 
ter ein SohaU von Braoteaten gehoben '). Dieselben belaudcn 
eich ii) keinem OefäTse, aonderu varea lose ia den Sandbuden 
eingebettet. Daher i^t auch die Erhaltung der gefundcDun 
Stücke nicht immer die wüuschenewerte; bosouders mad sie, 
vie die moiKton thüringischen Braoteaten schon im sich sarler 
Natur, vielfach verbogen und ausgebrochen. 

Ich eehe deshalb auch von apeEtellen GewiohtMingnboD 
ab und bemerke nur, dafs ein Schilling 6,VG gm wiegt, wor- 
aus sich ein Burchschnittegewiobt von 0,58 gm ergiebt. Der 
Durehmesser bewegt sieh xwiaohen 38 und 40 mm. 

Die Anxahl der vergrabonoQ Stücko Yiiet steh leider 
niobt feststelien , da der weitsoa gröfste Teil derselben von 



1) Dt Vorbultzir du ibssbraoliuieii iilt«ii Utuicli«!!» wollto duislbn 
Sriitx mihrhch |tDaiUi;<ir 0«lej;Bnlioll nicla vorluufeii, .,w«il unl«r J«in 
lUuia «ia Si'hitx vcri^bcD lii^'e", OOTeDbar «lue iDUiidlltba T< 



486 



bftr Br*kle>.tciifun<i co SbIm. 



ilen Arbeitern \a der erquicklichen MeinuQg, Fluch t>Dkflp«<ilD 
vor fach zu haben, wieder in die Fundttineiitgrube . wdeJie 
bald das circn 90 om breite uud über 1,5 m hohe Bruch»t«in- 
fundameitt nufgenommcD hattit, zu rückKo werfen wurde. Alf« 
gosc.lielien im Juhro des Hhüb 18SS. Das Wenige, wu u> 
Zufall auf der Oberwelt verblieb, liegt mir durch die regen Be- 
niütiuugen eiace ebeuBo selbBtloseu wie wohlwoll«ndon Freun- 
des müglichet vollzählig vor. E» eind 46 Htück mit 3ä Tor- 
ecbiedenen Stempeln, Zahleo, welche au ainh eolion uuf cimin 
stückureicheu SuhaU schliL-fseii liiescn. 

Deu gror«er«D Teil bilde» biBchüSiehe üepräge und zwu, 
wie au erwarten, aus den benachbarten Orten Erfurt, Am- 
Htadl und Naumburg, den kleineren Gepräge weltlicher Herren. 

I. Erfurt. 
Siegfried Tl., Erzbischof tcih Uainz, ISOO— 1330. 
1. 6PISC0PI-SKUUDI- Über einem Dreibogen du Bnut- 

bild de« InfulicrtcQ, in jeder Uaud deaaclbeu cio kiimr 
Kruuzotab. Duter dem Dreiboj^cii eine Figur tou nioliU 
mit euipürgebobener Uaad, davor ein BetpuU Q). 
•i und '/i GxompiRTe. Abbildung Nr. I. 

Diee IStticb gomahnt namunliioh in (einer unteren Partie 
lebhaft an die Braoteaten Ueinriclie und Ludwig» von KrTarti 
V. PoBom IX, 8— I ü, wenn uuub Zeiohuung und äcb&itt 
hinter letzteren zurückbleiben. 

•i. »eiSCOm-SrOTilDl wie vorhin, jedoch befindet eidi 
hinter der Figur unter dem Dreibogen ein Ku|i[H:Uhunii> 
oben mit Knopf. 
1 Exemplar. 
Wie auf Poeern'B Stüokeu dürfen wir wohl auch wir vor- 
liegenden die tlber deu Ucgeu beflndliohe Figur für deu hnl. 
Uartiu, jeue unter demgolben für die des ErzbiBohofs suaeheD, 
8. SIGAlP— VS-61C- I>er auf einer Bank eitscnde lofu- 
lierte hSlt in der Linken ein Krouzazepter, dessen Oberteil 
«lu ninf ine Kreux geetelllen Ringeb besteht, die Linke 
ist lum Segen erhoben, darunter ein Üegeoatand, etwk 



Df r BncMitanftind in Silin. 



487 



P 



k 



einem GrnnntBpl'el oder Uohnkopfe gleidiend (üelie Ab- 
bildung Nr. 7). 
1 Exemplar. 
Sohlegel ■) U. 5 und Seel&uder*) II, 8 nad 9 bildon 
vorUegflodeu Typus »b, jeduah mit anderer Legende uud üliue 
dns Zeichen unter der Itechteo , Csppe^) ¥1, 99 dagegen 
sclimiickt seiner Gewohnlieit geinür» sein Stück mit oiDem 
sohünen Kreuze auf des Infulierten Bruet! Solilugut nber 
kommt mit seiner Nr. 7, Taf. V, io der Urosuhrifl unaerem 
Släcke üiiber; er liest: SICaID — VS-6PC. Üae Abzeiobeo 
fehlt auch hier. Vermutlioh haben wir alse doch Varietitt«ti 
vor una. 

loh nannte den Oegeuetand unter de« ErzbiBohob lland 
ein Abzeichen, weil wir auf ciu gaus gleiches QuprEgo don 
AbteB Ludwig von Hersfeld, 1217—1339, Sublogol 11, 

3, V, Posem Xlir, i »tof^en, welches sich für das dce Lesens 
unkundige grofse Publikum nur dadurch von vorliegendem 
Stücke unterooheidet, dafe an Stelle uuaeres Orauatapfels ein 
kleiner Adler schwebt. Daf« hier eine auf Gewinn berech- 
nete NBchahmung vorliegt, ist aufaer Zweifel; der katim 
wahrnehmbare Unteraobied zwischeu den beiden Abxeicheo 
konnte dem arglosen Auge ieicbt entgohcD. 

Durch die Gleichheit beider letztgonannter Stuokft wird 
übrigens auch ihre Prägeseit auf die Jahre 1217 — 12S0 be- 
schränkt 

4. ePI— SCOH'S. Der nuf einem mit Tierkopfisu ge- 
schmückten Stuhle thronende InfulJerte hält in der Linken 
eine Fahne, die Eechle Kum Segen erhoben. 

2 Exemplare. 
Sohlegel, a. a. 0., Tab. IV Sr. 11. — Soemodcr, n. a. 0., 
Tab. ad pag. 68 Nr. 10. — v. Poseni, a. a. O., Tab. VII 




I) Da nnmmii «tibitum ncrifcldsniiam apaMluniii, Gothia 1T34. 
1) Zfhun Schriftvn tdii Tvn Ucliaii MDtilurn ini(l«rtr ZelliD, QsilDom 

IT«, i.»it. *a ff, * 

8} UeitliralbuDg i«t Ualnur HUaten dm Ultuititer», Dneden 180B. 
XIV. 82 



486 



Der BracMatcnrnDil in Solu. 



Hr. 1. — LeitEmanD, Das MiiDitwooo und die MuDcea Kr- 
fttrU, Nr. 170. 

4,0. €PI— SCOPI-S. Der Infultertc wie vorhin, jedooh luT 

dera Raode, oberhalb der Figur, eine Art BiacbofsmlltEe, 

uuterhalb eine sohifTformige VoriieniDg, za beiden Seiten 

eine dem bereits erwähnten GraoaUpfel gleichende Figur. 

3 I^xomplare. 

Diee Stück uuterscheidet sioh nl«o tou dein vorigiOD aur 

daroh die ßandverzierungen, von welulien die zwei Uohnkopfe 

oder Oranatäpfet, die wir auf der eotachiodeu der Zeit Siux> 

frieda II. angehijreudea Nr. 3 kennen lernten , Leitzmanu't 

Zuteilung unserer Nr. 4 an Siegfried HI. «1« frnglich er- 

eoheinoD lassen. Überhaupt ermöglidit die Zusaninieniietzuag 

unseres Fundes mehrfach eine Sichtung der von Posern aa 

Siegfried II. oder III, gewiesenen Gepräge. 

5. SICA'— CISCQ. Der anf einer aierlichen Bank (mit Tier- 
küpfen?) sitzende Infulierte hält in der Linken ein Lilien* 
«zopt«r, die ßecht« zum Segun erhoben. 

8 Exemplare. Abbildung "St. 6. 

Tut Darstellung dieses Oepruges unterscheidet aic 
also von Nr. 3 wesentlich nnr dureh die Form des 8Bept«r 

6, Innerhalb zweier auf je einem Thiirmehen ruhenden Halb- 
bögen, deren oberee Ende mit je uwei Kuppeithünnchon 
geeolimüokt ist, sitxt der Infulierte, in der Rochi«n der 
KreuE-, in der Linken der Krummstab. Unleo : SI— -A(?)— 

KCO-VS. 

1 Exemplar. 

V. Posem bildet dae Stück auf Taf. TI unter Nr. 16 ab ; 
Leituroanu 163. Schlegel II, 9 und Seeländer II, 11 seigon 
neben dorn Krummetab ein Ringel und anstatt des R ein {*, 
wShrend Sohlegel V, 2 weder Schrift noch Ringel beritst. 

Obige Buchstaben ergeben unschwer: Slfridus ARch^ 
episoopVS — Eum eretenmal also der rolle Titel des PritgcJ 
lltoro. Eine Deutung des SlARVS ale verderbtes Sifridui 
stände im Widerspruche mit der Aufeohrift des folgenden 



Der BrutealaDfDDd xn Saka, 



469 



Stüokefi. Unser Fund gesellt nSmitoh zu Nr. 6 läno guix 
merkwürdige Varietät: 

7. Die Darstelluüg g!eioht der vorigen, jedoch befindet »ioh 
an Stelle der beiden Thiirmchen an den oberen Eodeii der 
Bögen je ein — Granatopfel. Derselbe ersoheiol auch 
viermal auf dem äufseren E-ando. Die Aufeahrift unten 
lautet: SI— 6— CO— VS. (?) 

l Exemplar. Abbildung Nr. 7. 

Die nun sohon mehrfach bemerkte Anwendung der apfel- 
artigen Figur ist gewifs aulfallend. Man kann in ihr das 
kaum bemerkbare Abzeichen einer Nachahmung unserer Nr, 
vermateu ; als in die Augeu apringcaiie Band Verzierung aber 
liefee eie — gleichwie auf Nr. 4, a — dooh eher etwa auf 
«in. Abzeichen der verschiedenen Jahrgänge Bchiiefeeo. Mein 
anfanglicher Gedanke an ein MUnzntcisterzeicheQ wurde da- 
durch entkräftet, dofa wir einer fast gleichen Darsteilang 
einige Jahrzelinte später begegnen auf Poserna Nr. 17 
nnd 18, Taf. XUI, Nr. 6, Taf. XLVI — als Uohnkopf 
erklSrt — minder ähnlich Taf. XXXV, Nr, 1. Auch vdd 
meiner im Arohiv für Braoteatenkunde I, S. 295 ff., mit 
Widerstreben gegebenen Deutung de» fraglichen Gegenstandes 
als Kelch bin ich durch die Abbildung des „Wappens von 
Granatta" in Griinenberg'a berühmlem alten Wappenbuch ab- 
gekommen. Da nun bietet eine allerdings nur kurzgefalste 
Mitteilung Dr. Uenadiere in den Verhau dlungen der num. 
GeeelUchaft zu Berlin (188S, 8. 14 fg.) einen verlockenden 
AuBweg. Daselbst werden nämlich die soeben zitierten Poeern* 
sahen Stücke — wegen äe» „Apfels mit Blüte, der voll- 
kommen Übereinstimmt mit dem Äpfel auf den Siegeln der 
Schenken und Vitilume von Apolda und jeden Zweifel an 
diese Bestimmang am so mehr ausschliefst, als die vier A auf 
dem ersten und das doppelte AV auf dem zweiten (oben er- 
wähnten Poseru'soheu) Bracteatoa dieselbe untcrstütieen und 
zudem in einer Urkunde des Jab[«e 137fi ein Her. monetariiis 

32* 



4Ü0 



Dtr BracUBtenfBDd sni &ttlia. 



da Apolde alo Zeuge genaDut wird" — als deo Herron tm 
Apolda xugehdrig erklärt. 

Diesen AusführuQgeD zufolge httlton wir daoa ftaoh ia 
unserm apt'elTerzierten Bravteatnn Apoldaer Geprttge Sa er- 
bltckeo , also geeohiekte Naoliahinutjgeii yod Erfurter UUnX' 
typen seitens der Nacbbar-Uyiiaaten. 

8. SIHRDVS— ePISCO". Unter bethUrmtem Droibogoo 
äas Brustbild des Iiifulierlcu zwischen zwei Kuppclthüna- 
ohen, in der Beohten der Erummsteib, in der Liulcen (Im 
Evangelien buch. Unter dem Bruatbild eine Wölbung, darin 
ein dreitlitirmigea Gebäude. 

S Exemplaro. Abbildung Nr. 8. 

Dieeoa Gepräge ist gleichsam die Erfurter Ausgabe des 
bekannten Wetterauer Typus: Gappe, Mainzer Münzea VI, 91 
und zeichnet sieh durch seine zierliche und reiche Darst^Uung 
besonders aus. 

Darüber, dafs die bis nun beBohriebenen Exeiuplaro nicht 
Siegfried I£I., sondern eeinem Vorgänj^or zuzuächreiben stiien, 
lassen unsere Naumburger und Meifaiicr firaoteaten kaum 
einen Zweifel. Hierfür eprecheo auch dt« gut«u Umschriften 
dieser Stücke, sowie deren Wechselbeziehungen zu den äl^ 
teren Oeprägen Ludwigs -von Kersfold , — denn ca Ica 
crfahrungsgeraüfs nicht fraglich erscheinen, dafs tod dfi 
Gepräges jeoe mit richtigen, sorgrultigen Legenden die illtertta 
seien. Ebenso lehnt sich die Daielellung auf Nr. 1 und 2 
untrüglich an die bekannton alteren Ooprüge, mit welehea 
sie, vergl. z. B. Nr. 3 — 5, auoh noch die bauchigen Bucb- 
ataben gemein haben. 

n. £rfan>Ajmatädter Gegend. 
E« folgen nun fünf Gepräge, von welchen die binher be- 
kannten alte nach Arnstadt, einer MUnsstiltte der Äbte von 
Hersfeld, gewiesen wurden. In Ermangelung klarer Üin- 
sohriften lüsst sich bei der völligen Übereinstimmung dar 
Anstädter und Erfurter Fabrik eine Trennung sdtwer dnroh- 
fUhrcn. Doch vermag ich nicht blindlings r. Poaora'i Auf» 



J 



D«r BrituleataDfun^ su Sulax. 



491 



■ÜÜSluDgen z\x folgen. Einmal nicht, weil die priniipielle 
Frage unentEuhieden ist; haben wir in ilirn vc^Fworrenen und 
«onlt>een Umechriften — neben riohtigen aus demelben 
Zeit — Absicht oder UokeDritiiis zu erhiickea? Entstauden 
dieeelben dadurch , daTe der korrekte Stempel oder die rich- 
tige Torl&ge von unwiäeenden Oesellen, die mit Wolfram 
Ton EBolienbaoli und den meisten jener Zeit „ keinen 
Baoohetap" kannten) sinoloa nachgeahmt «rurden und diese 
Kaohwerke, um Zeit oder Koeten zu epurcn, trotz ihrer 
Fehlerhaftigkeit in Oebrauoh genommen wurden ; oder ent- 
standen sie aus Gewinnsucht und zwar dadurch, dafs die rich- 
tige Umschrift eines beliebten VorbiUes von dem die Dnr- 
elelluug uachahmendea fremden StompelBchDoider abeichtliuh 
entstellt wurde, um sich so gleichsam ein Hinterpförtchen 
firei zu. halten gegen die Anklage auf olfenen Veratolä gegeu 
Kecht und Gesetz ? Beide Lesarten haben so viel Wahr- 
scheinlichkeit für sich, dafe eine Entscheidung für die eine oder 
andere weder ratsam noch immer entsprechend sein durfte; dio 
fJnterauohuog wird sich vielmehr nur mit FeeUtellung des Wahr- 
Bobeinlicheren befhsaeo könneo. Sodann vermag ich v. l'o- 
eern's Zuweisungen nicht zu folgen, weil ich durohaue nicht 
glaube, dafe unsere Gepräge wegen des Bischofebildea nur einer 
biichöfliohen MüneEtätte entatammen können. Im Oegentoi) 
sehe ish gerade in der herrschenden Stellung, welche die 
geistlichen Münzstülten, wie Erfurt, Arneladt, Naumburg etc. 
einnahmen, eine Berechtigung, zu Termuteo, dafs die Oepriige 
dieser Orte in NachbarmÜDZBtätteo, besonders in jenen kleinen, 
deren Gepräge nicht festzuBtellen sind , nacbgeabnit wurden. 
Die UmBohrift«n sind zu stark entatellt, ate dafe wir an- 
nehmen könnten, der Stempelschneider habe sie bei der im 
übrigen sierliahen Arbeit nicht besser zu kopieren vermocht. 
Ja, wenn wir näher blicken, finden wir sogar diese entstellten 
Legenden auf verschiede neu GeprUgun mohrfach ziemlich 
genau wiederholt; da hätte der Steropelschneider dooh 
«uch die richtige Umschrift wiederzugehen vermocht, wenn 
«r — gewollt hiittt. 



492 



Der BrKt*U«nfanil (U Snli^ 



9. SAI01S3— CIüDVAI. Dor avrischen Kappelthünnen 
eitzende Infulterte »tüUt mit Jer B«chtvn den Krainmitob, 
mit der Linkcu eiuen BlumenEweig aul die Knöpfe der 
Kuppeln. 

3 Exemplare. Abbildung St. 9. 

Von Scblogels II, 2 und v. Poeerns XHI, I unterscheidet 
sich unser Stuck, nbgeeehen von der Umsulirift, beintthe nur da- 
durch, dafs dort Krumoistab und Zweig aof der Uauer ael>oo 
den Thürmen ruhen. Die Darstellung ist im Grunde die 
gleiche, die ITuisohrift aber lautet dort : LVDeV— IC -ABB- 
Die Prügezeit uDsereB Stüekee ist hierdurch wohl gesichert, 
DTuht aber die MünzBtiitte, welche dau Gepräge Ludicigs naeh- 
abuite. Dafa eie nicht im raäohtigeu Erfurt xu suchen, ist 
Daheliegendi ebenso kaou Naumburg und Merseburg uieht in 
Betracht kommen, wir sehen also gleich hier, daTs die obeo 
erwähnte Vermutung deu passeudeten Ausweg bietet. 

10. ADCOIGC— CiePCIVS. Der «uf einer Bank sitzende 
Infulierte hält in der Beohten eiueu KrumniBtsb, in der 
Linken einen mehr schild-, wie bucharligen (iegeaetnnd. 

1 Exemplar. Abbildung Nr. 10. 

Hierzu eine Varietät: 

11. AOnCIO— ClOPiVS. Wie Torhor, doch sind die Buoh- 
Btabeu etwas gröfser, und behndet »ich auf dem KuTseroa 
Bande unter der Figur ein zierliches Kreuz. 

1 Exemplar. 

In diesen beiden Umeohritten möchte ich wogen, das 
Yerunglücklo Wort: avchiopiscopus xu orkooaeo, wodurch die 
Stücke nach Erfurt gevieeeu, reapekt. als Haohahmungea 
eines Erfurter Urstückea anzuseilen sei» wurden. 

Nebenbei möobte ich erwütinen, dala der GegenstADd in 
d»r Linken des Infulierteu nicht den Eindruck des Evaa- 
fcelieubuchoE maohti gewöhnlich ist dasselbe aufgesoMogeii 
dargestellt, oft ouch geeohloasen und der Eiubnud dauu mit 
eiuigen Punkten oder Itiageln verziert. Hier jedoch ist di« 
UDtere Linie der Figur etwas gerundet, vot allem aber eins 



Dir BraclaMoiifaBd lu Sulii. 



493 



imäTsige kreiäförmige Aiiordnuug der DurBurvn Ringol 
um den mittleren ßiiig gegeben , wodurch eioe Verzierung 
eot&teht, welche uDgesucbt au eiu Bad erinnert. Ob dlsMr 
Umetand mit dem nul' Erfurter Bractenten buld daroacb so 
eingebürgerten Abeeicheu in Verbindung ku bringen aei, iTBge 
ich nicht zu entscheiden. 

19 — C— SAIOI. »er auf tierkopf-verdertem Stuhle 

sitzende Infulierte hält Ju der Beohteu das Evangelioa- 
buch (?), über welchem ein Kreuz, in der Linken einea 
auswärts gekehrten Erummetab. 

1 Exemplar. 

Der felilende Teil der Vmschiift soll uadi Schlegel II, 18 
lauten: HSL- 

Auf das vertnetQttiohe Evaugelienbuch naher einzugehen, 
gestattet hier die schiechte Erhaltung de» Stücke» niaht[ 
jedenfalls ist Grürso und Farm ungewöhnlich und bei Hohlegel 
Bc blecht gezeichuct. 

t3. oCSAIoIOISoPhCICPo lunerhalb eines nactt oben in 
einen Dreibogen niiglaufeadco Kreisos das Brustbild dos 
Infulterten, die Rechte zum Segen erhoben, in der Linken 
das aufgeschlageoe Evaugelieubuch , darüber ein Punkt. 
Über dem Dreibggen oio Gebäude zwischen zwei Ro- 
sette o. 

2 Exemplare. 

Schlegel II, 6 and v. Posern XUI, 6 führen die Stücke 
mit fn&t gleicher Umschrift vor, Eiue ähnliche Legende 
linden wir aufser auf unserer Nr. 9 noch bei Solilegol I, 14 
ond 15, II, 7, V. Posem 34—87. 

Die Buchslaben 100, die sich auch auf Shulioheu Gc- 
prägeu noch mehrfach ündea, äind mit dem Namen des AbtM 
Johann I. von HersMd, 1201 — 1213, nicht mehr in Zusam- 
nieuhang zu bringen, da diese Pfennige doch etwas jünger 
Biud. Indeb macht sich dio Abnahme kunstvoller Arbeiten 
tind dor Verfall der UituEO überhaupt seit Lupolds von Mainz 
Tod (1208) in Erfurt, mit welcher Münzstätte die ben^^h- 



4H 



Vtr Bra«ta*t«nntAd tn Sulik. 



borten gleichen Schritt hielt«ii, bemerkbar, oIho früher, vi« 
V. PoBfirii muiiit. 

Wir eeh«n, eine eudgillige BuUcheiduug lä£e( Bich bei 
dieseu Geprägen kaum treffet), und darum glaubte ich n« am 
bettea TOD dm andern xa sondern. 

IIL Arnstadt, Münzstätte der Abtei Bersfbld. 
Ludwig L, 1217—1239. 

14. LVoOB....— SAoABBS. Der auf einer Bank sitieDd« 
Infulierte stützt auf diese mit der Buchten einen Hing«)- 
Kreuzetab, mit der Linken einen Krummstab. 

1 Kxcmplar. 

Schlegel hat diesen Typus auf Tafel II unter Nr. 4 zur 
Abbildung gebracht; die Umschrift aber weicht völlig von der 
UDsrigen ab. v. Foaeru XII, 1 5 fülirt ein Übolichee Gepräge 
mit einem tierkopf- verzierten 8tn)ile statt der Bank vor; das- 
eelbe ist daher nicht ideütiech mit Sublegel's Nr. 4, wie er — 
vermutlich in Folge der maugelliaften Zeichnung — glaubt 

Die Buehstabun SA der TJmsoUrüt bilden offenbar nur 
die miljlungene Endsilbe des Namens, wären also auf VS 
richtig zu stellen. 

Dies das einzige nn zweifelhafte AmBttidter Gepräge doa 
Fundes. 

IV. VTavunburg. 
Eerthold II., 1186—1206. 

15. BGRTHOLDVS— a (f) Die auf einem Bogen aitseoda 
Figur, ohne Ornat und Mitrn, hält in der Kochten «rinen 
einwürte gekehrten XrummEtab, in der Linken eicm 
DoppeldohluBBel mit einem ßriä' und zwei Barten. Auf 
dem äufseren Rande; C— D— C — V. 

1 Bxemplar, Abbildung Nr. 16. 

16. BCm-.-H0LDVS-C6-.- Die Figur, wie vorhin. h«lt ia 
der Hechten einen mit dem Barte einwürts gekuhrten 
Sohliiseel, mit der Linken einen Krummiitab mit nach «in- 
würta gerichteter Eriiiumung. 

1 E-iemplar. Abbildung Kr. 16. 



Dar BravIetUufuiid lu Üuili. 



495 



I 



Beide Gepräge gleiohen in Stil und Charakter den bislicr 
bekanoteu Brooteaten Bertholds vollkoiuiueu, briugeii aber 
durob die Anwendung deg Sohlüsaele qe^uc Tj-peu. 

Die Schluräbiichetaben auf Nr. 16: C€ laeeen An ZeiU 
denken, wenngleioli dieser Name gewöhnlich richtig mit CIC€ 
abgekürzt ist. 

IT. BDTHOP— LDVS-D. Der BiBohof im geistÜohen Or- 
nat mit bebänderter Mitra bicorois, auf einem tierkopf- 
veHievten Stuhle nitzend, hält in der Rechten einen Doppel- 
BOhlÜBsel mit iwoi Barten und einem ürill', in der Linkoii 
ein Lilieaszepler. Auf dem äuüeren Ilanile vier siierlicbe 
Boeetten. 

1 Exemplar. Abbildung Nr. 17. 

Gersdorf hat io den Blättern für Uönzfi'euQde IS69 
S. 121 fg^ Taf, XVII, Nr. i und 3 zwei Braoteaten bekaont 
gemocht, die mit vorliegendem grofse Ähiitichkeit besitzen. E« 
sind die nach Merseburg verwieaeneu „Alphaliet-Braoteuten". 
Auf dem einen finden vir uneeie DoppelBchlÜBeel , auf dem 
andern die Figur und deren Darstellung wieder. Während 
aber dort das Alphabet von A bis iß, und H die Umschrift 
bildet, lälst die uneere iinr die Leeart: Bertholdus zu. 

Unter den mehr derben, meist sohmuekloeereu Braoteaten 
dieses Bisohofe iet unser ßtüok eine neue ErBoheinung ; es 
ireioht von den gewöhnlicheo Darstellungen in mehrfacher 
Beziehung ab und zeichnet sich durch einen feineren Schnitt 
und Kartereu Schrötling aus. Doch darf ea nicht Wunder 
nehmen, wenn wir während der zwanzigiährigeu KegieruiiB; 
des Müozherrn JLuderungon im Charakter der Uünzen, die 
Hand verschiedener Meister erkennen, von welchen nue man- 
cherlei Ursachen die einen mehr üu dieser, die andere la 
jener Manier und Fabrik neigen mochten oder — muTsten. 
Wer hatte z. B. von Mciiäen Gepräge erwartet, wie sie uu« 
£ardt im Culmer Fund, Archiv für Brecteateo künde S. 206 fg., 
TorfUhrtf 

Ob durch unE« Stilelt die Zatetlung oben erwähnter 




496 ^" BractHtaufand za Sulz*. 

Alphabetbraoteaten naoh Merseburg, welche sieb auf ein Ge- 
präge Eberhards, t. PoeerD XXXTU, 7, stützt , das nichts 
mit jenen gemein hat, aU die Wiedergabe des Alphabeta bia 
L, ersohhttert wird, mag weiteren ForsohungeD überlaasen 
bleiben. 

V. Uftrkgra&obaft MelfBen. 
Heinrich der Erlauchte, 1221—1288. 

18. Im FerlenkreiBe der stehende Markgraf mit Panzerbemd, 
in der Bechten ein aufrecht gehaltenes Schwert, in der 
Linken ein Kreuzszepter, im Felde 5 eeohsstr abiige Sterne. 
Auf dem Uufeeren Rande befinden sich ober dem Kopfe 
ein Kreuz, zu beiden Seiten und unten je eine KugeL 

7 Exemplare. Abbildung Nr. 18. 

19. Wie vorhin, jedoch in der Linken ein doppelter Aeictu- 
apfel mit Knopf. Im Felde nur 4 Sterne, doch zwei Funkte 
neben den FUiäen; auf dem Bande oben und unten ein 
Stein, zu beiden Seiten je ein Bingel. 

2 Exemplare. 

19, a. Wie vorhin, doch im Felde unter der linken Hand kein 
Stern, eondern einKuppelthurm, auch keine Punkte 
neben den Füfseu. Über die Verzierung des Bandes ge- 
stattet die mangelhafte Erhaltung keine zuverläsaigea An- 
gaben. 

1 Exemplar. 

20. Der auf einem Bogen sitzende Markgraf hält in der Keoh- 
ten ein Schwert, in der Linken ein zweiteiliges Blumen- 
Bzepter, in dessen Mitte ein Kreuz sitzt. Auf dem äuberen 
Bande 4 Funkte. 

1 Exemplar. 
Dies Stück übertrifft mit den beiden Naumburger Oe- 
prägen Nr. lä und 16 die übrigen an Stärke des Sohiötlinga; 
zugleich ist es das rohes te von allen. 



Der HfkcURUntiind >d Solu. 



497 



TX Laadgraffaohaft Thüringea. 

Ludwig IV., 1317— 133T, oder Heiurich Baspe, bis 
1247. 

21. VOICIVIOD— CIO. Reiter Ton rechts mit flftolier Kopf- 
be<]eckuitg, Fahne und Schild, derin ein Löwe von links. 
Der Schweif dea Pferdes unterbricht die ümaohrift. Ktiok- 
wärta über dem Pferde eiu Thurm mit spitzem Doch, das 
mit einer Kogel geziert iet. 

4 Exemplare. Abbildung Nr. 21. 

22. VCV— D-IAOHN-IVC?). Wie vorbin, jedoch der Reiter 
Ton links. Bückwürte Über dem Pferde ein Kuppelthurm 
mit breiterem Unterbau. Äaf dem äufseren Bande rechts 
uad links je eiue Kugel, vermuttieh auch oben und uutea. 

1 Exemplar. Abbildung Nr. 33. 

Eb ist hier hervorzuheben, daTs der Löwe im Schild trota 
■der eutgegengesetzteu Steiluug der Reiter auf beiden Stucken 
von links gegeben ist, eine heraldieche Üenauigkeit, die man 
im allgemeinen jenen Zeilen nicht zutraute und der eiuo ge- 
wisse Bedeutuug nicht abzuspreoheu ist, weuu man die Siegel 
der Landgrafen von Thüringou in Betracht Eieht. Aiohivrat 
Dr. Poaee hat dieselben in seinem neuesten Werk« „Die Siegel 
der Wettiner bis 1324 und der Landgralen reo Thüringen 
bis 1347" in trefflichen Abbildungeo vereinigt*). Auf dem 
SlteBten Siegel der Thüringer Landgrafen von Ludwig IlL 
i>t noch keinerlei Wappen bemerkbar. Erst seit der Er- 
werbung der Pfalü Sacheeii (1180) führte er ein solches und 
zwar einen Löwen ein, welcher bis zum Erlöschen des Ge- 
schlechtes mit Heinrich Kaspe (f 1247) das Hnuswappen bil- 
dete, danach mit der Landgiafscbaft Ttifiringeo na die Wet- 
tiner überging. Dieser LiJwe erscheint auf den Siegeln nun 
ebenfalls stets von der linken Seite genau in deraelbon Stel- 



t) Mit le Tftreln, Gr.-Follo. Lslpiig 1888. Vat% tdd Gltiscko und 
Dsvrieal. 




498 



Snlaa. 



lang wie not aastna und ühuitehen Uünxcn '). Da fa 
kein auf ein DTnutengesehleoht hiowebeDdec Abzeichen 
hondeu — die ThUrme hinter dem BeiUr dtcneo Dar, 
•Ueemeio äblich, zur AoeBohrnttokuDg des leeren Feld«« 
u liegt keio besonderer A)ihnltung»gnind Tor, die Nnu 
und 2S dem Eude der Regierung Ludwige IV. oder 
ereten Jahreu der Vormundsohiift Heinriefa Bnspes über leiafs 
KeSen Uermanii II. luzunei^CD. Freilich bietet, wie dil 
Er&brung lehrt, dae Wappenschild &n 8icb, niunontli«b iD 
Anbetiacht der verworrenen TTmsclirinen, keioe rolle Kchn> 
hdt für eine derartige Zuteitaug; die Möglichkeit etoer p- 
wianeüohligen Kachabmung tod «öderer Seite ist ii 
nicht auegeeuhloeseu. 



vn. UÜDzatätte Boda: Dynasten Ton Irf>bdebnrg. 

2«. ++ROaGMS S (?). Kn achtspcichige« Raä, 

ia desseu Mitte eine Kugel. 
1 E\fimplar. 

Daa Stück scheint v. Posern 'b Nr. 7H, das zwar nor T 
Speichen besitzt, am nächsten zu kommen. Ob wie auf die- 
sem auch hier der itufeere Band mit vier Kreuzen geziert iil, 
lübt eich wegen der vielfach auegebrocheneD Stellen desaclben 
nieht beBtimmen. 

Soweit die Beschreibung des Sulzaer Schatzes, der noch 
in den xwanziger Jahren des XIII. Jahrhunderts geborgen 
worden sein diirfie. 

Eine naheliegende HoDuung aber glaubt« icb uoerAillt: 
Sulxaer Gepräge schien der Fund nieht enthaltea zu haben. 
Und in Suiza wurde gemünzt. 

In dem durch seine Salzquellen reich gesegneten 
dessen Spuren bis in die Steinzeit zurückreichen, moII sieb 
bereits Karl der Grofee i. J. 803 aufgehalten haben. 



1) Vgl. a B. d«!! Reilerbin«l«akD HcrmanoB I. *dn Th&ring«m: 
Erbslein, Tr«b<lur Fund Mr. BO. 



Dir Bracteatctifund xu Suixa. 



499 



»hre 1064 erteilte König Heinrich IV, dem Ffalzgnfon 
riedrioh II. van Sachsen Münze, Marbt utiil Zoll duelbst *}. 
Wir atofsen tliutsüchlich auch nicht our tiuf eineu He!- 
ricuB, quondtmi monetarius in Suloe '), Boodem auoh auf 
Stellen vie: Septem soHitorum Sulzeagis monetae . . . odor : 
Teienti denariorum SuIaeuBis monetnc''). Denaooh war mir 
kein Sulüaer Gepräge zugogongen. Hit um so grärsuror 
Freude ist eine kleiue Abhandlung der D*" Erbxtuin zu be- 
giUfeen *). welche einen interesBanten Braoteatöu — onswelftl- 
liaft einen versprengten Teil des Solzaer Funden betrifft. 

Wie die naohfolgeude Abbildung veranBo bau höht, aeigt da» 
MüQzbild einen Bisohof mit Krummstab und Eraogelienbuoh; 



V i^::^A^ 



(■■ -^ 




SnlsKar Dncieat mii dem hl Uauritios. 

die Uoiiahrift mit nach aufaen gestellten fiuoh- 
■ laben lautet: I'IÄVRI — TWS. Int übrigen itt da« 
StÜok genau von dem Cbarakter und der Mache der unsrigen. 
Da nno weder ein geistlicher noch ein weltlicher Munsberr 



1] *. Potcm's Angibo b»U(;tJch dir Sladtrcthtirerleibnng im Snlia 
vom J. inS9 ist WisuHlgsu , duC» die Eclilhdl der bgtrelT«ndeii Urkuntl« 
•llgemeiii Bneein-eifeli wird. Vgl- Df. J. K. A. Mftitia, Uikondenbueb 
dar Stadt Jena I, S. 1 &Vg. 1. 

S) BcUn^o und KrvyBiit, Mnoblaai! I. B. ITI. 

3) lu MriIis» Wilta's „Tnji-haligrii|>liiii SuliMUla", J«d1I 1810. 

i) Blltur BiT MUnKfreunde 1BS8. S. 1448 IT. 



500 '^■r Bractektouftind zn Snl«!. 

UauiitioB in der hier in Betracht kommendeo Gegend anä 
Zeit heranzuziehen iat, ao können wir es nai mit dem Namen 
eines Schutzpatrons za tfaan haben. Auf diese Weise ge- 
langen vir za Solza, vo seit alters der hl. Maaritiaa verehrt 
nnd sein Bild vom Hate im Biegel geführt wurde und anch 
heute noch das Stadtwappen bildet. 

Ans der Nsohahmnng de« Brfnrter Tjrpas aof diesen) 
landgräflioh thüringischen OeprSge ersehen wir abermals, 
wie sehr die Uünzherren ans Terkehrsrüoksichten gezwungen 
waren, ihre Uüsze jener der benachbarten Hanptorte an- 
zupassen, das Umlau&gebiet künstlich zu erweitern! 

Die Stadt Snlza aber verdankt der UUnzkunde in obigem 
Bracteaten ein in mehrfooher Beziehung wichtiges Denknsl 
ans längst entschwundener Zeit. 



Zeittchr./. Tkär. Qeieh. Bd. SIV., t 




/ 






Der 



niszellen. 



3. 

Die Uteste Frankenliaaser Salzordnnng, 

[14]93 NoY. 30. und du* Merooriale I. 

VftD Dr. O. Dobcnecksr 

Salzbrunnen (putei) und Salzpfumcn (pat«llae saltB, 
Sölden, panBtadhelti, Salzkotheu) zti Fraukenhausen sind iir- 
kuadlich für frühe Zeiten belegt. Zwar ist die Urkunde, laut 
welcher Otto L dem Kl. Pöhlde unter a. «wei Salzpfannen zu 
FrankenhitUBen s.a. 952 Apr. )B bestätigt'), in vorliegender 
Form oft'enbar eine Fälaohuag; aadere urkundliche Zeugnisse 
für die Salzgewinnung zu Fraukenhauflen aind jedoch unan- 
fechtbar. In der SohenkungBurkunde Kaiser Otto'a III. ftir 
Kl. Memleboo, datiert Eoin, 998 Nov. 30 *). werden dem gen. 
KloBtar auch Salziifannen daselbst (cum locis patellarimi, in 
quibuB 8al efflcilur) übergeben. Nicht gelten wurden Sölden 
als einträgliche Benten an kirchliche Stiftungen yersuhenkt. 
8o wies Anno II., Erzbisobof v, Köln, der von ihm goalifteteu 
Abtei auf dem FeterBberge bei Saalfeld 1074^) vier Pfannen 



1} M.G.H. D. i O. I. HO. 4S9. 

3) Wsncii, D.LG. !11 l'.B. S6; IVÜbeliii in Hill, liist- >ldI. Pomch. 
H. V 9- 71 [la Nov. 81| aus 0(. [A. KmsoI = M»rb. ?]. Siuropf. U K. 
tl na, uro. 

3) Lochmanii , Pigr. laeai, Suilf. rivit. p. IT — i J. Ad. v. Svliultoi, 
S»«bs.-Cab.-S>Hlf. LEuideigeicb. Abi. II U.U. na. ä; Lüpig, äpidl. eccl. Ul, 
S3S ; Falikenileio, Tbilr. Chron 11. 1801 ; Schamellas, Kl. KUf d. Patursb. 
KU SiHir. S. 14D--U3 = Tbiir. s. til ; Sobltk-El . Ds nummii SuU. C. 
C,. C,. 

XIV. 33 



604 



Hii lallen. 



in der Saline FraDkenhAueou an. 1120 April 16 bektont 
Beinh&rd , B. v. Halberstodt , von coiDcm Verwandten den 
Edlen Wichmanu zur Grilnduug imd Ausattittung des Klottom 
Culdenboru unter v. a. Gütern 3 Salzpfannen (pnnstadbet) lu 
Prankenhaueen erhalten zu haben *). Dieselben bestätigt 1IS6 
Aug. 7 dem gen. Kloster Kaiser Lothar "). Für ^&t(f« 
Zeiten sind urkundliche ßeweiso fni die fortgeefltzt« Solibc- 
reituDg daselbst noch zahlreicher^). TJm so aufialliger ist et, 
daCfi die sogen. Salzordnungen, auf denen die Yerfasaung tiai 
Verwaltung des Salzwerks beruhten Dotl z. T. noch berulien, 
in ausreichen dem Mafse noeb uieht verölte ntliuht worden sind. 
Die Statuten der Stadt Franken hausen, Ton denen die Ülteetco 
Yorhaudenen itus dem Jahre 1634 bereits von dem l>ek«nnteB 
Frankeubäuser Stadtsyndikas Johann Friedriob Kiildener in 
seinen 6 Abhandlungen über „die Qesohiuht« des Fraoeken- 
häuBisohen Stadtrechts" Franckenbauaen 1747 — 1751 ttiü- 
weise*) and 100 Jahre später von A. L. J. Mtebe]»eB ii 
seinea NameiiB des Vereios f. thür. Oeeoh. u. AUertumskande 
beraoBgegebeneu Kechtsdenk malen aus Thüringen S. 4G6 — 491 
voUetündig herausgegeben wurden^) und die späteren Jahr- 
hunderte hinduroh geltenden vom Jahre 1558 bei C. Fr. Walch 
in eeinen Vermischten Beiträgen zu dem deutschen Recht I, 
193 — 370 unter dem Titel „Franckeuhätuiäche aniezt noch 
geltende Statuten vom Jahr lö58" im Jabre 1771 xata Druck 



1] G. Schmidt, VK d. Bodul. Bnlb«rst. X no. ItS uu Or. t?.-BibL 

GottingeD [räo i, Or, mit AbwekfauDgco H.S.A. Dr»d«ii no, 4I|; v. Lud«- 
*rig, Kel. X, 134 (pracf, 15); Suhüttgeo et KrefH. OD. et SS. ■[, <90. 

5) O. Scbmidt, U.B. d. Hoclist. Bilberst. I jub iia. IBl aai Or H.S.A. 
Drasdeui Schältgeii et Krvya. DD, et SS. II, £91 tl; v. Ludewig, lUL X, 
139 ff.; Stu[ii|if, RK. U ao. 33S3. 

3} Heise in Thür. u. d. lUrx IV, 157 ff. 

t) El ist also nklit ittni riclitlg, wenti C. Fr. Walcb, V«nii. Baytr. 
t. d. deuttcben R«cbt I, 189 u. Michelsec . Bechtidenkmile uu TlSr. 
8. tu »chreibeo, er ba,be dieielbeu uiubt druckt» InaoMi 

6) Abst picbt niu^b dem Ol., wekbu nach MQIdeuer 1. e. S, Abb 
8. 6 auf dem Ratbaute lu FiuilteDbauaeu lag, •ondem oich dar Abwehr, 
b. Sebwui. 



Hisietlen, 



50& 



gekommen Bind, enthalten über danjenigc Inatitul, liem dis 
Stadt offenbar ihi« Existenz und Bedeutnng Terdankt, nur 
nebenher einige Bestimmungen, eo über das Amt der von dem 
Bat und dem Zöllner zu ernennenden BommeUter oder Dom- 
herren. tJber äufsere Ein rieh tun gen des WerbLs hat uns heroitt 
Johann Thö'lde in seinem 1619 ersubieneDeii Werke „Hotio- 
graphia" S. 133 — 129, Olearius in seinem Syntagm» rer. Thur. 
I p. 104, besonders lichtvoll L. Fr. Hesse in seiner Ab- 
handlung „Die Stadt Franken hausen" in der bereits gen. Zs. 
„Thüringen und der Harz" Bd. IV, 8. 148—161 belehrt. 
Voilständige Klarheit über „alle das Salzwerk betreffende 
Gereohtsame und Dien slleis tun gen" wird man natürlich er»! 
dann gewinnen, wenn man die „Salzorduungen" kennt. Hesao 
bat fünf derselben erwühnt. Die wichtigste ist die am 
18. Dez. 1600 in 3 Teilen erlitssene und 1609 Juni 14 
durch IT Artikel ■) und I64T Mai ^6 und 164» Mai 31 
durch Ucmoriate I und H erweiterte und berichtigte Ord* 
nusg, die im allgemeinflti itu HesBe's Zeit noch galt DU 
vorletzte vom J. 1560 ist von dem Grafen Wilhelm, die 
dritte taa 36. Janaar 1Ö53 Tod den Brüdern Oüotber und 
Jobann Günther , Gr. lu Scbwaraborg, Herren tu Amstidt 
und Sonders bauten, die zweite am 33. Dez. 1350 [?] *) Ton 
Günther, Gr. z. Sohwarzburg, Herrn zu Arnstadt und Son- 
dershausen, erteilt. Dia erste scheint naoh Hesse um's Jahr 



1) Auch im J. tflSS oder bald diUKof scheint eine .Salsa rdnuiiK or- 
Uuea >a sein. Die Eotwarle, Veibetse rangen deisclben und äoHclilea 
über diesolbeo sind erhallen in dem Akunfuicikei C. IV'. Si So. I im 
Oeb.-A, RudglMadl. Der laudesberrlivhe Eiltta isl Jedoch nouh niclit gt- 
funden worden, 

t) Hesse I. c. S. 168 schreibi; Die «rste SDheinl um» Jahr 1500 ab- 
gefarsl m sein, die zireile wnrde am SS. Del, (am Moulage nach TbomK 
des h, Ap.) 15M voQ dem OrnUa OUnllier XI. iii Schn-ariburg . Herrn 
iu ArosUdl und Sonderülismrua, diu drille deu 16, Januar (am Dnuiicritag 
naih Pauli Bekehrung) 15&3 erleiJI. Stimmt iehoo die Üeltfolge dec S. 
und S. aicbt, so pafst auoh niebl der 8S. Dea, lS6i la dem in d«r O. 
gegebenen Heiligentag; äMf Datum und die Zeitfolge stud aber in Ord- 
ijang, wenn m^n die oben gegebene JahrebAaiil annimmt. 

SS* 



QOe Ubaell«. 

l&OO abgef^rat lu BWn. Ofleobu: meint ICeM6 damit £*• 
jonife, welcbo wir im folgentloa goben. Dio««Ib« iit, m 
AM Artilt«! '24 herrorgeht (uf huto lonnabend Asdree umo 
»to xciij) 14»ä Not. 30 TorfoTtt. Di» durch Uiohelaen'i il^ 
markung 1. o. bedingte Annahme, daf« slle errrähnten Stli- 
ordnungen in der von dem ArcMvu Cbr. Gott&, Sohwtrt 
angelegten und im Fiirstlioii Schwarzb. Archiv ku BudoüUÖl 
beflndtiohen arobiTRÜschen Sammlung ' ) entbalteo acieii, (^ 
wies »ich bei dner Prüfung des un» durch Herrn Archiml 
Dr. Anemiiller eu Rudoletadt zur Benutzung am Ort gntigil 
überlasBenen S&mmelwerkä al« irrig. Daaeelb« enthält not 
die grof'se Ordnung vom .T. 1600 und die am 1-i. Juni mOJ> 
in IT Artikeln gegebene Abiinderung. Di« erstere, welch« 
von Albreoht, Gr. v. Scbwarzburg, um 18. Des. 1600 m- 
lasBen wurde, ist bei Abatverue Fritachiu«, Oputcula veria L 
843 — S&7 gedruckt. Sie besteht uu» 3 Tcil»D und handelte 

1. Toa den Pfanneru und tSaln-Südeu in &4 Artikeln'). 

2. Von den Salzkneobten imd deren Officio in 51 Artikeln 
und 3. Von den Pfannem und Salaknechh-n inigemein und 
von der Aufsicht im Salüwerke in 20 Artikeln. AagefUg^ 
nad die Formeln für die Eide der Vier-MeiBter, der Sali- 
Meister, der Ffieger, des Salz- Schreib er« , des Born-Motaten, 
der Born-Herren und des Zöllners '). Ahasv. Fritichiui het 
auTser diesen die ebenfalle in der emuhtiten nroliiveUachea 
Summlung von Chr. G. SchwarE aufge »ei ebneten 17 Aj-tikel 
vom 14. Juni 1609, sowie da« Memoriale II vom 31. HÜ 
1648 in 20 Artikeln veröffentlicht. 

Zu diesen Publikationen fügen wir zunSohst die offenbar 
älteste Salsordnung von Frankenhausen hinzu. Dieselbe hst 
Herr Rektor Schmidt in Arnstadt, der um eohon manebfla 



1) A. S. 7. C. 

S) So Dieb dir gen. archivaliaebea SatQuilDog von Chr. 6. SehTara 
im V. Qu.-A. RudoUl, Frilach iciobt 66 Artlk«! , iodoDi «r ilon 14. Ar- 
Ukel „Von Nälieigeldung d«r Mittlio" in t Artikol wIvKI Kmu In TbOr, 
u. d. Hut! IV, 163 rcohiiet 106 u-iui» ISA retp. lÜ Art 

S) Bai ScbwaTi nur t Fon&tla. 



Misaallen. 



607 



k 



dankenswerten Beitrag zur Scb^Rrzb. Oeaoliicbto ilbers&ndte» 
im Origin»! in flem Arnstädter BegrierunßaarchiT getaaiva 
und uns eine getreue Abaohrift daron geliefert. 

Die Balzordnung lag ganz allein, niobt einniBl unter 
ftnderen Frankenhaujeii betreSenden ScbriftatüokeR , «o dafs, 
wie Herr Bektor Sobmidt ecbreibt, leider veoig AuBsiobt 
Torhanden iet, die Ordnuugea aus dem 16. Jabrbundert in dem- 
selben Arohiv 2u finden. Die Naobforsobung naob denselboo, 
di« wir hoffentlich in den folgenden JftbrgäDgen dieser Zeit' 
■ohrift geben können, wird sich demnaob in enter Linie &ut 
-äie zu Praskenhausen und im Füratliob-SohwarzburgiBcben 
Archive zu Kudohtadt liegenden ArcbiTatien richten milg«»&. 

Naohstebende Salzordnung umfafst im Original 13 Quut- 
seiten auf derbem Papier mit merkwürdigem WasBerzeiohon. 
AU Eonzipieot und Schreiber nennt sieb im 26. und im 
letzten Artikel Wyner. ober dfasen PerKöulichkeit wir niobt« 
haben ausfindig machen können. Die Ordnung heiteht aoa 
27 Artikeln ') und lautet: 

Ditz BKo hir nach geachrebtn stet itt untjazers giied[igen] 
hem emate meynuuge umb das talozwergk zou FranckeD- 
hasin, also sou haldenn unnd zu regim. 

1. 

Zum erBt«Dn : Das unnierun goed[igeD] hemn vorkomen 
ist, das ethobe phenner STnt, die oberiok ealazs machenn 
odder mache lassen meher , wan oo von rechte gebort von 
rechter geborunge des «alczs wergka ; hirumb, ber nie phenner 
odder kneoht , hinder wen man das kerne unnd als mancher 
oberigk gewergket bette, ale mBDohe drie gülden solle her 
buBEe gebe unnsema gned[igen] bem halp unud die ander 
helffte der «tat. 

S. 

Onoh iit unnsenin gnedfigen] hem vorkomenn, das 
«tliobe eint, die Torsumen in die wocheen unnd dan die 



I) Dl« Zahlen übsr ieo eXatttoeo Artikeln sind von Harro RekMr 
Sobmtdl biDBUgelQp •rordsn. Im Or. sCeben tie niehl. 




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Hlaitllan. 



TOTBumuiige «roacb wergkeu in der aader irochenD , oddtr 
wan sie Iconueii, eyn (uUiobs wel unser Kundiger h«n« 
straffe so liebe odder guthe. 

a. 

Ouch die do zu samede wergkenn in eyner seldom, 
dos «ich zu zweyeiin seiden gebort, unnd ob die uff den fri- 
tagk nach erloubuiiKe yrea ealcses nicht alle gemnoheii kondei, 
das eoHq sie dem b&Icz knechte euch sageun unnd beggchribeD 
laseeun, wie zu vor geecliTebin stehet, unnde daeaelbigo, dM 
sie Torsumen uff den £rita£k, Bullen unnd mogena sie ye in 
der ander wochenn ungeGumet emacb. wergkenn, doob du 
alleosit gesdielie myt willeuu des zooÜeis unde der solti- 
greven; wer sich des dan aber Torsumet, der solle der pobia 
das uicht eifüllenn \>y der busse 2 gülden meynem gnedigeoo 
hern halp und der stadt hnlp, 

4. 
Ouch ist ymant uuder den pfasDoem der gebruck liet 
umb ain wergkenn, willioberlye der gebruch sie, dnrumb lier 
Toraunie muete, den gebruoh sei her bewUseno, beleythenn 
mit dem sooller unnd Baltxgreren. Was lie obm dtta «r* 
loublen TOn unaers genedigeon hern wegen, do sol her aiob 
nach riohtenn unnd baldenn. Fena ut tupra. 

5. 

Ouoh sollen die phenner noch knechte den kerrner kaia 
Etugk inhebeno unavmn saltüwerok zu schadenn, Bundom eya 
iiliob (ibenner odder knecht sollen das dem ^icolner unnd 
ealtsgreven sagonn, lullich salts eu besehenn; ist den des 
Miltz gebrechlich, so fiol unseer zcolner unnd tallxgreTea ynt 
lagen , wie era domytb halden sol unnd sich dornncli rieb- 
teno, wer das anders bilde, sol und so muncb stugk er in- 
gebeiiD, als manche gülden sue bussea meynem goedigonn 
hern balp unnd der atat halp. 

6. 

Ouoh wel una^er gnediger herre hsbin myt ernstem 
muthe, dae symauth syner soIe meher nehemen sol, daa yu 



Umi. 



I 



I 



T6D rechte geborth. Szo dan eyuer gnaden Torkomea iit, 
dfts etliche die sole nehemeu tmode nendeu die uu ejme 
tage tröge in den ander unnd ouch dem ander die looher 
zoustopphen, unnd alBO der lole nehemen nach yrem eygem 
mntwülenn, wie sie wulleo «ne wisaean unnd willenn der 
boTDmeyBter und der bomkneohte, eyn «ullioha wÜ unsEer 
genediger [hsrre] mit niohte meher habenu, sunder die lolo 
1oG£e gehen oBch inwendttDge unnd uszwendutige der bon- 
knechte, eo tu eynem ixlichcm tröge unnd loche tqd rechter 
gebor tuBlehel. Gewimne aber ymont gebrechenth an gyne 
loche adder sole lu nehemenn, der sol eirner ixlictier, her sie 
phenner adder kneofat, an dem bornmeister erauchenn, sie 
doruBZ KU entschichtigenn unnd zu rechtferligenn. Wer eyn 
sullichs nicht enhilde unnd dar über besehen adder uber- 
kcmen wurde, er ue phenner adder knocht, sal sweyne gül- 
den uuBernn genedigen hern halp unnd der elndt halp [salon]. 

7. 
Ouch duioh flisiohe bethe trillenn der letbe unod phen- 
Der unnd nutz unnd fromen des saltzwergks hat unnazer 
genediger herre rergunst unnd gestat, das eyn ixlicher 
phenner Heobs stugk zm eynem tagkowergke wergkenn imnd 
nicht meher wergkeon sal unnd drie scheflel an ein stugk 
machen sei adder wie man das eynigk worden, wie vil zu 
maohen, unnd das gar eiden; wer das sieht helt, der aal 
das ealts verlorn habe von ejm wergke, meinem genedigenn 
hem halp und der etat halp, und sal die knechte am übe 
straffen , wan sie dee meber dan eyoe ubeikomen werden, 
unnd dos nicht 2u Terandem ane wiaseoD unnd willena 
uaeere gned[igen^ hem. 

6. 
Onoh sal man den knechten fortmeber iij gr. zu lade- 
lone gebin von iilichem glugk unud ilie phenner sollen den 
knechten fortmeber kein Ion adder Übe gebin, sunder sie 
tollen das also halden, als das Torlangk unnd Tor alder ge- 
best ist. 



610 



lllM«Un. 



8x0 dai die t>erreT hatfemi d«B pbelegonn TorMdeoL 
willich pbunoer (Hlder knvcht ubortrotlu, eol «jnm gnUn 
in bn»* geben, als ofFt h«r du tot, uDsernn gnfsdigm] 
b[erD] die belffte, die ander helftl« der «tat. 

9. 

Item es boI oucb nymuit sjue t&g« zu -wmxgkwit nt> 
kouffen odder rorgebin bie verii«8UDgf> eyoea fnilden ntj' 
sem gD[edig«n] h[erDJ balp uocd der »tat halp, soadR 
•fiier ixliolier magk syne seiden Tennitha mit wümq iu 
sc«)nen. 

10. 

Ouch hat ymant sn Bjner saldea gebrudh, das bar det 
inne nicht gewergkenn koime , der msgk sie ejnam andern 
phenner Termithen eyao zeit, biSK dea er s^e seMea «iddw 
gerechtfertiget, also das ejn soUich* geaobe myt wiiaeiB i 
unnd toube des zcokieri. 

11. 

Item die borameieter aoUea des gerioht« frihe äa unnd 
nicht meher an geriohte siteeDo ; dorror aollen sie im salts- 
wergk in der krochen swey odder driemol umbgeheiui uand 
dor inne eja flissigk affsehen haben nach anewieunge dw 
zooin eis. 

IS. 
Ouoh wil unsKer gn[edigerj hferre] habin in ernstem 
muthe, dai »ymaiit, her sie phenoeT adder kneoht, daroh 
ore irjbere unnd durch ore eygenn huszgesinde kein ealts 
entzcel in oren huize TorkouiFeun soUenn noch vorgeben, 
es sie dan an gantieDn stugkea. Sunder die riet atatthor- 
warthenn lollcnn unnd mugen saltz vorkouffean unnd feyle 
habeoD unnd an ganozenn stugkenn in den seiden koiiffoan 
unnd holon und xa wehem sie sulliob salti kouffen unds 
holen werden, das sol man on ane widderrede Tolgenn lua«, 
Unnd wer de« nicht enlielt unnd myt worheit uberkomen vot- 
deo, sol sveyne gülden zu busne gebiu unsEena gned[i|;aD] 
hern halp uaod der sut halp; hat er des gelds nioht, mI 




Ml9xell6a. 



Ml 



man yn an dem Übe itraffe, dorzu lollena dar rath luind 
dar zooUer ein flissigk ufBehen [habeo]. 

13. 

Ouch vel anazer gn[ediger3 li[erre] haben, das eya 
izlicher ph«nner sin looh am tröge uacd gexymie mit äisBe 
beware, esi sie in den aeldea oddcr bussenn den seiden, das 
die Bole niaht bieflisse odder unnütze umb kommen irnnd in 
dendregk leaset äissenn ; her aie phenner odder kneclit, dem das 
gebort zu Tor warren, der sol xx gr. lur bus»e gebio iiood 
euUich gelt sollen die borDmeiiter dem bome zu guthe in- 
neheme unnd darumb ane allen wenelialt') phengen, darzu 
BOl jn der lath unnd zcolner biestant tha. 

14. 

Ouoh ist unszeron gD[edigeD] h[em] rorkomen, du 
etzÜche saltzsknechte eres heni saltzsgelt uff oetiemen unod 
das nne wissenn unnd wUtenn unnd widder yres hern dangk 
inne bebolden unnd rertoppelu aildur sust in yrea saabeno 
umb brengen. Wer eyn tuUicbs thut uand das der horre 
das olageth, denaelbigein kneoht wel unszer gued[iger] herre 
straffenn ane gnaden unnd ber sol ouoh forder melier nioht 
ym GaltKwergke erbeitbenn unnd wer eynea sulliohen widder 
uff neheme vor eynen kneoht ane syne erbeith, der sol mey- 
nem gn[edigen] h[eni} unnd der etat die huohste busse Tor> 
fiJen sheinti. 

15. 

Item: Ouoh. villicher Baltzskneoht odder pbeoneT eynea 
kemner syn gescherre ladet, eez eye karii odder wayne, szo 
Bol der keruor niobt tneher gebin, dan von iweyen itugkenn 
oynen pbenigk. Wer des nicht enhelt unnd von dem kerner 
Terolaget